So habe ich das Messer geschärft

Begonnen von alvaro, 12. März 2020, 14:05:40

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DailyDriver

#600
Vorab ein paar kurze Worte...
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...der folgende Bericht ist kein ,,Schärfbericht"  in meiner herkömmlichen Form, sondern eher ein Erklärungsversuch, ich möchte mit meinem Bericht auch eher auf meine bisherigen Erfahrungen und das eigentliche Prinzip einer (typisch?) japanischen ,,NAGURA-Progression" mit zwei verschiedenen Möglichkeiten des Basissteines und dessen Auswirkungen und/oder die Unterschiede eingehen und darlegen. Hierbei möchte ich u. a. auch diejenigen ansprechen, die sich vielleicht das erste Mal mit dem Prinzip einer ,,japanischen" Progression beschäftigen oder mit ihrem Interesse an jNats noch gänzlich unbekanntes Terrain betreten und diesen Strang (genau wie ich) für erste Informationen nutzen.
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Die japanische Nagura-Progression ...
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...lieber mit oder (fast) ohne Unterstützung durch den Basisstein?
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Das Prinzip einer japanischen NAGURA-Progression
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Bei den Progressionen, wie sie im Normalfall in Europa mit europäischen Steinen durchgeführt werden, wird ja für die Verfeinerung bzw. den Weg von grob zu fein auch mit unterschiedlich groben bzw. feinen Schärfsteinen gearbeitet. Das heißt, um auf einen höheren Feinheitsgrad zu wechseln, wird im Regelfall auch ein anderer, ein feinerer Stein genutzt. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, mit einer sog. ,,1-Stein-Progression" ans Ziel zu gelangen. Hier sei als Beispiel der gelbe Belgische Brocken genannt, allerdings ist für diese Vorgehensweise das sog. ,,Anreiben" notwendig und meist mit erheblichem Mehraufwand an Zeit und nicht minder einem großen Maß an Können verbunden. Bei einer japanischen Progression mit den sog. Nagura (Anreibsteinen) ist eines natürlich identisch: Der Weg geht immer von grob in Richtung fein. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Im Regelfall wird nur ein einziger Basisstein verwendet, auf dem dann mithilfe der unterschiedlich feinen Nagura eine Art Schleifschlamm (der Slurry) angerieben wird und als eigentliches Schleifmedium verwendet wird. D. h., die Abstufung von grob zu fein wird nicht durch den Wechsel auf einen generell anderen, feineren Stein bewerkstelligt, sondern die Nagura, die Anreibsteine, sind hier von fein zu grob unterschiedlich und bilden somit die Abstufung von grob zu fein.
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Der sog. ,,Basisstein", der Stein, der quasi als Basis oder Plattform dient, bleibt der gleiche. Im Regelfall wird hierfür ein sehr harter Stein genutzt, der seinerseits wenig bis keinen eigenen Abrieb (Autoslurry) während der Progression erzeugt. Nachdem auf ihm mit Hilfe eines Nagura und Wasser eine Art Schleifschlamm/Slurry (das eigentliche Schleifmedium) mit dem Abrieb eines Nagura erzeugt wurde, kann das eigentliche Schärfen bzw. auch die Vorbereitung wie etwa das Setzen einer Facette beginnen. Dieser Slurry verändert sich auch während der Progression. Er wird im Gegensatz zu Slurry von europäischen Anreibern immer feiner. Dies ist in der unterschiedlichen Beschaffenheit bzw. Mineralogie der Steinschichten begründet. Theoretisch wäre hier wohl auch eine Art ,,1-Stone"-Progression möglich, jedoch würde sie wahrscheinlich ewig dauern. Aus diesem Grund wird nach Erreichen der gewünschten Feinheit der Nagura gewechselt. Der Basisstein sollte mit Wasser kurz gereinigt werden, dann wird mit dem nachfolgendem, feinerem Nagura erneut ein Schleifschlamm/Slurry erzeugt und die Schärfarbeit setzt sich fort. Dieses Prinzip setzt sich bis zum feinsten Nagura fort, im Regelfall ein sog. ,,KOMA"-Nagura. Soll der Basisstein auch als Finisher genutzt werden, kann auch noch ein sog. ,,TOMO"-Nagura folgen. Das ist ein Anreiber, der aus dem gleichen Stein/Material besteht wie der Basisstein. Im optimalen Fall ist es sogar ein abgetrennter Teil des Basissteins. Denn, und da verhält sich der Basisstein quasi wie ein Diamant, als härteste Komponente in der fortlaufenden Progression, kann von ihm nur durch einen gleichharten oder härteren Stein ein Abrieb erzeugt werden, denn alle anderen bis jetzt genutzten Nagura sind ja weicher als der Basisstein.
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Genau diese letzte Aussage bzw. dieses Prinzip ist es, worum es hier gehen soll. Denn was passiert, wenn ein Basisstein genutzt wird, der nicht genau über diese extreme, aber gewünschte Härte verfügt, sondern in seiner Struktur zwar immer noch etwas härter als die verwendeten Nagura ist, aber im Gegensatz zu einer sehr harten Basis während der Progression eigenen Abrieb erzeugt und gleichzeitig eine (stärkere/höhere) abrasive Wirkung auf die Klinge hat, quasi direkt bei der Progression ,,mithilft" und entsprechend Einfluss auf das Ergebnis hat?
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Die Protagonisten – meine Basissteine
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Der NAKAYAMA ASAGI
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Erworben habe ich diesen wundervollen Stein im Frühjahr vorletzten Jahres und habe ihn seitdem bereits viele Male als reinen Finisher mit und ohne Zuhilfenahme eines Tomo-Nagura erfolgreich genutzt. Der Stein ist sehr fein und laut Beschreibung seines äußerst kundigen Vorbesitzers zwar als relativ hart und als sehr schnell eingestuft, er liegt aber in Sachen Härte definitiv hinter meinem zweiten jNat, einem OZUKU, zurück. Den Stein habe ich bisher ausschließlich mit klarem Wasser verwendet. Sein eigentliches, schnelles und sehr feines Potenzial kommt erst unter fließendem Wasser zum Vorschein. Ob mit einem TOMO-Nagura angerieben oder danach im Solo-Betrieb: Ein sehr feiner, ins Gräuliche gehender Abrieb zeigt die hohe Geschwindigkeit an, mit der dieser Stein arbeiten kann. Als reinen Finisher verwendet, konnte ich bisher sehr feine, typisch leicht mattierte Facetten erreichen, die ein ausgesprochen sanftes und gleichermaßen gründliches Ergebnis brachten. (Anm.: Auf den Bildern sind auf dem Stein im oberen Drittel einige Linien und Flecken zu erkennen. Diese sind nicht ,,toxisch", haben keinerlei Einfluss und sind auch während der Nutzung nicht zu bemerken.)
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Der OZUKU Mizu Asagi
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Diesen Stein habe ich in etwa zur Mitte des letzten Jahres erworben und habe ihn bisher sowohl als reinen Finisher zum Polieren als auch bereits als Basisstein einer ,,NAGURA-Progression" genutzt. Der Stein hat eine sehr, sehr feine und gleichermaßen homogene Struktur, welche mich an eine dieser modernen, künstlich hergestellten Marmorfensterbänke erinnert. Die angegebene Härte dieses Steines (lt. Händler liegt sie bei ca. Lv 5++) wurde speziell als Basisstein für die Verwendung mit NAGURA empfohlen. Meine bisherigen Erfahrungen mit diesem Stein zeigten mir ganz klar, dass er im Verhältnis zum NAKAYAMA ASAGI eine deutlich höhere Härte aufweist, aber auch dementsprechend um einiges langsamer ist. Gleichsam hat er aber auch bereits gezeigt, entsprechende Geduld vorausgesetzt, dass er durchaus auch als alleinstehender Finisher im Solobetrieb zu einem gleichsam scharfen, gründlichen, aber auch sanften Rasurverhalten führt. Auch eine polierte Schneidkante zu erreichen, ist möglich, nur muss man, wie bereits erwähnt, eine Menge Zeit & Fleiß mitbringen.
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Die verwendeten NAGURA
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Bis auf den jeweiligen TOMO-Nagura, welcher ja identisch mit dem Basisstein ist, habe ich bei den Progressionen die gleichen drei NAGURA (hier in Reihenfolge von grob zu fein genannt) verwendet: einen BOTAN, TENJYO und einen KOMA.
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Die NAGURA im Gebrauch – was fiel mir auf?
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Bevor ich hier meine Eindrücke und Erfahrungen darlege, möchte ich darauf hinweisen, dass es sich hier natürlich um meine subjektiven Erfahrungen handelt. Ich habe mich natürlich bemüht, bei der Verwendung der einzelnen NAGURA auf den unterschiedlichen Basissteinen möglichst gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Dass dies dennoch mit Abweichungen verbunden war, liegt in der Natur der Sache. Einen völlig identischen Slurry auf 2 unterschiedlichen Steinen zu erzeugen, ist schier unmöglich, aber versucht habe ich es ...
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Anm.: Auf den folgenden Bildern ist immer der NAKAYAMA links und der OZUKU rechts dargestellt.
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BAN
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Der erste NAGURA, der BAN, einer der gröbsten Anreiber, der sogar, und das habe ich bereits 2 × mit großem Erfolg durchgeführt, definitiv zum Setzen einer Facette geeignet ist. Auf dem NAKAYAMA den Slurry zu erzeugen, war keine große Schwierigkeit. Im völligen Gegensatz dazu stand der deutlich höhere Mehraufwand auf dem OZUKU. Hier zeigte sich unmittelbar und sofort die extreme Härte des OZUKU. Auch während der weiteren Nutzung zeigten sich weitere Unterschiede, einige wie erwartet, andere genau andersrum. So zum Beispiel die ,,Entwicklung" des Slurry: Während dieser auf dem NAKAYAMA farblich eher gleich blieb (sandfarben/gelb), veränderte er sich auf dem OZUKU rasch vom Gelblichen ins Gräuliche, also wurde auf dem OZUKU wohl eher Material an der Klinge entfernt. Auch akustisch zeigte sich ganz klar ein Unterschied: Auf dem NAKAYAMA eher ein samtig-dumpfes Geräusch, auf dem OZUKU ein eher metallisches, ja fast schabendes Geräusch. Am Ende stand aber auch Erwartetes, so wurde das für mich angestrebte Ergebnis auf dem NAKAYAMA schneller erreicht als auf dem OZUKU. Letzteres war m. E. aber auch etwas feiner.
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BAN

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BOTAN/TENJYO
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Diese NAGURA führen den Weg in den feinen Bereich, mit einem guten TENJYO wohl auch schon in den Pre-Finish-Bereich. Das Herstellen des Slurrys blieb bei beiden Steinen gleich, auf dem OZUKU war wieder einiges an Mehraufwand nötig, um den Schleifschlamm zu erzeugen. Beim BOTAN noch fast identisch, zeigten sich beim TENJYO dann wieder etwas klarer zu erkennende Unterschiede. Bei der Akustik und dem Schleifverhalten blieb es diesmal bei beiden NAGURA auf beiden Steinen gleich. Die Akustik ging in ein samtig-dumpfes, aber sehr angenehmes Arbeiten über. Visuell blieb es beim BOTAN gleich, veränderte sich aber beim TENJYO genau wie beim BAN. Auf dem NAKAYAMA blieb es wiederum gleichmäßig gelblich, während es beim OZUKU wieder deutlich ins Gräuliche wechselte. Hier muss aber wieder bedacht werden, dass auf dem NAKAYAMA deutlich schneller mein gestecktes Ziel erreicht wurde. Hier kam ich auch bereits zum ersten Mal auf den Gedanken, dass der NAKAYAMA da tatsächlich ,,mithilft", d. h., ich vermutete erstmal die Entwicklung eines Autoslurry (selbst entstehender, zusätzlicher Abrieb vom Basisstein). Im Ergebnis sehe ich aber den OZUKU trotz Mehraufwand für feiner und bereits etwas ,,polierter".
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Botan

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TENJYO

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Der KOMA
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Ich bezeichne diese NAGURA mal als ,,Königsklasse" der Anreiber innerhalb einer japanischen NAGURA-Progression. Als ich mich im Vorfeld meiner ersten Gehversuche mit jNats in den Foren, der Literatur und/oder anderen Quellen umgesehen habe, stellte dieser NAGURA wohl den wichtigsten und somit auch den begehrtesten Stein dar. Dies spiegelt sich nicht zuletzt auch in der Feinheit und somit den Qualitäten wieder, sondern (leider) auch bei entsprechender Qualität im Preis. Oft hat hier ein guter KOMA den Preis, den z. B. die drei vor ihm verwendeten NAGURA zusammen. Ich lehne mich mal ein wenig über meine Rasierschüssel hinaus und vergleiche den KOMA mal mit einem guten ESCHER, allerdings zählen auch hier manchmal das ,,Papperl"/die Schriftzeichen mehr als die eigentlichen Leistungen des Steins. Aber zurück zum Thema ...
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Bei meinem KOMA, und das erfreute mich umso mehr, zeigte sich ein sehr schönes, gleichmäßig feiner werdendes Schliffbild. Der NAKAYAMA liegt im Aufwand/Tempo vorn, der OZUKU liefert aber ein noch feineres Ergebnis ab. Leider kann ich nicht zu 100 % das auf meinen Fotos zeigen, wie es sich mir unter dem Mikroskop darstellt. Selbst mit meiner Ausrüstung kann ich die Dinge nur zweidimensional darstellen. Beide Messer bzw. Facetten zeigen den Übergang zu einer leichten Politur der Schneidkante. Bei beiden Klingen war hier bereits ein HT über die gesamte Länge der Klinge ohne vorheriges Ledern möglich. Den Unterschied in der Feinheit sehe ich mittlerweile im Ursprung mit Sicherheit auch in der Feinheit und Härte der Basissteine. Während der OZUKU hier eher wohl bereits nur polierende Wirkung hat, zeigt das etwas weichere und nicht ganz so feine NAKAYAMA eine feinere Mikroverzahnung an der Klinge.
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KOMA
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TOMO-Nagura und die Verwendung als SOLO-Finisher
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Nun ging es zum Finish, d. h., nach wenigen Sätzen auf einem dünnen Slurry vom TOMO-Nagura ging es unter fließendem Wasser zum eigentlichen Endergebnis. Bei der Verwendung mit dem Slurry gab es bis auf einen Unterschied (Zeit & Aufwand) keine wirklich klar erkennbaren Unterschiede. Das setzte sich auch so bis zum Ende durch. Einzig der NAKAYAMA zeigte unter fließendem Wasser sein gewohntes, schnelles Verhalten und gab sehr schnell eine deutliche, klar zu erkennende Rückmeldung. Letzteres blieb beim deutlich langsameren OZUKU fast gänzlich aus. Dafür geht das Endergebnis deutlicher in Richtung ,,poliert".
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TOMO-Nagura

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Solo Finish
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Fazit
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Ich bin definitiv der Meinung, dass es einen nicht unerheblichen Unterschied zwischen den verwendeten Basissteinen gibt. Für mich hat der NAKAYAMA klar erkennbar ,,mitgeholfen". Inwieweit dies auf einen etwaig entstehenden Autoslurry der ,,Finisher-Feinheit" mit seiner (positiven) Wirkung in Form von zusätzlicher Geschwindigkeit zusammenhängt, kann ich nicht zu 100 % belegen. Es wird meiner bescheidenen Meinung nach eine Mischung aus allen Komponenten sein, die hier zu diesem sehr guten, schnellen Ergebnis führte. Der OZUKU zeigte aber im Umkehrschluss, dass seine Härte eine hervorragende Basis für die verschiedenen NAGURA bietet. Ich halte das Endergebnis für ein wenig feiner und auch (in der Vergleichsrasur festgestellt) für schärfer. Dennoch erbrachten beide Steine gleichermaßen ein hervorragendes, sanftes und gründliches Rasurverhalten.
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Wer also eine zügige, schnelle Progression wünscht, sollte es wohl mit einem etwas weicheren Basisstein versuchen, der aufgrund seiner Beschaffenheit auch ,,mithelfen" kann. Wer aber eine etwas schärfere, dafür langsamere Progression mit einer schön polierten Schneidkante wünscht, sollte wohl auf eine Progression mit einer ,,Fensterbank" wie meinem extrem harten OZUKU setzen.
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Immer neugierig bleiben!
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Vielen Dank und Gruß
Gregor
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

Paula

Wow, was für ein großartiges Posting. Ich habe mich nie mit Japanischen Natursteinen beschäftigt und mir war das Naguraprinzip nur von der Grundidee her bekannt. Insofern ist Dein Beitrag mit der Gegenüberstellung der zwei Basisteine und Erklärung der Anreiber für mich sehr informativ und interessant. Fotos sind halt immer so eine Sache, daher finde ich es sehr gut, daß Du auch die Rückmeldung der Steine und Deine Eindrücke des Verhaltens ausführlich beschreibst. dh:

DailyDriver

Zitat von: Paula in 21. Februar 2026, 08:37:10Wow, was für ein großartiges Posting. Ich habe mich nie mit Japanischen Natursteinen beschäftigt und mir war das Naguraprinzip nur von der Grundidee her bekannt. Insofern ist Dein Beitrag mit der Gegenüberstellung der zwei Basisteine und Erklärung der Anreiber für mich sehr informativ und interessant. Fotos sind halt immer so eine Sache, daher finde ich es sehr gut, daß Du auch die Rückmeldung der Steine und Deine Eindrücke des Verhaltens ausführlich beschreibst. dh:
Vielen Dank, schön, dass dir mein Beitrag zusagt.  dh:
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

MRetro

Hallo @DailyDriver.

Das Prinzip der Jnats-/Nagura-Schärfung war mir in dieser Tiefe ebenfalls neu und entsprechend spannend fand ich deine Erläuterungen und deinen Vergleich hierzu. Danke! 👍

Gleichzeitig zeigt es mir aber auch, wie kompliziert und aufwendig dieser neue ,,Hasenbau" werden könnte. Weshalb ich da lieber mal bei meinen 4-5 künstlichen Schärfsteinen bleiben werde. 🫣 Ich befürchte auch, wenn ich jetzt noch ,,Steine" sammle, werde ich mit dem Kopf voran zwischen einer Küchenschranktüre (ver)enden. 😉

Grundsätzlich fand ich deine Schlussfolgerungen beim Vergleich der Basisssteine auch logisch. Dennoch möchte ich mal 2 Einwürfe anbringen:

Wie stark können sich in deinem Vergleich unterschiedliche Härtegrade zweier Rasiermesserklingen auswirken?
Der Herstellprozess einer Rasiermesserklinge ist zwar grundsätzlich standardisiert, kann aber an mehreren Stellen zu unterschiedlichen Härteergebnissen führen. Ich meine gelesen zu haben, Rasiermesserklingen liegen so bei ca. 60 HRC mit +/- 2 HRC Abweichung (wenn man mal von extra angepassten Härtegraden wie z.B. bei Thiers-Issard absieht).

Wie stark kann sich der von dir 2x angerührte Slurry auswirken? Meinst du, dass hätte für die Ergebnisse noch eine Relevanz?

Dann noch eine Zusatz-Frage:
Gibt es auch künstliche ,,Basissteine" um gar keinen zusätzlichen Abrieb zu gewährleisten?

DailyDriver

#604
Hallo @MRetro,
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auch dir zuerst einmal ein herzliches Dankeschön, ich freue mich, dass mein Bericht auch dir gefallen hat.
Bevor ich versuche, deine Fragen (hoffentlich) befriedigend zu beantworten, möchte ich dahingehend
nochmal darauf hinweisen, dass auch ich noch Neuling bei/mit der japanischen NAGURA-Progression bin.
Das soll natürlich weder eine Entschuldigung für meine evtl. nicht ganz korrekten Ausführungen sein, noch
eine Art ,,Freibrief" für irgendwelche Behauptungen...
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Ich glaube, dass eine NAGURA-Progression keineswegs komplizierter sein muss, als z.B. eine Progression
mit synthetischen Steinen bis zum Pre-Finish und anschließendem Finish auf einem Naturstein wie z.B.
einem Thüringer. Ich habe in meinen bisherigen Progressionen wohl so ziemlich alles zumindest mal aus-
probiert, von der klassischen Mehrsteinprogression wie oben beschrieben, zu sog. 1-Stone-Progressionen
auf Natursteinen bis zur Japanischen NAGURA-Progression. Die einzige Erkenntnis und Erfahrung die
gleichermaßen für alle Variationen gilt, ist die folgende:
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Man muss seine Steine kennen, man muss bzw. man sollte wissen, was sie können und was sie wie machen.
Nur wenn man diesen Grundsatz beherzigt, kann man das ganze Potenzial eines Steines oder das Zusammen-
wirken aller Steine für ein gutes Endergebnis nutzen, alles andere ist nur ein Glücksspiel und hat kaum Chancen
auf ein wiederholbares Ergebnis.
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Doch genug von meinen phyllolofischen Abschweifungen und nun zu deinen Fragen... ;)
Unterschiedliche Härtegrade haben m.E. einen maßgeblichen Einfluß nicht nur auf das Endergebnis, sondern
vielmehr auf den Weg dorthin. Nehme ich als Beispiel eine ,,normale" Solinger Rasiermesserklinge wie sie so
um die 1950-1970'er Jahren millionenfach produziert wurde. Als Basissteine nehme ich genau die beiden, die
auch im Bericht beschrieben sind. Als Gegenüber werfe ich, quasi als ,,Paradebeispiel" ein GoldDollar GD66 ins
Rennen. Dieses Messer hat nach meinen Kenntnissen & Erfahrungen einen härteren und vor allem zickigeren
Stahl, sorry für den Ausdruck, aber ich nenne den Stahl gerne ,,zickig", denn manchmal macht er nicht das, was
er soll.
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Vorausgesetzt der Slurry gelingt mir immer gleich, hat bei beiden Messern die gleiche Konsistenz etc., sehe ich
schon vor der eigentlichen Progression einen klaren Vorteil beim Solinger Messer. Die Bearbeitung wird mit
hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel schneller und effizienter (auf beiden Basissteinen!) ablaufen und zum Ziel
führen. Das GD66 wird aufgrund seiner Stahlbeschaffenheit wohl erheblich höheren Zeit- und! Materialaufwand
benötigen. Mit Materialaufwand meine ich, dass wohl öfter neuer Slurry angerieben werden muss, dies resultiert
einerseits aus der Härte des Stahls und andererseits aus der Eigenheit der japanischen NAGURA & Schärfsteine,
das sich im Verlauf der Nutzung des Slurry die Schleifpartikel immer weiter Verfeinern, somit bei dem harten
Stahl viel schneller ihre z.T. abbrassiven Fähigkeiten und Auswirkungen auf den Stahl einbüßen.
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Bei der Gegenüberstellung darf man aber nicht vergessen, dass sich die einzelnen Komponenten auch generell
bei unterschiedlichen Messern bzw. den verwendeten Stahlsorten unterschiedlich verhalten. Nach meinem
Kenntnisstand sind z.B. japanische Rasiermesser, sprich KAMISORI aufgrund ihrer Bauart und den verwendeten
Materialien (hier ist besonders der berühmte ,,TAMAHAGANE-Stahl zu nennen) um einiges härter, als vergleichbare
europäische Rasiermesser. Die japanische Schärfsteine sind dafür ausgelegt, erleichtern also den Umgang mit
härteren Stählen. Doch Obacht...hier sind die speziell für die japanischen Barbiere hergestellten Steine gemeint
und werden oft mit dem Zusatz ,,...stammen aus einer Barbierstube" angepriesen. Nebenbei möchte ich ferner
anmerken, dass der tatsächliche Großteil der japanischen Schärfsteine in Japan nicht! für den Gebrauch mit
Rasiermessern vorgesehen waren und sind, sondern für traditionelle Handwerksbetriebe mit entsprechenden
Werkzeug auf den Markt gebracht wurden und werden.
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Letztendlich, und hier schließt sich wohl der Kreis zu meiner Einleitungsphilosophie, muss man seine Steine sehr
gut kennen, weiß man um die Eigenheiten und Qualitäten seiner Steine, kann man nicht nur das Ergebnis bereits
im Voraus einigermaßen vorhersagen, sonder auch den Weg dorthin beeinflussen.
Wie bei allen Dingen ist ein gewisser Spieltrieb, Geduld und ein gewisses Maß an Erfahrung wichtig, um dies alles
zu erlangen gibt es im Regelfall nur einen Weg...üben, üben, üben...
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Ich hoffe, ich konnte mit meinen bescheidenen Erfahrungen & Kenntnissen ein wenig Klarheit schaffen.  ;)
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Bei deiner 2.Frage bin ich ehrlich gesagt, tatsächlich überfragt, zumindest wenn es um synthetische Schärfsteine
geht. Anders sieht es aus, wenn ich als Basisstein die Möglichkeit habe, einen Naturstein zu nutzen. In diesem
Fall sind an erster Stelle einmal die Hard Arkansas zu nennen. Wenn dort z.B. ein sog."Translucent" (durchscheinend)
oder ein ,,Hard Black Arkansas" benutzt wird, in amerikanischen Foren wird dies sehr oft beschrieben, braucht man
wohl keine Angst zu haben, dass sich da Schleifpartikel vom Basisstein lösen.
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Gruß
Gregor
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

MRetro

@DailyDriver

Wieder herzlichen Dank für deine ausführlichen Antworten und Gedankengänge zu meinen Fragen. Das finde ich alles super spannend. 👍

Ich denke, bei den von dir hier angesprochenen unterschiedlichen Messern wird es auch auf synthetischen Steinen ähnliche Probleme geben. Wahrscheinlich mit etwas weniger Komplexität.

Ich wünsche dir weiterhin Ausdauer, Neugierde und viele Erfolge bei diesem Hobby. 😀

DailyDriver

#606
Es gibt neues von der Insel...
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Angespornt von den guten Ergebnissen mit dem Charnley Forest (CF) konnte ich aufgrund eines recht guten Angebotes nicht wiedersehen und darf von meinen ersten Versuchen mit meinen zweiten Stein von der Insel berichten. Ich darf vorstellen, der YELLOW LAKE Ölstein...
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Eine kurze Erklärung zur Herkunft...
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Diese Steine stammen aus verschiedenen Steinbrüchen aus einem Bereich in Wales, im Südwesten Englands. Obgleich ihres unterschiedlichen Erscheinungsbildes und auch ihrer unterschiedlichen Qualitäten wurde sie dennoch alle unter dem Begriff ,,YELLOW LAKE" in den Handel gebracht. Man geht davon aus, dass es rein Marktwirtschaftliche Gründe waren, die den Unternehmer dazu veranlasste, denn so konnten unterschiedliche Steine aus verschiedenen Steinbrüche unter einem Namen auf den Markt gebracht werden, auch wenn sie sich qualitativ unterschieden.
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Die ersten Steine stammen aus einem Steinbruch in Llyn Melynllyn (YELLOW LAKE - daher die Namensgebung), diese Steinen gehen fast in ein Lila und unterscheiden sich von den anderen Steinen durch feine, weiße Linien, die den Stein durchziehen. Er wurde als sehr feiner Endstein angepriesen und seine Feinheit liegt bei ca. 10-12k. Unter allen Variationen ist dies wohl der begehrteste, wurde aber aufgrund kleiner Vorkommen nicht in großen Mengen abgebaut. Diese Steinen wurden meist ungelabelt und zum größten Teil ohne eine Umverpackung vertrieben.
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Die anderen Steine stammen aus anderen Steinbrüchen, die sich aber auch geografisch gesehen, rund um den YELLOW LAKE befunden haben bzw. befinden. Vertrieben wurden diese Steine von Inigo Jones Slateworks und waren aber qualitativ nicht so gut, wie der erste Stein, dessen Vorkommen mittlerweile erschöpft waren. Hier sind die dunkelblauen bis lila Steine mit einer Feinheit von ca. 8-10k. Diese Steine wurden sowohl in einem gelben als auch rotem Umkarton vertrieben, vereinzelt auch ohne -Karton, aber mit aufgeklebten Label. Inigo Jones Slateworks produziert seit dem 19.Jahrhundert und verkauft bis heute Schärf- und Abziehsteine, darunter ein Alberllefenni-Schiefer-Schleifstein unter dem Namen Dragons Tongue, auf Deutsch auch unter dem Synonym ,,Drachenzunge" bekannt. Allerdings haben sich über die Jahrzehnte  die  verschiedenen Vorkommen erschöpft bzw. die Qualität der Steine wurde nicht unbedingt besser, so haben Steine neueren Datums auch nicht mehr die Qualitäten wie um die Anfangszeit, hier geht z.B. die geschätzte durchschnittliche Feinheit auf ca. 6-8k zurück.
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Die Progression(en):
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Nun aber zu den zwei verschiedenen Progression, wobei die eigentliche Vorbereitung des Rasiermessers aber identisch war, lediglich bei der Verwendung des YELLOW LAKE Ölsteins gibt es Unterschiede.
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- Jew. identisch: SHAPTON Glass 4 & 8k zur Auffrischung (bis ein durchgängiger HT funktioniert), dann
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- Progression 1 (Mit Glycerin/Wasser-Gemisch 50/50
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- Progression 2 (Mit orig. LANSKY Schärföl
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- Jew. identisch: Finales Ledern mit meinem Selfmade-Riemen Nr.IV, QUERCUR Shell Cordovan & Rindleder
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Das einfach getapte Messer habe ich vor dem Engländer auf dem SHAPTON Glass 4 und 8k aufgefrischt bis ein durchgängiger HT möglich war. Dann ging es auf den Engländer, bei der 1. Progression mit einem Glycerin/Wassergemisch (50/50). Bereits die ersten Wechselschübe zeigten, dass wohl eher nicht mit einer Rückmeldung vom Stein zu rechnen ist, der Abzug als solches war sehr angenehm, ein sehr ,,weiches", ruhiges, nahezu lautloses gleiten ohne Rückmeldung. Nach gut 5 Sätzen X-förmiger Wechselschübe ging es dann zur ersten Kontrolle unters Mikro und ich muss zugeben, ich war schon gleichermaßen a bisserl überrascht und etwas enttäuscht. Ich hatte da mit einem sehr viel feinerem Schliffbild gerechnet, stattdessen zeigten sich sehr viele, eher schon gröbere Riefen. Was sich hier aber noch mindestens genauso zeigt, war der Nachteil des Schleifmediums, trotz vorsichtiger Reinigung der Facette vor dem Mikro, war hier die Facette noch deutlichst durch feinste Tröpfchen ,,verschmutzt" und erschwerte die Einschätzung der Wate, mal schauen, wie das dann erst in der zweiten Progression (mit Öl) wird...
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Es ging erneut auf den Stein und es folgten weitere 5 Sätze mit Wechselschüben, dann ging es wieder unters Mikro, das Bild änderte sich kaum, wurde also weder feiner noch tat sich etwas in Richtung einer polierten Schneidkannte, ich hatte da eher das Gefühl, dass in dieser Konstellation die Schneidkannte leicht mattiert, statt poliert wurde. Nützte aber alles nichts, zur Beurteilung folgt der erste Versuch eines HT. Dieser gelang nur an zwei Punkten, aber er gelang zumindest schon einmal. Also wieder auf den Stein...schon jetzt war klar, das dauert länger...ein laaaaaaangsamer Engländer. Nach weiteren Sätzen und neuerlicher Überprüfung entschied ich mich, ein zweites Tape anzubringen um so zumindest sicher die vorderste Kannte zu erreichen, dies hat dann auch funktioniert, ein durchgängiger, positiver HT zeugte davon. Alles in allem war ich dann mit dem Ergebnis zufrieden und es ging zum finalen Ledern auf meinen SM-Riemen Nr.IV.
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Die zweite Progression unterschied sich nur in der Wahl des Schleifmittels, hier wurde ich dem Stein zu 100% gerecht, wo Öl steht, soll auch Öl dran. Dass der Stein mit Öl betrieben werden soll, zeigte sich auch bei der ersten Kontrolle, das Schliffbild war um einiges feiner, es gab zwar auch hier eine Riefenbildung, allerdings bei weiten nicht so tiefe und massive Riefen wie bei dem Glycerin/Wasser-Gemisch. Vom Umfang her erkannte ich nach der zweiten Runde auch einen Unterschied, der Stein funktionierte besser, bereits jetzt funktionierte ein HT durchgängig über die gesamte Schneidkannte hinweg. Am Ende bekam das Messer aber auch hier ein zweites Tape, welches sich zumindest vom Gefühl her auch im Ergebnis positiv ausgewirkt hat. Das finale Ledern, ebenfalls auf dem SM-Nr.IV verbesserte den HT um ein weiteres.
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Progression 1
Man sieht deutlich, dass das Schliffbild viel gröber ist, als bei Progression 2

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Progression 2
Sehr viel feineres Schliffbild mit einem sehr angenehmen Rasurverhalten
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Die beiden RdT's:
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Dem Messer mit der 1.Progression fehlte es doch deutlich an Schärfe, eine Rasur war möglich, keine Frage, allerdings zeigte sich beim Durchgang ,,gegen den Strich", dass hier eher nur kurze Züge zum Erfolg führten. Es war jetzt nicht unangenehm oder unmöglich, nein, aber es waren schon deutlich mehr kleine Züge und Neuansätze nötig, um ein ansprechendes Ergebnis zu bekommen. Am Ende zeigte sich aber dennoch eine glatte, reizfreie Haut bei der auch das AS am Ende kein großen Alarm schlug.
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Die Rasur mit dem Messer der 2.Progression war da schon um einiges besser und angenehmer. Schon die ersten Züge zeigten ein deutliches Plus an Schärfe. Das Rasurverhalten ist die eines Thüringers nicht unähnlich, eine sehr angenehme, sanfte Schärfe, auch im Durchgang ,,gegen den Strich" zeigt das Plus an Schärfe schnell den deutlichen Unterschied zu Progression 1. Das Finale Ausputzen ging leicht von der Hand und das Endergebnis der gesamten Rasur ist ein völlig reizfreies, glattes und entspanntes Hautbild.
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Ein kleines Fazit...
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Dieser Engländer ist zwar ein sehr langsamer Stein, der zwar kaum bis gar nicht abrassiv arbeitet, aber letztendlich, das Richtige Schleifmittel (Öl) vorausgesetzt, ein ansprechendes Ergebnis bringt. Ich bin fest der Meinung, dass auch hier mit mehr Einsätzen und somit mehr Erfahrungen auch das Endergebnis besser werden wird. Zusätzlich zu den ersten Erfahrungen habe ich auch wieder etwas dazugelernt...Vorsicht bei der Verwendung von Öl, nur allzu leicht kann selbiges durch die Finger auch in den Bereich des Erlniets kommen.
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...immer neugierig bleiben!
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Danke und Gruß
Gregor
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Schärf-Legende:
1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

MRetro

Hallo @DailyDriver.
Danke wieder für deinen Bericht. 👍
Wie kam es denn dazu, dass du auf einem Ölstein das Glycerin-/Wassergemisch ausprobiert hast? Wird es bei anderen Steinen schon mal genutzt?

DailyDriver

#608
Zitat von: MRetro in Gestern um 18:24:06Hallo @DailyDriver.
Danke wieder für deinen Bericht. 👍
Wie kam es denn dazu, dass du auf einem Ölstein das Glycerin-/Wassergemisch ausprobiert hast? Wird es bei anderen Steinen schon mal genutzt?
Vielen Dank!  dh:
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Glycerin als solches ist ja bekanntermaßen kein Öl, hat aber zum Teil die gleichen Eigenschaften wie Öl. Es bietet
z. B. eine gewisse Viskosität (Zähflüssigkeit), es hat gleiche haptische Eigenschaften, es fühlt sich wie Öl an, verhält sich also auf einem Schärfstein ähnlich bis gleich. Aber im Gegensatz zu ,,echten" Ölen ist Glycerin wasserlöslich. D. h., bei der Nutzung kann ich die positiven Eigenschaften von Ölen nutzen, kann es aber wieder mit Wasser entfernen, wohingegen ein Öl nicht mit Wasser (ohne Zusätze) entfernt werden kann. Sind einmal bestimmte Schärfsteine mit Öl ,,betrieben" worden, muss es auch später bei Öl bleiben. Nach der Verwendung und entsprechender Entfernung des Glycerins ist der Stein nicht verschmutzt und ich kann ihn danach z. B. einfach wieder mit klarem Wasser nutzen.
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Wasser allein hat eine sehr hohe Oberflächenspannung, die sich auch nachteilig beim Schärfen auf bestimmten Steinen auswirken kann. Hier haben sich z. B. 1–2 Tropfen Spüli als äußerst hilfreich herausgestellt. Die Schneidkante eines Messers kann aufgrund dieser hohen Oberflächenspannung von Wasser evtl. nicht korrekt auf dem Schärfstein aufliegen und so nicht die Eigenschaften des Steins zu 100 % ausnutzen. Habe ich z. B. einen Stein, der ausschließlich für die Nutzung mit Wasser ausgelegt ist (z. B. ein echter Thüringer Schärfstein), darf ich kein Öl verwenden. Dies würde a) die Eigenschaften des Steins nicht unterstützen und b) würde dies den Stein quasi mit dem Öl verschmutzen und somit unbrauchbar machen. Hier bietet das Glycerin mit seinen, dem Öl ähnlichen Eigenschaften und seiner Wasserlöslichkeit einen Spagat: Ich kann die Vorteile von Öl nutzen, ohne den Stein (reinen Wasserstein) zu verschmutzen oder gar unbrauchbar zu machen. Für den Spieltrieb und zum Probieren ein wunderbarer Stoff. Auch am Messer selbst hat Glycerin einen großen Vorteil: Selbst wenn es an den Erlniet gelangt, kann es ja ab- bzw. ausgewaschen werden und der Lauf der Klinge bleibt weiterhin fest und sicher. Das Mischungsverhältnis von Glycerin mit dem Wasser ist dem Spieltrieb freien Lauf gelassen, da ist ein 50/50 kein Muss. Eine weitere Einsatzmöglichkeit bezieht sich auf die Feinheit des Schärfsteines, bei reinen Ölsteinen ist es nahezu notwendig, um die höchste Feinheit des Steins zu erreichen, auch mit Öl zu arbeiten. Nutze ich aber z.B. einen reinen ,,Wasserstein" kann ich mit dem Glycerin die Feinheit des Steines bzw. die mechanischen Eigenschaften verfeinern...da kommt es aber sehr auf den verwendeten Stein an. Auf der einen Seite Vorteile, auf der anderen Seite können aber auch Nachteile auftreten, ein vorher recht ,,schneller", aber grober Stein, wird mit Glycerin vielleicht feiner, aber mit Sicherheit dann auch sehr viel langsamer...
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Wenn ich, wie im obigen Bericht, mit einem reinen Ölstein arbeite, nehme ich vor einem orig. Schärföl sehr gerne ein Glycerin/Wasser-Gemisch, einfach nur zum Testen Funktioniert es gut, so muss man nicht unbedingt Öl nehmen und den Stein und möglicherweise das Messer (Erlniet) verschmutzen, sondern alles bleibt ,,sauber". Die besten Ergebnisse habe ich z. B. mit einem LaLune oder einem GreySlate (beide eingesetzt als Finisher) erreicht.
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Ich hoffe, ich konnte deine Frage beantworten ...
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Gruß
Gregor
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Paula

@DailyDriver  dh: Ein interessanter Bericht, die Historie der walisischen Schiefer war mir bisher unbekannt und auch, daß es noch einen Händler gibt.

Zitat von: DailyDriver in Gestern um 14:40:20Dragons Tongue, auf Deutsch auch unter dem Synonym ,,Drachenzunge" bekannt. Allerdings haben sich über die Jahrzehnte  die  verschiedenen Vorkommen erschöpft bzw. die Qualität der Steine wurde nicht unbedingt besser, so haben Steine neueren Datums auch nicht mehr die Qualitäten wie um die Anfangszeit, hier geht z.B. die geschätzte durchschnittliche Feinheit auf ca. 6-8k zurück.
Bis vor wenigen Jahren gab es auf Ebay einen walisischen Anbieter "AJ" der, vermutlich eher aus Liebhaberei, walisische Schiefersteine in drei Kategorien (Drachenzunge - 8k / Lynn Mellynlyn - 12k / Welsh Greyslate - 15k) anbot.
Ein Messer, welches ich versuchsweise mit der Drachenzunge gefinisht hatte, war nach Leinen- und Leder nur leidich rasurbereit. Insofern kann ich die Einschätzung von 8k Bereich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Der lila 12k und der graue 15k sind zwar deutlich feiner als die Drachenzunge aber zwischen diesen beiden kann ich mich an keinen entscheidenden spürbaren Unterschied erinnern. Der graue 15k ist deutlich weicher als der lila 12k und deswegen lässt es sich mit dem 15k leichter arbeiten wenn man ihn zum Auffrischen eines Messers erst anreiben will.

MRetro

Danke für deine ausführliche Antwort, @DailyDriver 👍

DailyDriver

#611
Zitat von: Paula in Heute um 09:33:22Bis vor wenigen Jahren gab es auf Ebay einen walisischen Anbieter "AJ"
Als ich begann, mich für Schärfsteine von der Insel zu interessieren und zu informieren, las ich in verschiedenen
Foren und Threads bereits über diesen ,,Händler" und dem besagten ,,Wales-Trio". Allerdings sind diese Quallangaben,
wie Du ja auch angemerkt hast, zum Teil schon einige Jahre als (fast schon steinalt... ;D) und leider ist das besagte
Angebot auch nicht mehr aktuell. Ich hätte da garantiert zugeschlagen...

Wobei in diesem Trio noch nicht mein persönlicher Gral der englischen Steine dabei wäre, für mich steht heute der sog. (originale) LIYN IDWAL ganz weit oben auf meinem Wunschzettelken. Allerdings wäre hier ein Vergleich mit den anderen Walisischen Steinen fast schon schwer einzuordnen, denn der Liyn Idwal (quasi die I.Generation) ist meines bescheidenen Wissens ein NOVACULIT, also ein Quarzgesteun und so dem amerikanischen Hard-Arkansas ähnlich, und nicht den anderen Walisischen Steinen, denn diese sind aus viel weicherem Schiefergestein.

Mal schauen, vielleicht habe ich ja irgendwann Glück und kann einen orig. LI ergattern...

Anbei noch ein Link zu dem Hersteller (Inigo Jones Slateworks) der noch heute Schärfstein(e) im Angebot hat.

Gruß
Gregor
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DailyDriver

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