So habe ich das Messer geschärft

Begonnen von alvaro, 12. März 2020, 14:05:40

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DailyDriver

Zitat von: alvaro in 26. Januar 2026, 11:19:29Aber auch von anderen Steinen in dieser Klasse hat man sehr lange nichts gehört, ich sage hier nur einmal "Drachenzunge".
Du meinst den walisischen Schieferstein? 

Von der Insel kommen, soweit ich mich informiert habe, ja auch wirklich sehr interessante Steine. Nennen
möchte ich da nur als Beispiele den LIYN IDVAL oder den recht bekannten Charnley Forest. Meiner be-
scheidenden Meinung nach ein sehr interessantes Feld, welches mit Sicherheit sehr gute Steine mit 
sehr gutem Ergebnis liefern kann. 

Mal sehen, vielleicht komme ich ja mal zu solchen Steinen, auf den üblichen Plattformen werden die ge-
nannten ja immer noch. Ein gewisser Reiz oder eher Spieltrieb  um sie auszuprobieren gibt es da schon... ;D

Gruß
Gregor 
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

MRetro


alvaro

Zitat von: DailyDriver in 26. Januar 2026, 18:33:21Du meinst den walisischen Schieferstein? 

Genau die meine ich zum Beispiel.
Eine Drachenzunge kann ich dir gerne mal leihen

DailyDriver

Zitat von: alvaro in 28. Januar 2026, 18:07:19Eine Drachenzunge kann ich dir gerne mal leihen
Vielen lieben Dank für dein Angebot, ich werde es mir mit Sicherheit überlegen.  dh:

Gruß
Gregor
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DailyDriver

#589
Es gibt neues aus dem Natursteingarten...
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,,Let us Schärfing in English"
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oder auch
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Meine ersten Erfahrungen mit einem Charnley Forest
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Obacht, dieser Bericht geht auch zu großen Teilen auf den Stein als solchen ein. Ich bin aber der Meinung, dass es bei diesem, hier im Forum ja eher selten bis gar nicht genutzten Stein durchaus Sinn macht, auch diese Erkenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben.
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Eigentlich wollte ich mir mit einem Ölstein ja noch sehr lange Zeit lassen, aber durch einen netten Kommentar zu einem meiner Schärfberichte wurde mal wieder mein Spieltrieb ja so was von angefixt, dass ich da einfach nachgeben musste ... Also ging die Reise in Richtung der Insel, auf der alle auf der falschen Seite fahren. Nach vorherigen Recherchen und hier und da einem Video schauen habe ich mich für einen Finisher, den Charnley Forest, entschieden. Es gibt zwar einiges über diesen Stein zu sehen und zu lesen, allerdings scheint da alles in eine Richtung zu gehen ... Nix Genaues weiß man nicht. Irgendwie erinnert mich der Stein an den SCHWEDENSTEIN, vieles kann, nicht alles geht. Das Spektrum des ,,CF" geht von ,,Top Finisher" über ,,...für den mittleren Bereich brauchbar" bis hin zu ,,...funktioniert überhaupt nicht ...". Irgendwie hat sich aber letztendlich eine Aussage (nicht nur bei mir) herauskristallisiert ... Man muss suchen, finden und dann viel Glück haben ...
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Bevor ich mir den Stein aus einer Flut von Angeboten direkt aus England bestelle, sollten für mich einige Kriterien erfüllt werden. Es sollte ein Vintage-Stein sein, d. h., er sollte schon in Gebrauch gewesen sein. Da stehen die Chancen m. E. 50:50, ein halbwegs brauchbares Exemplar zu bekommen. Er sollte verhältnismäßig preiswert sein, falls das nix wird, habe ich nicht gleich einen dreistelligen Betrag versenkt. Er sollte eine halbwegs für Rasiermesser taugliche Größe haben.
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Als mich der Stein nach völlig reibungslosem Kauf und Anreise erreichte, sah ich sofort, dass einige Kriterien wohl mehr als erfüllt waren. Die Größe passt, ein kleiner Handstein mit knapp 12,5 x 7cm (kleiner) Nutzfläche, preiswert ... naja, über genaues Geld spricht man nicht ... aber es passte schon. Der Stein wurde auch definitiv vorher zum Schärfen genutzt, allerdings eher wohl für etwas größere Messer ... bei der ,,Spurenlage" gehe ich mal von kapitalen Küchenschwertern aus. Die Oberfläche spiegelte gegen das Licht oder eine Lichtquelle gehalten wunderbar homogen, fast wie mein OZUKU. Letzteres freute mich und ließ mich hoffen, dass die Arbeitsfläche eingearbeitet und somit gerade ist. Tja, wie heißt es so schön ... die Hoffnung stirbt zuletzt. Das aufgelegte Stahllineal ließ die erwähnte Hoffnung zwar nicht sterben, aber platzen: Die Nutzfläche war alles andere als gerade und plan. Nu' denn, wat mut, dat mut, dann werde ich ,,mal eben schnell" das Steinchen mit der ATOMA 400 bearbeiten und planen. Gut gelaunt, mit Steinchen und der (zugegeben, schon etwas gebrauchten) ATOMA bewaffnet, ging es ins ,,Kleine Lesezimmer".
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Der Stein nach Erhalt (links) und dem Planen und erstem Einbrechen (rechts)
 
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Liebe Leute, ich habe zwar gelesen, dass ein CF generell schon zu den etwas härteren Steinen zählt, aber dass er auf Anhieb konkurrenzlos auf Platz 1 meiner ,,Ich hab' langsam keine Lust mehr"-Steine durchmaschiert, nein, das habe ich nicht erwartet. Ich schätzte den Abtrag so auf 2/10 mm (+–) ein, war allerdings nach 1 Std. immer noch nicht fertig. Naja, fertig war ich schon, aber der Stein noch nicht. Nach gut 90 min. war es dann endlich so weit: Die Oberfläche war zu 99 % geplant, die erreichbaren Kanten abgerundet ... aber fertig noch lange nicht. Die Oberfläche, so steht es nicht nur geschrieben, so sagte es auch mein Gefühl, die Oberfläche muss vor der Benutzung unbedingt vorbereitet werden, sprich, sie muss ,,eingebrochen" werden. Nun gut, dachte ich, das wird ja entgegen dem Planen ja wohl etwas schneller gehen. Also ab in die Küche, zwei ältere, große Küchenmesser geschnappt und gestartet. Was soll ich sagen, eh, schreiben? Wenn ein OZUKU mit einer Härte von 5,5 als besonders hart beschrieben wird, hat dieser CF auf der Härte-Skala 1–6 eine glatte 9,9 verdient. Die Küchenmesser beiseitegelegt, eine Hobelklinge ist wohl eher das passende Mittel der Wahl. Nach gut weiteren 90 min. (na gut, eine kleine Brause-Pause war dabei) fand ich, es reicht fürs Erste. Am Ende zeigte sich eine homogene, spiegelnde Oberfläche und den kommenden Einsätzen stand nun nix mehr im Wege.
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Eine Anmerkung hier ... Ich habe zum Einbrechen ausschließlich Wasser benutzt. Hinterher fiel mir ein, vielleicht wäre es ja mit Öl schneller, besser und einfacher gegangen. Wie schaut es aus, hat jemand dazu schon Erfahrungen gesammelt?
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Die Progression(en)/die Vorgehensweise(n)
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Als Vorbereitung aller Messer jeweils vorweg: SHAPTON Glass 4 & 8 k — → zum Auffrischen der Facette
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dann im Einzelnen, das
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- GARANTIE SOLINGEN mit einem Wasser/Glycerin-Gemisch (50 %/50 %)
- Ralf Aust mit orig. LANSKY Schärföl
- J. A. Henckels FRIODUR mit orig. BALLISTOL-ÖL
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Geledert wurden alle Messer mit dem QUERCUR SHELL CORDOVAN und dem SM-Riemen Nr. IV.
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Als erstes Messer kam das GARANTIE SOLINGEN an die Reihe, es war ja mal mein erstes ,,Übungsmesser" mit einer Solinger Klinge. Seit langem aber im wohlverdienten Ruhestand durfte es aber zu Ehren der treuen Dienste als erstes Messer auf den neuen Stein. Da ich in meinen Recherchen zu dem CF auch gelesen habe, dass man ihn anstatt, wie überall beschrieben, mit Öl wohl auch mit Wasser nutzen kann, war also meine Wahl auf klares Wasser aus der Sprühflasche gefallen. Irgendwie wollte ich es wohl auch so weit wie möglich nach hinten schieben ... das mit dem Öl. Nach dem Auffrischen ging es also mit klarem Wasser los. Zuerst mal ein Blick mit dem Mikro auf die Facette, man muss ja was zum Vergleich haben. Die ersten zaghaften Wechselschübe brachten da eine eher befremdliche Geräuschkulisse hervor, irgendwie blechern, weit weg von feinem, geschmeidigen gleiten. Naja, dachte ich mir, ist bei frisch geplanten Steinen halt so ... weiter geht's. Nach gut 2 Sätzen ging ich zu meinem gewohnten ,,16⇅ & 3⇅"-System* über. Vom Stein & Messer kam keine Rückmeldung, selbst nach gut 10 Sätzen Wechselschüben, nix, rein gar nix ... außer diesem ganz besonderen ,,Klang". Ein erster Kontrollblick unter dem Mikro ließ mich erschrecken ... Auch hier nix, nada, nahezu alles unverändert. Die Facette hatte ein paar kleine Kratzer zusätzlich, aber sonst irgendwie keine Änderung zu vorher. Was ist hier los? War das ,,Einbrechen" total misslungen, habe ich einen dieser Steine, die nicht können, wollen oder ... oder...oder ...? Endlich kam ich dann auf die wohl naheliegende Sache überhaupt ... Es ist doch ein Ölstein, zumindest offiziell. Etwas zaghaft schaute ich auf die vor mir aufgereihten Pülleken der verschiedenen Öle, die mir zur Verfügung stehen. Ich entschied mich aber nicht für Öl, sondern erst mal für mein Glycerin/Wasser-Gemisch (50/50). Sieht aus wie Öl, es gleitet wie mit Öl, allerdings kann man es aber abwaschen. Vielleicht ist das ja so ein Schärfer-Gen, das da innerlich immer noch vor Öl auf einem Schärfstein warnt, wer weiß.
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Die Facette nach dem 8k (links) und gut 10 Sätzen Wechselschübe auf
klarem Wasser (Mitte) - fast nix passiert. Erst mit Öl beginnt der Stein
zu arbeiten (rechts)...
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Also, den Stein benetzt, das Messer nahm wieder Fahrt auf und was soll ich sagen, liebe Leute ... Ein Stein heißt Ölstein, weil er mit Öl betrieben werden will. Und wie mein CF ein Ölstein ist, und was für einer ... Wie ausgewechselt, wie neu erfunden. Die Akustik des ,,Scheppernden" wich einem wohlig weichen, gleitenden und nahezu samtigen Abzug. Siehe da, der Stein machte sich bemerkbar. Nach nur 3–4 Sätzen kamen die ersten ,,bremsenden" Rückmeldungen. Ein Blick durchs Mikro bestätigte auch visuell mein Gefühl: Die Facette war sehr fein mattiert, mit einem eines Thüri durchaus ähnlichen Schliffbild ... Hurra, der Bann scheint gebrochen. Nach gut 2 Durchgängen und einigen Sätzen Wechselschübe versuchte ich nach der Klingenreinigung den ersten HT ... mit Erfolg. Zwar nicht hervorragend, aber noch war kein 2. Tape drauf, noch war nicht geledert. Gedacht, gesagt ... getan, ein zweites Tape geklebt und für gut 3 Sätze Wechselschübe erneut auf den Stein. Prompt kam auch eine feine Rückmeldung. Ein dezentes Bremsen zeigte mir, dass es wohl reicht. Zum finalen Ledern ging es im Wechsel auf den Spanier und meinen SM-Riemen Nr. IV. Der abschließende HT war hervorragend. Ohne Probleme wurden die Haare mit > 4 cm ab Haltepunkt sauber gekappt. ,,Ready to shave", würde da jetzt wohl der Engländer sagen ...
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Als zweites Messer kam dann das Ralf-Aust-Messer an die Reihe. Im Grunde änderte sich zu der oben beschriebenen Vorgehensweise ,,nur" das Schleifmedium. Auf einen erneuten ,,Klar-Wasser"-Versuch habe ich verzichtet und mein Spieltrieb hat sich dann als Schleifmedium das orig. LANSKY-Schärföl ausgesucht. Also wenn Ölstein, dann jetzt auch mit richtigem Öl. Etwas zaghaft 2–3 Tropfen auf den Stein gegeben, ist ja ein kleiner Stein, hätte aber auch für einen größeren Brocken gereicht. Los geht's. Hui, da muss man achtgeben, nicht zu forsch zu agieren, sonst geht es über die Landebahn hinweg. Ein sehr smoothes (gibt es dieses Wort überhaupt?) Verhalten, samtig weich gleitet die Klinge. Beim Wechsel der Richtungen hört man ein leises ,,Flopp"... sehr schön. Ab jetzt heißt es aber trotz aufkommender Euphorie, vorsichtig sein, dass kein noch so kleines bisschen Öl es an der Klinge entlang bis zum Erlniet schafft, übrigens eines meiner Hauptargumente gegen die Verwendung von Ölsteinen. Man muss auch darauf achten, dass das übrige Equipment, welches ja auch für die ,,normalen" Steine da ist, nicht mit Öl kontaminiert wird. Hier bereits eins gelernt: eine Menge Papiertücher & Co. bereitlegen und schon mal notieren, was noch besorgt werden muss. Da ich beim Schärfen gerne meine alten Handtücher der Firma nutze, habe ich sogar Glück: Die gibt es in grün und blau, also demnächst blau für ,,Wassersteine" und grün für ,,Ölsteine".
Zurück zum Schärfen ... Was mir deutlich gegenüber dem Durchgang mit dem Glycerin/Wassergemisch auffällt: Es gibt mit dem LANSKY-Öl keine Rückmeldung, weder vom Stein noch vom Messer. Ich halte mich also in Umfang und Anzahl grob an den vorherigen Durchgang und die visuellen Kontrollen mit dem Mikro geben mir recht. Unter dem Mikro macht die Facette einen guten Eindruck, ein HT bestätigt auch hier ... fast fertig. Das 2. Tape zum Finale, ausgiebiges Ledern und auch dieses Messer ist ,,Ready to Shave".
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Nach diesem, wie auch beim ersten Durchgang, habe ich den Stein natürlich gereinigt, quasi wie früher bei der Firma ein ,,TD nach der Benutzung" (techn. Dienst). Beim Glycerin/Wasser ja kein Problem, kann man ja alles einfach abwaschen. Mit dem Öl schaut's logischerweise anders aus. Ich habe mir ein Glas mit Wasser + Spüli vorbereitet und selbiges mit den Fingern auf dem Stein aufgebracht, verrieben und mit klarem Wasser abgespült, 2–3 × gemacht ... Stein ist wieder hübsch und bereit für Kommendes.
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Das dritte Messer, das J. A. Henckels FRIODUR, darf auch direkt mit Öl auf den Stein, allerdings wechsel ich schon aus Neugier und zur Befriedigung des Spieltriebs erneut das Schleifmedium. Diesmal greife ich zum orig. BALLISTOL-Öl. Vom Verhalten her lief alles fast identisch wie bei Durchgang II, dem Ralf Aust, es brauchte nur etwas länger. Dies rechne ich aber nicht dem Stein oder dem Öl an, sondern dem ja bekanntermaßen etwas ,,zickigen" FRIODUR-Stahl. Was mir bei diesem Durchgang besonders auffiel? Auch hier gab es keinerlei Rückmeldung, auch hier spielte der visuelle Eindruck und die HT's letztendlich eine ausschlaggebende Rolle. Grob an den Umfang vom Durchgang ,,Ralf Aust" gehalten, ergab sich dann nach dem finalen Ledern ein sehr guter HT.
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Das Endergebnis beim GARANTIE SOLINGEN

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Das Endergebnis beim RALF AUST

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Das Endergebnis beim J.A.HENCKELS FRIODUR

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Egal welcher Stein, egal welches Schleifmedium, egal welche Vorgehensweise ... Letztendlich zeigt nur eines das Ergebnis an: die Rasur. Wie waren denn nun die Durchgänge, Topp oder Flopp?
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Die RdT's
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Das GARANTIE SOLINGEN:
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Ein Top-Rasurverhalten, das Messer überzeugte im Rasurverhalten auf ganzer Linie. Sehr scharf, sehr sanft, keinerlei Probleme oder Reizungen. Auch im Durchgang ,,gegen den Strich" eine sehr überzeugende Vorstellung, da gibbet nix zu beanstanden.
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Das RALF AUST:
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Ebenfalls ein Top Rasurverhalten, allerdings mit minimalen ,,Abzügen" im Bereich Schärfe. Keine Frage, das Messer ist scharf, rasiert wunderbar sanft und gründlich, dennoch gab es in meinen Problembezirken an der Kinnkannte und unter der Nase (gegen den Strich) geringe Unterschiede, hier musste ich schon etwas intensiver nacharbeiten.
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Das J.A.Henckels FRIODUR:
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Auch ggü. FRIODUR hat das GARANTIE SOLINGEN leicht die Nase vorn. Genau wie beim RALF AUST gab es Unterschiede, hier aber im Durchgang ,,gegen den Strich" im Halsbereich. Allerdings möchte ich hier auch auf den unterschiedlichen Stahl hinweisen, die berühmt u. berüchtigte Zickigkeit eines FRIODUR machte sich ja bereits beim Finish etwas bemerkbar...wie auch bei jedem anderen Stein!
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Ein kleines Fazit...
Mit den Ergebnissen meiner ersten Gehversuche bin ich äußerst zufrieden, in meinen Augen ist zumindest dieser Charnley Forest ein sehr guter Finisher, er produziert eine sehr sanfte, scharfe Schneide. Inwieweit jetzt die äußerst geringen Unterschiede in der Schärfe sich in den unterschiedlichen Schleifmedien manifestieren lassen, kann ich (noch) nicht sagen, ich kann aber sagen, dass mir das Glycerin/Wasser-Gemisch am besten gefallen hat. Warum? Ganz einfach, mit dem Gemisch hat der Stein deutliche Rückmeldungen gegeben, bei den beiden Ölen nicht, bzw. habe ich davon nichts gemerkt. Alles in allem ein feines Steinchen, den es nicht weiter zu erkunden gilt.
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Vielen Dank!
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Gruß
Gregor
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Schärf-Legende:
1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
*) Ein Durchgang ,,16⇅ & 3⇅" bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.
Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge
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DailyDriver

#590
Es gibt neues aus dem Natursteingarten...
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Ein erstes Schärfen mit ,,de kleine Belg"
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Nicht umsonst nenne ich meinen neuesten Belgier meinen ,,Lütten", er hat die Maße von 105 x 53mm! Bei der Klassifizierung bin nicht nur ich etwas unsicher, ich ordne den kleinen als ein ,,Les Latneuses" (Hybrid) ein, wobei es nur eine nutzbare, sprich geplante Seite gibt. Bei der vorherigen Nutzung wurde seitens des Vorbesitzers eine Tischlerei angegeben.
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Progression:
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- SHAPTON Glass 4 & 8k —> auffrischen
- GBB (Nur Freihand)
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Ich habe ausschließlich freihand auf dem ,,Lütten" geschärft, nur mit klarem Wasser, zuerst mit nur 1 x Tape, dann ging es zum Finale unter fließendem Wasser, zum Schluß mit einem 2.Tape. Geledert wurde mit dem QUERCUR Shell Cordovan und meinem SM-Riemen Nr.IV.
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Die heutige RdT bescherte eine wunderbar sanfte und sehr gründliche Rasur, kurz...ein Top Ergebnis!
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Das Endergebnis

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Danke und Gruß
Gregor
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Tim Buktu

Ein wunderbares Messer und wenn das Schärfen so gut klappt und so beschrieben wird, da bekomme ich fast Lust selbst wieder einige Messer zu schärfen obwohl mir das keine Freude bereitet.  dh:
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

MRetro

Danke für die beiden letzten Berichte, @DailyDriver. 👍

DailyDriver

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DailyDriver

#594
Es gibt Neues aus dem Natursteingarten ...
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...das japanische Dreigestirn
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Keine Sorge, der Titel ist nur aus aktuellem Anlaß gewählt, bedeutet aber nicht, dass ich ein bisschen jeck bin, naja, vielleicht ein kleines bisserl ...
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Gemeint sind natürlich meine drei neuen NAGURA, welche ich mit und durch tatkräftige Unterstützung eines sehr kundigen Mitforisten direkt in Japan geordert habe und die heute zu ihrem ersten Einsatz kommen.
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Ich darf vorstellen ... BOTAN [ボタン], TENJYO [天上] und KOMA [コマ]
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Die Progression
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Als Basisstein für die Premiere der drei neuen NAGURA habe ich meinen NAKAYAMA ASAGI gewählt. Weiterhin kommen ein TOMO-NAGURA (auch von einem NAKAYAMA ASAGI, allerdings nicht von meinem) und ganz zu Anfang ein BAN-NAGURA zum Einsatz. Neben den drei neuen Japanern hat ebenfalls der BAN heute seine Premiere, denn ich werde mich zum ersten Mal in einer kompletten Progression mit NAGURA versuchen, inklusive dem Setzen der Facette an dem bereits genutzten BÖKER King Cutter (6/8). Mit einem BAN habe ich noch nie gearbeitet, den hier verwendeten Stein habe ich als Teilabschnitt von einem, ebenfalls direkt in Japan erworbenen, BAN-NAGURA bekommen und bin wirklich sehr gespannt, ob dieser kleine Kamerad an die ,,Leistung" eines 1K herankommt. Alles in allem ist bis auf einen kleinen Teilabschnitt in der geplanten Progression alles irgendwie Neuland und ich werde das Ganze unter dem beliebten und oft zitierten Motto angehen ...
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... Learning by doing
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Ban バン
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Nachdem ich die Schneidkante des BÖKER (schweren Herzens) an der Kante des NAKAYAMA ASAGI mit 2–3 Zügen ,,genullt" habe, geht es mit dem Anreiben des BAN los. Da ich absolut keine Erfahrung mit diesem NAGURA habe, wähle ich beim Slurry eine eher dünnere, sprich wässrigere Konsistenz, vergleichbar mit einer etwas verdünnten H-Milch. Als Vorgehensweise wähle ich mein bewährtes ,,16⇅ & 3⇅"-System*, zumindest für den ersten Durchgang. Nicht lange und der erste Durchgang ist geschafft. Mit Spannung kommt eine erste Kontrolle unter dem Mikroskop. Doch das, was ich da erblickte, versetzte mich gleichermaßen in Freude und in ein wenig Schrecken. Liebe Leute, dieser kleine BAN hat, auf entsprechende Größe projiziert, das Potenzial einer Tomek mit Schruppscheibe. Ich hätte nie gedacht, dass man mit dem doch sehr fein anmutenden Stein bzw. mit dem Abrieb desselben mit den wenigen Zügen derart ins Material einer gehärteten Stahlklinge gehen kann. Das Schliffbild erinnert mich sehr an einen 800er NANIWA oder einen 1k SHAPTON. Als Konsequenz ändere ich mein weiteres Vorgehen und wende ab jetzt nur noch Wechselschübe an. Gezählt habe ich hier (und auch bei der gesamten nachfolgenden Progression) nicht, alles ein wenig nach Gefühl und natürlich dem Ergebnis der Kontrollen. Es dauerte auch nicht wirklich lange, bis die (noch spärlich vorhandenen) Armhaare bei aufgelegtem Messerrücken fielen und ich mich zum nächsten Schritt entschlossen habe, es geht auf den...
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Nach dem BAN
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BOTAN ボタン
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Genau wie beim BAN habe ich auch jetzt wieder einen eher dünneren Slurry gewählt. Auch bei der Vorgehensweise beginne ich mit meinem ,,16⇅ & 3⇅"-System, werde aber aus den Erfahrungen beim BAN wohl öfter mal unter dem Mikro kontrollieren. Nach dem ersten Durchgang sind Änderungen am Schliffbild unter dem Mikro deutlich erkennbar und ich habe mich auch hier entschieden, nur noch mit Wechselschüben weiterzumachen. Trotz anfänglicher, klar zu erkennender Verfeinerung des Schliffbildes stagnierte es nach gut 3 Sätzen (±), also entschied ich mich, zum nächsten Stein, dem TENJYO, zu wechseln. Hier möchte ich aber auch auf meine fehlenden Erfahrungen im Umgang mit NAGURA hinweisen, denn wie im Foto zu sehen ist, ist kaum was zu sehen. Mag sein, dass ich zu früh gewechselt habe. Genauso kann es aber auch sein, dass die Konsistenz vom Slurry unzweckmäßig gewählt war. Es kann aber auch sein, dass ... Kurzum, es gibt da noch so einiges zu erlernen und kennenzulernen und das bezieht sich natürlich nicht nur auf den BOTAN, sondern auf das gesamte Prozedere mit den jNats.
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Nach dem BOTAN
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TENJYO 天上
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Beim TENJYO habe ich mich entschieden, gleich von Anfang an ,,nur" mit Wechselschüben zu arbeiten. An der Konsistenz und Menge des Slurrys hat sich ebenfalls eine Änderung ergeben: Ich habe nach den ersten 3 Sätzen begonnen, den Slurry mit Wasser Stück für Stück in Richtung ,,klares Wasser" herunterzudünnen. Bei den Kontrollen via Mikro konnte ich zwar auch bei diesem Teilabschnitt der Progression die Veränderungen im Schliffbild erkennen, jedoch waren selbige recht fein. Als sich das Schliffbild m. E. ausreichend fein zeigte, kam voller Neugier neben den optischen Kontrollen erstmals mein Hauptindikator zum Einsatz, der Haartest. Jedoch blieb der erste HT erfolglos und weitere Wechselschübe folgten, bis das Slurry nur noch aus klarem Wasser bestand. Meine ,,normale" Vorgehensweise bei einem erwarteten, aber dann doch nicht erfolgreichen HT ist meist ein kurzes Zwischendern, also, warum nicht auch hier ... Siehe da, wenn auch nur partiell, aber immerhin funktionierte jetzt der HT. Ob aus Ungeduld oder Erwartung, egal, es folgte der Wechsel zu dem NAGURA, auf den ich am meisten gespannt war, dem
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Nach dem TENJYO
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KOMA コマ
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Der KOMA macht im Vergleich der bisherigen Abschnitte (abgesehen von der Schruppscheibe BAN) wohl die schönsten Sprünge. Zuerst recht weniger klar zu erkennen, aber nach den ersten Sätzen doch sehr viel deutlicher. Die Schwierigkeit für mich dabei ist es, das Verändern bildlich so darzustellen, wie es sich meinen Augen mit Hilfe des Mikroskops darstellt. Da sind bereits die Grenzen einzelner Komponenten erreicht, aus denen sich mein Foto-Equipment zusammensetzt. Hier ist als Beispiel nicht zwingend die Beleuchtung oder der (sehr wichtige) richtige Blickwinkel zu benennen, sondern die generelle Tatsache, dass alles ,,nur" zweidimensional dargestellt werden kann. Denn obwohl sich die Schliffbilder zum Teil kaum unterscheiden, sieht das dreidimensional schon sehr viel anders aus. Mit dem KOMA verändern sich die feinen Riefen nicht unbedingt zu deutlich feineren Riefen, aber sie sind deutlich abgeflachter, die feinsten Kanten verrundet. Nicht nur visuell überzeugt der Stein, nein, auch der HT klappt nun bereits ohne weiteres Zwischenledern. Wenn ich mir das Ergebnis des KOMA anschaue, verstehe ich schon, warum gerade dieser NAGURA zu den teureren Steinchen zählt. Wenn die Qualität stimmt, und das tut sie m. E. bei diesem hier, beginnt mit dem KOMA die tatsächliche Fein(s)tarbeit ... ein feines Steinchen!!
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Nach dem KOMA

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TOMO-NAGURA
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...ist der einzige der heute verwendeten NAGURA, den ich schon einige Male benutzt habe. Hier habe ich schon einige, wenn auch spärliche, Erfahrungen gemacht und weiß grob, wo die Reise hingeht. Der Stein ist sehr fein und recht schnell, daher erfolgen hier wenige Sätze Wechselschübe, dafür von Anfang an ein kontinuierliches Verdünnen des Slurrys Ab jetzt kann ich mich bereits dem eigentlichen Finish widmen.
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Nach dem TOMO-NAGURA
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Das Finish auf dem NAKAYAMA ASAGI
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Der Stein hat mir schon so einige Male erfolgreich als Finisher gedient und die Vorgehensweise ist so gesehen kein Problem mehr. Zuerst geht es stationär mit Wechselschüben mit klarem Wasser weiter, im Anschluss geht es unter fließendem Wasser weiter und zum Finale kommt ein 2. Tape zum Einsatz. Wie immer erfolgt als letzter Schritt in der Progression ein ausgiebiges Ledern, heute mit dem Spanier und meinem SM-Riemen Nr. 4.
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Nach dem NAKAYAMA ASAGI unter fließend Wasser

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Nach dem NAKAYAMA ASAGI mit 2,Winkel
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Die RdT
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Das Ergebnis stellt mich mehr als zufrieden, ein sehr sanftes und gründliches Rasurverhalten über drei komplette Durchgänge. Auch in meinen ,,Problemzönchen" gab es nicht wirklich was zu meckern, das ,,Zaubern" verlief auch gegen den Strich sanft und gründlich. Ich bin mit dem Gesamtergebnis äußerst zufrieden!
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Zur RdT bitte hier entlang...
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...ein kleines Fazit
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Was fehlt, ist logischerweise die Erfahrung und somit die Erkenntnis, wo ich evtl. etwas verändern muss, um das Erreichte zu verbessern. Die heutige Premiere mit den NAGURA war definitiv ein Erfolg, das steht für mich fest. Dennoch muss einiges beachtet bzw. bedacht werden. So wirkt z. B. der verwendete, ja eher als mittelharter Stein (im Vergleich zu meinem OZUKU) zu betrachtende NAKAYAMA wohl mit Sicherheit bei den NAGURA mit. Bei einem härteren Stein wird das anders sein. Was mich total überrascht hat, war der BAN. Mir ist es bisher noch nie gelungen, mit einem Naturstein in so kurzer Zeit eine arbeitswillige Facette zu setzen. Was kommt als Nächstes? Zuerst erfolgt ein direkter Vergleich mit der gleichen Progression auf meinem OZUKU, und das Beste daran: sogar mit einem identischen Messer. Es war schon immer gut, für solche Fälle zwei identische Klingen zu haben.
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In diesem Sinne ... immer neugierig bleiben!
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Vielen Dank und Gruß
Gregor
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Schärf-Legende:
1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
*) Ein Durchgang ,,16⇅ & 3⇅" bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.
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MRetro

Danke für den Bericht, @DailyDriver dh:

Mal eine Frage zum 2. Winkel:
Den kann ich auf den Fotos eigentlich gar nicht erkennen. Eher eine weitere Glättung.
Ist das mit dem Auge am Mikroskop besser erkennbar?

DailyDriver

Zitat von: MRetro in 17. Februar 2026, 14:32:42Danke für den Bericht, @DailyDriver dh:

Mal eine Frage zum 2. Winkel:
Den kann ich auf den Fotos eigentlich gar nicht erkennen. Eher eine weitere Glättung.
Ist das mit dem Auge am Mikroskop besser erkennbar?

Da hast Du definitiv recht, unter dem Mikroskop ist das sehr viel besser zu erkennen. Allerdings ist
der Ausdruck ,,2.Winkel" meines Erachtens auch etwas verwirrend. Rein rechnerisch betrachtet wird
ja durch die Verwendung eines zusätzlichen Tapes auf dem bereits vorhandenen der Rücken des
Messers angehoben, dadurch verändert sich ja automatisch der Bereich der Schneidkannte/Wate der
mit dem Stein in Kontakt kommt, so entsteht der 2.Winkel. Jetzt kommt jedoch das allseits beliebte
,,aaaaaber"...

Man muss bedenken, dass einige Finisher/Schärfsteine nicht mehr unbedingt Material abtragen,
sondern nur noch polieren, weiterhin kommt es  sehr stark darauf an, welchen Schliff das Messer hat,
um diese Veränderung auch zu sehen. Meine Erfahrungen nach, wird z.B. bei einer sehr fein ausge-
schliffenen, vollhohlen Klinge ein Bereich an der Wate erkennbar, der, wie Du korrekt festgestellt hast,
eher wie feiner/besser poliert wirkt. Wird aber ein Messer mit einer etwas starreren Klinge, etwa wie bei
einem halbholen oder derben Messer verwendet, ist da schon eine etwas klarer erkennbare Linie zu
erkennen, wie vor dem eigentlichen Schärfwinkel der Wate der zweite Winkel sitzt.

Man sollte sich bei dem Thema aber auch bewusst sein, dass wir uns hier im 1/100mm-Bereich
und sehr viel kleiner bewegen.

Gruß
Gregor
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Tim Buktu

@DailyDriver : An deinen Berichten spürt man deutlich die Freude am Versuch, das Interesse an der Weiterentwicklung der Technik und dem Forscherdrang. Danke für die Berichte!
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

MRetro

@DailyDriver
Danke für deine weiteren Erläuterungen. dh:
Da ich noch nie mit Hilfe eines Mikroskops geschärft habe, sind deine Berichte/Fotos für mich (und hoffentlich auch für andere) sehr interessant.

DailyDriver

@MRetro, @Tim Buktu und natürlich auch alle anderen...

Vielen Dank für eure tollen Kommentare, es freut und motiviert gleichermaßen!  dh:
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