So habe ich das Messer geschärft

Begonnen von alvaro, 12. März 2020, 14:05:40

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DailyDriver

#570
@Ombel,

der Blaue Belgische Brocken ist ein sehr guter Stein, im Bereich der Küchenmesser
mit Sicherheit ein guter Finisher, angerieben für die komplette Progression geeignet.
Bei Rasiermessern sehe ich das mittlerweile etwas anders. Ich habe auch Rasiermesser
damit geschärft, sogar nach Alter Vöters Sitte in einer ,,1Stein-Progression", d.h. vom
Setzen der Facette bis zum Finish. Allerdings sind mittlerweile auch die Ansprüche ge-
stiegen, als Pre-Finish ja, als Finisher...eher nicht (mehr). Da bietet der blaue Thüringer
doch ganz andere, um Längen angenehmere Schneiden...

Gruß
Gregor
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

DailyDriver

Zitat von: Tim Buktu in 08. Dezember 2025, 06:31:22Die 2. Fase nach 2 x Tape ist auf deinen Bildern sehr gut zu sehen.
Ein 2.Winkel ist eine relativ einfache, dennoch sehr wirkungsvolle Methode/Möglichkeit
mit entsprechenden Finisher nochmal ein Quentchen Schärfe zu kreieren, leider zum
Preis der Nachhaltigkeit...is' mir aber ehrlich gesagt egal, so komm' ich schneller wieder 
zum Schärfen... ;D
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Paula

Zitat von: Tim Buktu in 08. Dezember 2025, 06:31:22Die 2. Fase nach 2 x Tape ist auf deinen Bildern sehr gut zu sehen.
@DailyDriver Hast Du schonmal überlegt, ein Messer zuerst mit einer Facette abzuziehen, dich dann ein paar mal damit zu rasieren und danach das Gleiche mit einer zweiten Facette zu wiederholen?

Wichtig ist es auf jeden Fall, die erste Facette schon bestmöglich zu finishen, dann sollte das Messer mit nur einer Lage Tape besser sein, als mit zwei.

Mittlerweile habe ich aus diesem Grund, mehrere meiner Messer von Anfang bis zum Ende sogar ganz ohne Tape geschärft.

Wenn Deine Bilder nicht täuschen, dann ist diese zweite Facette annähernd 100µm breit und damit rund 30 - 50x breiter als wenn Du z.B. einen Pastenriemen, statt Tape nehmen würdest. (Das ist aber ein anderes Thema)

DailyDriver

@Paula,

als ich mit dem Anbringen einer 2.Phase begonnen habe, bzw. der Grund zum Anbringen einer
zweiten Phase, war der Versuch, damit ein Messer quasi ,,hinzubekommen", dass es sein harsches
Rasurverhalten verliert.

Das Messer ist ein Ralf Aust, 5/8 vollhohl mit Rundkopf. Also ein einfaches Rasiermesser ohne irgendwelche 
Besonderheiten, bis auf das Rasurverhalten halt. Egal was ich da vorher anstellte, egal welches Finish ich
versuchte...es war und blieb nahezu unverändert. Klar, zu diesem Zeitpunkt, so gut vor 1 Jahr, hatte ich bei
weitem nicht die Top Finisher wie z.B. meinen Nakayama Asagi oder meine beiden Thüringer, aber es wurde
dann auch mit diesen schönen Steinchen nur marginalisiert besser. Ich habe da das R.Aust auch ziemlich be-
Anspruch und immer wieder einmal auf den verschiedenen Steinen gefinisht, erst als ich dann die Methode
mit der 2. Phase probiert habe, die Premiere war hier auf dem Nakayama Asagi, wurde es merklich besser,
und zwar über einige Rasuren lang. Das hat mich natürlich dazu bewogen, diese Methode auch bei anderen
Messern anzuwenden, egal ob diese ein gleiches oder ähnliches Verhalten wie das R.Aust zeigten, heute
arbeite ich ja generell mit der 2.Phase.

Das R.Aust hatte ich auch tatsächlich schon auf einem Pastenriemen bzw. auf meinem ,,Riemenhalter"mit
roter & schwarzer Paste belegt, leider mit nur kurzem, mäßigem Erfolg. Allerdings hatte ich zu der Zeit leider 
noch kein Mikro und konnte so leider keinen direkten, optischen Vergleich erstellen.

Ich nehme deinen Gedanken aber sehr gerne auf und werde 2-3 Messer ,,erwählen", darunter natürlich das R.Aust  ;D,
und einmal eine kleine, eigene Versuchsreihe starten und die jeweiligen Eindrücke und Ergebnisse festhalten
und natürlich auch berichten.

Gruß
Gregor 

P.S. Das mit einer Größen- bzw. Maßstabsdarstellung bei meinen Mikroskopaufnahmen steht bei mir sehr weit
oben auf der ,,Will ich hinbekommen-Liste", leider habe ich da noch nicht die richtige Lösung gefunden. Da ich
zu 99,99% mit dem iPad arbeite, ist es recht schwierig an eine einfache aber eloquente Lösung zu kommen.
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Paula

Ähnlich ging es mir auch. Ich hatte ein altes derbes englisches RM aus einem Konvolut geangelt und bekam es mit nur einer Lage Tape nach dem allgemeinen Standardvorgehen nicht zufriedenstellend hin. Die zweite Lage Tape brachte dann den Erfolg.

Es ist halt immer schwierig, aktuelle Erfahrungen mit Erfahrungen zu vergleichen, die man gemacht hat, als man noch keine Erfahrung hatte. Damals hat mir das Tape geholfen, heute bräuchte ich es nicht mehr.

Dennoch, solange alles gut ist, ist ja alles gut und wenn die zweite Lage hilft, das Rasurempfinden und die Standzeit zu verbessern, so what, dann ist das eben die Lösung der Wahl. Vielleicht ist es auch eine Sache des Stahls, das eine Messer hält auch ohne Tape geschärft die Schärfe und ein anderes Messer nicht.

Es freut mich, daß Du den Vorschlag im Hinterkopf behalten möchtest und einen Vergleich in Betracht ziehst. Es würde mich jedenfalls sehr interessieren, wie Du mit deinem aktuellen Arfahrungsschatz und z.B. mit Deinem Lieblingsfinisher den Unterschied eine oder zwei Tapelagen empfindest.

Zitat von: DailyDriver in 08. Dezember 2025, 21:45:47uf einem Pastenriemen bzw. auf meinem ,,Riemenhalter"mit
roter & schwarzer Paste belegt, leider mit nur kurzem, mäßigem Erfolg.
"kurz und mäßig" heisst, die Klinge hat die Schärfe nicht gehalten?

Ombel

#575
Zitat von: DailyDriver in 08. Dezember 2025, 18:26:31@Ombel,

der Blaue Belgische Brocken ist ein sehr guter Stein, im Bereich der Küchenmesser
mit Sicherheit ein guter Finisher, angerieben für die komplette Progression geeignet.
Bei Rasiermessern sehe ich das mittlerweile etwas anders. Ich habe auch Rasiermesser
damit geschärft, sogar nach Alter Vöters Sitte in einer ,,1Stein-Progression", d.h. vom
Setzen der Facette bis zum Finish. Allerdings sind mittlerweile auch die Ansprüche ge-
stiegen, als Pre-Finish ja, als Finisher...eher nicht (mehr). Da bietet der blaue Thüringer
doch ganz andere, um Längen angenehmere Schneiden...

Gruß
Gregor

Genau, für Küchenmesser taugt der mir ganz gut  dh:

Bei Rasiermesser, kenne ich Jemanden der das Schärfen viel besser kann als ich  ;)

DailyDriver



@Ombel,

Bei Rasiermesser, kenne ich Jemanden der das Schärfen viel besser kann als ich  ;)


;) dh:
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

DailyDriver

Zitat von: Paula in 09. Dezember 2025, 17:00:49"kurz und mäßig" heisst, die Klinge hat die Schärfe nicht gehalten?
Richtig, die nachfolgende (1.) Rasur nach dem Pastenriemen war in Ordnung, dann baute das
Messer kontinuierlich sehr schnell wieder ab. Ich gehe da heute, mit etwas mehr Erfahrung,
davon aus, dass ich das Ganze durchs Ledern wieder ,,weggeledert" habe.

Ich werde mich auch mit dem Thema ,,Paste" irgendwann ein wenig beschäftigen, heute habe ich
ja weitaus interessanteres Equipment (Mikroskop) um da detailliertere Aussagen machen zu können.
Schäumen wir mal, wohin die Reise geht... ;)

Gruß
Gregor
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

DailyDriver

#578
Neuigkeiten aus dem Natursteingarten – es kommt (doch) nicht immer auf die Größe an!
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Bin ich schon Captain Iglo?
oder
Wie ich anfing, Fischstäbchen zu mögen ...
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Als ich den Abziehstein zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich an zwei Dinge gedacht ... ,,Das ist der Anreiber, o. k., wo bitte ist denn jetzt der richtige Stein?" Und dann habe ich sofort an ein Fischstäbchen gedacht, denn die Größe passt schon dazu, aber ja, a bisserl länger ist er schon, dafür wird er aber weniger appetitlich sein als sein gedankliches Abbild.
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Zum Abziehstein selbst ...
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Von den Maßen her passt er definitiv in die alten Listen, er ist 12,5 cm lang und 2,5 cm breit, sein Gewicht beträgt 144 g. Umgerechnet in die seinerzeit übliche Maßeinheit in Zoll kommt dabei 5 × 1 Zoll heraus. Lediglich die Dicke des Steins verwundert mich immer noch. Hier ist der Stein tatsächlich unterschiedlich, d. h., er ist schief geschnitten, verläuft von 1,5 cm auf 2,0 cm. Das ist meiner bescheidenen Meinung nach ein sehr fragwürdiges Maß, denn soweit ich weiß, wurde beim Zuschnitt, genau wie beim Material an sich, stets auf sehr hohe Qualität gesetzt. Dass dieser Stein dennoch in den Handel ging, zeigt für mich aber die Tatsache, dass er in einer Pappschachtel mit extra Platz für einen (leider fehlenden) Anreiber verpackt ist. Es gibt zwar Reste eines Aufklebers, daraus lassen sich aber hier und jetzt durch mich keine Rückschlüsse auf den Anbieter/Hersteller ziehen. Die Farbe ordne ich irgendwo zwischen hellem Blaugrün und Hellgrün ein, für mich doch recht schwierig, da exakter zu sein. Wo ich aber exakter sein kann, ist die Feinheit des Steins ... die ist wohl das Feinste, was ich bis dato in Sachen Thüringer Abziehstein in Händen halten durfte. Ich bin hier fast schon gewillt, den Lütten in den Bereich eines Eschers zu heben, so stelle ich mir zumindest einen ,,Papperlstein" vor.
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Vielleicht kann ja jemand etwas zum Stein anhand der Bilder vom ,,Restettikett" beitragen...vielen Dank schon einmal im Voraus.
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Die Progression:
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- SHAPTON Glass 4 k & 8 k —> zur Auffrischung (jeweils 1 x 16⇅ & 3⇅ *)
- Thüringer Abziehstein
- QUERCUR Shell Cordovan (der Spanier)
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Nachdem ich ja bereits ein Messer, das Böker King Cutter (5/8) darauf geschärft hatte, wurde trotz der Umstände in Bezug auf Größe und Form des Steins natürlich auch mein Spieltrieb geweckt. Beim Böker hatte ich zu Anfang den Thüringer auch in meinen Steinhalter ,,gespannt", da kam aber das Handling ziemlich schnell an ein ,,praktisch unzweckmäßig", denn der Stein ist ja auf der Rückseite quasi schief. Anfangs mit einem kleinen Keil versehen (eine halbe Wäscheklammer aus Holz) ging es beinahe, er fing aber sofort das Kippeln an. Also blieb nur noch die Variante ,,freihändig" übrig. Diese bereits gewonnenen Erfahrungen haben mir dann heute auch gewissermaßen Zeit und Bastelversuche gespart, ich habe ohne Umwege mit dem freihändigen Schärfen begonnen. Ich habe zwar bei meinen bisherigen Progressionen hier und da bereits mal freihändig gearbeitet, allerdings mit wirklich deutlich größeren Steinen. Wie sich meine ersten ,,freihändigen Runden" mit dem Böker darstellten, verhieß zu Anfang auch nicht wirklich große Erfolge. Kippelte der Stein zu Anfang auf dem Steinhalter, so kippelte ich beim ,,Freihändig" jetzt umso mehr und es folgten auch unmittelbar erste ,,Entgleisungen" (siehe dazu Bild A), aber zum Ende hin, wurde es schon deutlich besser.
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Bild 1 (li) : Messer vor Beginn ; Bild 2 (re) : Nach dem Auffrischen mit dem SHAPTON Glass 4 & 8k, jew. 1 x 16/3
 
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Mit dem Friodur hatte ich aber von Anfang an ein weitaus besseres Gefühl für Messer und Stein, vielleicht lag es an der Größe und somit an der etwas breiteren Auflagefläche. Die etwas breitere Auflagefläche hat aber definitiv auch einen Nachteil: Sie verringert auch die mögliche Arbeitsfläche des ohnehin kleinen Fischstäbchens. Auch meine normale Vorgehensweise habe ich der Größe geschuldet, etwas abgewandelt. Zum einen habe ich nur Wechselschübe/-züge gemacht, zum andern habe ich auf jegliches Zählen verzichtet. Es war dann auch einiges an Zeit und Bewegung notwendig, bis ich so halbwegs gleichmäßige Schübe und Züge hinbekommen habe. Im Großen und Ganzen konnte der geneigte Betrachter Ähnlichkeiten zu den bekannten ,,X-Strokes" festgestellt haben, manchmal sah es aber einfach nur wie ,,gewollt und nicht gekonnt" aus. Was sich ebenfalls erneut zeigte, war die Tatsache, dass der Thüri keinerlei Rückmeldung gab. Er war und blieb da halt ,,stumm wie ein Fisch(stäbchen)". Somit ging alles nach Gefühl, ab und an eine Kontrolle unter dem Mikro, gefolgt vom HT. Hier zickte dann auch das Messer, das Friodur wurde seiner ach so bekannten Zähigkeit gerecht, es dauerte gefühlt ewig, bis dann endlich mal ein HT auch funktionierte, allerdings auch nur partiell auf gut 1 cm.
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Es folgten Züge auf Schübe, Schübe auf Züge ... Irgendwann wurde dann der HT besser und ich machte mir schon Gedanken zum eigentlichen Finish. Hier sollte wieder ein 2. Tape am Ende der Wate einen feineren Winkel geben, das war schon mal klar. Unklar war, ob ich es erneut unter fließendem Wasser versuchen sollte. Beim Böker hatte das Finish unter fließendem Wasser fast desaströs geendet. Hier kippelten nicht nur ich, hier kippelten der Stein, das Messer und ich ... gefühlt alle in andere Richtungen. Hier hat sich meine körperliche Einschränkung im linken Arm als zu großes Handicap erwiesen. Stationär am Tisch konnte ich ja sitzen und den (linken) Ellenbogen
ja auf dem Oberschenkel abstützen, im stehen vor dem Wasserhahn ging das nicht. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich heute mit dem Friodur gleich auf den Gang unter fließendem Wasser verzichtet und es ging bzw. blieb dann bei einem 2. Tape und reichlich stationären Schüben und Zügen. Nachdem unterm Mikroskop die Veränderung an der Wate erkennbar war, wurde auch der HT gleich besser. Hier war das Messer bzw. der Stahl nicht mehr ganz so zickig. Im Vergleich zur vorherigen Dauer der Progression konnte man hier schon von einem Spurtverhalten sprechen. Zum finalen Ledern ging es dann auf den Spanier und nach gut 8–10 Sätzen folgte dann ein letzter HT mit sehr gutem Ergebnis ... na bitte, geht doch.
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Bild 3 (li): Die ersten ,,Doppelschübe" auf dem Fischstäbchen. ; Bild 4 (re): Am Ende der Progression
 
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Bild 5: Finish m. 2 x Tape

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Wie lange habe ich denn nun insgesamt gebraucht? Gefühlt war ich ,,ewig" unterwegs, der Blick auf meine Uhr zeigte da gute 80 min. an, alles zusammen, inkl. dem Auffrischen auf den SHAPTON, Kontrollen unter dem Mikro, die HTs und letztendlich auch das Ledern. Die Vorbereitungen sind hier natürlich nicht mit einbezogen. Ob sich das Ganze gelohnt hat? Auch wenn die RdT nicht ganz so gut ausfällt, hat es auf jeden Fall Spaß gemacht und meinen Erfahrungsschatz erheblich vergrößert.
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Ich bin da mal sehr auf das Ergebnis gespannt ...
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Die erste Rasur
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Bereits der 1. Durchgang ,,mit dem Strich" zeigte, dass es hier zwar einen sehr kleinen, dennoch bemerkbaren Unterschied zum Böker KC gibt. Keine Frage, ein sehr gutes Rasurverhalten allemal, in Sachen Sanftheit wohl das beste Ergebnis, welches ich je mit diesem Friodur hinbekommen habe, aber ein klitzekleines Manko in der Schärfe bleibt. Der Fühltest am Kinn zeigt ein (sehr) leichtes Plus in Sachen ,,Nacharbeit" an. Gegen den Strich in den Bereichen unter der Nase und unterhalb der Unterlippe gibt es hingegen nix zu meckern, kein Ziepen, kein Tugging. Alles in allem bin ich sehr zufrieden und es soll bei weitem keine Entschuldigung sein, dennoch darf man eins nicht vergessen, es sind hier zwei vom Stahl und Schärfen her, sehr unterschiedliche Messer am Start...
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Zum ,,freihändig" Schärfen möchte ich sagen, dass mich das Ergebnis äußerst positiv überrascht und gleichermaßen beeindruckt hat...eine Technik, die es weiter zu erkunden gilt.
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Zur RdT bitte hier entlang...
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Danke und Gruß
Gregor
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Schärflegende:
1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
*) Ein Durchgang ,,16⇅ & 3⇅" bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.
Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

Ocrana

Ein sehr schöner Bericht mit tollen Fortschrittsfotos. Vielen Dank dafür, DailyDriver!

MRetro

Ich bin kein Schärf-Fan. Ist für mich eine Pflichtveranstaltung.
Mit so einem kleinen Brocken hätte ich schon gar keine Lust drauf.
Respekt vor deinem Ergeiz! dh: :)

Tim Buktu

Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

DailyDriver

@Ocrana;@MRetro;@Tim Buktu und natürlich auch alle anderen...

Vielen Dank für eure tollen Beiträge!  dh:

Gruß
Gregor
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DailyDriver

#583
Es gibt neues aus dem Natursteingarten...
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Was sagt man, wenn man z.B. über etwas sehr erstaunt ist oder gerade etwas endlich doch geschafft hat? Ganz einfach...
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..."alter SCHWEDE"

Vor kurzem hat mich ein kleines, feines Steinchen erreicht, das schon geraume Zeit auf einem meiner (nicht wenigen) Wunschzettelken stand, ein sogenannter ,,Schwedenstein". So wurde er angeboten und nach meinen Recherchen und Vergleichen mit den mir zur Verfügung stehenden Quellen sehe ich das auch so. Entgegen den verschiedenen anderen originalen Thüringer Schärfsteinen, welche in den verschiedenen Foren speziell, im Netz allgemein beschrieben wurden und werden, ist das Thema ,,Schwedenstein(e)" in seinen Umfängen und Beiträgen eher als sehr allgemein und wohl auch als spärlich zu bezeichnen. Da gibt es z. B. Aussagen zum Vergleich von ,,Schwedensteinen" zu orig. Thüringer Schärfsteinen, die Selbige von weicher bis härter, von dunkler bis heller und letztendlich von feiner bis gröber bezeichnen. Die Aussagen und Indizien zur exakten Bestimmung sind also meiner bescheidenen Meinung nach eher einem ,,...vermutlich ..." zuzuordnen denn einem ,,...mit Sicherheit ...". Mag sein, dass es sich letztendlich doch um ein anderes Steinchen handelt, ist mir in der Endkonsequenz aber auch relativ egal. Kommen wir aber lieber zum eigentlichen Thema ... das Schärfen auf dem ,,Schweden"...
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WICHTIGER HINWEIS(E) VORWEG:
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Geschärft wurde ein bereits genutztes BÖKER Elite Carbon 3.0 und ein neues, bislang ungenutztes Ralf Aust. Im Nachfolgenden beschreibe ich aber im Wesentlichen ,,nur" die Progression mit dem BÖKER, da sich bis auf Kleinigkeiten beide Progressionen letztendlich kaum bis gar nicht unterschieden haben. Fotografisch dokumentiert habe ich nur die Schliffbilder vom RALF AUST, selbige unterscheiden sich aber nicht oder nur unwesentlich vom BÖKER, daher ,,nur" ein Satz Bilder.
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Anfangs war eine erste, einfache Progression in Form einer Auffrischung und eines Finishs geplant. Dazu habe ich als ersten ,,Delinquenten" mein BÖKER Elite Carbon 3.0 auserkoren, da mir bei der letzten Rasur damit doch ein Abbau der Schärfe aufgefallen ist und nach kurzem Studium meiner Unterlagen stellte sich auch heraus, dass die letzte Progression mit dem Messer im März 2025 war. Vor dem Startschuss kam wie immer vor einer Progression mit Hilfe des Mikros ein Blick auf die Facette zur Kontrolle. Oje, was ich da erblickte, war nicht schön, sondern eher bräunlich...rostbräunlich, um genau zu sein. Hier war es auch wieder, das Freud & Leid des Mikroskops: Die entdeckten Fleckchen hätten wahrscheinlich bei ihrer realen Größe noch eine lange Zeit gebraucht, um ohne Mikro erkannt zu werden oder entsprechend Schaden anzurichten. Dennoch war klar, mit einer Auffrischung war es nicht getan. In einem Bereich ging so ein ,,Fleckerl" bis zur Wate, da schreit mein innerer Monk bereits lauthals ALARM und drängt zu einer Problembekämpfung. Also nix mit ,,nur auffrischen", die Schadstelle wird beseitigt und somit die Facette komplett neu gesetzt.
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Die Progression:
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- 1 x Tape
- SHAPTON Glass 1K — Facette neu setzen
- SHAPTON Glass 4 & 8 K
- Schwedenstein stationär, klares Wasser
- Schwedenstein unter fließendem Wasser, final mit 2 × Tape
- Ledern auf QUERCUR Shell Cordovan – SM-Riemen № 5 – QUERCUR Shell Cordovan
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Der erste Teil mit Facettensetzen und bis zum SHAPTON-Glas 8K war unspektakulär und problemlos, interessanter wurde es danach. Die ersten Wechselschübe auf dem Schweden waren eher dem Kennenlernen geschuldet als dem Start der eigentlichen Progression. Bei den ersten Runden gab der Stein auch ein Feedback, welches ich ehrlich gesagt etwas anders erwartet hätte. Erwartet habe ich ein samtig-weiches Verhalten, einem Thüringer vergleichbar halt, stattdessen habe ich ein eher raues Verhalten, auch vom akustischen Eindruck her, einen hellen, fast als ,,blechernd" zu bezeichnenden Klang vernommen ... schwierig zu beschreiben. Nach gut 1–2 Sätzen mit Wechselschüben ging es dann mal zur Kontrolle unters Mikro. Ihr könnt mir glauben, wenn ich das, was ich da sah, doch als gleichermaßen erschreckend und verwirrend bezeichne. Dass die Politur vom 8K hinfällig sein wird, war mir ja klar und ist ja auch logisch, aber ich habe nicht mit einem Schliffbild gerechnet, das da eher einem 1K gleicht, denn einem Thüringer. Da kamen mir schon die ersten Gedanken: ,,Dieser Stein taugt nicht." Allerdings griff in dieser frühen Phase da sofort mein Spieltrieb ein und sagte mir: ,,...am Ende zählt nur die Rasur", also ging es weiter. Es folgten gut 2 Durchgänge mit meiner bekannten Vorgehensweise ,,16⇅ & 3⇅"*1, ergänzt durch Korken und Zwischenledern auf dem ,,Spanier". Am Ende ein erster HT ... naja, letzteres funktionierte eher widerwillig.
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Nach diesen Durchgängen überlegte ich, wie ich weiter vorgehen sollte, und kam zu dem Entschluss, vom stationären Einsatz her jetzt schon mit fließendem Wasser zu versuchen. Was dann bereits nach wenigen Wechselschüben passierte, kann ich mir bis jetzt nicht wirklich erklären. Das Feedback vom Stein veränderte sich sofort und unmittelbar, es wurde tatsächlich samtiger, weicher und vor allem auch vom Gefühl her um ein Vielfaches angenehmer. Ebenso wechselte auch meine Laune und ein gewisses ,,Na bitte, wird doch"-Grinsen überkam mich. Ein Blick unters Mikro zeigte auch bereits nach 3 Sätzen eine positive Änderung im Schliffbild. Die vorher ja als eher scharfkantig zu bezeichnenden Riefen gingen in feine, eher abflachende, rundliche über, die von einem Thüri nicht unähnlich. Was folgte, war natürlich ein HT, und siehe da ... diesmal funktionierte selbiger auf ganzer Länge. Schon fast etwas übermütig entschloss ich mich, zum Finish überzugehen, also ein zweites Tape drauf und für gut 3 Sätze nochmals unter fließend Wasser. Am Ende erfolgte ein ausgiebiges Ledern im Wechsel mit dem SPANIER*2 – SM-Riemen № 5 – Spanier. Mit einem sehr guten HT als Abschluss war diese Progression, die nicht sehr erfolgversprechend begonnen hatte, doch noch zu einem vielversprechenden Ergebnis gekommen.
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Bei der Progression mit dem RALF AUST gab es vom Ablauf her kaum bzw. nur marginale Unterschiede.
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Die Bilder zeigen den Fortschritt der Progression mit dem R.AUST
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Die RdT's mit beiden Messern
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Das BÖKER (RdT vom 22.01.26)
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Die ersten Züge mit dem BÖKER zeigten bereits, dass es noch nicht an die Schärfe eines Messers herankommt, das auf einem originalen Thüringer gefinisht wurde. Was aber gleich ist, war das sehr sanfte und völlig reizfreie Rasurverhalten. Nachdem ich beim 1. Durchgang (mit dem Strich) dann den Winkel des Messers flacher und die Züge etwas kürzer gestaltete, wurde auch die schon gute Gründlichkeit besser. Im 2. Durchgang (gegen den Strich) war aber dennoch erkennbar, dass es an etwas Schärfe fehlt. Die Rasur wurde nicht unangenehm, nur war merklich mehr Widerstand der Klinge zu spüren. Auch das ,,Zaubern" (Ausputzen) war, bis auf meine bekannten Problemzönchen wie Kinnkante und Ober- und Unterlippenbereich (hier gegen den Strich), ohne Probleme.
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Das RALF AUST (RdT vom 24.01.26):
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Mit dem R.Aust lief es bereits ein wenig besser, hier sind ja beim Schärfen bereits die Erfahrungen vom BÖKER mit in die Progression eingeflossen. Beim ersten Durchgang (mit dem Strich) konnte ich durchaus einen steileren Winkel nutzen und die Gründlichkeit hat zugenommen. Auch beim 2. Durchgang (gegen den Strich) wahr die bessere Schärfe merkbar, beim BÖKER war ,,gegen den Strich" ja nicht unangenehm oder gar schlecht, dennoch sind Unterschiede zum R.AUST zu erkennen, auch beim ,,Zaubern", sprich beim Ausputzen war es in meinen Problemzönchen gegen den Strich deutlich angenehmer. In Gänze betrachtet, eine sanfte, gründliche Rasur ohne jegliche Reizungen.
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Erkenntniss(e) & Fazit:
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Zuallererst einmal hat sich bei dem Schweden wieder eins bewahrheitet...Erwartungen bei neuen & fremden Steinchen niemals zu hoch ansetzen, auch ein Stein will erst einmal kennengelernt werden, wenn es dann immer noch nicht so funktioniert, wie es soll oder wie man es sich vorgestellt hat, unbedingt dranbleiben und einen anderen als den ursprünglichen Weg gehen. Dieser Schwedenstein funktioniert gut, das steht schon mal fest, ich musste halt nur kurz über den Rand der eigenen Rasierschüssel gucken. Er kommt (noch) nicht an die Top Ergebnisse meiner Thüringer heran, das war wohl auch nicht unbedingt zu erwarten. Was er aber im Vergleich zu den Thüris aber locker schaft, ist es, ein sehr angenehmes, sanftes Rasurverhalten zu erzeugen. Ich gehe auch mal davon aus, dass die Ergebnisse nach weiterem ,,kennenlernen" mit Sicherheit auch noch in Sachen ,,Schärfe" um einiges besser werden.
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Ich bin fest davon überzeugt, dass solch ein Stein noch vor gar nicht allzu langer Zeit nahezu jedem Nutzer eines Rasiermessers zur vollen Zufriedenheit gereicht hätte, besonders wenn man sich das PLV vor die Stöppelkes hält...
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Vielen Dank und Gruß
Gregor

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Schärf-Legende:
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1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
*1) Ein Durchgang ,,16⇅ & 3⇅" bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0. Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge
*2) Der Spanier = QUERCUR Shell Cordovan
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alvaro

Immer eine Freude.
Da die Schwedensteine ja auch Thüringer sind, aber aus anderen Brüchen stammen als die Escher, frage ich mich ob man die Schweden nicht als "Escher B Sortierung" ansehen kann?
Du hast aber voll und ganz Recht, vor nicht allzu langer Zeit wäre das sicherlich ein Stein mit dem viele voll zufrieden gewesen wären.
Ich denke eh wir übertreiben es heute.

Aber auch von anderen Steinen in dieser Klasse hat man sehr lange nichts gehört, ich sage hier nur einmal "Drachenzunge".