So habe ich das Messer geschärft

Begonnen von alvaro, 12. März 2020, 14:05:40

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Paula

Die Sache mit den Anreibern habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Im original wird der Artaunonstein mit einem Schieferanreiber angeboten und ich dachte, meine wallisischen Steine kommen dem am nächsten.

Paula

Heute wollte ich mal wissen, was passiert, wenn man einem Messer ein GBB Finish auf Öl verpasst.

Click here:

Mit der ersten Rasur, direkt vom Stein (weil es Alvaro immer favorisiert), bin ich sehr zufrieden.  ;D
Deutlich besser als der Versuch mit Spüli.
Es ist aber kein 1:1 Vergleich. Es ist ein anderes Messer und damals hatte ich nicht direkt vom Stein getestet.
Als nächstes kommt die Rasur nach Leinen/Leder u. dann kommt das Ding auf den sw. Arkansas.

Tim Buktu

Ich hab immer Hemmungen mit Öl zu arbeiten, weil ich das Geglitsche nicht mag. War's schlimm?  ;)
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

MRetro

#153
Na mit ,,Ultra sensitiv Pflegeöl" kann die Rasur direkt vom doch nur so fluppen.  ;)

Paula

Öl habe ich auch schon auf Quarzit und auf dem Arkansas benutzt. Ich mag das Gleiten auf Öl sogar mehr als auf Wasser. Heute hatte ich es etwas übertrieben und es lief zum Teil am Stein runter. Es ging ja nur ums Finish, ich vermute, der Gleitfilm des Öls verringert den Kontakt Metall-Schleifkörper und die Politur wird besser.

Den Stein habe ich anschließend wieder mit Spüli sauber gemacht.

Zitat von: MRetro am 19. Dezember 2020, 19:04:52
Na mit ,,Ultra sensitiv Pflegeöl" kann die Rasur direkt vom doch nur so fluppen.  ;)
;)
Genau! Bei der Rasur habe ich sogar (ein anderes) Babyöl als Preshave benutzt.

alvaro

Sehr spannend!
Die Sache mit dem Öl hast du aber schnell umgesetzt.

Der Stein wurde wieder zu 100% sauber?

Paula

Die Sache mit dem Öl war irgendwo schon immer im Hinterkopf vorhanden. Ich wollte es einfach wissen. Rein optisch würde ich sagen, "Ja" der Stein ist sauber.

Ich will aber noch einmal betonen, es war nur das Finish!

Die Anleitungen zu Uni- u. Dilucot kenne ich, habe es aber noch nicht versucht. Die einschlägigen Seiten von Henk Bos, coticule.be, etc. kenne ich auch und habe ich auch gelesen.

Paula

Es liegt ein vorläufiges Ergebnis zum obigen Versuch vor.
https://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,36439.msg683440.html#msg683440
Und wie man sieht, auch schon wieder eine Idee, für den nächsten Versuch.

Paula

#158
Heute etwas lokalpatriotisches :)



Bei diesem Stein handelt es sich um einen selbst gefundenen Taunusquarzit. Dieser ist kein Quarzit im eigentlichen Sinne, sondern ein sogenannter Felsquarzit und man findet ihn, grob gesagt, auf dem Taunuskamm ( Der rosa Bereich auf der Karte).

Weil der Stein so langsam und sehr klein ist, habe ich mit Sicherheit 250 Züge (hin- u. zurück) gemacht, um sicher zu sein, am Ende wirklich nur das Finish dieses Steins und nicht irgendeinen Mischmasch zu haben. Dabei habe ich zuerst nur auf Wasser und später dann auf Wasser / Glycerin abgezogen.

Die erste Rasur erfolgte (nach 5x Leinen zum trocknen) direkt vom Stein. Im Vergleich zum Artaunon (lt. Anbieter auch ein Taunusquarzit) den ich letztens, als freundliche Leihgabe da- und getestet hatte und auch im Vergleich zu @Alavaros Maxbergquarzit (auf dem das Weltmeister zuletzt gefinished worden war) aus dem Nachbarforum, kam mir die Rasur mit meinem Stein im 1.DG nicht ganz so scharf u. gründlich aber dafür in der Summe etwas sanfter vor. Was nach dem 1.DG noch stand, konnte das Messer aber im 2DG problemlos abräumen, sodaß es am Gesamtergebnis nichts zu kritteln gibt. Ich bin jedenfalls glatt rasiert und die Haut fühlt sich gut an.

Ich denke, dieser Stein gefällt mir auf Anhieb besser als die vielen (Dach-)schiefer, die ich in derselben Gegend bisher gesammelt habe und mein Stein liegt gleichauf mit Artaunon und Maxberg, wenn auch mit scheinbar sanfterem Charakter. Das soll nicht heißen, daß die lokalen Schiefer des Rheinischen Schiefergebirges (z.b.: Der hier) nichts taugen können, aber da braucht man vielleicht doch noch die Paste, um ein richtig(!) gutes Finish zu erreichen.

Hier habe ich noch die Seitenansicht des Steins bei etwas besseren Lichtverhältnissen.

Wenn ich alles zusammen zähle, habe ich schon bestimmt 10 Stck dieser Felsquarzit Steine bei verschiedenen Spaziergängen mitgenommen, von denen das jetzt der erste brauchbare Finisher ist. Die meisten Steine waren einfach nicht kompakt genug, sondern eher wie ein harter Sandstein mit vielen Hohlräumen. Deswegen sind die meisten meiner Steine auch wieder zurück in die Natur gewandert. Außerdem ist das Planen dieser Steine eine elende Plackerei. Falls ich überhaupt noch einmal so einen Stein aufheben werde, dann müsste er mindestens genauso kompakt u. dicht wie dieser aussehen, größer sein und ich müsste mir ihn von einem Steinmetz bearbeiten lassen.

alvaro

Schöner Bericht.
Interessant wenn man sich überlegt was alles am Straßenrand liegt, und zum schärfen geeignet ist.

MRetro

Alvaro hatte mir vor ca. 10 Monaten hier zwei Böker rasurfertig gemacht.
Nach regelmäßiger Nutzung wollten sie sich zuletzt nicht mehr wirklich auf dem Pastenriemen auffrischen lassen. Also habe ich sie erstmals selbst mit einem Schiefer wieder aufgefrischt.

Ca. 50 Doppelschübe auf dem Koorat-Schiefer, dann
40 Doppelzüge auf einem schwarzen Pastenriemen, und danach noch
25 Doppelzüge auf dem Juchtenlederriemen.

Das Böker Pearl Scale Tang hatte ich dann letzte Woche 3x im Einsatz um zu schauen, wie es sich entwickelt.
Anfangs war es mir etwas zu aggressiv, was sich dann aber mit der dritten Rasur legte, so dass für mich eine sehr gute Balance zwischen Schärfe und Sänfte erreicht war.

Das Böker Tweed Carbon werde ich in der kommenden Woche ebenfalls so testen. Sollte es auch bei der ersten Rasur zu aggressiv sein, werde ich es diesmal direkt vor der zweiten Rasur doppelt so lange ledern.

Ich bin schon gespannt.  :)

alvaro

10 Monate und zwei Messer.
Das war lang!
Oft spricht man von einer Standzeit von ca. 3 Monaten, da hast du immer sehr gut geledert.

MRetro

Zu viel der Ehre, alvaro.
Es wird wohl eher daran liegen, dass ich auch noch weitere Messer nutze und mich auch nicht jeden Tag mit dem Messer rasiere. Insofern relativieren sich die 10 Monate bei deinem Vergleich sehr.  ;)

Paula

Nachdem ich die Klinge schon seit 3 Jahren unbeschalt aber entrostet "beiseite gelegt" hatte, habe ich heute ein  kleines 4/8+ Bengall mit Keilschliff geschärft:

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Zuerst mussten zwei Scharten mit einem 1k Cerax ausgewetzt werden. Um den Rücken zu schonen, habe ich mit 1x Elektrikerband abgeklebt. Bis die Scharten weg waren musste ich das Band mehrmals tauschen.
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Als die Scharten nicht mehr zu sehen waren, habe ich die Facette mit Edding markiert und ohne Tape auf dem 1k weiter geschärft, bis sich auf kompletter Klingenlänge leicht Unterarmhaare rasieren ließen.
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Danach kam 1 Lage 3M Panzerband * drauf' und es ging über einen 6k Cerax zu einem angeriebenen purple LLynMelynLLyn (12k).
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Das geht eigentlich Ruck-Zuck, die 6k Seite des Cerax ist recht schnell und man muss wegen des dicken Panzerbands nicht viel abtragen.


Nachdem ich den Schleifschlamm abgespült hatte ging es auf dem LLynMelynLLyn mit Wasser und Glycerin (Tipp von @Grosser!) weiter, bis ich einen guten Haartest hatte. Ab hier habe ich den Stein in der Hand gehalten. Zuvor hatte ich die Steine auf Spüle/Arbeitsplatte liegen und habe die zweite Hand zu Hilfe genommen, um die Klinge zu führen.
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Zum Abschluß kam für ca. 10min. ein black Arkansas zum Einsatz (testweise mit Wasser/Glycerin Gemisch).
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"Shave Ready" ;D


__________________
* In der Vergangenheit hatte ich bei alten, derben Messern mehrmals die Erfahrung gemacht, mit einer Lage Elektrikerband keine vernünftige Endschärfe zu erreichen. Aus diesem Grund habe ich es dieses Mal gar nicht erst versucht und ab 6k gleich das dicke Panzerband benutzt. Normalerweise möchte ich den Winkel lieber so spitz wie möglich.

Standlinie

Du hast einen sehr schönen Bericht geschrieben und der erinnert mich daran, dass ich auch mal wieder abziehen könnte/sollte, was ich schon lange immer wieder vor mir herschiebe.
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