So habe ich das Messer geschärft

Begonnen von alvaro, 12. März 2020, 14:05:40

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DailyDriver

#630
Fehleintrag
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DailyDriver

#631
Aus fernen Landen zu Besuch...
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ein NAKAYAMA KIITA
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Dieser Tage sind nach langer Exkursion gleich zwei Reisende aus dem fernen Japan zu einem längeren (Arbeits)Urlaub bei mir eingetroffen. Wie erwähnt sind die beiden Steinchen ja nicht nur zum Vergnügen unterwegs, sondern sie dürfen sich ausführlich in meine Rasurkultur einbringen...
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Heute darf nun der erste der beiden, ein wunderschöner KIITA (?), zeigen, was er denn zu bieten hat. Beim ersten kennenlernen stellt sich der wunderschöne, gelbe Geselle als äußerst feiner, aber auch wirklich sehr harter Brocken vor. Der Stein ist völlig frei von Einschlüssen und zeigt ein äußerst kompaktes, sehr homogenes Gesamtbild. Für den ,,Erstkontakt" habe ich schon etwas länger überlegt, welche Messer es denn sein sollen, warum Plural? Ich dachte mir, es ist wie immer sehr sinnvoll nicht gleich mit einer komplexen, mehrstufigen Progression zu beginnen, sondern hier eine relativ einfache Progression zu wählen, die mit dem Finish als Solo-Stein ohne Nagura etc. abschließt. Eine zweite Progression, hier unter Verwendung der drei Nagura, Botan, Mejiro und Koma soll erst nach dem ersten kennenlernen erfolgen. Ausgewählt habe ich meine beiden King Cutter in 6/8, die von der Klinge her, völlig identisch sind, so fällt ein Vergleich der Ergebnisse um ein vielfaches einfacher aus, als mit 2 verschiedenen Messern oder mit nur einem Messer, welches dann hintereinander geschärft wird.
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Progression I, das schwarze King Cutter (1 x Tape):
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-SHAPTON Glass 4 & 8k zum Auffrischen der Facette
-Nakayama Kiita nur mit klarem Wasser, stationär
-Nakayama Kiita unter fließendem Wasser, dann im Anschluß unter
-fließendem Wasser
-aufbringen eines 2.Tape, Finish unter fließendem Wasser
-geledert auf dem SM-Riemen Nr.IV, QUERCUR Shell Cordovan & Rind (Natur)
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Progression II, das weiße King Cutter (1 x Tape):
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jeweils stationär mit klarem Wasser & Slurry, jeweils am Ende bis zum klaren Wasser herunterverdünnt mit
-Botan
-Mejiro
-Koma
--Nakayama Kiita nur mit klarem Wasser, stationär
-Nakayama Kiita unter fließendem Wasser, dann im Anschluß unter
-fließendem Wasser
-aufbringen eines 2.Tape, Finish unter fließendem Wasser
-geledert auf dem SM-Riemen Nr.IV, QUERCUR Shell Cordovan & Rind (Natur)
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Die ersten Züge boten mir zu Beginn ein, zugegebenermaßen nicht erwartetes, sehr hartes, fast metallisch klingendes Feedback des Steines. Ich hatte da ein eher weiches, samtiges Verhalten erwartet, wie ich es von meinem Nakayama Asagi her kenne. Da spiegelt sich gleich zu Anfang die Härte des Steins wieder, die mir der Besitzer dieses schönen Steinchens aber auch im Vorfeld bereits angekündigt hatte. In unserem Vorgespräch gab er auch zu verstehen, dass die Qualitäten des Japaners als Basisstein im Zusammenspiel mit entsprechenden Nagura zu finden seien. Nichtsdestotrotz habe ich aber zum ersten Kennenlernen eine andere Progression gewählt. Das Messer ging zum Auffrischen der Facette zuerst über die SHAPTON Glass 4 & 8k und danach ausschließlich mit klarem Wasser auf den Kiita. Auch hier erwartete ich zumindest nach einigen Sätzen ein ähnliches Verhalten, wie bei meinem eigenen Nakayama, doch weit gefehlt, dieser Japaner blieb stumm, gab keinerlei Rückmeldung. Als ich die Facette mehrfach unter dem Mikro betrachtete, kamen mir die spärlichen Veränderungen so vor, wie ich sie von meinem OZUKU her kenne...wie Schärfen auf einer Fensterbank aus künstlichem Marmor. Nach einigen Sätzen entschloss ich mich zu 1-2 Sätzen Zwischenledern und...na was wohl? Richtig, zu einem ersten HT. Was soll ich sagen, der HT funktionierte bereits über die gesamte Schneidkannte hinweg, es wurde also Zeit das Ganze in Richtung Wasserhahn zu verlagern. Zu Anfang noch mit einfachem Tape, zum Schluß wie fast schon gewohnt, das Finish mit einem 2.Tape. Kaum habe ich die ersten Doppelschübe gemacht, begann der Stein bereits mit zaghafter Rückmeldung, die mit fortschreitenden Anzahl immer klarer und deutlicher wurde. Bereits nach kurzer Zeit platzierte ich das 2.Tape und es reichten knapp 2 Sätze, da signalisierte die Klinge mit klarem Widerstand, dass es wohl reicht. Es folgte die Begutachtung unter dem Mikro und das Finale Ledern. Letztendlich konnte ich am Ende dieser Progression diese mit einem hervorragenden HT abschließen.
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Progression I, das Endergebnis

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Die zweite Progression unterschied sich dann doch erheblich von der ersten, hier durchlief das Messer eine nahezu komplette NAGURA-Progression, nahezu deshalb, da mir ein passender TOMONAGURA zu dem Kiita fehlt. Da werde ich aber in den nächsten Progression mal ein wenig in meinem japanischen Natursteingarten schauen, was ich da zum experimentieren finde. Bei den drei NAGURA habe ich darauf geachtet, jeweils immer eine nahezu identische Konsistenz des Slurry zu erhalten, hier habe ich diesmal eine etwas dünnere Mischung, vergleichbar mit H-Milch gewählt. Das jeweilige Anreiben ging auch ohne Probleme, da waren bei allen drei NAGURA nur wenige Bewegungen notwendig, um den notwendigen Abrieb zu erzeugen. Das Ganze verlief dann auch ohne große Probleme, einzig die akustische und haptische Rückmeldung vom Stein war dann schon etwas gewöhnungsbedürftig, ein eher metallisches, leicht ,,schabendes" Geräusch war zu vernehmen, das aber jeweilig mit der steigenden Anzahl der Wechselschübe doch immer freundlicher wurde. Ein samtiges, eher weiches Verhalten entstand da aber in keinem Falle...vielleicht schaffe ich das ja ja bei den nächsten Progressionen. Nach dem letzten NAGURA, dem KOMA ging es dann identisch wie in der ersten Progression bis zum Finish weiter, wobei hier allerdings die gesamte Schneidkannte bzw. Facette nicht so schön poliert erschien. Was allerdings genauso schön war, war der obligatorische HT am Ende, auch hier kann ich ein ,,hervorragend" vergeben.
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BOTAN

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MEJIRO

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KOMA

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Progression II, das Endergebnis
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Die RdT
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Ich habe mich entschlossen, da ich beide Messer quasi gleichzeitig geschärft habe, auch beide Messer gleichzeitig zu verwenden, so fällt auch ein Vergleich viel einfacher und unmittelbarer aus. Die rechte Hälfte durfte das schwarze KC, die linke Seite durfte das weiße KC übernehmen. Was soll ich schreiben, trotz anfänglicher Skepsis aufgrund dieses blechernden Klang und Haptik auf dem Stein, erwiesen sich die ersten Züge mit beiden Messern gleichsam als äußerst sanftes und gründliches Rasurverhalten. Die Messer glitten beide ohne Probleme durch die Zwei-Tage-Stöppelkes und machten einen richtig tollen Job, ob mit oder gegen den Strich...kein ziehen oder ziepen, kein Tugging. Im direkten Vergleich, ist aber schon fast logisch, gebe ich dem weißen Messer mit seiner NAGURA-Progression in Sachen Schärfe ein paar Pünktchen mehr, als dem Zwillingsbruder. Vom Rasurverhalten tuen sich beide Messer nix, super sanft und gründlich, da gibbet absolut nix zu mäkeln, ein erstes kennenlernen mit sehr gutem Endergebnis.
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...immer neugierig bleiben!
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Danke und Gruß
Gregor
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alvaro


Tim Buktu

Danke für den Bericht. Der hat mir Motivation gegeben mich mal wieder einigen auf Schärfe wartenden Messern zu widmen. Wenn es über Pfingsten warm wird, werd ich mich vermutlich mit meinem Equipment auf die Terrasse begeben.  8)
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

MRetro

Danke dir, @DailyDriver. 👍

Zitat von: Tim Buktu in 21. Mai 2026, 07:20:40Danke für den Bericht. Der hat mir Motivation gegeben mich mal wieder einigen auf Schärfe wartenden Messern zu widmen. Wenn es über Pfingsten warm wird, werd ich mich vermutlich mit meinem Equipment auf die Terrasse begeben.  8)

😀 Gute Idee. Da sich bei mir auch wieder ein ,,Päckchen" angesammelt hat, schließe ich mich dem an (also auf meiner Terrasse 😉).

DailyDriver

@Tim Buktu ; @MRetro und natürlich auch alle anderen...

Ich bedanke mich und wünsche euch beim Schärfen schönes Wetter & gutes Gelingen.

Gruß
Gregor
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DailyDriver

#636
Es gibt Neues aus dem Natursteingarten...
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...Nakayama Kiita die III.
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Nach dem ersten Kennenlernen darf heute der Nakayama Kiita wieder zeigen, was in ihm steckt. Bei der ersten Progression war es im Grunde ja ,,nur" ein Auffrischen und ein Finish mit klarem Wasser, gefolgt von der 2. Progression mit den 3 Nagura BOTAN, MEJIRO und KOMA. In der heutigen Progression gibt es natürlich eine Änderung bzw. eine Ergänzung, sonst würde es ja irgendwie auch langweilig werden. In Ermangelung eines TOMO-NAGURA habe ich stattdessen nach dem KOMA den Kiita mit einer (reichlich ausgelutschten) 1200er-Dia-Karte von DMT angerieben. Ich war schon sehr gespannt, ob ich mit dem angeriebenen Stein nicht das Ergebnis vom KOMA gleich wieder egalisiere und so quasi statt einen Schritt nach vorn einen zurück mache ...
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Anm.: Bei allen Nagura und dem angeriebenen Kiita bin ich nach der ,,Dilucot-Methode" vorgegangen (Herunterverdünnen des Skurry bis zum klaren Wasser). Bei der gesamte Progression habe ich ausschließlich mit Wechselschüben gearbeitet, meine ,,Scheibenwischer-Methode" kam nicht zum Einsatz.
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Die Progression (1 × Tape):
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- BOTAN-Nagura
- MEIJIRO-Nagura
- KOMA-Nagura
- Kiita angerieben mit einer 1200er-DMT-Dia-Karte
- stationär nur mit klarem Wasser
- wechsel zu fließendem Wasser
- das 2.Tape und Finish unter fließendem Wasser
- geledert wurde auf meinem SM-Riemen IV
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Laut meinen Aufzeichnungen habe ich das Schulze zuletzt in 09/2026 auf meinem Karasu geschärft und gefinisht und wurde natürlich auch mehrfach mit stets gutem Ergebnis eingesetzt. Das Messer war also in einem rasurscharfen Zustand und entsprechend habe ich die Facette auch nicht neu gesetzt, sondern begann die Progression ohne vorheriges ,,Nullen" der Schneidkante. Neben der Erweiterung der Progression hatte ich mir eine weitere Änderung ggü. den ,,Kennenlern-Progressionen" auf dem Kiita vorgenommen, ich plane, bei den einzelnen Stationen doch jeweils länger auf dem Stein zu bleiben, um auch die NAGURA und deren Leistungen besser kennenzulernen. Den eigentlichen Schwerpunkt setzte ich hier aber auf die Leistungen vom KOMA, um hier nach dem Wechsel zum angeriebenen Kiita genau zu erkennen, inwiefern sich da Änderungen einstellen.
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Nachdem ich nach reichlich Wechselschüben mit dem KOMA mir die Schneidkante wiederholt unterm Mikro angeschaut hatte und auch bereits einen Übergang in Richtung Politur erkannte, entschied ich mich zum Wechsel auf den angeriebenen Kiita. Doch vorher kam, was kommen musste: richtig, 2 Sätze zwischenledern auf dem QUERCUR Cordovan und natürlich der schon fast obligatorische HT. Selbiger funktionierte auch ganz gut, jedoch noch lange nicht so, wie ich ihn mir vorstellte. Bei dem Slurry vom Kiita wählte ich auch eine etwas feinere Konsistenz, also etwas wässriger, da ich ja noch nicht wusste, ob ich evtl. gröber bin als mit dem KOMA. Die ersten prüfenden Blicke durchs Mikro beruhigten mich aber, denn auch wenn die erste Runde relativ kurz war, konnte ich bereits erkennen, dass der ,,Eigen-Slurry" tatsächlich feiner war als der des KOMA. Nachdem ich dann 2 komplette Durchgänge nach der ,,Dilucot-Methode" umgesetzt hatte, funktionierte bereits ein guter HT ohne vorheriges Zwischenledern und ich entschied, zum nächsten Schritt zu gehen, dem stationären Pre-Finish nur mit klarem Wasser. Ab jetzt ging alles Weitere seinen gewohnten Gang mit dem Wechsel vom stationären Betrieb unter fließendem Wasser und dem Finish mit einem 2. Tape Auch beim finalen Ledern ging ich nach bewährter Methode vor. Hier war mein SM-Riemen Nr. 4 wieder das Mittel der Wahl. Am Ende wurde ich für meine Arbeit mit einem hervorragenden HT belohnt und bin sehr auf die Rasur gespannt.
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Der Slurry vom angeriebenen Kiita (re.) ist deutlich dunkler als der Slurry von den NAGURA (li.)
(Links: KOMA-Nagura - Rechts: Eigenslurry Kiita)
 
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Am Ende des Pre-Finish (stationär mit klarem Wasser)

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Das Endergebnis

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Die RdT
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Die leicht abgeänderte ,,Nagura"-Progression, diesmal habe ich ja den Kiita nach den drei Nagura mit einer 1200er-Dia-Karte angerieben, brachte ein hervorragendes Ergebnis. Das Messer ist super sanft und hat eine sehr gute Schärfe, alle Durchgänge wurden ohne Probleme mit tollem Endergebnis gemeistert. Hier möchte ich aber nicht in Euphorie verfallen, denn ein aussagekräftiges Ergebnis kann erst nach weiteren Einsätzen des Messers erfolgen. Dennoch bin ich fürs Erste sehr zufrieden.
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... Immer neugierig bleiben!
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Danke und Gruß
Gregor
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MRetro

@DailyDriver, wieder ein schöner Bericht. dh:
Ich bin immer wieder angetan, wie strukturiert du vorgehst. Planst du die Reihe der Progression im Vorfeld und hältst dich dann auch daran oder passt du im Laufe der Progression den Ablauf individuell an?

DailyDriver

Zitat von: MRetro in 24. Mai 2026, 21:31:10@DailyDriver, wieder ein schöner Bericht. dh:
Ich bin immer wieder angetan, wie strukturiert du vorgehst. Planst du die Reihe der Progression im Vorfeld und hältst dich dann auch daran oder passt du im Laufe der Progression den Ablauf individuell an?
Vielen lieben Dank! dh:

Wenn ich etwas neues ausprobieren möchte oder ein neuer Stein den Spieltrieb geweckt
hat, mache ich mir im Vorfeld immer Gedanken darüber, was ich wie & wann mache, will
sagen, ich erstelle quasi immer einen Plan und wenn nicht irgendwas außergewöhnliches 
passiert, halte ich mich auch daran. Als ich mit dem Schärfen begonnen habe, hatte ich
hier und da bereits Probleme, bei den verschiedenen Messern später nachzuvollziehen,
was ich da womit gemacht habe. 

Seit gut 2 Jahren protokolliere ich auch den Ablauf bzw. die Reihenfolge der Progression
bei dem jeweiligen Messer. So kann ich zumindest nachvollziehen, wann ich womit und
wie ein Messer geschärft habe. Da es ja nicht unerhebliche Unterschiede zwischen den
Messern und den Steinen gibt, weiß ich dann auch, wenn etwas mal nicht so gut war und
probiere nicht mehrmals die gleiche (evtl. nicht so gute) Progression.

Gruß
Gregor
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DailyDriver

#639
Es gibt neues aus dem Natursteingarten...
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...ein japanischer Fisch, aber nicht für Sushi...
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Der Catfish
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Nachdem ich bis jetzt bereits 3 Rasiermesser auf dem Nakayama Kiita auf verschiedene Art & Weise geschärft habe, durfte nun auch der 2. Gast zeigen, was er zu bieten hat. Zu dem Stein selbst gibt es nicht wirklich viel zu sagen, auch dem Besitzer selbst ist wenig bis gar nichts über die genaue Herkunft und Bezeichnung bekannt. In unseren Gesprächen zu den beiden Steinen kam immer wieder der Begriff ,,Catfish" auf. Das erinnerte mich irgendwie sofort an die sog. FORELLE, einen europäischen, recht selten gewordenen Schärfstein. Im Grunde wird im meist englischsprachigen Raum gemeinhin ein Wels als Catfish bezeichnet. Bei dem japanischen Schörfstein wird diese Bezeichnung in Bezug auf die auffälligen Verfärbungen im Stein bezogen. Betrachtet man den Stein, könnte man meinen, dass dieser voll von Einschlüssen ist, dies ist aber wohl mineralogisch betrachtet nicht der Fall, es handelt sich hier um Verfärbungen. Schwer zu glauben, aber auch ich konnte mit meinen Mitteln bei genauer Betrachtung der Steinoberfläche weder visuell noch haptisch einen Unterschied zwischen den verschieden farbigen Bereichen erkennen. Auch im Verlauf der Progression gab es keine Probleme oder gar sog. ,,toxische" Bereiche. Ein weiterer Punkt, der sich im Laufe unserer Gespräche als hilfreich herausstellte, war der Hinweis, dass der Stein wohl recht weich sei. Daher entschied ich mich auch, bei diesem Stein auf die Verwendung von Nagura zu verzichten und nur den Stein selbst anzureiben. Da mir keine Tomo-Nagura zur Verfügung stand bzw. steht, griff ich dazu auf meine zwar reichlich ,,ausgelutschte", aber äußerst bewährte 1200'er DMT-Diakarte zurück.
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Die Progression:
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- SHAPTON 4K
- Catfish, angerieben mit der DMT-Diakarte
- Catfish, stationär mit klarem Wasser, dann unter fließendem Wasser
- geledert auf meinem SM-Riemen IV
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Als Vorbereitung des Zwillingswerks #472 habe ich es mit 1 × Tape versehen und die Facette auf dem SHAPTON 4k ,,bereinigt". Warum diese Wortwahl? Da das Messer vorher bereits einen rasurbereiten Zustand aufwies, habe ich auf das Setzen einer neuen Facette verzichtet (Materialschonung!). Um aber einen klaren Unterschied im Schliffbild zu erreichen (das Messer hatte vorher dto. ein Naturfinish), habe ich mit dem SHAPTON die Facette von dem vorhandenen Schliffbild quasi gesäubert, sprich gereinigt. Der Catfish wurde vor der Nutzung mit einer ATOMA geplant und die Kanten der Längsseiten leicht angefasst.
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Nach nur drei Sätzen mit Eigenslurry...

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Bereits beim Planen zeigte der Stein eindeutig, dass er, wie vom Besitzer im Vorfeld beschrieben, ein sehr weicher Stein ist. Ich brauchte keine 10 Bewegungen, um die Bleistiftmarkierungen zu egalisieren. Nach gründlichem Abspülen ging aber nicht gleich mein Zwillingswerk auf den Stein, sondern eins meiner ,,Übungsmesser" (ich mag den Ausdruck ,,Opfermesser" nicht), ein GoldDollar für einige Doppelschübe über den Japaner. Ich kann aus eigener (nicht wirklich schöner) Erfahrung diese Vorgehensweise jedem empfehlen, der einen unbekannten Stein das erste Mal nutzen möchte. So kann die Oberfläche eines unbekannten oder auch bekannten Steinchens z.B. nach dem Planen einfach geprüft werden, ohne ein wertvolles Messer zu einem Übungsmesser zu machen.
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Mit fortschreitendem Herunterverdünnen wird die Facette auch immer feiner

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Nach dieser ,,Überprüfung" folgte das Anreiben mit der 1200er DMT-Diakarte. Auch hier reichten mir bereits 3-4 Steinlängen aus, um einen fein-milchigen Slurry zu erzeugen. Die ersten Doppelschübe mit dem Zwilling boten noch eine recht rau klingende Akustik, die aber sehr schnell in ein schönes, satt-dumpfes, samtiges Gleiten überging, nach meinen bescheidenen Erfahrungen ein klares Zeichen dafür, dass der Stein tatsächlich als weich einzustufen ist. Entgegen sonstiger Vorgehensweise habe ich bereits nach 3 Sätzen innegehalten und einen Kontrollblick durchs Mikroskop gemacht, um zu sehen, wie denn die Facette ausschaut, und auch, um bereits evtl. die Geschwindigkeit des Steins einzuschätzen. Was ich da sehen konnte, erstaunte mich nicht schlecht. Bereits nach dieser geringen Anzahl an Doppelschüben (3 Sätze) war die Facette deutlich mit einem neuen Schliffbild versehen. Das läßt m. E. auf einen recht schnellen Stein schließen. Nun ging es auf dem Stein weiter und ich habe nach der ,,Dilucot-Methode" von nun an beginnend den Slurry immer wieder mit 1–2 kurzen Stößen aus der Sprühflasche (klares Wasser) verdünnt. Ich habe über die Anzahl der Doppelschübe kein Buch oder eine Strichliste geführt, es mögen aber so um die 10–12 Sätze gewesen sein, als letztendlich nur noch klares Wasser auf dem Stein war. Ein Blick durchs Mikro erstaunte mich abermals, denn zumindest in der Realität konnte ich ein deutlich feineres Schliffbild erkennen. Ich entschied mich dazu, auf einen zweiten Durchgang und somit ein neuerliches Anreiben zu verzichten und von jetzt an stationär mit klarem Wasser fortzufahren. Wie bereits geschrieben, zähle ich nicht mehr genau jeden Doppelschub, aber so um die 10–12 Sätze und ein, zwei Kontrollen mit dem Mikro reichten aus, um zum fließenden Wasser zu wechseln. Die Facette zeigte bereits partiell einen Übergang zur flächigen Politur und wie üblich kam, was kommen musste, richtig ... mein Spieltrieb fordert einen HT. Selbiger funktionierte aber ,,nur" partiell, nicht durchgängig über die gesamte Schneidkante Die verbesserte sich aber nach ein wenig Zwischenledern auf dem QUERCUR Cordovan und der HT funkte über die gesamte Länge der Schneidkannte.
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Nach klarem Wasser (stationär)

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Pre-Finish unter fließendem Wasser

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Zunächst weiterhin mit nur 1 × Tape zeigte auch dieser Japaner, wo er quasi seinen Turbo zuschaltet, unter fließendem Wasser. Auch hier möchte ich meine bescheidenen Erfahrungen weitergeben und jedem, der es noch nicht probiert hat, empfehlen, seinen jNat oder jeden anderen Naturfinisher, mit Ausnahme der Ölsteine natürlich, selbigen mal unter fließendem Wasser auszuprobieren. Ihr werdet erstaunt sein, was da noch herauszuholen ist! Nach dem Pre-Finish, welches bereits eine schön anpolierte Schneidkante erbracht hat, ging es zum eigentlichen Finish. Dazu brachte ich ein 2. Tape an und nach gut 3 Sätzen signalisierte mir ein klares Einbremsen der Bewegungen, dass es reicht. Was folgte, war ,,nur" noch das finale Ledern auf meinem SM-Riemen Nr. 4. Ein letzter Test zeigte einen hervorragenden HT und eine schön polierte Schneidkante ... fettisch is' die Laube.
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Das Endergebnis

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Die RdT:

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Zuerst dachte ich, da ist irgendwas mal so richtig daneben gegangen, vom Gefühl her, passierte da bei den ersten Zügen nicht viel, fühlte sich an, wie reine Schaumschieberei. Allerdings zeigte ein nachfühlen mit den Fingern das genaue Gegenteil, alles wech, von den 2-Tages-Stöppelkes war einfach nix mehr da. Bisher hatte ich nur wenige Male, dass ein Messer so leise, sanft und scharf durch den Bart ging...Ich bin begeistert. Gegen den Strich ein gleichsam gutes Rasurverhalten, sollte es hier tatsächlich eine 10/10 geben? Leider nein, knapp, wirklich knapp vorbei, die ,,Gesellenprüfung" für jedes Rasurgerät, meine Kinnkannte und -spitze zeigte dem Messer ein wenig die Grenzen. Hier mußte nachgearbeitet werden, selbiges zwar mit sehr gutem (End)Ergebnis, nützt aber nix, da muss man auch ehrlich gegenüber sich selbst sein. Dennoch bin ich mit dem Ergebnis höchst zufrieden!!
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Ein kleines Fazit zum Stein:
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Der Catfish ist definitiv ein weicher Stein, aaaaber das macht er mit seiner hohen Geschwindigkeit locker wett. Man wird mit diesem Stein mit Sicherheit auch eine 1-Stone-Progression inkl. Setzen der Facette hinbekommen, aber zu welchem Preis? Es wird zeitlich dauern ohne Ende und vor allem viel Material vom Stein kosten. Auch bei hochlegierten, sehr harten Stählen, wie etwa ein orig. TAMAHAGANE-Kami wird man da wohl verzweifeln, aber bei weicheren ,,normalen" Stählen ist dieser Stein ist ein Top-Finisher, insofern die Facette anderweitig gesetzt und etwas vorbereitet wurde.
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