gut-rasiert
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Autor Thema: Natursteine, Teil 1 der Belgische Brocken wie komme ich zu einer guten Schneide.  (Gelesen 19774 mal)
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BastlWastl
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« am: 15. Dezember 2014, 17:00:37 »

Da es sich bei den Belgischen Brocken um meine Lieblingssteine im Bezug auf die Rasiermesserschärferei handelt fange ich mal mit diesen an!

Zunächst mal ein paar Quellen für Intressierte:
http://www.ardennes-coticule.be/en/products/coticule.html Einziger verbliebener Produzent, 99% der im Handel befindlichen Steine stammen von dort.
www.coticule.be Hier findet man eigentlich alles was man wissen sollte und noch viel mehr  Grinsend.
http://bosq.home.xs4all.nl/ Sehr gute Infos und recherche, das sollte man gelesen haben, ruhe in Frieden Henk, und danke für deine Arbeit.

Wem diese Infos nicht genügen dem versuche ich nun hier einen tieferen Einblick in die Materie zu verschaffen, und das ist ganz schön schwer und viel Info, denn der Belgische Brocken ist einer der vielseitigsten Natursteine die es gibt.

Ich werde versuchen für euch meine Sicht der Dinge niederzuschreiben, und damit intressierten Neulingen auf dem Gebiet ermöglichen den richtigen Stein für den eigenen Bedarf zu finden, bzw. den eigenen Stein besser zu verstehen (ja hier geht es anders als bei synthetischen Steinen auch um empfindungen und das kennenlernen des Steines, denn jeder ist anders (sowohl Mensch als auch Stein Grinsend).
Desweiteren werde ich den Schärfprozess mit verschiedenen Brocken dokumentieren um euch die Unterschiede klar zu machen.


Ganz wichtig bei Natursteinen ist immer, das kennenlernen! (ja ich bin ein Spinner, das gebe ich offen und ehrlich zu, aber es macht mir Spaß Grinsend).
Selbst als erfahrener Coticule Enthusiast brauche ich immer ein wenig Zeit um mich in den Stein hineinzufühlen, ihn zu verstehen, seine Stärken und Schwächen kennenzulernen.

hier nur ein kleiner Auszug meiner Sammlung, der aber verdeutlicht das das äussere Erscheinungsbild bei diesen Steinen sehr stark varriert!
Nicht nur die Optik unterscheidet sich, sondern auch die Performance, und zwar gewaltig!.



Ich für meinen Teil hätte vor 10 Jahren nicht geglaubt dass es sich hierbei um eigentlich identische Steine handelt, zumindest was die Geographische Herkunft anbelangt.

Was kann der Stein?
-Mit viel Geduld und Qualität vorausgesetzt alles! Vom erstellen der Facette bis zur sanften Schneide.

Wie steht es mit der Qualität der neuen Steine?
-genauso wie bei den alten von schlecht bis super (wobei schlecht nicht bedeutet dass der Stein kein gutes Rasiermesserfinish kann!, nur der Weg dorthin ist etwas komplizierter.)

Ist die Optik entscheident?
-in gewisser Weise ja, aber eigentlich nein. (Später mehr dazu).

Bin ich mit synthetisch Steinen guter Qualität besser ausgestattet?
-Ja und nein, zum erlernen ist es sicher sinnvoll mit synthetischen Steinen zu Arbeiten, da diese über eine klar definierte Körnung verfügen. Hier kommt es auch sehr stark auf die persönlichen Präferenzen an. Generell kann man sagen dass Natursteine eine sanftere Rasur ermöglichen, wobei ich hier nur für mich sprechen kann.

Gibt es gravierende Unterschiede?
-Oh ja, die Steine varrieren sehr stark in der "Leistung", grob gesagt gibt es alles von weich bis ultrahart, sehr sehr langsam bis sehr sehr schnell (diese zwei Kriterien sind für mich ausschlaggebend), manche mögen das als grob bis fein abtun, aber so ist es nicht.

In den guten Alten Tagen als die Messerrasur noch der Standart war, ist es der Belgische Brocken gewesen der in den allermeisten Katalogen als der beste und auch teuerste Stein ausgewiesen war, und das nicht ohne Grund.
Klar es gab Thüringer, Ölsteine aus der Lorraine, Arkansas, Levantiner, aber der Brocken war doch der berühmteste, und ist es immer noch wenn man sich die Zeit nimmt und mit alten Handwerksmeistern plaudert, so kommen die meist ins schwärmen über die guten alten Brocken......

So das sollte als Startpost genügen, wie geschrieben es wird noch ausführlich, also nur mitlesen wenn wirklich Intresse besteht.

Grüße Wastl.










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gilgen
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« Antworten #1 am: 15. Dezember 2014, 18:19:23 »

Hallo Wastl !
Bin zwar mit den Naniwas SS ,Ösi-Schiefer und drei Thüringern zugange,
aber bin sehr gespannt, was die Brocken so zu bieten haben.
Clemens
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BastlWastl
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« Antworten #2 am: 15. Dezember 2014, 19:33:44 »

Nun gut, erstmal braucht es einen geeigneten Stein für Anfänger.

Auf Ardennes Coticule.be gibt es ja die Kategorie Special Stones:

Das sind Steine die aus einer der vielen Coticule Schichten stammen, alle unterschiedlich, ganz klar, aber ein paar tun sich da dennoch hervor;

-La Dressante: Sehr gute Steine, meist etwas weicher, recht schnell, guter Allroundstein, und vergleichsweise bezahlbar!

-Les Lautneusse: Vorallem bei den Amis etwas "gehyped", dummerweise neben der in den Amerikanischen Foren favorisierten sog. "Hybrid" Seite, eine Schicht die früher als Abfall abgetan wurde, ist bei diesen Steinen das Problem das es eine obere und eine untere Schicht gibt. Die untere ist sehr schnell wohingegen die ober Schicht gutes mittelmaß darstellt (nur in bezug auf die Geschwindikeit). Fazit zu teuer!, weil man nicht weiß was man kauft. (Foto von der Hybridschicht!)

-La Veinette: Die angeblich "beste" Schicht, aus neuer Förderung meist weich, recht schnell, sehr gut, aber die Preise die dafür aufgerufen werden sind absolut übertrieben.

Wenn man nun einen Coticule ohne speziellen Herkunftsnachweis kauft bekommt man meist einen sog. LA GRISE. Keineswegs schlecht, aber eher weich und langsam. (wobei es auch sehr gute, sprich schnelle härtere gibt)

Wie bekomme ich nun einen guten?

Mehrere Möglichkeiten tun sich auf!

Man kann in der Bucht nach alten Steinen suchen, die sind momentan recht "preiswert" und meist von anderer Qualität als die heutzutage gefertigten Steine.
-Woran man erkennt dass es sich um einen alten Stein handelt?
Diese sind entweder Naturverwachsen (gibt es allerdings heutzutage auch noch) oder aber und das ist der springende Punkt nicht mit Schiefer verklebt sondern mit dem Blauen Belgischen Brocken.

Hier ein kurzer was soll ich kaufen? Ratgeber:

Natürlich schwer zu sagen aber im laufe der Jahre hat sich folgendes herauskristallisiert:

Homogenes äußeres spricht für eine bessere Qualität! Also immer dem linken Stein den Vorzug geben.

Rot oder Pink bedeutet meist, schneller Stein! (mehr Abtrag)

die schwarzen linien durch den Stein sind sog. Manganeinschlüsse die ebenfalls auf erhöhtes Schleifvermögen hindeuten können (mehr Abtrag)

trotz des leicht pinken Farbeinschlages ist dieser Stein relativ langsam.

Mann kann sich also nicht 100% darauf verlassen, aber tendentiell ist es schon so.

Grüße Wastl.







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efsk
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« Antworten #3 am: 15. Dezember 2014, 21:58:09 »

Vielen Dank für diesen Posts. Viel Wissenswertens wo man was mit anfangen kan.
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Verzeih mir mein Deutsch. Ich bin ein Holländer.
lG - Richard
Stratocaster
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« Antworten #4 am: 16. Dezember 2014, 11:33:31 »

Prima, ich werde auch wieder dabei sein. Mein erster Stein war ein BBB (15cm x 6cm), mit dem ich nach anfänglichen Schwierigkeiten dann doch Erfolge erzielen konnte. Nur ist der Stein halt sehr langsam für bestimmte Aufgaben, die man dann doch lieber mit einem 1000er bewältigt. Das alles wusste ich aber am Anfang noch nicht.
Inzwischen habe ich auch einen GBB, sogar naturverwachsen. Mit dem komme ich allerdings nicht klar, habe ihn nach ein paar Versuchen beiseite gelegt, um mich erstmal mit synthetischen Steinen zu befassen. Dieser neue Thread von Wastl ist aber eine gute Gelegenheit, doch schon jetzt Versuche damit zu wagen.
Was mich bei den Belgiern verwirrt, ist die grosse Vielfalt. Ich könnte meinen gar nicht einordnen, benennen oder irgendwie charakterisieren, weiss praktisch kaum etwas über diesen Stein mit den Maßen 15cm x 4cm. Jetzt liegt er frisch abgerichtet in seinem Pappkarton in der Schublade und wartet auf seinen Einsatz. Mit Wastl's Hilfe  (Fingernageltest, Test mit der Gabel o.ä. auf dem befeuchteten Stein kritzeln) fand ich heraus, dass er vermutlich zu den schnelleren Steinen gehört. Das ist aber auch schon alles was ich weiss.
Dann gibt es in meiner Schublade noch einen "alten Thüringer" mit den Maßen 11cm x 2,5cm. Sind es also drei Natursteine, die kennengelernt werden wollen. Also dann Wastl, auf ein Neues.....  Daumen hoch
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Stratocaster
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« Antworten #5 am: 16. Dezember 2014, 13:22:41 »

Möchte noch kurz was erwähnen für evtl. andere "Beginner", die noch nichts oder wenig darüber wissen. Vorhin habe ich mich mit einem "Fischerwerk" rasiert, das Wastl für mich mit einem Belgier geschärft hat. Es rasiert sanft und angenehm, wirkt nicht so reizend auf meine Haut wie z.B. das andere von Wastl für mich mit einem Naturjapaner superscharf gefinishte Puma. Wer also nicht unbedingt auf Extremschärfe steht, ist mit den Belgiern sicher gut bedient. Scharf genug wird es alle Male, aber die Rasur ist m.E. recht sanft. Bei empfindlicher Haut sehr zu empfehlen.
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BastlWastl
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« Antworten #6 am: 16. Dezember 2014, 16:17:27 »

Möchte noch kurz was erwähnen für evtl. andere "Beginner", die noch nichts oder wenig darüber wissen. Vorhin habe ich mich mit einem "Fischerwerk" rasiert, das Wastl für mich mit einem Belgier geschärft hat. Es rasiert sanft und angenehm, wirkt nicht so reizend auf meine Haut wie z.B. das andere von Wastl für mich mit einem Naturjapaner superscharf gefinishte Puma. Wer also nicht unbedingt auf Extremschärfe steht, ist mit den Belgiern sicher gut bedient. Scharf genug wird es alle Male, aber die Rasur ist m.E. recht sanft. Bei empfindlicher Haut sehr zu empfehlen.

Das ist der wichtigste Punkt beim Belgier!, die Schneide wird sanft, viele schwören darauf, manchen ist es zu stumpf, aber für mich und mein Gesicht war es lange Zeit das einzig wahre. Ich mag es beim rasieren einfach nicht übervorsichtig sein zu müssen, mit einem Coticule Finish ist die Rasur nur halb so gefährlich, wie mit einer "richtig" scharfen Klinge.
Sogar ein "Anfänger" wie Stratocaster kann sofort einen Unterschied feststellen, das bekräftigt mich in meiner Meinung, das es mit das sanfteste Rasiergeühl ist was man mit Steinen erzeugen kann.

Sicher nicht der einfachste Weg zur "perfekten" Schärfe, aber ein sehr guter.......

Zitat
Mit Wastl's Hilfe  (Fingernageltest, Test mit der Gabel o.ä. auf dem befeuchteten Stein kritzeln) fand ich heraus, dass er vermutlich zu den schnelleren Steinen gehört. Das ist aber auch schon alles was ich weiss.

Das führt mich zum nächsten Punkt: Falls schon ein Belgier vorhanden ist, wie kann ich diesen beurteilen?, ohne mich ständig bei den oft tollen Bildern in den verschiedenen Foren, die auch teilweise mit fabulösen Beschreibungen überladen sind, was den dieser Wunderstein so alles kann.

Nun der Belgier ist ja ein Gemisch an verschiedenen Mineralien, wobei die Granate (im Brocken als Rombokaeder vorhanden) für die eigentliche Schärfleistung verantwortlich sind. Klar ist dabei da es sich ja um Natursteine handelt, jeder Stein unterschiedliche "Fähigkeiten" besitzt. Selbst optisch recht ähnliche Stücke können ziemlich in der Leistung (Abtragsgeschwindigkeit, Feinheit in gewissen Stadien der Slurryverdünnung) varrieren.
Das liegt zum einen an der Härte( der Bindung des Steines) und zum anderen an der Konzentration der abbrassiven Komponenten, die natürlich (ist ja Natur und somit nicht genormt) auch bei einzelnen Steinen ziemlich schwanken kann.

Hier ein Beispiel:

Alter Vintage Belgier:

Links, mitte und rechts mit gleichbleibendem Druck und selben Messer beschliffen (ohne Slurry).: Links verfärbt sich der Stein, bzw. Metallabrieb wird deutlich sichtbar, in der Mitte passiert fast nix nur ein grauer Schleier, rechts wieder etwas schneller, aber dieser Stein ist am linken Ende schneller (nach ansicht des Fotos am oberen Ende  Grinsend).


Wie nun den eigenen Belgier beurteilen, da diese ja in Härte und Schleifpartikelkonzentration schwanken?

Recht einfach: Weiche Belgier generieren selbst Schleifschlamm, sogar beim beschleifen mit Rasiermessern. Hierbei immer auch hilfreich einfach mit dem Fingernagel versuchen den Stein zu ritzen, ist dies möglich?, dann ist der Stein eher weich.
Am besten merkt man es aber beim Abrichten auf z.B. Schleifpapier, da wird der Stein (falls weich) förmlich gefressen, wohingegen härtere Steine teilweise gar nicht darauf reagieren, sogar teils so hart sind wie Transluent Arkansas Steine, die sich eigentlich auch nicht von Schleifpapier beeindrucken lassen.

Ist das für den Hobbyisten entscheident (also die Härte des Steins?) ---- klares Nein.

Wie schnell ist mein Stein?

Das zeigt sich in erster Linie beim schärfen an sich (wobei hier die weicheren den Vorteil haben dass sich die Granate aus der Steinmatrix lösen und somit der Stein wie allgemein bekannt schneller wird), kann aber durch z.B. Schreibversuche auf demselbigen geprüft werden, natürlich nicht mit einem Bleistift o.Ä. sondern mit Eisen oder gehärtetem Stahl. (keine Sorge hat jeder zuhause Grinsend)
Test 1 währe mit ungehärtetem Vergütungsstahl (bsp. 18/10 dem eigenen Besteck) zu versuchen auf dem Stein zu schreiben, mit wenig Druck versteht sich.
Das sollte mit jedem Belgier möglich sein, da varriert höchtens die Intensität des Strichs.
Mit hochgehärtetem Stahl sieht es schon anders aus (da kann mann dann qualitativ hochwertige Küchenmesser oder den Ansatz des Rasiermesserrückens nehmen). Schreibt der Stahl jetzt ohne Druck auf dem Stein eine klare dunkle Linie, können wir davon ausgehen das der Stein zur schnelleren Art gehört.

Ist das Wichtig, wirkt sich das auf das Ergebniss aus?

Nein, ich hatte sicher schon über 100 verschiedene Belgier, aber mit allen konnte man ein Rasiermesser schärfen, mit manchen geht es schneller, mit manchen dauert es halt länger.

Was für Belgier bevorzuge ich?

Bockhart und schnell! (vorallem bei Küchenmessern wichtig, weil ich ungern in den Stein schneide), aber gerade für Anfänger haben die weicheren Konsorten auch ihre Daseinsberechtigung, und können sehr viel Spaß und vorallem sehr Gute Rasuren zaubern.

Grüße Wastl.





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« Antworten #7 am: 17. Dezember 2014, 10:42:38 »

Wenn ich mir diese vielen verschiedenen Coticules ansehe, einer interessanter als der andere, schön gezeichnet, individuelle Formen usw., bekomme ich glatt Lust, mir noch ein o. zwei zuzulegen. Allein das Aussehen fasziniert mich, in feuchtem glänzendem Zustand zum reinbeissen lecker Grinsend 
Wie aus einer Konditorei.... Ich könnte mir manch einen nur so zum Ansehen ins Regal legen.
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« Antworten #8 am: 18. Dezember 2014, 17:11:10 »

Ich habe heute ein Weilchen mit meinem GBB experimentiert und möchte kurz berichten. Mein Stein, 15cm x 4cm schimmert tatsächlich ganz zart rosa. Der Schleifschlamm, so angerieben wie in den Videos auf einer der von Wastl verlinkten Seiten, erscheint mir deutlicher rosa als die unangeriebene Oberfläche. Weiterhin ist mein Stein schneller als gedacht, ich hatte eher einen deutlicheren Grat erzeugt als ich wollte. Später dann nach und nach verdünnt, zum Schluss nur noch Wasser, zwischendurch mehrfach abgespült. In etwas mehr als einer Stunde war ich soweit, dass nach 10 Zügen auf dem Lederriemen sogar mit etwas gutem Willen ein HT an ein paar Stellen möglich war. Der anschliessende Einsatz meines Thüringers brachte in der Hinsicht keine Verbesserung mehr. Es war ja auch nur ein Versuch, der aber besser klappte als erwartet. Ferner habe ich bemerkt, dass sich sowohl die Geräusche veränderten, als auch das Feeling beim Schieben über den Stein. Mit beidem kann ich noch nichts anfangen, das muss erst verfeinert werden. Für's erste bin ich allerdings zufrieden, nach dem Genuss etlicher Lektüre darüber geht es viel besser als bei den ersten Versuchen vor ein paar Monaten. Sehr gewöhnungsbedürftig ist das Halten des Steines in der Hand.
Und das war es auch schon..... is' ja diesmal nicht mein Thread...... Zwinkernd
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BastlWastl
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« Antworten #9 am: 18. Dezember 2014, 21:28:33 »

@Strat:

Ganz wichtig ist bei den Belgiern genau zu wissen ob und wieviel Abrieb (Slurry) am Stein entsteht wenn mann ihn beschleift. Da braucht es natürlich Erfahrung, und zwar nur mit einem Stein. Ich brauche auch eine Gewisse Zeit mit manchen Steinen um zu "erfühlen" wie er sich nun verhält. Da der Stein ja wenn er ohne Slurry betrieben wird nur einen Teil der schärfenden Partikel freilegt kann es auch auf dem selben Stein zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, falls er nach einem Abrichtvorgang erneut benützt wird.

Es gibt schnellere Steine die nur deshalb so schnell sind weil sie während des Schärfvorganges Schleifpartikel freisetzen (im Allgemeinen als Autoslurry bezeichnet), die sich dann mitunter sofort in schwarzen Schlamm verwandeln (also viel Metall abtragen), diese sind meistens nicht allzu hart.
Dann gibt es welche die selbst nach minutenlangen schärfen keinen Schleifschlamm bilden, aber dennoch das auf dem Stein befindliche Wasser oder die Spucke sehr schnell schwarz wird.

Hierzu folgende Beobachtung:

-Ein Brocken harter Natur frisch abgerichtet gerade mit Diamantabrichtplatten (Atoma, DMT etc.) verhällt sich langsamer, weil die Schärfkristalle durch die härteren Diamanten abgestumpft werden (kann aber muss nicht feiner sein). Dafür benötigt mann dann unbedingt (falls der Stein zum Facette setzen oder für schnellere Schärfaufgaben benutzt werden soll einen Slurrystein natürlich aus dem selben Material.)
Bei den richtig harten Belgiern kann der Umstand ausgenutzt werden, indem man ähnlich wie bei Naturjapanern so lange schärft bis sich der Schlamm verfeinert, was bei den Brocken eigentlich nicht passiert, aber dennoch ist ein signifikanter Unterschied zu bemerken, da sich wohl die Schärfkristalle abnutzen bzw. verrunden. Wenn diese nun noch fest in der Matrix des Steines gebunden sind und somit immer abgeschliffener werden, verfeinert sich auch das Schärfergebniss.
-Bei weicheren Brocken (die zum Autoslurry tendieren) ist das kein Nachteil, da ja sowieso frische Schärfpartikel freigeschwemmt werden. Da ist es Meiner Meinung nach eher von Nachteil mit einem Aufreiber zu Arbeiten, da ja sowieso Schärfpartikel freigestetzt werden, die ja mit zunehmender Dauer des Schärfvorganges ja nicht weniger sondern eher mehr werden und somit immer frische Partikel, die scharf schneiden, vorhanden sind.

Tip: Mal mit der Lupe oder Microscop beobachten ob der Stein beim normalen Schärfvorgang nur mit Wasser Schlamm erzeugt? Geringste Mengen reichen hierbei schon aus um ein lupenreines Finish zu "verfälschen". Dann gilt zumindest beim Finish: Unter dem tropfenden Wasserhahn zu arbeiten bringt den Erfolg.

Wenn du danach noch Probleme hast (nach Leinen und Leder) einen HHT zustande zu bringen wird der Thüri auch nur mit Schlamm weiterhelfen, denn Thüri ohne Schlamm ist zwar gut, aber auch sehr langsam.

Wenn ich mir diese vielen verschiedenen Coticules ansehe, einer interessanter als der andere, schön gezeichnet, individuelle Formen usw., bekomme ich glatt Lust, mir noch ein o. zwei zuzulegen. Allein das Aussehen fasziniert mich, in feuchtem glänzendem Zustand zum reinbeissen lecker Grinsend 
Wie aus einer Konditorei.... Ich könnte mir manch einen nur so zum Ansehen ins Regal legen.

Sehr gefährlich Kollege! Lass dich nicht darauf ein! Ehrlich die machen schwer süchtig!. Mein Regal ist voll damit, und es ist nicht leicht das vor der besseren Hälfte zu rechtfertigen wenn da mal wieder ein Paket ankommt und das Regal neu arrangiert werden muss.
Ich habe ca. 10 Belgier benötigt um den ersten zu verstehen, ganz ehrlich.
Erst mit dem vorhandenen soweit kommen dass du zumindest die Schneide die ich dir geschärft habe ansatzweise kopieren kannst (sowohl von der Optik als auch von den Rasureigenschaften) und dir dann Gedanken machen ob noch weitere folgen sollen, oder müssen Grinsend.
Und ich bin mir sicher dass ich deine Rasiermesser wenn ich sie den proberasiert hätte noch etwas besser hätte machen können, aber dabei habe ich mich nur auf Gefühl und vorallem den HHT verlassen, eigentlich um dir diesbezüglich, eventuell ein HHT fähiges Messer das nicht gut rasiert, zukommen zu lassen nur um dir zu beweisen das es nix miteinander zu tun hat Grinsend.

Grüße Wastl.





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« Antworten #10 am: 19. Dezember 2014, 12:27:25 »

au weh, meine armen gepflegten Gitarristenhände haben während der gestrigen Schärfsession mit dem GBB arg gelitten. Der Schleifschlamm scheint recht aggressiv zu sein, jedenfalls bei mir. Hatte es bereits beim Schärfen gemerkt, wollte aber des unverfälschten Feelings wegen auf Latexhandschuhe verzichten.
Wastl, ich staune echt, was du alles weisst, wobei ich das Wissen der anderen Experten ebenso bewundere. Klar interessieren mich momentan die Belgier, aber ich sag' noch was, nämlich ich als Anfänger lasse mich schnell für etwas Neues begeistern. Muss halt aufpassen, nicht zu viel Kohle zu investieren, bevor ich nicht weiss, in welche Richtung mein Zug fahren soll. Immerhin habe ich seit Wochen nix mehr gekauft.
Zweifellos faszinieren mich momentan die Natursteine, ich habe aber schon jetzt das Gefühl, dass eben diese Steine eine besondere Wissenschaft sind, die man nicht mal so eben nebenbei erlernen kann. Allein was in deinem letzten Post steht, ist viel Stoff für's Hirn. Man muss so viel beachten, so viel wissen, um nicht blind drauflos zu schärfen. Tatsächlich hat sich mein GBB nach dem Abrichten verändert. War mir erst nicht aufgefallen, erst jetzt wo du es sagst. Aber klar, ich hatte mich gestern gewundert, wie schnell sich ein Grat bildete. Vor dem Abrichten war das nicht so, glaube ich zumindest. Meine Erfahrung reicht noch nicht aus, um so etwas genau beurteilen zu können. Hättest du das nicht geschrieben, wäre es mir zum jetzigen Zeitpunkt wohl kaum aufgefallen.
Den Stein kennenlernen heisst also auch zu lernen was passiert, wenn man dieses oder jenes damit macht. Und oft kommt es auf feine Nuancen an.
So'n Stein is' halt doch viel mehr als bloss so'n Stein..... Grinsend
Wie auch immer, ich lerne gern, auch wenn ich noch weit von einer wirklich guten Schneide entfernt bin. Noch verdanke ich zu vieles dem Zufall, aber auch daraus lernt man. Als nächstes werde ich meinen GBB weiter testen, den Schleifschlamm und die Oberfläche mal genau mit der Lupe untersuchen und feststellen, wie sich das mit dem Autoslurry verhält.
Ach so, als Anreiber benutze ich ein Stück vom BBB. Fr. Lindner hat mir das so empfohlen. Ansonsten hätte ich zum Anreiben nur den vom Thüringer und den Nagura. Momang, würde ich mir ein weiteres Stückchen GBB als Anreiber zulegen, wäre der ja auch nicht identisch mit meinem Stein. Gibt es da überhaupt eine feste Regel oder kann ich weiter den BBB-Anreiber nehmen? So gesehen hat man ja immer einen Anreiber aus anderem Material, es sei denn man würde ein Stückchen vom eigenen Stein abtrennen.
Reibe ich den GBB mit einem BBB Anreiber an, so habe ich doch Schärfpartikel beider Steine im Schlamm..... na gut, ein paar Worte dazu kommen sicher noch in deinen Ausführungen, ich werde mich gedulden.
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Iltis
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« Antworten #11 am: 19. Dezember 2014, 12:48:14 »

au weh, meine armen gepflegten Gitarristenhände haben während der gestrigen Schärfsession mit dem GBB arg gelitten.

Da kann ich dir behilflich sein, Herr Caster - der  Schleifschlamm der GBB trocknet der Haut schon ziemlich aus, warum weiss ich nicht. Ich schutze meine zarte Mandolinistenfinger aber mit Vaseline vor ich anfange zu schärfen, und das funktioniert ganz gut - einfach einreiben wie Handcreme und anschliessend die Hände mit ein Papierhandtuch abreiben, das man weder Stein noch Messer versaut.

Gruß

Iltis
« Letzte Änderung: 19. Dezember 2014, 13:03:13 von Iltis » Gespeichert

de gustibus, aut bene aut nihil
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« Antworten #12 am: 19. Dezember 2014, 13:13:35 »

Danke schön, werter Iltis,
das werde ich gleich ausprobieren. In der Tat hätte ich die Befürchtung, Messer und Stein mit einzucremen. So wie du es vorschlägst, könnte es aber klappen. Na mal sehen....  Daumen hoch
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wernerscc
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« Antworten #13 am: 19. Dezember 2014, 13:24:30 »

Ich kann Sheabutter als Hand- und Hautschutz beim Schärfen empfehlen.
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Was lange währt wird endlich gut!
Stratocaster
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« Antworten #14 am: 19. Dezember 2014, 14:31:45 »

Eben habe ich Vaseline gekauft, kann man eh immer mal gebrauchen. Ich werde aber auch noch eine schnell einziehende Handcreme von Neutrogena austesten. Sollte die sich eignen, werde ich es posten.
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