Anfängerfrust Rasiermesser: Rasur mit mangelhaftem Ergebnis

Begonnen von Sabbatti, Heute um 10:12:53

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Sabbatti

Moin!

Ich dachte mir, dass es doch vielleicht Sinn machen würde, die ganzen teuren Gillette Fusion System Klingen zu sparen und es einmal mit einem Rasiermesser zu versuchen.
Für das Rasieren von Körper-Haaren am Nacken wollte ich eh schon immer mal eines haben.

Also flugs mal ein paar Sonderangebote herausgesucht und ein DOVO Bismarck (Rundkopf) und einen Bergischen Löwen (Spanischer Kopf) gekauft.
Vor der Benutzung beide Messer auf dem Lederriemen mit Chromoxidpaste auf Einsatzschärfe gebracht.

Das Rasierergebnis ist leider "ernüchternd".

Ich würde es in Schulnoten so beschreiben:
Rasur-Gründlichkeit: 4- Ja, der Bart wird gestutzt aber gerade am Kinn merkt man doch sehr deutlich, dass da noch etwas übersteht. Besonders am Kinn ist es auch sehr schwierig zu rasieren, da die Barthaare dort störrischer sind.
Hautfreundlichkeit: Die Haut wird arg strapaziert. "Echte" Rasier-Seife muss sein. Ich habe auch mal Schaum aus der Dose probiert: Vergiss es! Ohne After-Shave Hautpflege ist es definitiv unangenehm.
Zeitbedarf: Da ich mich nicht massakrieren möchte und die Messer super-scharf sind, dauert es gerne 10-15 Minuten.

Im Vergleich dazu
Gillette Fusion Systemrasierer:
Rasur-Gründlichkeit: 1 Einfach Top. Die Haut ist nach der Rasur Baby-Popo glatt. Auch am Kinn.
Hautfreundlichekeit: Klar, Rasierschaum aus der Dose ist Pflicht aber After-Shave Pflege ist bei mir nur optional und wird nicht wirklich benötigt.
Zeitbedarf: 2-3 Minuten fertig

Braun Series 9 Akku-Rasierer
Rasur-Gründlichkeit: 3 - Die E-Rasur bringt nicht die Gründlichkeit einer Nassrasur mit dem Systemrasierer, entspricht jedoch den Anforderungen. Auf Reisen ideal.
Hautfreundlichekeit: Top - Es wird bei mir keinerlei Hautpflege benötigt.
Zeitbedarf: 2-3 Minuten fertig

Mein vorläufiges Fazit zum Rasiermesser ist, dass man damit angeben kann, dass man welche hat aber es ist von der Praktikabilität (derzeit bei meinem Fertigkeitsstand) keine Alternative zum Systemrasierer oder dem Braun Akku-Rasierer.

Vielleicht mache ich trotz des Youtube Studiums noch zu viel verkehrt. Keine Ahnung.

Sabbatti








heikok

Willkommen!

Das "Problem" ist, dass die Messerrasur eine Lernkurve hat. Gib nicht so schnell auf  :D

Essentiell wichtig ist aber in jedem Fall, dass das Messer eine "Liebhaberschärfe" hat. Sonst versucht man z.B. instinktiv fehlende Schärfe durch Druck und endlos viele Durchgänge zu kompensieren. Mit entsprechender Hautreizung etc..
Bestehen die Messer den Haartest mühelos?

MRetro

Willkommen, @Sabbatti dh:

Die Rasiermesserrasur ist die anspruchsvollste Rasur, der von dir hier beschriebenen Rasuren. Wie @heikok schon schrieb, bedarf es hier der meisten Übung und Erfahrung. Bei ausgeprägten Kinnformen ist dies eine der problematischen Stellen. Je flächiger die Stellen sind um so einfacher kann man diese rasieren.

Übrigens, den Zeitauwand von 10-15 Minuten finde ich für eine RM-Rasur nicht schlecht, erst recht für einen Anfänger.

Grundsätzlich solltest du die klassische Nassrasur mehr als einen Genuss für dich sehen, als eine ,,Pflichtveranstaltung" verpackt in nüchternen Zahlen. Das gilt erst recht für das RM.

Wenn dir dennoch der Zeitaufwand bzw. das Ergebnis nicht gefällt, dann versuche es (erst einmal) mit einem Rasierhobel. Der ist einfacher, schneller und sicherer zu erlernen.

Übrigens, auch beim Systemie nutze ich immer Rasierseife/-creme und Pinsel. Auch hier ist das ein echter Fortschritt und für mich auch wieder ein Genussfaktor.

Also dran bleiben.

Sabbatti

Hmmhhh...

Ich bin schon ein eher rational eingestellter Mensch, der nüchtern Aufwand/Nutzen betrachtet.

Dennoch bin ich bereit, der klassischen Rasur "noch eine Chance" zu geben.

Aber auf Dienstreise kommt mir das Rasiermesser garantiert nicht mit ;-)



Paula

Zitat von: Sabbatti in Heute um 12:45:54Dennoch bin ich bereit, der klassischen Rasur "noch eine Chance" zu geben.
Sehr gut! Mach dir am Anfang nicht so einen Kopf von wegen Perfektion und so. Gib dir einfach die Zeit zum Reinkommen, dann wird das schon werden.

DailyDriver

Zuerst einmal ein Hallo @Sabbatti und willkommen hier im Forum.  dh:


Ich selber bin zwar selbst in Sachen Messerrasur erst im 3. Lehrjahr, dennoch möchte ich von
meinen ersten Erfahrungen erzählen, die gleichermaßen doch recht ernüchternd ausfielen aber
auch sehr deutlich auf einen, bzw. den vielleicht wichtigsten Faktor hinweisen, mit dem die
Bartstöppelkes fallen oder auch nicht, ob es Spaß macht oder eher frustriert...

Das von mir genutzte Messer war ein ,,Gebrauchtmesser" aus dem Mitgliederhandel eines Nachbar-
forum und der Verkäufer bot dies explizit als ,,Rasurscharf" an. Nach dem Erhalt stand als erstes das
Ledern auf dem Program, das funktionierte ganz gut, zumindest war ich dieser Meinung. Die Stöppelkes
eingeschäumt (mit vernünftiger Rasierseife), das Ganze einwirken lassen und los ging es...dachte ich
zumindest. Ernüchternd musste ich feststellen, dass schon im ersten Durchgang ,,mit dem Strich" einiges
stehenblieb. Ein Durchgang ,,gegen den Strich" war nur partiell möglich, das Messer stockte zum Teil. Ein
halbwegs gutes Ergebnis sah anders aus, vollendet habe ich dann das Ganze mit dem DE-Hobel. Es begann
ein Grübeln und die Fehlersuche. Tags drauf erneuter Start, gleiche Vorraussetzungen, gleiches Ergebnis,
gleicher Frust. Was tun...?

Ich wand mich an einen ,,alten Hasen" im Forum und er sagte, das Messer sei nicht rasurbereit, nicht scharf.
Nach reichlich üben mit dem Leder und geringfügiger Verbesserung erwarb ich wider besseren Wissens ein
weiteres Messer, diesmal nagelneu und von einem Hersteller, der für seine Auslieferungsschärfe gelobt wurde
und immer noch wird. Das Ergebnis mit diesem Messer war zwar besser, aber auch nicht befriedigend. Der
,,alte Hase" bot mir an, mir ein Messer als ,,Referenzmesser" zu schärfen. Das Angebot habe ich natürlich an-
genommen und ich hatte das Glück, mich dann mit einem Messer zu rasieren, dass die Bezeichnung ,,Rasurbereit"
auch tatsächlich verdiente, die Rasureigenschaft des Messers war sehr sanft, scharf und gründlich. Natürlich war
nicht alles Babypoppoglatt, das lag aber an der fehlenden Technik und Routine meinerseits.

Was will ich sagen? Ganz einfach...scharf ist nicht gleich scharf!! Ohne ein Messer, das tatsächlich auch Rasurbereit
ist, funktioniert eine Messerrasur nicht bzw. nur in Teilen. Die Messer, die heute von den Herstellern als Rasurbereit
beschrieben und verkauft werden, verdienen dieses Attribut zu 99% nicht, da empfiehlt es sich nicht nur eine Nacharbeit,
selbige ist schon fast zwangsläufig notwendig.

Dein Vorhaben mit dem Leder und der Paste in allen Ehren, aber hast Du das vorher schon mal gemacht? Beim Rasier-
messer reden wir an der Schneidkannte von z.T. 1/100mm und/oder geringer, passt da der Winkel auf dem Leder (m.Paste)
nicht, macht man mehr stumpf als scharf.

Meine Empfehlung für einen vernünftigen Start in die Messerrasur ist u.a.,

- mit einem Messer zu starten, dass von einem erfahrenen ,,Messerer" aktuell geschärft wurde.
- Übe das Ledern auf einem Leder, das frei von Paste ist. Es geht darum, einen Schärfegrad (Rasurbereit) zu
erhalten, nicht um zu schärfen. Das kann später, mit mehr Erfahrungen natürlich so gemacht werden.
- Beginne die Messerrasur partiell, erst große Flächen, wie z.B. die Wangen, je mehr Erfahrungen gesammelt
sind, je weiter und schwieriger werden die Aufgaben. Gerade die Kinnspitze/-kannte ist mit das schwierigste,
dass das Gesicht bieten kann. Ich habe genauso störrige, fast drahtähnliche Stöppelkes, ich weiß, wovon ich spreche.


Das allerwichtigste aber zum Schluss...

Nur nicht die Lust verlieren...üben...üben...üben...üben...

Gruß
Gregor
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎