Uralte Rasierseifen und ihre Schaumqualität

Begonnen von UbuRoy, 20. September 2021, 18:08:16

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UbuRoy

Nachdem ich kürzlich einen uralten Palmolive Rasierstick aus den 50er Jahren ausgepackt und aufgebraucht habe war ich angenehm überrascht, wie ausgezeichnet noch immer das Schaumverhalten dieser uralten Seite war.
Der Duft war natürlich lange vergangen. Sie roch eher sogar etwas muffig. Das gab sich aber beim Schaumschlagen.
Die Rasur war jedenfalls so gut, das ich den Stick komplett aufgebraucht habe.

Jetzt habe ich gerade eine Calani Rasierseife am Start. Vor etwa 12 Jahren bekam ich die als Prototyp zum testen :-) Hat ein wenig gedauert, aber die Rasierseife ist sowas von absolut grossartig! Auch nach 12 Jahren Liegezeit.
einen besseren Schaum (in Standzeit, Cremigkeit) hatte ich bisher selten.

Wenn diese aufgebraucht ist, habe ich hier noch einen uralten Arko Stick. Dürfte locker 50 Jahre alt sein.

Ich überlege immer, ob ich die nun aufbrauchen oder als Museumsstück verwenden soll. Aber nachdem ich jetzt weiss, das die Schaumqualität offenbar so gar nicht leidet, verwende ich sie für den ursprünglichen Zweck.

Übrigens habe ich auch sehr viele sehr sehr alte Handseifen in Gebrauch. Alle, durch die Bank sind vollkommen in ORdnung, außer das der duft halt vergangen ist.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen mit antiken Seifen gemacht?

alvaro

Ja, mit Handseifen aus den 30ern.
Die Seife war sehr hart, aber problemlos zu nutzen

Tim Buktu

Mit alten Hand-, Bade-, und Rasierseifen. Zum Teil noch älter als 50 Jahre. Mit Schäumen hatten die alle kein Problem. Nur die Düfte hatten zum Teil ordentlich gelitten.
Funktioniert haben die aber durchweg tadellos.
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

Standlinie

Ich verwende von Zeit zu Zeit uralte französische Rasiersticks, die ich über die französische Bucht erstanden habe. 50er Jahre oder älter? Ist unklar, stört mich aber nicht, da das Schaum- und Einwirkungsverhalten trotz Duftverlust erhalten geblieben ist. Ich liebe diese alten Seifen.
Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich 24 Stunden später an nur gering und gleichmäßig nachgewachsenen Bartstoppeln.

Südfilm

Gerade mit einer alten Patina-Rasierseife (Stick) aus der DDR, vermutlich 60er Jahre, sehr gute Anwendungserfahrungen gemacht, exzellenter Schaum, nur der Duft hat erheblich gelitten, ist nur noch ein muffiges Etwas, stört mich aber nicht. Siehe meinen Beitrag bei den DDR-Rasiercremes/Seifen.

Bei Waschseifen geht es mir ähntlich, die ältesten produziren meiner Meinung nach den besten Schaum, da ist auch der Geruchsschwund nicht so deutlich finde ich.

DeSchulz

Zitat von: Südfilm in 05. März 2026, 18:14:35[...] nur der Duft hat erheblich gelitten, ist nur noch ein muffiges Etwas [...]

Hat wahrscheinlich ab Werk schon so gerochen...  >D  ;D  ;D  ;D
Gruß aus der Pfalz

Südfilm

Zitat von: DeSchulz in Gestern um 08:31:27
Zitat von: Südfilm in 05. März 2026, 18:14:35[...] nur der Duft hat erheblich gelitten, ist nur noch ein muffiges Etwas [...]

Hat wahrscheinlich ab Werk schon so gerochen...  >D  ;D  ;D  ;D

Das ist gut möglich  ;D

Südfilm

Zitat von: Südfilm in 04. März 2026, 12:18:46

 
Hier mal eine weitere Rasierseife aus der DDR, "Patina Rasierseife mit Glyzerin" Keine Ahnung von wann die ist, ich hätte mal auf 60er Jahre geschätzt, interessant ist die Preisangabe in DM anstatt in M. Ein passendes Rasierwasser gabs auch dazu, das habe ich aber nicht. Passend dazu eine Frisiercreme, dem Namen nach vom selben Hersteller (Patina Cosmetic Handel Halle/Saale), aber aus aktueller Produktion. Gibts also anscheinend immer noch, für meine Haare ist das die beste Frisiercreme überhaupt.

Die Rasierseife hatte ich bisher nur einmal unter ungünstigen Bedingungen ausprobiert, das war sie in Ordnung, aber ein richtiger Test muss nochmal nachfolgen. Von der ursprünglichen Beduftung ist leider nix mehr zu erkennen.
Zitat von: Südfilm in 05. März 2026, 10:15:05Heute folgte ein Test, das Uraltteil hat sich dafür in der Entscheidung gegen die neue Version der Nivea Rasiercreme durchgesetzt.

Also erstmal etwas einweichen, die alten Seifen sind ja bekanntlich bretthart.



Dann mit dem Messer ein dünnes Scheibchen abschneiden... denkste. Was bei meinen anderen Sticks wunderbar funktioniert endet hier in einem einzigen Gebrösel, die Seife ist wirklich komplett durchgetrocknet und ohne jede Weichheit.
Also die Brösel in die Rasierschale und versucht, sie in der Mitte zu einem haftenden Kuchen zusaenzubacken, was aber wegen zu viel am Schüsselboden befindlichen Wassers nicht besonders gut funktioniert. Die Krümel kleben kaum, sie rutschen nur. Dementsprechend zerstört der Pinsel den Kuchen sofort nach den ersten Kreisen und die Krümel verteilen sich in der ganzen Schüssel.
Seufz...



Mit meinem erfahrungsbedingten Gefühl, hier lieber ganz wenig Wasser zum Aufschäuen zu nehmen lag ich gold... äh, grundfalsch. Das Wasser verschwindet quasi im Nichts.... zumindest nicht im Schaum, denn der lässt sich nicht blicken. Hat die Rasierschale ein Loch? UND WO BLEIBT EIGENTLICH DER SCHAUM?!?

Oh je, das wird nichts glaube ich. Tut sich da noch was? Ich fürchte nein... naja, vlt. ein bisschen. Oder ein bisschen mehr. Viel mehr.
Nach intensivem Rühren und Schlagen entsteht aus den trockenen Bröseln doch tatsächlich ein dichter, dicker, feinporiger Schaum. Und das, obwohl nicht mal die Hälfte der abgeschnittenen Brösel aufgeschäumt sind, der andere Teil surft haltlos im bereits entstandenen Weiß wie in einer Wolke herum.







Damit lässt sich doch arbeiten! Also rein damit ins angefeuchtete Gesicht. Verteilt sich gut, steht stabil, wenn auch nicht gerade sonderlich fett, aber doch ordentlich dicht. Geruchlich ist nichts mehr übrig, nur etwas ranziges Fett mit seifigem Unterton, aber gut aushaltbar.

Jetzt in alter @herzi Manier kurz zwischendurch Zähneputzen. Der Schaum steht, dünnt aber "von innen heraus" etwas aus, das anschließende Nachpinseln ist der Sache somit durchaus zuträglich.

Die Rasur beginnt, reibungslos, zügig, unspektakulär. Die Einweichwirkung der Seife ist hervorragend, damit gehts auch gegen den Strich wunderbar durch, obwohl der Bart erst vorgestern sehr gründlich entfernt wurde und ich mit anderen Schäumen vermutlich 2 Tage Pause gebraucht hätte, um das gleiche, glatte Ergebnis ohne großartige Blutungen zu erzielen. Die Gleiteigenschaften sind durchschnittlich, was aber für mich eher von Vorteil ist, lieber besser eingeweicht und weniger geglitten als umgekehrt, das ist meine Präferenz.

Während der Rasur keine Reizungen, kein Brennen, auch das aufgetragene Tüff grün brennt im Vergleich zu sonst weniger.
Ich bin poitiv überrascht von der Patina Rasierseife mit Glyzerin. Hätte mir nicht gedacht, dass die nach dem holprigen Start mit Abschneiden und Aufschäumen noch so ein gutes Rasurergebnis erzielt.

Fazit: sie kanns noch, besser als viele neuen. Also ein Fall für die Verwendung und nicht für die Vitrine! Den Geruch der Jahre sehen wir der alten Dame dabei doch nach... oder?


Südfilm

Heute ein weiteres Exemplar dieser Kategorie im Test: Kölnisch Wasser Rasierseife mit Lanolin und Glyzerin. Alter und Hersteller völlig unbekannt.




Der letzte Test dieser Rasierseife vor etwa 4 oder 5 Jahren hatte sich als absolutes Desaster herausgestellt, mit meinem alten Borstenpinsel bekam ich damals einen explosionsartigen, extrem dürren und großblasigen Schaum, der zum Rasieren vollkommen ungeeignet war, 6 setzen.

Ob ich heute eine Ehrenrettung hinbekomme? Zumindest wollte ich es nicht unversucht lassen, also mal, während ich unter der Brause bin, das Ding etwas einweichen lassen:



Nachdem ich dem Nass entstiegen war hatte sich das Wasser in der Rasierschale bereits gelblich-bräunlich verfärbt, kein gerade appetitlicher Anblick. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken, also ein Scheibchen abgeschnitten, was bedeutend leichter als bei dem Patina Stick funktioniert, die Seife ist noch etwas weicher. Es gibt kein Gebrösel, sondern eine schöne Rolle:



Also festgedrückt, und nun heißt es Vorsicht walten lassen, nicht zu viel Wasser nehmen. Schale nochmal ausgeleert, Pinsel abgeschüttelt, und rein damit. Ich halte mich fest und befürchte mit jeder Sekunde das Schlimmste...
Aber was ist das! Keine Dürrschaum-Explosion? Ich bin überrascht, Quaddler!
Dieses Mal lag ich richtig mit meiner Einschätzung, schon mit winzigster Wasserenge beginnt es nach wenigen Umdrehungen zu schäumen, anfangs durchaus noch grobporig:



Dann aber wird der Schaum immer feiner und dichter, die Menge hält sich in vernünftigen Grenzen, nichts quillt über den Rand. Da mir das Ganze aber doch irgendwie "trocken" vorkommt gebe ich ganz vorsichtig weinige Tropfen Wasser vom Hahn dazu und erhalte zu meiner Überraschung schon bald einen Schaum, der sich absolut sehen lassen kann:



Und nun auf in den Kampf. Aber es ist kein Kampf. Unspektakulär verteilt sich die Seife im Gesicht, Massage hin, Massage her, und rundherum gekreist.
Der Schaum ist dicht und stabil, nicht Fett oder schlotzig, aber mit der ärztlich empfohlenen, vorsichtigen Wasserzugabe genau richtig. Zähneputzen, nachpinseln... wiederum wie @herzi einst schon sagte, nur aus Gewohnheit, nicht weil es nötig wäre. Bei der Patina vorgestern musste ich, bei diesem Stick jedoch trocknet der Schaum nicht aus.

Die Rasur verläuuft einwndfrei, zügig, reibungslos. Mit dem Strich, gegen den Strich, und ein dritter Ausputzdurchgang. Die Einweichwirkung der Seife ist wieder wirklich gut, die Gleiteigenschaften durchschnittlich, also so, wie ichs mag. Das Tüff sensitiv brennt im Anschluss merklich, aber bei mir ist das nicht die Ausnahme sondern die Regel, alles im Rahmen.
Pflegewirkung hat die Seife also keine, auch von der einstigen Parfümierung ist wie immer nur noch ein muffiges etwas übrig, nicht ganz so stark wie bei der Patina

Aber: das Ergebnis ist absolut glatt, gründlich und ohne verbleibende Reizungen.
Eine einandfreie, unspektakuläre Rasur, die Ehrenrettung ist gelungen. Mit dem richtigen Pinsel und wenig Wasser geht anscheinend fast alles ;) Und nach der Rasur blieb sogar noch etwas Schaum übrig:



Also auch hier ein Fall von vollkommener Verwendbarkeit nach vielen Jahrzehnten, nichts für die Vitrine, sondern für die Benutzung. In meiner Wertung steht die Schaumqualität nur knapp hinter dem vorgestern getesteten Patina-Stick zurück.
Hat von Euch jemand diese Seife schonmal gesehen, kann jemand eingrenzen, wann diese hergestellt wurde? Vorkrieg, Nachkrieg?
Bin auf Eure Antworten gespannt!