gut-rasiert
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Autor Thema: Schrägschnitt- und Torsionshobel. Prinzip, Modelle, Marken und Erfahrungen  (Gelesen 66600 mal)
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henning
Gast
« am: 02. Mai 2009, 14:13:16 »

Ich möchte einen Thread über die Vor- und Nachteile, über Modelle und Marken und über die verschiedenen Typen der Schrägschnitt- und Torsionshobel anstoßen. Bisher wurden einge Hobel dieser Bauarten vorgestellt, aber das Prinzip selber nicht zum Theman gemacht, bzw. die Erfahrungen damit.

Schrägschnitthobel, zu denen eben auch Torsionshobel gehören, sollen durch die Schrägstellung der Schneide, für ein präzises abschneiden der Stoppeln durch die Mikrozähne der Schneide sorgen. Beim normalen Geradschnitt  handelt es sich "nur" um ein kappen der Stoppeln durch frontales einwirken mittels Keilprinzipes. Man versprach sich wohl bessere Ergebnisse überhaupt und bei stärkerem Bartwuchs im Besonderen durch den oben beschriebenen Effekt.

Man unterscheidet hauptsächlich Schrägschnitthobel mit gerader Kante und Torsionshobel, deren Kanten gegensätzlich verdreht (verschränkt) sind. Beim Torsionshobel wird so eine zusätzliche Versteifung der Schneiden (der Klinge) bewirkt und man erzielt den Effekt, daß die Schneiden immer in der gleichen Schräge stehen, egal wie rum man den Hobel dreht. Beim normalen Schrägschnitt dagegen steht die Schräge mal von links oben nach rechts unten oder anders herum, je nach dem wie herum man den Hobel dreht. Ich hoffe das ist verständlich.
Torsionshobel sind nahezu immer gleich aufgebaut, wohingegen man normale Schrägschnitthobel nochmals unterscheiden kann. Mal sind die Köpfe gerade und der Spalt darin wurde schief gestellt (z. B. Walbusch und ältere Merkur Kunststoffhobel), oder der ganze Kopf wurde schief gestellt, wie bei den allermeisten Schrägschnitthobeln.
Torsionshobel sind also immer Schrägschnitthobel, aber Schrägschnitthobel auf keinen Fall immer Torsionshobel. Das wird oft verwechselt.
Um für noch mehr Verwirrung zu sorgen, gibt es aber auch noch Schrägschnitthobel, bei denen man die Köpfe selber manuell wegklappen kann.

Um Platz für weiteres zu lassen, zeige ich nur ein paar typische Modelle und beschränke mich im besonderen auf die zwei mir gehörenden Schrägschnitthobel mit stark abgeklapptem Kopf. Dem Tondeo und dem von Uwe erworbenen Kabrand, auf die ich zunächst einmal als Einstimmung eingehe.

Kabrand und Tondeo sind sich sehr ähnlich. Beide haben zu zwei Seiten hin klappbare Köpfe, die aber nicht in einer Mittelstellung verharren können, weil dort eine Einrastung fehlt. Das wäre einfachst durch abflachen machbar gewesen und verwundert mich um so mehr. Denn dadurch wären diese zwei Kandidaten universeller einsetzbar gewesen. Das Abklappen geschieht durch einen beweglich gelagerten Schraubnippel im Kopfoberteil und einen Kippanschlag unter dem Kopf, der aber in der Mitte spitz ist, so daß man die Köpfe nicht, wie oben erwähnt, in dieser Stellung halten kann. Die Köpfe sind wohl zu beiden Seiten kippbar, um sowohl Rechts- als auch Linkshändern gerecht zu werden und/oder die Rasur besser beidhändig absolvieren zu können. Den festen Winkel, den jeder Kopf einhält und der bei beiden Hobeln wohl gleich ist, halte ich persönlich für zu extrem. Besonders beim Tondeo ist dazu der Griff so dick, daß er bei diesem Winkel auf die Backe gedrückt wird und so im Schaum landet, was wenig praktikabel wirkt. Beim Kabrand nervt das nicht so, aber hier wirkt sich ein riesiger Seifenspalt sehr negativ aus. Mit beiden Hobeln war mir nur unter Schwierigkeiten eine Rasur möglich. Ich verstehe diese extremen Auslegungen nicht und überlege sogar, ob sie evtl. zur Kopfrasur gedacht waren.

Hier die Fotos der Kandidaten:











Hier eine kleine Auswahl verschiedener Schrägschnitthobel:



Walbusch mit zwei Besonderheiten. Der Kopf ist gerade, aber der Spalt abgeschrägt. Und er ist verstellbar, weil er auf dem Merkur Progress aufbaut:



Besondere Schrägschnitthobel sind der stufenlos verstellbare Zahnkammhobel:



Sowie ein "Tempo" Schrägschnitt, mit einseitiger Schneide, obwohl Double Edge eingelegt werden. Bei diesem Hobel kann man den Kopf sowohl nach links oder rechts stellen, als auch in gerader Position lassen:



Beide im Größenvergleich:



Ein typischer Torsionshobel ist der Ibsen, bei dem man im Hintergrund, unter dem Kopf, die entgegengesetzt geschrägte (verschränkte) Schaumkante sieht, die aber eben auch dafür sorgt, daß alles beim Alten ist wenn man den Kopf dann dreht:



Was mich immer wieder wundert. Ich selbst komme mit Schrägschnitthobeln wunderbar klar. Mulcuto und Walbusch gehören zu meinen Lieblingen. Aber mit Torsionshobeln habe ich teils grauenhafte Rasuren, was ich nur auf ein Unvermögen meinerseits zurückführe.
Ich hoffe soweit ist für den Unkundigen nun erstmal alles klar und hoffe auch, daß noch mehr Modelle, wie Hoffritz oder Merkur 37 oder schöne alte Apollo gezeigt werden. Mich interessieren auch die Erfahrungen anderer Anwender, denn kaum ein Prinzip polarisiert ja so, von Zahnkamm - Schaumkante mal abgesehen.

Ciao


« Letzte Änderung: 02. Mai 2009, 14:43:03 von henning » Gespeichert
El Topo
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Filarmonica Matador


« Antworten #1 am: 02. Mai 2009, 14:30:36 »

Bin jetzt zwar aufs Messer umgestiegen, davor hatte ich jedoch den 37c. Hab mir den ziemlich am ANfang
meiner "Hoblerkarriere" gekauft. Ich besitzt recht empfindliche Haut, und hatte am Anfang oft Rasurbrand.
Das ist denke ich normal, generell muss sich ja die Haut beim Hobel/Messer an direkten Klingenkontakt gewöhnen,
selbusges gilt für die stark alkalische RS, welche ich damals noch nicht lange nutzte.

Ich find den 37c Klasse. Nach kurzer Zeit hatte ich keine Reizungen mehr, benutzt man den Hobel ohne Druck, ist er sehr sanft
und sehr gründlich. Größtes Kaufargument war die Empfehlung den 37c bei sehr hartem Bartwuchs zu nutzen. Dafür ist er auch voll geeignet.
Abgesehen davon find ich das Design mit dem schrägen und verdrehten Kopf sehr gelungen.
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Schöne Grüße aus dem Maulwurfshügel!

DOVO 1970
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« Antworten #2 am: 02. Mai 2009, 15:23:04 »

Bei der Gelegenheit möchte ich einen meiner Favoriten in meinem Rasierschrank, den Mulcuto Schrägschnitt mit ein paar Bilder vorstellen.

Weiters verwende ich gerne den 37c und den von henning weiter oben schon gezeigten Ibsen der dem 37c in Form und Rasiereigenschaften sehr ähnelt und dabei noch ein wenig das "vintage" - feeling durchblicken lässt.

im Gegensatz zu Torsionshobeln kann ich den Schrägschnitthobel genauso handhaben wie alle anderen (Geradschnitt)-Hobel auch, und bekomme trotzdem eine sanftere und gründlichere Rasur.

Da muss ich nicht aufpassen beim aufdrücken, mit,- gegen,- quer, egal welche Klinge da drin ist, einfach drüber.

Im Gegensatz dazu ist das Rasieren mit dem Torsionshobel schon etwas anders, sag ich mal ganz vorsichtig.
Da schau ich schon genauer auf die Hobel,- Klingekombination, manches funktioniert erstklassig, andere Kombinationen wiederum gar nicht.
Wenn beim Torsionshobel alles stimmt (richtige Vorbereitung, gut einweichen lassen, nicht zu fest aufdrücken, richtige Klinge,...)
gibts eine unglaublich sanfte und gründliche Rasur,
im handumdrehen kanns aber auch ganz schnell ganz "blutig" enden.

Mein Mulcuto ist leider nicht mehr im Top-Zustand was aber seine praktischen Eigenschaften nicht schmälert.









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henning
Gast
« Antworten #3 am: 02. Mai 2009, 15:37:21 »

Das ist der gleiche, den ich auf dem Gruppenbild oben zeigte. Man hat ihn noch mit anderem, bauchigerem Griff (Guilty), gefederten oder ungefederten Nippeln im Kopf (ich), sowie in Kunststoff (ich) und mit Klappmechanismus zum öffnen des Kopfes (Harzer). Allen ist gemein, daß sie unglaublich sanfte und gründliche Rasierer sind. Mich wundert deswegen nicht, daß Deiner Dein Favorit ist Lächelnd.

Ciao

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Lord Vader
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Dunkle Seite der Macht


« Antworten #4 am: 02. Mai 2009, 16:15:56 »

ich muss gestehen, dass ich bisher noch nicht mit einem schrägschnitthobel in kontakt gekommen bin. torisionshobel finde ich hingegen super. zwar kommt meistens das messer zum einsatz, falls aber nicht, so greife ich fast immer zu einem torisionshobel. diese liefern extrem sanfte, extrem gründliche und total unkomplizierte rasuren.

mittlerweile habe ich auch ein paar exemplare angesammelt. bilder muss ich allerdings nachreichen, da ich keine eigene kamera habe.

lg

lord vader
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samonis
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ritsch ratsch Bart ab!


WWW
« Antworten #5 am: 02. Mai 2009, 16:43:35 »

Super Thread! Vielen Dank Henning sehr interessant. Ich hoffe da kommt noch mehr!
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Mein Schrank platzt, meine Haut produziert nicht mehr Bart und mein Konto geht vor die Hunde.
henning
Gast
« Antworten #6 am: 02. Mai 2009, 17:39:20 »

Das hoffe ich auch. Merkwürdig mal wieder, das andere den Torsionshobel loben, während ich blute. Ich denke die sind mir zu extrem, weil ich mich nicht an sie gewöhnen kann. Dafür habe ich zu viele Hobel die ich verwenden möchte. Allerdings gibt es ja auch noch andere Benutzer, die über Unverträglichkeiten klagen.

Ciao
« Letzte Änderung: 02. Mai 2009, 17:45:11 von henning » Gespeichert
Wolfgang
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« Antworten #7 am: 02. Mai 2009, 20:16:08 »

Ein textlich und bildlich sehr schöner und vor allem auch informativer Bericht, Henning und DOVO1970. Dass so viele verschiedene Modelle hergestellt worden sind, war mir bislang unbekannt. Ich kannte vom Hören-Sagen nur den Mulcuto und Kraband.
Man kann also sagen: Jeder Torsionshobel ist ein Schrägschnitthobel, aber nicht jeder Schrägschnitthobel ist auch ein Torsionshobel! Liege ich damit richtig?

Sind die 37er bzw. 39er von Merkur derzeit die einzigen Torsionshobel, die aktuell noch produziert werden?

Beste Grüße
Wolfgang
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kalle o
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« Antworten #8 am: 02. Mai 2009, 20:54:04 »

Hier mein Apollo Schrägschnitt Hobel. Der tut seine Arbeit hervorragend. Das ist mein bester Hobel (habe aber noch keinen Merkur - die ja wohl das Maß der Dinge sein sollen ??). Ich benutze ihn auch gern zum Rasieren des Kopfes, weil er durch seinen breiten Spalt auch bei längeren Haaren nicht verstopft.




Eine tolle Sammlung von Exoten hast Du da Henning!! Daumen hoch

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Harzer
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« Antworten #9 am: 02. Mai 2009, 21:58:49 »

Ich habe auch mal meine Bestände durchforstet und alles zu diesem Thema herausgesucht. Mann, mann, so langsam artet das in Arbeit aus.  Grinsend

Merkur Torsion:
links der 37c, rechts sozusagen der Vorläufer des 37c mit rundem Oberteil und entgegengesetzter Torsion




Merkur Schrägschnitt:




Apollo Torsion:




Apollo Schrägschnitt




Walbusch Schrägschnitt:




Fasan Torsion:




Mulcuto Schrägschnitt:
links der normale Hobel, rechts der mächtige Mulcuto mit Klappdeckel






Ibsen Torsion:




Und zum Schluss noch zwei unmarkierte Torsionshobel, einmal aus Metall und einmal aus Bakelit:









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Arnfried
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« Antworten #10 am: 02. Mai 2009, 22:30:44 »

Hier mein erster Hobel, Merkur 39c
https://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,996.msg51691.html#msg51691
Die Entscheidung für einen Torsionshobel gleich zu Anfang hat sich wegen meiner dicken Barthaare als richtig erwiesen.

Hier Bilder und Rasureindrücke vom Fasan (Torsionshobel) und NeoRas (Schrägschnitt) meines Vaters
https://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,3227.msg67444.html#msg67444
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henning
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« Antworten #11 am: 03. Mai 2009, 00:04:24 »

Ein textlich und bildlich sehr schöner und vor allem auch informativer Bericht, Henning und DOVO1970. Dass so viele verschiedene Modelle hergestellt worden sind, war mir bislang unbekannt. Ich kannte vom Hören-Sagen nur den Mulcuto und Kraband.
Man kann also sagen: Jeder Torsionshobel ist ein Schrägschnitthobel, aber nicht jeder Schrägschnitthobel ist auch ein Torsionshobel! Liege ich damit richtig?

Sind die 37er bzw. 39er von Merkur derzeit die einzigen Torsionshobel, die aktuell noch produziert werden?

Beste Grüße
Wolfgang

Genau so habe ich es anfangs beschrieben, Wolfgang. Torsion bedeutet Verdrehung und damit hat ein normaler Schrägschnitt nichts zu tun. Es gibt noch mehr Modelle, wie Du an Harzers Hobeln siehst. Mit meiner kleinen Auswahl wollte ich nur die verschiedenen Arten demonstrieren. ich muß mal kramen, aber das ist müselig weil in Kartons verpackt.
Schrägschnitt war vor allem in den 30'ern bis 50'ern modern und komischerweise eigentlich nur in Deutschland. Ich kenne bisher keinen ausländischen Schrägschnitt oder Torsionshobel. Und ja, Merkur ist im Moment der noch einzige verbliebene Hersteller. Allerdings gibt es immer noch Mengen in der Bucht.

Ciao
« Letzte Änderung: 03. Mai 2009, 00:17:38 von henning » Gespeichert
Wolfgang
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« Antworten #12 am: 03. Mai 2009, 00:14:39 »

Merci @henning

Ich möchte mir in absehbarer Zeit mal einen der beiden Merkurhobel - also den 37er oder 39er - zulegen. Da ich, was die verschiedenen Hobeltypen (Schaumspoiler, Harken, Versteller, Schrägschnitt, Torsion... gibt es noch weitere Typen?)  betrifft, noch weit vom Fachmann entfernt bin, interessiert mich dieser Thread. Wie gesagt ein schönes Thema mit vielen gelungenen Beiträgen!  Daumen hoch

Beste Grüße
Wolfgang
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henning
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« Antworten #13 am: 03. Mai 2009, 00:24:04 »

Vielen Dank für das Lob. Andere Typen? Ja, es gibt noch Single Edge (einschneidig), Injector Hobel (auch einschneidig), Keilklingenhobel (ebenfalls einschneidig). Außerdem habe ich Hobel gezeigt die elektrisch vibrierten und dabei die Klinge hin und her schwangen (Siemens), mechanisch vibrieren (Stahly), mechanisch die Klingen schwingen (King Oscillator) und so weiter. Viele brauchten spezielle Klingen die nicht mehr hergestellt werden. Schau doch mal bei "Zeigt her eure Hobel". Vor allem Harzer, Hermann Herdick und ich, haben Mengen an Hobeln gezeigt. Auch auf meiner webseite kann mann einiges an Hobeln sehen, wenn auch der Platz für Fotos beschränkt ist.

Ciao
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BadgerBrush
Neuling

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« Antworten #14 am: 04. Mai 2009, 00:17:21 »

Prima Übersicht. Bis vor kurzem kannte ich ja den Unterschied zwischen Schrägschnitt- und Torsionshobel überhaupt nicht. Kann man generell sagen, dass Schrägschnitthobel etwas sanfter als Torsionshobel sind?
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