…heute wieder ein wenig Rost entfernt…

Begonnen von DailyDriver, 10. Juli 2025, 13:53:37

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MRetro

Ich möchte mal eine Lanze brechen für diese Solinger Traditions-Unternehmen:

- Viele Unternehmen gibt es schon nicht mehr, der Rest kämpft eher darum weiter (erfolgreich) ihre Geschäfte fortführen zu können. Da gibt es dann andere Prioritäten.
- Eine historische Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte kostet viel Geld und bringt keine Gewinne. Zusammen mit dem ersten Aspekt ist dies dann sicherlich ein großer Konflikt hierfür zusätzlich Geld auszugeben.
- Der uns interessierende Anteil an einer solchen Unternehmensgeschichte dürfte wohl eher ,,unter ferner liefen" liegen. ,,Wichtigere" Themen werden in der breiteren Öffentlichkeit wohl eher woanders gesehen werden können.
- Solingen hat arg unter den Luftangriffen des zweiten Weltkrieges (Ende 1944 bis Anfang 1945) zu leiden gehabt. Hier dürfte wohl auch viel Material für eine solche Aufarbeitung verloren gegangen sein.

alvaro

Zitat von: MRetro in 07. Mai 2026, 09:48:37- Viele Unternehmen gibt es schon nicht mehr, der Rest kämpft eher darum weiter (erfolgreich) ihre Geschäfte fortführen zu können. Da gibt es dann andere Prioritäten.
Natürlich, aber man darf Fragen stellen.
Erste Frage die mich immer interessiert, ist der Hersteller überhaupt noch selbstständig.

MRetro

@alvaro

Geht die Frage an mich?

Soweit ich weiß und hier wohl auch bekannt ist:
Merkur und Dovo sind zwei selbständige Unternehmen, die auch heute noch als ,,kleine Nischenanbieter" im Bereich Rasurgeräte unterwegs sind. Die Zwilling J.A. Henckels ist da deutlich größer, gehört zur Werhahn-Gruppe und vertreibt heute keine Rasurgeräte mehr.

Aber ich verstehe jetzt nicht, was du mit deiner Frage bezweckst.

alvaro

Zitat von: MRetro in 10. Mai 2026, 09:28:04Geht die Frage an mich?
Nein, die Frage war allgemein gemeint, ohne jemanden damit persönlich ansprechen zu wollen.

Trotzdem danke für die Antwort.

ich meinte eher mit der Frage was man zu dem Verhalten sagen soll.
Es ist halt einfach so, dass sehr viele Unternehmen ihre Würzen nicht mehr kennen, und ich denke die sollte man nie vergessen.
Man verkauft mir "ein Traditionsunternehmen" und interessiert sich selbst nicht für diese Tradition.

DailyDriver

#49
Es gibt neues aus der Werkstatt...
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Ein C. & H. Birkendahl mit Kopfschmerzen
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Der erste Flohmarktfund (mein Bruder hat es gefunden...) in diesem Jahr kommt mit schmaler Klinge und etwas ,,Kopfschmerzen" daher, ist in seinem Fundzustand aber nicht allzu schlecht aufgestellt. Der Hersteller ist das Unternehmen C. & H. Birkendahl (Stahlwarenfabrik Carl Birkendahl, um 1920 in Solingen II Wald). Die schmale Klinge, mit angelegtem Rücken, misst es gerade einmal 9/16, hat einen doppelten Ansatz und hatte ursprünglich einen Rundkopf (dazu später mehr). Den Schliff ordne ich trotz der geringen Breite in einen Hohlschliff ein. Etwas auffällig ist m. E. der recht ausgeprägte Wall, der mir beim Schärfen doch ein wenig Probleme machte. Auch die Schlierung der Klinge weist eine kleine Besonderheit auf: Auf der Unterseite ist sie gewohnt fein & durchgängig, auf der Oberseite dagegen nur an den Flanken aus- bzw. eingearbeitet. Das Heft ist aus Kunststoff und weist neben der original erhaltenen Vernietung sogar eine sog. Erlbremse, sprich eine dritte Vernietung mit eingearbeitetem Abstandshalter aus Kunststoff, auf. Ich meine, für Messer dieser Breite ein eher seltenes Detail. Auf der Vorderseite befindet sich eine sehr fein ausgearbeitete, völlig plane Einlegearbeit aus Metall, die den Schriftzug des Unternehmens zeigt.
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Nun zu den ,,Kopfschmerzen" ...
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Wie auf den Bildern unschwer zu erkennen ist, hatte das Messer ursprünglich einen Rundkopf. Als ich mich an die Aufarbeitung der Klinge machte, begann ich, wie nahezu immer, mit einer Art Bestandsaufnahme. Dabei versuche ich, mir von vornherein ein Bild über etwaige Beschädigungen an der Schneidkante/Klinge zu machen, um zu entscheiden, ob sich überhaupt eine Aufarbeitung lohnt. Zu Anfang meiner Aufarbeitungen von Flohmarktfunden hatte ich dies aus fehlenden Erfahrungen eher nicht gemacht, doch einmal ließ sich bei einem bereits ,,aufgearbeiteten" Messer die Klinge als solche aufgrund der Schäden nicht mehr in einen rasurbereiten Zustand bringen und ich ärgerte mich im Nachhinein über die investierte Zeit & Energie. Seit diesem Messer (fristet sein Dasein jetzt als Brieföffner) führe ich diese Bestandsaufnahme durch. Nach erstem Einsatz von feiner Stahlwolle, um die Klinge erst einmal zu reinigen, fiel mir ein schwarzer Fleck auf, der sich auch nicht entfernen ließ. Sofort kam in mir ein böser Verdacht auf eine ,,größere" Beschädigung auf. Ein Blick durchs Mikroskop stärkte den Verdacht und ein ,,Laufenlassen der Perle" bestätigte es ... die Klinge ist an dieser Stelle eingerissen. Nicht viel bzw. tief, aber mit gut 0,8 mm tief genug, dass ich mir die Frage stellte, ob sich weitere Arbeiten überhaupt lohnen. Einerseits ist es erst mein 2. Messer in dieser Breite und gefällt mir ganz gut. Dazu kommt, dass es ein Geschenk meines Bruders ist. 
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Zum anderen ist die Beschädigung so weit vorne, dass eine Umarbeitung in einen Gradkopf möglich sein müsste. Kurzerhand habe ich mich mit einem äußerst kundigen Mitforisten aus dem Nachbaruniversum, @SolingerStahl in Verbindung gesetzt. Rainer hatte sich dann damit beschäftigt und mir vor den Arbeiten einige Bilder geschickt, die er am PC mit entsprechender Software erstellt hatte. Gezeigt wurde mein Messer, wie es mit Gradkopf aussehen wird, und ich entschied mich sofort für die Umarbeitung. Das Messer ging auf Reisen und kam auch nach kürzester Zeit wieder zurück. Das Ergebnis ist eine perfekte Arbeit, die nicht nur zu 100 % zu den Proportionen der Klinge und des Hefts passt, sondern auch vom Optischen her den ehemaligen Rundkopf nahezu vergessen machen. Um das Ganze zu toppen, hat Rainer den Kopf nicht einfach gerade abgeschliffen. Nein, er hat auch durch eine fein ausgearbeitete, beidseitige Facettierung dem Gradkopf ein optisches Highlight gegeben.
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Die Schadstelle und der...

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.....perfekte Umbau.

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Der Fundzustand ...
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Das Messer hat bereits seine erste Steinzeit hinter sich gebracht und kommt auch umgehend wieder zum Einsatz (dazu dann zu gegebener Zeit an anderer Stelle mehr ...).
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...immer neugierig bleiben!
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Danke und Gruß
Gregor
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

MRetro

Schön geworden, @DailyDriver, ich gratuliere zu dieser Entscheidung. dh: