Silikon im Pinsel, oder "Wer gut schmiert der schlecht rasiert?"

Begonnen von alvaro, 09. September 2022, 23:01:09

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alvaro

Hallo liebe Freunde der klassischen Nassrasur.
Wir alle kennen die These:
Silikon schädigt Naturhaarpinsel weil es die Haare zusetzt.
Dadurch wird die Wasseraufnahme verhindert was wiederum die Schaumerzeugung bzw andere Eigenschaften des Pinsels negativ beeinflusst.

Okay, soweit so gut.
Aber ich frage mal ob es da wirklich Erfahrungen damit gibt?
Hat einer schon einmal einen Pinsel gehabt der sich wirklich merklich verschlechtert hat?
Ist das alles nur Gerede oder wie groß ist die Gefahr für unsere Pinsel wirklich?

Es ist mir durchaus bekannt, dass schon über das Thema gesprochen wurde, aber das kam mir bisher alles eher wie "man hat gehört" vor.
Eher wie die Warnung vor einer Gefahr als echte Erfahrungen.


Wird ein "Silikonverseuchter Pinsel" wirklich schlechter, oder verändert er sein Verhalten eher in Richtung "Kunsthaarpinsel"?

Ich habe auf alle Fälle einmal überlegt der Sache auf den Grund zu gehen.
Ich habe einen Borstenpinsel gesucht auf den ich verzichten kann und habe diesen intensiv mit mit "Florena RC" behandelt.
Das bedeutet ich habe eine ordentliche Menge RC in einen Tiegel gegeben und Schaum aufgeschlagen.
Den Schaum habe ich schön im Pinsel verteilt und dann stehen lassen.
Am nächsten Tag habe ich nochmals RC dazu gegeben und wiederum Schaum geschlagen und im Pinsel verteilt.
Bis jetzt habe ich den Pinsel 3 Tage  "im Schaum" stehen.
Wenn ich von einer durchschnittlichen Rasurdauer von 15min ausgehe habe ich so nach 72h schon mal die Einwirkzeit von ca. 280 Rasuren (ohne Auswaschen).
Jetzt will ich den Pinsel nach oben genanntem Schema noch stehen lassen, möglicherweise noch über eine Woche.

Was meint ihr was passiert?
Wie wird sich der Pinsel verändern?
Wird er nicht mehr nutzbar sein?

Bin schon neugierig auf eure Meinung

Onkel Hannes

Ich habe immer das Gefühl gehabt, daß sich bei meinen Naturhaarpinseln bei verwendung silikonhaltiger Produkte mit der Zeit die Wasseraufnahme verschlechterte und sie schlechter schäumten, durch Reinigung reversibel.

Hier hatte ich einmal theoretisiert, wie man eventuell so eine "Imprägnierung" anhand einer von den Naturborsten aufgesogenen, nicht herausschüttelbaren Wassermenge meßbar machen könnte. Ob das in der Praxis funktioniert, nach welcher Zahl von Verwendungen und ob ein eventueller Unterschied dann so signifikant wäre, daß er tatsächlich meßbar würde, das wäre wohl im Langzeitversuch zu ermitteln.

Ich war und bin dazu viel zu faul. Ich benutze kaum silikonhaltige Produkte, und wenn mal doch, dann mit synthetischen Pinseln, die ohnehin kein Wasser speichern.

Die Ausgangswerte müßte man in einem sauberen Urzustand naß und trocken ermitteln, und dann erst beginnen, den Pinsel mit Silikon behandeln. Allerdings glaube ich nicht, daß die Einwirkungsdauer einer silikonhaltigen RC maßgeblich ist, sondern eher die Zahl der Anwendungen, denn damit steigt die applizierte Menge der Schadsubstanz, wenn man Silikon als solche sehen will.

Andererseits hat mein obiger Versuch ja auch gezeigt, daß Synthetikpinsel gar kein Wasser aufsaugen, sondern daß man -im Gegensatz zum Naturhaarpinsel- das gesamte enthaltene Wasser vollständig wieder herausschütteln kann.
Man müßte also auch untersuchen, ob denn ein Naturhaarpinsel, dermaßen mit Silikon imprägniert, daß er überhaupt kein Wasser mehr speichern kann, hinterher tatsächlich schlechter funktioniert als vorher, und wenn ja, warum das beim Synthetikpinsel anders ist. Das dürfte nur schwer objektiv meßbar sein. Jedenfalls habe ich keinen Einfall dazu.
Hungrig vom schlafen und müde vom essen.

Tim Buktu

Meinem Gefühl nach (wissen tu ich das nicht) ist es nicht die verhinderte Wasseraufnahme ins Haar, das die Schäumerei beeinträchtigt. Die Kunsthaarpinsel nehmen ja auch nur Wasser zwischen den Haaren auf und schäumen wunderbar. Der Grund muss meiner Meinung nach an etwas anderem liegen, dass Pinsel mit der Zeit schlechter Seife aufschäumen.
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

alvaro

Danke für die ersten Beiträge.

Ich fasse mal für mich zusammen.
Onkel Hannes hat das Gefühl, dass die Pinsel schlechter schäumen.
Messen wollte ich da nichts, so aufwendig will ich das nicht durchziehen.
Mich interessiert auch nicht die aufgenommene Menge Wasser, gerade weil Kunsthaarpinsel es nicht tun und trotzdem gut schäumen.
Ich glaube die Einwirkzeit ist wichtiger das bei jeder Nutzung ja wieder etwas ausgewaschen wird.
Bei reiner Einwirkzeit kann das Silikon sein "volles zerstörerisches Potenzial" entwickeln.
Das von dir genannte  "hinterher tatsächlich schlechter funktioniert als vorher, und wenn ja, warum das beim Synthetikpinsel anders ist." ist genau das was mich interessiert.
Wie gesagt ich denke eher, dass der Borstenpinsel sich zu einem Kunsthaarpinsel "verwandelt.
Das würde aber bedeuten, dass der Pinsel immer noch einwandfrei funktioniert, nur eben kein Wasser aufnimmt.



Tim Buktu hast du hier "Der Grund muss meiner Meinung nach an etwas anderem liegen, dass Pinsel mit der Zeit schlechter Seife aufschäumen" Erfahrungen gemacht oder basiert das auf den gängigen Vermutungen?

Tim Buktu

 :-\ Ich bin mir nicht sicher. Aber ich verwende seit langem eher selten RC mit Silikon und kann deswegen eher wenig aus Erfahrung berichten wie sich silikonisierte Pinsel verhalten. Da sich bei mir aber länger ohne Reinigung in Verwendung befindliche Pinsel (mit RC ohne Silikon) auch deutlich im Aufschäumverhalten verschlechtern, vermute ich den Grund eher in den anderen Ablagerungen im Pinsel.

Noch ein Gedanke: Dachshaar soll doch auch wasserabweisend sein.  o)

Mir will auch nicht einleuchten, warum eine Seife besser schäumen soll, wenn die verwendete Besteckung Wasser ins Haar selbst aufnimmt. Das Wasser im Haar bringt dann doch nicht wirklich viel und wird von dort auch nicht abgegeben. Ich würde eher vermuten, dass Pinselhaar, das Wasser aufnimmt, mehr Wasser benötigt, da er ja welches schluckt und dann auch noch mehr Seife benötigt, sollte sich die Seife mit dem Wasser im Haar mischen.
Irgendwie erscheint mir das bisher nicht logisch.

Grade meine Erfahrung, dass gut gemachte Kunsthaarpinsel wunderbaren Schaum produzieren spricht aus meiner Sicht dafür, dass silikonisierte Pinsel, sollte nicht das Silikon selbst das Schäumen verhindern, trotzdem gut aufschäumen. Wenn es also nicht am Silikon selbst liegen sollte (das dann nur die Haare imprägniert) dann doch eher am anderen Schmand im Pinsel. Ob das nun Kalkseife oder was auch immer ist.

Ein Pinsel der gut schäumt scheint das Wasser gut dosiert an die Seife abzugeben und noch besser mit der Seife zu mischen und feine Luftbläschen drunterzumischen.  ;D

Aaaber: Alles nur Low Level Vermutungen   :)
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

baknip

Zitat von: Tim Buktu am 10. September 2022, 19:07:19
... sollte nicht das Silikon selbst das Schäumen verhindern,

Das Stichwort lautet Schaumverhütungsmittel. Im Bereich der Lebensmittelverarbeitung ist Silikon ein gerne verwendeter Stoff, etwa in der Fruchtsaftindustrie oder im Brennereibereich. Einfach mal Google nutzen.

Dort soll Silikon das Aufschäumen von Produkten während der Verarbeitung verhindern. Silikon wird wohl gerne genommen, weil es zum einen Schaum wirkungsvoll verhindert und zum anderen bei Lebensmitteln unbedenklich ist, oder besser gesagt sein soll, da es nach nichts schmeckt und den Körper im Zweifelsfall verlässt, wie es ihn betritt. Als technischer Hilfsstoff sind Silikonschaumverhütungsmittel nicht deklarationspflichtig. Ist genauso wie die berühmte Fischblase im Wein. Angeblich hinterher nicht mehr nachweisbar. Glauben hilft da viel.

Ich würde Rasiercreme mit deklariertem und damit erkennbarem Silikonzusatz wegwerfen.

Freies Ausspucken verboten

Tim Buktu

#6
Danke, das hilft weiter.

googlethatforyou


;)



Edit: Link repariert
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

alvaro

Chemie war ja nie meine Stärke, aber es stellt sich mir da die Frage warum ich in eine Produkt welches schäumen soll Silikon gebe wenn dieses Silikon ein Schaumverhütungsmittel ist.
Da beißt sich für mich doch die Katze in den eigenen Schwanz.

Onkel Hannes

Vielleicht gibt es verschiedene Stoffe oder Formen. Eine Schaumhemmung kann ich z.B. bei der Nivea RC nicht erkennen. Im Gegenteil, sie schäumt ausgezeichnet. Das enthaltene Dimethicone scheint also kein Hindernis zu sein.
Hungrig vom schlafen und müde vom essen.

Rockabillyhelge

Also die Nivea hat bei mir meinen ersten Rasierpinsel (ein Mühle Basic Dachs, Geschenk meiner Eltern) versaut, nach einmaligen Aufschäumen war der Pinsel wie geölt, hat kein Wasser mehr gehalten und war nur gekletscht, ein lockeres Aufschäumen ist seitdem nicht mehr möglich, hab die Nivea entsprechend entsorgt und nachdem ein Bekannter sich damit ein Messer versaut hat (Messer ist angelaufen, Spiegelglanz weg, ließ sich auch nicht mehr auspolieren) mache ich nen großen Bogen um Nivea, gibt dazu viel zu viel mir mehr zusagende Produkte, so dass ich nicht drauf angewiesen bin.
Auch mit Bart immer gut rasiert :)

baknip

Zitat von: alvaro am 11. September 2022, 14:12:10
...es stellt sich mir da die Frage warum ich in eine Produkt welches schäumen soll Silikon gebe wenn dieses Silikon ein Schaumverhütungsmittel ist.
Da beißt sich für mich doch die Katze in den eigenen Schwanz.

Silikonen machen Rasurprodukte gleitfreudig (Rasiercremes) und vermitteln hinterher das Gefühl (Rasiercremes und After-Shave-Emulsionen), alles wäre schön glatt, feucht im Sinne von Hautfeuchtigkeit und triggern ein Fühlt-sich-beim-Drüberstreichen-gut-an. Der Macher einer Rasiercreme, der Silikone einsetzt, wird seine Rezeptur halt so abstimmen, dass silikonunempfindliche Tenside zum Einsatz kommen oder entsprechend viel Tensid. Oder passende Hilfsstoffe. Oder Silikon, bei dem die Schaumvermeidungseigenschaften reduziert sind. Oder eine Kombination von allem.


Freies Ausspucken verboten

alvaro

@baknip

Tolle Erklärung, du kennst dich da gut aus.
Aber was macht das zeug jetzt mit dem Pinsel?

@Rockabillyhelge

Nivea und nur einmaliger Gebrauch, das ist mal eine Ansage.
Kein Aufschäumen mehr möglich ist auch ein Hammer, ich werde meinen Testpinsel auch noch mit Nivea behandeln
Mal sehen ob ich auch noch ein Messer zum testen habe


Onkel Hannes

Alvaro, nach welchen Kriterien möchtest Du denn eine etwaige Verschlechterung beurteilen? Gibt es eine Referenz-RS oder -RC?

RBH, nach einer einmaligen Verwendung von Nivea RC einen Pinsel vernichtet, das klingt schon kraß. War die Nivea RC die schwarz-gelbe Version aus der Pattex for men Collection? Vielleicht wiederhole ich meine Wiege- und Schüttelversuche mal vor und nach Verwendung der Nivea. Irgendwo müßte ein simpler Dachs rumliegen, und eine Feinwaage habe ich mittlerweile auch.
Hungrig vom schlafen und müde vom essen.

alvaro

Wie gesagt, ich will es GANZ einfach halten.
Die These sagt ja, dass der Pinsel "versaut" nicht mehr ordentlich arbeitet
Wenn der Pinsel im Anschluss gut schäumt dann gut, wenn nicht dann schlecht.

Ich weiß nicht ob man die Feinheiten bei einem Pinsel hier messen kann, bzw ob ich es will.
Könnte es zwar auch Möglichkeiten geben, und die wären sicherlich auch interessant, sind aber nicht der Hintergrund meines Tests

Nach der Info von RBH werde ich auf alle Fälle dem Pinsel auch Nivea RC gönnen, und wie schon gesagt ich werde auch mal nach einem Messer schauen (GD66?)

Rockabillyhelge

Ich hatte die ganz normale Nivea RC von Real, blaue Tube wenn ich mich recht erinnere, der Pinsel war ein älterer Mühle Basic Dachs (kein Silberspitz, einsteigerklasse wie z.B. der Wilkinson Dachs) bei dem vorher keinerlei Probleme beim Aufschäumen aufgetreten sind, er hatte vorher nur die übl.verdächtigen Palmo,Wilkinson etc. gekannt.
Auch mit Bart immer gut rasiert :)