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Autor Thema: Überarbeitung von Skalierungen und Indexbezifferungen  (Gelesen 5761 mal)
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« am: 21. Juli 2019, 21:02:36 »

Überarbeitung von Skalierungen und Indexbezifferungen

Im Laufe der Zeit und durch eine langjährige und regelmäßige Nutzung noch gefördert können Skalierungen und sonstige Indexbezifferungen an Rasierhobeln und Uhren nicht nur allmählich verblassen sondern auch vollständig abgerieben werden. Die ursprünglich deutlich sichtbaren Indexe lassen sich dann allenfalls noch erahnen. Natürlich kann man sich an diesen zwangsläufigen Alterungsprozess gewöhnen und seinen Rasierhobel oder seine Uhr in diesem Zustand belassen. Kann man  ?  muss man aber nicht. Denn wenn man sich an dem Gegenstand seiner Leidenschaft auch zukünftig uneingeschränkt erfreuen möchte, kann eine kleine Aufarbeitung der verblassten oder unsichtbar gewordenen Indexe ganz wesentlich dazu beitragen.

Anhand der folgenden Bilder und der dazugehörigen erläuternden Texte möchte ich am Beispiel eines Gillette Adjustables Black Beauty und einer Sportuhr der Marke Tutima zeigen, wie man mit verhältnismäßig geringem Aufwand verblasste oder unsichtbar gewordene Skalierungen und Indexbezifferungen durch eine Überarbeitung wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückführen kann.

 


Abbildung 1:  Verblasste Zahlen und Indexe auf der Lünette einer Tutimauhr und auf dem Einstellring eines Gillette Adjustables.

 


Abbildung 2:  Deutlich verblasste Indexstriche und Zahlen auf der Lünette beim neunten Strich und bei der Zahl „20“, beim Gillette Adjustable exemplarisch bei der Zahl „5“.


Beim Einstellring des Gillette Adjustables und auf der Lünette der Tutima sind alle Zahlen und Indexstriche in diesen Ring und in die Lünette „eingelassen“, das heißt, in beiden Markierungsringen sind Vertiefungen eingraviert worden, die ursprünglich mit schwarzer Farbe aufgefüllt waren, um so eine bessere Ablesbarkeit zu gewährleisten. Die Abbildung 2 zeigt beispielhaft, dass diese Zahlen und Indexstriche durch Abrieb- und Reinigungsvorgänge über die Zeit verblasst sind, teilweise ist auch schon die ursprüngliche Farbauffüllung verloren gegangen. Die Tutima-Sportuhr hat ein Alter von zwanzig Jahren, der Gillette Adjustable ist 54 Jahre alt.

Die Auffrischung der Zahlen und Indexstriche bei der Uhr und dem Rasierhobel erfolgt durch einen neuen Farbauftrag. Ich verwende dazu Lacke aus dem Modellbaubereich, entweder von Revell oder von Humbrol (siehe Abbildung 3). Diese Lacke zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich mit Nitroverdünnung oder Benzin gut verdünnen lassen. Sie lassen sich auch sehr leicht auf den zu bemalenden Gegenstand auftragen, ohne dabei zu verlaufen. Überdies decken diese Farben sehr gut, was einen erneuten Farbauftrag ausschließt. Natürlich kann man auch jeden anderen auf der Basis von Verdünnern hergestellten Lack verwenden, dies aber auch nur unter der Voraussetzung, dass er sich entsprechend verdünnen lässt. Acryllacke sind für diese Art der Aufarbeitung oder Auffrischung ungeeignet. Diese Lacke haften nur unzureichend in den sehr kleinen Vertiefungen einer Uhrenlünette oder eines Rasierhobeleinstellringes.

Einige Vorarbeiten sind allerdings vor dem endgültigen Farbauftrag zu leisten. Die dafür vorgesehenen Flächen müssen zuerst noch von allen Ablagerungen befreit werden (z.B. Handschweißspuren, Wasser- und Kalkreste, gegebenenfalls noch die Reste von Schmiermitteln), danach erfolgt ein Abwasch mit Nitroverdünnung, denn eine fettfreie Umgebung ist die Grundvoraussetzung für den späteren dauerhaften Farbauftrag.

Für den Farbauftrag benötigt man nur einen Tropfen der schwarzen Originalfarbe. Diese Farbe ist im Ursprungszustand relativ zähflüssig und muss vor dem Auftrag auf die Indexstriche und Zahlen zuerst mit Verdünner (Nitroverdünnung, Benzin) soweit verflüssigt werden, dass sich die Vertiefungen einfach auffüllen lassen. In der Abbildung 3 ist dieser Farbtropfen auf dem Boden eines umgedrehten Kunststoffgläschens gut zu erkennen. Sobald die Farbe ausreichend verflüssigt wurde – man kann das recht gut in der Abbildung 4 erkennen – kann mit dem Farbauftrag begonnen werden.

 


Abbildung 3:  Ansicht der für die Auffrischung erforderlichen Werkzeuge.

 


Abbildung 4:  Ansicht des für den Farbauftrag inzwischen stark verdünnten Farbtropfens.


Den Farbauftrag in die Vertiefungen der Indexstriche und Zahlen führe ich mit einem sehr feinen Schraubendreher oder Draht durch (siehe hierzu die Abbildung 5) und kontrolliere den Vorgang mit einer Uhrmacherlupe. Sämtliche Vertiefungen sollen schließlich vollständig flächig mit frischer Farbe aufgefüllt werden.

 


Abbildung 5:  Auffüllen der Vertiefungen für die Indexstriche und Zahlen mit einem sehr feinen Schraubendreher.


Das Ergebnis des Farbauftrages zeigt die Abbildung 6. Sämtliche Vertiefungen und ihre unmittelbaren Umgebungen sind mit schwarzer Farbe aufgefüllt. Allerdings hat die Farbe beim Ein- oder Auftrag auch die umgebenden Randflächen benetzt, was aufgrund der sehr feinen Indexe und Zahlen nicht zu verhindern ist. Diese überschüssigen Farbreste werden nach ihrer vollständigen Abtrocknung einfach entfernt.

 


Abbildung 6:  Ansicht der Uhrenlünette nach abgeschlossenem Farbauftrag.


Der Farbauftrag beim Einstellring des Gillette Adjustables erfolgt analog zum Farbauftrag bei der Tutimauhr. Die Abbildung 7 zeigt dies am Beispiel des ersten Indexstriches „1“ auf diesem Einstellring. Auch hier werden die Randbereiche um den vertieften Indexstrich mit überschüssiger Farbe benetzt. Diese überschüssige Farbe wird nach der Abtrocknung später ebenfalls entfernt.

 


Abbildung 7:  Farbauftrag bei einem Indexstrich auf dem Einstellring des Gillette Adjustables.


Für die Entfernung überschüssiger Farbreste verwende ich alte Rasierklingen, die nach ihrer Ausmusterung immer noch genügend scharf sind, um Farbreste von einer metallischen Oberfläche wegzukratzen. Der Arbeitsaufwand dafür ist gering und das anschließende Ergebnis kann überzeugen. Allerdings sollte der Anwender immer im Kopf bewahren, dass die Schneiden dieser Rasierklingen zwar nicht mehr rasurscharf sind aber immer noch scharf genug, und bei einer Unachtsamkeit sehr leicht eine Schnittverletzung im Finger hervorzurufen.

 


Abbildung 8:  Überschüssige Farbreste lassen sich sehr leicht mit einer Rasierklinge wegkratzen.

 


Abbildung 9:  Diese Abbildung zeigt einen vergrößerten Ausschnitt der überschüssigen Farbe beim Indexstrich „1“.

 


Abbildung 10:  Hier noch einmal ein anderer Bildausschnitt.

 


Abbildung 11:  Bei diesem Index sind sämtliche Farbüberschüsse vollständig entfernt.


Die Farbüberschüsse auf der Lünette der Tutimauhr werden nach demselben Schema mit der Rasierklinge entfernt. Hierzu wird die Rasierklinge flach angesetzt, wie es in der Abbildung 12 gut zu erkennen ist. Dann schabt man die zu bearbeitende Fläche, hier bei der Zahl „40“ mit der Rasierklingenschneide flächig ab und entfernt so unerwünschte Farbreste.

 


Abbildung 12:  Entfernung der überschüssigen Farbreste von der Lünette der Tutimauhr bei der Zahl „40“.


Die Ergebnisse der Überarbeitung der ehemals zum Teil verblassten und teilweise vollständig abgeriebenen Indexbezifferungen können sich sehen lassen. Mit relativ geringem Aufwand lässt sich der ursprüngliche Zustand nahezu gleichwertig wiederherstellen. Die Abbildungen 13 und 14 zeigen die Ergebnisse dieser Arbeiten.

 


Abbildung 13:  Alle Indexstriche und Bezifferungen sind beim Gillette Adjustable und bei der Tutimauhr wiederhergestellt und können ohne Einschränkungen wieder abgelesen werden.

 


Abbildung 14:  Ansicht der überarbeiteten Indexstriche und Bezifferungen. Sie ähneln wieder dem ursprünglichen Neuzustand.
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ander
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« Antworten #1 am: 21. Juli 2019, 23:35:49 »

Ist super geworden und prima Doku.
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Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #2 am: 21. Juli 2019, 23:40:39 »

Astreiner Bericht, Chapeau  Lächelnd Daumen hoch Daumen hoch
Beim Adjustable habe ich den Überstand auch gut mit Verdünnung und q-Tip weg bekommen.
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Auch mit Bart immer gut rasiert Smiley
Tim Buktu
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Mensch sei großzügig oder stirb! K.Brenner


« Antworten #3 am: 22. Juli 2019, 06:59:32 »

Wieder eine sehr gut gelungene Anleitung!
Hast Du alle Zahlen und Indexmarkierungen an Hobel und Uhr so behandelt, oder nur die verblassten?
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Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« Antworten #4 am: 22. Juli 2019, 10:57:00 »

Wieder eine sehr gut gelungene Anleitung!
Hast Du alle Zahlen und Indexmarkierungen an Hobel und Uhr so behandelt, oder nur die verblassten?

Ich habe alle Indexe und Zahlen behandelt, denn das Ergebnis soll ja einheitlich schön aussehen. Hätte ich nicht alle Zahlen behandelt, würden auf der Lünette matte und neu aussehende Zahlen nebeneinander stehen. Das sieht man sofort und das hätte mich geärgert.
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« Antworten #5 am: 22. Juli 2019, 11:04:14 »

Tolle Anleitung !  Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch Habe zwar keine derartig verblassten Zahlen an meinem totalrestaurierten Adjustable und trage derzeit auch keine Uhr mit Ziffern in Lünette, aber werde das auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, womöglich für zukünftige Anwendungen  Daumen hoch
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Onkel Hannes
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« Antworten #6 am: 22. Juli 2019, 11:13:02 »

In Kürze wegen Zeitdruck: Sehr schön!  Daumen hoch Zum entfernen überschüssiger Farbe erinnere ich mich auch an eine dokumentierte Pinselrestauration von Oberloser, der dazu ein Stück Wischergummi verwendet hatte.
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Hungrig vom schlafen und müde vom essen.
Lu-Ku
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« Antworten #7 am: 22. Juli 2019, 18:31:16 »

Vielen herzlichen Dank!! Toll gemacht und toll bebildert!
Das sind die Sachen, die wirklich helfen Daumen hoch
Die Tutima find ich auch sehr schön! Lächelnd
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Das schönste aller Geheimnisse: ein Genie zu sein und es als einziger zu wissen. (Mark Twain)
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