gut-rasiert
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Autor Thema: Gerissene Klinge ist Schrott! Oder geht da doch noch was?  (Gelesen 4858 mal)
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alvaro
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Mit sanfter Schärfe glatt!


« am: 25. Mai 2019, 14:49:22 »

Eines schönen Tages erreichte mich ein „neues“ altes Messer.
Es war ein „Flic Razor“ aus der Bucht, ein Messer mit gut 6/8“ in, scheinbar, sehr gutem Zustand.
Das ganze auch noch zu einem günstigen Kurs.
Tolles Schnäppchen!

Bei genauerer Untersuchung des Messers musste ich aber feststellen, dass das Messer einen Riss in der Klinge hat.
Mist!

Ich habe natürlich sofort den Verkäufer angeschrieben, und reklamiert.
Der Verkäufer war kulant, und hat mir den Kaufpreis zurück überwiesen.
Das Messer durfte ich behalten.
Toll!

Jetzt habe ich ein schönes Messer, welches aber offensichtlich Schrott ist.
Was sollte ich jetzt mit dem Teil machen?

Ich gehöre zu den Leuten, die nicht gerne etwas wegwerfen, wenn es möglicherweise doch noch zu etwas gut ist.
Es gab jetzt einige Möglichkeiten.
Möglichkeit 1: Klinge kürzen.
Wollte ich aber nicht, kann man als letzte Lösung aber berücksichtigen.
Möglichkeit 2: Reparatur

Aber welche?
Bis jetzt hatte ich noch nichts über eine mögliche Reparatur einer gerissenen Klinge gelesen, oder gehört.
Da es sich ja um eine Stahlklinge handelt gibt es also einige denkbare Möglichkeiten der Reparatur

Möglichkeit 1: Schweißen
Sicherlich könnte es sein so etwas zu schweißen, aber ganz sicher nicht mit den Möglichkeiten eines Heimwerkers, aber selbst mit absoluten Profimöglichkeiten (ich denke an Schweißen in kleinsten Dimensionen) könnte es Probleme mit der Temperatur Einwirkung geben.

Möglichkeit 2: Löten
Hier gibt es 2 Verfahren:
a) Hart löten mit Temperaturen von über 450°.
Fällt flach wegen der Temperatur.
Selbst wenn die Härte des Stahls nicht darunter leiden würde (unwahrscheinlich) würden es die Kunststoffschalen nicht ausfalten.
b) Weich löten mit Temperaturen zwischen 180° und 260°, fällt also auch flach wegen der Schalen bzw. der möglichen punktuellen Temperatur.
Also alles zu kompliziert oder nicht möglich.

Bleibt noch ein anderes Verfahren: Kleben.
Bei Kleben muss man sich vor Augen führen was heute alles geklebt wird.
Selbst im Automobilbau wird, so mein Kenntnisstand, heute mehr geklebt wie geschweißt.
Auch die Auswahl der Kleber ist selbst für Heimwerker heute bedeutend größer wie noch vor Jahren.
Es gibt Spezialkleber für alles Mögliche.
Ein Kleber, der heute schon alltäglich ist, ist Sekundenkleber.
Dieser Kleber ist in einer Gel Form, und in flüssiger Form erhältlich.
Die Flüssige Form soll Kapillarwirkung haben und auch in feinste Risse einziehen.
Sekundenkleber härtet schnell (logisch) unter Luftabschluss (in einem Riss) aus.
Gut damit hätte ich eine Möglichkeit, die ich testen kann.

Aber wie setzt man das um?
Um den Kleber besser in den Riss zu bekommen könnte man den Riss etwas (sehr vorsichtig) auseinander drücken.
Dann muss der Riss aber auch wieder zusammen, und das mit Sekundenkleber.
Denn Riss wieder zusammen zu drücken ist ja kein Problem, dafür nimmt man einfach eine Zange.
Die Zange ist aber ebenfalls aus Metall, und würde sich mit der Klinge verkleben sobald sie mit dem Kleber und der Klinge in Kontakt kommt.
Das muss verhindert werden.
Wie kann man das am einfachsten verhindern?
Richtig, mit einem Material welches sich mit Sekundenkleber nicht kleben lässt, Teflon.
Teflon kennen wir alle als Antihaftbeschichtung für Pfannen aus der Küche.
Aber eine Pfanne ist keine Zange.
Was tun?
Im Installationsbereich gibt es „PTFE Band“ zum abdichten von Schraubverbindungen z.B. bei Wasserhähnen.
Dieses PTFE Band gibt es für kleines Geld im Baumarkt.
Es ist vergleichbar mit Isolierband, nur dünner und ohne Kleber.
Mit diesem Band habe ich jetzt eine Kombizange an den Spitzen umwickelt.

Ab in den Keller und kleben.
Das Messer muss natürlich entfettet werden vor dem Kleben.
Das habe ich mit Spiritus sehr gründlich gemacht da sonst der Kleber nicht hält.
Die Klinge muss natürlich auch trocken sein, also abdampfen lassen oder mit dem Fön trocknen.
Anschließend wird der Riss etwas auseinander gedrückt (ganz vorsichtig), Sekundenkleber auf den Riss geben, und mit der Zange zusammendrücken.
Hier habe ich bei diesem (ersten) Messer einen kleinen Fehler gemacht.
Ich habe das Messer in einer Hand gehalten, und hatte deswegen natürlich nur eine Hand für den Kleber und die Zange.
Deshalb war ich etwas zu langsam, und konnte den Riss nicht zu 100% zusammendrücken.
Die Überlappung betrug aber mehr wie 50%, und deswegen war ein Schärfen mit durchgehender Schneider problemlos möglich.
Das Messer wurde anschließend ca. 25x rasiert, und die Klebung hält.
Die Rasuren verlaufen absolut problemlos.

Hier ein Bild des geklebten Messers (man sieht, dass der Riss nicht richtig zusammengedrückt wurde)



Jetzt hat es sich ergeben, dass Standlinie berichtete, dass er ein Filarmonica auf einem Flohmarkt gekauft hat.
Wie sich herausstellte hat die Klinge Risse.
Ich habe davon gelesen, und berichtet, dass ich einmal eine Klinge geklebt hatte.
Standlinie bot mir das Messer als Testobjekt an, und ich sagte sofort ja.

Jetzt habe ich das Messer erhalten, und war doch etwas skeptisch da das Messer drei Risse hat.
Ein Riss Richtung Erl, kurz vor Ende der Klinge (dieser Riss klafft etwas auseinander) und zwei im mittleren bzw. vorderen Bereich (diese sind geschlossen).

Ich hoffe die Risse sind zu sehen, ebenfalls die abgebrochene Spitze (die ganz sicher Smiley)



Ich habe das Messer wie oben beschrieben geklebt.
Einziger Unterschied, ich habe das Messer beim Kleben eingespannt damit ich 2 Hände zum Arbeiten habe.
Bei diesem Messer konnte ich deswegen mit einer Hand den Kleber aufbringen, und mit der Zange in der zweiten Hand den Riss sofort zudrücken.
Die Risse sind fast zu 100% zusammen.
Der hintere Riss ist mit Kleber gefüllt.
Ich habe das Messer geschärft, und getestet.
Die Klebung hält, und man merkt bei der Rasur absolut nichts.
Ich habe vor der zweiten Rasur das Messer noch einmal mit einem Stein bearbeitet (zum testen des Steins) und geledert.
Die Rasur war problemlos, von der Klebung ist nichts zu spüren.
Auch die dritte Rasur verlief ohne Beanstandungen, jetzt aber noch etwas sanfter weil ich das Messer noch mit Paste und Leder bearbeitet hatte.

Hier ein paar Bilder von der Arbeit

Hier die eingespannte Klinge



Zange mit Teflonband



Geklebte Klinge (man sieht schön die Abdrücke der Zange im Kleber, überflüssiger Kleber kann mit Tempo abgenommen werden)





Hinterer Riss


Mittlerer Riss


Vorderer Riss



Fertig geklebte Klinge mit verrundeter Klinge (ausgehärteter Kleber kann natürlich noch entfernt werden)





Garantie gibt es natürlich nicht falls man das nachmachen will, aber versuchen kann man es.
Der bessere Weg ist natürlich die Klinge abzuschreiben, und einfach mir zur Entsorgung zukommen zu lassen  Grinsend Grinsend Grinsend


Viel Spaß dabei!






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Tim Buktu
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Mensch sei großzügig oder stirb! K.Brenner


« Antworten #1 am: 25. Mai 2019, 17:47:49 »

Echt erstaunlich. Dass man die Klinge kleben kann - ok. Aber dass eine geklebte Klinge 25 Rasuren hält, hätte eich nicht gedacht. Lederst Du das geklebte Messer vorsichtiger als andere?
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Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!
alvaro
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Mit sanfter Schärfe glatt!


« Antworten #2 am: 25. Mai 2019, 20:32:07 »

Nein keine Gnade, es hält oder es hält nicht.
Wenn es nicht hält taugt das Ganze eh nicht.
Ich drücke aber auch bei ledern nicht sonderlich fest auf.
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Tim Buktu
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« Antworten #3 am: 26. Mai 2019, 10:01:24 »

Wäre klasse wenn Du berichten würdest wie es sich weiter gibt!
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alvaro
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« Antworten #4 am: 26. Mai 2019, 10:43:09 »

Gerne.
Die 3 Rasur war richtig Spitze, ich habe das Messer noch einmal richtig geledert bzw mit Paste behandelt.
Dadurch wurde die Sanftheit noch etwas gesteigert, aber das hat ja nichts mit dem Geklebten zu tun.
Ich werde immer wieder mal berichten bzw dann berichten wenn es etwas zu berichten gibt.
Wäre ja auch langweilig jeden Tag das gleiche Messer zu benutzen bzw. jeden Tag zu schreiben, dass es nichts neues gibt.
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Standlinie
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« Antworten #5 am: 26. Mai 2019, 21:26:25 »

Eine schöne Arbeit, Alvaro. Habe viel Freude mit diesem nicht nur aufgrund seiner Größe jetzt besonderen Rasiermesser.   Daumen hoch
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Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich 24 Stunden später an nur gering und gleichmäßig nachgewachsenen Bartstoppeln.
alvaro
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« Antworten #6 am: 26. Mai 2019, 22:57:18 »

Herzlichen Dank für deine Wünsche lieber Standlinie, gerade auch weil es ohne dich nicht möglich gewesen wäre.
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Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #7 am: 27. Mai 2019, 00:56:45 »

Wahnsinn, also für mich beginnt damit eine Art neue Zeitrechnung. Hätte alles für möglich gehalten aber das nicht, chapeau   Lächelnd Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch
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KY4400
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« Antworten #8 am: 27. Mai 2019, 18:26:52 »

Ich habe vor einiger Zeit die Klinge meines hier vorgestellten Pumas nach @Alvaros Anleitung geklebt. Der Riss befindet sich fast am hinteren Ende der Klinge. Seitdem habe ich mich ganz überwiegend (bis fast ausschließlich) mit diesem Messer rasiert. Auch habe ich es - ich glaube - drei mal geschärft. Bis jetzt hält die Klinge, und ich verschwenden kaum einen Gedanken daran.
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alvaro
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Mit sanfter Schärfe glatt!


« Antworten #9 am: 29. Februar 2020, 16:03:42 »

Jetzt habe ich ein Messer zum kleben erhalten.
Das Messer hat 2 Risse, einer davon recht groß und Hakenförmig.
Der große Riss klafft etwas auseinander da offensichtlich "Spannung" im Spiel ist.

Jetzt ist das Messer geklebt und scheint zu halten.
(Kann man natürlich erst sagen wenn das Messer wirklich fertig ist)

Um zu erkennen wie die Facette laufen würde habe ich den Rücken abgeklebt und mit einem 1k die Facette angedeutet.
(Da ich noch nicht weiß ob der Besitzer sein Messer zurück möchte habe ich es nicht geschliffen, muss ja einiges ab)

Hier ein paar Bilder.









Mal sehen wie es weiter geht.

Als nächstes kommt ein Messer dran bei dem ein Stück ausgebrochen ist.
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titanus
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« Antworten #10 am: 29. Februar 2020, 17:19:06 »

Tolle Arbeit, Alvaro!   Daumen hoch
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Es ist sinnlos, von den Göttern zu fordern, was man selber zu leisten vermag.

Epikur
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #11 am: 29. Februar 2020, 21:56:44 »

Das sieht aus wie die gehobene Titanic neu vernieten, bin mehr als gespannt aufs Endergebnis  Schockiert Daumen hoch
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alvaro
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« Antworten #12 am: 29. Februar 2020, 22:04:11 »

Das sieht aus wie die gehobene Titanic neu vernieten, bin mehr als gespannt aufs Endergebnis  Schockiert Daumen hoch

 Grinsend Grinsend Grinsend Grinsend
(Aber die Messer oben halten  Daumen hoch)

Das ist der Kleber der dabei leider auf die Klinge kommt.
Ob ich bei dem Messer ein Endergebnis vorzeigen kann weiß ich noch nicht.
Das Messer ist nicht mir, und ich möchte die Klinge nicht runter schleifen nur um zu sehen was dabei heraus kommt.
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MRetro
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« Antworten #13 am: 29. Februar 2020, 22:50:30 »

@alvaro: Wahnsinnsideen und echt tolle Ausführung.  Smiley  Daumen hoch
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Das Leben könnte so einfach sein ... muss es aber nicht.
alvaro
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Mit sanfter Schärfe glatt!


« Antworten #14 am: 29. Februar 2020, 23:41:31 »

Meine nächste Idee ist noch verrückter.
Ich versuche ein ausgebrochenes Stück einer Klinge zu kleben



Erst wir Knetmasse angeformt um die Klinge zu stützen


Dann wird Frischhaltefolie (damit der Kleber nicht auf die Knetmasse läuft) auf die Knetmasse gelegt, und darüber PTFE Band (Teflonband) damit sich nichts verklebt


Dann wird Sekundenkleber aufgetragen und das ausgebrochene Stück eingesetzt.


Dann wird das Ganze mit einer weiteren Lage Knete (ebenfalls wieder auf PTFE Band) stabilisiert.

Und jetzt heißt es warten ob es hält, wenn nicht wird eben Versuch 3 gestartet, der dann mit Sekundenkleber in Gel Form
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