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Autor Thema: Instandsetzung eine alten britischen Personna-Precision-Micrometric-Adjustable  (Gelesen 6831 mal)
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« am: 30. Juni 2018, 21:41:01 »

Instandsetzung eine alten britischen Personna-Precision-Micrometric-Adjustable

Textgliederung
1.  Allgemeine Informationen zum Personna-Precision-Micrometric-Adjustable
2.  Zustand und vorhandene Schäden an meinem Personna-Precision
3.. Zerlegung und Reinigung
4.  Erkenntnisse aus dem Bruchbild der Kunststoffgriffhülse
5:  Instandsetzung
6:  Rasureigenschaften


1.  Allgemeine Informationen zum Personna-Precision-Micrometric-Adjustable
Dieser britischen Rasierhobel aus den 60er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts wurde ursprünglich von der englischen Firma Personna hergestellt. Der Einfachheit halber verwende ich für diesen Text nicht mehr den eben genannten vollständigen Namen, sondern spreche nur noch vom Personna-Precision.
Der Personna-Precision dürfte – bezogen auf den englischen Rasierermarkt – eine Sonderstellung einnehmen. Denn die Briten ersparten sich die Entwicklung eines eigenständischen britischen Rasierhobels mit einstellbarem Rasierklingenspiel, dem so genannten „Adjustable“, und griffen dafür auf die bereits über viele Jahre auf dem Festland bewährte französische Konstruktion „Gibbs-Reglable No. 15“ zurück. Den Gibbs-Reglable gab es dort bereits seit den späten 30er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts.

Der Personna-Precision (siehe Abbildung 1) könnte von seinem nahezu identischen Aussehen her fast ein „Zwillingsbruder“ des Gibbs-Reglable sein, allerdings sind die Einzelteile beider Hobel trotz gleicher Abmessungen untereinander nicht austauschbar. Denn die Passungen und Gewinde sowie die jeweilige Rasierklingenaufnahme stimmen bei beiden Hobeln nicht überein. Unterschiede zwischen dem älteren französischen und dem jüngeren britischen Rasierhobel bestehen auch in der Griffhülse aus Kunststoff und bei der Rasierklingenaufnahme im Hobelkopf. Die französische Griffhülse ist schwarz und die Griffhülse des britischen Hobels ist weiß. Der französische Hobel lässt sich zur Reinigung in alle Einzelteile zerlegen, beim britischen Pendant ist dies dagegen nicht möglich. Weiterhin ist die Skalierung für das Rasierklingenspiel beim Gibbs-Reglable tiefer ausgestanzt, so dass die verschiedenen Zahlen und Indexstriche farblich unterlegt werden konnten. Beim Personna-Precision ist dies nicht möglich.

 


Abbildung 1:  Personna-Precision-Micrometric-Adjustable, die britische Variante des bewährten französischen Vorbildes Gibbs-Reglable No. 15.


Der Personna-Precision benötigt im Gegensatz zum Gibbs-Reglable keine speziellen Rasierklingen mehr. In seinen Hobelkopf können handelsübliche DE-Rasierklingen eingelegt werden. Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt die unterschiedlichen Rasierklingenaufnahmen beim Personna-Precision (linker Bildausschnitt) und beim Gibbs-Reglable (rechter Bildausschnitt).

 


Abbildung 2:  Ansicht der Hobelkopfkonstruktion beim Personna und beim Gibbs mit ihrer unterschiedlichen Zentriervorrichtung für DE-Rasierklingen.


Die Verarbeitung des Personna-Precision ist wie auch beim Gibbs-Reglable hochwertig. Es gab sogar zwei ähnlich aussehende Varianten, eine verchromte und eine nach Ansicht englischsprachiger Rasiererforen vergoldete Ausführung. Mein Personna-Precision scheint dagegen nur aus Messing zu bestehen. Insofern kann ich die Meinung der englischsprachigen Fangemeinde nicht bestätigen.

Wie der Gibbs ist auch dieser Personna konstruktiv bedingt ein kopflastiger Hobel, was für die Rasureigenschaften sehr förderlich ist.

Der Personna-Precision ist gegenüber seinem französischen Zwillingsbruder Gibbs-Reglable No. 15 ein nahezu unbekannter verstellbarer Rasierhobel. Im Vergleich zum französischen Bohin wird er auf Trödelmärkten und auf Onlinebörsen noch seltener angeboten. Die Preise für eine Anschaffung fallen inzwischen auch astronomisch hoch aus. Ich vermute als Grund dafür die sehr wahrscheinlich nur geringe Herstellmenge dieses britischen Adjustables und die nur lokale Verbreitung auf den englischen Inseln. Und sollte man einmal tatsächlich mit viel Glück einen solchen Hobel erwerben – so wie bei mir –, kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass man dann auch noch ein besonders gut erhaltenes Exemplar erhält.


2.  Zustand und vorhandene Schäden an meinem Personna-Precision
Den in diesem Bericht behandelten Personna-Precision habe ich 2012 in England erworben. Vom äußerlichen Zustand her rangierte dieser Hobel allenfalls im mittelmäßigen Bereich. Der Verkäufer hatte diesen Personna nur wenig gesäubert. Außerdem arbeitete die Mechanik des Hobels schwergängig. Die Feder für die Einstellung des Rasierklingenspiels federte nicht mehr richtig, was schon einmal darauf hinwies, dass der Hobel innerlich ziemlich verschmutzt und verkalkt sein musste. Dieser Zustand dürfte sich mehr oder weniger zwangsläufig bei jedem nicht zerlegbaren Rasierhobel einstellen, der in den zurückliegenden 50 Jahren regelmäßig benutzt und nur äußerlich gereinigt wurde. Deswegen habe ich mich dann auch nur dreimal mit meinem Personna-Precision rasiert. Die erzielten Rasurergebnisse ließen hierbei dann keine Wünsche offen, denn dieser verstellbare Hobel rasierte mich auf einem Topniveau.

An allen alten Rasierhobeln werden im Laufe der Jahre in Abhängigkeit vom regelmäßigen Einsatz und von der aufgewendeten Pflege gewisse Abnutzungs- und Alterungserscheinungen entstehen (wie eben beschrieben). So auch bei meinem Personna-Precision. Hier möchte ich als erstes den Hobelgriff aufführen. Der Hobelgriff des Personna besteht aus einer weißen Kunststoffgriffhülse. Der für diese Griffhülse verwendete weiße Kunststoff mag ja von seiner Erscheinung her ganz passabel aussehen, er ist aber nicht alterungsbeständig. Die Kunststoffhülse versprödet mit den Jahren, da sich die Weichmacher des Kunststoffes im Lauf der Zeit verflüchtigt haben. Die Versprödung erkennt man als Risse und als schalenförmige Ausbrüche in der Griffhülse. In den nachfolgenden Abbildungen 3, 4 und 5 wird dieses Schadensbild meines Personna-Precision deutlich sichtbar.

 


Abbildung 3:  Längsriss in der Griffhülse, der unter dem Einfluss von axialen Kräften beim Zuschrauben der Griffschraube und durch Versprödung entstanden ist.

 


Abbildung 4:  Ansicht der in der Griffhülse entstandenen Rissbildungen und Ausbrüche.

 


Abbildung 5:  Deutlich sichtbare schalenförmige Ausbrüche in der mit Ablagerungen versehenen Griffhülse des Personna-Precision.


Die nachfolgenden Abbildungen 6 und 7 zeigen die Folgen des Feuchtigkeitseinflusses auf den Innenflächen des Hobelkopfes und der Griffhülse des Personna-Precision. Da seine Konstruktion eine Zerlegung ausgeschlossen hat, ist eine gründliche Reinigung und Abtrocknung dieser Stellen nicht möglich. Deshalb können in den Hobelkopf und in die Griffhülse eingedrungenes Wasser sowie Seifen- und Rasierschaumreste Korrosionsablagerungen in Form von Grünspan und sonstige Korrosionseinflüsse hervorrufen.

 


Abbildung 6:  Innenkorrosion und Ablagerungen im und am Hobelkopf meines Personna-Precision.

 


Abbildung 7:  Innenkorrosion und Ablagerungen bei meinem Personna-Precision.


Der Personna-Precision kann von seiner Konstruktion her nicht zerlegt werden, was für eine vollständige Reinigung eigentlich unerlässlich ist; ein kleiner Sprengring verhindert die Entfernung der Griffschraube aus der Griffhülse. Dieses Detail habe ich in der nachfolgenden Abbildung 8 zum besseren Verständnis festgehalten. Die Griffschraube des Gibbs-Reglable No. 15 kann im Vergleich zu diesem Hobel herausgezogen werden, da sie über diesen Sprengring nicht verfügt.

 


Abbildung 8:  Ansicht des Sprengringes, der die Griffschraube in der Griffhülse des Personna festhält.


Bei meinem Personna-Precision sind aufgrund seines derzeitigen Zustandes und der vorhandnen Schäden folgende weitere Reparaturmaßnahmen erforderlich:

   - der britische Hobel ist vor allen weiteren Arbeiten zuerst einmal in seine Einzelteile zu zerlegen;
   - alle Einzelteile des Personna-Precision sind einer gründlichen Reinigung zu unterzeihen;
   - die vorhandene Innenkorrosion ist vollständig zu entfernen;
   - die einzelnen Bestandteile des Hobels sind danach auf eine Wiederverwertung zu prüfen;
   - eine neue Griffhülse ist anzufertigen, die dann auch eine Entfernung der Griffschraube zulässt;
   - alle beweglichen Einzelteile des Hobels sind dauerhaft zu schmieren;
   - die Ziffern für den Grad der Rasierklingenverstellung sollen sofern dies möglich ist farblich hervorgehoben werden.


3.  Zerlegung und Reinigung
Meinen Personna-Precision habe ich aufgrund des Schadensausmaßes an der Griffhülse vollständig zerlegen können. Danach erfolgte eine erste Vorreinigung. Aufgrund der gebrochenen Griffhülse war dies auch leicht möglich. Ein Teil des vorhandenen Grünspans und alte Fettrückstände an der Verstellfeder und ihrer Führungsbuchse wurden im ersten Schritt mechanisch entfernt (Zahn- und Drahtbürste). Danach erfolgten zwei ausgiebige Reinigungsbäder in verdünnter Zitronensäure und anschließend in mit Geschirrspülmittel versetztem warmem Wasser. Nach etwa drei Stunden Einwirkungszeit wurden alle gereinigten Einzelteile nochmals mit warmem Wasser abgewaschen und abgetrocknet. Die folgenden Abbildungen 9, 10 und 11 zeigen die einzelnen gereinigten Hobelbestandteile. Gegenüber den in den Abbildungen 6 und 7 sichtbaren unbehandelten einzelnen Komponenten glänzen nun alle Einzelteile des Hobels ähnlich wie bei einem ladenfrischen Hobel. Der über die Zeit eingetretene Verschleiß betrifft eigentlich nur die gebrochene Griffhülse. Der Zustand der Gewinde war einwandfrei.

 


Abbildung 9:  Hobeleinzelteile nach erfolgter Reinigung.

 


Abbildung 10:  Hobeleinzelteile nach erfolgter Reinigung.

 


Abbildung 11:  Hobeleinzelteile nach erfolgter Reinigung.


Die folgende Abbildung 12 zeigt den gereinigten Hobel und seine noch verwertbaren Einzelteile in der Abfolge ihres späteren Zusammenbaus. Die ursprüngliche weiße Kunststoffgriffhülse ist nicht mehr verwertbar und muss deshalb neu angefertigt werden.

 


Abbildung 12:  Zustand der gereinigten unbeschädigten und wieder verwertbaren Einzelteile des Personna-Precision.

 


Abbildung 13:  Ansicht des gereinigten Personna-Precision, hier noch ohne neue Griffhülse.


4.  Erkenntnisse aus dem Bruchbild der Kunststoffgriffhülse
Die schalenförmigen Ausbrüche in der Griffhülse meines Personna-Precision sind für mich zwar eine ärgerliche Angelegenheit, eignen sich aber noch sehr gut dafür, die zum Schaden führende Ursache zu beschreiben. Sehen wir uns dazu die folgende Abbildung 14 einmal näher an.

 


Abbildung 14:  Die Einzelteile der zerbrochenen Griffhülse aus Kunststoff.


Die Abbildung 14 zeigt die einzelnen Bruchstücke der alten weißen Griffhülse aus Kunststoff und die darin vorhandenen Ablagerungen. Die Bruchränder an den abgeplatzten Schalen sind deutlich erkennbar. Hierbei ist auffällig, dass bei allen Bruchstücken nahezu gleiche Bruchrichtungen auftreten. Der Winkel für diese Bruchrichtung liegt bei etwa 45o. Für die meisten Leser dieses Textes mag dieser Hinweis uninteressant erscheinen. Für diejenigen aber, die sich mit der Technischen Mechanik und mit Festigkeitshypothesen beschäftigen, möchte ich auf den MOHRschen Spannungskreis hinweisen. Dort werden in bestimmten Schnittrichtungen auftretende Extremwerte für Normal- und Schubspannungen dargestellt. Für die Beurteilung der Tragfähigkeit eines technischen Bauteils sind gerade diese in bestimmten Schnittrichtungen auftretenden Extremwerte dieser Spannungen von großer Bedeutung. Und diese Extremwerte treten in der Regel immer unter einem Winkel von 45o auf.

Die Bruchrichtung der Ränder an den Bruchstücken der Griffhülse weist demnach auf eine einwirkende Schubspannung hin. Wie es darüber zum Bruchschaden gekommen ist, möchte ich wie folgt beschreiben.

Beim Zuschrauben der Griffschraube werden axial gerichtete Druckkräfte auf die weiße Kunststoffgriffhülse übertragen, durch die dann Schubspannungen im Kunststoffwerkstoff entstehen. Dieser Belastungszustand ist für den Personna-Precision und auch für jeden anderen zwei- oder dreiteiligen Rasierhobel völlig normal und tritt in der Regel einmal am Tag vor der Rasur auf. Allerdings hängt die Größe dieser Druckkraft vom Grad des Zuschraubens ab. Man kann die Griffschraube nur leicht festziehen, was dann zu einem geringen und noch zulässigen axialen Belastungszustand führt. Man kann die Griffschraube aber auch ganz fest anziehen, was ich nicht empfehlen möchte, denn die Erfahrung hat den Lehrspruch geprägt, dass nach „fest“ in der Regel ein „ab“ kommt. Das heißt, nach einem zu starken „Festziehen“ kommt dann ein sofortiger „Abbruch“. Und dieser Zustand wird ja nicht gewünscht.
Die Belastung beim Zuschrauben der Griffschraube beansprucht bei zwei- und dreiteiligen Hobeln in erster Linie das Gewinde der Hobelkopfplatte. In Abhängigkeit von der Materialhärte der Gewindestange können die Gewindegänge durch das zu starke Zuschrauben der Griffschraube überdehnt und damit beschädigt werden. Nicht selten ist dies dann besonders bei älteren und alten regelmäßig benutzten Rasierhobeln daran zu erkennen, dass ein Hobelgriff beim Zuschrauben des Hobels wackelt, weil nicht mehr alle ursprünglichen Gewindegänge belastet werden. Das Gewinde ist hier umgangssprachlich ausgedrückt „ausgelutscht“. Alte Rasierhobel aus Zinkdruckguss weisen dieses Schadensbild regelmäßig auf (z.B. Rotbarthobel).

Beim Personna-Precision werden beim Zuschrauben der Griffschraube sowohl das Gewinde der Hobelkopfplatte als auch die Griffhülse belastet. Letztere besteht aus Kunststoff und weil dieser Werkstoff gegenüber der Gewindestange des Hobelkopfes (Messing) weich reagiert, wirkt sich die Druckbelastung eher gering aus. Mit zunehmendem Alter des Hobels verflüchtigen sich jedoch die Weichmacher des für die Griffhülse verwendeten Kunststoffes. Das Material versprödet hierdurch allmählich und die ursprünglich noch zulässige Belastung lässt nach. In der Kunststoffgriffhülse entsteht erst dann ein Schaden (erste Längsrisse, danach Materialausbrüche), sobald die Schubspannungen einen für den Griffkunststoff zulässigen Spannungshöchstwert überschreiten. Und dieser zulässige Spannungshöchstwert wird durch die fehlenden Weichmacher im Kunststoff herabgesetzt. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, wann sich ein Schaden in der Form eines schalenförmigen Ausbruches bildet, wie er in der Abbildung 5 zu erkennen ist. Die Festigkeitslehre bezeichnet den sich bildenden Schaden als so genannten Ermüdungsbruch.

Die alte und aus weißem Kunststoff bestehende Griffhülse war also nicht mehr zu verwenden und musste durch eine neue Griffhülse ersetzt werden, wenn ich meinen Personna-Precision wieder für Nassrasuren einsetzen wollte. Diese Tatsache führte dann bei mir auch zu der Abwägung, ob ich die Griffhülse dann nicht auch einfach verlängern könnte, um so die Handlichkeit und Führigkeit meines Personna-Precision während der Rasur zu steigern. Hier möchte ich anmerken, dass ich in all den zurückliegenden Jahren den Eindruck gewonnen habe, dass mir meine Nassrasuren besonders gut gelingen, wenn der jeweils eingesetzte Rasierhobel einen längeren Griff aufweist. Die für mich ideale Hobelgrifflänge entspricht nach meiner Erfahrung der Breite meiner vier nebeneinander gelegten Finger. Bei meinen Fingern sind dies genau 8,5 cm. Ist der Hobelgriff dagegen kürzer, muss ich mich bei meinen Rasuren wesentlich mehr konzentrieren.

Ich habe daraufhin meine Entscheidung getroffen und habe die Griffhülse meines instand zu setzenden Personna-Precision einfach etwas länger ausfallen lassen. Hierbei hat mir ein alter und stark beschädigter Gillette Old-Type aus meiner Ersatzteilkiste geholfen, dessen Griffschraube idealerweise länger ausfiel als die Originalgriffschraube des Personna und beide Griffschrauben über ein identisches Innengewinde verfügten. Die mir so zur Verfügung stehenden zwei Alternativen für eine Griffschraube werden in der nachfolgenden Abbildung 15 gezeigt.

 


Abbildung 15:  Griffschraubenalternativen für den Personna-Prcision.


Mit der Griffschraube des Gillette Old-Type wird der Hobelgriff des Personna-Precision zukünftig genau 8,4 cm lang werden. Den Unterschied in der Grifflänge zeigt die Abbildung 16.

 


Abbildung 16:  Darstellung des Personna-Precision mit der abgeänderten und längeren Griffschraube.


5.  Instandsetzung
Für die Anfertigung der Griffhülse habe ich eine Gardinenstange aus Aluminium verwendet. Sie hatte denselben Außendurchmesser wie die originale Griffhülse, was die Bearbeitung erleichtert hat. Ich musste nur noch die vorhandene Innenbohrung der gekürzten Gardinenstange auf der Drehbank an die Durchmesser der Gewindehülse des Hobelkopfes und der Old-Type Griffschraube anpassen. Die Gewindehülse habe ich mit Sekundenkleber eingeklebt. Über die Griffschraube habe ich noch einen zusätzlichen O-Ring aus dem Sanitärfachhandel geschoben, der die auftretenden Axialkräfte der Griffschraube beim Zuschrauben des Hobels dämpfen und die Griffhülse gegen Feuchtigkeit abdichten soll. Das Ergebnis meiner Arbeit zeigen die Abbildungen 17 und 18. Der Personna ist so wieder in einem rasurbereiten Zustand, wenn eine neue Rasierklinge eingelegt wird. Geschmiert wurden alle beweglichen Teile mit Vaseline.

 


Abbildung 17:  Ansicht des instand gesetzten Personna-Precision mit neuer Griffhülse aus Aluminium von rechts.

 


Abbildung 18:  Ansicht des instand gesetzten Personna-Precision von links.


Die Zahlen und Indexstriche für die Rasierklingeneinstellung konnte ich nicht mit Farbe hervorheben, da die Ausstanzungen am Hobelkopf werksseitig dafür nicht tief genug erfolgt sind. Ich habe aber die Ablesbarkeit der Rasierklingeneinstellung durch eine verbesserte Ablesemarke gesteigert. Werksseitig war die Einstellschraube dafür nur mit einer winzigen Bohrung versehen worden, die zudem noch nicht einmal eine farbliche Kennzeichnung erhielt. Die jeweilige Ablesung des eingestellten Rasierklingenspiels war deshalb ursprünglich nur schwer zu erkennen. Mit der von mir angebrachten und farblich noch hervorgehobenen Indexmarke (Kopfteil einer Nadel) ist die Ablesung des eingestellten Rasierklingenspiels nun sehr einfach und übersichtlicher (siehe hierzu die Abbildung 19). Dazu war es erforderlich, die vorhandene kleine Bohrung zu vergrößern und zu vertiefen, in die dann eine eingekürzte Nadel eingeklebt wurde.

 


Abbildung 19:  Ablesemarke an der Einstellschraube für das Rasierklingenspiel beim Personna (links) und beim Gibbs-Reglable (rechts).


Die folgenden Abbildungen 20, 21 und 22 zeigen das Endergebnis meiner Arbeit. Der Personna-Prcision ist wieder einsetzbar. Zum Vergleich seines jetzigen Zustandes habe ich einen Gibbs-Reglable No. 15 danebengelegt. Die Veränderung der Hobellänge beim Personna ist deutlich erkennbar. Er ist nur etwa 1,5 cm länger geworden.

 


Abbildung 20:  Ansicht des Personna-Precision und des Gibbs-Reglable von schräg oben.

 


Abbildung 21:  Ansicht des Personna-Precision und des Gibbs-Reglable von der Seite.

 


Abbildung 22:  Ansicht der Griffhülsen des Personna (unten) und des Gibbs-Reglable (darüber).


6:  Rasureigenschaften
Nach erfolgreich abgeschlossener Instandsetzung des Personna-Precision war ich natürlich auch darauf gespannt zu erfahren, wie es sich denn mit dem wiederbelebten Personna rasieren lässt. Würde ich möglicherweise einen Unterschied feststellen können? Wie liegt der Hobel jetzt in der Hand und wie lässt er sich mit feuchten Fingern festhalten? Gibt es eventuelle Einbussen gegenüber der ursprünglichen Führigkeit? Rasiert dieser Hobel nach wie vor noch gründlich?

Der Personna-Precision ist nach wie vor ein echtes Sahnestück geblieben. Er liefert mir Toprasuren auf höchstem Niveau. Die erzielten Rasurergebnisse entsprechen meinen Erwartungen. Der Hobel hat seine ursprüngliche Kopflastigkeit beibehalten, trotz des längeren Hobelgriffes. Und er wiegt nur 4 gr. mehr als die ursprüngliche schadhafte Hobelvariante. Das aktuelle Gewicht beträgt nun 75 gr.. Dank des längeren Griffes meine ich, dass er sogar noch führiger geworden ist. Dieser Eindruck ist aber eher subjektiv zu sehen, denn ich hatte mich ja ursprünglich nicht oft mit meinem Personna-Precision rasiert. Und selbst mit feuchten Fingern gehalten, rutscht mir der Personna mit seiner Griffhülse aus Aluminium nicht aus den Fingern. Die Hobelinstandsetzung war erfolgreich und hat sich bei diesem besonderen Rasierhobel gelohnt.
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Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich 24 Stunden später an nur gering und gleichmäßig nachgewachsenen Bartstoppeln.
Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #1 am: 30. Juni 2018, 23:39:19 »

Ein wunderbarer Bericht über einen herrlichen Hobel und seiner Wiederauferstehung  Lächelnd Daumen hoch Daumen hoch
Vielen herzlichen Dank dafür!!!

Der Hobel wie er nach der Restaurierung aussieht ist glatt noch schöner als der alte wie ich finde, der Verlust der Zweiteiligkeit ist kein wirklicher Verlust, als Dreiteiler ist er mit Sicherheit keinen Deut schlechter, ich möchte vermuten, dass er jetzt etwas ausgewogener ist (wobei mir die Kopflastigkeit des Gibbs bisher noch nie so wirklich aufgefallen ist).
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