gut-rasiert
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Autor Thema: Modifizierung eines Wilkinson-Classic zum Wilkinson-Classic Adjustable  (Gelesen 1058 mal)
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« am: 11. September 2017, 22:35:47 »

Modifizierung eines Wilkinson-Classic zum Wilkinson-Classic Adjustable

Der Wilkinson-Classic dürfte für viele Mitglieder unseres Rasiererforums ein alter Bekannter sein. Sehr oft wurde die spätere Hobelkarriere gerade mit diesem Hobel begonnen. Und trotzdem ist sein Ruf relativ verpönt. In den Beiträgen zu diesem Hobel liest man Begriffe wie Plastikhobel mit vielen Produktionsrückständen (Kunststoffgrate), mittelmäßiges Rasurverhalten, mittelmäßige Haptik, rasiert zu sanft und ohne Rückmeldung, usw., usw..

Auch ich bin/war mit den Rasureigenschaften dieses in meinen Händen viel zu sanft und relativ rückmeldungslos rasierenden Plastikhobels nicht zufrieden gewesen, so dass ich mich dazu entschlossen habe, meinen Wilkinson-Classic dahingehend zu modifizieren, dass aus dem für mein Empfinden zu sanften Schätzchen ein ernst zu nehmendes Schätzchen werden sollte. Meinen ursprünglichen Wilkinson-Classic habe ich daraufhin zu einem Wilkinson-Classic Adjustable umgebaut oder modifiziert. Die Umsetzung dieser Idee beschreibt der nachfolgende Text.

Als Grundgedanke für die von mir vorgenommene Modifizierung diente mir die in unserem Forum bereits an vielen Stellen besprochene Veränderung des Rasierklingenspiels. Vergrößert man das ursprüngliche Rasierklingenspiel eines Hobels, verändern sich hierdurch die Rasureigenschaften von ursprünglich sanft bis hin zu gewollt aggressiv. Hobelbeispiele dafür gibt es genug, ich erwähne dazu nur den Merkur Progress und die Gillette Adjustables.

Die technische Konstruktion des Wilkinson-Classic sieht nur ein fest vorgegebenes Rasierklingenspiel vor. Die Rasierklinge wird in den Hobel eingelegt, der Griff zugeschraubt und das war es dann auch schon. Allerdings lassen die Kunststoffteile des Hobels aufgrund ihrer Werkstoffeigenschaften eine gewisse Elastizität zu, so dass die einmal eingelegte Rasierklinge auch dann noch im Hobelkopf bewegungsfrei eingespannt bleibt, wenn man den Hobelgriff eben nicht ganz zudreht. Damit kann der Hobelgriff in einem gewissen Rahmen kontrolliert aufgedreht werden mit der Folge, dass sich hierdurch der lichte Abstand zwischen der Klingenschneide und der Schaumleiste der Hobelgrundplatte vergrößert. Das Rasierklingenspiel kann so nach eigenem Belieben variabel verändert werden.

Für die technische Umsetzung des eben beschriebenen Vorgangs wird eine alte oder neue Rasierklinge in den Wilkinson-Classic eingelegt und der Griff zugeschraubt. Das Rasierklingenspiel ist in dieser von der Konstruktion her vorgegebenen Einstellung eher zu gering. Dann wird der Hobel in dieser Stellung in einem Schraubstock eingespannt und auf der Grundplatte des Hobels und dem Griff zwei gegenüberliegende kleine Markierungen angebracht (Abbildung 1). Auf diese Weise habe ich die Nullstellung der Rasierklinge – also das kleinste mögliche Rasierklingenspiel bei meinem Hobel – festgelegt.

 

Abbildung 1:  Montage zweier gegenüberliegender Markierungen auf der Grundplatte und auf dem Hobelgriff.


Die Markierungen bestehen hier aus zwei kleinen Löchern, die ich mit einem Bohrer und Kugelfräser gebohrt habe. Um diese kleinen Markierungen beim Aufdrehen der Griffstange später besser sehen und auch unterscheiden zu können, habe ich die kleinen Vertiefungen zusätzlich mit roter Lackfarbe von Revell aufgefüllt. Es kann dafür auch ein Humbrollack oder einfach nur Nagellack verwendet werden (Abbildung 2).

 

Abbildung 2:  Vergrößerung des Rasierklingenspiels durch Aufdrehen des Hobelgriffes um eine Viertelumdrehung.


Die Rasureigenschaften meines Wilkinson-Classic Adjustable reichen mir für mein Empfinden bereits aus, wenn ich den Hobelgriff nur um eine Vierteldrehung aufdrehe. Wem das nicht ausreicht, muss dann noch weiter aufdrehen. Die Abbildung 2 zeigt meine persönliche Idealstellung.

Ich wünsche allen Nachahmern dieser Modifizierungsidee viel Freude mit ihrem Wilkinson-Classic Adjustable.
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Onkel Hannes
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« Antworten #1 am: 11. September 2017, 22:57:37 »

Ich hatte so etwas einmal mit einer Feder probiert, die die Klinge nach oben gegen den Deckel drückt, und dazu die mittleren Stege am Dorn des Deckels entfernt. Das funktioniert aber nicht richtig, und auch eine passende Feder zu finden, oder gar selbst eine zu biegen, ist kein einfaches Unterfangen.

So nutze ich dieses oben vorgestellte Verfahren (ohne Feder) schon seit langer Zeit unter der Dusche für die Körperrasur, wenn auch ohne besondere Markierungen, dafür mit wackeliger Klinge, wegen der nun weniger ausgeprägten Stabilisierung um deren Hochachse. Man kann die Stellung sehr leicht auf der Haut "erfühlen", und nach ein paar Mal hat man den Dreh ohnehin raus, sozusagen.

Vorteil: der bei längeren Haaren leicht verstopfende Hobel ist nun gut auszuspülen.
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« Antworten #2 am: 12. September 2017, 11:46:07 »

Hier noch eine zusätzliche Erklärung zur Einstellung des Rasierklingenspiels beim Wilkinson-Classic Adjustable. In Abhängigkeit von der jeweiligen Einstellung braucht sich dieser modifizierte Hobel überhaupt nicht mehr hinter den Rasurergebnissen eines Merkur Progress oder Futur oder hinter anderen Adjustables wie Gibbs, Le Coq, Erfa und andere zu verstecken:

Abbildung 1:  Die Markierungspunkte stehen sich bei einer eingelegten Rasierklinge gegenüber; dies ist die so genannte Nullstellung oder die Einstellungsstufe 0o
Abbildung 2:  Die Markierungen sind um eine Vierteldrehung versetzt. Die Einstellungsstufe beträgt hier 90o

Stellt man den Wilkinson-Classic auf die Stufe 90o ein, kann der ein oder andere die anschließende Rasur als sehr direkt und entsprechend gründlich empfinden. Es geht aber auch angenehmer, wenn ich die Rasierklingenspalteinstellung zuvor erst einmal etwas zurücknehme und nur auf die Stufe 60o einstelle. So bleibt es also jedem selbst überlassen, die für sich passende Einstellung auszuloten. Onkel Hannes hat das ja eben auch schon erwähnt.

Mit der vorgenommenen Modifizierung wird der Wilkinson-Classic zum billigste Adjustable, den man auf dem riesigen Rasierhobelmarkt überhaupt erwerben kann.
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saafespatz
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Dickhäuter !


« Antworten #3 am: 12. September 2017, 13:35:16 »

Ich hatte so etwas einmal mit einer Feder probiert, die die Klinge nach oben gegen den Deckel drückt, und dazu die mittleren Stege am Dorn des Deckels entfernt.....

https://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,33189.0.html

... da fiel mir sofort mein John Henry ein, Onkel Hannes.
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Königsblaue Grüße

saafespatz


"Hat jemand gesagt, dass Hobbys billig sein müssen ?"

"Herr Kuzorra, warum trugen Sie damals so lange Hosen beim Fußball?" "Weil wir so lange Dödel hatten!"
Onkel Hannes
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« Antworten #4 am: 12. September 2017, 14:12:00 »

Die Feder würde aber beim Wilkinson anders wirken, von unten direkt auf die Klinge. Sie würde auf dem Dorn des Deckels sitzen und im Griff verschwinden, wo sie auf einem Rand in der Bohrung für den Dorn aufsitzen würde.
Ich habe das Projekt mangels passender Feder nicht fortgeführt, den Zettel mit den erforderlichen circa-Maßen finde ich nicht. Ich kann bei Gelegenheit einmal ein Bild meines modifizierten Deckels einstellen, damit vielleicht das etwas umständlich ausgedrückte Prinzip klarer wird. Es wäre ähnlich einem Kugelschreiber, wo sich die Feder um die Mine windet.

Aber wie auch Standlinie es schildert, es geht in gewissen Grenzen auch ohne Feder. Ich verwende den WC nunmehr seit Jahren so. Die Praxis mit den untergelegten, abgeschnittenen Klingen zur Vergrößerung des Klingenspalts hatte ich recht schnell wieder verworfen, denn die vielen für eine gewisse Agressivität notwendigen Abstandshalter verkomplizierten dann den Klingenwechsel. So kam irgendwann die Idee mit der Feder.

Die Idee mit den rot gefärbten Indexpunkten gefällt mir sehr gut, weil man die Einstellung somit "meßbar" machen kann. Ein Fortschritt, gerade bei der großen Steigung des groben Gewindes, bei dem bereits eine geringe Verstellung große Unterschiede im Klingenspalt bewirkt.
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sandoval
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« Antworten #5 am: 12. September 2017, 17:43:57 »

Danke Standlinie für den Bericht.
Persönlich würde ich nie so einen Aufwand für den WC verwenden. Habe genug andere, gut funktionierende Rasierer.
Meine Erfahrungen mit dem WC liegen aber auch schon ca 30 Jahre zurück.

ABER: wo ich mir den Hinweis hilfreich vorstellen kann ist, wenn man sich unterwegs, Urlaub oder so, einen WC als Ersatz zulegen will muss.
Zwei Fragen hätte ich aber dazu.
Dreht der Griff sich nicht weiter auf, da er ja nicht festgezogen ist?
Ist die Klinge fest genug eingespannt? Hatte mal im Parker99 ein Erlebniss als die Klinge nicht wirklich fest eingespannt war und geflattert hat. Ging damals blutig aus!
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« Antworten #6 am: 12. September 2017, 18:11:54 »

Danke Standlinie für den Bericht.
Persönlich würde ich nie so einen Aufwand für den WC verwenden. Habe genug andere, gut funktionierende Rasierer.
Meine Erfahrungen mit dem WC liegen aber auch schon ca 30 Jahre zurück.

ABER: wo ich mir den Hinweis hilfreich vorstellen kann ist, wenn man sich unterwegs, Urlaub oder so, einen WC als Ersatz zulegen will muss.
Zwei Fragen hätte ich aber dazu.
Dreht der Griff sich nicht weiter auf, da er ja nicht festgezogen ist?
Ist die Klinge fest genug eingespannt? Hatte mal im Parker99 ein Erlebniss als die Klinge nicht wirklich fest eingespannt war und geflattert hat. Ging damals blutig aus!

Wenn man den Griff zudreht, entsteht schon nach kurzer Zeit ein gewisser Widerstand durch Reibung, die wohl nur mit dem Kunstoffmaterial und der groben Steigung der Gewindestange zu begründen ist. Man dreht dann einfach gefühlvoll weiter, bis das die Klinge fest eingespannt ist. Also ein ganz normales Zudrehen eben. Aber es gibt ja auch Grobmotoriker, für die dann sehr leicht gelten könnte "nach fest kommt ab", das heißt, beim Zudrehen drehe ich eben nicht mit aller Gewalt zu sondern nur gefühlvoll. Und aufgrund der Reibung kann dann auch nichts flattern. Bei einem Metallhobel geht das nicht, denn metallische Werkstoffe reagieren im Vergleich zum Kunststoff nur untergeordnet elastisch. 
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Onkel Hannes
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« Antworten #7 am: 12. September 2017, 18:30:47 »

Dreht der Griff sich nicht weiter auf, da er ja nicht festgezogen ist?

Nein, bzw. selten. Grund: relativ hohe Reibung zwischen den Kunststoffteilen. Je weiter offen er ist, umso größer allerdings die Gefahr, daß er sich weiter öffnet.

Zitat
Ist die Klinge fest genug eingespannt?

Man kann nur bis zu einem gewissen Grad aufdrehen, dann fängt sie in der Tat zu flattern an, was ein Grund für meine Federüberlegung war. Aber so weit wird man nur in Ausnahmefällen aufdrehen wollen, da der Hobel schon bei geringerem Aufdrehen ziemlich zupackend wird.
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wiese
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« Antworten #8 am: 12. September 2017, 19:53:33 »

Was ihr noch nicht berücksichtigt habt: Durch das Anheben des Deckels verändert sich die Wölbung der Klinge und damit der Winkel auf der Haut. Der wird nämlich steiler, die Klinge schabt also mehr. Um die Klinge in den Deckel zu drücken hat der WC dazu extra zwei schmale Leisten auf der Grundplatte und im Deckel dazu passende Nuten. Die Konstruktion des WC ist schon sehr gut durchdacht. Auch eine Feder in der Mitte wird diese Funktion nicht so gut machen können wie die beiden Leisten. Eine möglichst weit abgeschnittene Klinge macht die Sache schon besser. Es müssen nur die schmalen Leisten selbst erhöht werden, damit die Krümmung gut erzeugt wird. Mir ist der WC eigentlich gründlich genug, ich empfinde ihn aggressiver als den 23c.
« Letzte Änderung: 12. September 2017, 20:05:32 von wiese » Gespeichert
Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #9 am: 12. September 2017, 20:23:02 »

Mhh, könnte da eine Feder ausm Gibbs Reglable nicht passen?
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« Antworten #10 am: 12. September 2017, 22:27:57 »

Mhh, könnte da eine Feder ausm Gibbs Reglable nicht passen?

Die Feder des Gibbs ist für einen Wilkinson-Classic viel zu groß, denn sie hat keinen ausreichenden Platz im Hobelkopf.
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