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Autor Thema: Instandsetzung eines Grah&Plümacher "Gotta" oder: Pleiten, Pech & Pannen...  (Gelesen 2356 mal)
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Waldi
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Beiträge: 176



« am: 20. M?rz 2016, 20:49:25 »

Aus einem Frisörnachlass stammt dieses Messer von Grah&Plümacher.



Die Klinge schien mir noch ordentlich Substanz zu besitzen, die Ätzung sieht noch ganz gut aus, nur an dem - sagen wir: zweckmäßigen - Kunststoffheft war eine Schale zerbrochen. Ich habe die Klinge aus dem Heft gelöst und gereinigt (die "Kratzer" sind Ölschlieren).



Ich habe dann meinen ersten, ärgerlichen Fehler gemacht: ich habe die Schneide, die im hinteren Drittel zum Erl hin einen knappen Milimeter anstieg, durch "Schlittschuhlaufen" begradigt. Das sollte dazu führen, daß die Schneide beim Schärfen gleichmäßig Kontakt zum Stein hat und es mir so möglich ist, eine schöne grade Facette zu setzen.

Dabei habe ich aber den Rücken des Messers zu wenig beachtet. Bereits nach 20, 30 Schüben pro Seite zeigte sich, daß das Messer auf der einen Seite nur am Kopf und vor dem Erl auf dem Stein liegt, auf der anderen nur in der Mitte. Ich dachte zunächst, die Klinge sei verzogen, die (spätere) Schneide ist aber gerade. Dafür ist der Rücken deutlich stärker verschliffen, als ich zunächst gesehen habe. Auf einer Seite ist in der Mitte sehr viel weg, auf der anderen vorn und hinten. Das bildet sich entsprechend auf der Schneide ab.





Ich hätte das Messer besser als erstes auf den Stein gesetzt und nach ein paar Probeschüben beobachtet, wie sich die Facette entwickelt. Vielleicht wäre alles gut gewesen.
Da der Schneidenwinkel mit gut 16° eh recht klein ist, will ich nun versuchen, den Verschliff am Rücken mit zwei Lagen Elektrotape zu egalisieren (der Winkel dürfte dann bei 17°-18° liegen). Schön wird die Facette jetzt sicher nicht mehr, aber vielleicht bekomme ich das Messer wenigstens noch rasurbereit.

Die oben gezeigte Abbildung habe ich an Revisor geschickt und um Empfehlung eines passenden, günstigen Heftes gebeten. Das Heft, das mir geschickt wurde, war dann aber leider deutlich zu lang und für die schmale Klinge recht wuchtig (selbst nach Bearbeitung immer noch breiter, als die an meinem 6/8" Regilo...). Ich habe das Heft deshalb gekürzt und auch etwas schmaler geschliffen. Beim nächsten Mal würde ich da durchaus noch mehr runternehmen. Dann habe ich mir die Bohrung für die Nietstelle am Gelenk angezeichnet, 4mm Pappelsperrholz zwischen die Schalen gelegt (damit die Bohrung gerade wird) und an der Standbohrmaschine gebohrt. Dann habe ich die Klinge provisorisch befestigt. Sah bis dahin alles ganz gut aus... .

Dann fing der Ärger an, in erster Linie aber durch eigenes Verschulden: da die Erlbohrung der Klinge gute 2mm Durchmesser hat, wollte ich diese mit 2mm Rundmaterial und passenden Scheiben vernieten. Aber ich wollte keine zwei unterschiedlichen Nietstellen (die man beim ersten Versuch ja vielleicht einfach mal hätte in Kauf nehmen können Augen rollen).

Ich habe also die Nietstelle am Keil vorsichtig abgefeilt. Leider tat mir der Niet nicht den Gefallen, sich nach dem Lösen der Rosette auch ziehen zu lassen. Ich habe zunächst versucht, die lose Schale (an die andere war der Keil angeleimt) vorsichtig etwas hochzuhebeln und den Niet durch den entstehenden Spalt zu zersägen. Eine selten blöde Idee! Trotz großer Vorsicht habe ich dabei den Keil beschädigt. Ich habe das sofort wieder abgebrochen und versucht, den Niet auszubohren. Dabei ist mir trotz Ankörnens der Bohrer verrutscht. Ärgerlich Glücklicherweise sieht man beides am fertigen Messer nicht (letztere Schadstelle wird durch die neue Rosette abgedeckt).

Und so ging es dann lustig weiter: als Rosetten habe ich Messingscheiben M2, 0,3mm stark benutzt. Damit diese gefälliger aussehen, habe ich sie auf ein Weichholzbrett gelegt und vorsichtig mit dem Körner bearbeitet, damit sie leicht parabolförmig werden. Bei meinen Übungsnieten mit Restholzstücken hat das tadellos funktioniert und sah recht hübsch aus. Auf der ersten Seite ging das auch gut, dann habe ich die andere Seite bearbeitet - und plötzlich hatte mein fast fertiger Nietkopf wieder 3/10mm Spiel. Was war passiert? Auf der fertigen Seite hatte die aufgebauchte Scheibe ohne Vorankündigung (leider nicht graduell) die Grätsche gemacht und war plötzlich wieder flach. Grund ist wahrscheinlich, daß die verwendeten Scheiben mit 0,3mm einfach zu fein sind, um die Spannung zu halten, selbst wenn man sehr vorsichtig hämmert.

Jedenfalls hatte ich dadurch nun natürlich viel zuviel Material überstehen. Als die Nietstelle endlich stramm war, hatte ich auf einer Seite einen übergroßen Pilz mit Ausbrüchen, die anders sah auch nicht wesentlich besser aus. Hässlich, hielt aber. Hätte ich das mal so gelassen... .

Ich war aber unzufrieden, habe den Kopf abgefeilt und den Niet vorsichtig ausgetrieben. Ende vom Lied: Keil mittig gebrochen Schockiert. Ich habe dann Ponal zuhilfe genommen (in die Bohrung ein Stück Nietmaterial gesteckt), die Bohrungen am Gelenk gefluchtet und die Sache für den Tag beendet. Lag einfach kein Segen drin.

Als ich heute die Schraubzwinge löste, die nächste böse Überraschung: Keil und Schalen nicht mehr bündig, Rundmaterial schräg in der Bohrung Augen rollen. Dadurch natürlich alles nicht mehr richtig zueinander positioniert. Ich habe einfach die Kanten am Ende des Heftes etwas beigeschliffen und diese Seite neu vernietet, dieses Mal mit flachen Scheiben. Dann habe ich die Klinge eingesetzt, mit zwei aufgerauhten Scheiben innen, damit man das Erllager besser trocknen kann.

Hier das Ergebnis:





Nach dem ganzen Heckmeck sitzt die Klinge natürlich nicht mehr Mittig, sie schließt aber noch, ohne die Schale zu berühren.

Ich würde das aber jetzt erstmal so lassen, es sei denn jemand hat noch konkrete Tips, wie ich die Klinge noch etwas besser ausrichten kann.

Zwischendurch war ich ganz schön sickig, inzwischen buche ich es aber schlicht unter Lehrgeld, ich habe viel gelernt und beim nächsten Mal wird es wohl besser klappen. Ich freue mich über Tips, Anregungen und Manöverkritik!

Weiter geht es nun auf den Steinen, bin gespannt, ob es abgeklebt mit dem Setzen der Facette besser klappt.

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Senser
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« Antworten #1 am: 03. April 2016, 15:44:10 »

also, wenn Du schon bei Revisor kaufst, warum dann nicht auch die Niete und die Rosetten?
Und die Klinge ohne Not zu begradigen ist wohl gar keine gute Idee. Wozu soll das denn gut sein? Du wirst suf diesem Planeten kein Messer finden, welches von einem Profi völlig gerade geschliffen daher kommt. Und wenn doch, dann kommt das Ding von einem Stümper.
Gruß Senser
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Waldi
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« Antworten #2 am: 03. April 2016, 19:09:18 »

Hallo Senser,

vielen Dank für die offenen Worte. Ich will gern dazu lernen, deshalb habe ich ja recht schonungslos geschrieben, was ich bei meinen ersten Gehversuchen gemacht habe.

Zu Deinen Fragen bzw. Anmerkungen: das Heft habe ich bei Revisor bestellt, weil es die einzige Quelle war, die ich fand. Die mitgeschickten Nieten habe ich nicht verwendet, weil, wie ich schrieb, die Erlbohrung gute 2mm Durchmesser hat, die Revisor-Nieten aber nur 1,3 oder 1,4mm Durchmesser haben. Ich hatte hier noch gefragt, aber leider keine Antwort bekommen. Da hier und an anderer Stelle davon geschrieben wurde, daß zT die Erlbohrungen, wenn Sie zu weit sind, mit irgendetwas ausgefüllt und die ausgehärtete Masse dann neu gebohrt wird, bin ich auf 2mm Messingdraht gegangen.
Auch das begradigen der Klinge durch "Schlittschuhlaufen" ist keineswegs auf meinem Mist gewachsen sondern erschien mir nach Lektüre vieler alter und neuerer Fäden zum Thema als Mittel der Wahl zur Begradigung von von "Stümpern" rund geschliffenen Messern. Unentschlossen

Das lächelnde Klingen bei bestimmten Messern normal sind und diese auf keinen Fall begradigt werden dürfen habe ich durchaus auch mitgenommen, daß schien mir bei dieser Klinge aber nicht der Fall zu sein. Da ich das Schleifen solcher Klingen noch erheblich anspruchsvoller finde, wollte ich es zu Beginn nicht zu kompliziert machen. Hinzu kommt, daß ich nach dem 1000er auf GBB gearbeitet habe, die auf Schiefer aufgeklebt sind und unsicher war, ob ich die hochkant benutzen kann (das ist ja auch bei Kombisteinen nicht ganz einfach - grob geht, fein ja nicht, weil man immer auch die grobe Seite beschleift).

Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, daß ich in einem zweiten Fall, dem noch recht gut erhaltenen Wiener Schaber aus demselben Konvolut, versucht habe, die leicht lächelnde Klinge so zu schleifen, wie hier beschrieben (2. swaying x-stroke). Das Ergebnis war aber mäßig, weil hier der Rücken als "Halt" ausfällt und man den Schneidenwinkel quasi freihändig halten muss - dafür ist natürlich noch mehr Übung nötig, als so schon.

Das nur zur Erklärung, warum ich so angefangen habe. Die Punkte, die ich falsch gemacht habe, zu benennen ist schonmal eine große Hilfe. Wenn Du bei Gelegenheit noch ein paar Worte schreiben könntest, wie ich es besser machen kann wäre das natürlich super. Den Hinweis, die Steine in so einem Fall hochkant zu legen, habe ich schonmal verinnerlicht.
« Letzte Änderung: 03. April 2016, 19:13:50 von Waldi » Gespeichert
Senser
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« Antworten #3 am: 04. April 2016, 22:58:25 »

HalloWaldi,
das mit den Stümpern habe ich extra nochmal neu formuliert, damit Du es nicht auf dich beziehst. Ich meinte damit die Messerhersteller. Hat wohl nicht geklappt, sorry.
Heute haben die Rohlinge meist gerade Rücken. Auch der Wall ist noch parallel zum Rücken, also auch gerade. Und ein wirklich guter Messerschleifer hat den Klingen dann über die Schneide ein leichtes Lächeln anerzogen.
Übrigens richte ich deshalb meine Steine auch nur wenn Sie neu sind einmal ab. Danach stört mich eine leichte Mulde nicht, denn Diese kommt einer lächelnden Klinge sogar noch entgegen.
Ich habe auch schon mehrmals erwähnt, dass ich Schlittschuhlaufen für Blödsinn halte. Das erschwert einem nur die künftige Arbeit. Viel zu leicht passiert es, dass man nicht wirklich kontrollieren kann, ob man danach wieder eine neue Schneide erzeugt hat, dh. die beiden Flanken wirklich wieder auf Null auslaufen. Und dann arbeitet man breits auf feineren Steinen obwohl die Facette noch gar nicht fertig gesetzt ist. Schleift man aber Macken weg, indem man Ohne Schlittschuhlaufen nur die Flanken schleift, braucht man dafür auch nicht länger, weiss aber genau, dass die Schneide selbst immer bei Null, also spitz bleibt.
Nun noch zu den schmalen klingen: Diese sind grundsätzlich erst mal schwieriger zu schärfen, als breitere Klingen. Meist sind Sie auch noch krumm, verzogen, windschief.
Einfach die Steine, deren Kanten man vorher etwas gebrochen, angefast hat, hochkant auf die Seite stellen. Dann ist die Auflagefläche so klein, dass der Stein der Form des Messers folgt.
Zu den Nieten. Ein 2mm Loch wird ja von den Rosetten immer noch gut überdeckt. Nimmt man jetzt 2 Rosetten übereinander, dann kann man auch ohne Auffüllen der Löcher genug Halt für den Niet bieten. Man muß nur sehr vorsichtig hämmern, damit der Niet nicht in dem Heft oder im Erlloch krumm wird.
Gruß Senser
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Siegburger
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« Antworten #4 am: 05. April 2016, 09:02:39 »

Das Ganze, hat einfach auch etwas mit Übung zu tun. Spann deinen Nietstift senkrecht in einen Schraubstock, so das er ca. 1 cm (eher mehr wie weniger) über steht. Wenn du es dann schaffst, einen schönen Nietkopf zu hämmern, ohne das der Stift krumm wird, dann klappt es auch mit dem RM ohne das Erlloch auf zu füllen. So kannst du ein Gefühl für das Hämmern entwickeln.

Gruß
Siegburger
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Ne schöne Jrooß ahn all die, die unfehlbar sinn.
Waldi
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« Antworten #5 am: 05. April 2016, 12:10:57 »

Das Ganze, hat einfach auch etwas mit Übung zu tun.
Da triffst Du wohl den Niet auf den Kopf Zwinkernd.

Ich danke Euch sehr herzlich für die tollen Tips und Erklärungen! Ich werde versuchen, das alles mit der Zeit immer besser umzusetzen und fleißig weiter üben - und hoffentlich bald auch mal von ersten, kleinen Erfolgen berichten können.
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Siegburger
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« Antworten #6 am: 05. April 2016, 12:18:23 »

@ Waldi

Wer mit so viel Herzblut bei der Sache ist wie du, bei dem werden sich sicherlich, auch recht bald sichtbare Erfolge einstellen.
Weiter so. Daumen hoch

Gruß
Siegburger
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Ne schöne Jrooß ahn all die, die unfehlbar sinn.
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