gut-rasiert
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Autor Thema: Natursteine, Teil 1 der Belgische Brocken wie komme ich zu einer guten Schneide.  (Gelesen 19911 mal)
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BastlWastl
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« Antworten #30 am: 23. Dezember 2014, 13:19:57 »

So nun zur verfeinerung und dem Finish auf dem La Grise Belgier.

Da ich ohne extra Slurry begonnen habe ist die Schneide ja schon recht fein und kann nun direkt wieder ohne Slurry gefinisht werden, was sich allerdings als relativ langwierige Aktion herausgestellt hat, den der Stein ist härter als zuvor angenommen.

Vorgegangen bin ich wie folgt.

Der Stein und das Messer wurden von sämtlichen Schlammresten befreit, und wieder mit Kreuzschüben bearbeitet.
Selbst nach je 40 Kreuzschüben (X) je Seite mit weniger Druck enstand kein nennenswerter Slurry, nur ganz leichte verfärbungen des Wassers. Deshalb auch kein Bild davon, denn man erkennt schlicht nix.

Nach etwas über 20 Wechselschüben war das Niveau des anderen Messers erreicht und somit ein BartHHT möglich. Langsam zeigten sich am Messer leichte Schlieren von dem Schleifschlamm, und auch auf dem Stein waren verfärbungen sichtbar. Also nochmal durch den Daumennagel und mit dem Finish begonnen.

Mein übliches Belgier Finish gliedert sich in etwa so:

Stein und Messer waschen mit kaltem Wasser, eine Brausefunktion ist hier sehr hilfreich.

Ab diesem Punkt wird mit Null Druck gearbeitet! Also nur das Gewicht des Messers auf dem Stein. Hierbei ist auch wirklich sinnvoll den Stein in der Hand zu halten während dem Schärfvorgang.

-20 Kreuzschübe je Seite gefolgt von 15 Kreuzzügen je Seite, dann 10, dann 5, dann 3. Nach jedem Schritt kontrolliere man den Stein und Messer und wäscht ggf. nochmal alles ab. (Bei dem Stein zeigten sich nicht ansatzweise Anzeichen von Schlammbildung oder schwarzen verfärbungen). Deshalb habe ich erst am Schluss nochmal alles abgewaschen. Die Klinge zeigt jetzt schon mit bloßem Auge erkennbare Helle Politur, die milchige Oberfläche weicht den feinen kratzern.
Also doch den falschen Stein gewählt um gravierende Unterschiede sichtbar zu machen.


-Nun folgte eine ausgiebige Wechselschub Orgie Grinsend. Etwa 100 waren nötig, um dem Messer die nötige Schärfe zu verleihen um die es hier geht. Schön merken kann mann wie sich das Feedback des Steines schrittweise ändert. Das ist schwer zu beschreiben, aber man merkt förmlich wie die Granate langsam aber sicher immer weniger Angriffsfläche finden. Ich merke das ich fertig bin wenn es sich anfühlt als ob ich den Stein nur noch über eine Glasplatte schiebe. Man spürt es tut sich nichts mehr. (wobei das natürlich von Stein zu Stein verschieden ist, aber es ändert sich bei allen!)
Ich habe auch das Messer nach etwa 20 Wechselschüben gewaschen, und den Stein ebenso, nur um sicherzugehen, hatte ja mit zumindest etwas Slurryentwicklung gerechnet...... Augen rollen

Nun hat das Messer nach kurzem Leinenhosen und Handballenabzug eine soweit fertige HHT geprüfte Schneide. An Rasur ist allerdings noch nicht zu denken.

Gefinisht wurde das ganze dann mit Leinenriemen ca. 25 Züge, der hauptsächlich dazu dient das Messer zu reinigen und vom Restgrad zu befreien und im Anschluss noch mächtig geledert, ca. 50-70mal.

Beim Ultraharten La Verte hat es dummerweise genau dieselbe Prozedur gebraucht, und somit ist mein Belgierkurs an zwei verschiedenen Steinen leider kläglich gescheitert. Zwar habe ich jetzt zwei identisch scharfe, perfekt rasierende Messer, aber im Ablauf keine Unterschiede mehr aufzeigen können.

An den Microscop Aufnahmen hat sich auch nichts weltbewegendes mehr geändert, diese Spare ich mir also jetzt.


Leider hat sich der Stein nicht wie erwartet verhalten, und zwingt mich noch einen Schärfdurchlauf mit einem weicheren Stein durchzuführen, und natürlich noch mit einem ganz arg schnellen.

Grüße Wastl.
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BastlWastl
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« Antworten #31 am: 10. Januar 2015, 11:19:05 »

Weiter geht`s!

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Warthog, der mir freundlicherweise seine Messer für meine Schärforgie zur Verfügung gestellt hat!

Da ich dieses Spezielle Steinchen letzte Woche ersteigert hatte (für nen Fuffi incl. Versand) ein Schnäppchen wie sich herausstellte, hab ich den gleich mal als beispiel der meiner Meinung nach für Rasiermesser am besten geeigneten Variation des Belgischen Brockens herangezogen.
Ein damals wie heute gängiges Format 20*5cm, sehr hart, und schnell. Absolut Null Autoslurry, und schnell genug um komplett auf Anreiben verzichten zu können, ebenso kann man bei diesen zugegebener Maßen selten guten Steinen auch komplett auf das Verdünnen des Schleifschlammes verzichten! Und auch die Finalen Züge erfordern es nicht den Stein zu waschen!.

Die Facette hatte ich mittels Chosera 1000 durchgeschliffen, abstumpfen musste ich in diesem Fall nicht, da es eh so "scharf wie meine Oma Grinsend" war.
Armhaarrasur wie gewohnt möglich.


Mit Wasser benetzt, und mit X Schüben/Zügen begonnen, je 30 pro Seite, dann 20, 10, 5, 3,2,1. Das ganze wieder mit definiertem Druck! (mithilfe einer Küchenwage nachgeprüft, ca. 600-700g)

So sah der Stein nach der Prozedur aus. Das Messer hat jetzt schon eine gehörige Schärfe (6000`er Niveau, HHT am struppigen Barthaar möglich).
Dann habe ich mit X Wechselschüben begonnen, zuerst etwa 60, mit halbiertem Druck (ca.300g)

Beim Wechselschub verabschiedet sich ein guter Teil des Metallabriebes (da ist kein Schleifschlamm dabei!), ich musste dann noch einmal nachwässern, da der Stein langsam trocknete. Im Anschluss noch einmal ca. 60 Wechselschübe nur mit dem Gewicht des Rasiermessers.


Im Anschluss noch mittels Jogginghosen und Handballenabzug "geledert" und der Haartest war wie gewohnt möglich.

Um mich mit solch einer Schneide zu rasieren würde ich noch den unbehandelten Leinenriemen bemühen (ca. 30 Züge) und im Anschluss noch richtig schön mit dem Lederriemen bearbeiten (ca. 50-90 Züge).

Aber um Warthog möglichst viel Abwechslung zu ermöglichen geht es noch auf einen anderen Finisher (welcher wird nicht verraten.)

Grüße Wastl.



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Warthog
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« Antworten #32 am: 10. Januar 2015, 13:21:53 »

Das wird ne gaudi... habe noch alte Schleifsteibe  bei mir entdeckt zeig die euch mal die Tage.
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Stratocaster
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« Antworten #33 am: 11. Januar 2015, 10:48:24 »

Immer wieder sehe ich auf deinen Steinen solche Bleistiftlinien. Habe schon mal danach gefragt, aber keine Antwort bekommen. Was hat es damit auf sich? - Das macht mich neugierig..... oder ist es ein Wastl-Geheimtrick....?!  Grinsend
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BastlWastl
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« Antworten #34 am: 11. Januar 2015, 13:46:10 »

@Strat: das sind Manganeinschlüsse im Stein. Ab und an findet man die, wobei beim letzten Stein die schwärzeste Linie wohl Klebstoff ist, der Stein wurde wohl vor Jahren mal gekittet.

Grüße Wastl.
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Stratocaster
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« Antworten #35 am: 11. Januar 2015, 13:54:34 »

Wastl, ich meine die diagonalen Linien, wie man sie u.a. auf dem ersten Foto bei dem Post #31 ganz deutlich erkennen kann. Sieht aus, als hättest du den Stein in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Oder sehen die Manganeinschlüsse vielleicht wirklich so aus wie exakt gezogene Linien? Na gut, ich gebe mich damit erstmal zufrieden  Grinsend
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NebuK
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« Antworten #36 am: 11. Januar 2015, 14:01:28 »

Hi,

nur so als Vermutung: vielleicht um zu sehen wann der Stein "krumm" wird, ergo wann man neu abrichten muss? Würde für mich fast Sinn ergeben... beim Schleifbeginn Linien drauf, und wenn sie irgendwann in der Mitte weg sind, am Rand aber noch nicht, dann sollte der Stein wieder aufs Schleifpapier wandern?

Grüßle
-Dario
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BastlWastl
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« Antworten #37 am: 11. Januar 2015, 14:37:45 »

Wastl, ich meine die diagonalen Linien, wie man sie u.a. auf dem ersten Foto bei dem Post #31 ganz deutlich erkennen kann. Sieht aus, als hättest du den Stein in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Oder sehen die Manganeinschlüsse vielleicht wirklich so aus wie exakt gezogene Linien? Na gut, ich gebe mich damit erstmal zufrieden  Grinsend

Wie schon gesagt die oberen zwei sind Manganlinien, die unterste ist vom Klebstoff.
Diese Linien verlaufen halt ab und an ziemlich gerade durch den Stein.
Hier mal ein paar Steinchen mit solchen linien, bei den rötlichen handelt es sich vermutlich um Eisenoxid Einschlüsse. Es kann sich aber auch um ehemalige brüche handeln die entweder geklebt wurden oder durch abrieb so schwarz verfärbt wurden.
Man sieht deutlich das die nicht immer linear verlaufen, teilweise bilden sich auch richtige Nester, wie z.B. bei Japanischen Natursteinen aus den sog. Suita Schichten (Renge).



Eigentlich hatte ich das ja schon in Post 3 erklärt, aber wahrscheinlich nicht ausführlich genug.


Grüße Wastl.
« Letzte Änderung: 11. Januar 2015, 14:42:18 von BastlWastl » Gespeichert
Stratocaster
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« Antworten #38 am: 11. Januar 2015, 14:59:16 »

Ja, hattest du erklärt, aber ich hatte nicht gedacht, dass diese auf den Fotos schnurgerade aussehenden Linien auch zu den von dir erwähnten Manganeinschlüssen gehören. Danke schön für die Information Daumen hoch
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BastlWastl
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« Antworten #39 am: 11. Januar 2015, 15:18:27 »

Euer Intresse an den "Bleistiftlinien" nötigt mich ja schon fast noch tiefer in die Materie einzusteigen...... Grinsend

Also hier mal die Brocken aus der LesLatneuse Schicht, die eine absolute Besonderheit darstellen, sie sind nämlich mit einem Quarzhaltigen Material verwachsen das feiner ist als die herkömlichen Brocken, deren Schärfgranate ja mit ca. 5-15micron angegeben werden (vergleich JIS : 1000-3000), wobei ja beim schärfen nur mit Wasser (also ohne Schleifschlamm) teilweise nur Bruchteile dieser Granate hervorstehen, und somit ein Finish im bereich von ca. 7000-12000 möglich ist.

Korngrößentabelle:
http://www.feinewerkzeuge.de/G10019.htm

Die sog. Hybridschicht besteht allerdings aus Quarz mit einer Korngröße von ca. 1 micron (vgl. JIS ca. 8000) und poliert somit (wobei natürlich nicht das gesamte Schleifkorn aus dem Stein herausragt, und somit eine Politur erreicht werden kann die mit einem 15000`er Kunststein verglichen werden kann). Ist teilweise unglaublich hart, teilweise sogar härter als Novaculit (die berühmten Arkansas Wetzsteine) und errinert im Schleifverhalten auch an diese.







Wie in Post 3 schon erklärt ist es mit diesen ein reines Glücksspiel, da die Steine quasi zwei Gesichter haben. Coticule/Hybridschicht/Coticule, somit kann man einen erwischen der von der unteren Schicht stammt die meist langsamer und härter ist als die obere Schicht, die meist sehr schnell Metallabrieb erzeugt.
Doorsch hat einen mit zwei Gesichtern vielleicht schickt er noch ein Bild davon in den Thread)

Desweitern gibt es auch unter den Hybridschichten welche die nicht zum schärfen geeignet sind! Sprich es brechen Quarzpartikel aus die der Schneide Schaden zufügen können.

Wenn man nun mit dieser Hybridschicht (die meist nur zum absoluten Endfinish geeignet ist) schärft sollte das Messer schon perfekte Coticule schärfe aufweisen! (oder min. 8000`er Niveau haben) Nur dann kann man mit ihr noch schärfere Schneiden erzeugen (denn diese Quarzschicht ist meist sehr langsam).
Das vormals angenehme Brockentypische Finish weicht einer schärferen Schneide (wobei da die Vorlieben eindeutig varrieren!) die man schon fast als aggressiv ansehen könnte (natürlich nur im Vergleich zur gutmütig sanften Brockenschärfe).

Grüße Wastl.



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BastlWastl
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« Antworten #40 am: 11. Januar 2015, 16:46:37 »

Jetzt habe ich doch noch einen gefunden wo man sieht das die sog. Hybridschicht zwischen zwei Coticule (also gelben Brocken) Schichten liegt, und das ganze eingebettet in Blauem Belgischen Gestein:



Grüße Wastl.
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Stratocaster
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« Antworten #41 am: 12. Januar 2015, 09:32:46 »

Sehr nett, dass du das nochmal erläutert hast. Das Thema Steine ist so umfangreich, dass es mich regelrecht abschreckt und doch stelle ich immer wieder neue diesbezügliche Fragen  Grinsend
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doorsch
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« Antworten #42 am: 12. Januar 2015, 11:03:04 »

Auch hier nochmal ein Interessanter Belgier zum einen finden sich Manganeinschlüsse bzw. Linien auf dem Stein, zum anderen sind die dickeren Einschlüsse nach meiner Einschätzung richtige Quartzadern...auf der Rückseite die von Wastl genannte äußerst harte Hybridschicht....wer genau schaut sieht auch an dem einen rechten Eck eine fast rote/violette Verfärbung. Hier sieht man sehr schön das dies der Übergang zu einer BBW Schicht ist....


« Letzte Änderung: 12. Januar 2015, 11:11:52 von doorsch » Gespeichert
doorsch
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« Antworten #43 am: 12. Januar 2015, 11:10:54 »

Hier der Les Latneuse mit den beiden GBB Schichten...die eine Schicht ist eine richtig schnell arbeitende etwas weichere Schicht die die von Henk Bos genannten blauen Linien aufweist....dann folgt die Hybridschicht...dann die Zweite GBB Schicht die etwas langsamer und härter ist...



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« Antworten #44 am: 18. Februar 2015, 19:20:46 »

Dann stelle ich auch mal meine beiden Brocken (plus Apex Brocken)vor:
Einmal ein alter Brocken, der wohl aus zwei verschiedenen Schichten geschnitten wurde???


Auf jeden Fall habe ich heute mal die Unterseite geplant - der Schleifschlamm war leicht rötlich im Gegensatz zum beigen Schleifschlamm der Oberseite.

Oberseite nass:


Oberseite trocken:


Unterseite nass:


Unterseite trocken:


Seite:



Dann der neue GBB (viel heller):


Und zusammen mit der Oberseite des "Alten":


Und zusammen mit der Unterseite des "Alten":



Und ein Gruppenfoto mit den beiden Goliath Brocken:



Weiß jemand, um welche Schichten es sich jeweils handelt bzw. wo ich diesbezüglich weiterlesen kann?
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Viele Grüße, Christoph
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