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Autor Thema: Düfte, die der Nassrasierer kennen sollte  (Gelesen 56666 mal)
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herzi
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« Antworten #150 am: 05. M?rz 2021, 11:55:08 »

Tolles Bild, tolle Vorstellung, danke.
Für mich ist der Duft wahrscheinlich nichts, aber das macht ja nix.

Frage: Sollte Opponax nicht Opoponax heißen?
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Gruß,
Stefan
Tim Buktu
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Mensch sei großzügig oder stirb! K.Brenner


« Antworten #151 am: 05. M?rz 2021, 21:25:59 »

...

Frage: Sollte Opponax nicht Opoponax heißen?

Klar, das sollte es!  Zunge
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Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!
Tim Buktu
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Mensch sei großzügig oder stirb! K.Brenner


« Antworten #152 am: 10. M?rz 2021, 22:47:01 »


Slumberhouse "Pear & Olive"







Wieder ein Flakon, der dazu einlädt ihn auf besondere Art zu beleuchten. Allerdings wird  das Bild so seinem Inhalt nicht gerecht.
Oliven und Birnen?  Mindestens spannend, aber auch schwer vorstellbar, wie das harmonieren soll. Grüne Birnen und Oliven, ein grüner Duft vermutlich. Fruchtig, herb und süß wahrscheinlich.
Schau mer mal...


Der Start: ganz kurz, so lange der Alkohol verdampft wie ein Birnenbrand. Gschwind kommt die Erinnerung an Tiziana Terenzis "Kirke" hoch. Davon ist die Birne dann doch viel zu weit entfernt. Subtiler und echter wirkt sie auf mich bei Slumberhouse. Allerdings eher gelb, weniger grün wie die Wirkung auf dem Bild.

Schon nach weniger als einer Minute entwickelt der Duft neues Leben. Stünde eine Tasse Kräuteraufguss vor mir würde ich raten: Kamille vielleicht?  Hier aber eher ölige Kamille??
Keine Oliven, aber deren Herbheit und man spürt das Öl. Und etwas grasig-strohiges, ein wenig an siliertes Gras erinnernd.
Land, Landwirtschaft.
Nach einer guten ¼-Stunde wird der Duft runder.

In dieser Phase ein interessanter, kein unangenehmer, aber fordernder Duft. Die anfänglich schwierige "Sillage" in Richtung siliertem Gras bleibt, tritt aber nach und nach hinter ein für mich angenehm rauh-würziges Duftgemisch, das für ein Parfum ungewöhnlich ist. So darf ein Nischenkonzept für mich gern sein.
Bestandteile erinnern mich auch an Amouages "Myths Man".

Im Verlauf wird der Duft deutlich süßer.


Ich mache mich mit meiner Frau auf den Weg an die frische Luft. In der Kälte im dicken Anorak ein Stück durch den Wald und wieder nach Hause.
Beim Ablegen des Anoraks, umströmt mich eine Wolke von reif duftenden Birnen. Wieder eher gelb denn grün.


Eher so:







Von Oliven keine Spur. Körpernah duftet es noch immer in diese grasig-krautige Richtung.

Keine Ahnung wie Balkan Storchschnabel duftet, der unter den Duftnoten gelistet ist. Genauso wie Kalmus.
Kalmus? Was ist denn bitte Kalmus? Auf Wikipedia komme ich zu folgendem neuen Wissen:
Vom Kalmus wird aus den Wurzeln Kalmusöl gewonnen. Verwendet in der Heilkunde, der Zubereitung von Likör und als Bestandteil von Parfum. Kalmus fördert die Magensekretion (Magenbitter) und wirkt appetitanregend. Auch gegen Flatulenzen soll er helfen. Stimmungsaufhellend soll Kalmus sein (meiner Laune hat der Duft bisher jedenfalls nicht geschadet) und in höherer Dosis leichte Halluzinationen verursachen (wer weiß, was von dem hier geschriebenen dieser Wirkung zuzuordnen ist). Aphrodisierende Eigenschaften werden ihm auch zugeschrieben (gegen die Kälte im Winterwald hatte der Kalmus keine Chance).
Kalmus soll "kampferartig" riechen. Ich kann ihn nicht identifizieren.

Aber die Trauben.
Allerdings geht es eher in Richtung Traubenkerne denn in Richtung Trauben. Aber die Traubenkerne finde ich recht eindeutig.

Nach ca.3 Stunden wird mir der Duft zu fett. Das fruchtig-süß-fett(ig)e nervt irgendwie.
Herber, trockener und weniger fett wäre klasse, weil der Duft sehr interessant ist. Eine wahre Duftreise. Aber leider ein Konzept, das gegen Ende bei mir dann doch nicht ganz aufgeht.

Kein Duft zum Tragen - einer zum Erleben.
Schön, dass ich auch den probieren durfte! Danke!
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Tim Buktu
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Mensch sei großzügig oder stirb! K.Brenner


« Antworten #153 am: 14. M?rz 2021, 16:42:50 »



CB I Hate Perfume: "#405 M5 Where We Are There Is No Here"








Der Parfümeur, Herr Brosius, ansässig in Jersey, unweit Lower Manhattan, scheint recht umstritten in der Welt der Nischenduftliebhaber. Während ich mich durch seine Internetseite lese, kommen mir schon auch gewisse Zweifel. Kann ich das, was dort zu seinen Düften und deren Konzept steht, wirklich ernst nehmen?

Niedrige Bewertungen bei Parfumo machen mich in aller Regel eher an als dass sie mich abschrecken, aber hier kommen mir so langsam dann doch Zweifel.

CB I Hate Perfume - Christopher Brosius hasst also Parfum. Dafür, dass er damit sein Geld verdient und einen recht engagierten Eindruck macht, eine zumindest neugierig machende Aussage. Zum Glück erklärt er dann auch gleich, warum er Parfum hasst:
Parfum sei zu oft ein "ätherisches Korsett, das alle in derselben unnatürlichen Form gefangen hält". Dafür nutzt er aber ordentlich ISO E Super, Hedion (ein synthetisch hergestellter jasminähnlich duftender Stoff, der zuerst und lange nur in Eau Sauvage eingesetzt wurde) und invisible Musk, das angeblich extra für "Where We Are There Is No Here" entwickelt wurde.

Also jetzt auch noch unsichtbarer Moschus? Kein Problem, sehen will ich den Moschus ja auch nicht.

Eine mir eher sympathische Begründung für seinen "Hass" sei, dass er Parfum zu oft für ein "faules und uneleganten Zugeständnis an modische Egos", "undurchsichtige Hüllen, die alles verbergen" und "nichts enthüllen" hält. Das lässt bei mir die Spannung steigen, wie Herr Brosius es unter Zuhilfenahme von "#405" schaffen will mich mir und womöglich auch anderen zu enthüllen (will ich das überhaupt?).
Oft empfindet er Parfum als einen "arroganten Schlag ins Gesicht von der anderen Seite des Raumes".

Ich fühle mich ertappt. Bin ich doch auch gelegentlich einer der Schläger, die hin und wieder gerne mit der Keule unterwegs sind. Leute, die nach allen anderen riechen "ekeln" ihn an. Warum er dann Parfum für die "Fanfare der Individualität" sehen will ist mir nicht klar. Ob mir mein Gegenüber jetzt  ins Gesicht schlägt oder mit der Trompete ins Ohr bläst ist letztlich egal. Mit Körperverletzung bringe ich beides in Verbindung.

"Where We Are There Is No Here" - eine Anspielung auf "subatomare Partikel", die gleichzeitig an verschiedenen Orten sein können, was uns aber abgeht und unsere persönliche Menge an Tätigkeiten, die wir innerhalb einer bestimmten Zeit erledigen können, einschränkt. Und deshalb:
Runterkommen, entspannen und durchatmen! Wir sollen uns beruhigen und sollen zu einem "buddhistischen Tempel, tief im frischen grünen Wald" entführt werden.

Ich bin mir noch nicht im Klaren darüber, ob der Brosius mich nervt, ärgert, fasziniert oder gleich alles miteinander.

Schon bevor der erste Sprühstoß die Flasche (!) verlassen darf, fällt mir auf, dass der Duft etwas eingetrübt ist. Wäre es Whisky, hätte er zwar schon ein Fass gesehen, aber nur extrem kurz, so hell ist der Stoff. Vielleicht war er auch noch gar nicht im Fass und ist gefärbt. Aber sicher nicht kühl gefiltert. Sonst wäre er bei diesen Temperaturen trotzdem klar.

Mit welchen Mitteln wir in den Waldtempel transportiert werden sollen scheint nicht so ganz klar. Zumindest sind sich Parfumo und Herr Brosius mit ihren Aussagen nicht ganz einig:
"Bambusblätter, japanischer Grüner Tee" sind zumindest bei Parfumo in der Duftpyramide nicht zu finden. Letztlich egal. Hauptsache es wirkt!

Ein  für mein Empfinden floral-animalischer Start spricht für den gelisteten Jasmin und den unsichtbaren Moschus. Nach 20 Minuten tritt das animalische zurück, die Blüten übernehmen.

Jasmin und Moschus bestimmen für mich den Duft. Die (Sandel-)Hölzer bleiben im Hintergrund.
Sanftes Sandelholz hinter Jasmin, fein, hautnah nicht aufdringlich.

Ich mag Jasmin wohl sehr gern, so schön finde ich das Erlebnis.

Der Duft umgibt mich sanft, hüllt ein ohne sich aufzudrängen.

Weich und rund von Anfang an.
Am Ende leicht und angenehm sauber beschwingt.

"Where We Are There Is No Here" - so gibt sich der Duft. Er ist da und doch nicht. Zu Beginn war da noch etwas feuchtes Laub, das verschwindet aber recht schnell wieder und der Duft wird immer feinfloraler mit einer angenehmen Frische.

Die Haltbarkeit ist nicht überragend aber für mich ausreichend. Nicht jeder Duft muss über 12 Stunden präsent bleiben. 
Die Sillage ist zurückhaltend aber in der Nähe doch dauerhaft spürbar. Dieser Duft übt auf mich eine Anziehungskraft aus, der ich nicht widerstehen kann. Für mich und meine Nase wunderbar!

Allerdings habe ich auf meiner Duftreise keinen Tempel im Wald gefunden. Den hab ich aber auch nicht gesucht. Die Entspannung pur stellt sich trotzdem ein. Er wirkt.  Für mich aber eher die Entspannung auf dem bequemen Holzbänkchen in einem japanischen Garten.  Weiße Kiesel, ein kleiner plätschernder Bach, Bäume, die Blüten tragen, ein paar Vögel, Frühlingstemperaturen. Ich bin sowas von entspannt.

Vor einer Sofortinvestition hat mich nur die nicht vorhandene Kreditkarte bewahrt.


Und was das alles mit einer Metamorphose zu tun hat? Who knows?
Wer's weiß, darf mich gerne aufklären.

Vielen Dank!

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« Antworten #154 am: 14. M?rz 2021, 21:39:55 »

Eine schöne Vorstellung, Tim Buktu.  Daumen hoch

...
Und was das alles mit einer Metamorphose zu tun hat? Who knows?
Wer's weiß, darf mich gerne aufklären.
...

Metamorphose bedeutet umgangssprachlich ja „Verwandlung“.

...
Ich bin mir noch nicht im Klaren darüber, ob der Brosius mich nervt, ärgert, ...
...
Die Entspannung pur ... Ich bin sowas von entspannt.
...
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Das Leben könnte so einfach sein ... muss es aber nicht.
Tim Buktu
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« Antworten #155 am: 15. M?rz 2021, 07:51:47 »

 Lächelnd Das Geheimnis ist gelüftet!
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« Antworten #156 am: 25. M?rz 2021, 15:58:05 »


Weiter geht die Duftreise. Diesmal in Begleitung von Guerlains "Mitsouko"







Noch nie hatte ich diesen Duft bisher unter, bzw. wissentlich in der Nase.
Der Name wirkt fremd und geheimnisvoll auf mich. „Mitsouko“ – wie könnte ein Damenparfum aus dem Jahr 1919 riechen, das einen japanischen Namen trägt?
Eine Vorstellung hatte ich nicht, zumindest dachte ich, ich hätte keine.

Das Parfum aus der Miniatur überrascht mich dann doch. Ich habe fast den Eindruck, als ob ich ihn kennen würde, kann aber überhaupt nicht sagen woher.
Er duftet überwältigend gut.
Einer meiner ersten Gedanken: "Von wegen Duft für Damen!"

In „Mitsouko“ könnte ich mich sofort verlieben!

Ein herrlich menschelnder und duftiger Start.
Bergamotte und Zitrusnoten treten in meiner Nase nicht in den Vordergrund, vermitteln aber eine angenehme luftige Frische.
Wie ein laues Lüftchen am Rand eines Waldes, das betörend dichten Blütenduft heranweht, ohne dass dieser aufdringlich werden kann. Ich will eher mehr davon!

Herrlich gewürzt im Hintergrund. Wie eine gute Speise unterstützt die Würze den Duft, ohne ihn zu überwürzen.
Ich vermute, der Jasmin vermittelt mir den leicht „menschelnd-animalischen“ Touch.

Feiner Flieder, feine zurückhaltende Fruchtigkeit in dem ich den Pfirsich nicht erkennen kann.
Schwer zu fassen und in seine Bestandteile zu zerlegen.







Irgendwie passend in dem Fall auch die Übersetzung in „Geheimnis“ durch Jaques Guerlain. Zwar wirkt der Duft nicht geheimnisvoll auf mich,
aber komplex und schwer fassbar.


Die Reise beschränkt sich nicht nur auf das Parfum, sondern wir sind zu dritt unterwegs. Dritte im Bunde ist „Mitsouko“ als Extrait.

Ein etwas verzögerter Start. Weniger schnell präsentieren sich die verschiedenen Dufteindrücke. Dichter gedrängt, alles enger beieinander. Intensivere Frucht und Blüte.
Etwas erdiger und holziger schon in der ersten 20 Minuten.
Flieder und Rose ergänzen sich gegenseitig wunderbar schön.

Das Parfum wirkt schwitziger. Ich meine im Parfum einen leicht ledrigen Unterton zu vernehmen. Die Jasminnote verabschiedet sich nach ca. 1 Stunde in den Hintergrund.
Es wird trockener und kommt sehr viel schneller an der Basis an, während das Extrait noch kräftig vor sich hin blüht, ist in dieser Hinsicht das Parfum das kürzere Vergnügen.

Beide blumige Chypres. Das Parfum mehr Chypre, das Extrait länger blumig.

Irgendwo bei Parfumo las ich „erwachsen“ und „sanft“. Ganz genau so wirkt es auf mich. Dazu beruhigend mit seinem Duft umwehend.
An manchen Stellen ist von der „berühmten Pfirsichnote“ zu lesen. Die geht vorüber, ohne richtig „Hallo“ zu mir zu sagen! Wenn ich etwas davon bemerke,
dann ist es eher dieses durch die feine Pfirsichhaut hervorgerufene samtige sanfte „Gefühl“.

Dass Sergei Pawlowitsch Djagilew „Mitsouko“ zu seinem Lieblingsparfum erklärte, spricht für sich.
Aus meiner Sicht ein sehr gut für Männer tragbarer Duft, den ich deshalb auch ohne zu zögern geordert habe.


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« Antworten #157 am: 01. April 2021, 23:19:29 »


So eine Reise kann auch beschwerlich sein. Auf meiner Wanderung hätte ich mich am Liebsten nach einer Bushaltestelle oder einem Bahnhof umgesehen um den Tag mit dieser Begleitung zu vermeiden.
Bus und Bahn wurden bestreikt und so blieb mir nichts weiter übrig, als den beschwerlichen Weg zu gehen.

Den Weg mit "Narcisse Noir" von Caron.





Der Weg mit meiner Begleiterin beginnt zur meinem Erstaunen im Hallenbad. Aus Versehen bin ich auch noch in die Damenumkleide geraten und ich habe den Eindruck, in den Kabinen um mich herum entkleiden sich ältere Damen, die mit dem Auftrag ihrer Düfte äußerst großzügig umgehen. In meiner Nase mischt sich der dämpfige Duft von stark blütenlastigen, fast möchte ich schreiben "blütenlästigen", Gerüchen und Chlorwasser.

Schnell raus aus der Umkleide, eine Runde geschwommen, zurück in die Klamotten und auf den Weg gemacht. Die olfaktorischen Erlebnisse im Hallenbad hängen mir nach und ich bemerke die Tiere des Waldes, die sich mir unterwegs zeigen keinen Moment. Ich bin in Gedanken versunken und mit der Abwehr mich verfolgender Bilder und Düfte beschäftigt. Vergleichbar geht es mir, wenn ich mich in Wäldern und Tälern bewege, die vom Indischen Springkraut überwuchert und von dessen melonigem Duft überlagert sind. Da mag dieses Sprinkraut eine faszinierende Pflanze und die Melone eine lecker duftende Frucht sein. Ich mag mich in diesem Zusammenhang nicht mit Pflanze und Melonenduft anfreunden und genauso ergeht es mir mit dem auf mich völlig überdreht wirkenden Blütenduft und seiner sich mir nicht erschließenden Animalik. Ich vermag den Jasmin nicht recht zu erkennen und die Rose geht mir dermaßen auf den Zeiger, dass ich überanstrengt eine Pause einlegen muss.

An Rand einer Wiese, von einem lauen Wind bestrichenen, lasse ich mich nieder und will meine Erschöpfung mit einem Vesper überwinden. Im Rucksack ist aber zur Stärkung nur Süßes in Form von Traubenzucker zu finden. Nicht schlecht, aber nicht das was ich erwartet habe und nicht das was mich jetzt erheitern würde. Aber wenigstens tröstet er und gibt Kraft für den Rest des Weges.

Auf dem Rest des Weges nehme ich den Duft der Parkanlagen und Gärten durch die ich mich bewege nur noch ganz am Rande wahr. Ich versuche sie zu ignorieren und so schnell wie möglich in mein Hotel unter die Dusche zu kommen. Ich kann es kaum erwarten in frisch gewaschenen Laken in kühler frischer Luft bei geöffnetem Fenster zu schlafen.


Selten hatte ich einen so dringenden Wunsch den aufgelegten Duft abzuwaschen.


Zu alledem habe ich auch noch den passenden Zeitpunkt für den mir wichtigsten Reisebericht verpasst. Gestern hätte der Impresario Geburtstag gehabt.  Traurig
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muck22
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« Antworten #158 am: 08. April 2021, 22:05:37 »


Weiter geht die Duftreise. Diesmal in Begleitung von Guerlains "Mitsouko"

scheint direkt füür mich gemacht! Werde ich mir mal besorgen!  Daumen hoch
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Tim Buktu
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« Antworten #159 am: 09. April 2021, 07:07:09 »

Ich habe inzwischen einen Flakon des Parfums und bereue den Kauf aber so was von gar nicht. Ich musste mich beherrschen nicht auch noch das Extrait zu ordern.  Augen rollen
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« Antworten #160 am: 11. April 2021, 13:55:10 »



Roja "Diaghilev" - Reise in die Vergangenheit






Start: überraschend frisch.
Zwar in einer bedeutungsschwangeren Umgebung, nicht bedrohlich aber spannend.
Nicht nur zitrisch, sondern meinem Empfingen nach sehr angenehm deutlich zitronig. Wobei die Frucht im Verlauf ihre Spitzen verliert und weicher wird.
Und das, nachdem der erste Schnüffler am Sprühkopf vor allem animalische Noten offenbarte.
Wieder eine Überraschung - oder halt auch nicht, da sich die Sprühkopfnoten von den eigentlichen Kopfnoten unterscheiden, wenn schon eine Weile nicht mehr gesprüht wurde.
Lerneffekt für mich dabei: Zuerst am Sprühkopf riechen und dann sprühen und man kann im besten Fall feststellen, wie sich Kopf- und Herz- oder auch Basisnoten unterscheiden.

Ich war auf einen mich schon im ersten Eindruck überwältigenden, oder auch aufdringlicheren Duft gefasst.

Eindeutig Chypre, aber eben nicht nur. Hinter der Zitrusnote liegt feiner Rauch, wenig auffallend aber präsent. Und eine trockene, stoffige Wollnote, die mich an Herrenkleidung denken lässt.

Und, der Gesamteindruck erinnert mich an frühe Dufterlebnisse. Und jetzt wird es für mich etwas seltsam.
Das "Diaghilev" erinnert ich mich an eine Zeit Anfang der 70er mit meiner Tante. Die roch so ähnlich. Stöbern im Netz ist behilflich und ich muss erst einmal 2 Stockwerke hoch.
"Mitsouko" sprühen. Das ist es! Die beiden Düfte haben Parallelen. Und nach einem Telefonat bestätigt sich meine Vermutung – sie trug "Mitsouko".
Und jetzt wo ich das weiß und an meinem neu erstandenen "Mitsouko" rieche, geht mit eine ganze Batterie Glühbirnen auf.
Dass ich bei der ersten Verkostung von Guerlains "Mitsouko" nicht gleich darauf gekommen bin, sondern erst den Umweg über "Diaghilev" brauchte.

Roja „Diaghilev“ ist herrlich männlich, fein, elegant, sauber und etwas pudrig mit einem weichen fast cremigen Hintergrund.

Hautnah duftet er zitrischer, die Sillage umweht mich animalischer. Nicht aufdringlich aber doch deutlich wahrnehmbar.

Obwohl nicht süß, hat der Duft etwas leicht zuckriges.

Auch grüne Noten machen sich bemerkbar.









Dieser Duft würde der Atmosphäre eines Rauchersalons gut standhalten.
Trotzdem nie nervig, oder mir zu laut. Ich fühle mich mit in jeder Phase mit jeder Faser meines Körpers gut in dem Duft.
Nichts stört, nicht einmal mein abgeschabtes Sweatshirt von „The North Face“.

Wunderbar abgestimmt und rund.

Üppig, aber nicht überladen.

Natürlich passt die elegante Kleidung mit einem Sakko aus eher grobem Stoff besser dazu als das Sweatshirt. Und noch ein Wollmantel drüber. Mit Hut.

Dunkel trotz Frische.

Blumig-animalisch elegant. Fast schleicht der Duft, ist aber immer präsent.

Auch Leder ist gut wahrnehmbar, doch nie dominant.

Fruchtig, würzig, holzig, grün, animalisch, pudrig, zuckrig, blumig, ledrig, harzig - was man alles in einem Duft unterbringen kann, ohne zu überladen!









Insgesamt ein für mich sehr „heimeliger“ Duft. Vorsichtig dosiert aus meiner Sicht eher kein Problem zu tragen.
Man kann hier vieles erahnen: Die frische duftige kühle Abendluft, die verschwitzte Haut junger Balletttänzer*innen, aber auch Herrensalonatmosphäre, schwere Stoffe,
Ledersessel, rauchgeschwängerte Luft, dichte Atmosphäre und immer wieder knisternd - frische, lebendige Haut. Schillernde Blütenenergie.
Champagner - nicht der Duft, aber das Gefühl.

Zwischen all den Noten flirrend aber trotzdem ruhig mit festem Fundament.

Ich habe mehrere Herangehensweisen an den Duft gefunden. Möglicherweise ist das bei vielen oder allen Düften möglich. Nur ist es mir hier bei "Diaghilev" sehr deutlich aufgefallen.
Ich kann ihn analytisch tragen. Dann scheint er genau das Richtige für einen Abend mit der Nase in meiner eigenen "Diaghilev – Silage" und am Handgelenk.
Ich kann ihn aber auch aufsprühen und einfach subtil wohlig auf mich wirken lassen. Ich hätte ehrlich gesagt keinen Hemmungen, den auf der Arbeit aufzusetzen.
Aber das geht mir mit "Mitsouko" auch so. Und nach dem Erinnerungserlebnis mit meiner Tante würde ich „Diaghilev“ gerne an einer Frau erleben!

Zusammenfassung: überwältigend gut

Könnte eventuell mal jemand von Euch meine Kolleg*innen befragen ob sie mich noch ne Weile aushalten!?





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Onkel Hannes
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« Antworten #161 am: 11. April 2021, 14:23:01 »

Hübsch? Dann komm' ich zur Befragung und bring Dir gleich Deinen Pinsel mit.
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Hungrig vom schlafen und müde vom essen.
Tim Buktu
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« Antworten #162 am: 12. April 2021, 06:28:35 »

 Lächelnd Wie überall, es gibt solche und solche. Ein Besuch auf der Alb lohnt aber allemal!
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