gut-rasiert
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Autor Thema: Düfte, die der Nassrasierer kennen sollte  (Gelesen 56667 mal)
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baknip
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« Antworten #105 am: 19. Dezember 2020, 19:09:48 »


Acqua Colonia Intense Wakening Woods of Scandinavia ist nicht gerade ein eingängiger Name, den mir ein Forenmitglied an den Kopf wirft, verbunden mit dem Hinweis, dass ich den doch bitteschön kennen sollte. Gut, vielleicht hat er recht, mittlerweile ist der Duft hier angekommen.




Wir beide haben nach ein paar Tagen ein noch ambivalentes Verhältnis. Ordentlich gemacht, sehr gut tragbar, trifft den Zeitgeist und duftet weder abgegriffen noch billo. Das Thema wird getroffen, der Duft nervt nicht und die Abstrahlung ist so, dass es in unmittelbarer Umgebung zu einem angenehmen Frischeeffekt kommt.




Bei mir will der Funke aber nicht überspringen. Vielleicht, weil mir der skandinavische Wald ein wenig zu generisch ist. Ja, das ist auch ein wenig die Idee hinter der Aqua-Colonia-Reihe von 4711. Aber dieser Wald hier riecht ziemlich lully, stilisiert und generisch-grün. Nicht wirklich Wald, keine kernigen Koniferen, kein Laub, kein Erdboden, keine Harze, sondern einfach jung-grün. Wie divers statt Männlein oder Weiblein.

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baknip
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« Antworten #106 am: 19. Dezember 2020, 22:12:34 »

Rückt Weihnachten näher, steigt mein Bedürfnis nach Jubilation XXV von Amouage. Der hat mich beim ersten Probieren an Weihnachten erinnert und er tut es noch immer. Finde den ziemlich gut, was am prima Verhältnis von Wärme, Weihrauch, Anschmiegsamkeit, Gewürzen und einem Bissi Frucht liegt. Als der Duft neu war, gab es kaum was in dieser Richtung, heute schon. Mir egal, ich bleibe bei dem hier, gerade um den 24. Dezember herum.

Angefixt hatte mich der gute Guilty hier aus dem Forum, zwar nicht direkt mit Jubilation XXV, dafür aber mit seiner langen Suche nach Silver und Gold von Amouage. Gold ist übrigens für mich der noch bessere Weihnachtsduft, aber mit dem mag mich außer mir selbst keiner in meiner Umgebung mehr leiden. :-(




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Tim Buktu
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Mensch sei großzügig oder stirb! K.Brenner


« Antworten #107 am: 20. Dezember 2020, 09:50:37 »

Für Weihnachten habe ich noch keinen Duft, den ich mit Erinnerungen daran verknüpfe. Kein Problem, da finde ich schon immer etwas Schönes. Aber einen Duft, der sich über die erste Wahrnehmung für Weihnachten empfohlen hat besitze ich noch nicht. Aber was nicht ist hat ja noch Zeit zu werden.

Der Jatamansi von L'Artisan Parfumeur links daneben hört sich für mich auch sehr interessant an. Gewürze, Hölzer, Blüten und Weihrauch. Was muss ich mir denn unter "indischer Narde" vorstellen und ist die darin dominant?
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Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!
baknip
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« Antworten #108 am: 20. Dezember 2020, 13:45:25 »

Was muss ich mir denn unter "indischer Narde" vorstellen und ist die darin dominant?


Diese Frage reiche ich gerne weiter, falls jemand schon mal solo gerochen hat. Kann dazu nichts sinnvolles beitragen.

Ich kam zu Jatamansi in deren Shop in Covent Garden. Hatte mich dort für den als Teeduft beworbenen beworbenen Tea for Two interessiert, der mir nicht gefallen hat. Der Verkäufer hat dann Jatamansi aufgesprüht. Er geht in die angedachte Richtung. Ein leiser, sanfter Duft nach leicht rauchigem Schwarztee (nicht aufgegossen, sondern Nase in Dose). Körpernah, dezent. Für mich ist es so eine Art es Zubettgehduft.

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baknip
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« Antworten #109 am: 03. Januar 2021, 18:40:06 »


Roja Dove Diaghilev ist ohne Wenn und Aber mein bester Duft. Es ist nicht mein Lieblingsduft, weil er sich durch seinen Charakter dafür meiner Ansicht nach nicht eignet, jedenfalls nicht in meiner Vorstellung. Auf das Wesentliche reduziert ist es ein altmodisches (altbackenes) Chypre-Parfum mit Blüten, Holz und Wachsen alter Bauart, das man klug in die Neuzeit transportiert hat, ohne den Klassik-Touch zu verlieren. Trägertyp: Ü40.




So häufig wie im Dezember bis in den Januar hinein kommt er den Rest des Jahres nicht zum Einsatz. Außerhalb eigentlich nur zu Hause für mich als Lehr- oder Lernstück. Diaghilev kann man sich ganz gut als schwere, opulente, alte Glitzerrobe aus versnobtem Hause vorstellen, die schon zig Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Sie umgibt Dich, drückt Dir komplett ihren Duftstempel auf. Du strahlst damit ohne Ende und gleichzeitig ist die Bürde des Gewands eine Last.




Frisch gebadet, muffig aufgestanden aus dem Bett, Zigaretten- oder Alkoholfahne - egal: Nach dem Aufsprühen egalisiert dieser maximal opulente Duft alles andere. Riecht nach vergangener Epoche und Geschichte. Von allem sehr viel, enorm viel. Über Stunden veranstaltet der Duft einen Tanz, weil er sich immer wieder verändert, ohne dabei an Opulenz zu verlieren. Diaghilev riechen ist für mich wie Oper gucken: Erst mal befremdlich, quälend und teilweise zum Weglaufen, doch wenn/falls es in Deiner olfaktorischen Wahrnehmung Klick macht, bist Du im Bann. Wenn/falls nicht, hilft Spüli, Diaghilev loszuwerden.




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muck22
Neuling

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« Antworten #110 am: 03. Januar 2021, 22:11:32 »

So ein Cuir de Russie ist etwas herrlich aus der Zeit gefallenes und passt damit sehr gut zur klassischen Nassrasur. ...
Cuir de Russie steht als Sammelbegriff für ledrig-animalische Düfte. Die sind an sich geschlechtslos und können von Männern und Frauen getragen werden. Typisch ist ein florales Element, das je nach Hersteller mal stärker, mal schwächer ausgeprägt ist. ...

ein sehr schöner Artikel über diese Düfte ist hier zu finden
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baknip
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« Antworten #111 am: 04. Januar 2021, 16:44:45 »


Danke für den verlinkten Artikel, den ich gerade in Ruhe gelesen haben. Lesenswert.

An manchen unsauberen Stellen habe ich allerdings mächtig gezuckt, zum Beispiel "Royal English Leather (1871) by Creed for King George the III", was nun offensichtlicher Humbug ist und nicht (unwidersprochen) in einen seriös scheinenden Fachtext gehört.

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Oberloser
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Gut rasiert - gut gelaunt !! (Rotbart anno 1954)


« Antworten #112 am: 04. Januar 2021, 19:47:50 »


Roja Dove Diaghilev ist ohne Wenn und Aber mein bester Duft..........

Das nenne ich mal eine gelungene Duft-Ekphrasis, deren Stil ich als geneigter Leser nicht ohne ein gelegentliches dickes Grinsen goutiert habe. Grinsend In Gedanken sah ich Dich ruhelos unter der Last Deiner Bürde durch die Gemächer streifen......
« Letzte Änderung: 04. Januar 2021, 20:05:24 von Oberloser » Gespeichert
lotse
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« Antworten #113 am: 04. Januar 2021, 20:19:37 »


...Über Stunden veranstaltet der Duft einen Tanz, weil er sich immer wieder verändert, ohne dabei an Opulenz zu verlieren. Diaghilev riechen ist für mich wie Oper gucken...


Lieber baknip! Danke für diese bildreiche Vorstellung eines echten Salonlöwen!
Jedoch sollte nicht der Duft, sondern Du mit diesem Duft tanzen, allein schon um dem Namensgeber HuchHuch HuchHuch?? HuchHuch? (Diaghilev) gerecht zu werden. Diaghilev selber soll ja Guerlains Mitsouko getragen haben. Inwieweit da was dran ist - mit Anekdötchen ist es ja grade im Duftbereich so eine Sache - kann ich nicht einschätzen. Deine Beschreibung ließ mich aber unwillkürlich an Mitsouko denken. Das ist auch ein Mantel, dem man gewachsen sein muß...
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baknip
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« Antworten #114 am: 04. Januar 2021, 21:14:09 »

Jedoch sollte nicht der Duft, sondern Du mit diesem Duft tanzen, allein schon um dem Namensgeber HuchHuch HuchHuch?? HuchHuch? (Diaghilev) gerecht zu werden. Diaghilev selber soll ja Guerlains Mitsouko getragen haben.


Mit Mitsouko halte ich es wie mit Balett: beides ist nur mit Maximalabstand akzeptabel. Mein Mitsouko ist bei einem Forenkollegen aus dem GRF gut aufgehoben. Das ist kein Mantel, sondern eine Jacke, ein Arbeitskittel, ein geflickt- und gestopfter. Nur das Extrait habe ich hier zu, hmmm, sagen wir mal Weiterbildungszwecken aufbewahrt. Ich nehme die Parallele von Diaghilev zu Mitsouko nicht wahr oder mag sie nicht wahr haben. Jedenfalls hängt für mich am Diaghilev untrennbar ein so dickes Y-Chromosom, nach dem ich beim Mitsouko noch immer suche. Und überhaupt - geh mir weit weg mit Deinem profanen Mitsouko Azn!
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lotse
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« Antworten #115 am: 04. Januar 2021, 21:36:48 »

Stimmt. Die Profaninisierung setzt ein, wenn mehr als 10 Flakons verkauft werden... Zwinkernd

Bei meinem obigen Post hat die Forensoftware doofe Smileys produziert, wo doch eigentlich kyrillische Buchstaben stehen sollten. Für Sergei Pawlowitsch Djagilew.
Die Frage ist doch: Hätte Djagilev selbst Djagilev getragen?
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baknip
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« Antworten #116 am: 04. Januar 2021, 22:02:23 »

Die Frage ist doch: Hätte Djagilev selbst Djagilev getragen?

Als Lebemann und Beau: womöglich. Als Dandy und Homoerotiker: wahrscheinlich. Als Genießer: sicher.

« Letzte Änderung: 04. Januar 2021, 22:19:18 von baknip » Gespeichert

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baknip
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« Antworten #117 am: 04. Januar 2021, 22:06:09 »

Bei mir will der Funke aber nicht überspringen. Vielleicht, weil mir der skandinavische Wald ein wenig zu generisch ist.

Lieber Lotse, entschuldige, dass ich mir einen kurzen Zwischenruf in anderer Sache erlaube, es bedarf eines Nachtrags: Das Wakening Woods of Scandinavia hat sich bei mir zu einem empfehlenswerten Raumspray gemausert und die Tage mehrfach das Gästezimmer aufgehübscht. Als Duft an mir hat es sich ausgeduftet, würde es nicht als Waldduft empfehlen wollen. Da gibt es bessere Wälder im Flakon mit Karma. Wenn es geradlinig-natürlich sein soll zum Beispiel 46°N 08°E von Richard Lüscher Britos, raffiniert-realistisch "Im tiefen Wald" von Divergent (Tomaya) und cozy-entspannend Nuit Etoilée von A. Goutal. Alle drei sind frei von Saunaaufguss.




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lotse
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« Antworten #118 am: 05. Januar 2021, 17:05:57 »

Generischer Wald. Das ist gut umrissen.
Aber nochmal retour: Ein Y Chromosom würde ich im besagten Mitsouko auch nicht suchen. Was nicht heißen soll, dass ein Mann den nicht tragen könne. Das Original ist von 1919 und zu dieser Zeit lebte Diaghilev schon in Paris.
Warum mich das auch beschäftigt: Düfte auf eine konkrete Person zuzuschneiden bzw. einen Duft nach einer konkreten Person zu benennen, finde ich sehr gewagt und es wird auch eher selten gemacht: Geza Schön widmete "Kinski" dem gleichnamigen Klaus und die russische Parfummischerei Siordia hat gleich mehrere Berühmtheiten in der Flasche - unter anderem Modigliani.
Nun ist ja Parfum meistens retrospektiv angelegt. Das heißt, das heute Düfte geschaffen werden, die Erinnerungen triggern und dabei die Illusion transportieren sollen: So hat das gerochen, damals in St. Petersburg, so riecht Wald (als das Gewerbegebiet und der Borkenkäfer noch nicht da waren).
Des Zarenreichs Pferde und das Zaumzeug könnten Ernest Beaux zu Chanel´s  "Cuir de Russie" inspiriert haben.
Duftillusion: Was bei Landschaften (Wald, Wiese, Meer) ja durchaus funktioniert und beachtliche Duftkompositionen hervorbrachte.
Das eher kleine Label Histoire de Parfum hat z.B. eine hübsche Serie voller Jahreszahlen herausgebracht - alle an große Personen oder Ereignisse geknüpft. Und so findet man dort unter 1740 einen Lederduft, der dem Marquis de Sade gewidmet ist. Nun kann man von derlei Zueignungen halten was man will, ist der Name erstmal raus, will jeder den Marquis selig in dem Flakon wiederfinden. Das gelingt so wenig wie bei "Kinski". Wohlbemerkt! Frei von dieser Personage sind das hervorragende Düfte!
Von daher zieht es mich ins Gegenwärtige. Wie es morgen duften wird, wissen wir nicht. Ein Duftversprechen in die Zukunft zu geben, ist aussichtslos - wir brauchen den Erinnerungsanker für die Assoziationen um vom Geruch zum Duft zu gelangen. Maximal die Gegenwart ist möglich. Düfte, die es jetzt gibt und die im Hier und Heute wirken (damit noch Gerüche sind).
Comme des Garçons ging da mal mutig voran mit Concrete (Betonduft) oder aber noch klarer mit Odeur 53 (Laserdrucker, Elektronik bei Hitze) und Odeur 71 (Metall und Kunststoff).
Möglicherweise sind das die Düfte, die unsere Kinder mal genießen können und wollen.
Zurück: Djaghilev ist, wenn ich deinem erfahrenen Geruchssinn folge, lieber baknip, sicher eine großartige Hommage an diesen bemerkenswerten Menschen.
Aber vielleicht fällt Dir als profunder Kenner noch etwas Gegenwärtiges ein....?
« Letzte Änderung: 05. Januar 2021, 17:15:49 von lotse » Gespeichert
Tim Buktu
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Mensch sei großzügig oder stirb! K.Brenner


« Antworten #119 am: 06. Januar 2021, 14:28:43 »

... raffiniert-realistisch "Im tiefen Wald" von Divergent (Tomaya)...
...

Auf der Suche nach dem raffiniert realistischen Wald während des Lockdowns musste ich leider feststellen, dass man sich den leider auch nicht nach Hause bestellen kann. Alles was ich darüber finden konnte waren Blogbeiträge. Alles was ich lese hört sich für mich sehr gut an. Nicht dass man den Eindruck bekäme, dieser Duft wäre leicht und überall tragbar. Womöglich eher wie wie der "Diaghilev". Wenn es einem danach ist und man mit sich selbst zu Hause auf dem Waldboden im Moos zwischen Pilzen liegen will. "Tief im Wald" ist schon ein Versprechen, das der Duft hoffentlich nicht enttäuscht.
Ich bin gespannt!
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