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Autor Thema: SHAVEX, ein englischer Rasierhobel mit Geschichte  (Gelesen 2241 mal)
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Beiträge: 2.444


Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« am: 10. Juli 2014, 00:10:45 »

Wenn man an englische Rasierhobel für die Aufnahme von DE-Klingen denkt, fallen einem vielleicht folgende bekannte Namen ein, da sie in unserem Forum in der Vergangenheit an verschiedenen Stellen entweder erwähnt oder vorgestellt wurden: Durham, Gillette, Myatt, Personna, 7 O´-Clock,  Souplex, Velvet und Wardonia.
Der folgende Hobel der Marke SHAVEX (ausgesprochen „Shave X“) ist dagegen noch vollkommen unbekannt. Selbst im englischen Forum BadgerAndBlade finden sich nur spärliche Informationen darüber. Um diesen eigentlich schon in Vergessenheit geratenen Hobel an dieser Stelle in das öffentliche Bewusstsein zu rücken, möchte ich die Gelegenheit nutzen und euch diesen wohl äußerst seltenen Hobel vorstellen. Die folgenden Abbildungen 1 – 8 zeigen den englischen Hobel aus verschiedenen Blickwinkeln.











Ich habe den abgebildeten englischen SHAVEX–Hobel durch Zufall auf einem Flohmarkt in Wilhelmshaven entdeckt und dort erworben. Der Verkauf dieses in Deutschland wohl sehr seltenen Hobels in Wilhelmshaven könnte ein reiner Zufall gewesen sein. Da ich aber nicht an Zufälle glaube, könnte mit ein bisschen Phantasie und einigen geschichtlichen Vorkenntnissen hinter diesem Hobel und in Verbindung mit der Stadt Wilhelmshaven auch eine ganz andere Geschichte stehen, eine Geschichte, die sehr wahrscheinlich mit den Folgen des letzten Weltkrieges zusammenhängt. Die Inspiration für diese Geschichte fand ich in diversen Heimatblättern von Wilhelmshaven, in denen die Historie dieses Marinestützpunktes der ehemaligen kaiserlichen Marine und Kriegsmarine näher beschrieben wurde.

Im Safety-Razor-Compendium wird der SHAVEX–Hobel kurz erwähnt. Er wurde von der Shavex Zee-Kol Co. Ltd. in London als Dreiteiler seit den 30er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts hergestellt. Der Grundwerkstoff war Messing. Alle Einzelteile wurden sehr hochwertig und abriebsresistent verchromt, was für englische Rasierhobel aus dieser Zeit typisch war. Als Hobelgriffe gab es einen Messinggriff, der von seiner Form an den Griff des Myatt–Minor erinnert und einen Bakelitgriff.

Nun zur Geschichte dieses englischen Hobels. Der hier vorgestellte SHAVEX–Hobel könnte einem Angehörigen der englischen Streitkräfte gehört haben, der sich damit über viele Jahre regelmäßig rasierte und den Hobel überdies pfleglich behandelt hat. Die Hinweise für den langjährigen regelmäßigen Gebrauch bilden die Abriebsspuren unterhalb der Grundplatte, wo die Verchromung durch das Festdrehen des Hobelgriffes vollständig abgerieben wurde. Auch beim Hobelkopfgewinde ist die frühere Verchromung abgerieben. Die  Gewindegänge sind aber immer noch sehr gut erhalten und weisen trotz des langjährigen Gebrauchs keinen nennenswerten Verschleiß auf.  


Abbildung 9      Abriebsspuren unterhalb der Grundplatte im Bereich des Hobelgriffs


Abbildung 10      Zustand des Gewindesstiftes des Hobelkopfes nach langjährigem Gebrauch


Wilhelmshaven war im letzten Jahrhundert ein großer Marinestützpunkt und wurde im letzten Weltkrieg durch Bombardements der Alliierten zu fast 65 % zerstört. Danach erfolgte eine Besetzung durch die Engländer. Die englischen Streitkräfte und ihre Familien selbst waren noch bis Mitte der 60er Jahre in Wilhelmshaven stationiert. Deren Kinder wurden in einer eigenständigen englischen Schule unterrichtet, die sich in den Kasernengebäuden der früheren Kriegsmarine befand. Der Besitzer des SHAVEX–Hobels könnte also durchaus zu diesen Besatzungssoldaten gehört haben. Auch das Lehrpersonal zählte dazu. Der Hobel war ein Bestandteil der persönlichen Ausrüstung dieser Person und wäre damit im übertragenen Sinn ein Zeitzeuge für diese Ereignisse gewesen.

Und hier endet die Geschichte, denn der weitere Weg des Hobels verliert sich. Es ist nicht bekannt und auch nicht nachvollziehbar, was danach erfolgte. Wurde der Hobel bei der Rückverlegung des Soldaten nach England in Wilhelmshaven vergessen oder einfach nur weggeworfen? Wurde er vielleicht an jemanden in Wilhelmshaven zur Erinnerung verschenkt, der dem Militärangehörigen nahegestanden haben könnte? Oder stammte der Hobel vielleicht aus einem Nachlass eines inzwischen verstorbenen englischen Soldatens, denn viele davon waren inzwischen mit deutschen Frauen verheiratet? Die Beantwortung dieser Fragen bleibt offen. Und sollte die Geschichte zu diesem Rasierhobel auch ganz anders abgelaufen sein, bleibt die Tatsache bestehen, dass dieser sehr seltene englische Rasierhobel aus irgendeinem Grund in Wilhelmshaven gelandet ist und dort viele Jahre später auf einem Flohmarkt einen neuen Besitzer fand.

Zu dem SHAVEX–Hobel sind folgende technische Daten zu nennen:

Rasierertyp:             einfacher dreiteiliger Rasierhobel mit gerader Schaumkante
Herkunft:                 England, Reg. No. 761904
Hersteller:                Shavex Zee-Kol Co. Ltd., 40 Blenheim Road, Holloway, London
Herstellzeit:             30er Jahre
Abmessungen:          81 x 43 x 26 mm
Werkstoff:               Messing (Hobelkopfplatte und Grundplatte), Bakelit (Hobelgriff)
Gewicht:                  33 gr.
Verarbeitung:            sehr wertig
Rasierklinge:             normale DE-Klingen
Erwerb:                   nur noch auf Flohmärkten oder Onlineauktionen erhältlich
Vorkommen:             sehr selten, noch seltener als der französische Bohin
Rasureigenschaften:  der Hobel rasiert sanft und hautschonend wie ein Gillette–Tech, ist dabei aber aufgrund seiner Kopflastigkeit viel gründlicher
« Letzte Änderung: 10. Juli 2014, 00:15:39 von Standlinie » Gespeichert

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich 24 Stunden später an nur gering und gleichmäßig nachgewachsenen Bartstoppeln.
Hobeler
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Beiträge: 3.567


...packt das Leben bei den Hörnern...


« Antworten #1 am: 10. Juli 2014, 09:28:52 »

Sehr interessanter Bericht. Toll zu lesen. Danke, dass Du Dir die Mühe gemacht hast. Obwohl, für uns ist das ja keine Mühe, sondern Spaß.  Lächelnd
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Liebe Grüße
Thorsten

***Schalke ist der geilste Club der Welt***

...Pura Vita...
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