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Autor Thema: Antike Römische Rasiermesser  (Gelesen 7142 mal)
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« am: 31. August 2013, 22:59:15 »

Römische Rasiermesser

Anlässlich des heutigen Besuches des Archäologischen Parks in Xanten am linken Niederrhein besuchte ich das Römer Museum des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Dort werden regionale Funde aus der Römerzeit ausgestellt und den Besuchern damit ein recht genaues Bild über die damalige kulturelle, technische und wirtschaftliche Entwicklung in dieser Region vermittelt.

In einer Vitrine wurden auch zwei römische Rasiermesser ausgestellt, die als Bodenfunde in Kalkar entdeckt worden waren. Hier ein Foto dieser beiden Rasiermesser. Der Maßstab darunter dient der ungefähren Größenzuordnung.
 

                [--------- ca. 6 cm ------------------]


Das in dem Foto dargestellte obere Rasiermesser besteht vollständig aus Bronze und wurde auf den Zeitraum 100 bis 150 Jahre nach Christus datiert. Auf gewisse Details gehe ich später ein. Von dem unteren Rasiermesser war nur noch der Griff vollständig erhalten. Er besteht ebenfalls aus Bronze. Altersmäßig konnte er in das 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus eingeordnet werden. Die ursprüngliche Messerklinge ist über andere Fundstücke rekonstruiert worden. Auffällig ist hier die tatsächliche Größe der Rasiermesserklinge, bei der man von einem echten Schaber ausgehen kann. Die Größeneinstufung liegt hier weit jenseits von 8/8!

In dem folgenden Bild ist das obere der beiden Rasiermesser vergrößert dargestellt.
 



Das Rasiermesser ist eingeklappt. Als Rasiermessergriff wurde ein kleiner Löwe verwendet. Die Klingenschneide  befindet sich zwischen den Beinen des Löwen und wird hierdurch geschützt. Unterhalb der Löwenpfoten befindet sich der restliche Klingenkörper. Die verwendete Geometrie der Rasiermesserklinge erinnert irgendwie an eine Taschenmesserklinge. Der Drehpunkt der Klinge ist nur noch sehr schwach als hellerer blasser Punkt ganz links im abgeschatteten Bereich des Bildes zu erkennen.

Das Rasiermesser – oder besser der Rasierschaber? – im zweiten Bild verfügt über eine rund 6 cm lange freistehende Schneide. Sie liegt unterhalb des Bronzegriffes, der hier als Pferdekopf mit dazugehörigem rechtem Vorderlauf ausgebildet ist.
 



Da keine weiteren Informationen zur tatsächlichen Nutzung der beiden Rasiermesser vorliegen, sind daraus auch keine Aussagen über die Schnittleistung der Schneiden beider Rasiermesser ableitbar. Ich kann nur hoffen, dass sich bei diesem Rasiermesser auch ein gewisser Rasurerfolg eingestellt hat.

Über den Einsatz von Rasierschaum und über seine Herstellung liegen ebenfalls keine weiteren Informationen vor.

Neben dem Museum wurden auch typische Handwerksberufe aus der Römerzeit vorgestellt. An einem Stand konnte die Nachbildung eines Rasiermessers besichtigt werden, das zum Bestand eines Hygienesets zählte und das dem oben gezeigten zweiten Rasiermesser entsprach. Das Vorbild dieses Rasiermessers wurde in der Nähe von Trier gefunden.
 



Zu dem Hygieneset zählten ein aus Kamelknochen hergestellter Kamm, das Rasiermesser mit einem kleinen Futteral aus Leder zum Schutz der Klinge und ihrer Schneide, eine Pinzette zum Haarauszupfen, ein Ohrenschmalzspatel (ganz rechts auf dem Bild zu sehen) und ein kleiner Nagelreiniger.
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Onkel Hannes
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« Antworten #1 am: 01. September 2013, 10:04:26 »

Sehr schöner Beitrag, mal was anderes. Danke!

Falls Du da tieferes Interesse hast, bin ich mir fast sicher, daß man -so man denn dem Verantwortlichen des Museums ein spezielles Interesse und eine gewisse Fachkunde glaubhaft macht, wie Du es allein durch diesen Beitrag tun könntest- solcherlei Exponate auch einmal aus der Vitrine nehmen und sie näher untersuchen darf. Wenn man im Vorfeld durchblicken läßt, daß man bereits im Besitz von Baumwoll-Uhrmacherhandschuhen ist, kann das auch Wunder wirken. Zwinkernd
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shaveman
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« Antworten #2 am: 01. September 2013, 10:16:34 »

Danke für deine Bericherstattung.

Man bekommt richtig Lust, das Römer Museum mal selbst aufzusuchen.
Ich stelle mir gerade vor, wie man sich mit diesen Utensilien rasiert hat.
« Letzte Änderung: 01. September 2013, 10:27:42 von shaveman » Gespeichert
Rockabillyhelge
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« Antworten #3 am: 14. November 2014, 17:44:49 »

Ich glaube (und das meine ich Ernst), ich muss mir irgendwann mal ein Stück hartes Messing besorgen und versuchen eine rasurscharfe Kante hinzubekommen, Selbstversuch quasi  Smiley
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Apotheker
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« Antworten #4 am: 14. November 2014, 18:17:40 »

Sehr interessant. Ich versuche mir gerade vorzustellen wie ich das in der Hand halten soll um das ganze Gesicht glatt zu bekommen

.
Ich glaube (und das meine ich Ernst), ich muss mir irgendwann mal ein Stück hartes Messing besorgen und versuchen eine rasurscharfe Kante hinzubekommen, Selbstversuch quasi  Smiley

Bitte berichte davon. Ich bin gespannt!

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Man(n) hat nie ausgelernt....
titanus
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« Antworten #5 am: 14. November 2014, 18:21:46 »

Ich glaube (und das meine ich Ernst), ich muss mir irgendwann mal ein Stück hartes Messing besorgen und versuchen eine rasurscharfe Kante hinzubekommen, Selbstversuch quasi  Smiley

Nimm Bronze. Die ist deutlich härter.
Die Idee hatte ich ja auch schon.
Vielleicht muss ich mal in den Keller gehen...
Da liegt noch ein Stück vom Messer bauen.

Grüße

titanus
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Epikur
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Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« Antworten #6 am: 14. November 2014, 20:01:37 »

Seht euch doch einmal genau das erste Bild an. Das alte Rasiermesser ist zusammengeklappt. Der gegossene Löwe bildete den Griff und darunter bzw. zwischen den Beinen des Löwen ist die Rasierklinge, die ein wenig an die Klinge eines Taschenmessers erinnert. Sie wurde im Uhrzeigersinn aufgeklappt. Vielleicht kann das ja als Vorbild für eure Versuche gelten. Jedenfalls bin ich auch darauf gespannt, ob sich eure Versuche auch tatsächlich in die Tat umsetzen lassen und ihr zu einem rasurfähigen antiken Rasiermesser kommt. Vielleicht liesse sich dieses dem Museum anbieten, um so zu zeigen, dass dieses Teil auch tatsächlich funktioniert hat.
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« Antworten #7 am: 14. November 2014, 20:42:34 »

@titanus: Jo, Bronze, meinte ich eigentlich auch, irgendwie benutze ich da Messing immer synonym, hat schon im Praktikum immer Ärger gegeben  Augen rollen
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titanus
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« Antworten #8 am: 14. November 2014, 20:45:26 »

Habe gerade mal nachgesehen.
Die mich im Moment mehr interesssierende Kultur der Skythen und der Indo-Skythen
sind leider Banausen:
"Instrumente zum Stutzen der Haare sind im skythischen Bereich unbekannt.
Es wurden keine speziellen Rasiermesser beobachtet,...
Von den Kosacken ist bekannt, dass sie sich Haare und Bart mit dem Säbel schoren"
aus: Gold der Steppe; Archäologie in der Ukraine; darin:
Renate Rolle: Haar-und Barttracht der Skythen
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« Antworten #9 am: 14. November 2014, 20:57:37 »

Mhh, das ist merkwürdig, im indo-skythischen Münzwesen (Wikipedia Abschnitt indo-skythische Münzen) sind bartlose oder partiell Bartlose Männer abgebildet, ggf. handelt es sich bei der Aussage das in diesem Bereich Werkzeuge zum Rasieren nicht bekannt waren auch nur um eine Aussage zum gegenwärtigen wissenschaftlichen Stand des Buches, in der Regel ist es ja oft so das solange keine eindeutige Artefakte oder Hinweise gefunden werden die meisten Autoren eher negierend vorsichtig in solchen Aussagen sind.
Zudem wird im Wiki Artikel ein skythischer Krieger auf einer offensichtlich griechischen Vase bartlos dargestellt, wobei ich mich da eher auf die Münzen verlassen würde, da griechische (sowie auch römische) Vasenmalerei gerne mal künstlerisch frei abbildet.
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« Antworten #10 am: 14. November 2014, 21:13:21 »

Vollkommen richtig Helge.

Vielleicht habe ich ees etwas unglücklich ausgedrückt.
In dem Buch geht es speziell um Reitervölker in der Ukraine und angrenzend.
Die natürlich sehr regen Kontakt mit den gleichzeitigen griechischen Pflanzstädten hatten und ja auch in den Poleis als Wachsoldaten beschäftigt wurden. Da gibt es  anscheinend alle Varianten.
Auf den Fotos von skythischem Schmuck oder Trinkgeschirr sind aber meist langaarige und bärtige Gestalten abgebildet.
Auf den Münzen leider keine echten Menschen, sondern Götter.
Z. B. habe ich gerade vor mir liegen eine Bronzemünze aus Olbia mit Pfeil und Bogen auf dem Revers und dem Flußgott Borysthenes auf dem Avers: lange Haare/Bart.
Die Indo-Skythen sind in Raum und Zeit schon etwas weiter weg und werden bartlos dargestellt.
Erst die Indo-Parther haben wieder Bärte und zusammengebundene Haare (z. B.: Pakores).
Und die alten Parther (also die Anti-Römer) hatten tw. echte Rauschebärte (vgl. Mithradates I)

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« Antworten #11 am: 14. November 2014, 21:33:23 »

OK, dann habe ich es falsch verstanden, ging eher von den indo-Skythen aus, die eigentlichen Reitervölker waren da sicherlich
etwas robuster und wahrscheinlich auch bärtiger, da hat der Autor mit seiner Aussage sicherlich Recht.
Ein fast mysteriöses Volk, archäologisch alleine der verzerrten Darstellung griechisch/römischer Quellen wegen schon interessant,
auch im Hinblick auf die Indogermanen bzw. die Herkunft der später als Germanen bezeichneten Stämme, deren Ursprünge linguistisch
gesehen ja auch im skythischen Bereich gesehen wurden/werden.

Aber auch das Thema Bartkultur/Rasur in der Antike und die teils sehr unterschiedlichen Bewertungen eines bärtigen oder rasierten Gesichtes
sind schon spannend  Lächelnd
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titanus
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« Antworten #12 am: 14. November 2014, 21:49:26 »

Ich stimme dir zu und hoffe,
dass wir durch unsere Diskussion Standlinie nicht zu sehr verärgert haben...
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Epikur
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« Antworten #13 am: 15. November 2014, 01:22:07 »

Ich bin nicht verärgert. Warum auch? So eine Diskussion ist doch ziemlich anregend und schafft neue Ideen.
Römische Legionäre sollen ihre Barttracht auf Märschen mit Bimssteinen entfernt haben, die sie im Gesicht drehend verwendet haben. Das habe ich irgendwo einmal gelesen, erinnere mich allerdings nicht mehr daran, in welcher Quelle dies gestanden hat. Allerdings trimme ich meinen Terrier und verwende dort auch einen Bimsstein für die Pfoten. Der Bimsstein entfernt längere Haare ganz gut, so dass die Anwendung durch die Legionäre durchaus
realistisch gewesen sein kann.
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #14 am: 15. November 2014, 01:41:35 »

Das mit dem Bimsstein habe ich auch irgendwo einmal gehört bzw. gelesen, das stelle ich mir etwas unangenehm vor  Unentschlossen
Aber vielleicht war der Bart ja auch irgendwie eingeweicht  Huch
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