alte "Kuriose" Geschichten, Ratschläge und Literaturquellen

Begonnen von doorsch, 10. Dezember 2014, 16:40:12

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doorsch

Wer mich ein wenig hier gelesen hat oder vielleicht auch persönlich kennt, der weiss auch das ich immer ein Großes Interesse an alter Literatur zum Thema Rasiermesser, Schleif- und Abziehsteine, Polierpasten und sonstiges habe. Auch gab es hierzu auf dem Forum natürlich schon den ein oder anderen Post zu solchen alten Literaturquellen und Informationen....

Ich wollte ein wenig die "Kusiosen" überlieferten Geschichten aber auch Ratschläge und Text wiedergeben die hoffentlich auch ein wenig einen anderen Blickwinkel auf unser liebstes Thema der Nassrasur werfen.

Wenn jemand weitere Quellen oder Informationen hat soll er diese hier natürlich gerne auch posten bzw. ergänzen.

Ich werde ab sofort versuchen wöchentlich eine Quelle zum Thema Rasur, Rasurmesser, etc...aufzufinden und hier zu posten....
wichtig, die Quelle sollte mindestens 60 Jahre alt sein (alles vor 1950)

Liebe Admins, da ich zuküftig auch gerne auch alte Infos zu Pasten, Anleitungen, etc. Posten möchte hatte ich diese Kategorie gewählt, sollte es aus Sicht des Forums hier keinen Sinn machen kann der Post natürlich auch gerne verschoben werden.

KW 50 / 10.12.2014
Beginn ist eine Quelle aus dem Regensburger Wochenblatt (Nr. 19), Mittwoch 13.05.1829
"Gefunden, Verloren oder Vermisst: Schon vor längerer Zeit sind 3 zum Abziehen, nach der Schleife gebrachte Rasiermesser durch Missverstehen eines Dienstboten wahrscheinlich am unrechten Ort abgegeben worden; da ersterer nun angehalten wird den Wert derselben zu ersetzen; so wird bei etwaitigen Vorfinden; um Zurückgabe dieser Vermissten Messer an den rechtmäßigen Eigentümer gebeten!"

doorsch

KW 50 / 10.12.2014
Quelle: Bayrisches Volksblatt Nr. 45, Regensburg Donnerstag 21.02.1856
"Diese Anzeige Bitte beachten!: Damit beginnt ein gewisser Lazarus seine so betitelten hohlgeschliffenen Armh Razors, und Goldschmidts Streichriemen mit Roth und schwarzer Composition überlegt markschreierisch auf Märkten auszuposaunen, und was sind selbe, nur gewöhnliche Rasiermesser, die jeder Schleifer liefern kann, Riemen und Taig (Anm. Paste), die nichts nützen, denn Goldschmidt und Goldberg sind Namen, welche für Ihren Säckel sorgen, Ihre Fabrikate sind nichts nutz!!

Das beweisen die Verbote von Ketten und dergleichen. Auf meinem Compositionsstreichriemen von 36 fr. und 3 fl. und mit erprobten dreifach privilligierten Schärfmineraltaig 18 fr., lässt sich jedes Messer gut und für immer, ohne nur jemals mehr bedürfenden Schleifens auf Steinen vorzüglich fein schärfen. Das nähere befragt der gratis beigegebene Gebrauchsbericht, und wo die Nummer fehlt ist alles nachgeahmt und unächt, daher direkt zu beziehen vom Unterzeichneten


Das nennt man Heutzutage "Marketing" :-)

Dook

Oh da muss ich ganz genau lesen, aber sehr interessant.

hatzicho

Tolle Idee, Sebastian!

Mal sehen, ob ich in dieser Kategorie auch das eine oder andere in meinem Fundus habe, was ich hier einstellen kann.

Ocrana

Tolle Idee, und zwei sehr lesenswerte Quellen bis dahin. Danke!!!

doorsch

#5
KW 50 / 11.12.2014
Quelle: Jahrbücher der In- und Ausländischen gesammten Medizin, 1846
Thema: Mord bzw. Körperverletzung


"Eine Frau von 30 Jahren, auf dem Lande wohnend, hatte vor einigen Jahren ihrem Mann das männliche Glied mit einem Rasiermesser abgeschnitten. Ihre Mutter war geisteskrank gestorben, eine Ihrer Tanten hatte sich ums Leben gebracht. Im Jahr 1840 wurde Sie traurig, nachdenkend, eifersüchtig gegen Ihren Mann, sie litt am Kopf und nachm dagegen Fussbänder. In einer Nacht steht Sie auf, betet kniend vor dem Bett Ihres Mannes und schneidet Ihrem Mannem welcher im tiefen schlage liege mit einem Rasiermesser das Glied schnell an der Wurzel ab und bleibt dann ruhig in der Stube wo Sie herbeigelaufene Leute finden. Ungeachtet der Dr. Quiaud sie für Geisteskrank erklärt hatte, so wurde die Kranke von den Assisen zu Aix zu 8 Jahre Gefängnis verurtheilt."

Die Moral von der Geschicht.....verstecken der Rasiermesser vor der Frau ist Pflicht :-)
Und es kommt noch mehr, es war gerade im 18./19. Jahrhundert durchaus üblich auch mal ein Rasiermesser als
Mordwaffe einzusetzen....

BastlWastl

Sehr schön Sebastian, und amüsant dazu ;D

Grüße Wastl.

Stefan T.

Und ich dachte die Moral von der Geschicht wär schärfe deine Messer nicht. >D Spaß beiseite, der Kerl tut mir jetzt noch leid.
"Jeder tut was er am besten kann. Ich mache nichts"

doorsch

KW 51 / 17.12.2014
Quelle: Die Lehre von den Haaren in der Gesamten Organischen Chemie, Wien 1831
Kapitel: Von dem Ausfallen der Haare
Thema: Therapie des Haarausfalls mit dem Rasiermesser


Der Artikel beschreibt recht umfangreich die damaligen Methoden den Haarausfall entegegenzusteuern...danach folgt ein Absatz der wie folgt lautet:


"Alibert hat viele geheilt mit einer Salbe aus ungesalzenem Schweinsfett und Schwefelblüthe, auch leichtere und öftere Douches von von Schwefelwasser rühmt er sehr an......" weiteres folgt....

"in dem für die Hautkrankheiten bestimmten Spital zu Rom besteht die Behandlung des Kopf Grindes dahin, dass man den Kindern die Haare mit den Wurzeln mittelst einer Zange ausreist wobei sich in der Regel diesen Dienst, der oft widerholt werden muss, die Kranken gegenseitig leisten. Sind die Haare ausgerupft so übernimmt ein Priester die weitere Behandlung, indem er mit einem, für jeden Kranken neu geschärften Rasiermesser zarte Schnitte über den ganzen Kopf macht, und letztere eine Zeit lang bluten lässt. Dann wird eine Salbe eingerieben und der Kopf beständig mit einer Blase bedeckt."  

titanus

Super Ideen hatten die Ärtzte und die Popen.
Nur was schmerzt hilft.
Au weia  :o
Es ist sinnlos, von den Göttern zu fordern, was man selber zu leisten vermag.

Epikur

doorsch

Zitat von: titanus am 17. Dezember 2014, 16:13:12
Super Ideen hatten die Ärtzte und die Popen.
Nur was schmerzt hilft.
Au weia  :o

Frag mich auch wie man auf die Idee kam das dies bei Haarausfall helfen könnte  ???

BastlWastl

Also ein Gang zum Arzt war damals echt kein Spaß ;D.

Andererseits, wem schonmal vom Urologen die Harnröhre mittels Drahtbürste untersucht wurde..........

Grüße Wastl.

doorsch

so nach etwas längerer Abwesenheit und wenig Zeit nun doch eine weitere Geschichte aus der Vergangenheit

KW 51 / 17.12.2014
Quelle: INtelligenzblatt der königlichen Regierung von Oberbayern, Nr. 17 vom 19.04.1839, S. 419
Thema: Diebstahl


"Im Anfang des Monats März wurden dem Krämer Mathias Brunner zu Hattenhofen 1/2 Zentner Schmalz......und am 24. des nämlichen Monats ein paar Stiefen, zwei Buchsen Schnupftabak und ein Resierzeug ....entwendet. Man bringt hiermit diesen Diebstahl unter dem Ersuchen zu Kenntniss, auf die unten näher beschriebenen Effecten sowohl, auf die unbekannten Thäter Spähe verfügen und im Endeckungsfalle schleunige Nachricht hierher erteilen zu wollen.

Beschreibung der Effecten:

Das Rasierzeug bestand aus einem Messer scon etwas abgeschliffen, nicht ganz ein Zoll breit mit schwarz brauner Schale; einem halb gelben halb schwarzen ungefähr 8 Zoll langen Abziehstein, und einem gewöhnlichen Streichriemen, alles zusammen in einer Schachtel. Wert 1 fl. 30 fr."


Und hier sieht man mal wieder das auch im Jahre 1839 bereits Breite Messer und Belgische Brocken äußerst beliebt waren ;-)


Stefan T.

Fragt sich nur wer von euch Schurken nun das Messer und den Stein versteckt. Ich habe da sehr den Bastlwastl in Verdacht.  ;)
"Jeder tut was er am besten kann. Ich mache nichts"

doorsch

Zitat von: Stefan T. am 16. Januar 2015, 18:44:32
Fragt sich nur wer von euch Schurken nun das Messer und den Stein versteckt. Ich habe da sehr den Bastlwastl in Verdacht.  ;)

Ja das passt zu Ihm, der der Gerne Belgier klaut ;-)