Kai Captain klappbar

Begonnen von kretzsche, 27. Januar 2010, 12:27:54

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Lord Vader

scharfe klingen out of the box sowie die vorteile auf reisen sind natürlich nicht von der hand zu weisen. da haben shavetten klar die nase im vergleich zu den klassischen messern vorn. auch im punkto pflege und empfindlichkeit dürften sie punkten.

allerdings nehme ich persönlich auf reisen meistens nen hobel mit, so dass ich da auch keine probleme habe :D

aber für shavettenfans dürfte die Kai wohl das teil sein, von dem man nachts träumt!

lg

lord vader

henning

Genau. Ich finde es eher schade, hatte ja einige Shavetten. Aber das ist definitiv nichts für mich. Wechselklinge bietet mir genau so mein Hobel. Und wenn ich gelederte Messer in meine olle Stiftrolle oder das alte Wochenset - Etui packe, brauch ich auch keinen Riemen mitnehmen. Rasiere mich ja eh nur alle Tage mit dem Messer. Daher kein Vorteil füt mich mit egal welcher Shavette.

Ciao

Bengall Reynolds

Ich hatte letzte Woche mal Gelegenheit eine Kai Captain zu testen und muss nun meine Meinung zu Shavetten korrigieren.

Bisher fand ich Shavetten ausnahmslos schlecht aber das Teil ist in meinen Augen ein HAMMER!

Die Verarbeitung ist nahezu perfekt, sehr gut ausbalanciert, das System recht gut durchdacht (die Arretierung könnte evtl verbessert werden) und nach ein bis zwei Probeläufen bekommt man auch eine Rasur ohne Blutverlust hin.

Muss wohl wieder was verkaufen um mir so ein Teil leisten zu können...  o)
On a long enough timeline, the survival rate for everyone drops to zero.

Lord Vader

hab im moment dank uwe auch die kai zum testen hier. ein sehr edles teil, was die erwartungen, die die bilder wecken, voll erfüllen kann. im moment wird mit ihr fleißig rasiert, damit ich dann ein möglichst genauen testbericht verfassen kann.

lg

lord vader

Piraten-Papa

Heute hatte ich das erste mal das Vergnügen mit der KAI Captain. Mein Urteil fällt vernichtend aus...und zwar für meine Sparpläne . Nach dem Forumsmesser werde ich mich auf die Suche nach so einem Ding machen. Vom Rasurgefühl her würde ich sie am ehesten mit meinem Tosuke vergleichen. Durch den kurzen Kopf ist sie schön wendig und lässt sich gut führen. Mir ist es allerdings drei oder vier mal passiert, das sich der Kopf an meiner Backe festgesaugt hat, was allerdings bei häufiger Benutzung nicht mehr passieren dürfte. Da muß man sich mit dem Winkel eben ein bisschen darauf einstellen. Für meine Begriffe ist sie ihr Geld auf jeden Fall wert.

Lord Vader

so, nach gut 20 rasuren bin ich nun einigermaßen in der lage, eine erste einschätzunge zur kai zu geben. eines vorweg, ich habe in der zeit 2 Kai Captain Mild-Klingen und eine Feather Professional-Klinge verbraucht. Qualitätsschwankungen einzelner klingen können daher das ergebnis noch etwas verzerren, was besonders die Kai-Klinge trifft. bei der feather habe ich keinen vergleich!

an der kai-shavette gibt es selbst absolut nix auszusetzen. das teil ist super gut verarbeitet und wird den hier gezeigten bildern mehr als gerecht. in der von mir genutzten ganzmetall-version ist die shavette zudem nicht so leicht wie vergleichbare plastikshavetten und liegt daher sehr gut in der hand. das handling ist durchaus mit einem "echten" rasiermesser zu vergleichen. auch das rasurgefühl selbst ist nicht unangenehm und ist mit einem nicht zu hohlen rasiermesser durchaus zu vergleichen. messererfahrene nutzer sollten keine größeren probleme haben, die kai zu nutzen.

ob man die kai auch einem anfänger empfehlen kann, weiß ich nicht, da die klingen - zumindest die oben beschriebenen zwei - schon extrem scharf sind und selbst erfahrene messernutzer am anfang aufpassen müssen, damit es nicht zu schnitten kommt. ein neuling - so wage ich mal zu behaupten - kommt hier nicht so glimpflich davon. positiv ist hingegen anzumerken, dass die klingen beider hersteller abgerundete ecken haben, was ein einkannten mit der spitzen ecke beim ansetzen der klinge verhindert. bei herkömmlichen shavetten ist das eine zusätzliche gefahrenquelle.

die kai ist zwar eine extrem gute shavette, die im vergleich zu anderen modellen viele vorteile aufweist, sie ist und bleibt aber halt eine shavette. selbst ein derbes messer ist noch sanfter und flexibler als die kai. auch die rückmeldung von der klinge geht gegen null. wenn etwas gemeldet wird, so meist erst durch einen kleinen schnitt. da ich immer sehr vorsichtig war, hats bei mir zum glück immer nur die oberste hautschicht erwischt. weniger erfahrene nutzer dürften da auch andere regionen erwischen. leute, die die kai häufig oder sogar ausschließlich nutzen, werden mit der zeit die regionen kennen, in denen es vermehrt zu problemen kommen kann, was die schnittgefahr deutlich minimiert. allerdings fand ich die rasur mit der kai nur an den einfachen stellen angenehm, da mir das "einfach fallenlassen und das messer die arbeit machen lassen" nur an den wangen gelingen wollte. sonst muss man - um die besagte schnittgefahr zu minimieren - immer voll bei der sache und höchst konzentriert sein, was das rasurerlebnis doch deutlich dämpft.

testen konnte ich wie beschrieben zwei klingen:

Von der Kai Captain Mild habe ich zwei klingen getestet, die sehr verschieden waren. die erste Mild war höllenscharf und hat selbst die feather spürbar übertroffen. sie wurde jedoch nach wenigen rasuren kratzig und unangenehm, obwohl die schärfe noch da war. ein abzug wie beim rasiermesser hätte das sicherlich behoben, aber das ist ja hier nicht so ohne weiteres möglich. bei den letzten beiden rasuren mit klinge nummer eins habe ich diese mal über den handballen abgezogen, ich meine, die anschließende rasur war etwas besser, aber welten lagen jetzt auch nicht dazwischen.    
die zweite Kai Mild war dann von der schärfe her komplett anders als klinge nummer 1. diese lag nun deutlich unter der feather, war aber im vergleich mit hobelklingen immer noch überdurchschnittlich scharf. sie war auch bei den folgenden rasuren noch recht angenehm und nicht so kratzig.
da die beiden klingen so grundverschieden waren, habe ich entweder in die eine oder andere richtung eine montagsklinge erwischt oder aber es gibt hier deutliche qualitätsschwankungen.

die feather professional war die zweite klinge, mit der ich die kai bestückt habe.sie war nicht so scharf wie die erste Kai Mild aber definitiv schärfer als die zweite Kai Mild. die schärfe der Feather war aber auf jedenfall noch sehr ordentlich. die ersten beiden rasuren waren trotz der schärfe etwas kratziger, danach gings dann aber besser.

grundsätzlich waren alle drei klingen jedoch extrem scharf und hatten für mich eine schon fast unangenehme schärfe. wie die normale feather-klingen für den hobel hatte ich nach manchen rasuren ein paar microbltungen wie nach einem stecknadelstich. im vergleich zur DE-Klinge waren sie nach den shavettenrasuren zum glück deutlich weniger zahlreich. zudem sind sie auch im laufe des tests deutlich weniger geworden. bei längerer nutzung wären sie wohl noch seltener geworden, wären aber immer noch von zeit zu zeit aufgetreten. allerdings hat man nach spätestens 2 - 3 rasuren gemerkt, dass die klinge nicht mehr ganz neu war. ein abzug wie beim rasiermesser hätte ich mir da gewünscht. ob der abzug mit dem handballen im langzeittest da eine positive wirkung zeit, müssen andere nutzer klären.

unabhängig davon waren die rasuren sonst teilweise wirklich sehr anständig. das AS hat nach guten rasuren ebenfalls nicht oder nicht mehr gebrannt als nach guten messerrasuren.

Fazit:

Positiv:

- Ausgewogene Balance und gutes Handling
- Sehr gute Rasuren mit großer ähnlichkeit zum "echten" Messer sind möglich
- Die Kai bietet viele Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Shavette
- Sehr hohe Reisetauglichkeit (im Vergleich zum Rasiermesser)
- Sehr geringer Pflegeaufwand (im Vergleich zum Rasiermesser)

Negativ:

- Wenig Rückmeldung mit der damit verbundenen erhöhten Aufmerksamkeit
- Klingen schon fast ein wenig zu scharf
- Klingen nach einigen Rasuren teilweise etwas kratzig
- Hoher Preis der Shavette
- Relativ hoher Preis für Ersatzklingen

Die Kai ist eine traumhafte Shavette, die einige Shavetten-Schwächen ausmerzen kann. Trotzdem bleiben einige negative Merkmale übrig. Aus meiner Sicht ist diese Shavette für Rasiermessernutzer kein "must have". Leute, die zwar eine Rasiermesser-Rasur haben wollen, die aber sonst nix mit der Materie am Hut haben, die ihre Messer nicht selbst schärfen wollen und denen auch das Abziehen und das gründliche Abtrocknen nach der Rasur zu aufwändig ist, für die könnte die Kai sehr interessant sein. Auch Leute, die viel reisen müssen, haben mit der Kai nun die Möglichkeit, eine durchaus brauchbare Rasur mit Messerfeeling zu erreichen. Der Direkteinstieg kann einem Anfänger aber meiner Meinung nach nur sehr bedingt empfohlen werden.

Ich werde aber immer ein richtiges Rasiermesser auch der Kai vorziehen. Neben den nicht in allen Bereichen stimmigen Rasurverhalten schreckt auch der recht hohe Preis der Shavette sowie die derzeit doch noch etwas aufwändigere und teurere Beschaffung der Ersatzklingen. Aber hier ist ja in Zukunft ggf. eine Entspannung in Sicht! Falls es die Kai mal irgendwo für 50 Euro herum geben sollte, würde sie es vielleicht für einen etwas längeren Test nochmal in meine vier Wände schaffen. Evtl. würde sie ja dann in Verbindung mit anderen Klingen ein besseres Ergebnis im Langzeittest schaffen. auch wäre es sicher sehr interessant und abwechslungsreich, die Kai immer mal wieder dazwischen zu haben.

Wenn ich aber mal dazu gezwungen werden würde, auf eine Shavette umzusteigen, dann würde es auf jedenfall genau diese Kai in der Ganzmetallversion werden. Sie gefällt mir optisch und von den Handlingeigenschaften einfach zu gut! Der Text ist zwar von mir so genau beschreibend wie möglich verfasst worden, aber letztendlich ist es nur mein subjektiver Eindruck! Insgesamt kommt die Shavette hier gefühlt vielleicht etwas zu negativ weg, da sie wirklich eine sehr brauchbare und gute Shavette ist!

Ocrana

Ein sehr informativer Beitrag, Lord Vader. Danke!

Fossy

Hallo,

na, Ihr habt mich ja richtig neugierig gemacht!  ;) Nach meinen ausgesprochen positiven Erfahrungen mit dem / der Tondeo TM (Vielen herzlichen Dank für die Empfehlung, Henning!!!  :)) interessiert mich ein KAI Captain Excelia auch. Ich mag zwar auch traditionelle japanische Messer / Kamisori, zum besseren Transport würde ich aber vermutlich die faltbare Version des Kai Captain, wie von Uwe vorgestellt, nehmen.

Leider finde ich über Google nur Quellen zu den einfachen Kasho KAI Captain Messern. Hat jemand vielleicht einen Link zu einer Bezugsquelle für mich???
Viele herzliche Grüße von Michael!

medler

Leider nicht wirklich. Unsere Quelle ist versiegt.  :'(
Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der ohne Ziel umherirrt.(Gotthold Ephraim Lessing)

harrykoeln

#24
Dank Kretzsche konnte ich die KAI Edelstahl-Shavette in der klappbaren Version in Augenschein nehmen und ausprobieren.

Lord Vader hat das mehr als treffend beschrieben und ich kann mich seinen Gedanken bedenkenlos anschließen.

Besonders hervorheben möchte ich den Teil mit dem: so schön das Teil auch ist, es ist und bleibt eine Shavette. Und somit ists für mich keine Messerkonkurrenz. Auch für den Urlaub würd ich nen Hobel der KAI vorziehen - steht einzig das "nicht-mit-schleppen-wollen" eines Leders im Fokus der Betrachtung.

Mein Fazit, ein Nice-To-Have, kein Must-Have und für den aufgerufenen Preis lege ich mir lieber ein Allround zu.

"The two most common things in the universe are hydrogen and stupidity.
There is more stupidity around than hydrogen, and it has a longer shelf life."
Frank Zappa (1940-1993)

Drei

Seit der KAI Captain sind meine Messer zum nice-to-have geworden. Vermutlich liegt es an meinen mangelhaften Fertigkeiten am Stein. harry, kriegst Du eine Messerklinge schärfemäßig auf Featherniveau?

harrykoeln


Hmmm, lieber Drei, das ist in meinen Augen eine müßige Diskussion.

Warum will ich Dir auch gerne sagen.

Scharf ist nämlich nur ein Beurteilungskriterium. Sanft ist in meinen Augen der Pickel der juckt.
Um Deine Frage zu beantworten, wird eine frische Feather wahrscheinlich oder gefühlt sicher schärfer sein, wobei eine Feather vielleicht 73 Hpl scharf ist und ein Messer 56 Hpl. Ein Messer, das so bissig zur Sache geht, wie eine Feather, möchte ich gar nicht ständig im Gesicht haben - um das ganz klar zu sagen.
Ab der zweiten bis vierten Rasur wrackt so eine Wechselklinge gegenüber einem scharfen Messer doch ab. Und wie! Während das Messer vielleicht in der Schärfe gegenüber einem Wegwerfartikel, der auf momentane Schärfe - wie auch immer - optimiert wurde, anfänglich nachläuft, hat das Messer ganz bestimmt den längeren Atem und holt den Wegwerfartikel ganz schnell ein. Während das Messer dann die Schärfe locker hält, strebt die Wechselklinge in Siebenmeilenstiefeln ihrem Ende entgegen. Schon nach ganz wenigen Rasuren (was schon ab 2-3 sein kann) ist das kein Vergleich mehr. 

Soviel zum Thema scharf!
An die Sanftheit einer Messerklinge langt ne Feather ohnehin nicht hin.

Und last not least, wenn ich mir dann anschaue, das ich zur Messerrasur auch aus dem Grunde kam, weil ich mich aus der Sklaverei und dem Joch der Systemrasierwechselklingenköpfehersteller befreien wollte, treibe ich hier dann den Teufel mit dem Belzebub aus. Viel schlimmer noch, ich kann mir die Wechseldingensda nicht mal im DmV (Drogeriemarkt meines Vertrauens) holen, sondern muss sie mir noch (aus Übersee?) schicken lassen.

Soviel meine Meinung dazu.
Und ob ich eine Messerklinge schärfemässig auf Featherniveau bekomme? Ich glaube nicht! Und ich weiss auch gar nicht ob das überhaupt möglich ist, ohne den schneidenden Teil der Facette so hauchfein auszuarbeiten, das er für die eigentliche Anforderung unbrauchbar wird, weil er nicht stabil genug ist. Rasiermesserstahl muss ganz anderen Anforderungen genügen. Er ist nicht dafür optimiert, momentan eine bissige Schärfe zu haben, sondern eine rasurtaugliche Schärfe lange zu halten. Diesem Spagat trage ich aber gerne Rechnung.

"The two most common things in the universe are hydrogen and stupidity.
There is more stupidity around than hydrogen, and it has a longer shelf life."
Frank Zappa (1940-1993)

Kirk

Ist ein interessanter Aspekt, ob man mit den Messern an die Schärfe einer Feather herankommt. Viele meiner sehr guten Messer bestehen den Haartest bei weitem besser als die DE-Featherklinge und während ich mir bei einer Hobelrasur mit der Feather fast die Haut von der Gosche ziehe, sind die Messer im Vergleich wie Harry bemerkte, unendlich viel sanfter und trotzdem genauso gründlich, ohne nachher auszusehen als wäre man mit dem Gesicht durch eine Stacheldraht gelaufen. Aber wie ich an anderer Stelle schon mal bemerkt habe, passen die Feather und meine Haut in Kombination anscheinend nicht zueinander.

Drei

Kirk, mit einer gebrauchten "KAI mild" bin ich nicht in der Lage, ein Haar nach Haartest zu kappen, auch nicht mit einem Haltepunkt <5mm. Trotzdem rasiert die Klinge auch die harten Stoppeln sanft und geschmeidig ab.

Meine Erfahrung ist also genau gegenteilig wie Deine, Harry. Feather-Klingen sind alle etwas aggressiver und ruppiger, aber sie rasieren dennoch deutlich sanfter als meine Messer. Im Prinzip ist das noch kein Beinbruch, man gewöhnt sich ja an eine nicht optimale Schärfe. Früher rasierte man sich auch mit Klingen, die im direkten Vergleich mit Personna  keinen Blumentopf mehr gewinnen würden. Nur bei der Nachhaltigkeit der Rasur macht das für mich einen großen Unterschied aus. Mit dem Messer rasieren macht Spass, aber spätestens Mittags kommen schon wieder die Stoppeln durch.

Langer Rede kurzer Sinn, meine (!) Messer kommen nicht im Entferntesten gegen die Rasurqualität der japanischen Wechselklingen-Rasierer an und ich weiß noch nicht so recht warum.

Kirk

Das ist allerdings wirklich hochinteressant und schreit ja nahezu nach einem Test ala Taylors Sandelholz! ;D ;D ;D