YAQI, ein CC-Rasierhobel aus chinesischer Fertigung

Begonnen von Standlinie, 18. Juli 2018, 19:44:20

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Standlinie

YAQI, ein CC-Rasierhobel aus chinesischer Fertigung

Chinesische Produkte sind weltweit in vielfältiger Form verfügbar. Dies gilt inzwischen auch für den Nassrasurmarkt. Die Vielfalt der angebotenen Rasurartikel ist riesig, alles wird angeboten, zum Beispiel Rasierpinsel, Rasierhobel, Systemrasierer, Rasierklingen, Shavettes, Rasiermesser, eigentlich alles, was das Herz begehren könnte.

Durch virtuelles China-Shopping wurde ich auf die chinesische Rasierhobelmarke Yaqi aufmerksam. Und es dauerte dann auch nicht lange, bis ich den hier von mir vorgestellten CC-Rasierhobel erworben habe. Manchmal möchte sich das alte Ego einfach mit etwa beglücken, was andere noch nicht besitzen. Neben dem Forenmitglied Jos bin ich in diesem Nassrasurforum sehr wahrscheinlich nun der zweite Hobelfreund, den die Neugierde zur Anschaffung des Yaqi bewogen hat. Im Gegensatz zu einigen anderen chinesischen Rasierhobelmarken ist die Verarbeitung meines Yaqi tadellos und mängelfrei.

Technische Daten
Hobelmarke:                   Yaqi
Herstelland:                    China
Hersteller:                       Shijiazhuang Yaqi Brush Product Co. Ltd.
Hobeltyp:                        Sicherheitshobel, dreiteilig  mit geraden Schaumkanten
Hobelwerkstoff:              Zinkdruckguss
Oberflächenvergütung:   DLC-Beschichtung
Abmessungen:                108 x 47 x 25 mm
Gewicht:                          93 gr.
Hobelkopfgewinde:         M 5
Verarbeitungsqualität:    hervorragend, keine überstehenden Grate, sauber geschnittene Gewinde,
                                        mängelfreie Beschichtung
Bezugsadresse:              AliExpress.com
Anschaffungskosten:       etwa 23 €

Bilder sprechen mehr als 1.000 Worte und deshalb sollen die folgenden Abbildungen dem Leser den DLC-Yaqi vorstellen.




Abbildung 1:  Der braunmetallisch schimmernde Yaqi-Rasierhobel von vorne gesehen.




Abbildung 2:  Der Yaqi-Rasierhobel, von vorne gesehen mit stehendem Hobelkopf.




Abbildung 3:  Yaqi-Rasierhobel, Ansicht von hinten.




Abbildung 4:  Yaqi-Rasierhobel, Ansicht von der Seite.




Abbildung 5:  Yaqi-Rasierhobel, Ansicht von hinten.




Abbildung 6:  Ansicht der braunmetallisch schimmernden Hobelkopfeinzelteile.




Abbildung 7:  Eine weitere Ansicht der Rasierhobelkopfeinzelteile.




Abbildung 8:  Ansicht aller DLC-beschichteten Rasierhobelkopfeinzelteile.


Verarbeitungsqualität
So mancher chinesische Rasierhobel mag als Beleg dafür herhalten, dass chinesische Hersteller eine andere Sichtweise in Bezug auf die Verarbeitungsqualität ihrer angebotenen Produkte haben. Manche Hobel wirken einfach nur billig. Bei anderen Hobeln fallen die bei der Fertigung eingehaltenen Toleranzen teilweise sehr großzügig aus. Und die angebotene Verarbeitung lässt sehr oft noch Wünsche offen.

Auf den DLC-Yaqi sind diese Erfahrungswerte jedoch nicht anwendbar. Denn der chinesische Hobelhersteller Shijiazhuang Yaqi Brush Product Co. Ltd. bietet mit diesem Rasierhobel einen sehr gut verarbeiteten Hobel an. Die Verarbeitungsqualität des DLC-Yaqi steht deutschen Produkten in nichts nach. Ich habe hierzu meinen Yaqi mit vergleichbaren Rasierhobeln von Mühle, Giesen & Forsthoff und Merkur verglichen. In den nachfolgenden Abbildungen habe ich dazu mehrere Kopf- und Grundplatten dieser deutschen Rasierhobel neben die entsprechenden Platten des Yaqi gelegt. Die von links nach rechts in den beiden Abbildungen dargestellten Hobelkopfeinzelteile sind den folgenden Hobeln zuzuordnen:
   - Mühle R 873 R (Mühle-Standardhobelkopf),
   - Timor CC (Giesen & Forsthoff),
   - DLC-Yaqi,
   - Merkur CC (aktueller Hobelkopf des 23c/33c in verchromter Ausführung),
   - Merkur CC (versilberter Hobelkopf aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts).

Die Abbildung 9 zeigt die Unterseite der Kopfplatten und die Oberseiten der Grundplatten. In der Abbildung 10 wird zusätzlich noch die Unterseite der Grundplatten gezeigt.




Abbildung 9:  Vergleichende Ansicht verschiedener Hobelköpfe mit dem des DLC-Yaqi.




Abbildung 10:  Vergleichende Ansicht verschiedener Hobelköpfe mit dem des DLC-Yaqi.


Von allen fünf Grundplatten sticht die aktuelle Grundplatte des Merkur 23c/33c hervor, denn bei ihr sind im Vergleich zu allen übrigen Grundplatten noch deutlich sichtbare Verarbeitungsspuren erkennbar (Gussgrate), die vor der Verchromung nicht entfernt worden sind. In den Abbildungen 9 und 10 ist diese Tatsache nicht gut erkennbar, aber wenn man die einzelnen Grundplatten in die Hand nimmt, fällt dieser Unterschied sofort auf. Allein dieses Beispiel zeigt, wie gut der Yaqi tatsächlich verarbeitet ist, dass er den Vergleich mit seinen deutschen Konkurrenten nicht scheuen muss und sich gegenüber dem Merkurprodukt sogar noch positiv abhebt.


Rasureigenschaften
An den Rasureigenschaften ist beim Yaqi nichts auszusetzen. Die Rasierklinge ist schnell eingelegt, ohne zu klemmen. Jede Klinge passt, dem Chinahobel ist das völlig egal. Weniger egal sollte es dem Nassrasurliebhaber sein, denn mit einer frischen Featherklinge bestückt empfiehlt es sich schon, ein bisschen vorsichtiger zu rasieren.
Wie hält man den Yaqi bei der Rasur in der Hand? Diese Frage muss man nicht weiter vertiefen, denn wozu hat der Hobelgriff seine sechs feinen Rillen? Nur für die Optik? Genau dahin müssen Daumen, Zeige- und Mittelfinger greifen. Alles andere läuft dann nahezu automatisch ab. Der Hobel liegt dann auch gut und sicher in der Hand, irgendwie ausgewogen und dies selbst dann, wenn die Finger nass sind. Von der Optik her war ich da anfangs schon etwas skeptisch. Vielleicht hätte ein kleiner O-Ring meine anfängliche Skepsis gleich ausräumen können, erforderlich ist er aber nicht, allenfalls als eine zusätzliche optische Hervorhebung.
Der richtige Rasurwinkel ist schnell gefunden, er stellt sich gewissermaßen von selber ein. Und wie rasiert mich mein Yaqi? Ich empfinde ihn als ein ernstzunehmendes Rasurgerät, das mich direkt rasiert und bei der Rasur auch zupackt. Mit dem Strich, dann quer dazu und zum Schluss noch gegen den Strich. Den dritten Rasurdurchgang kann ich mir bei den gegenwärtigen warmen Wetterverhältnissen sogar sparen. Er bringt nicht mehr viel. Denn der Yaqi räumt den vorhandenen Bartstoppeln keine Überlebenschancen ein. Trotz dieser Rasureigenschaften haben sich bei mir keine Blutpünktchen eingestellt. Und das nach der Rasur aufgetragene Aftershave hat auch nicht mehr gebissen als bei anderen Rasuren auch.


Ausblick
Der DLC-Yaqi ist zugegebenermaßen nur ein chinesischer Rasierhobel aus dem großen Angebot von in China hergestellten Rasierhobeln. Aber er zählt zu den Guten, den man gegenwärtig nur über chinesische Anbieter erwerben kann.
Rasierhobel aus chinesischer Produktion muss man auch nicht unbedingt mögen, aber der in diesem Bericht vorgestellte Vertreter könnte durchaus schon ein Vorreiter dafür sein, dass sich der gegenwärtige deutsche und europäische Rasierhobelmarkt zukünftig auf eine ernstzunehmende fernöstliche Konkurrenz einstellen sollte. Das Qualitätsniveau bei den chinesischen Rasierhobeln mag derzeitig nur vereinzelt hochwertig ausfallen. Aber das dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis ,,Made in China" zu einem Qualitätszertifikat werden könnte.
Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich 24 Stunden später an nur gering und gleichmäßig nachgewachsenen Bartstoppeln.

saafespatz

Danke, Standlinie, für Deinen Bericht.

Der Rasierer macht Lust, insbesondere optisch macht er etwas her.

Toll finde ich, dass er seitliche Abdeckungen hat, sodass die Klinge nicht an den Schmalseiten heraussteht.
Königsblaue Grüße

saafespatz


"Hat jemand gesagt, dass Hobbys billig sein müssen ?"

"Herr Kuzorra, warum trugen Sie damals so lange Hosen beim Fußball?" "Weil wir so lange Dödel hatten!"

Bad_Rockk

Super Bericht!!

Dagegen ist das hier nur eine Kurzinfo  o)

Ich habe auch YAQI-Hobel im Einsatz.

Griffmaterial: Messing
Griff länge: 91 mm
Gesamtlänge: 97 mm
Griffdurchmesser: 11 mm
Gesamtgewicht: 95g

Hobel mit CC (scalloped bar, medium aggressiv) und dem OC (mellon, sanft) Kopf:



und noch der "Beast" (aggressive) Kopf aus CC Grundplatte und OC Deckel:


Ich bin mit dem Hobel sehr zufrieden. Für einen Preis von aktuell ca. 23€ für den Griff und beide Köpfe (3 wenn man sie kombiniert), kann man m.M. nach nicht viel falsch machen. Gerade als Einsteiger hat man damit eine gute Auswahl zum testen und muss nicht viel investieren. Im Gegensatz zu dem von Standlinie vorgestellten Modell, haben alle Köpfe einen kleinen Klingenüberstand an der Seite.

Das hohe Gewicht finde ich persönlich sehr angenehm. Mit leichteren Hobel fehlt mir die Rückmeldung, ob überhaupt Haare entfernt werden und dadurch erhöht sich unbewusst der Druck. Die Rändelung ist schön griffig und liegt gut in der Hand.

Gruß Tim
Gruß Tim

owlman

Dem Aussehen nach ist das ein Klon des "Bevel"? Dieser wurde hier ja schon besprochen und für recht gut befunden.

saafespatz

Ah, jetzt weiß ich auch woher ich dieses Kopfdesign kenne. Kam mir irgendwie bekannt vor.
Königsblaue Grüße

saafespatz


"Hat jemand gesagt, dass Hobbys billig sein müssen ?"

"Herr Kuzorra, warum trugen Sie damals so lange Hosen beim Fußball?" "Weil wir so lange Dödel hatten!"

Standlinie

Ich habe die Anregung von  Owlman  aufgegriffen, den Thread zum Rasierhobel Bevel durchgelesen und die dort genannten Informationen und gezeigten Bilder mit denen des Yaqi verglichen. Aufgrund der Informationen in beiden Threads ergeben sich aus meiner Sicht "gewisse" Übereinstimmungen:

=> die Grundplatten des Yaqi und Bevel sind nach den Bildern identisch; die tatsächlichen Abmessungen des Bevel liegen mir nicht vor;
=> die Kopfplatten beider Hobel sind wohl ebenfalls identisch, sie unterscheiden sich lediglich in der Beschriftung zur Markenbezeichnung;
=> die Griffe unterscheiden sich in der Aufmachung;
=> die Oberflächenbeschichtung beider Hobel ist unterschiedlich; DLC könnte gegenüber der Verchromung wesentlich glatter sein;
=> ich erlaube mir zu behaupten, dass auch der Bevel in China hergestellt wird;
=> die Rasureigenschaften sind bei beiden Hobeln hervorragend und entsprechen sich;
=> die Bestellung ist Yaqi ist über AliExpress sehr einfach; die Bestellung des Bevel erfolgt in den USA, was in der Regel komplizierter ist;
=> der Anschaffungspreis des Yaqi liegt mindestens 50 % unterhalb des Preises für den Bevel (Vergleich mit Ebay.com); bei letzterem
      kommen noch die Zollgebühren dazu;
=> das Geschäftsmodell des amerikanischen Händlers ist schon beachtenswert, denn er sichert sich durch seine Idee ein sehr gutes Einkommen.
Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich 24 Stunden später an nur gering und gleichmäßig nachgewachsenen Bartstoppeln.

alvaro


Oberloser

Zitat von: alvaro am 21. Juli 2018, 08:10:58
Danke für den Vergleich

+ 1 und auch für den bemerkenswert ausführlichen und lesenswerten Bericht und die Arbeit, die Du Dir damit gemacht hast.

Rockabillyhelge

Ich hatte Standlinies Yaqi unlängst in Händen und muss sagen, dass er auf mich schon einen beachtlichen Eindruck gemacht hat.
Normalerweise scheue ich chinesische Produkte, da ich mit den wirtschaftlichen Umgebungsvariablen so meine Probleme habe, dennoch
muss ich fair bleiben und feststellen, dass der Yaqi in der Preislage ein gut verarbeiteter, zeitgemäßer Hobel ist der wie Standlinie schon
sagte den Vergleich zur europäischen Konkurrenz (soweit sie zumindest dem Namen nach europäisch sein sollte/könnte) nicht scheuen
braucht. Das man in der Preisklasse keinen Edelstahlhobel erwarten muss ist klar, aber der Zinkdruckguss bei Yaqi ist gut ausgeführt und
die Beschichtung gleichmäßig, interessanterweise ist er trotz der glatten Oberflächer recht griffig. Zur Rasur kann ich nichts sagen, ich
vermute aber, das er im Segment mittlerer Aggressivität spielen wird und das man gut mit einer sanften KLinge die gewünschte Bissigkeit
einstellen kann.
Auch mit Bart immer gut rasiert :)


Standlinie

Den Hobel kannst Du vom Fleck weg kaufen. Der Hobelkopf ist bekannt. Merkurhobel haben sehr oft diese Kopfform und auch der Weber-Edelstahlhobel weist diese Kopfform auf. Die Rasuren damit sind ohne Tadel.
Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich 24 Stunden später an nur gering und gleichmäßig nachgewachsenen Bartstoppeln.

Bad_Rockk

Das ist genau der Hobel. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist super. Der Griff ist aus Messing und hat ein schönes Gewicht. Ich überlege mir sogar einen zweiten zu als Backup kaufen.

Zitat von: Bad_Rockk am 19. Juli 2018, 09:44:02
Super Bericht!!
Hobel mit CC (scalloped bar, medium aggressiv) und dem OC (mellon, sanft) Kopf:



Gruß Tim

jenseub78

So meine lieben Hobelfreunde,
habe mir, inspiriert durch youtube, auch Yaqi Köpfe bestellt.
Die zwei, die zusammen dann den Beast ergeben. Also den Doppel-offenen-Kam und den Melon(?) Kopf glaub wars. ;-)
Soll dann von ganz Mild über Mittel aggressiv bis aggressiv gehen. Je nach Kombination eben.
gekostet hat es mich, inklusive Versand, 12 Euro. (Ohne Griff, da werde ich den Rockwell wohl nehmen)
Da ich in letzter Zeit überlegt hatte mal was aggressiveres zu probieren, aber nicht viel ausgeben will, da ich es vermutlich eh nicht vertrage., war das ne Lösung mit der ich leben kann.
Bin wirklich mal gespannt. Vor allem da mein Merkur open comb schon lange verliehen ist, kann ich endlich mal wieder "offen" Rasieren ;-)

LG,
Jens

Observer

Lang genug bin ich um den Mellon Kopf rumgeschlichen. Aber zum Singles-Day gab es keine Ausreden mehr. ;) Vor allem, weil es mittlerweile auch einen passenden Griff zum vernickelten Kopf gibt:





Optisch und rasiertechnisch kann ich nichts bemängeln. Einzig der Griff fühlte sich anfangs ein wenig scharfkantig an. Insbesonders in der Mitte bei den dekorativen Aussparungen. Allerdings muss ich sagen, daß das nach zwei mal benutzen schon wesentlich besser ist. Die Kanten haben sich quasi abgegriffen.
Der Griff dürfte übrigens der kürzeste sein, den ich besitze. Sogar der des Merkur 42c ist länger. Er liegt aber trotzdem hervorrangend in der Hand und fühlt sich sehr wertig an (vernickeltes Messing).