Unbekannter Rasierhobel mit Etui

Begonnen von heinzelmann, 26. September 2026, 11:14:29

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heinzelmann

Hi Gemeinde! ;D

Ich bin ein sehr alter, ausgesprochen oft benutzter Zahnkamm-Rasierhobel. Man sieht es mir an ...! Aber wie ist mein Name?
Der einzige Hinweis ist auf dem Etui über dem Druckknopf, aber war dieses schon immer mein Ruheplatz?

Fragen über Fragen! :)







Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterläßt keine eigenen Spuren (Wilhelm Busch).

Tim Buktu

Hast du schon mal nach der Marke auf dem Leder gesucht? Die ist auf den Foto schlecht zu erkennen.
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

heinzelmann



Ich habe bisher nichts passendes gefunden ...

Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterläßt keine eigenen Spuren (Wilhelm Busch).

Tim Buktu

Auch meine Literatur gibt leider nichts her.
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

Standlinie

Jetzt möchte ich auch einmal meine Meinung zu diesem Zahnkamm-Rasierhobel äußern. Zuerst einige Fakten.

Der alte Zahnkammhobel besteht aus dem Grundwerkstoff Messing. Er ist stark abgenutzt. Von der ursprünglichen Außenbeschichtung ist auf den Bildern fast nichts mehr zu sehen. Dieser Hobel wurde jahrelang - wenn nicht sogar jahrzehntelang - intensiv eingesetzt. Betrachtet man die äußeren Eckzähne, fällt sofort auf, dass keiner dieser Eckzähne verbogen ist. Eine Verbiegung tritt aber immer dann auf, wenn solch ein Zahnkammhobel vom Waschbeckenrand herunter auf die Fliesen des Fußbodens fällt. Der unbeschädigte Zustand lässt daher die Aussage zu, dass dieser Rasierhobel in all den Jahren seiner Nutzung immer umsichtig behandelt wurde.

Der vorliegende Rasierhobel unterscheidet sich von vielen anderen Exemplaren seiner Zeit durch die Tatsache, dass der Rasierhobelgriff mit der Grundplatte des Rasierhobelkopfes fest verbunden ist. Diese wertige konstruktive Ausführung führt zu einer längeren Gewindestange an der Kopfplatte und zu einer langen Gewindehülse mit einem längeren Gewinde in der Griffhülse. Bei dieser Rasierhobelausführung nutzt sich das Gewinde der Gewindestange beim stärkeren Zuschrauben oder Zudrehen weniger stark ab im Vergleich zu normalen dreiteiligen Hobeln mit kurzem Gewindezapfen an der Kopfplatte. Konstruktiv spricht dies für eine vom Hersteller angestrebte robustere Ausführung, die für eine lange Lebensdauer gedacht war. 

Der Werkstoff Messing wurde in der Vergangenheit in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg und erst wieder danach als Grundwerkstoff für Rasierhobel verwendet. Messing war während der Kriegszeit ein strategisch wichtiger Werkstoff (Patronen- und Granathülsen, Messgeräte aller Art, u.v.m.), so dass er für Gegenstände des allgemeinen Gebrauchs nicht zur Verfügung stand und daher durch Zinkdruckguss, Bakelit, sonstige Kunststoffe und Stahl (Blechprägeteile) ersetzt wurde.
Alle Zahnkammhobel meiner umfangreichen Sammlung weisen geringere Abnutzungsspuren auf, soweit sie nach 1950 hergestellt wurden. Einige alte Rasierhobel, die diesem hier gezeigten Exemplar ähneln, stammen eindeutig aus der Zeit vor 1940. Der hier von Heinzelmann gezeigte Zahnkammhobel wird daher mit hoher Wahrscheinlichkeit aus den 30er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts stammen.
Ein weiteres Indiz für die Herkunft aus den 30er Jahren bildet die fehlende Außenbeschichtung. Wertige Rasierhobel wie auch dieser waren in der Vergangenheit in der Regel versilbert. Sie sahen damit schöner und wertiger aus im Vergleich zu ihren verchromten Konkurrenten. Und diese Außenbeschichtung nutzte sich im Laufe der Zeit bei regelmässiger Nutzung auch stärker ab. Heinzelmanns Zahnkammhobel wird früher einmal versilbert gewesen sein. Bei der Betrachtung seiner Bilder sind auf der im ersten Bild gezeigten Gewindehülse im vorderen Bereich helle Flecken erkennbar, die möglicherweise noch auf eine ursprüngliche Versilberung hindeuten.

Die Zahnkammleiste der Kopfplatte besteht aus 14 einzelnen Zähnen. Die äußeren Eckzähne sind breiter gehalten im Vergleich zu den dazwischenliegenden 12 Zähnen. Die Eckzähne dienen dem Schutz des gesamten Zahnkamms, hier besonders im Falle eines Falls auf den Fußboden. Bemerkenswert ist aber die gerade Anzahl der schmalen Zähne (12 Stück), denn diese Tatsache grenzt die Namenszuordnung des vorliegenden Zahnkammhobels gegenüber vielen anderen Zahnkammhobeln ein.
Bei fast allen Rasierhobeln meiner Sammlung verfügen beide Zahnkammleisten in der Regel über jeweils 13 Zähne (2 Eckzähne und 11 dazwischenliegende Zähne). Dazu einige Beispiele: Leresche, Le Coq, Merkur, Rotbart, Gillettehobel (die New-Types). Andere Zahnkammhobel haben noch weniger Zähne (z.B. Fatip). Nur der Old-Type von Gillette und seine nach dem Auslaufen seines Patentes von vielen Herstellern produzierten Klone (nach 1920 wohl) verfügen über Zahnkammleisten mit jeweils 14 Zähnen. Ich besitze einige Old-Type Originale, zwei Zahnkammhobel der Marke Rotbart, einen Zahnkammhobel der Marke Golf und weitere andere namenlose  Zahnkammhobel (alles Klone) mit jeweils 14 Zähnen. Legt man die gezahnten Kopfplatten nebeneinander, stehen sich sämtliche Zähne dieser Kopfplatten gegenüber oder weisen nur einen marginalen Versatz auf. Der Zwischenraum zwischen zwei Zähnen beträgt immer 2 mm.

Ich schlussfolgere aus den Tatsachen der Zahnkammleiste mit beidseitig 14 Zähnen und der starken Abnutzung des Rasierhobels von Heinzelmann, dass es sich bei diesem Zahnkamm-Rasierhobel um einen Klon des Old-Types von Gillette handelt und die Herstellung in den späten 20er Jahren oder in den 30er Jahren erfolgte.

Das Hobeletui weist einen guten Zustand auf und ist wertig verarbeitet. Ob es sich aber um das Originaletui handelt, mit dem dieser Rasierhobel zusammen in der Vergangenheit verkauft oder verschenkt wurde, kann ich nicht beurteilen.     
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