Neues aus der Werkstatt - Mein erstes Rasiermesser-Heft

Begonnen von DailyDriver, 27. Juli 2025, 14:54:51

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alvaro

Zitat von: Ombel in 19. Oktober 2025, 10:48:57Einer der Gründe warum so viele Handwerke ausgestorben sind und viele Handwerksbetriebe den Bach runter gegangen sind.


Und heute muss man Glück haben einen Handwerker zu finden der wirklich auch mal mitdenkt und seinen Job versteht

DailyDriver

#31
Es gibt Neues aus der Werkstatt ...
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Hässliches Entlein
oder
stolzer Vogel?
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GlaDesign V
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Duble Duck Wonderedge in 6/8 mit Ebenholzheft
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Hier stelle ich euch meine jüngste Arbeit vor, ein Rasiermesser mit einer neuen, aber noch umgefasten Duble-Duck-Wonderedge-Klinge in 6/8 mit Ebenholzheft. Als Grundidee schwebte mir ein Messer vor, das auf der einen Seite durch seine Schlichtheit eher ruhige Akzente setzt, aber auf der anderen Seite durch etwas Neues (zumindest neu für mich) auch ein wenig für Aufmerksamkeit sorgt. Bezüglich letzterem habe ich doch schon ein wenig nachdenken müssen, da ich ja definitiv kein Fan von großen Schnörkeleien, Farbspielen oder gar von irgendwelchen Klingonenschwertern mit Drachenkopf und Feuerschweif bin. An der Form der Klinge wollte bzw. kann ich nichts ändern, ohne dabei die Funktionsfähigkeit negativ zu beeinflussen. Blieb somit wohl nur noch das eigentliche Heft übrig. Selbiges ist wieder aus Holz und da kann man(n) schon a bisserl was machen.
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Die Materialwahl
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Als Material habe ich bei diesem Messer erneut Ebenholz gewählt. Einerseits hatte ich die ,,Rohlinge" bereits fertig in Länge und Stärke zugeschnitten im Holzlager, andererseits ist Ebenholz für mich eine der schönsten Holzarten, welche ich bislang verbaut habe. Meiner bescheidenen Meinung nach unterstreicht es in seiner Eleganz meinen Wunsch nach Schlichtheit, ermöglicht aber dennoch, durch das homogene, etwas andere Schwarz kleine Akzentpunkte zuzulassen, ohne dabei in seiner Gesamtheit zu düster zu wirken. Um dem feuchten Umfeld des künftigen Einsatzgebietes gerecht zu werden, habe ich auf Bewährtes zurückgegriffen, es wurde eine 2-malige Behandlung mit DanishOil und als Finish erfolgte dann ein mehrmaliges Auftragen meiner selbstgemachten ,,Spoon-Butter". Beim Keil bzw. dem Abstandshalter habe ich mich diesmal wieder für die Sandwich-Bauweise entschieden. Die beiden Außenseiten sind aus Neusilber und fassen so einen Streifen aus Elforyn ein. Selbiges wird heute in vielen Bereichen als Elfenbeinersatz verwendet und weist sogar, je nach Herstellungsprozess, auch eine Struktur auf, die durchaus dem Original gleichkommen kann. Bestes Beispiel war die wirklich tolle, unlängst vorgestellte Arbeit in Form eines Rasierpinsels von unserem lieben Mitforisten @RasurKult. Dieses Elforyn lässt sich problemlos verarbeiten und kann z. B. als Finish wirklich sehr schön poliert werden. Als Nietsatz habe ich zu Anfang die Bullseye-Nieten aus dem Hause @Koraat geplant, habe mich dann aber doch für die etwas dezenter daherkommenden Nieten im Standard-Design (Neusilber) aus gleichem Hause entschieden.
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Der Akzentpunkt
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Da ich ja nicht ausschließlich an Rasiermessern interessiert bin, sondern mich an fast allen Formen des scharfen Stahls erfreue, schaue ich mich natürlich auch gerne mal bei anderen ,,Messermachern" und deren Arbeiten um. Dabei bin ich auch auf die Idee gekommen, bei einem meiner nächsten Vorhaben einen sog. ,,Mosaikpin" zu verwenden. Diese Mosaikpins sind (vereinfacht ausgedrückt) Röhrchen, in denen sich wiederum feinste Streifen, Drähte o. ä. befinden, die zu einem Bild oder einer bestimmten Form geordnet und dann mit einem Harz ausgegossen sind. Wenn alles richtig gemacht wurde, setzt sich das Bild oder Motiv durchgängig über die gesamte Länge des Pins fort und so kann man sich z. B. durchgängige Zierpins für Messergriffe ablängen und, entsprechende Vorarbeiten vorausgesetzt, in eigene Messergriffe einarbeiten bzw. verkleben. Es gibt diese Mosaikpins in unterschiedlichen Durchmessern und Längen. Als Material sind hier verschiedenste Arten vertreten, Neusilber, Edelstahl, Messing u. a. Was die Motive angeht, ist mittlerweile eine schier unbegrenzte Vielfalt erhältlich. Wem das nicht reicht oder wer nicht fündig wird, der kann sich auf den üblichen Plattformen mit Anleitungen, Videos und entsprechendem Material versorgen.
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Bei dem Messer war mir schon nach dem ersten ,,Probeliegen" der Klinge im noch unbehandelten Heft schnell klar, dass ich wohl nicht ohne einen zusätzlichen, innenliegenden Abstandshalter auskommen werde, um nicht das dünne Heft nur auf Höhe des Ansatzes innen ausschleifen zu müssen. Im Regelfall nahm ich für diese Aufgabe M4-Abstandshalter, wie man sie z. B. aus dem Platinenbau her kennt, und setzte ihn nach dem Einpassen zwischen die Heftschalen, um selbiges nur auf Höhe des Ansatzes etwas auseinanderzuhalten. Diese Aufgabe sollte dann ein durchgängiger Mosaikpin übernehmen, quasi in Form einer Erlbremse. Dieses Vorhaben habe ich dann aber verworfen, denn als Befestigung kam nur das Verkleben mit 2K-Kleber in Frage und letztendlich war es mir zu riskant, da ja nur die Innenflächen in der entsprechenden Bohrung durch die jeweilige Heftschale zur Verfügung stehen würden. So habe ich mir quasi eine Hybrid-Lösung aus beidem erdacht: innenliegend ein Abstandshalter aus Kunststoff, von außen eingesetzt, entsprechend abgelängte Pins. Durch diese Bauform habe ich eine große Stabilität durch den innenliegenden Abstandshalter und gleichzeitig auch eine weitere Klebefläche für die Pins. Wie sich am Ende herausstellte, eine sehr gute ,,Win-Win"-Lösung ...
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Das von mir gewählte Symbohl im Mosaikpin stammt ursprünglich aus der mythischen Welt der Kelten und wird als Triquetra, Dreifaltigkeitsknoten oder schlicht ausgedrückt als Trinity-Knoten bezeichnet. Es verweist auf die Zahl 3 hin, die bei den Kelten auch für Geburt, Leben und Tod, Klrper, Geist und Seele stehen kann. Auch im Christentum ist die Zahl drei gegenwärtig, stehend für die Dreifalltigkeit.
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Zur Oremierenrasur bitte hier entlang....
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Vielen Dank und Gruß
Gregor
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

MRetro

@DailyDriver

Wow, der Pin und der Keil sind erste Sahne. 👍
Allerdings habe ich die Konstruktion/den Aufbau des Pins nicht ganz nachvollziehen können. Kannst du mir da nochmals Nachhilfe erteilen? Fotos der Schritte oder Bauteile wären auch hilfreich.

DailyDriver

Zitat von: MRetro in 23. November 2025, 17:22:07@DailyDriver

Wow, der Pin und der Keil sind erste Sahne. 👍
Allerdings habe ich die Konstruktion/den Aufbau des Pins nicht ganz nachvollziehen können. Kannst du mir da nochmals Nachhilfe erteilen? Fotos der Schritte oder Bauteile wären auch hilfreich.
Zuerst einmal vielen lieben Dank!

Sööö, ich gehe mal davon aus, dass Du nicht den Aufbau des Mosaikpins an sich meinst,
sondern den Aufbau, wie das Ganze verbaut wurde. Anbei mal eine Skizze mit einer
schematischen Darstellung...


Zwischen den beiden Heftschalen befindet sich der Abstandshalter aus
Kunststoff. Er hat innen einen Ø von 4mm, Außen einen Ø von 10mm,
Der Mosaikpin hat außen einen Ø von 6mm, die Bohrungen durch die
Heftschalen haben einen Ø von 6,1mm. Die beiden Pins (Re. & Li.) haben
ja einen kleineren Ø als der innen vor den Bohrungen liegende Abstands-
halter, somit liegen die Pins auf dem Abstandshalter. Es bedurfte dann
nur noch etwas 2k-Kleber auf den Innenflächen der Bohrungen (Heftschalen)
und auf dem Abstandshalter...und fettisch...



2 der Abstandshalter (Links) und der Mosaikpin in Gänze (Rechts)


Ich hoffe, jetzt wird meine Vorgehensweise etwas anschaulicher.

Danke und Gruß
Gregor
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Iltis

Ich klinke mich einmal ein, um deine Arbeit zu loben, DailyDriver, sehr sauber und schön. Als praktizierenden Druide gefällt mir natürlich der eingelassene Triquetra sehr gut.

Gruß

Iltis
de gustibus, aut bene aut nihil

MRetro

@DailyDriver

Ja, dieses Gesamtkonstrukt meinte ich. Vielen Dank, die Fotos der Ausgangsmaterialien samt Zeichnung sind sehr veranschaulichend. Den PIN hast du dann dazu gekauft oder auch selber hergestellt?

DailyDriver

Zitat von: MRetro in 23. November 2025, 20:05:04@DailyDriver

Ja, dieses Gesamtkonstrukt meinte ich. Vielen Dank, die Fotos der Ausgangsmaterialien samt Zeichnung sind sehr veranschaulichend. Den PIN hast du dann dazu gekauft oder auch selber hergestellt?
Nein, den Pin habe ich nicht selbst gemacht, sondern fertig gekauft. Übrigens ein sehr
guter Shop mit wirklich guten ,,Ausgangsmaterialien"
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

MRetro

@DailyDriver

Schöne Sachen gibt es da zu sehen. dh:
Und dein Pin war dann wohl der letzte. Aktuell ist er ausverkauft. Glück gehabt. :)

DailyDriver

Zitat von: Iltis in 23. November 2025, 19:24:55Ich klinke mich einmal ein, um deine Arbeit zu loben, DailyDriver, sehr sauber und schön. Als praktizierenden Druide gefällt mir natürlich der eingelassene Triquetra sehr gut.

Gruß

Iltis
Vielen Dank!  dh:

Vielleicht erwirkst Du als Druide einen Zauber, der meinem Messer ewigliche Schärfe
und Sanftheit über Generationen hinweg verspricht, gleichsam den überdauernden
Zeichen eurer Kunst auf den alten Kraftsteinen... ;D

Gruß
Gregor
LIEBER HABEN OHNE ZU BRAUCHEN ALS GAR KEIN SPASs! 😎

alvaro


DailyDriver

#40
Es gibt neues aus der Werkstatt...
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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute (Holz) doch so nah...Ich darf vorstellen, das
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GlaDesign VI - Fesche Esche
(Dreidecker #63, vollhohl in 13/16 mit Eschenholz-Heft)
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Wie der Eingangstitel schon erahnen lässt, bin ich bei diesem Messer nicht dem allgemeinen Trend nach exotischem Holz für die Griffschalen gefolgt, sondern bin in heimischen Landen geblieben. Bei den Gedanken zu dem Messer habe ich mich gefragt, welches Holz denn überhaupt in Frage käme, denn es gibt reichlich einheimische bzw. europäische Holzarten, die grundlegend überhaupt gar nicht zum Heftbau geeignet sind, so z. B. Nadelhölzer wie Tanne oder Kiefer. Dann sollte das Holz auch optisch ein wenig ansprechend sein. Ich wollte von Anfang an, dass die Maserung rein optisch ins Gesamtbild passt, aber nicht wie ein Zebra daherkommt. In Anlehnung an meine Lehrzeit zum Bau- und Möbeltischler und mein damaliges Gesellenstück (1984) habe ich mich für eins meiner Lieblingshölzer entschieden ... die Esche.
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Die Esche ist ein kompaktes, hartes, aber gleichzeitig dennoch sehr flexibles Holz und gerade diese Eigenschaften haben es z. B. für Werkzeugstiele und Hefte zur 1. Wahl gemacht. Es ist äußerst robust und seine Oberfläche bleibt auch bei großer Querbelastung splitterfrei. Das Farbenspiel der Maserung bzw. der verschiedenen Jahresringe ist allerdings z. T. sehr kontrastreich. Bei einem Hammerstiel o. ä. ist das ja völlig egal, bei meinem Heft für ein Rasiermesser aber nicht. Im Normalfall wird das Holz ja mit stehenden Jahresringen verarbeitet. Dies würde allerdings in meinem Fall einen gewissen ,,Zebra-Effekt" zeigen, genau das wollte ich ja nicht. Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Ich nutze das Holz mit ,,liegenden" Jahresringen, d. h., wenn man auf die Seiten der Heftschalen schaut, schaut man auf den sog. ,,Spiegel" der Maserung.
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Sieht besser aus, kann aber zum Nachteil sein, denn so können sich bei einer starken Belastung einzelne Holzfasern aufrichten. Um dies zu verhindern, habe ich viel Zeit und Mühe in die Oberflächenbehandlung investiert und das Holz mehrfach befeuchtet und immer wieder fein an- bzw. abgeschliffen ... natürlich alles mit der Hand. Letztendlich habe ich das Holz mit mehreren ,,Lagen" DanishOil versiegelt und zum Finale noch meinen selbstgemachten Holzschutz mit Carnaubawachs aufgetragen und das Heft final per Hand nachpoliert. Die Vernietung habe ich wieder mit den Standard-Nietsätzen aus dem Hause KORAAT gemacht und sie haben einen stattlichen Durchmesser von 2 Der Abstandshalter im Heck ist entgegen meiner Planung diesmal nicht in Sandwich-Bauweise, sondern aufgrund der recht schlanken Klinge ,,nur" aus einlagigem Neusilber gefertigt. Geplant war auch die Einarbeitung der bereits bei meinem GlaDesign V verwendeten TRIQUERA (keltisches Symbol), allerdings haben mir auch hier die recht schlanke Klinge und das daraus resultierende, eher schlanke Heft einen Strich durch meine Rechnung gemacht. Da die geringe Breite und die Stärke von nur knapp Ø 2,6 mm durch eine mittige, 5 mm große Bohrung doch m. E. zu stark geschwächt werden würden, habe ich darauf verzichtet, zumal das Heft an besagter Stelle auch unter Spannung gehalten ist.
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Ich finde, durch die helle, frische Farbe des Holzes mit seiner dezenten Maserung, die Akzentuierung durch den Abstandshalter aus Neusilber und nicht zuletzt die Größe der Nieten ist mal ein wenig Abwechslung in die ja sonst eher dunkel und einfarbig gehaltene Welt der Holzhefte gekommen.
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Das Messer im Detail:
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Heft: Esche
Klinge: Dreidecker #63, vollhohl in 13/16 (gemessen ab Rückenkante) aus dem Hause REVISOR
Nieten: Standard-Niet-Sätze aus dem Hause KORAAT
Abstandshalter: Neusilber, einteilig
Holzversiegelung: orig. Danish Oil & DIY Spoon-Butter
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Danke und Gruß
Gregor
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MRetro

@DailyDriver

Mir gefallen die hellen Hefte mit ihrer gröberen und ungleichmäßigen Maserung sehr gut. 👍
Kommt die Farbe nur vom Holz oder ist sie der Oberflächen-Behandlung geschuldet?

DailyDriver

#42
Zitat von: MRetro in Gestern um 16:07:35@DailyDriver

Mir gefallen die hellen Hefte mit ihrer gröberen und ungleichmäßigen Maserung sehr gut. 👍
Kommt die Farbe nur vom Holz oder ist sie der Oberflächen-Behandlung geschuldet?
Das DanishOil ,,feuert" die Maserung des Holzes gut an, d.h. die Kontraste zwischen
hell und dunkel werden betont, gleichzeitig dunkelt es ein wenig das Gesamtbild,
meine DIY-Spoon-Butter ist dagegen nahezu neutral.

Gruß
Gregor
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MRetro

Danke dir, @DailyDriver.

Ist das Heft im letzten Bild, oben rechts, noch das unbehandelte Holz?

DailyDriver

Zitat von: MRetro in Heute um 12:53:14Danke dir, @DailyDriver.

Ist das Heft im letzten Bild, oben rechts, noch das unbehandelte Holz?
Richtig, weder geschliffen, noch mit DanishOil oder anderem bearbeitet.

Hier habe ich mal zum Vergleich das fertige Messer auf die originale Abschnitt-
seite der Eschen-Kantel gelegt, aus dem ich die beiden Seiten geschnitten habe.
(Um den Unterschied zu verdeutlichen, sind die beiden Fotos bis auf das Zusammenführen nicht weiter bearbeitet.)



Gruß
Gregor
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