Sommerloch - Zeit für einen neuen Test: Japan vs Thüringen.

Begonnen von jollo74, 23. August 2015, 18:01:02

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Dullblade

Mal ne blöde Frage zu Euren Honyamas: Was sind das für Steine und kann Sie jemand im Vergleich zu meinem fast neuen Ohtanyama von Hori einordnen? Ist das eventuell das Gleiche?

Meiner ist so einer:

http://gx2.japan-messer-shop.de/Japanische-Naturschleifsteine/kamisori-Schleifstein-Asagi/product-1687.html?XTCsid=2akhufldl7b7vr2gbbsu8c6bn5

jollo74

Zitat von: holzklinge am 01. Oktober 2015, 14:38:34
Zuerst vielen Dank an Jörg für seine Initiative.

meine 2 Messer wurden ganz gut geschärft, eine Superarbeit, Top des Tops.

nach 3 Proben kann ich jetzt sagen dass eine sehr geringe Differenz zu spüren ist zwischen den 2 Klingen.

alle Rasierungen wurden durchgeführt mit einer grossen Konzentration/Aufmerksamkeit.

das Cowboymesser - Escher- liegt davorn aber mit einem sehr kleinen Vorteil.
das Sanssouci - Honyama - hat das Cowboy eingeholt am letzten Round, obwohl alle 2 mit 50 Durchgängen abgeledert worden.
das Cowboy hatte sogar während dem Nurmitdemstrichtest 80 % meinen Bart abgeschneidet: da erkennt mann einen Schärfermeister.

jetzt sind meine andere Klingen ein bisschen eiversüchtig geworden ...

beste und freundliche Grüsse an unseren lieben Jörg,

Nono
       
Vielen Dank mein lieber Nono für den Abschlussbericht  dh: und das große Lob  ;D ;D!

Liebe Grüße
Jörg

jollo74

Zitat von: Dullblade am 01. Oktober 2015, 16:07:43
Mal ne blöde Frage zu Euren Honyamas: Was sind das für Steine und kann Sie jemand im Vergleich zu meinem fast neuen Ohtanyama von Hori einordnen? Ist das eventuell das Gleiche?

Meiner ist so einer:

http://gx2.japan-messer-shop.de/Japanische-Naturschleifsteine/kamisori-Schleifstein-Asagi/product-1687.html?XTCsid=2akhufldl7b7vr2gbbsu8c6bn5

Meinen Honyama hatte ich im "Zeigt her Eure Steine"-Thread vorgestellt:

Zitat von: jollo74 am 19. April 2015, 14:58:23
Hallo zusammen,

Ich möchte Euch hier kurz meine letzte Neuerwerbung vorstellen - einen "Honyama Bruchstein" von DICTUM.

Zu diesem Stein gibt es nicht sehr viele Hintergrundinformationen, DICTUM gibt auf seiner Homepage (www.dictum.com) folgendes wieder: "Natürlich gebrochene Formen, auf einer Seite plan geschliffen. In den Schärfeigenschaften vergleichbar mit guten Belgischen Brocken. Aus der Region Tanba."

Dieser Stein hatte mich schon länger interessiert, aber "blind" im Onlineshop bestellen wollte ich nicht so gerne. Vorgestern ergab sich dann die Gelegenheit, in DICTUMs Ladengeschäft in Metten vorbeizuschauen (übrigens ein Paradies für Männer  ;): man kann nicht nur alles in die Hand nehmen, sondern auch vieles direkt im Laden ausprobieren: Sägen, Äxte, Schleifsteine, Maschinen, etc.  ;D ;D). Die Verkäufer waren sehr nett und kompetent (sowohl was Schleifsteine angeht, als auch hinsichtlich japanischer Kochmesser). Sie waren so freundlich, mir eine ganze Kiste Bruchsteine aus dem Lager zu holen, damit ich mir meinen Lieblingsstein herauspicken konnte. Die Steine waren extrem unterschiedlich was die Abmessungen, aber auch Farben und Beschanheit angeht: manche hatten viele Löcher ("Su") und die Farben reichten von gelb über orangerot bis graugrün. Ein paar hatten auch ordentliche Macken an den Kanten bzw. feine Risse in der Oberfläche. Ich habe versucht, mir den homogensten und dichtesten 'rauszusuchen -  und der ist es dann geworden (Abmessungen: ca. 14,5 x 7 x 3 cm; 711 g schwer):

Vor dem Abrichten, noch mit Stempeln:


Nach dem Abrichten, Oberseite trocken:


Oberseite nass:


Unterseite:


Um den Stein einschätzen zu können, habe ich zuerst einmal an meinem Sirou Kamo Kenyo ausprobiert. An dem breiten Anschliff und den verschieden Lagen (Eisen-Außenlagen und Aogami-Schneidlage) kann man die Poliereigenschaften eines Steines sehr gut ablesen. Die Klinge war zuvor mit meinem Nakayama Maruka mit einem schönen Kasumi-Finish versehen. Der Stein hatte eine ganz gute Abtragsleistung, und nach 10-15 min Schärfen sah das ganze so aus:



Ich muss sagen, dass ich sehr beeindruckt bin ;D. Die Politur ist feiner als mit meinem Nakayama Maruka, und auch die verschiedenen Lagen ließen sich sehr schön und kontrastreich herausarbeiten. Und das für schlappe 32,50 EUR  :o!

Jetzt kommen bald mal ein paar Rasiermesser dran - mal sehen, wie er sich hier schlägt  8).

LG
Jörg


Zum Vergleich mit Deinem Othanyama kann ich leider nicht viel sagen, da ich diesen nicht kenne... Ich kann meinen Honyama nur mit meinen anderen Naturjapanern vergleichen (Nakayama Iromono, Nakayama Maruka, Ohzuku) und im Vergleich zu diesen schneidet er sehr gut ab  dh:. Ich würde sagen, er liefert am leichtesten eine sehr hohe Schärfe >D. Der Maruka ist deutlich schneller und liefert  ein tolles Kasumi-Finish, aber eine etwas sanftere und weniger hohe Schärfe. Der Ohzuku schafft die gleiche Schärfe, ist aber auf Grund seiner hohen Härte (und kleineren Dimensionen) etwas schwieriger in der Handhabung :). Der Iromono liegt irgendwo dazwischen  o) ;D.

Der Honyama ist potentiell ein hervorragender Stein, das Ganze ist aber mit einem Lotterie-Spiel verbunden (sofern man nicht vor Ort wählen kann und über etwas Erfahrung verfügt).

Ich hoffe, dass beantwortet in etwa Deine Frage  :D.

Liebe Grüße
Jörg

blerolandi

Hallo Jollo,
Eine Frage zur Auswahl der Finisher:
Der Honyama wird von Verkäuferseite mit ca. 6.000 bis 8.000 Körnung angegeben,
der Escher soll sehr viel feiner sein. Konntest Du feststellen, dass der Honyama doch
eine feinere Körnung aufweist (wieviel ungefähr geschätzt), oder liegt es an der Erfahrung
des Schärfers, was er aus dem Stein ,,herausholen" kann?
Alles im Hinblick darauf, dass beide Steine ein ähnlich gutes Ergebnis zeigten.
Vielen Dank

jollo74

Ja, die Frage nach der Körnung von Natursteinen  ;D - eines der letzten Geheimnisse des Schärfer-Universums  ;) :D...

Und, wie bei allen Glaubensfragen, ein kontrovers diskutiertes Themenfeld  :).

Ich persönlich halte nicht so viel davon, Natursteine nach Körnungsangaben einzuteilen. Die Datenbasis ist m.M.n. sehr dünn und die ganze Körnungs-Diskussion vernachlässigt wichtige andere Faktoren, wie bspw. Härte, Form und Freisetzung der Schleifkörper.

Am ehesten lässt sich noch feststellen, wie sich ein Naturstein auf das Finish eines Synthetik-Steins auswirkt. Will sagen  :): verschlechtert oder verbessert der Naturstein die Schärfe/Rasurfähigkeit einer Schneide nach einem bestimmten Synthetik-Stein (oder bleibt's gleich  o))?

Meine "Benchmark" für Narursteine ist der Naniwa Super Stone 12.000. Und hier sind mein (!) Honyama und Escher in etwa gleichauf. Unterschiede sind wohl hauptsächlich mit persönlichen Vorlieben zu begründen (Von der reinen Körnung sind beide wohl dem Naniwa unterlegen  o)).

Ich hoffe, das war in wenig hilfreich  :D.

Liebe Grüße
Jörg

Dullblade

Körnung und Japser, ja ein tolles Thema.
Meiner Meinung nach hängt hier viel von der verwendeten Menge Wassers und der daraus resultierenden Dicke des Schleifschlamms (slurry) ab; dazu kommt noch die Länge des Schleifvorganges, da die Schleifpartikel immer feiner werden. Von der "Ein-Stein" Methode mit diversen Naguras will ich noch gar nicht reden...
Fakt ist, dass es mit den Natursteinen vielleicht mehr Spaß macht, als mit den synthetischen, da es bei letzteren nur wenig Überraschungen gibt...

blerolandi

Vielen lieben Dank, Jörg und Dullblade!
Das war in der Tat sehr hilfreich und auch
durchaus nachvollziehbar.
Die Sache mit dem Spass und den Überraschungen
kann ich bestätigen, auch wenn ich keine
synthetischen "Steine" besitze... ;D

Senser

Inzwischen habe ich mit dem 2. Zwilling, welches nur unterirdische Rasuren lieferte, nochmal diverse Schärfrunden mit verschiedenen Setups absolviert. Allerdings hat sich am Ergebnis nichts geändert. Da wird nie ein gutes, sanftes geschweige denn gründliches Rasiermesser draus. Vermutlich ein Härtefehler.
Falls ich dieses Messer mal in die Bucht schicke, werde ich es als Bartsense bezeichnen, sodass Ihr wisst, um welches Messer es sich handelt, und Euch entsprechend hochbieten könnt >D

Gruß Senser

Senser

ich muß unsere Tests, oder zumindest die, an denen ich beteiligt bin, leider stark in Frage stellen.
Nicht, dass ich hier eine klare Entscheidung zwischen Escher und japanischen Steinen erwartet hätte. Nein, es geht um die Beurteilung von Schärfe bzw. Rasiereigenschaften eines Messers überhaupt.
Nach meinem letzten Post hat mich ein erfahrener Kollege aus dem Forum angeschrieben, und mir vorgeschlagen, das besagte Zwilling nochmal mit seinen japanischen Finishern zu schärfen. Nun, warum nicht , dachte ich mir, denn ich hatte mich eigentlich schon von diesem Messer verabschiedet. Ich bat Ihn, sich vor einem erneuten Schärfen doch auch mit diesem Messer zu rasieren, um überhaupt einen Eindruck vom Stand dieses Messers zu bekommen.
Das hat er gemacht und er schrieb mir, dass es eigentlich gar keinen Grund gegeben hätte, dieses Messer erneut zuschärfen. Trotzdem hat er es nochmal mit seinen Japanern überarbeitet und wieder zu mir zurückgesendet.
Ich fand die Rasur mit dieser Klinge nach wie vor grottig.
Er fragte, mich ob ich dieses Messer denn evtl. verkaufen würde, und da habe ich Ihm dieses Messer für gar nichts verkauft, und das Schwesterchen zu einem günstigen Kurs. Er ist super zufrieden und ich habe kein schlechts Gewissen.
Aber Aussagen zur Qualität eines Rasiermessers sollte ich mir künftig doch eigentlich verkneifen.
Gruß Senser

doorsch

Senser, aber das ist doch nichts neues...wir wissen doch alle das gerade die Rasur ein äusserst "unscharfer" Faktor ist. Jeder hat seine Vorlieben und eine eigene Interpretation zu seiner Rasur....

Dazu kommen persönliche Vorlieben bei den Steinen und ein Unterschiedlicher Wissensstand. Also jemand der als Einsteiger ein Messer testet empfindet das was ein Profi der schon hunderte Klingen auf 20 verschiedenen Steinen im Gesicht hatte sicherlich anders....

Ich habe schon Leuten einen 1A Thüringer vermittelt, die haben ihn abgestoßen und sind auf Naniwas oder Shapton gewechselt, etwas was ich persönlich nicht verstehen kann. Andererseits stellt es sich aus deren Sicht vielleicht genauso dar....also es ist auch immer eine Sicht des eigenen Standpunktes...

Tim Buktu

Auch wenn es vermeintlich nichts Neues ist so schreibt hier Senser doch zum ersten Mal so deutlich zu einer Messerklinge, was im Bereich der Rasierklingen in Hobeln schon lange allgemein als akzeptiert gilt. Zumindest ist mir kein ähnlich deutlicher Post hier im Forum in Erinnerung.
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

wernerscc

#71
Senser, das ist fürwahr mysteriös.
Trotzdem würde ich die beiden Tests nicht generell in Frage stellen, sondern höchstens deine Beurteilung.
Aber eine Erklärung dafür wüßte ich nicht. Okay Tim Buktus Beispiel mit den Rasierklingen weist womöglich auf die Erklärung. Mhmmh ???
Was lange währt wird endlich gut!

Tim Buktu

Für mich war das bisher die Erklärung dafür, dass gelegentlich auch von erfahrenen Schärfern geschärfte Messer mir nicht so gut taugten wie meine selbst geschärften Klingen. Dabei bin ich nie der Versuchung erlegen zu glauben, ich würde besser schärfen. Nur dass ich eben gelernt habe für mich gut zu schärfen. Aber womöglich sind die von mir selbst geschärften Klingen ja auch Placebos - aber so lange sie mich sanft und gründlich rasieren juckt mich das wenig.  ;D
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!