Restaurationsneuling fängt an ... "Restaurationstagebuch" mit Zwischenfragen

Begonnen von NebuK, 15. Oktober 2014, 16:02:52

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Klaasianer

Hast Du Dir das Video angesehen?
Mit welchem Hammer vernietest Du?
Rasito ergo sum!

NebuK

Hi,

das Video habe ich mir mehrmals angesehen. Auch einige andere auf Youtube, sowie den "Vernieten"-Thread hier im Forum gelesen. Das von dir gepostete Video (hatte ich weiter vorne schonmal verlinkt), fand ich aber bei weitem am Aufschlussreichsten...

Als Hammer benutze ich ein künstliches Hüftgelenk:
http://gallery.ghostdub.de/var/albums/NebuK/Razors/T%C3%BCckmar-116/IMG_5777.JPG

Grüßle
-Dario

redmatze

@ Nebuk

ZitatWegen dem Holz: Öhm ... ich dachte das macht man so?!? Warum hätte das reißen/brechen sollen? Ich bin jetzt etwas erschrocken ... das Video dass Klaasianer gepostet hat hab ich etwa 3 mal angeschaut und versucht mir da alles nötige abzuschauen - und dann einfach so gemacht. Wo war das Glück bzw. wäre der Fehler gewesen?

Ja, klar macht man das so. Mir kamen nur die Nietnägel sehr dick vor (kann auch täuschen), zudem ist mir das alles selber schonmal passiert, das Holzhefte gerissen sind.

Was das Heft angeht, würde ich an Deiner Stelle das mal noch aufheben, den Riss kannste ja mit Epoxy schliessen. Wer weiss wieviele Messer ohne Heft bei Dir auftauchen?

ZitatZur Niethöhe: Gibt es da irgendwie eine Daumenregel ... dass ich mir aus Drahtdicke, Überstandslänge etwa abschätzen kann was für einen Durchmesser der spätere "Kopf" haben wird?

Ich leg immer einen kleinen Metallstreifen mit Loch( größe der Unterlegscheibe) auf das Heft beim Vernieten (Rosepipo, hat das mal gezeigt), da zerkratzt auch nix am Heft. Dann knipse ich es möglichst knapp ab (aber auch nicht zu knapp), feile eine kleine Ebene, dann druff mit dem Hammer.

Iltis wirds Dir zeigen können.


GRuss






Der Mund des Menschen, ist oft gefährlicher
als der Rachen eines Tigers.

Klaasianer

Viele nicht zu starke Schläge führen beim Vernieten zum Erfolg. Dann reißen die Nietköpfe am Rand auch nicht aus.


Also nicht: BUMM sondern bumm bumm bumm bumm bumm ;)
Rasito ergo sum!

NebuK

Hi,

keine Angst, wenn ich BUUUMMM BUUUMMM gemacht hätte wäre es vermutlich schon kaputt, oder? :-D. Ich habe schon versucht kleine, locker geführte und wohldosierte Schläge zu verwenden. Das Ausreißen, ja, das ist das kleine Wörtlein "versucht": Manchmal bin ich leider eben etwas ausgeglitten, und habe doch einzelne Schläge zu dolle ausgeführt. Dann war der kleine Riss sofort drin. Wissen und ausführen können sind halt immer noch zweierlei ;/.
Danke aber für die nochmalige Erinnerung und Klarstellung! :) Kann man nie oft genug hören, bis es dann irgendwann mal klappt.

Der Draht zum vernieten war wie gesagt ~1.95mm... und hat sich nach der Borhung im Erl bzw. dem alten Draht gerichtet. Das mit dem kleinen Metallstreifen unterlegen ist auch eine gute Idee...

Ich habe dann direkt mal die zweite Seite vernietet und versucht eure Ratschläge direkt anzuwenden:

Draht und U-Scheibe auflegen:


Aufgrund eurer Tips und dem Fakt dass da vorne ja eh nichts zu halten ist, die Niete also reine Zierde ist, habe ich dann mal recht freizügig heruntergefeilt:


Und dann wie gewohnt mit dem Hüftgelenk vorsichtig drauf losgedengelt:



Ist denke ich ganz in Ordnung geworden, oder? Ein, zwei kleine Risschen habe ich leider wieder. Wie gesagt ... die mechanische Umsetzung des theoretischen muss ich noch etwas üben...

Das Messer nun also in seinem Endzustand (minus Schärfe plus Dabser):



Grüßle & Vielen dank euch allen!
-Dario

PS: Die nächsten zwei Rostlauben von EBay sind schon geordert ... es geht also weiter. WAS HABT IHR NUR MIT MIR ANGESTELLT?  :o ;D

Dook

Danke für den Fleiß beim berichten. Sehr interessant das zu verfolgen.  Schärfen klappt schon ganz gut, aber demnächst will ich auch mal ein Heft selbst machen und da gucke ich mir gerne mal was ab ;-)

Klaasianer

Chapeau! Fürs erste Heft dh:

Achte besonders bei der Erlbohrung der Schalen, dass Du nicht schief bohrst. mit einer Schiebelehre die Breite der Schalen dort messen wo die Bohrung hinkommen soll, dann das Mittel anreissen. Dann sitzen die Bohrungen an der richtigen Stelle. Standbohrmaschin oder Bohrmaschinenständer ist natürlich von Vorteil  ;)

Tante Edit meint noch: damit Du Dich orientieren kannst. Der Kugelkopfhammer den ich verwende hat 100 Gramm.
Rasito ergo sum!

warrior

Damit du demnächst keine Risse mehr in den Nieten hast, achte darauf das dein Messingstab weich geglüht ist oder mach es selber.
Auslieferungszustand dürfte nämlich gezogen sein und damit hat der Stab schon eine Kaltverfestigung.
Also Lötlampe her und gut warm machen (vorsichtig!!) und dann in Wasser abschrecken.
Ist wie beim Härten mit Stahl. Nur anders herum  ;D

Cadewer

Räusper.

Wenn Du es wieder abschreckst nennt man das Randschichthärten. Nach dem Glühen die Temperatur eine Zeit lang halten und dann langsam abkühlen lassen, das ist Weichglühen bzw. Spannungsarm glühen.

Gruß

Andy

Iltis

Zitat von: Cadewer am 31. Oktober 2014, 11:41:35
Räusper.
Wenn Du es wieder abschreckst nennt man das Randschichthärten...

Bei Buntmetall ist das Tempern (wie man es nennt ;)) durch erhitzen und abschrecken ein verbreitetes Verfahren. Messing, Silber usw. werden hart durch mechanische Bearbeitung (hammern, strecken...) , und weich durch Hitze und Abschreckung.

Gruß

Iltis
de gustibus, aut bene aut nihil

Cadewer


Iltis

@Cadewer: Nein, von tempern

Edit sagt: völlige Schwachsinn, ich meinte weichglühen (in meine Muttersprache (Englisch) bezeichnet man  sowohl thermisch härten als weichglühen mit dem Begriff "to temper")

Gruß

Iltis
de gustibus, aut bene aut nihil

NebuK

Hi zusammen,

ich sehe da primär erstmal eine Option: Versuch macht Kluch! Ich werde einfach mal das reststück Stange dass ich habe gut ausglühen, dann einfach an der Luft abkühlen lassen, und mit einem anderen Reststück vergleichen nach ein wenig "freistehend" im Schraubstock draufdengeln...

Des weiteren war ich heute bei Iltis zu Besuch zum schleifen lernen... und vieles mehr. Vielen vielen dank an der Stelle nochmal für deine Gastfreundschaft! Vielleicht könnte man ja wirklich mal ein kleines Treffen im Großraum Karlsruhe und Umgebung organisieren...?

Hier aber die Ergebnisse:
Zwei Messer die beide einen einfachen Syntho-1000er und zwei verschiedene GBBs gesehen haben. Und viel liebe und schleifschlammverkrustete Hände :).


Das Zepp ist jetzt geledert und rasurbereit:


Das Tückmar hat sich als eine recht harte Nuss, aufgrund der großen erforderlichen Kürzung, herausgestellt. Damit sind wir nicht ganz fertiggeworden, aber ich habe Hoffnung dass mein einziger verbleibender ganzer Stein -- Roszutec(?) 8000 -- das mit vieel Geduld auchnoch schafft :-).


Und ich habe noch ganz viel Spielzeug und kann mich nachdem ich ein wenig Leder nähen (... stanzen?) gelernt habe wohl auch direkt mal an das rasieren lernen machen -- auch hierfür nochmal vielen Dank!

Jetzt bleibt zumindest für diese beiden Messer nur noch eine Frage die ich vorhin vergessen hatte: Da ich beim Schärfen so auf das Schärfen selbst konzentriert war habe ich nicht aufgepasst ... und die Messer mit Schleifschlamm drauf intensiv mit einem Tuch abgewischt, jetzt sind an vielen Stellen so hässliche Kratzer. Vorallem beim jetzt rausrbereiten Zepp sollte ich die vermutlich lieber einfach drinlassen, oder?

Grüßle, und vielen Dank an alle die mir geholfen haben bis zu einem rasurbereiten Messer zu gelangen!
-Dario

(... es geht hier aber weiter, die beiden nächsten Messer sind schon verschickt :D)

Iltis

Hallo NebuK,

Das tut mir leid wegen die Kratzer, darauf hätte ich achten sollen als du die Facette gesetzt hast, aber ich war selber beschäftigt, und dachte nicht daran dich zu warnen (bin nicht der Oberlehrer). Bei der Zepp würde ich erstmal warten mit die kosmetische Arbeit bis Schärfen wieder an der Tagesordnung steht. Bei der Tückmar wäre es ein Versuch wert. Mir hats auch Spass gemacht, schärfen mit Minimalausrüstung (Billig1000er und GBB) vorzuführen, und dein Kaffee fand ich lecker :D Ich bin gespannt auf dein Riemen.

Gruß

Iltis
de gustibus, aut bene aut nihil

Cadewer

Zitat von: Iltis am 31. Oktober 2014, 12:58:40
@Cadewer: Nein, von tempern

Edit sagt: völlige Schwachsinn, ich meinte weichglühen (in meine Muttersprache (Englisch) bezeichnet man  sowohl thermisch härten als weichglühen mit dem Begriff "to temper")

Gruß

Iltis

Tja man lernt nie aus. Habe aber Beruflich wenig mit Buntmetallen zu tun von daher bin ich davon ausgegangen wie man Stahl bearbeitet. Sorry


Gruß

Andy