gut-rasiert
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Autor Thema: Thema Schärfen: Schneidfacette, zweite Schneidfacette und Balligkeit.  (Gelesen 22783 mal)
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abc123
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« Antworten #30 am: 27. November 2009, 12:56:53 »

Würde jemand bitte die hier diskutierten Winkeltheorien nochmals zusammenfassen.
Besonders wie und wo die einzelnen Winkel erzeugt werden und welcher Effekt auf die Schneidkante erwartet wird.
Irgendwie habe ich den Überblick verloren.

Danke!

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UbuRoy
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« Antworten #31 am: 27. November 2009, 14:00:38 »


Der Winkel ist dann nach dem Pasten sowieso wech. Ihr spart nur ein paar Züge auf den Riemen, um an das Ziel zu gelangen, weil die Klinge von vorherein schon einen passenderen Winkel hat.
Und das Ergebnis brachten mir auch die Mikroskop Bilder. Vorher zweiter Winkel, nach dem Pasten kein zweiter Winkel mehr, sondern die übliche (gute) Schneide und Grat.


Bei die Bilder von Tim_gs ist die 2. Winkel nach Paste und Leder sehr klar zu erkennen. Vielleicht ist deine 2. Facette zu klein geschliffen?

Gruß
Iltis

Hm. Guck mal genau hin. Nach den Steinen ist definitiv ein Schatten für den zweiten Winkel plus der dunkel abgesetzte Grat zu sehen. Soweit stimme ich mit Dir überein.

Aber nach dem Pasten ist da nur noch der dunkle Grat und der Rest ist eben ohne diesen Schatten, weil der 2. Winkel schlicht verrundet ist.

So sieht es bei meinen Bildern exakt auch aus.
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harrykoeln
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Können diese Augen lügen?


« Antworten #32 am: 27. November 2009, 14:59:01 »

Na, nu muß ich auch noch mal... Auch wenn ich anderer Meinung bin.

Das mit dem zweiten Winkel hört sich ja eigentlich recht logisch an, nur gebe ich zu bedenken, wenn Ihr danach sowieso noch auf den ChroMo Riemen geht, egalisiert Ihr genau diesen winkel wieder auf die übliche (und notwändige) Balligkeit. Der entstehende Grat unterscheidet sich laut meiner Erfahrung nach nicht von Graten, die mit zweitem Winkel geschärft wurden.

Der Winkel ist dann nach dem Pasten sowieso wech. Ihr spart nur ein paar Züge auf den Riemen, um an das Ziel zu gelangen, weil die Klinge von vorherein schon einen passenderen Winkel hat.
Und das Ergebnis brachten mir auch die Mikroskop Bilder. Vorher zweiter Winkel, nach dem Pasten kein zweiter Winkel mehr, sondern die übliche (gute) Schneide und Grat.
Was Sanftheit angeht, halten ich die meisten Eindrücke diesbezüglich eher für abhängig von der Tagesform und größtenteils für rein Subjektiv.

Ich hab ziemlich lange damit 'rumexperimentiert und mikroskopiert. Und für mich befunden, das es nix brachte, außer das ich auf dem Chrom Riemen einige Züge weniger machen mußte, um endgültige Haartestschärfe zu erreichen wenn ich vorher einen 2. Winkel anbrachte.

In einem geb ich Dir recht, wenn Du nach dem "anfasen", so möchte ich es nennen, auf dem Cr-Leder rumhasalierst als gäb es kein morgen, dann kannste Dir den ganzen Kram schenken.
Wenn Du aber mit dem anfasen die "Wirkstätte" des Cr-Leders vorbereitest, und 20, 25 Züge Chrom mit ein wenig mehr Durchhang als gewöhnlich, geil sag ich Dir, geht da die Luzi ab. Versuch es einfach einmal, ich weiß ja, das Du Experimenten gegenüber immer ein offenes Öhrchen hast. Du vergibst Dir ja nix, hast nix zu verlieren und nur zu gewinnen. Klebeband haste, gute Finisher haste - mach einfach. Und berichte dann.
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"The two most common things in the universe are hydrogen and stupidity.
There is more stupidity around than hydrogen, and it has a longer shelf life."
Frank Zappa (1940-1993)
Iltis
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« Antworten #33 am: 27. November 2009, 15:09:02 »

@Uburoy: Entweder deute ich die Bilder falsch, oder du tust es - wenn ich sie ansehe, sehe ich links die Schneide, die nicht auf der Stein lag, im mittleren Bereich ist die eigentliche Facette, und rechts der 2. Winkel (dunkel). Der Grat als solches ist schlecht zu erkennen, ausser in der unterste Bild, wie es zu erwarten wäre. Ich denke, Tim_gs kann am besten sagen, ob ich die Photos richtig verstanden habe. Auf jeden Fall, verglichen mit Diese Bilder, sehe ich ein deutlichen Unterschied.
Gruß
Iltis
« Letzte Änderung: 27. November 2009, 15:36:38 von Iltis » Gespeichert

de gustibus, aut bene aut nihil
Dullblade
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« Antworten #34 am: 27. November 2009, 15:33:04 »

@abc123:

Die Theorie ist ganz einfach:
1. Durchschliff auf allen Steinen, entweder ohne oder mit Klebeband (um z.b. den Rücken zu schonen, oder um einen bestimmten Winkel zu erreichen)
Resultat: Es bildet sich eine gute Facette, die per se schon zur Rasur geeignet ist. 1. Winkel ist erzeugt

2. Neue Lage Klebeband, entweder auf den Rücken oder auf die vorhandenen Lagen.
3. ca. 20-30 Schübe auf beiden Seiten, nur mit dem Abschlußstein
Resultat: die vorhandene Facette wird im Spitzenbereich exakt abgewinkelt; Bartreste werden entfernt, es ist garantiert, dass bis auf die Spitze durchgeschliffen wird, feinste Unebenheiten werden begradigt, durch den steileren Winkel wird die Spitze stabiler. 2. Winkel ist erzeugt
4. Bei Bedarf CrO², worauf ich meist schon verzichte, lieber deutlich weniger Züge als üblich
Resultat: je nach Durchhang bildet sich ein dritter Winkel oder der 2te. Winkel wird feinstpoliert, bei Null Durchhang, wird er wieder teilweise abgeschliffen, was zu vermeiden ist.
5. Leder zur Politur der Spitze, je nach Ausdauer und Durchhang siehe 4, wobei hier nur noch winzigste Materialabtragungen zu erwarten sind.

Ergebnis: Bis dato beste Rasuren, besser als ohne 3, außer Mega Riemenerfahrung, die mit Cr0² letzlich ähnliches bewirkt, siehe Uburoy.
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El Topo
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Filarmonica Matador


« Antworten #35 am: 27. November 2009, 16:07:03 »


Resultat: die vorhandene Facette wird im Spitzenbereich exakt abgewinkelt; Bartreste werden entfernt, es ist garantiert, dass bis auf die Spitze durchgeschliffen wird, feinste Unebenheiten werden begradigt, durch den steileren Winkel wird die Spitze stabiler. 2. Winkel ist erzeugt


Ich hab kein Mikroskop und kann es daher nicht beweisen, aber genau das ist auch meine Vermutung und das spüre ich und sehe es auch am Haartest.
Schärfe und Sanftheit nehmen schon deutlich zu, gegenüber der konvenetionellen Methode.
Ich gebe auch harrykoeln recht. Als Leihgabe hatte ich mal ein paar Messer von redmatze, die ohne 2. Winkel auf dem Stein aber dafür mit recht großzügigem Durchhang gepastet worden. Die Klingen haben mich allesamt voll überzeugt. Obwohl die Messer schon zum Teil recht lange in Gebrauch waren, hatten sie immer noch eine fantastische Schärfe und waren wirklich extrem sanft im Ansatz.

Früher hab ich normal geschärft, auch mit fast keinem Durchhang gepastet. Das ging auch, die Ergebnisse waren wirklich nicht schlecht. Besser finde ich aber das Schärfen mit 2. Winkel. Ob man das nun durch extra Tape auf dem Stein macht oder mit relativ viel Durchhang pastet, kommt dabei wahrscheinlich aufs gleiche raus. Ich persönlich hab halt immer ein bisschen Schiss, vor zuviel Durchhang beim Pasten. Hab jetzt auch ein paar Messer als Auftrag geschärft und da mach ich keine Experiment. Wenn das nächste Mal eins von den meinen an der Reihe ist, probier ich es mal nach Methode harry aus.
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Schöne Grüße aus dem Maulwurfshügel!

Tim_gs
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« Antworten #36 am: 27. November 2009, 16:50:54 »

Bei meinen Bildern ist von links nach rechts die Klinge, die Facette und der 2. Winkel zu sehen.

Dachte nicht das man das falsch betrachten kann.

Gepastet habe ich auch aber mit Klebeband auf einem Leder das nicht durchhängen kann.
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abc123
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« Antworten #37 am: 27. November 2009, 23:29:37 »

Nach Verhoeven, Experiments on Knife Sharpening (2004), läßt sich der Grat in zwei Typen unterscheiden. Durch das Ziehen entsteht ein überdimensionierter Spitz, ein "Faden". Beim Schieben staucht sich das Material zusammen und bildet zusammen mit dem Abrieb einen Wulst an der Schneidkante (Siehe Seite 3, Fig.2 A und B). Das erreichbare Ideal der Schneidkante von den Steinen weg ist daher schon verrundet (vgl. 1. Post von harrykoeln). Der kleine Schärfwinkel bei Rasiermessern begünstigt jede Art von Gratbildung.

Sämtlichen Mikroskopaufnahmen, die hier kursieren, ist in bezug auf die Gratbetrachtung nicht zu trauen. Den eigentlichen Grat kann man bei 200x Vergrößerung gar nicht sehen (vgl. 7, Fig.9, 800x, wobei immer beide Seiten zu betrachten sind). Was man sieht sind Lichtspiegelungen und angesammelten Ablagerungen. Ich habe mich da selbst anfänglich täuschen lassen.

Was soll der 2. Winkel auf den Steinen bringen? Der Grat kann nur im Ausmaß der Winkelveränderung verkleinert werden. Unebenheiten bleiben auf jeden Fall, es werden höchstens die alten beseitigt und neue erzeugt. Woher soll plötzlich ein Mehr an Stabilität kommen? Die Winkelveränderung durch Abkleben (Isolierband 0,15mm) ist lächerlich und liegt weit innerhalb der Toleranz der Rasiermesserfacetten. Die wundersame Wandlung der Eigenschaften von Winkel alpha + beta vs. nur alpha geht mir nicht ein. Und sollte es so sein, dann könnte ich ja gleich mit beta beginnen.

Stein und Paste bringen keinesfalls ein gleichartiges Ergebnis. Verhoeven hat 0,5my Chromoxid und 1 my Diamant verglichen. Beide bringen eine signifikante Verbesserung der Schneide, Diamant war leicht überlegen (40ff). Die Abweichungen sind wohl belanglos, die Güte der Politur war jeweils ausgezeichnet.  Das beweist die Sinnlosigkeit des Herunterlizitierens der Partikelgröße. Polieren führt rasch zu einer starken Veränderung der Schneidengeometrie im Sinne einer Verrundung (34, Fig.41). Reines Leder bringt keine signifikanten Veränderungen am Grat und ist zum Polieren (im Wortsinn) ungeeignet. Die Theorie von der abrasiven Wirkung der Mineralien im Leder wird explizit widerlegt (44).

Man kann jedenfalls den "Knödel" Grat an der Schneidkante wegpolieren bzw. durch dezenten Pasteneinsatz abziehen. Die ursprüngliche Kante wird vollständig ersetzt. Die Verrundung geht damit zwangsweise einher und muß nicht schlecht sein. Ein Übermaß macht das Messer aber mit Sicherheit stumpf. Pastenhängeriemen werden das wohl begünstigen.

Die Studie läßt in Grenzen sicher mehrere Interpretationen zu. Der Sinn des 2. Winkels auf den Steinen erschließt sich mir aber nicht. Genausowenig wie ein 2. Winkel mit Paste, der über das notwendige Maß der Gratpolitur hinausgeht. Hängepastenriemen waren mir immer suspekt. Ich bevorzuge einen spiegelglatten Stoßriemen mit hauchdünner Diamantpaste, der Messerrücken wird dabei leicht angehoben.

Aber: Jeder darf wie er will.
« Letzte Änderung: 27. November 2009, 23:33:17 von abc123 » Gespeichert
Geier0815
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« Antworten #38 am: 28. November 2009, 00:19:40 »

Sehr schön Beschrieben. Der zweite Winkel durchs Abkleben hat aber in erster Linie den Sinn einen feinen Stein explizit dort wirken zu lassen wo er gebraucht wird nämlich am Grat. Du stellst also durch das Abkleben sicher das der Stein wirklich den Grat bzw die Spitze der Facette erreicht und nicht irgendwo ein paar My dahinter poliert. Bei wirklich feinen Steinen hast Du damit dann eine bessere Replizierbarkeit als mit dem Pastenriemen.
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Dullblade
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« Antworten #39 am: 28. November 2009, 13:25:49 »

@abc123

Es mag Dir einleuchten oder nicht, versuch es einfach mal. Kaputtgehen kann nichts, im Zweifel wirds nur besser. Die wissenschaftlichen Erläuterungen sind eins, die Praxis ist manchmal doch etwas anderes.

Zu deinen Thesen: Ein Band von 0,1-0,2mm ändert den Winkel um ca. 0,5°, z.B. von 17 auf 17.5°. Ich halte das für substanziell. Hatte die Klinge vorher Toleranzen wird sie sie auch nachher haben, aber eben um ca 0,5° geändert.

Durch das Anfasen der Spitze im vordersten Bereich wird dieser gefestigt, außerdem wird die Kante mit  größerer Sicherheit geschliffen. Die 0,5° machen da schon was aus!

Wenn Du gleich einen steileren Winkel anlegen würdest hättest Du insbesamt ein anderes Verhältnis zur Gesichtshaut beim Rasieren, zugegebenerweise marginal. Bei Anschleifen des winzigen Bereiches an der Vorderkante wird sich die Haut besser anschmiegen (Dies ist allerdings eine wachsweiche Themse meinerseits...)

Recht hast Du mit dem Grat, der ist eigentlich nicht erkennbar. Je härter der Stahl, desto weniger Grat gibt es aber, siehe insbesondere die Japaner. Hier hat auch die eigentliche Facette einen deutlichen Einfluß auf die Rasureigenschaften.

Letztlich bringt aber die Diskussion nichts, weil keiner von genau weiß, was beim Schärfen genau passiert und ich glaube auch die Wissenschaft ist noch nicht wirklich dahinter gekommen.

Eines weiß ich aber, es scheint das zumindest einige wenige mit dieser Methode keine nachteiligen Ergebnisse erreicht haben. Sie berichten meist von besseren Ergebnissen. Und alleine das berechtigt dazu, sich mit dieser Methode auseinanderzusetzen und es einfach mal zu probieren. Vielleicht gerade mit einem "Problemmesser". Wie sagt Harry immer:

Versuch macht Kluch

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abc123
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« Antworten #40 am: 28. November 2009, 15:44:12 »

Vielleicht noch eine Präzisierung:
Der Wulst an der Kante wird mit der Paste wegpoliert. Die Schneide verrundet dadurch, der Grat wird aber verjüngt und zugespitzt. Das ist die Kernaussage.

Selbstverständlich kann und soll jeder experimentieren.
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Senser
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« Antworten #41 am: 29. November 2009, 12:45:53 »

Die folgenden Bilder betrachten 5/8“ vollhohl geschliffene Klinge. Die Zeichnungen sind mit einem CAD Programm gezeichnet, und die Darstellung ist ist auf 2 Nachkommastellen reduziert.

Bild 1


Bild 2


Bild 3


Bild 4


Bild 5

Betrachten wir zunächst einmal Bild 1 und 2 unter der Voraussetzung, dass die Klinge absolut starr ist. Wir sehen, dass die theoretische  Facettenbreite nur 0,03 mm beträgt.Wenn wir jetzt noch voraussetzen, dass die Steine auf gar keinen Fall nachgeben, und die von uns erzeugten Facetten bei einer guten 5/8 vollhohlen Klinge in der Regel ca.0,3-0,5 mm betragen, so können wir daraus schließen, dass wir die Facettenbreite durch Druck auf die Klinge und die damit verbundene Durchbiegung derselben erzeugen.
Bezüglich der Erstellung eines 2. Fasenwinkels mittels Abkleben habe ich erhebliche Zweifel.
Man betrachte dazu Bild 3
Dieselbe Klinge ist mit 0,2 mm starkem Klebeband am Rücken abgeklebt, der Gesamt Winkel hat sich um 1.44° erhöht. Die theoretische Auflagefläche von 0,03 mm hat sich in der Zeichnung erst ab der 3. Nachkommastelle um 0,004 mm vergrößert.
Um einen nennenswert anderen Winkel an einer Rasiermesserschneide zu erzeugen, muß man schon einige grundlegende Parameter verändern.
Auch das Argument, dass man durch Abkleben bzw. zusätzliches Abkleben vor dem allerletzten Finish die Gewähr hat, auf jeden Fall mit der Schneidenspitze den Stein zu erreichen, halte ich für fragwürdig. Hat man im Vorfeld nicht sorgfältig genug gearbeitet, dann reißt es ein 12.000er oder noch feinerer Finisher bestimmt nicht mehr raus.
Mein Tip, wenn man die Rückschlüsse, die ich aus Bild 1 u. 2 ziehe, als richtig ansieht, dann braucht man nur beim allerletzten Abzug auf dem Stein noch weniger Druck auf die Klinge auszuüben, was die Durchbiegung reduziert und den Winkel stumpfer macht usw. usw.
Wirkliche Veränderungen erzielen wir aber erst auf dem Leder.
Betrachten wir dazu Bild 4 u 5
Hier ist mehr oder weniger übertrieben dargestellt, was passiert, wenn man eine Klinge über den Lederriemen zieht. Die Spitze drückt sich in das vergleichsweise weiche Material ein, und hinter der Spitze nimmt das Leder wieder seine ursprüngliche Form an. Jetzt entsteht tatsächlich ein neuer Winkel. Übrigens gleichgültig ob bei einem Stoßriemen oder einem Hängeriemen. Beim Hängeriemen kommt lediglich der Durchhang noch hinzu, weshalb ich gerne erst mal mit dem Stoßriemen beginne, was oft genug schon ausreicht.
Dass ein Messer zunächst hervorragend aber auch etwas bissig rasiert, dann aber nachlässt um sich weiterhin aber nach einigen Rasuren und vor allem Abzügen auf dem Riemen wieder steigert, kann ich ebenfalls bestätigen.
Ich vermute folgendes. Auf dem Stein entsteht sehr wohl ein Grat, und zwar einer, der stellenweise recht breit sein kann. Das hängt einfach davon ab, wie lange man überflüssigerweise auf den letzten Steinen verweilt ist. Scharf ist scharf, weiter machen erzeugt nur Grat. (dazu mein Beitrag „der heilige Grat")
Dieser Grat ist zwar unglaublich scharf, aber auch labil und deshalb eigentlich unbrauchbar. Trotz pasten und ledern, kann es sein, dass dieser Grat teilweise überlebt und uns bei der ersten Rasur eine unglaubliche Schärfe vorgaukelt, die manchmal aber  noch nicht einmal eine Rasur lang hält. Auf jeden Fall ist der Gratansatz an der Spitze nun so brüchig, dass er beim nächste Ledern abbricht. Deshalb lässt die Qualität, spez. die Gründlichkeit dann plötzlich nach. Aber von nun an wird ein richtig brauchbarer Grat durch Ledern erzeugt. Und zwar mit dem glatten Lederriemen, und falls doch mit dem Pastenriemn, dann in homöopatischen Dosen. Dieser Grat wird nicht zu lang, gerade mal eben in der Entstehungsphase, wo er so scharf wie überhaupt möglich, und gleichzeitig so kurz und damit so stabil wie nötig  ist. Und das dauert halt eine Weile. Wie viele Rasuren später kann ich auch nicht sagen, da auch ich zu viele Messer im Wechsel benutze.
Aber das Wacker Duo (derb und halbhohl) habe ich mal 2 Wochen am Stück verwendet, weil ich wissen wollte, ob einrasieren überhaupt funktioniert. Ja, es funktioniert. Nach diesen 2 Wochen waren die Klingen sanft und gründlich.
Das alles ist natürlich kein Widerspruch zu den Kommentaren zuvor, sondern soll Diese nur visuell  unterstützen.
Die Werte lassen sich übrigens auch auf derbe Klingen übertragen, nur dass die Facette von Natur aus viel breiter ist, weil ja viel mehr Fleisch zur Verfügung steht, und dass sich eine Derbe Klinge natürlich nicht verbiegt. Hier würde ich dann tatsächlich mit mehreren Lagen Klebeband arbeiten. Um aber einen nennenswert anderen Winkel zu erzeugen, sollten es schon 3 oder gar vier Lagen sein.
Gruß Senser
« Letzte Änderung: 29. November 2009, 12:51:20 von Senser » Gespeichert
Geier0815
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« Antworten #42 am: 29. November 2009, 18:49:08 »

Moin Senser,

vielen Dank für die Arbeit mit den Bildern. Mir stellen sich aber noch ein paar Fragen: Wenn der Winkel durch das Abkleben zu klein wäre um einen zweiten Winkel zu erzeugen, warum sieht man diesen mit einer Lupe und einer brauchbaren Lichtquelle? Oder was sieht man dann an der Spitze der Facette wenn man das Messer leicht dreht?

Nächste Frage: Wie entsteht deiner Meinung nach der Grat (bzw laut deiner Beschreibung eher Bart) auf den Steinen wenn man gegen die Schneide schleift? Bart entsteht eigentlich nur wenn man in die andere Richtung arbeitet oder das Material zu weich ist. Des weiteren ist auf den meisten Aufnahmen von Verhoeven an den Schneiden kein Bart zu erkennen obwohl die Aufnahmen nach den Steinen gemacht wurden. Diese Aufnahmen sind wesentlich höher aufgelöst als die meisten von Usern gemachten Bilder bei 200facher Vergrößerung. Dort müßte deiner Theorie nach Bart zu sehen sein, ist es aber in den meisten Fällen nicht. Warum nicht?
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Senser
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« Antworten #43 am: 29. November 2009, 22:09:23 »

Tach Geier
der erste Teil deiner Frage ist relativ leicht zu beantworten. Es entsteht ja , was ich auch nicht abstreite, tatsächlich ein 2. Fasenwinkel. Diese Winkleveränderung ist auch groß genug, um sich unter dem Mikroskop als deutliche Lichtbrechung bemerkbar zu machen. Wir sehne unter dem Mikroskop ja auch eine stark geriffelte Schneide, obwohl Diese unter der 30 fach Lupe eigentlich poliert aussehen würde.
Dieser neue Winkel ist für die Rasur trotzdem bedeutungslos. Wir verwenden Messer deren Winkelabweichungen teilweise deutlich von den ermittelten Werten abweichen und trotzdem gut oder weniger gut rasieren, ohne dass da ein Zusammenhang zwischen den Winkeln erkennbar wäre.
Die nächste Frage ist schon schwieriger.
Ich muß auch gestehen, dass ich die Aufnahmen von Verhoeven gar nicht gesehen habe.
Nehmen wir an, auf dem Stein wird tatsächlich kein Grat erzeugt, dann stellt sich trotzdem die Frage, warum ein Messer tatsächlich diese Qualitätskurve durchläuft. Erst super, aber auch ein wenig bissig, dann mau wieder einige Rasuren später so wie wir es wünschen. Von da an ewig langsam nachlassend.
Vielleicht ist das alles ja auch viel einfacher. Vielleicht entsteht dr Grat ja doch erst auf dem Riemen. Nach den Steinen ist die Nutzung des Pastenriemens ja am intensivsten (Ich nutze Ihn danach nie). Vielleicht entsteht dabei ein zu langer instabiler Grat der wie beschrieben zurückgeledert werden muß.
Jetzt ist das WQE jedenfalls vorbei und ich muß langsam wieder über andere Dinge nachdenken (Brötchen und so), werde das Thema aber interessiert weiterverfolgen.
Gute Nacht
Senser   
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UbuRoy
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« Antworten #44 am: 30. November 2009, 09:16:37 »

Wenn Du aber mit dem anfasen die "Wirkstätte" des Cr-Leders vorbereitest, und 20, 25 Züge Chrom mit ein wenig mehr Durchhang als gewöhnlich, geil sag ich Dir, geht da die Luzi ab. Versuch es einfach einmal, ich weiß ja, das Du Experimenten gegenüber immer ein offenes Öhrchen hast. Du vergibst Dir ja nix, hast nix zu verlieren und nur zu gewinnen. Klebeband haste, gute Finisher haste - mach einfach. Und berichte dann.

Moin Harry, dann probier ich das mal, wenn mal wieder eine Klinge vorhanden ist...
Wird schon stimmen, wenn Du das sagst.

Im Moment ist allerdings alles scharf im Hause ;-) Also nix zu tun.
Aber ein paar etwas rabiate Klingen könnten tatsächlich etwas sanfter rasieren. Ich such mir die raus und arbeit nach.

@Dullbalde, Geier & Iltis: Ok. Ihr habt mich insoweit überzeugt, das ich das jetzt einfach probiere.
Und ja, den Mikroskopaufnahmen ist in der Tat nur sehr begrenzt zu trauen, da der Grat bei 200fach wirklich nur als ein sehr dünner Faden zu erahnen ist.

@Senser: Denke genauso.
Der Grat wird, wie Du schon sagst erst beim Abziehen erzeugt. Auf den Steinen schiebend ist das nicht möglich; jedenfalls nicht in Schneidrichtung, sondern nur in entgegengesetzte Richtung von der Schneide weg, was allerdings rein theoretisch ist, bei den Mikrobereichen, die wir hier betrachten.
« Letzte Änderung: 30. November 2009, 09:24:49 von UbuRoy » Gespeichert
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