"Close and Smooth" Klingenabhängig?

Begonnen von Dullblade, 01. Februar 2010, 08:59:59

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Dullblade

Mal wieder eine etwas philosophischere Frage an die erfahrenen Rasierer:
Kann es sein das bestimmte Messer gründlicher rasieren als andere, und wenn ja warum?

Ich bin ja nun seit bald 14 Tagen stolzer Besitzer der ersten Kanetake No.2 Messer überhaupt. Diese Messer habe ich die letzten 14 Tage täglich benutzt. Schon fast von Beginn an bilde ich mir ein, dass diese Messer deutlich "closer" als deutlich gründlicher rasieren als alle meine anderen Messer und das die Rasur deutlich länger anhält. Zumindest wenn ich nur mit dem Strich rasiere. Smooth, also sanft, sind sie mittlerweile sowieso. Die Japaner sind zwar hohl geschliffen, die Klinge ist aber naturgemäß "steif, wie ein Brett". Eine für mich logische Erklärung könnte wie folgt aussehen, sie gilt eigentlich für alle Wedge Klingenund besonders bei flach liegenden, starken Barthaaren:

Durch das Aufdrücken, schon der übliche Rasurdruck reicht, bei meinen Kanetakes, die relativ schwer sind, drück ich vermutlich unbewusst stärker, bildet die Haut vor der Klinge einen Berg, ähnlich wie ein Schiff eine Bugwelle vor sich herschiebt. Dieser Berg begünstigt, dass die Haare noch einen Tacken weiter aus der Haut geschoben werden und die kommende Klinge kappt die Haare dann direkt an der tiefstmöglichen Stelle.

Fast alle meine anderen Messer (mit Ausnahme meiner W&B, bei denen ich ähnliches einbilde) sind vollhohl. Die Messer sind alle scharf und tolle Rasierer, dennoch ist das Hautgefühl nach der Rasur anders. Gründlicher drückt es irgendwie am besten aus. Dies gilt, wie gesagt für mich nur bei mit dem Strich! Rasiere ich mit beiden Messerarten gegen den Strich, sind keine Unterschiede mehr festellbar. Nur mit dem Strich komme ich aber mit den Kanetakes fast an die Gegen-den-Strich-Gründlichkeit heran. Es gibt eigentlich kaum noch die Notwendigkeit gegen den Strich zu rasieren, den zweiten Durchgang spare ich mir deshalb meist.


Tim Buktu

Zitat von: Dullblade am 01. Februar 2010, 08:59:59
Mal wieder eine etwas philosophischere Frage an die erfahrenen Rasierer:
Kann es sein das bestimmte Messer gründlicher rasieren als andere, und wenn ja warum?
...

Da fragst Du was. Darüber habe ich schon oft nachgedacht und auch versucht die Unterschiede unter Zuhilfenahme von Steinen und Riemen zu minimieren. Vermutlich macht jeder, der sich mit mehreren Messern rasiert, diese Erfahrung.

Eine meiner Beobachtungen war auch, dass die breiten Klingen nach dem ersten Durchgang (mit der Wuchsrichtung) ein besseres Ergebnis hinterlassen. Das kann ich aber inzwischen nicht mehr bestätigen, obwohl mein derzeitiger Gründlichkeits- und Sanftheitsfavourit ein 7/8 Ed. Stuber ist. Es gibt unter meinen Messer keines, das nach dem ersten Durchgang ein so gutes Ergebnis liefert. Einige Zeit lieferte die besten Ergebnisse in oben genannter Hinsicht auch ein 5/8 Kobar.  ??? Vermutlich leider nicht die Antwort die Du erwartet hast. :-[

Deine Theorie mit der Bugwelle hört sich für mich logisch an. Ich kann sie bisher allerdings auf Grund eigener Erfahrungen nicht nachvollziehen.

Damit ich im zukünftigen Leben zum erfahrenen Rasurphilosophen heranreifen kann wünsche ich mir hier viele einleuchtende Antworten von erfahreren Rasierern wie mir!  ;) :D
Tranquilo - In der Ruhe liegt die Kraft...

PS: Alles nur meine persönliche Meinung, die sich durchaus beeinflussen lässt und sich deshalb gelegentlich auch ändert!

Dullblade

Zitat von: Tim Buktu am 02. Februar 2010, 07:06:32

Damit ich im zukünftigen Leben zum erfahrenen Rasurphilosophen heranreifen kann wünsche ich mir hier viele einleuchtende Antworten von erfahreren Rasierern wie mir!  ;) :D

Tja, die geringe Anzahl von Antworten lässt auf wenig Interesse an Philosophie, oder eben wenig erfahrene Rasier schließen :D


Adler1

Zitat von: Dullblade am 02. Februar 2010, 10:11:40
Zitat von: Tim Buktu am 02. Februar 2010, 07:06:32

Damit ich im zukünftigen Leben zum erfahrenen Rasurphilosophen heranreifen kann wünsche ich mir hier viele einleuchtende Antworten von erfahreren Rasierern wie mir!  ;) :D

Tja, die geringe Anzahl von Antworten lässt auf wenig Interesse an Philosophie, oder eben wenig erfahrene Rasier schließen :D



Hallo Dullblade, du hast die Frage an die erfahrenen Rasierer gestellt, ich bin natürlich Keinen, würde aber, wenn´s Recht ist, eine Vermutung aussprechen:

Meine Beobachtung: Jeder Messer (sogar bei gleiche Klingenbreite) brauch etwas anderen, optimalen, Ansatzwinkel beim Rasieren (30 Grad ist nur Richtwert).
Die "Japaner", wahrscheinlich, unterscheiden sich noch stärker von europäischen Messern, schon allein wegen Griffform .
Könnte es sein, dass du optimale Winkel mit deinem Kanetake gefunden hast? Als noch eine Kriterium könnte natürlich sprichwörtliche schärfe von Japan-stahl sein.

Deine Theorie mit der Bugwelle hört sich für mich auch logisch an.

Gruß
Adler1
_____      ,  ,       _____
Gruß, ^^(°v°)^^ Adler1

Kirk

Einen ähnlichen Tread hatte ich ja schon mit meinen "ausserirdischen Messern" gestartet. Die Rasur ist ein großes Universum von zum Teil nicht oder schwer erklär- od. nachvollziehbaren Dingen! Ich glaube aber nachdem ich sowohl vollhohle als auch derbe Messer habe, die sich in Hinsicht auf die Rasurleistung nichts schenken, dass es doch um Nuancen im Materialgefüge, der entsprechenden Härte und um die Werkstoffzusammensetzung an sich geht. Wir sprechen ja hier von aboluten Hochleistungsklingen. Und so wie in der Formel 1, Brawn GP voriges Jahr zwar großteils den Ton angegeben hat, waren die anderes Teams ja auch nicht unbedingt als langsame Schnecken unterwegs. Aber es war eben doch ein Leistungsunterschied gegeben. Ähnlich sehe ich es auch bei den Rasiermessern! Ich habe in etwa 10 Stk. wo wirklich schon nach dem ersten Durchgang mit dem Strich kaum noch etwas steht und mit dem zweiten Durchgang alles wunderbar glatt ist und dann andere Messer die zwar auch hervorragend sind, die aber noch einen dritten Durchgang zum nachputzen brauchen.

Sogesehen Klingenabhängig ja, aber eher materialabhängig und nicht unbedingt schliffabhängig (ob vollhohl bis derb), meiner bescheidenen Meinung nach!

Senser

Interessantes Bild, das mit der Bugwelle. Dabei ist auch zu bemerken, dass die Klinge das Haar immer in einem sehr stumpfen Winkel trifft, was die Schnittleistung optimiert.
Was den philosophischen Aspekt dieses Threads angeht, sehe ich mich ausserstande etwas erhellendes beizusteuern. Ich komme mit allen Klingen sehr gut zurecht, Ausnahmen gibt es natürlich immer. Wedges vertrage ich aber nicht dauerhaft. Die scheinen zwar während der Rasur sehr sanft, beanspruchen meine Haut aber doch mehr als die vollhohlen Klingen.
Auch ich habe ein paar wenige Messer, die bei einem zweiten Durchgang nur noch die Haare erwischen, die vorher einfach unberührt geblieben sind. Eigentlich wäre ein zweiter Durchgang überflüssig. Es sind aber alle Klingenformen in dieser Kategorie vertreten.
Die einzigen Messer, denen ich bis Heute nichts abgewinnen kann, und das grenzt wohl fast an Blasphemie, sind die Japanischen. Bestenfalls erreichen diese Messer im Ergebnis gerade mal die Qualität von mittelmäßigen Wedges. Das Handling überzeugt auch nicht besonders und Preis/Leistung finde ich ziemlich gewagt.
Gruß Senser

Dullblade

Zitat von: Senser am 03. Februar 2010, 21:06:43

Die einzigen Messer, denen ich bis Heute nichts abgewinnen kann, und das grenzt wohl fast an Blasphemie, sind die Japanischen. Bestenfalls erreichen diese Messer im Ergebnis gerade mal die Qualität von mittelmäßigen Wedges. Das Handling überzeugt auch nicht besonders und Preis/Leistung finde ich ziemlich gewagt.

Mit meinem Harima Fuji (Du dürftest das gleiche Messer haben) dachte ich das letztlich auch, das Handling ist aufgrund der assymetrie gewöhnungsbedürftig, aber sie sind ja auch ürsprünglich zur Fremdrasur hergestellt worden. Es waren Friseurmesser. Auch hatte ich erhebliche Schwierigkeiten, bis ich es letztlich einigermaßen vernünftig scharf gekriegt habe. Die Größe ist ein weiteres Problem, die normalen sind klein und fummelig, die Klinge ist grad ma 5 cm lang. Kurz nicht aufgepasst und der Winkel stimmt nicht mehr, tack, schon hast Du Dir die Spitze in die Wange geritzt ... Aber ein Harima Fuji ist keine Iwasaki, hier kommt wohl der Hype her und ein Iwasaki hatte ich bis dato auch nie an der Backe.

Aber mit meinen neuen Kanetakes ist das alles Schnee von gestern, groß, Klinge lang, liegen gut in der Hand, dazu die Links und Rechtsversion und schon ist das Handling echt easy ja und rasieren tun sie auch super, wie schon gesagt, besonders mit dem Strich erziele ich eine ungewohnte Glätte.

Kirk

Ich habe ein Iwasaki und ich mag es auch. Die Rasurleistung ist großartig aber mit dem Handling werde ich mich nie richtig anfreunden. Ab und zu rasiere ich mich wirklich gerne damit, aber es ist sicher eines meiner am wenigsten verwendeten Messer. Die Sache mit Links- u. Rechtshänderversion und auch die Größe deiner Kamisoris sind sicher ein Vorteil. Aber wie Senser schon richtig bemerkt hat ist das Preis-Leistungsverhältnis bei den Iwasakis nicht das Beste um es freundlich auszudrücken.

Senser

Über mein Harima Fuji hatte ich ja schon mal geschrieben. Seit geraumer Zeit habe ich aber auch ein Iwasaki und beziehe mich mit meiner Aussage auch darauf. Mittelmaß, ....bestenfalls. Ist natürlich subjektiv.
Gruß Senser

UbuRoy

Ich empfinde die Japanermesser als nicht besser oder schlechter als gute Solinger Standard Rasierer.

Sind nur exotischer und teurer und halt anders zu handhaben.

Sehe ich auch so, das ich sie ganz gern mal verwende, das Handling bei klassischen Rasiermessern aber als weitaus angenehmer und besser empfinde, weil weit flexibler, als bei einem Kamisori.

Und das Preis/Leistungsverhältnis der Japanischen ist im Vergleich zu unseren Rasiermessern wirklich katastrophal.