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Autor Thema: Holzpinselgriff behandeln  (Gelesen 1034 mal)
schwabenchris
Neuling

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« am: 14. Dezember 2016, 19:45:15 »

Hallo,

Ich bin nun an einen schönen Pinselgriff aus Olivenholz bekommen (ebay).
Leider war der Pinsel mit Olivenöl eingelassen, absolut ungeeignet.

Sollte halt nicht nur Wasser- sondern auch Schaumfest sein.
Möchte nicht lackieren oder Sekundenkleber nehmen.

Habe an Leinöl gedacht. Was empfehlt ihr mir?


Grüße
Schwabenchris
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wiese
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« Antworten #1 am: 14. Dezember 2016, 21:05:00 »

Dafür gibts im Baumarkt auch Hartöl für Holz. Das trägt man auf, lässt es  15 - 30 Minuten einziehen und hart werden. Danach wischt man den bereits angezogenen Rest ab und poliert die Oberfläche schön. Das Öl dringt in das Holz ein und wird danach hart oder zumindest sehr zäh. Wasser kommt da nicht mehr rein. Wahrscheinlich ist das auch nichts anderes als Leinöl. Mir ist von dem Öl schon mal was auf die Fliesen gekommen, das bekommt man fast nicht mehr weg.
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blexa
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« Antworten #2 am: 14. Dezember 2016, 21:11:48 »

Ich würde entweder zu Leinöl-Firnis oder Danish Oil raten, das ergibt seidenmatte bis glänzende Oberflächen.Einfach mit einem Stück Baumwollstoff oder mit der Fingerkuppe ins Holz einmassieren,
einen 2. Durchgang nach ca. 24 Stunden wiederholen.Zum Abschluss den Griff evtl. noch einmal mit Pfeifenkopfreiniger "Briar-Polish" gründlich polieren,wenn gewünscht.
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titanus
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« Antworten #3 am: 14. Dezember 2016, 21:12:23 »

Nightdiver empfiehlt Danish Oil.
Das ist sicher eine gute Wahl.
Da sind Lösungsmittel, Öle und Alkydharze enthalten, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt.
Diese Mischung von Öl, Harz und Lösungsmittel ist zielführend.
Es geht auch mit Leinöl, aber das braucht lange um zu polymerisieren. (es trocknet ja nicht durch Wasserabgabe)
Außerdem "feuert" es an und es kann die Holzfarbe verändern.
Ich finde beides gut. Besser jedenfalls, als eine wasserdichte Schicht oben auf der Holzfläche.

Meine Meinung

titanus
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Epikur
titanus
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« Antworten #4 am: 14. Dezember 2016, 22:13:08 »

Ich habe in anderem Zusammenhang auch schon "french polish" genutzt.
Das ist auchn ein geiles Zeug, aber sehr aufwändig herzustellen.

titanus
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Epikur
holzklinge
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« Antworten #5 am: 14. Dezember 2016, 23:55:50 »

"french polish"
Das ist auchn ein geiles Zeug, aber sehr aufwändig herzustellen.

titanus

mensch, was ist das wieder, wie geht es ?  Huch
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schwabenchris
Neuling

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« Antworten #6 am: 21. Dezember 2016, 17:39:04 »

Wie mein Name schon sagt bin ich Schwabe, daher habe ich etwas damit gezaudert mir Danish Oil zu kaufen.

Im Keller meines Vaters habe ich noch ein Hartwachs-Öl für Parkett gefunden.
Laut Aufdruck nach Trocknung ungefährlich für Mensch und Tier ist.

Das Holz wurde schön angefeuert und die Haptik des Holzes fühlt sich recht gut an.
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Der Bremer
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« Antworten #7 am: 21. Dezember 2016, 18:41:46 »

Ich habe in anderem Zusammenhang auch schon "french polish" genutzt.
Das ist auchn ein geiles Zeug, aber sehr aufwändig herzustellen.

titanus

Klär uns doch bitte mal auf. Was ist das ?
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Mfg : Heiko

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titanus
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« Antworten #8 am: 21. Dezember 2016, 18:43:48 »

Ist gedanklich schon in Arbeit,  Grinsend
aber etwas aufwändiger.
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Epikur
titanus
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« Antworten #9 am: 28. Dezember 2016, 18:46:09 »

Ich habe in anderem Zusammenhang auch schon "french polish" genutzt.
Das ist auchn ein geiles Zeug, aber sehr aufwändig herzustellen.

titanus

Klär uns doch bitte mal auf. Was ist das ?
Ich wollte erst einen neuen Faden aufmachen, habe aber jetzt keine Lust.
Deshalb dies in Kurzform:

Im frühen 17. Jhdt, manchmal noch früher, kamen die Fürstenhäuser mit der asiatischen Kunst, z. B. Porzellan und Lackkunst in Berührung (in Japan Urushi).
Das war fremdartig und nice und setzte einen Trend, der noch lange anhielt und die Einfuhr von sog. Chinoiserien beinhaltete.
Gleichzeitig wollten und sollten die einheimischen Meister diese superteuren Importartikel selbst herstellen und imitieren.
Wie das beim Porzellan ausging ist bekannt.
Beim Lack waren die Probleme auch nicht einfach zu lösen.
Die Asiaten nahmen einfach den Saft des Lackbaumes (!), der alles zusammen schon gespeichert hatte, und trugen diesen "Saft" meisterhaft in vielen Schichten
auf ihre Untergründe auf.
Die Versuche, diesen tollen Rohlack zu importieren schlugen sämtlich fehl. Es wurde von Sabotage gemunkelt...
Die Wahrheit ist, dass Urushi bei hoher Luftfeuchtigkeit abbindet. Und eine lange Seereise von Ostasien nach Europa.....

Wie Böttger beim Porzellan, versuchten auch die frühen europäischen Lackmeister andere Lösungen zu finden.
Dabei half, dass aus den Kolonien sehr unterschiedliche Rohstoffe geliefert werden konnten.
Die Rohstoffe für Lack bestanden im Wesentlichen aus
 - Lösungsmittel: ätherische Öle, Alkohole,... (z. B. echtes! Terpentinöl)
 - fetten, trocknenden Ölen (Mohnöl, Leinöl)
 - Harzen (Mastix, Sandarak, Bernstein, Kolophonium)
 - Balsamen (das sind natürlich gelöste Harze), z. b. Venezianisches Terpentin, d. i. ein Lärchenbalsam
 - und noch Beimengungen von anderen Stoffen wie z. B.. Wachse und Farbpigmente.
 - Trocknungsbeschleuniger (Bleiglätte [giftig], Kobalt [?], ...

Es ist nun ganz entscheidend, dass die Lackschichten (genau wie die Malschichten der Ölfarbenmalerei) immer von der härtesten
zur weichsten Schicht (oben) aufgebaut werden. Harte Schichten oben würden den ganzen Aufbau reißen lassen.
Z. B. wurden die Holzschichten erst mit Leim eingelassen. Entweder Hautleim (z. B. aus Hasenhäuten) oder gar der extremste aus Hausenblase (das ist eine Störart).
Hautleim kann eine unglaubliche Kraft entfalten. Mir hat eintrocknender Hautleim die Glasierung eines Tonbechers zerbröselt, also einfach vom Untergrund abgezogen.

Die unterschiedlich harten Schichten kann man mit der Mischung der Harze steuern.
Die Harze unterteilt man in Hartharze und Weichharze.

Weichharze sind i. W. der oben schon genannte und hier im Forum bekannte Mastix aus einer Pistazienart auf Chios (leider häufig in der englischsprachigen Form "mastic" genannt) und Dammar, ein Weichharz aus südost-asiatischen Laubbäumen.
Hartharze sind z. B. Sandarak und Kopal.
Die Namen der Harze sind häufig identisch mit dem ehemaligen Ausfuhrhafen. (z. B. Kolophon in Griechenland).

Man hat also erst das Lösungsmittel (hier Terpentinöl) vom Harz (hier Kolophonium) getrennt.
Später kann es zur Verarbeitung mit eben diesen Lösungsmitteln wieder gelöst und verarbeitet werden.

Alsdann muss man sich noch klar werden, welches die wichtigsten Eigenschaften sein sollen, die mein Lack haben soll.
Eine Chinoiserie sollte brilliant strahlen und war wenig mechanischen Störungen ausgesetzt.
Hier konnte also ein Lack mit besonderer Oberflächenhärte durch besonders hart trocknende Harze benutzt werden.
Sollten Kutschen lackiert werden, musste der Lack eine gewisse Härte, aber auch genügend Flexibilität aufweisen.

Eine Besonderheit ist das in Alkohol gelöste Schellack.
Schellack ist ein Traum für hochwertige Möbeloberflächen, aber nicht trivial anzuwenden.
Lackierer hatten damals eine 3jährige Lehrzeit...

Durch den hohen Alkoholgehalt wird eine sehr schnelle Trocknung erreicht, dabei sinkt blitzartig die Temperatur des Werkstücks und
der Lackschicht, die sich nicht mehr richtig verbinden kann, usw...

Deshalb habe ich für meine Bögen aus Osage orange, einem sehr hartem, ölhaltigen Bogenbauholz aus Nordamerika eine Mischung wie die alten Meister benutzt,
und nicht ein "french polish" wie es jetzt verstanden wird, nämlich ein Schellackpolitur.

Meine "French Polish" Mischung bestand aus Schellack in Alkohol gelöst, Dammar in Terpentinöl gelöst und Leinöl.
Aufgetragen mit einem alten Polohemd und anschließend auch damit poliert.
Diese Mischung ist für dieses Holz ideal.

Trocknungsbeschleuniger (Schwermetallderivate) verwende ich grundsätzlich nicht.
Diese sind aber fast immer in käuflichen Holzlacken ("überstreichbar in 12 Stunden,...")

Ich weiß aus verschiedenen Gründen gerne, was in meinen Lacken und meiner Rasierseife drin ist  Grinsend .
Und dann wähle ich aus nach meinen Bedürfnissen.

Ich habe auch schon mit Tungöl gearbeitet.
Das ist nicht schlecht, aber die Haptik gefällt mir nicht.
Auch Dammar Harzessenzfirnisse fand ich nicht gut, weil die zu lange zum Trocknen brauchten. Sehr klebrig.

Oder künstliche Stoffe: DD- Lacke, Bootslacke,... habe ich getestet und für mich und meine Anwendungen nicht als
gut empfunden.
Teilweise mit irren Ergebnissen: mehrfach getauchte DD Lacke bei Pfeilschäften waren nicht wasserdicht...

Für alle normalen Hölzer speziell im Innenbereich nehme ich:
Leinöl. Direkt aus dem Supermarktregal oder von Kremer-Pigmente.
Wenn ich das Öl besonders tief eindringen lassen möchte (Buchen Arbeitsplatte) verdünne ich die ersten 1 - 2 Schichten mit
Terpentinöl oder Orangenterpenen.

Soweit zu french polish Grinsend .
Das Thema ist natürlich viel vielschichtiger und man könnte noch sehr viel mehr dazu sagen.

Grüße

titanus




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Epikur
Der Bremer
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« Antworten #10 am: 28. Dezember 2016, 19:40:04 »

Vielen Dank, für diesen sehr interessanten Beitrag. Als absoluter Laie nicht ganz einfach
zu verstehen. (Öfter mal lesen, und Notizen machen hilft).
Es ist doch ein ziemlicher Aufwand. (...wie du ja auch erwähntest).
Ich werde wenn ich mal etwas mehr Zeit habe mich nochmal einlesen, ggf bei dir noch mal
Rücksprache halten (per PM natürlich) und mal experimemtieren.
An dieser Stelle "Vielen Dank" für diesen tollen Bericht. Meinen Respekt auch,für dein
Hintergrundwissen.  Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch
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Mfg : Heiko

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titanus
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« Antworten #11 am: 28. Dezember 2016, 21:34:02 »

Danke.
Hier mal ein Beispiel wie man Dammaressenzfirnis   Cool macht:

Man nehme ein paar Brocken Dammar Harz (oder Mastix Tränen),
füge das dreifache Volumen Terpentinöl (nicht! T.-Ersatz!!!).
Die Dammar Brocken werden in einen Tee Beutel gefüllt.
Das ganze in ein Schraubglas füllen so, dass der Beutel im Öl hängt.
Bald fangen die ersten Harzschlieren an herauszulösen.
Etwaige Reste, die sich nicht lösen mit dem Schraubglas entfernen.
Also ganz einfach  Grinsend

 
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Epikur
holzklinge
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« Antworten #12 am: 29. Dezember 2016, 00:54:10 »

Vielen Dank, für diesen sehr interessanten Beitrag. Als absoluter Laie nicht ganz einfach
zu verstehen. (Öfter mal lesen, und Notizen machen hilft).
Es ist doch ein ziemlicher Aufwand. (...wie du ja auch erwähntest).
Ich werde wenn ich mal etwas mehr Zeit habe mich nochmal einlesen, ggf bei dir noch mal
Rücksprache halten (per PM natürlich) und mal experimemtieren.
An dieser Stelle "Vielen Dank" für diesen tollen Bericht. Meinen Respekt auch,für dein
Hintergrundwissen.  Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch

+ 1 . einfach phänomenal
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schwabenchris
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« Antworten #13 am: 28. Januar 2017, 15:43:42 »

Hier mal ein paar Impressionen von dem Griff:





Den Knoten habe ich vor 1-2 Jahren über eBay als Restposten bei einem der chinesischen Händler der großen Bucht gekauft. Das Gewinde ist leicht beschädigt an einer Seite, aber mit Versand für 2$ ist da auch kein Problem.

Muss mir noch überlegen ob ich das Loch im Griff noch etwas vertiefe um ein bisschen mehr Rückgrat zu bekommen.
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alvaro
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« Antworten #14 am: 28. Januar 2017, 22:59:52 »

Ich stelle meine Frage mal hier:

Kennt jemand hier im Forum HOLZBUTTER von Renuwell?
Gibt es hierzu Erfahrungen?

http://renuwell.com/de/holz-butter/

Ich habe das Produkt bei diversen Holzhändlern gesehen.
Dort wird es (natürlich) zur Holzpfege angeboten (lackiert, geölt, gewachst, furniert oder unbehandelt).
Es ist Lebensmittelecht und wird unter anderem für Kinderspielzeug oder Schneidebretter empfohlen.
Als Tipp steht aber auch auf der Packung, dass das Produkt auch ideal als Handcreme geeignet ist.
Ich habe heute diese Holzbutter im Müller Drogeriemarkt gesehen und einfach einmal gekauft.
Heute Abend habe ich es als Handcreme benutzt und ich muss sagen: ECHT GUT.
Es gefällt auch meiner Frau die mit Neurodermitis Probleme hat.
Eine kleine Menge reicht bereits.

Jetzt interessiert es mich natürlich dieses Produkt auch für Pinselgriffe oder RM Schalen ein zu setzen.
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