gut-rasiert
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Autor Thema: Unbekannter Zahnkamm Hobel in einer Schatulle  (Gelesen 467 mal)
wynton59
Neuling

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Beiträge: 6


« am: 11. September 2016, 19:39:52 »

Hallo,
ich gehöre auch zu den begeisterten Hobel-Rasierer.
Ich habe folgenden Zahnkamm-Hobel, von dem ich sehr angetan bin. Er packt gut zu, ist aber nicht so aggressiv wie andere Vertreter.
Es ist ein alter Reisehobel ohne jede Markierung. Es wäre toll, wenn jemand was dazu weiß.



Viele Grüße

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Standlinie
FAQ-Team

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Beiträge: 1.801


Nassrasur? Nein danke? Ja bitte!


« Antworten #1 am: 11. September 2016, 20:45:28 »

Reisehobel wurden wie Sand am Meer hergestellt. Die wenigsten von ihnen tragen einen Namen, der auf einen Hersteller hinweisen könnte. Damit erschwert sich zwangsläufig eine exakte Zuordnung. Allerdings gibt es nach meinen Erfahrungen ein gewisses Erkennungsmerkmal - hier die gezahnte Grundplatte des Reisehobels - über die immerhin eine grobe/ungefähre Identifizierung möglich ist, denn die für diese Reisehobel verwendeten Grundplatten wurden nur von wenigen Herstellern angefertigt und auf dem freien Markt je nach Bedarf vertrieben. Hierzu möchte ich auf die identischen Griffe der Hobelmarken Punktal, Sonnal, Emir, Globusmann u.a. verweisen, die sich bei der Wahl ihrer Griffe auch eines Griffmusters eines Herstellers bedient haben. Es war also nicht außergewöhnlich, für einen Reisehobel der Marke Best irgendein beliebiges Grundplattenmodell einer anderen Hobelmarke zu verwenden.

Die Grundplatte des unbekannten Reisehobels hält man für die Identifizierung ganz einfach neben die Grundplatten anderer bekannter Hobelmarken und vergleicht übereinstimmende oder voneinander abweichende Merkmale. Hierzu zählen in erster Linie die Anzahl der Zähne, ihr Abstand zueinander und die Zahnlänge, desweiteren auch noch die etwas breiter ausgeführten Zahnkammleistenenden. Dann noch die drei Bohrungen (Durchmesser, Abstand zueinander).
In meiner Hobelsammlung konnte ich so viele Grundplatten bezüglich ihrer Herkunft auf Merkur, Gillette oder Rotbart (Old-Type-Platte) oder auch auf Leresche zurückführen. Hierzu ein kurzes Beispiel aus meiner Sammlung. Ein ungemarkter Reisehobel lag in einer mit dem Namen Rotbart gemarkten Transportbox. Der Vergleich der Grundplatten zeigte eine Übereinstimmung mit einer Gillette-Old-Type Grundplatte. Da Rotbart zum Gillette-Konzern gehörte war es nur plausibel, dass für diesen Reisehobel in Lizenz nachgebaute Einzelteile verwendet wurden. Damit war der ursprüngliche No-Name-Hobel tatsächlich ein Rotbart-Reisehobel.

Für die Reisehobel wurden bzw. werden (in diesem Fall bei Merkur) in der Regel ein- oder zweiteilige Hobelgriffe verwendet. Vielfach sehen sich die zweiteiligen Griffe zwar ähnlich, aber es liegen tatsächliche Unterschiede vor, zum Beispiel beim Gewinde. Damit ist eine Hobelidentifikation über den Griff nahezu unmöglich. Allerdings kann aufgrund des für den Hobelgriff verwendeten Materials immerhin eine ungefähre zeitliche Einordnung erfolgen, aber auch nur ungefähr. Hier kommt nun die Auflösung:

1. Ein einteiliger kurzer Griff: Er besteht nach meinen Erfahrungen aus Vollmaterial, hier entweder aus Zinkdruckguss, Bakelit oder aus Aluminium.
    Zinkdruckguss: Werkstoff, der bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts Verwendung fand
    Bakelit:           dieser Werkstoff wurde bis in die 50er Jahre eingesetzt
    Aluminium:       ein Werkstoff, der erst nach 1960 zum Einsatz kam

2. Ein zweiteiliger Griff. Beide Griffteile werden miteinander verschraubt. Das vordere Ende wird zuim Transport in das hohlgebohrte und dünnwandige
    hintere Ende geschoben. Die Griffkonstruktion ist ziemlich filigran ausgeführt. Dieses Konstruktionsmerkmal schließt Zinkdruckguss als Werkstoff
    aus. Als Werkstoffe werden Messing oder Aluminium verwendet.
    Messing (versilbert, verchromt):  typischer Werkstoff bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, bei Merkur immer noch aktuell
    Aluminium:                               ein Werkstoff, der nach 1960 zum Einsatz kam

Nun wünsche ich viel Erfolg bei der Reisehobelidentifikation.
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Mit freundlichem Gruß von Standlinie.

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
wynton59
Neuling

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« Antworten #2 am: 12. September 2016, 18:58:50 »

Danke für die Tipps. Ich werde versuchen, was rauszukriegen
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alvaro
Mitglied

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Beiträge: 661


« Antworten #3 am: 12. September 2016, 19:45:25 »

Die Dinger muss es wirklich wie Sand am Meer geben.
Ich habe zwei.
Mein erster wurde mir als "Wehmachtsrasierer" verkauft.
Das muss man zwar nicht glauben ich denke aber, dass gerade diese Rasierer im 2 WW von vielen Soldaten mitgeführt wurden.
Bei der Anzahl der damaligen Soldaten war natürlich plötzlich ein riesiger Markt für "Reiserasierer" da.
Und dieser Markt wurde natürlich auch von einer Vielzahl von Herstellern gedeckt.
Was natürlich die Bestimmung nicht einfacher macht.
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