gut-rasiert
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Autor Thema: „Rotbart-Mond Extra“ – der Versuch einer Reparatur, Teil 2  (Gelesen 818 mal)
Standlinie
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Nassrasur? Nein danke? Ja bitte!


« am: 27. August 2016, 00:08:12 »

„Rotbart-Mond Extra“ – der Versuch einer Reparatur, Teil 2

Ausgangslage
Der an dem in diesem Bericht behandelte Rotbart-Mond-Extra-Rasierhobel entstandene Schaden wurde von mir bereits ausführlich im April 2015 unter dem Titel „Rotbart-Mond Extra“ – der Versuch einer Reparatur“ beschrieben. Wer also nähere Informationen dazu suchen sollte, möchte diese Informationen bitte dort nachlesen. In diesem Bericht beschreibe ich nun, wie der beschädigte Rasierhobel endgültig instand gesetzt wurde.

Als Ergebnis des ersten Reparaturversuchs war beim Versuch, einen in der Griffschraube befindlichen abgebrochenen Gewinderückstand heraus zu schrauben, die Griffhülse an ihrem vorderen Ende aufgebrochen. In der nachfolgenden ersten Abbildung zeigt der rote Pfeil auf die sich bereits andeutende Bruchstelle vor dem Ausbohren. Die zweite Abbildung zeigt dann die unter dem Einfluss des Schraubenausdrehwerkzeuges aufgebrochene Griffhülse. In diesem Zustand war die Griffschraube nicht mehr verwendungsfähig.

 

Abbildung 1:  Griffschraube mit dem darin befindlichen abgebrochenen Gewindestift.

 

Abbildung 2:  Unter dem Einfluss des Schraubenausdrehwerkzeuges aufgebrochene Griffhülse.


Lösungsansatz für die geplante Reparatur
Die eben beschriebenen vorhandenen Voraussetzungen führten dann zu dem Ergebnis, dass für eine erfolgversprechende Reparatur des beschädigten Rotbart-Hobels folgende weitere Arbeitsschritte notwendig würden:

     - erstens:  Abschneiden der Bruchstelle an der Griffschraube (= Einkürzung),
     - zweitens:  Anfertigung eines neuen Innengewindes im vorderen Teil der verbliebenen Griffschraube,
     - drittens:  Abschneiden des noch vorhandenen Gewindestiftrestes von der Kopfplatte,
     - viertens:  Aufbohren des in der Kopfplatte verbliebenen zentrischen Reststiftes und Einschneiden eines Gewindes,
     - fünftens:  Anfertigung eines neuen Gewindestiftes und Verkleben dieses Stiftes in der Kopfplatte.

In der nachfolgenden Abbildung 3 sind die eben genannten Reparaturschritte zum besseren Verständnis an den dafür vorgesehenen Stellen des beschädigten Rotbart-Hobels eingetragen.

 

Abbildung 3:  Erforderliche Arbeitsschritte für die Reparatur des Rotbart-Hobels.


Reparaturausführung
Die beschädigte Griffschraube wurde mit Hilfe einer Drehbank um insgesamt 14,5 mm eingekürzt und danach im nächsten Schritt von ihrem hinteren Ende her aufgebohrt. Der Durchmesser der durchgehenden Bohrung betrug 3,5 mm.

 

Abbildung 4:  Durchbohren der gesamten Griffschraube von ihrem hinteren Ende aus.


Danach wurde die Griffschraube mit einem M4-Innengewinde versehen (siehe dazu die Abbildung 5). Der Gewindestift der Kopfplatte wird ein M4-Außengewinde erhalten. Auf diese Weise wird dann beim späteren Zuschrauben der Griffschraube die Kopfplatte wieder auf die Grundplatte gezogen und eine eingelegte Rasierklinge durch diesen Vorgang eingespannt. Eine Rasur wäre dann mit diesem Hobel auch wieder möglich.

 

Abbildung 5:  Anfertigung eines M4-Gewindes in der Griffschraube.


Die nächste Abbildung 6 zeigt den Gewindestift, der später in die Kopfplatte eingeschraubt und zusätzlich noch zur Sicherung darin verklebt werden soll. Als Vorlage für diese Lösung diente mir ein Gibbs-Reglable No. 15 aus meiner Sammlung, bei dem die Gewindestange auf diese Weise mit der Kopfplatte verbunden ist. Für die praktische Umsetzung müssen auf den neuen Gewindestift des Rotbart-Hobels zwei unterschiedliche Gewinde eingeschnitten werden, ein M4-Außengewinde für die Griffschraube und ein M2-Außengewinde für die Kopfplatte. Die Abbildung 7 entstand beim Schneiden des M2-Außengewindes.

 

Abbildung 6:  Anfertigung eines Gewindestiftes, über den die Kopfplatte wieder mit der Griffschraube verbunden werden kann.

 

Abbildung 7:  Aufschneiden eines M2-Außengewindes am neu angefertigten Gewindestift.


In der Abbildung 8 sind zum Vergleich zwei Rotbart-Mond-Extra-Kopfplatten zu sehen. Die linke Kopfplatte stammt von einem intakten Rotbart-Hobel, die rechte Kopfplatte von dem zu reparierenden Hobel. An dem abgebrochenen Gewindestumpf sind noch Reste zweier Gewindegänge zu erkennen. Dieser Gewindestumpf soll um 8 mm eingekürzt werden. Der an der Kopfplatte befindliche eingekürzte Stumpf soll danach angebohrt und in die Bohrung ein M2-Innengewinde geschnitten werden. Zumindest sah die ursprüngliche Planung diese Lösung vor.

 

Abbildung 8:  Vergleich einer unbeschädigten mit der schadhaften Kopfplatte, die mit einem neuen Gewindestift versehen werden soll.


Allerdings kann manchmal eine tiefe Kluft zwischen einem Wunsch und der sich später einstellenden Wirklichkeit entstehen. So ist es dann auch mir widerfahren. Den verbliebenen Reststumpf an der Kopfplatte des Rotbart-Hobels einzukürzen, bereitete mir keine Schwierigkeiten. Aber beim Bohren eines kleinen Lochs in diesen Reststumpf ist dann der Bohrer wegen des relativ weichen Zinkdruckgussmaterials aus der Mitte gelaufen. Die Bohrung war damit nicht mehr zentrisch und zudem noch an der Oberseite oval ausgelaufen. In diese Bohrung ließ sich dann auch kein sauberes Gewinde mehr schneiden. An dieser Stelle wäre die Hobelinstandsetzung ähnlich wie beim ersten Reparaturversuch fast noch gescheitert. Ich habe dann einen Büchsenmacher meines Vertrauens um Hilfe gebeten, der mich dann nicht nur beraten, sondern eine Alternativlösung für die Reparatur vorgeschlagen und auch gleich auf seiner Drehbank umgesetzt hat.

Der Vorschlag meines Büchsenmachers war, die Kopfplatte des Rotbart-Hobels einfach von außen bis durch den Reststumpf zu durchbohren. In diese durchgängige Bohrung sollte ein M4-Innengewinde geschnitten werden. Von der Hobelkopfaußenseite würde dann eine Edelstahlschraube mit Senkkopf eingeschraubt und zusätzlich noch verklebt werden. Der Vorteil des Senkkopfes wäre dann, dass dann bei einem sehr festen Zudrehen der Griffschraube die Gewindestange nicht mehr aus dem Gewinde der aus relativ weichem Zinkdruckguss bestehenden Kopfplatte gezogen werden könnte. Diese Alternativlösung hat mich überzeugt und führte dann doch noch zu einem erfolgreichen Reparaturabschluss.

Die folgenden Abbildungen zeigen, wie einfach sich eine abgebrochene Gewindestange eigentlich ersetzen lässt, wenn man über die hierfür erforderlichen Werkzeugmaschinen verfügt.

 

Abbildung 9:  Darstellung zweier Hobelkopfplatten; links eine intakte Platte mit M5-Gewinde und rechts die reparierte Gewindestange mit M4-Gewinde.

 

Abbildung 10:  Ansicht einer intakten (links) und der reparierten Kopfplatte (rechts).

 

Abbildung 11:  Ansicht der instandgesetzten Kopfplatte (vorne) im Vergleich mit einer intakten Kopfplatte.


In den Abbildungen 10 und 11 ist der in die Hobelkopfplatte eingelassene Kopf der Edelstahlschraube sehr gut erkennbar. Die Reparatur hinterlässt so zwar einen kleinen Schönheitsfehler, aber der reparierte Hobel kann nun wieder ohne Einschränkungen für anstehende Rasuren eingesetzt werden.

 

Abbildung 12:  Zwei Rotbart-Hobel; im rechten Bildausschnitt die reparierte Ausführung.

 

Abbildung 13:  Darstellung der Einzelteile des reparierten (links) und im Vergleich dazu eines intakten Rotbart-Hobels.


Schlussfolgerung
Der vorliegende Text beschreibt den Werdegang einer Reparatur eines beschädigten Rotbart-Mond-Extra-Rasierhobels. Die Reparatur konnte zu einem erfolgreichen Ende geführt werden und der Hobel ist nun wieder für zukünftige Rasuren gerüstet.

Der Leser dieses Berichtes mag nun für sich selber beurteilen, ob ihm diese wohl in ihrer Gesamtheit recht aufwendige Reparatur für seinen Rotbart-Hobel wert gewesen wäre und ob er sich auch für eine Reparatur dieses ursprünglich beschädigten und aufgrund des Beschädigungsgrades nicht mehr einsetzbaren Rasierhobels eingesetzt hätte. Dem Auftraggeber für die Reparatur lag dieser Rotbart-Hobel jedenfalls am Herzen. Ich gehe davon aus, dass dieser Hobel nun einen Ehrenplatz bekommen wird.
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Mit freundlichem Gruß von Standlinie.

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
Der Bremer
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« Antworten #1 am: 27. August 2016, 17:54:59 »

Vielen Dank, für diesen ausführlichen und detaillierten Bericht. ich finde es toll, wenn man über dieses
Handwerkliches Geschick verfügt. Mir ist es leider nicht gegeben, und wenn wäre es mir wohl zu
aufwendig.
Aber es können ja auch Emotionale Gründe eine Rolle spielen. Erbstück vom Vater oder Grossvater.
Hut ab und Respekt, vor dieser tollen Arbeit.  Daumen hoch
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Mfg : Heiko

Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es :
Bertrand Russell
Ocrana
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« Antworten #2 am: 27. August 2016, 21:53:58 »

Ich selbst habe noch nie mit einer Drehbank gearbeitet und finde es immer wieder toll, dass man damit Gewinde schneiden und andere Sachen machen kann. Ich stehe da immer nur mit Staunen vor und wünschte mir, dass mir jemand den Umgang damit erklären würde.
Davon abgesehen finde ich jeden Versuch, alte Hobel oder Messer am Leben zu erhalten lobenswert. Daumen hoch dafür und für diesen liebevoll gestalteten Bericht Daumen hoch.
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blexa
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,,Eine Liebe die niemals endet'' Since 1904


« Antworten #3 am: 29. August 2016, 13:04:55 »

Meinen Glückwunsch Peter, zu deiner erfolgreichen Rotbart Sanierung Daumen hoch  Solche Sachen haben den größten ideellen Wert. Finde ich wirklich ganz toll, das du nach soviel Zeit und Ausdauer es noch geschafft hast diesen Rotbart wieder flott zu bekommen.Ganz großes Kino mit einem wunderbaren Bericht Daumen hoch Daumen hoch
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