gut-rasiert
13. Dezember 2017, 08:26:16 *
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

Einloggen mit E-Mailadresse, Passwort und Sitzungslänge
News: Änderungen im Admin- und Moderatoren-Team


 
   Übersicht   Hilfe Einloggen Registrieren Impressum  
Seiten: [1]   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: Gillette Super Adjustable (SH): Zerlegen/Auffrischen/Zusammensetzen  (Gelesen 2240 mal)
nero
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 575



« am: 20. November 2015, 18:44:14 »

Hallo Freunde der Nassrasur!
Als ich vor Kurzem einen Super Adjustable Short Handle sah, stand ziemlich schnell fest, dass ich mir auch so einen zulegen muss. Dabei habe ich nicht unbedingt nach dem makellosesten Exemplar Ausschau gehalten, denn es sollte ein kleines Projekt werden.

Letztlich bin ich fündig geworden und bekam diesen Hobel:



Im Grunde hätte man den auch so lassen können, wobei die Fotos ihn irgendwie besser getroffen haben, als er tatsächlich war. An den Griffen schimmerte teilweise das Aluminium durch, die Nickelkomponenten waren sehr matt und die Zahlen am Verstellring teilweise ausgeblichen. Dazu noch die üblichen Seifenrückstände.
Also, ab an die Arbeit, nun musste ich ihn nur noch zerlegen, etwas auffrischen und wieder zusammensetzen  Smiley


Übersicht
Bevor es losgeht, seht ihr hier zur Übersicht den zerlegten Adjustable mit einer kurzen Benennung der Komponenten. Bitte berücksichtigt, dass diese Bezeichnungen kein Recht auf Allgemeingültigkeit haben, denn ich habe sie mir einfach ausgedacht:



1: Endkappe; 2: TTO Knauf mit Aufnahme; 3: TTO Schieber; 4: Oberes Griffstück; 5: Aufnahme für Verstellring; 6: Verstellring; 7: Anzeigenfeder; 8: Adjustable-Platte; 9: Grundplatte; 10: Arretierungskappe; 11: Feder; 12: Kopf


Die Werkzeuge
Nun noch die Werkzeuge, welche ich benutzt habe. Hinzukommt ein Schraubstock.




Zerlegung
Man beginnt damit die Endkappe vom TTO Knauf abzuhebeln, ich habe dafür ein 0815 Taschenmesser benutzt, man sollte auf jeden Fall etwas schmales, aber dennoch stabiles dafür benutzen. Nachdem man die Endkappe entfernt hat, ist der Blick frei auf die Arretierungskappe, welche auf Höhe der Aussparung der Kopfstange zweimal zusammengequetscht wurde.



Achtung, hinter dieser Kappe sitzt die Feder, somit steht dieses Teil unter mechanischer Spannung, daher im weiteren Schritt nicht unbedingt in Augenrichtung halten. Die Arretierungskappe muss nun entfernt werden, dies kann man entweder tun, indem man die Quetschpunkte mit einem spitzen Gegenstand öffnet oder einfacher, indem man einen Außensechskantschlüssel in ungefährer Größe der Kappe ansetzt und mit einem kräftigen Hammerschlag auf den Schlüssel die Kappe nach unten schlägt. Dabei unbedingt darauf achten, dass der Hobelkopf auf einem dicken, weichen Gegenstand abgestützt wird. Durch den Schlag wird die Kappe auf das dicker werdende Stück der Stange gedrückt und somit geöffnet. Wenn alles funktioniert hat, ist die Öffnung der Kappe nun groß genug, hier wirklich nochmal darauf achten, dass man die Feder dahinter sicher entfernt.
Nun kann der Kopf herausgezogen werden:



Im nächsten Schritt trennt man den TTO Knauf vom restlichen Griff. Diese beiden Teile sind zusammengepresst und lassen sich relativ einfach voneinander trennen. Ich habe mir dazu aus einem kleinen Holzblock eine Spannvorrichtung gebastelt. In diese kommt der obere Griff, schön eingewickelt in einem Lappen hinein. Das ganze wird dann im Schraubstock eingespannt, der TTO Knauf wird ebenfalls mit einem Lappen umwickelt, so dass man ihn mit einer Zange halten kann. Ein paar kräftige Schläge gegen die Zange und die beiden Teile sind getrennt:



Der obere Griff kann gleich im Holzblock bleiben, denn die Aufnahme für den Verstellring ist ebenfalls im Griff eingepresst, während die Grundplatte in der Verstellringaufnahme eingespannt ist.
Man dreht sich den Griff also so hin, dass man mit einem Austreiber hineingelangen kann, idealerweise legt man noch ein Stück Tuch als Puffer zwischen Austreiber und Verstellringaufnahme dazwischen. Man sollte auch darauf achten, dass die Grundplatte genügend Freiraum zum Austreiben hat und, dass sie möglichst weich, durch ein Tuch o.ä. aufgefangen wird. Passt auch auf die Verstellfeder auf, diese ist nämlich nur lose eingelegt.
Die restlichen Komponenten sind lose zusammengesteckt. Der Verstellring ist aufgeschraubt. Zusätzlich habe ich die Türen noch vom Kopf entfernt, indem ich sie mit einem Lappen umwickelt habe und dann vorsichtig mit einer Zange aus den Haltenasen geholt habe.


Auffrischung
Nachdem man sich selbst kurz mit einem kühlen Pils erfrischt hat, geht´s an die Reinigung der Teile. Wie gewohnt kann man die im Spülibad o.ä. reinigen. Ich habe danach noch den Dremel mit Filzaufsatz und Polierpaste angesetzt um die Teile auf Hochglanz zu bringen. Das hat wie gewohnt gut geklappt, denn diese Polierpaste holt wirklich was raus, leider weiß kein Mensch mehr wo die herkommt.
Um die Griffe zu schwärzen habe ich zunächst recherchiert, wie die Teile denn ursprünglich gefärbt wurden. Bis jetzt scheint sich da keiner einig zu sein, denn sie könnten eloxiert worden sein, aber und das halte ich für wahrscheinlicher, sie könnten auch ein Bad in einer Kunstharzfarbe genommen haben. Die Haptik des Griffes macht Letzteres für mich wahrscheinlicher, denn der Griff fühlt sich leicht gummiert an. Daher habe ich mich dazu entschieden die Teile mit einer Email-Color in „schwarz-glänzend“ vom Modellbaugiganten Revell zu bepinseln. Diese Farbe ist ebenfalls auf Kunstharzbasis. Die Verarbeitung erfolgte unverdünnt, in zwei Anstrichen und einer Trocknungszeit von 24 Stunden. Die Zahlen auf dem Verstellring habe ich ebenfalls bepinselt und dann mit einem Tuch nachgewischt, diesen Vorgang habe ich einige Male wiederholt, bis alle Zahlen und Punkte ausreichend geschwärzt waren. Die Feder hat ebenfalls einen neuen Anstrich bekommen. Vorsichtshalber sollte man Nitroverdünnung o.ä. bereithalten, falls doch mal was arg daneben gegangen ist. Und so sahen die Komponenten nach der Auffrischung aus:



Ein kleines Pils später ging es dann an das Zusammensetzen.


Zusammensetzen
Im Grunde wird hier die Zerlegung einfach nur rückwärts durchgeführt, wenn da nicht die Einstellungspflicht für Adjustables wäre. Dadurch, dass man den Verstellring von seiner Aufnahme entfernt hat, stimmen natürlich die Abstände zur Adjustable-Platte nicht mehr. Ich war so schlau und habe natürlich vorher nicht den Klingenspalt bei der jeweiligen Einstellung überprüft. Brauchte ich zum Glück allerdings auch nicht, denn die Nassrasurverrückten aus Übersee haben eine schöne Tabelle, wo die „Gaps“ aufgelistet sind:

http://wiki.badgerandblade.com/Double-Edged_Safety_Razors_Ranked_by_Blade_Gap

Ich habe also zunächst die Aufnahme für den Verstellring zurück in den Griff gepresst, dann den Verstellring aufgeschraubt und die Grundplatte plus Verstellplatte aufgesteckt. Die anzeigenfeder habe ich zunächst weggelassen, da ich keinen Anhaltspunkt für die richtige Position des Ringes hatte und mit einer eingelegten Anzeigenfeder nur eine Umdrehung von 1-9 möglich ist, danach und davor blockiert sie ein weiteres Drehen. Was ich also tat, war zusätzlich den Kopf einzusetzen, in ihm eine Rasierklinge zu platzieren und die Stange des Kopfes nach unten zuziehen, während ich den Griff dabei festhielt. Man simuliert so quasi die untere Feder, welche den gesamten Kopf zusammendrückt. Auf diese Weise habe ich den Verstellring so eingestellt, dass ich die im obigen Link angegebenen Klingenspalte mit der alten Fühlerlehre ermitteln konnte. Danach habe ich den Verstellring vorsichtshalber mit Tape fixiert und den gesamten Kopf wieder entfernt, um die Anzeigenfeder einzusetzen:



Als ich den oberen Teil des Rasierers soweit wieder zusammen hatte, habe ich den TTO-Knauf wieder mit dem oberen Griff verbunden:



Im nächsten Schritt habe ich den Kopf mit Stange eingesetzt, den Hobel wieder mit einem Tuch umwickelt in den Holzblock eingespannt und konnte so relativ komfortabel mit der gebogenen Spitzzange die Arretierungskappe aufsetzen. Hier muss man darauf achten, dass man die Kappe samt Feder weit genug hineindrückt und erst bei der Verjüngung der Stange zusammenquetscht. Das ganze wiederholt man 90° versetzt dazu und prüft einige Male, dass die Kappe auch wirklich hält.



Natürlich sollte man auch hier vorsichtig sein, denn die Feder steht schon ganz gut unter Spannung. Schlussendlich überprüft man, ob auch alles so funktioniert wie es soll und setzt die Endkappe wieder auf. Nun sieht der Hobel so aus:





Fazit
Eigentlich war der Aufwand bei diesem Exemplar gar nicht notwendig, aber wenn man sich erstmal so ein Projekt in den Kopf gesetzt hat, will man es auch durchziehen.
Bei der Farbe bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob die nicht doch etwas zu sehr glänzt und wie lange sie wohl hält. Aber bei knappen 2€ für den kleinen Farbtopf hält sich der Verlust in Grenzen. Da die Griffstücke aus Aluminium bestehen, wären das im Übrigen ziemlich ideale Kandidaten für eine Cerakote-Beschichtung (Wink an Hobeler).
Ich hoffe, dass ich die Sachverhalte einigermaßen verständlich rüberbringen konnte, falls Fragen bestehen, einfach fragen.
Übrigens ist der Aufbau des Slim Adjustables ähnlich, nur der Fatboy funktioniert etwas anders.

« Letzte Änderung: 20. November 2015, 18:51:42 von nero » Gespeichert

Löppt!
harrahalmes
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 228



« Antworten #1 am: 20. November 2015, 19:10:05 »

Nero, danke für die wunderbare Anleitung. An anderer Stelle hatte ich mal versprochen eine zu erstellen, kam aber bisher nicht dazu.

Kleine Anmerkung:

Beim Long Handle Super funktioniert es genauso, allerdings sitzt die Klemmscheibe viel tiefer im Griff, man kommt mit üblichen Zangen fast bis gar nicht hin.

Die Endkappe habe ich damals mit Hilfe einer M1,6er Linsenkopfschraube abgenommen, mittig in dem Loch sollte ein Gewinde sein, Schraube eindrehen und mit einem Seitenschneider die Kappe abhebeln.
Gespeichert

It's close to midnight and he's barking to the moon
Mr.X
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 245



« Antworten #2 am: 20. November 2015, 19:19:56 »

Auch vor mir vielen Dank für die tolle Anleitung. Hättest du die nicht etwas früher erstellen können, dann hätte ich ein paar graue Haare weniger. Grinsend
Hat bei mir aber zwar auch geklappt, aber chaotischer.
Gespeichert

Gruß
Mr.X
Standlinie
FAQ-Team

Offline Offline

Beiträge: 1.984


Nassrasur? Nein danke? Aber ja doch!


« Antworten #3 am: 20. November 2015, 20:34:34 »

Eine ganz tolle Montageanleitung. Herzlichen Dank dafür.  Daumen hoch
Gespeichert

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
Hellas
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 2.035



« Antworten #4 am: 20. November 2015, 22:14:35 »

Sehr schöne Anleitung. Vielen Dank dafür. Funktioniert das mit Slim und Fat-Boy genauso?
Gespeichert
Der Bremer
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 1.220



« Antworten #5 am: 20. November 2015, 22:38:10 »

Vielen Dank, für diesen tollen Leitfaden. Ein toller Bericht, und dazu noch
klasse bebildert.
Diese Anleitung hab ich mir gleich abgespeichert.  Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch
Gespeichert

Mfg : Heiko

Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es :
Bertrand Russell
Rockabillyhelge
Globaler Moderator

Offline Offline

Beiträge: 5.194


NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #6 am: 20. November 2015, 23:33:08 »

Absolut geniale Beschreibung, dieser Thread ist eine wirkliche Bereicherung, einfach perfekt mit den Pics und den erstklassigen Erläuterungen, Danke dir Nero!!!  Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch

@Hellas: Der Fatboy lässt sich auf dieselbe Art und Weise zerlegen, es ist allerdings Vorsicht geboten bei der kleinen Klemmplatte im Drehknauf!!!
Einige Fatboys haben die genauso wie der von Nero gezeigte Super Adjustable, andere (vermutlich die älteren) haben keine geklemmte sondern eine geschraubte
runde Platte!
Gespeichert

Dorsalus d.Ä. sprach: Auch ein schöner Rücken kann Entzücken :-)
nero
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 575



« Antworten #7 am: 21. November 2015, 16:51:19 »

Danke für Euer Lob, es freut mich sehr, dass der Beitrag so gut ankommt  Lächelnd

@harrahalmes
Der Trick mit der Linsenkopfschraube ist echt smart!

Was den Long Handle und die Arretierungskappe/Klemmscheibe angeht:
Ich habe es bei dem Short Handle nicht getan, weil es mir aufgrund des kurzen Endstücks zu riskant erschien und, weil es auch nicht notwendig war, aber so wie ich das gesehen habe, ist der TTO-Aufnehmer, also das blanke Stück mit dem Innengewinde im TTO-Knauf eingepresst. Man sollte den Aufnehmer mit einem Austreiber rausbekommen, kann diesen dann in das obere Griffstück einpressen, in Ruhe und mit viel Platz die Feder und Arretierungskappe an der Kopfstange anbringen und erst ganz zum Schluss den TTO-Knauf aufstecken. Das sollte funktionieren, da die Feder gegen die Aufnahme drückt und nicht gegen den Knauf.


@Hellas
Was den Slim und Fatboy angeht hat Helge schon alles erklärt.
Die geschraubte Kappe beim Fatboy ist natürlich herrlich komfortabel. Man erkennt die geschraubte Kappe an zwei sich gegenüberliegenden Aussparungen, hier kann man es noch gerade so sehen:
http://safetyrazors.co.uk/Products/ProductImages/Gillette-Fatboy-Adjustable-1959-E3-689_detail.jpg
Da bastelt man sich am besten irgendwas aus einer Büroklammer o.ä. und schraubt die Kappe ab.
Aber auch hier muss man etwas aufpassen, denn dahinter sitzt auch eine Feder.

Ansonsten unterscheiden sich, zumindest laut der "Blade-Gaps" Tabelle aus dem B&B Wiki die Slims und Fatboys durch etwas andere Klingenspalte vom Super Adjustable.


Was ich noch vergessen habe:
Wenn ihr die Komponenten wieder zusammenpresst, achtet darauf, dass ihr das mit möglichst planen Gegenständen tut.
Ich habe z.B. die Rückseiten der zwei Holzblöcke dafür benutzt. Es wäre ja zu schade, wenn man durch Abrutschen oder schräges Aufdrücken den Hobel verbiegt oder sogar zerbricht.
Die schwarzen Griffstücke sind wirklich sehr dünn und anfällig, also besser Vorsicht als Nachsicht.
Gespeichert

Löppt!
Seiten: [1]   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.21 | SMF 2006, Simple Machines Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS