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Autor Thema: Infothread: trad. Japanische Rasiermesser - Kamisori (Neuauflage)  (Gelesen 3344 mal)
Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« am: 12. September 2015, 16:19:00 »

Infothread: Kamisori - Das japanische Rasiermesser

Der in dieser Form vorliegende Artikel soll einen Überblick über das traditionelle japanische Rasiermesser bieten, in ihm sind die Informationen des Vorgängerthreads eingearbeitet, aufgrund verbesserter Übersichtlichkeit und neuerer Informationen war eine Überarbeitung nowendig, der Ursprungsthread wird eine zeitlang weiterverlinkt bleiben.

Hier gehts zum Diskussionsthread der Neuauflage des Inforthreads: http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,30256.new.html#new
Hier gehts zur alten Version des Infothreads: http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,1490.0.html

Grundlegendes zur Benennung der unterschiedlichen Teile eines Kamisori:

Ura = Mit Zeichen versehene Seite (vom Gesicht weg)
Omote = Seite ohne Zeichen (zum Gesicht hin)




Geschichte:

Wie bei vielen Dingen innerhalb der japanischen Geschichte liegt auch die Geschichte des japanischen Rasiermessers weitestgehend im Dunkelen.
Man nimmt an das durch die Begegnung Japans mit dem Buddhismus im 6-7Jh. n.Chr. (Asuka-Zeit) auch die ersten Rasiermesser nach Art eine Kamisoris ins Land kamen, vornehmlich um der Tonsur buddhistischer Mönche zu dienen.
Die Herkunft dieser Messer wird daher in China vermutet wobei weiter zu vermuten ist das es schon vorher in Japan Rasiermesser gegeben hat die jenen unserer Antike geähnelt haben könnten.
Die Quellenlage ist leider denkbar schlecht, Recherchen werden überdies von der Sprachebarriere erschwert, so dass hier vielleicht noch das ein oder andere interessante frühgeschichtliche Detail entdeckt werden könnte.

Bis zur Meji-Restauration (Öffnung Japans ab der 2. Hälfte des 19.Jh.) bleibt ein schwarzer Fleck innerhalb der Geschichte, Existenz und Nutzung dieser Messer werden aber durch Bildquellen sowie wechselnde Bartmoden und die auf ein Rasiermesser angewiesene traditionelle japanische Herrenfrisur Chonmage (https://de.wikipedia.org/wiki/Chonmage)
aber faktisch bestätigt, wichtige technische Informationen wie die Frage ab wann Schweißverbundstahl eingesetzt wurde bleiben ungeklärt.


Japanische Barbiere, Photo von Felix Beato 1868, gemeinfrei siehe: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Felice_Beato_%28British,_born_Italy_-_Barbers_-_Google_Art_Project%29.jpg

Infolge der Öffnung dem Westen gegenüber wurden weit reichende Reformen innerhalb des japanischen Kaiserreiches unternommen die neben einer drastischen Modernisierung und Verwestlichung u.a. eine Heeres- & Adelsreform beeinhalteten, welche den Kriegerstand der Samurai de facto abschaffte.
Laut Literatur produzierten in Folge dessen die vorherigen Schwertschmiede nun vermehrt Gebrauchsgegenstände wie unter anderem Küchenmesser und Kamisoris, in wie weit dies der Realität entspricht bleibt ungeprüft, mir persönlich erscheint es eher wie der Versuch die Geschichte des populären Katana und die des Kamisoris zu verbinden, ich vermute eher das Kamisoris wahrscheinlich ihres einfachen Gebrauchscharakters wegen nicht gesondert erwähnt wurden.

Vermutlich bedingt durch den ansteigenden Nationalismus innerhalb der Showa-Zeit (Hirohito Showa-Tenno 1926-1989 wobei im nationalistischen Sinne bis 1945 relavant ist) kam es wohl neben den westlichen japanischen Rasiermessern zu einer vermehrten Verbreitung an traditionellen Rasiermessern wie ein großes Angebot und Vorhandensein an unbenutzten Messern im Internethandel vermuten lässt.
Nach dem Krieg und einer weiteren drastischen Verwestlichung scheint die Popularität der Kamisoris erst einmal nur schleppend nachgelassen zu haben, so beschäftigten sich Schmiede wie Iwasaki sen. mit der Entwicklung speziellen Tamahagane-Stahl für Rasiermesser, wurden moderne Griffvarianten entwickelt (verschiedene Gummigriffe vermutlich ab Ende des 50er / Anfang der 60er Jahre) und neue Schliffe / Formen entwickelt (Kamisoris aus einem Stahl, westliche Kamisoris, hohlgeschliffene Kamisoris siehe Kenwa).

Mitte der 70er Jahre (nach Auskunft eines japanischen Friseurbedarfsproduzenten) wurde seitens der japanischen Regierung ein Gesetz erlassen welches den professionellen Barbieren und Frisören die Verwendung einer Klinge pro Kunde vorschrieb was vermutlich zum Ende der damals wohl noch verbreiteten Nutzung und Produktion des japanischen Rasiermessers geführt hat.
Ähnliche Entwicklungen sind aus anderen, westlichen Ländern ebenfalls bekannt und haben auch dort für massive Einbrüche der dortigen Schneidwarenindustrien gesorgt.
Durch den zusammenbrechenden Absatz reduzierte sich scheinbar auch recht schnell die Menge der Kamisori herstellenden Schmiede von denen heute nur noch wenige übrig geblieben sind. Trotzdem hält sich auch in Japan, ähnlich wie in Deutschland hartnäckig ein kleiner Markt für traditionelle Rasiermesser, ein Markt der scheinbar (u.a. bedingt durch das Internet) auch Wachstumstendenzen besitzt wie die weltweite Verfügbarkeit von Iwasaki und Kanenaga Messern sowie die zeitweise auftauchenden Messer von Tanaka, Takahashi und weiteren kleinen Schmieden vermuten lassen  Smiley

« Letzte Änderung: 12. September 2015, 17:59:25 von Rockabillyhelge » Gespeichert

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Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #1 am: 12. September 2015, 16:34:05 »

Das japanische Rasiermesser aus technischer Sicht:

Das traditionelle japanische Kamisori besteht in der Regel aus Schweißverbundstahl, wahrscheinlich mangels der Verfügbarkeit ausreichender stark-härtbarer Stahlmengen, des daraus resultierenden Preises in vorderer Zeit (vergl. Herstellung von Tamhagane bzw. allg. Verhüttung in Japan https://de.wikipedia.org/wiki/Hochofen#Entwicklung_des_Hochofens)
sowie reiner Pragmatik wurden / werden Schneidstahl und Griffstahl kombiniert.
Hierbei wird auf einen weicheren, einfacheren Stahl der den Griff bildet (Ugane) ein Plättchen gut zu härtender, kohlenstoffreicher Stahl (Hagane) geschweißt (in diesem Video ist der Vorgang gut zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=xhIPezh5UvU hier schmiedet gerade Meister Mizuike Kobo mehrere Kanenaga Kamisoris).

War der Schweissvorgang erfolgreich offenbart sich im Querschnitt folgendes Bild:


Mit freundlicher Genehmigung von Aframestokyo / Japan Chef Knives

In diesem Falle handelt es sich um den vorbearbeiteten Rohling eines Iwasaki Tamahagane, sehr schön zu sehen sind die zwei unterschiedlichen Stahlsorten. Insbesondere die dünne Hagane fordert hierbei ein besonderes handwerkliches Geschick, da sie sehr gleichmäßig aufgeschweißt werden muss und überaus dünn ist (variiert von Hersteller zu Hersteller), schon kleine Wellen oder Verformungen während des Verschweißens könnten eine wellige Verbindung beider Stähle verursachen was wiederum zu einer ungleichmäßig aus Hagane gebildeter Schneide und damit einer mangelhaften Schärfbarkeit führt.

Durch das Verschweißen der zwei unterschiedlichen Stahlsorten kommt es in der Regel zu markanten Trennungslinien auf der Klinge die entweder nur durch die Farbe des Stahles oder durch feine Risse, seltener auch dekorierten Mustern (vergl. Kinmoji Kamisoris) auffällig werden.



Diese Schmiedelinien sind auch auf der Rückseitigen Facette sichtbar und bilden mehr oder minder charakteristische Muster welches aber nicht mit dem aus dem Schwert- & Messerbereich bekannten Hamon (https://de.wikipedia.org/wiki/Hamon) vergleichbar ist.
Als Schneidstahl wurde vermutlich in früherer Zeit vornehmlich traditionell gewonnener Stahl genutzt, was nicht immer Tamahagane bedeutet sondern sich auf die Stähle aus Yasuki (Blau- & Gelbpapierstahl) ausweiten lässt. Wahrscheinlich in Folge der Öffnung dem Westen gegenüber wurden im 20.Jh. auch vermehrt Stähle aus England (England Steel, Balfur) sowie aus Schweden verwendet.

Bedingt durch die einseitige Auflage des Schneidstahles ergibt sich durch das Hammerschweißen (auch Feuerschweißen) die charakteristische asymmetrische Form der Klinge, verursacht durch die Wölbung des verwendeten Ambosses.
Zum besseren Schleifen wohl, weist die dem Amboss abgewandte Seite auf welche gehämmert wird auch eine kleine Hohlung auf, diese wird allerdings nachträglich nach dem Schmieden eingebracht, in früherer Zeit durch die Verwendung eines Schleifsteines
(ein Bild ist hier kurz zu sehen wo der Stein allerdings zum Glätten der Vorderseite eingesetzt wird https://www.youtube.com/watch?v=zClZFSRUVjM , auf diese Art und Weise wurden aber auch stärkerer genutzte Kamisoris fit fürs erneute Schleifen gemacht).
In heutiger Zeit dürften die zwei Hohlungen auch mittels herkömmlicher rotierender Schleifsteine bzw. Schleifbandes eingebracht werden.
Während die Wölbung auf der gekennzeichneten Seite, der Ura in der Regel durch den Amboss vorgegeben ist, variieren die Ansätze des Rückens auf der ungekennzeichneten Seite, der Omote je nach Modell.
Hierbei lassen sich zwei grundsätzliche Typen unterschieden, jene die wie bei Iwasaki und Kanenaga ein Verhältnis zwischen Rücken und Hohlung von ca. 1/3 : 2/3 aufweisen, und jene bei denen die Hohlung annähernd bis zum Rücken hochgezogen ist.



Bedingt durch unterschiedliche Stufen des Verschliffes kann die Geometrie altersbedingt aber auch von ihrer ursprünglichen Form abweichen, dieses hat in der Regel aber nur optische Auswirkungen kann aber auch durch die Verdünnung der Omote den Charakter der Klinge etwas hohler erscheinen lassen.




Der Verschliff lässt sich bisweilen schwer einordnen und ist meines Erachtens nur von der Ura Seite aus sicher abzuschätzen da die Omote selbst bei NOS-Messern bisweilen gewisse Toleranzen in der Gradlinigkeit aufweist, soll heißen das sie häufig beim Erstschliff schon den Eindruck einer langen Nutzung erweckt da die Rückenkante in Relation zu Schneide durchs schleifen geplant wird, was auf der Ura Seite weniger bzw. seltener der Fall ist.

Ein Sonderfall in Punkto der Geometrie sind mit Sicherheit eine Reihe von gewinkelten Kamisoris wie sie in den 20er/30er Jahren hergestellt wurden und bei denen scheinbar ein flaches Stück Stahl einem V ähnliche gebogen wurde, was eine ähnliche asymetrische Geometrie wie beim traditionellen Messer ergeben hat.

Größentechnisch gibt es Breiten von ca. 2/8“ (feine Messer zur Rasur der Ohr- & Nasenhaare) bis über 9/8“ (vornehmlich Messer zur Rasur des Kopfes und zum Haareschneiden) wobei neben der Breite der Klingenlänge besondere Aufmerksamkeit zukommen muss da diese anders als bei westlichen Messern sehr stark variieren kann, von ca.3cm bis ca. 6cm in den meisten Fällen, im Regelfall befinden sich jedoch die meisten Klingen mit Breiten um die 19mm im 4-5cm Bereich. Das Gewicht eines Kamisoris ist stark vom verwendeten Griffmaterial sowie vom verwendeten Stahl und Schliff abhängig, bei oben genannten Kamisoris im Bereich um 19mm Breite liegen die Gewichte meist zwischen 24gr und 35gr, bei 8/8“ und größer werden durchaus auch Gewichte im Bereich 80-100gr erreicht.





Hier ein mit ca. 2/8" sehr kleines Kamisori gegenüber einem Henkotsu voller Größe (vielen Dank an Dullblade für die Bereitstellung des Photos  Lächelnd Daumen hoch)

Das Schleifen eines Kamisori ist eine Sache für sich, sicherlich ist es kein Hexenwerk wie vielmals vermutet wird / wurde, trotzdem weisen die Stähle und die Asymmetrie häufig gewisse Eigenschaften auf die es gerade Anfängern etwas erschweren diese Messer zu schärfen.
In der Regel wird die Omote im Verhältnis zur Ura mehr geschliffen, es gibt hierzu verschiedene Verhältnisangaben, letztenendes muss es jedoch jeder für sich selbst herausfinden, ich persönlich zähle nicht mit und arbeite rein dem Gefühl nach.

Kozuke Iwasaki, der Vater des heutigen Iwasaki hat zum Schleifen von Kamisoris und
allgemein zum Schleifen mit japanischen Natursteinen ein schönes Buch herausgegeben:

http://strazors.com/uploads/images/articles/Honing_Razors_and_Nihonkamisori.pdf

(wobei man pragmatisch damit sein sollte, es ist Stahl der eine scharfe Kante bekommen soll, wenn europäische Steine das mit derben Sheffieldern schaffen, warum sollten sie es nicht auch mit Kamisoris schaffen? Die Fixierung auf japanische Steine ist für mich hierbei eine reine Sache der Vorliebe, es funktioniert selbstverständlich auch mit anderen, für Rasiermesser tauglichen Steinen).




« Letzte Änderung: 14. Oktober 2015, 09:32:00 von Rockabillyhelge » Gespeichert

Dorsalus d.Ä. sprach: Auch ein schöner Rücken kann Entzücken :-)
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« Antworten #2 am: 12. September 2015, 16:37:52 »

Optische Ausgestaltung & Markierungen:

Bedenkt man die archaische Herkunft japanische Rasiermesser und die damit verbundenen Bedeutungen hinsichtlich der Tradition kann man schon erahnen das es gewisse Dingen und Ausformungen gibt die unmittelbar mit dem Schaffensprozess eines solchen Messers verbunden sind, die einen deutlichen Einfluss auf die optische Ausgestaltung der Klingen hatten und haben.
Auf eine gewisse Art und Weise entspricht es scheinbar der traditionellen Sichtweise das „Geschaffene“ auch als solches kenntlich zu machen und zu halten, anders als es im westlichen Bereich üblich wäre, gilt dadurch die Schmiedelinie nicht als Makel sondern (u.a. aber auch des Verbundschweißtahles der ein gutes handwerkliches Geschick voraussetzt) sondern als Gütezeichen. Sicherlich hat diese traditionelle Sichtweise mit den Jahren an Bedeutung verloren wie modernere, teilweise polierte und gepliestete Kamisoris zeigen, trotzdem sind Ausformungen wie eine naturbelassene Schmiedehaut, Hammerschlagmuster, Längsschleifriefen und Abkantungen (bes. am Griffende) gerade bei älteren Messern häufig und sollten nicht nach westlichen Gesichtspunkten beurteilt werden.
Sehr häufig zu finden sind Brünnierungen aller Art und mit Goldfarbe eingelegte Schriftzeichen, seltener dagegen sind Lackierungen und Ätzungen.
Gerade bei älteren Kamisoris sind auch gefeilte und geschlagene Muster auf der Omote nicht selten, häufig gepaart mit einer mit Punkten versehenen Oberkante der Ura.
Es existieren ferner verschiedene Kopfformen die meist dem französischen Kopf folgen, aber auch Facetten ähnlich einem Schorkopf besitzen können, vor allem bei moderneren Messern sind auch verhältnismäßig gerade Köpfe zu finden bis hin zum spanisch anmutenden Iwasaki Kopf dessen Verwendung allerdings auch weitestgehend auf Iwasaki beschränkt ist.

Die Schriftzeichen selbst sind in unterschiedlicher Form ausgestaltet, abhängig von Schmied und Marke sowie abhängig von der Schreibweise des Namens, reine Bildmarken sind eher selten, häufiger dagegen Markennamen in lateinischer Schrift (Romanji).
Die japanische Beschriftung von Kamisoris erfolgt verwirrenderweise mit allen den Japanern zur Verfügung stehenden Zeichen (Kanji, Katakana, Hiragana) was es dem außenstehenden nicht gerade einfach macht Marke oder Hersteller zu identifizieren.
Des weiteren wird diese Identifikation noch erschwert da man auch in Japan pflegte seine Klingen mit diversen Hinweisen auf Herstellungsart, Material, Markenname, Herstellername,
Qualität und ggf. optischer Ausgestaltung zu versehen.
So gibt es eigene Zeichenblöcke für quasi alles mit dem man eine Klinge bezeichnen können, wobei die Blöcke „eingetragenes Markenzeichen“ & „Spezialanfertigung“ sowie „kreiert von“ mit die häufigsten sind.
Eine unvollständige Auflistung verschiedener Kamisorimarkierungen ist hier zu finden:

http://wiki3c.timline.fr/wp-content/uploads/2015/04/Traduction-de-Kanji-par-Oregos.pdf

Ein weiterer und auch letzter Punkt der optischen Ausgestaltung stellen die Griffe dar, traditionell sind diese „nackt“ oder mit Rattan umwickelt, auch Wicklungen mit Baumwollfäden (unter die vorher dünne Holzriemchen gelegt wurden) sind häufig.
Daneben existieren aber noch unzählige weitere Methoden den Griff zu belegen, oftmals eher pragmatisch mittels Klebeband reichen sie über das Umwickeln mit Mull bis hin zum Einstecken in Holzgriffe oder auch Lackierungen mit Uruchi oder ähnlichen Lacken.
Wohl seit den 50er Jahren gibt es auch Gummigriffe in unterschiedlicher Ausgestaltung für Kamisoris, vielen Foren nach eine Entwicklung von Tosuke was ich aber weder verneinen noch bestätigen kann. Fakt ist das auf den Gummigriffen neben den Bezeichnungen „Made in Japan“ , „Kikuboshi“, „Azuma“ (ein großer Friseurartikelhändler) auch Griffe mit Tosuke Prägung zu finden sind, wer nun allerdings der erste war vermag wohl heute keiner mehr zu sagen. Die Farben dieser Griffe variieren in der Regel zwischen verschiedenen Blautönen und Braun (insbesondere bei Azuma), leider haben sie ähnlich wie die aus natürlichen Materialien hergestellten Griffe ein Verfallsdatum und zersetzen sich nach einer gewissen Zeit (Aushärtung nachdem der Weichemacher im Kunststoff verflogen ist).



In wenigen Fällen wurden auch die nackten Griffe von Kamisoris verziert, hierbei ist insbesondere die Marke Zubora und New Zubora zu nennen, aber auch unter der Azuma TM gabe es mehrere Modelle bei denen der Griff eine gleiche Verzierung aufweist wie dies bei den Gummigriffen der Fall ist.



Die Griffform an sich kann unterschiedlich ausgeformt sein, so gibt es schnurgerade Griffe wie auch mittig abgewinkelte oder geschwungene Griffe, den meisten gemein ist allerdings eine leichte Neigung zur Ura hin, wahrscheinlich um die Finger etwas vom Gesicht zu entfernen.

Eine Besonderheit bei den Griffen japanischer Rasiermesser, die sowohl im Bereich der Technik wie auch der Optik zurecht aufgehoben wäre ist die Gestaltung vornehmlich für Rechtshänder, in der Regel sind alle alten Kamisoris für die Nutzung mit der rechten Hand vorgesehen (habe bisher noch kein älteres Kamisori für Linkshänder gesehen, falls jemand ein solches kennt bitte im Diskussionsthread Bescheid sagen), heute sind verschiedene Marken allerdings auch in Versionen für Linkshänder erhältlich (Kanenaga, Kanetake/Takahashi).
Ob Iwasaki Kamisoris regulär auch für Linkshänder erhältlich sind ist mir noch unbekannt, ich habe bereits welche gesehen, glaube aber das es sich hierbei um Sonderanfertigungen / Sonderreihen handelt.


« Letzte Änderung: 01. Mai 2016, 12:13:19 von Rockabillyhelge » Gespeichert

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« Antworten #3 am: 12. September 2015, 16:41:38 »

Die Rasur mit einem Kamisori:

Einen Abschnitt den ich nur kurz anreissen möchte denn wie man sich mit einem Kamisori rasiert ist schnell erklärt, abgesehen von der Handhabung wie mit jedem anderen Rasiermesser solideren Schliffes auch.
Von traditioneller Seite her wird die Ura vom Gesicht weg und die Omote zum Gesicht hin genutzt, dieses liegt sowohl in der Asymetrie der Klinge wie auch in der Tatsache begründet das das Kamisori wohl ursprünglich nicht zur Selbstrasur gedacht war, trotzdem kann man sich problemlos damit auch einhändig rasieren, es ist lediglich eine Frage des richtigen Winkels wie bei jedem anderen Messer auch.
Außer gewissen traditionellen Aspekten denen man je nach Facon mehr oder weniger starke Bedeutung beimessen kann gibt es keine festen Regeln für die Art & Weise wie man sich mit einem Kamisori rasieren kann oder wie man es hält, Versuch macht in diesem Sinne klug und wie bei so vielen Dingen ist der Weg der zu einer glatten und reizfreien Rasur führt der richtige.

Die wohl wichtigsten Punkte auf die man beim Anfang und ggf. auch später noch achten sollte sind neben dem korrekten Rasurwinkel insbesondere die für einen selbst optimale Haltung in der Hand sowie die gerade Auflage der Klinge auf der Haut (welche gerade bei kürzeren Klingen etwas Obacht erfordert da ansonsten die Spitzen übele Kratzer erzeugen können). Geledert wird übrigens wie beim westlichen Messer.
Hierzu gibt es bei Youtube ein paar Videos unter dem Searchtag Kamisori die dazu mehr sagen können als tauschend Worte  Smiley
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