gut-rasiert
23. November 2017, 16:11:06 *
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

Einloggen mit E-Mailadresse, Passwort und Sitzungslänge
News: Weihnachtswichteln 2017
 
   Übersicht   Hilfe Einloggen Registrieren Impressum  
Seiten: [1]   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: Entrostung mit Phosphorsäure  (Gelesen 9975 mal)
abc123
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 512


« am: 19. Oktober 2007, 20:18:38 »

Das Passivierungsverfahren von Metallen mittels Phosphorsäure kommt aus der Großindustrie. Dort wurden vorzugsweise Stahlplatten und Bleche in ein Bad von warmer, verdünnter Phosphorsäure getaucht. Die entstehende Eisenphosphatschicht ist zäh und praktisch unlöslich - ein guter, überlackierbarer Rostschutz. Heutzutage wahrscheinlich eher ungebräuchlich und vom Verzinken abgelöst. Die Säure ist in fast jedem Rostumwandler enthalten aber nur in niedriger Konzentration (in Cola ist sie nebenbei auch enthalten).

Die Phosphorsäure löst den Rost vollständig auf bzw. wandelt ihn am Stahl in Eisenphosphat um. Das Material wird dabei nicht beschädigt, eigent sich dementsprechend gut für mechanisch schwer zugängliche Stellen. Eine 25% Lösung in technischer Qualität ist völlig ausreichend, kostet maximal ein paar Euro. Zur Verfügbarkeit in Deutschland kann ich leider nichts sagen.

Die Anwendung ist simpel. Die Stelle wird von losem Rost gut gereinigt, entfettet und eingepinselt. Oberflächlicher Rost verschwindet fast augenblicklich, es bleibt mattes Metall. Tief verrostete Stellen verfärben sich fast schwarz, da kann es hilfreich sein mit einer Nadel das Gefüge aufzukratzen um den Prozeß zu beschleunigen. Nicht eintrocknen lassen und bei Bedarf nachpinseln. Punktgenau arbeiten sonst muß man nachher zuviel polieren, vorsicht bei Ätzungen. Nicht länger einwirken lassen als notwendig. Wenn man fertig ist, die Stelle feucht abwischen und nachpolieren.

Auf den sicheren und vernünftigen Umgang mit Chemikalien sei hingewiesen, Gefahrenhinweise und Sicherheitsratschläge auf der Verpackung beachten. (Wir sind zwar nicht in Amerika, ich schreib es aber trotzdem dazu.)
Gespeichert
wernerscc
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 2.418



« Antworten #1 am: 26. Oktober 2007, 00:07:21 »

Guter Tip abc123. Wie sind deine Erfahrungen mit der Rostpassivierung von Rasiermesserklingen?
Ich hab schon mal das Colabad mit zwei sehr verrosteten Franzosen probiert. Hat aber überhaupt nicht funktioniert. Vermutlich ist die Konzentration der Phosphorsäure in der Cola zu gering. Hab dann gedremelt, bis "der Arzt kommt"
Gespeichert

Was lange währt wird endlich gut!
abc123
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 512


« Antworten #2 am: 26. Oktober 2007, 17:45:34 »

Cola ist zum Entrosten an sich ungeeignet, es wird nur zu Demonstrationszwecken gezeigt.

Die Klingen nicht in ein Tauchbad hängen oder einlegen!

Wir wollen nur den Rost beseitigen und nicht die ganze Klinge phosphatieren. Die Entrostung basiert auf der Umwandlung von Eisen in Eisenphosphat, die Säure macht aber zwischen Rost und Klingenstahl keinen Unterschied. Die Phosphatschicht bleibt nach dem Polieren in den Vertiefungen zurück - dort gehört sie auch hin.
Gespeichert
Rockabillyhelge
Globaler Moderator

Offline Offline

Beiträge: 5.182


NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #3 am: 23. Oktober 2012, 18:42:14 »

Also ich habe inzwischen auch mehrere Klingen auf diese Weise von tiefsitzendem Rost gereinigt.
Habe dafür eine 20% Lösung, welche ich mir in der Apotheke habe anmischen lassen, verwendet.
Die Apothekerin hat schon etwas verdutzt geschaut als ich als Verwendungszweck "Entrostung"
angegeben habe.
Es ist zwar bisweilen erschrecekend wenn man die Tiefe eines Rostloches nach der Behandlung zu
Gesicht bekommt (konnte durch ein Vollhohles Messer durchgucken), aber letztendlich scheint mir
der Erhalt einer alten Klinge mit Loch dann doch erstrebenswerter als ihren weiteren Niedergang
beobachten zu können.
Vornehmlich finde ich, eignet sich die Entrostung mittels Phosphorsäure allerdings nur für stärkere
Klingen oder Roststellen welche sich auf Material eine bestimmten Stärke befinden, zudem würde ich
nicht über 20%-25% gehen da schon die von mir verwendeten 20% eine deutliche Wirkung zeigen
und bigger nicht zwangsläufig better ist.

Zum Neutralisieren der Säure auf der Klinge (noch vor dem Abwaschen) habe ich dünne Seifenlauge
verwendet, anschließend einfach mit Wasser abgespült. Die Phosphatierten Schleier lassen sich mit
Autosol oder Sidol (und einer Reihe anderer Poliermittel) relativ einfach abwaschen.
Gespeichert

Dorsalus d.Ä. sprach: Auch ein schöner Rücken kann Entzücken :-)
UbuRoy
Gast
« Antworten #4 am: 23. Oktober 2012, 21:26:23 »

Gibt's schon nen ausgiebigen Thread zu. Irgendwo...
Gespeichert
Paul II.
Mitglied

Offline Offline

Beiträge: 608



« Antworten #5 am: 25. Oktober 2012, 07:07:18 »

Jepp, und deswegen fummel ich lieber 5 Stunden mit Ohrenstäbchen und Polierpaste rum als das Ergebnis zu bekommen:

http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,4277.msg93159.html#msg93159
Gespeichert

art isn't about aesthetics, it's about truth and heart
Rockabillyhelge
Globaler Moderator

Offline Offline

Beiträge: 5.182


NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #6 am: 13. Oktober 2015, 09:35:23 »

Kleiner Nachtrag, nachdem ich zuletzt ein Kamisori mittels Perma Blue brüniert habe (http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,20177.new.html#new) ist mir aufgefallen wie gut der im Perma Blue Set befindliche Reiniger, Rust & Blue Remover, funktioniert, er basiert ebenfalls auf Phosphorsäure aber es sind wahrscheinlich noch andere Sachen drin, recht schnell und effektiv, dafür riecht er etwas, habe im Mom zwar keine rostige Klinge mehr hier aber werde das Zeug mal auf einer alten, etwas robusteren Klinge ausprobieren. In Uk gibts es das auch einzeln.
Gespeichert

Dorsalus d.Ä. sprach: Auch ein schöner Rücken kann Entzücken :-)
Seiten: [1]   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.21 | SMF 2006, Simple Machines Prüfe XHTML 1.0 Prüfe CSS