gut-rasiert
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Autor Thema: Düfte, die der Nassrasierer kennen sollte  (Gelesen 8368 mal)
lotse
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« Antworten #15 am: 13. Oktober 2014, 09:53:28 »

Danke baknip für das Stichwort: Suggestion.
Parfums sind ja quasi flüssige Suggestionen. Duftgemälde wenn es geglückt ist, Zumutungen wenn es schiefging. Nicht immer ist dabei der Preis ein Garant für guten Duft. Es gibt eine ganze Reihe ambitionierter Designer, die in durchaus originelle Flakons mehr als durchschnittliche Mixturen verfüllen und dafür preislich sehr selbstbewusst auftreten. Ja, ich habe auch ein konkretes Beispiel: nu_be.
Aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen, denn wer will schon was von durchschnittlichen Düften lesen, man riecht sie schon oft genug.
Zurück zur Suggestion.
Eine beliebte Projektionsfläche von Träumen und Sehnsüchten ist das Meer. Das Meer ist groß und unüberschaubar, so auch die Zahl der Hoffnungen, Ängste und Sehnsüchte, die mit ihm verbunden werden. Es wundert also nicht, dass es einige Düfte gibt, die diese Sehnsüchte aufgreifen. Nach dem leichten und frisch-fröhlichen Vetiver von Monotheme soll heute hier ein Vetiver mit Küstenlinie auftreten dürfen: Sel de Vétiver von The Different Company.



Hier haben wir ein Vetiver, was nicht hinterm Berg resp. der Düne bleibt. Wäre ja auch unpassend. An der Küste weht der Wind, die Wellen rauschen, niemand würde ein Vetiver vom Schlage des Vetiver Bourbon wahrnehmen. Nein, hier muss was Kräftiges her. Sel de Vétiver ist  da genau richtig. Ein kräftig, würziges Vetiverparfum mit einer ordentlichen Halbwertzeit. In deren Verlauf kann eine feine Nase allerhand Entdeckungen machen und wir bemerken, dass hier großes Orchester am Werk ist - auch wenn das zuerst nach Kammermusik aussieht. Hinter der durchweg präsenten und edlen Vetivernote, verbergen sich einige Überraschungen! Manchmal überrascht es mich mit einer durchaus blumigen Nuance, dann weht wieder Salzluft, es geht in jedem Fall der Wind in diesem Duft!
Was ich besonders an diesem Duft mag, ist der Restduft, der Duftschatten gewissermaßen. Das ist wirklich sehr erotisch, wenn das hier mal so gesagt werden darf.
Sel de Vétiver ist damit auch eher ein emotionaler Duft, keiner dieser Bürodüfte, die die Jedermannsnase erfreuen. Hinter diesem Duft steckt Haltung und Intelligenz. Beides Dinge die ich sehr schätze!
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baknip
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« Antworten #16 am: 16. November 2014, 12:11:08 »

Heute prasselt Regen gegen die Dachfenster meines Büros. Es ist Sonntag, das Tageslicht kommt über ein tristes Grau nicht hinaus und trotz der für meine Verhältnisse weit aufgedrehten Raumheizung will sich kein behagliches Gefühl einstellen. Genau an solchen Tagen kommt mir Amouage Fate Woman in den Sinn und in die Hand. „Woman“ ist gar nicht wörtlich zu nehmen, vielmehr steht der Duft eigenständig neben der kantig-speziellen Männervariante von Fate und ist von Männern ebenso - wenn nicht gar besser - zu tragen wie das Men-Fate-Amouage von der Damenwelt.

Dieses Fate wärmt nicht durch Süße, sondern durch Gewürze, Hölzer, Harze und ein florales Bouquet. Alles ist ein wenig überladen, für unsere Nasen ein wenig altertümlich-fremd und für die Arbeit unter der Woche gar nicht gut geeignet. Erst am Abend oder Wochenende trumpft Fate Woman auf.

Ein wunderschöner würzig-wumsiger Orientale, der sich auf der Haut erst opulent festsetzt, dann ein wenig sanfter und damit kuscheliger wird. Die Blüten sind von Anfang an präsent, aber nur, um den Gesamtduft abzustimmen, nicht um ihn zu dominieren. Über den Duftverlauf, der sich bei sehr guter Haltbarkeit fast über den ganzen Tag erstreckt, sticht keine Note explizit heraus, aber die Mischung ist in meiner Nase einfach großartig.

Der Flakon mit doppelwandartigem Glas, Regenbogeneffekt, abgerundeten Ecken und Magnetverschluss gefällt mir.



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titanus
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« Antworten #17 am: 16. November 2014, 12:58:03 »


[/quote]

Welch schöner kleiner Seitenhieb, wo gerade bei Düften - wie der zelebrierten Nassrasur überhaupt - mit der Leidenschaft auch das Glauben und die damit einhergehende Kraft der Suggestion wachsen.
[/quote]

Da sprichst du ein weises Wort gelassen aus!


Ich bin froh, dass in diesem Faden die Kraft der Suggestion noch einigermaßen gezügelt abgeht.
Sonst kann ich Duftbeschreibungen eigentlich nicht lesen ohne das als Satire aufzufassen.

Beisp: Encre Noir von Lalique auf Perfumo.
Da stellt sich einer vor, dass es so riecht wie bei einem Holzschnitzer in der Südsee.
Ich kann versichern, dass es dort anders riecht. Manchmal natürlich nach Sandelholz, wenn dieses verarbeitet wird, was allerdings selten der Fall ist. Sandelholz ist aber nicht enthalten, sonder Kaschmirholz (das ist was?).
Und der tolle Flakon mit dem a) Ebenholz, B) Wengé Verschluß.
Ist natürlich billiges, schwarz gebeiztes Holz. Ebenholz und Wengé sind schon richtig tolle Hölzer- aber eben ganz anders.

Also meine Bitte: bleibt auf dem Teppich (auch du, Lotse), dann lese ich hier weiter interessiert mit.

Meine bescheidene Meinung...

titanus
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Epikur
makingthingssharp
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Now that`s my barbershop


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« Antworten #18 am: 16. November 2014, 13:53:35 »

Hi Titanus, alter Bogenschnitzer  Grinsend ,

ich denke, das Empfinden von Düften ist wohl eine der individuellsten Angelegenheiten schlechthin.
Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn man hierbei Beschreibungen oder Bilder hinzuzieht, die ganz pragmatisch betrachtet gar nichts mit den realen Grundvorraussetzungen oder Gegebenheiten zu tun haben. Für den einen entstehen halt solche Bilder, wenn ihm (oder ihr) der Duft in die Nase steigt. Bei jemand anderem entstehen völlig andere Assoziationen. Es ist nunmal eine sehr abstrakte Geschichte.
Und der Duft des Meeres kann auch vom total vergammelten Fisch bis zur würzig, salzigen Brise so einiges abdecken. Es liegt immer im Auge des Betrachters, bzw. in der Nase des "Riechers" und seiner Vorstellungskraft.  Lächelnd
Kurz gesagt, jedem, so wie es ihm gefällt.
Letztendlich kommt man bei allen blumigen Beschreibungen um den Selbstversuch nicht herum und weiß auch wirklich erst dann, ob einem der Duft zusagt.
« Letzte Änderung: 16. November 2014, 14:22:13 von makingthingssharp » Gespeichert

Das Denken ist eine zu schwierige Sache, als dass jedermann darin herumdilettieren dürfte.
kimeter
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« Antworten #19 am: 16. November 2014, 13:53:53 »

@titanus

Wie würdest du mit eigenen Worten den Duft von Encre Noir von Lalique beschreiben?



Nebenbei bemerkt: Ich finde diesen Thread großartig! Sobald ein neuer Beitrag der Duftvorsteller kommt, lese ich mit großem Interesse diese Beiträge.

-Andreas
« Letzte Änderung: 16. November 2014, 14:04:03 von kimeter » Gespeichert
titanus
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« Antworten #20 am: 16. November 2014, 14:14:54 »

@titanus

Wie würdest du mit eigenen Worten den Duft von Encre Noir von Lalique beschreiben?





-Andreas

Schwarz. Stumpf. Mono.
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Epikur
lotse
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« Antworten #21 am: 16. November 2014, 15:42:30 »

Auch bei mir ist heute Regen das beherrschende Element des Wetters. Allerdings nicht prasselnd, sondern in Niesel-Aerosol-Form. Von dort ist also keine tröstende Wärme zu erwarten, so sie denn gebraucht würde.
Ein wärmender Duft, der mich seit einiger Zeit fesselt, ist Alkemi von Laboratorio Olfattivo.



Die Düfte dieser kleinen, netten Parfummarke überzeugen durchweg mit Qualität. Die Flakons sind mmer gleich und gefallen mir aufgrund ihrer Einfachheit. Ich weiß, dass das nicht jeder so sieht. Sie passen aber sehr gut zum Inhalt - so auch in diesem Fall. Obwohl Alkemi seiner Zusammensetzung nach ein waschechter Orientale ist, kommt er doch klar strukturiert und ohne Schwülstigkeit daher. Alkemi ist ein Amberduft, ein süßer Amberduft, der von Weihrauch flankiert, weich-rauchig die Nase verwöhnt. Wenn Düfte farbig sein könnten, wäre dieser Duft orangerot lasierend auf einem Inkarnat aus gebrannter Sienna und der Erde aus Pozzuoli. Ich möchte diesen Duft tief einsaugen an Tagen wie heute. Ein Duft für die kühle Jahreszeit. Ein Schmeichler. Alltagstauglich aber prägnant.
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titanus
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« Antworten #22 am: 16. November 2014, 16:54:00 »

Wenn Düfte farbig sein könnten, wäre dieser Duft orangerot lasierend auf einem Inkarnat aus gebrannter Sienna und der Erde aus Pozzuoli.

Kein bisschen caput mortuum dabei?
In den Schatten?

Grüße

titanus
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Oberloser
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Gut rasiert - gut gelaunt !! (Rotbart anno 1954)


« Antworten #23 am: 16. November 2014, 17:00:01 »

Düfte entfalten sich auf jeder Haut anders und das subjektive Empfinden jedes einzelnen Rezensenten etwa bei Parfumo kann immer nur ein Anhalt sein. Stimmung, Tages- und Jahreszeit sind nicht zu unterschätzende Faktoren bei der ersten Duftprobe. Will man nicht irgendwann in der Selbsthilfegruppe für Blindkäufer landen, gilt: dem Duft eine Chance geben, also unbedingt an mehreren Tagen auf der Haut testen und ihm Zeit geben, sich wirklich zu entwickeln.

Encre Noir erinnert mich unwillkürlich an das betörende White Moss von Acca Kappa mit seiner eleganten Frische, obwohl beide doch grundverschieden sind. Beides distinguierte, einzigartige und deshalb unverwechselbare Kreationen, die durch ihre harmonisch ausgewogene Einfachheit bestechen, ohne jedoch einfach zu wirken. Beide Düfte eint, dass sie sich wohltuend aus der Masse der OneMillion-Mainstreamdüfte abheben, weder süß noch blumig, fruchtig oder kräuterig riechen. Beide haben eine ausgesprochen starke Sillage und vernichten bei Überdosierung jedes Leben im Umkreis von 10 Metern.

Ich persönlich glaube auch nicht, dass man dieses schwarze Tintenfass mit drei Worten zutreffend beschreiben kann. Speziell bei dunklen, erdigen Vetiver Ladungen bin ich stets vorsichtig; durch die Verbindung mit dem frischen Zypressenduft und dem wärmenden Zugaben von Bourbonvetiver, Moschus und Kaschmirholz entsteht in diesem Fall auf meiner Haut jedoch eine einzigartig aromatische  Duftkomposition, holzig - erdig - kantig, die augenblicklich die suizidalen Gedanken in diesen trüben, regnerischen Tage vertreibt, mithin also genau das richtige für diese Novembertage. Unter dem Gesichtspunkt, dass das gegenwärtige, sensationelle PLV sogar einen schnellen Blindkauf rechtfertigt, sollte man sich also beeilen.
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titanus
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« Antworten #24 am: 16. November 2014, 17:07:04 »

.Beide haben eine ausgesprochen starke Sillage und vernichten bei Überdosierung jedes Leben im Umkreis von 10 Metern.


Genial!   Daumen hoch Daumen hoch Daumen hoch
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baknip
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« Antworten #25 am: 16. November 2014, 17:09:09 »

[...]

Gähn - man muss einen Thread nicht lesen.
Schön, dass Du offensichtlich schlechte Laune hast.
Bitte erspare uns das Zuspammen dieses Fadens.
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titanus
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« Antworten #26 am: 16. November 2014, 17:11:34 »

Ich persönlich glaube auch nicht, dass man dieses schwarze Tintenfass mit drei Worten zutreffend beschreiben kann.

...Duftkomposition, holzig - erdig - kantig,

Sind jetzt auch nicht so viel mehr Worte.
Aber ok.  Grinsend

Es ist nicht meine Absicht, selbst Reviews zu schreiben. Dazu fehlen mir alle Voraussetzungen.
Weder bin ich Experte, noch habe ich davon Ahnung und auch keine Lust drauf.
Aber ich lese schon gerne mal mit und da fallen mir halt manchmal Dinge positiv (s. O.) oder negativ auf.
Und manchmal äußere ich mich dann auch dazu.
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titanus
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« Antworten #27 am: 16. November 2014, 17:12:37 »

[...]

Gähn - man muss einen Thread nicht lesen.
Schön, dass Du offensichtlich schlechte Laune hast.
Bitte erspare uns das Zuspammen dieses Fadens.

OK
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lotse
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« Antworten #28 am: 16. November 2014, 19:30:30 »

Wenn Düfte farbig sein könnten, wäre dieser Duft orangerot lasierend auf einem Inkarnat aus gebrannter Sienna und der Erde aus Pozzuoli.

Kein bisschen caput mortuum dabei?
In den Schatten?

Grüße

titanus

Caput mortuum eher nicht. Wenn, dann gebrannte Umbra. Ein wenig vielleicht.
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baknip
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« Antworten #29 am: 17. November 2014, 14:03:59 »

The Scent of Departure ist eine Serie von um die 20 Düften, die den Namen von Städten mit größerem Flughafen tragen. Die Parfums stecken in einem flachen, rechteckigen Flakon aus Glas mit großem transparentem Kopfstück. Beides ist von hinten mit einem Barcodestreifen samt IATA-Code beklebt, wie man ihn von der Gepäckabfertigung beim Fliegen kennt.

Eines der Fläschchen, die man im Netz für unter 30 Euro bekommt, fand meine Aufmerksamkeit: DBX Dubai, ein vollsynthetisch wirkender Duft, der so auch von Comme des Garçons stammen könnte – deren Odeurs lassen grüßen.

Nach dem Aufsprühen rieche ich was Chemisch-frisches, das mich die ganze Zeit die Nase auf den Handrücken legen lässt. Auch wenn der Hersteller einige Blütennoten, Oud und sogar Weihrauch in seiner Duftpyramide angibt, nehme ich keinen einzigen davon explizit wahr. Stattdessen etwas, das ständig zwischen frisch gewaschen, einer leichten Petrochemienote und trocken-synthetisch pendelt. Süße gibt es nicht. Hört sich vermutlich nicht sonderlich interessant an, ist allerdings durchaus spannend und für mich sehr anziehend, weil man das so in dieser Form im Alltag nicht in die Nase bekommt. Ein Probier-Tipp, wenn es mal was Unkonventionelles sein soll.




Die zu den Departure-Düften vom Hersteller ausgedachte Story finde ich ziemlich albern: Man soll beim Aufsprühen die Atmosphäre der jeweils korrespondierenden Stadt wahrnehmen. Ich jedenfalls konnte beim Proberiechen in den meisten Fällen trotz Ablesens des Etiketts keine Beziehung zwischen Duft und Destination herstellen. Die überwiegende Zahl der Düfte fand ich einfach langweilig.

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