gut-rasiert
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Autor Thema: Reinigungsprodukte, Rostlöser und Poliermittel - Kurzbeschreibungen  (Gelesen 5780 mal)
Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« am: 02. Juni 2014, 20:41:17 »

Dieser Thread soll sich der Beschreibung verschiedener in während der Säuberung und Restauration gebräuchlicher
Reinigungs- und Poliermittel sowie Rostlösern beschäftigen und befindet sich da er sowohl für Messer wie auch für
Hobel gilt aber die Dimension Rost eher auf die Messer zutrifft hier im Messerbereich.

Im folgenden möchte ich ein paar dieser Mittel vorstellen und alle weiteren Poster darum bitten diesen Thread nur und
ausschließlich zu informativen Zwecken zu nutzen, sollte Disskusionsbedarf bestehen mache ich gerne einen passenden
Thread dazu auf, ansonsten gelten die gleichen Bedingungen wie im Seifenkurztest, der Hobelkunde sowie der Klingenkunde.

Autosol Metal Polish



Wahrscheinlich der Klassiker und eine Allroundlösung für viele Probleme.
Autosol basiert auf Kohlenwasserstoffen und einer feinen abrasiven Komponente (wahrscheinlich sehr hochkörnig im Bereich Wiener Kalk) und reinigt sowohl auf chemischem wie auf mechanischem Wege.
Durch Applikation mit einem Wattestäbchen oder aufgetragen auf einem Poliertuch lassen sich bei Messern Flugroststellen und teilweise auch Verfärbungen nach ausgiebigem Polieren entfernen, meiner Erfahrung nach lässt sich der Reinigungseffekt durch eine kurze Einwirkzeit noch steigern. Nach dem Polieren kann ein Kohlenwasserstofffilmauf der Klinge verbleiben, poliert man diesen maschinell mit einem Watterad oder einer sehr feinen und weichen Schwabbelscheibe ab erreicht man einen sehr guten Glanz.
Die abrasive Wirkung, auch wenn sie nur gering ist, macht Autosol für Klingen mit oberflächlichen Ätzungen sowie Waschungen nur bedingt einsetzbar, da die Ätzung/Waschung schnell abgerieben und zerstört ist, echte Tiefenätzungen (z.B. wie auf vielen sehr alten englischen Klingen) werden nur gereinigt (erscheinen dadurch blasser) aber der Tiefe wegen nicht angegriffen.
Bei der Hobelreinigung kann Autosol ebenso eingesetzt werden und entfernt verlässlich Grünspan und nicht zu fest eingebackene Roststellen (passiert oftmals durch verbleiben alter Klingen im Hobel).


Nevr Dull Polierwatte



Ebenfalls ein Klassiker im Bereich der Metallreinigung mit breiter Anwendbarkeit.
Nevr Dull basiert auf Kohlenwasserstoff getränkter Watte, welche einfach portionierbar und ohne abrasiven Effekt direkt zu polieren und reinigen einsetzbar ist. Die Reinigungswirkung ist chemischer Natur und etwas geringer als bei Autosol, dafür lassen sich auch oberflächliche Ätzungen gut und schadlos polieren, auch der Effekt auf Waschungen ist gut und schadfrei.
Nach dem Reinigen bleibt manchmal ein Kohlenwasserstoffschleier auf der Klinge/Hobel zurück, dieser lässt sich jedoch problemfrei abwischen oder aufpolieren (s.o. bei Autosol).
Sorgfältiges Arbeiten mit Nevr Dull kann die üblichen Verdunklungen auf alten Klingen aufhellen aber auch Flugroststellen effektiv säubern, auf Messing, Neusilber, Stahl (teilweise) erzeugt es einen sehr guten Glanz.
Ich nehme es unter anderem sehr gerne um Nieten etwas aufzupolieren und um Neusilbereinlagen zu reinigen (bei letzterem ist des Schalenmaterials wegen etwas Vorsicht angesagt, man sollte dort die Watte nur abwechselnd mit Werkstatt- / Küchenrolle nehmen da sich schwarze Schlieren vom Schmutz bilden können die ggf. lädierte / verwitterte Schalen verschmutzen können).


Sidol Metall Politur



Eigentlich eher für den Küchenbereich gedacht kann dieses auf Seifen und Schwefel basierende Poliermittel mit minimal abrasiver Wirkung auch für unsere Belange hilfreich sein. Es ist ein sehr sanftes Mittel mit dem ich vor allem bei Neusilber und Messing gute Ergebnisse erzielen konnte, sorgfältig genutzt erzeugt es einen sehr guten Glanz, es dauert allerdings auch etwas bis man ans Ziel kommt. Es ist meines Erachtens vorwiegend für Hobel geeignet für jene die nicht direkt mit großen Kalibern arbeiten wollen, bei Messern ist der Erfolg sehr bescheiden, es empfiehlt sich dort IMO andere Mittel zu benutzen.


Brasso



Das wahrscheinlich bisher schwerste chemische Geschütz in dieser Auflistung, auf Kohlenwasserstoffen und auf Schwefel basierend entfaltet sich eine Duftkulisse welche die Arbeit im Freien notwendig macht.
Brasso ist ein Gemisch aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen, Schwefel und einer minimal abrasiven Komponente, der Geruch ist sehr heftig und erinnert an eine Mischung aus Erdölraffinerie, Kläranlage und faulen Eiern, dafür ist die Wirkung blendend.
Durch die Kombination der Inhaltsstoffe wirkt es auf der einen Seite rostlösend (bis zu einem gewissen Maß) und reinigend, es lässt sich damit aber auch polieren, wobei zur Endpolitur des Geruches wegen andere Mittel vorzuziehen sind.
Die Konzentration ist nichts für schwache Nerven und ich würde es am ehesten für Messer einsetzen oder Hobel ohne feine Beschichtung, es empfiehlt sich stets mit kleinen Mengen zu arbeiten da die Wirkung (vor allem auf Messing, Kupfer, Neusilber) sehr hoch ist und im Zweifelsfall Beschichtungen beschädigt werden können.


WD 40



Kein klassisches Reinigungsmittel aber sehr probat um oberflächlichen Rost anzulösen und es lässt sich auch teilweise Rost damit entfernen. Als Schmiermittel für Hobel würde ich es der teilweisen Wasserlöslichkeit (bezogen u.a. auf die temperaturabhängige Viskosität) nicht nehmen. Bei Hobeln nutze ich es gerne um vor allem bei TTO´s die im Griff befindlichen Teile zu säubern, hierfür sprühe ich den betreffenden Hobel ordentlich ein, wasche mehrfach um ihn dann nochmal eingesprüht ins Ultraschallbad zu geben, ein Teil des im Griff befindlichen Schmutzes wird dann durch Anlagerungen an die Ölbestandteile aus dem Griff gespült (sieht etwas merkwürdig aus, funktioniert aber).
« Letzte Änderung: 03. Juni 2014, 10:57:10 von Rockabillyhelge » Gespeichert

Dorsalus d.Ä. sprach: Auch ein schöner Rücken kann Entzücken :-)
Graubart
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« Antworten #1 am: 03. Juni 2014, 17:17:21 »

Ein Mittel möchte ich beisteuern, mit dem man Rost entfernt ohne das "gesunde" Metall anzugreifen:
Hochkonzentrierte Essigsäure.

Vor vielen Jahren habe ich 2 professionelle Kaffeemühlen vom Schrott gerettet und instand gesetzt. Das große Problem waren für mich die verrosteten Mahlscheiben. Aufgrund der gezackten Oberflächen konnte man kaum abrasiv tätig sein. Der Freund einer guten Freundin, Ingenieur, Autofreak und Sammler von Oldtimern versenkte die Mahlscheiben über Nacht in ebendieser Säure. Die Mahlscheiben wurden blitzblank, der Rost war entfernt, nur die Frassnarben sichtbar.

Allerdings muss man die üblichen Vorkehrungen bei der Handhabung von Säuren beachten: Handschuhe, brille, etc.
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Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #2 am: 03. Juni 2014, 17:23:09 »

Nachtrag zur Essigsäure (gleiches gilt auch für Zitronensäure in hoher Konzentration):

Beide Säuren vermögen es wunderbar Kalk zu lösen, daher werden sie auch vornehmlich zum Entkalken verwendet,
für Hobel sind sie allerdings wenn überhaupt in niedriger Konzentration und unter sehr wachsamen Augen verwendbar
da sie sowohl gängige Beschichtungen (Chrom, Nickel u.a. andere auf Kupferuntergründen beschichtete Beschichtungen)
aber auch Zamac und dessen Komponenten angreifen und irreparabel beschädigen können (Zinkpest kann z.B. drastisch
beschleunigt werden und schwarze Eloxierungen wie bei Gillette Adjustable und Super Speed können dadurch entschichtet
werden).

Bitte bei weiteren Beiträgen auf eine etwas tiefgründigere Form achten, es soll ja eine Übersicht aus möglichen Mitteln werden
und keine Anleitung zur desaströsen Hexenküche  Smiley (die haben wir ja zum Teil schon durchs Experimentieren hinter uns  Grinsend)
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Dorsalus d.Ä. sprach: Auch ein schöner Rücken kann Entzücken :-)
Rockabillyhelge
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NOS-Hunter, aka. Jäger des verlorenen Schatzes


« Antworten #3 am: 15. Juni 2014, 02:19:04 »

Phosphorsäure





Ein schon in: http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,280.0.html kontrovers diskutiertes aber passabeles Mittel zur Entrostung
von Stahloberflächen ist Phosphorsäure in niedriger Konzentration zwischen 20 und 27%.
Phosphorsäure wandelt den vorhandenen Rost in Eisenphosphat um, welches sich durch z.B. NevrDull oder Autosol einfach von der Klinge entfernen lässt und eine Oberfläche ohne Rost zurücklässt.
Die Umwandlung in Eisenphosphat ist selektiv, es wird spezifisch der Rost angegriffen, man sollte sich aber immer bewusst sein das wenn der Rost weg ist eine Narbe zurückbleibt, im Extremfall ein Loch entsteht, zudem ist beim Umgang mit der Säure (vergleichbar mit Batteriesäure) äusserste Vorsicht angebracht, also eher ein Mittel für den versierten Restaurator und Techniker.
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Dorsalus d.Ä. sprach: Auch ein schöner Rücken kann Entzücken :-)
Standlinie
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Nassrasur? Nein danke? Ja bitte!


« Antworten #4 am: 16. Juni 2014, 02:07:09 »

Petroleum / Diesel

Immer dann, wenn irgendwelche technischen Gerätschaften Feuchtigkeitseinflüssen ausgesetzt wurden, zum Beispiel in feuchten Umgebungen/Räumen/Kellern oder in einer feucht gewordenen Werkzeugrolle, konnte sich im Anfangsstadium Flugrost und im weiteren Verlauf flächig auftretende Rosterscheinungen aller Arten bilden. In vielen Werkstätten fristen zum Beispiel verrostete Schrauben ihr Dasein in irgendwelchen Dosen oder Kartons.

Ich habe es noch kennengelernt und auch selber praktiziert, dass man dass von der Korrosion beeinflusste Werkzeug (z.B. Schraubendreher, Zangen, Messschieber, Messer) oder die Fahrradkette in ein mit Diesel oder Petroleum gefülltes Gefäß (alte Spülschüssel) einlegte und dort über mehrere Tage beließ. Während dieser Zeit konnten Diesel oder Petroleum auf die korrodierten Oberflächen einwirken und den Rost anlösen. Hinterher war die Fahrradkette gereinigt und ziemlich sauber, der Messschieber und Zangen liessen sich wieder bewegen. Verrostete Schrauben wurden so gängig gemacht und konnten nach dieser Reinigungskur auch wieder verwendet werden. Wichtig war hierbei nur, dass man dem einwirkenden Diesel oder Petroleum mehrere Tage Zeit einräumte in die korrodierte Oberfläche einzudringen und die Korrosion zu lösen. Die Verwendung von Diesel war gegenüber Petroleum die preiswertere Lösung, wenn man größere Gegenstände vollständig in die Reinigungsflüssigkeit einlegen wollte.

Mein an vielen Stellen vom Flugrost angegriffenes Rasiermesser Radium No. 80 (Tollis Dax) habe ich so über vier Wochen in Petroleum eingelegt. Danach konnte ich den angelösten Flugrost erfolgreich mit einem Korken entfernen. Mein Rasiermesser habe ich nach seiner Wiederbelebung hier im Forum vorgestellt (März 2013). Es ist nach wie vor rasurbereit.

Wer Diesel und Petroleum für die Rostentfernung an seinem Rasiermesser einsetzt, sollte allerdings auch beachten, dass beide Flüssigkeiten gewisse Kunststoffe an ihrer Oberfläche anlösen können. Das ist mir auch schon passiert, wobei sich der nach einer vierwöchigen Einwirkung angelöste Kunststoff inzwischen auf der zu entrostenden Klinge abgesetzt hatte und diese vollflächig überzog. Die Klinge sah so auf den ersten Blick richtig verrostet aus. Der Kunststoffüberzug konnte aber wieder entfernt werden.
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Mit freundlichem Gruß von Standlinie.

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
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« Antworten #5 am: 18. Juli 2014, 00:15:50 »

Aus meiner Motorraderfahrung kann ich die Produkte von Luster Lace empfehlen, speziell die Polierbänder sind super.
Ich nehme auch gern Autosol aber um Rostflecke zu beseitigen hatte ich noch nichts besseres.
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„Wer in einem gewissen Alter nicht merkt, daß er hauptsächlich von Idioten umgeben ist, merkt es aus einem gewissen Grunde nicht.“
Curt Goetz
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« Antworten #6 am: 18. Juli 2014, 00:22:07 »

Eine Kurzbeschreibung und das zugehörige Produkt wären hilfreich  Zwinkernd
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Dorsalus d.Ä. sprach: Auch ein schöner Rücken kann Entzücken :-)
Der Hexer
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« Antworten #7 am: 18. Juli 2014, 00:33:46 »

Also ich verwende die Medium Polierbänder (gibt auch Pads), die Bänder sind in Folie und dann in einer Dose verpackt und mit einer Reinigenden Flüssigkeit mit geringen Schleifmittelanteil getränkt. Eigentlich sind die Bänder für runde Teile wie Speichen oder Lenker gedacht, sie funktionieren aber auch wunderbar zur Entfernung von Oberflächenrost oder sonstigen Oxidschichten auf anderen Kleinteilen.
Man kann die Bänder wohl auch auswaschen und reaktivieren (gibt das Mittel zum Tränken einzeln), das habe ich aber noch nicht gemacht. Sind nicht ganz billig aber ich finde den Preis gerechtfertigt.
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Curt Goetz
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