gut-rasiert
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Autor Thema: Umbau/Restauration von Vintage Pinseln  (Gelesen 8033 mal)
Oberloser
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Gut rasiert - gut gelaunt !! (Rotbart anno 1954)


« am: 06. M?rz 2013, 19:30:07 »

Gründe, sich an einen Pinselumbau zu wagen, gibt es viele. Steigende Preise bei den Premium-Herstellern, der Wunsch, einen Pinsel ganz individuell den eigenen Bedürfnissen anzupassen oder einen alten Pinsel, der eine besondere, persönliche Bedeutung hat aufzuarbeiten, um nur mal einige zu nennen.

Vor einiger Zeit hatte ich eine mehr als preiswerte Rasurkiste samt Inhalt bei Ebay ersteigert, die ich zwischenzeitlich vollständig restauriert habe.


Die Kiste im Originalzustand nach dem Auspacken.




Daraus wurde dann im November, noch vor der Restauration, zunächst ein Rasurbild.




Hier die Pinsel im Originalzustand, wobei der rechte Griff bereits ständig Haare verlor. Das Holz ist augenscheinlich unbehandelt und lediglich schmutzig. Die nicht gerade hochwertigen Aluminiumzwingen - es dürfte sich um Vorkriegsware handeln - sind schon ziemlich abgerockt und ich habe lange überlegt, ob ich sie aufarbeite. Aber ich empfinde diese in den USA sehr häufig anzutreffende Kombination zweier unterschiedlicher Materialien in dieser Form sehr interessant und für deutsche Verhältnisse eher unüblich und selten.

Um die Griffsubstanz besser beurteilen zu können, habe ich probehalber die alten Pinselknoten entfernt, indem ich die Haare direkt über dem Griff mittels scharfem Bastelmesser abgeschnitten und zunächst mit einem 4mm und später mit einem 10mm Stahlbohrer vorsichtig ein Loch in die Mitte des Pinselknotens gebohrt habe.



Die Griffe nach dem Ausbohren der Knoten und einer schonenden Politur mit Stahlwolle. Da hier ein Grundschliff nicht nötig war, hätte man abhängig vom Härtegrad des Holzes alternativ sicherlich auch 400er Schmirgelleinen verwenden können.
Links die erhabene Aufschrift "Molla" und rechts "King". Beide Griffe wurde gleichmäßig behandelt, links entstand nach dem Fotografieren der Eindruck, dass das Holz noch etwas "schmutzig" wirkt, dem ist aber nicht so - gleichwohl habe ich noch eine Nachbehandlung durchgeführt ,um sicher zu gehen, dass das Holz von Natur aus so wirkt. Der linke Griff dürfte Ahorn sein, bei dem anderen sollte es sich um Buchenholz handeln.



Die - nach heutigen Qualitätsmaßstaben - vergleichsweise schlecht ausgeführten Übergänge zwischen Aluober- und Holzunterteil sind mit bloßem Auge kaum zu sehen.





Für die Bestückung beider Griffe habe ich mir bei TGN wahlweise je zwei 24mm Knoten in der Ausführung "Finest Badger Knot Fan XH" und zwei in der sehr preiswerten "Black Badger" ausgesucht.

Eine einheitliche Normierung für die Begriffe Finest, Best Badger etc. gibt es ja bekanntlich nicht. Gründe für den TGN Finest Knoten waren für mich u. a. die Ausführung als 2-Band Pinsel, die mir optisch sehr gut gefällt. Der Pinsel verfügt über entsprechendes Rückgrat und ist dabei nicht kratzig, obwohl man deutlich die Haare spürt. Ferner ist die TGN Finest Ausführung nicht zu dicht gesteckt, so dass der Pinsel den ganzen produzierten Schaum dann auch wieder mühelos hergibt.

Die Finest Haare erfordern eine relativ lange Einweichzeit und fühlen sich dann wirklich gel-artig und streichelweich im Gesicht an, wohingegen sie im trockenen Zustand schon recht kratzig wirken. Hinzu kommt, dass sich manche Eigenschaften total variieren lassen, je nachdem wie hoch das Loft ist - also wie tief sie im Pinselgriff eingesetzt werden.
Man sagt den Blond Badger Ausführungen ja allgemein nach, dass sie behandelt, gebleicht und geschnitten werden. Vorliegend sind die Haare in der Tat sehr hell, was auf eine Bleichung hindeutet und die Spitzen sind imho eindeutig geschnitten.
Weitere Indizien sind der fehlende Dachsgeruch sowie die Tatsache, dass die Haare bei der ersten Inbetriebnahme kaum aufpilzen. Im übrigen war die FAN Ausführung für mich eine willkommene Alternative zu den normalen Silberspitzköpfen, wie man sie beispielsweise von Mühle kennt.

Die Black Badger Variante mag manchem vielleicht kratzig erscheinen, aber nach meinen sehr guten Erfahrungen mit dem aufgearbeiteten EverReady mit Black Badger-Bestückung habe ich festgestellt, dass nach all den streichelweichen Emillions, Shavemacs, Thäters eine richtige Massage mit einem ehrlichen, pieksigen Black Badger so richtig Spaß macht. Zumindest hin und wieder Zwinkernd

Letztlich ist die Wahl der Pinselqualität wie immer eine sehr subjektive Angelegenheit und natürlich kann man die Meinung vertreten, dass an einen Sauborsten-Griff auch wieder eine Sauborste gehört, gell Basti?  Zwinkernd Teuflisch Aber in diesem Punkt stösst meine Detailtreue dann doch an ihre Grenzen. Zwinkernd

Für die Imprägnierung der Griffe habe ich Danish Oil verrwendet. Das ist ein Tungölgemisch, welches seidenmatte Oberflächen erzeugt. Ich habe es auf der Heizung ein wenig erhitzt, um die Viskosität ein wenig zu mindern, Tropfenweise mit der Kuppe des Zeigefingers auf das Holz aufgebracht und sanft einmassiert. Dadurch braucht anschl. auch kein überflüssiges Öl mit einem Lappen abgewischt zu werden. Der sicherheitshalber bereitgelegte Malerpinsel wurde also nicht gebraucht. Als das Holz nicht mehr saugte, wurden die Griffe zum trocknen aufgehängt.

In die beiden Holzgriffe wurden v o r s i c h t i g !  mit zwei Umdrehungen lange Spaxschrauben eingebracht, um zunächst eine Möglichkeit zu haben, die Pinsel beim lackieren gut um die eigene Achse drehen zu können und sie später hängend zu befestigen, damit das Griffholz ringsherum und am Boden durchgehend berührungsfrei 24 Std. trocknen kann, bevor der 2. Auftrag erfolgt.


Der zweite Auftrag wurde erst nach 24 Std. aufgebracht, nachdem der vorherige vollständig trocken und grifffest war. Ein dritter Auftrag hat sich als nicht mehr notwendig erwiesen, was wohl auch am Alter und der Härte des Holzes liegen kann.

Nach dem Eintreffen der TGN Bestellung habe ich die noch unbehandelten Griffe zunächst wechselseitig mit den beiden Pinselformen und Ausführungen bestückt.

Hier mal der erste Eindruck mit Black Badger Knoten - der imho charakteristisch zum Alter des Griffes passen sollte...................




während der andere Griff vergleichsweise den Finest Badger Knot Fan XH bekommen hat.................




Hier mal umgesteckt...................




Wider Erwarten gefallen mir die beiden blonden Finest Badger Knoten an beiden Holzgriffen einen Tick besser, was wohl auch daran liegen dürfte, dass die ursprünglichen Knoten eine ähnliche Form hatten.

Die vorletzten beiden Bilder zeigen die Pinsel nach der Fertigstellung. Als Klebstoff diente UHU Endfest 300.





Das Abschlußbild zeigt den minimalen Grad der Aufpilzung nach der ersten Inbetriebnahme. Nach der Einarbeitungszeit werde ich einen Nachtrag zum Zustand und Verhalten beider Pinsel schreiben.




Sofern sich Jemand an einen eigenen Pinselumbau wagen möchte und noch Rückfragen hat, stehe ich per PM gerne zur Verfügung. 
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lu20vt
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« Antworten #1 am: 06. M?rz 2013, 20:28:26 »

Erwin, hervorragende Arbeit!  Schockiert

 Grinsend Daumen hoch
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baknip
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« Antworten #2 am: 06. M?rz 2013, 20:33:48 »


Das finde ich auch, sehr schön geworden. Vor allem schön, weil die Herstellerlogos noch da sind.

Riecht das Danish Oil wie typisches Tungöl? Ich habe ein paar Rasiermessergriffe, die damit behandelt sind, und recht lange dufteten.
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Freies Ausspucken verboten
Peter123
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« Antworten #3 am: 06. M?rz 2013, 20:36:06 »

Der "Bürstenmann" ist ja ein hübsches Teil; der kann von der Ästhetik her mit den neuen Mühle "Retro" mithalten...
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"40 Jahre brauchst Du, um an der richtigen Stelle das richtige zu sagen, fast das ganze Leben, um an den richtigen Stellen zu schweigen." – frei nach dem alten Phrasendrescher Churchill.
Lu-Ku
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« Antworten #4 am: 06. M?rz 2013, 22:31:20 »

Mein lieber Scholli!! Daumen hoch
und auch das Rasurbild ist toll!!
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Das schönste aller Geheimnisse: ein Genie zu sein und es als einziger zu wissen. (Mark Twain)
Oberloser
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Gut rasiert - gut gelaunt !! (Rotbart anno 1954)


« Antworten #5 am: 07. M?rz 2013, 20:04:24 »

Vielen Dank Don Luis, baknip, Lu-Ku, Peter123  Smiley

@baknip: Ich habe bislang außer dem Danish Oil noch kein anderes Tungöl verwendet. Es duftet während der Verwendung etwas, aber meinen trockenen Griffen haftet keinerlei Geruch an.   
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lotse
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« Antworten #6 am: 07. M?rz 2013, 22:51:10 »

Gratuliere Oberloser! Tolle Arbeit!
Das Tungöl ist ein toller Saft, hält sehr gut der Nässe stand, speziell auch heißem Wasser. Wachse und Leinöl(firniss) sind da wesentlich empfindlicher.
Mich würde ein kleiner Berichtsnachschlag interessieren, inwieweit sich die Knoten verändern und wie du die Besteckung generell bewertest.

LG Lotse
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schlenk
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« Antworten #7 am: 08. M?rz 2013, 09:45:20 »

Klasse Arbeit! Und toll dokumentiert. Daumen hoch
Es wird wirklich Zeit, dass ich meine eigenenen Restaurationen endlich hier vorstelle...
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gruesse von schlenk
Oberloser
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Gut rasiert - gut gelaunt !! (Rotbart anno 1954)


« Antworten #8 am: 29. April 2013, 22:15:41 »

Ich finde die neue limitierte Retro-Serie von Mühle sehr schön, allerdings hält mich die angebotene Größe des Knotens von einem Kauf ab, kurz: ich finde es schade, dass Mühle hier keine kleineren Grössen anbietet.

Kürzlich bin ich bei Ebay auf einen alten Mühle aus VEB-Zeiten gestossen, dessen Griff mir ins Auge fiel und der aufgrund seiner Maße deutlich über den kleineren Griffen lag, die ich bislang von Mühle aus dieser Ära sammeln konnte.

Es gibt sicherlich gute Gründe, warum man einen NOS-Pinsel tunlichst in seinem Ursprungszustand belassen sollte. Da ich aber mit Sauborste absolut nichts anfangen kann und ihn vergleichsweise preisgünstig erwerben konnte, entschloß ich mich, den Knoten zu entfernen und gegen einen aktuellen TGN-Dachshaar-Knoten auszutauschen.




Der Größenvergleich mit einem aktuellen Synthetic Fibre zeigt, dass dieser Griff - entgegen den meisten anderen Mühle-Erzeugnissen aus den 60er Jahren - den aktuell gängigen Größen durchaus entspricht.
 



Diese Marmorierung ist natürlich Geschmackssache, aber ich finde sie recht ansprechend und sauber umgerüstet, könnte er sicherlich ein Schmuckstück werden. Das Etikett ist zugegebenermaßen nicht ganz perfekt, aber Retro  Smiley und wenn schon ein aktueller, teurer Simpson solche welligen Logos aufweist, dann kann ich mit diesem hier gut leben.
Bei genauer Betrachtung fallen minimale Klebstoffreste und kleine Beschädigungen am Ring auf, die sicherlich fertigungsbedingt entstanden, mit bloßem Auge aber nicht zu sehen sind.  




Der Griff, nachdem die Sauborste beschädigungsfrei heraus gebohrt wurde. Zwei weitere kleine Macken im Innenbereich des Rings sind offensichtlich bei der Herstellung entstanden und zum Glück nicht zu sehen, wenn der Pinsel fertig ist.





Hier mal ein provisorischer Zusammenbau mit einem blonden Finest Fan Shape Knoten......




Aber diese Montage mit einem Black Badger Knoten gefiel mir aus zweierlei Gründen auf Anhieb. Wenn man Silberspitze und die gel-artigen M & F Blonde Badger gewohnt ist, bedeutet die kernige Massagewirkung eines Black Badger eine willkommene Abwechslung und überdies korrespondiert dieser Knoten für meine Begriffe geradezu perfekt mit dem schwarz-weißen Griff.

Allerdings ist der 24er Knoten trotz leichter Anpassungsarbeiten deutlich zu groß und auf den Ring wollte ich auch nicht verzichten, deshalb habe ich mich für einen 22er Black Badger entschieden.




Welcher am Wochenende eintraf und gleich eingebaut wurde.


« Letzte Änderung: 29. April 2013, 22:33:41 von Oberloser » Gespeichert
Paul II.
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« Antworten #9 am: 15. Mai 2013, 13:15:23 »

Super gemacht! Klasse Arbeit! Ich hab auch solch einen alten Mühle Pinsel. Die Schweineborsten müffeln auch und das Aufschäumen klappt nicht wirklich gut damit! Mal schauen, vielleicht bekommt mein Pinsel auch mal ein Update Smiley
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art isn't about aesthetics, it's about truth and heart
Oberloser
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Gut rasiert - gut gelaunt !! (Rotbart anno 1954)


« Antworten #10 am: 31. Mai 2013, 21:11:46 »

Diese beiden strammen Burschen konnte ich vor Monaten sehr günstig in den USA ersteigern.

Die typisch amerikanische Griff-Form hatte ich bisher noch nicht in den Händen und ich gebe freimütig zu, ich konnte mich bis dato auch nicht wirklich dafür begeistern. Bei Badger&Blade findet man einen eigenen, sehr schönen und anschaulichen Thread zur Restauration klassisch amerikanischer Rasierpinsel, vornehmlich der Marken EverReady und RubberSet und nachdem ich dort einige besonders hübsche Stücke bestaunen konnte, gefielen mir diese praktischen Griffe zunehmend besser, bis ich nach langer Suche mit diesen beiden Exemplaren endlich fündig wurde!




Eine erste Untersuchung der ziemlich abgerockten Holzgriffe offenbarte keine Fehler, also nichts, was man nicht mit etwas Mühe wieder restaurieren könnte. Auch die Hartkunststoff/Metalloberteile wiesen keine sichtbaren Fehler auf, wenn man mal von der abgeblassten Farbe und den Seifenrückständen absieht.




Die Frage, die sich bei einer Restauration jedesmal aufs Neue stellt: Inwieweit lassen sich die farbigen Oberteile auf Mint Qualität polieren, ohne dass sie Schaden nehmen und sollte eine neue Beschriftung erfolgen? Einmal begonnen, wäre der Charme und Charakter des alten Pinsels unweigerlich beschädigt. Schließlich soll der Pinsel ja gerade nicht wie neu aussehen.



Die deutlich erkennbaren hellen Stellen auf dem Oberteil sind eindeutig Seifenrückstände, die sich durch eine Politur entfernen lassen.




Ebenso deutlich ist auf den beiden folgenden Bildern zu erkennen, dass die jahrelange Arbeit mit Seifenlauge die Verbindung von Oberteil zum Holzunterteil ziemlich mürbe gemacht hat.



Insofern war die Entfernung der morbiden alten Pinselknoten auch kein großes Problem und ging leicht vonstatten.




Die Lackfragmente an den Griffen wurden vorsichtig mit Stahlwolle Gr. I entfernt, die Oberteile mit einer Nagelreinigerbürste und etwas Ajona-Zahnpasta im Wasserbad gereinigt.

Teilweise sind noch dunkle Stellen im Griff zu sehen, die ich aber ganz bewußt belassen habe, denn andernfalls würde ich neuwertige rohe Griffe erhalten, wie man sie bei jedem fliegenden Händler auf dem Flohmarkt kaufen kann.
Auf den von Schmutz und Seifenrückständen befreiten Oberteilen sind jetzt die aufgrund jahrelanger Benutzung entstandenen Mikro-Kratzspuren deutlich zu erkennen und der einstige Glanz fehlt noch.






Hier kann man gut den Aluminiumring im Innern der Oberteile erkennen, wohingegen die äußere Schicht imho wohl aus Hartkunststoff besteht.




Die Griffe nach dem Anschliff der ersten Tungölschicht und dem anschl. 2. Tungölauftrag. Um einen leichten Antikeffekt zu erreichen, habe ich das farblose Öl mit etwas schwarzer Künstler-Ölfarbe aus der Tube vermischt und mit der Fingerkuppe in das Holz einmassiert. Nach einem erneuten Feinschliff erfolgte der finale 3. Auftrag wieder mit farblosem Tungöl.

Am rechten Griff kann man sehr schön ganz oben rechts erkennen, wie hell das Holz ursprünglich war.




Im Hinblick auf die Politur der Oberteile habe ich - einem Tip bei Badger&Blade folgend - mit einem Pfeifenpolitur-Set experimentiert.
Die graue Schleifpaste links im Bild ist zum entfernen von Nikotinrückständen, die rechte Dose enthält eine Polierpaste mit recht hohem Fettgehalt. Ich denke, diese Polierpaste kommt dem von den Ami`s für diese Zwecke benutzen "elbow grease" schon sehr nahe. Letztere Dose habe ich erst ganz zum Schluß benutzt, weil Fett kontraproduktiv für das vorgesehene Re-Lettering gewesen wäre.




Zum besseren Vorher-Nachher-Vergleich nochmal ein Bild der Oberteile nach der Behandlung mit Ajona-Zahnpasta.....

 

....und nach der intensiven Bearbeitung mittels der Schleifpaste und einem groben Leinentuchstreifen.








Der schwarze RubberSet - probeweise bestückt mit einem 20mm TGN-Finest Knoten, der aber für einen anderen, kleineren Griff vorgesehen ist.



Zum Schluß wurde das Re-Lettering durchgeführt. Ich muß sagen, es ist schon ein kleiner Unterschied, ob man mal EINE Zahl an einem Gillette Adjustable neu lackiert oder gleich eine komplette, sehr filigrane Beschriftung auf einem ringförmigen Griffstück.  Ich habe mich dabei für hell-cremefarbene HUMBROL-Enamel-Plastik Farbe entschieden, da mir reinweiße Farbe nicht passend zum Alter der Griffe erschien.

Sorry für die schlechte Bildqualität, ich habe mich aufs Re-Lettering konzentriert und eher halbherzig in der Trockenphase auf die Schnelle ein paar Bilder mit der kleinen Canon-Knipse gemacht. 

Die Vorgehensweise beim Re-Lettering entspricht im Prinzip einem Druckvorgang, genauer gesagt: einem Stichtiefdruckprozeß. Das bedeutet: erst einmal vollflächig einfärben, minimal antrocknen lassen.....



....und alsbald mit einem Gummirakel - in diesem Fall ein Stückchen Scheibenwischergummi - die überschüssige Farbe "abrakeln".




Das Abrakeln klappt ganz gut....problematisch wird es dann, wenn ein in Verdünnung getränktes Leinentuch, um einen harten Gegenstand gewickelt, die restlichen Farbspuren beseitigt. Ganz ohne Verluste geht das bei dieser filigranen Schrift offensichtlich doch nicht.

Zwei Tage später ein zweiter Durchgang, um die neuralgischen Stellen aus dem 1. Durchgang auszubessern. Auch hier bitte nicht vergessen, dass die Kamera gnadenloser als das Auge ist.




Hier die zweite Befülliung der Schwachstellen...............




Fertig! Nach dem Einsatz der neuen 22mm TGN - Finest Pinselknoten erfolgt dann noch eine finale Politur mit der Fettcreme.




Vorher......




...und Nachher!


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Saubaer
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Cheerio!


« Antworten #11 am: 31. Mai 2013, 21:18:32 »

Toller Bericht! Für sowas bin ich immer zu haben. Danke fürs teilen  Daumen hoch
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Wo wir sind ist vorn. Wenn wir hinten sind, ist hinten vorn! (unbekannt)
Hermanito
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« Antworten #12 am: 31. Mai 2013, 21:28:45 »

Klasse! Tolles Arbeit!
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KäptnBlade
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InGENIEur + Entschwörungstheoretiker


« Antworten #13 am: 31. Mai 2013, 21:56:09 »

Schöner Bericht, super dokumentiert und illustriert!
Wenngleich mir diese Art von Pinseln sowohl vorher als auch hinterher nicht gefällt.
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Meine Angst, dass die Autokorrektur dieses Forums mal was Obszönes ausspuckt, wichst von Tag zu Tag!
Piraten-Papa
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« Antworten #14 am: 31. Mai 2013, 22:07:50 »

Bisher fand ich die ollen Ami-Borsten immer relativ bäääh. Aber so restauriert könnten mir die Dinger doch noch gefallen. Prima Bericht Erwin Daumen hoch.
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