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Autor Thema: Abenteuer Rasiermesserrasur - Anleitung für eine Nassrasur mit Stil  (Gelesen 55448 mal)
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Nassrasur? Nein danke? Ja bitte!


« am: 17. Februar 2013, 02:24:11 »

Abenteuer Rasiermesserrasur - Anleitung für eine Nassrasur mit Stil                                                                                        Stand: 02/2014

Inhaltsverzeichnis
  1. Vorwort
  2. Ist eine Rasiermesserrasur heute überhaupt noch zeitgemäß?
  3. Einführung in das Thema einer gepflegten und stilgerechten Rasiermesserrasur
  4. Die Rasurausrüstung
  5. Die Wahl des geeigneten Rasiermessers
  6. Die richtige Haltung des Rasiermessers
  7. Die Rasur mit dem Rasiermesser
  8. Das Einweichen der Bartstoppeln
  9. Das Einschäumen
10. Schaumaufschlagen in einer Rasierschale
11. Schaumaufschlagen direkt im Gesicht
12. Die eigentliche Rasur
13. Entfernung der Schaumreste und Abtrocknung der Haut
14. Desinfizieren
15. Hautpflege
16. Rasiermesser- und Pinselpflege
17. Durch Übung wird man zum Meister – ein guter Messerrasierer fällt nicht einfach vom Himmel
18. Der zeitliche Aufwand für eine Rasiermesserrasur


1. Vorwort
Die vorliegende Rasuranleitung wurde für den Einstieg in die Rasiermesserrasur von den Forenmitgliedern Standlinie und Rockabillyhelge erstellt. Sie behandelt die Abläufe einer stilvollen Nassrasur mit einem Rasiermesser. Diese Anleitung ist ohne besondere Einschränkung auch für die Rasur mit einem Kamisori-Rasiermesser oder einem Wechselklingen-Rasiermesser (Shavette) anwendbar. Die einzelnen Rasurabläufe werden durch Text und Bilder erläutert, um so die Spannung und das Verständnis beim Leser zu steigern. Die Rasuranleitung enthält ferner zusätzliche Verweise zu benachbarten Themensträngen, die selbst nicht Gegenstand dieser Anleitung sind aber in denen weiterführende Hinweise gegeben werden.
Es wird darauf hingewiesen, dass ein unachtsamer Umgang mit einem Rasiermesser die Eintrittswahrscheinlichkeit von Schnittverletzungen erhöhen kann. Die Ausübung und Nachahmung der in dieser Rasuranleitung beschriebenen Rasurabläufe erfolgt daher ausschließlich eigenverantwortlich. Die Autoren und das Gut-rasiert-Forum übernehmen hierfür keine Verantwortung.

Diese Rasuranleitung unterliegt redaktionellen Änderungen und wird deshalb von Zeit zu Zeit aktualisiert werden.

2. Ist eine Rasiermesserrasur heute überhaupt noch zeitgemäß?
Im Freundes- und Bekanntenkreis kann man über alles sprechen. Allerdings ist das Thema „Körperpflege“, zu dem die Rasur nun einmal auch zählt, in der Regel ein sehr persönliches Gebiet, über das man nur selten spricht; es wird deshalb eher vernachlässigt. Sollte trotzdem einmal ganz zwanglos über das Thema „Nassrasur“ gesprochen und die Herren dazu befragt werden, wie sie sich denn täglich rasieren und ob sie sich vorstellen könnten, für ihre Rasur vielleicht auch einmal ein Rasiermesser zu benutzen, werden von den meisten Männern gewisse Einwände gegen die Rasiermesserrasur erhoben, mit denen sie diese Rasurmethode für sich ablehnen. Als Einwände werden zum Beispiel regelmäßig genannt:

- Eine Rasur mit einem Rasiermesser ist heute nicht mehr zeitgemäß.
- Eine Rasiermesserrasur ist aufgrund der scharfen und offen stehenden Klinge sehr gefährlich. Die Industrie stellt modernere
  und sicherere Rasurartikel her. Diese werden bevorzugt eingesetzt.

- Eine Rasiermesserrasur ist viel zu aufwändig und benötigt zu viel Zeit. Deshalb fehlt die Bereitschaft, sich überhaupt darauf einzulassen.
- Eine Rasiermesserrasur wird mit der Begründung abgelehnt, man habe keine Ahnung, wie man sich damit rasieren könne.
  Auch fehlt die Erfahrung.

- Und hier noch eine kritische Anmerkung der Autoren: Es fehlen Vorbilder, für die die Rasiermesserrasur zum ganz normalen
  Alltag zählt. Außerdem ist der Bekanntheitsgrad der Rasiermesserrasur in der Öffentlichkeit sehr gering.


Alle genannten Einwände sind in gewisser Weise nachvollziehbar. Und wer diesen Einwänden kritiklos und ohne eigenes Nachdenken zustimmen möchte, könnte sich ab hier das weitere Lesen dieser Rasuranleitung ersparen. Da wir uns aber mit der Rasiermesserrasur auseinandersetzen wollen, sollten wir zuerst einmal kritisch hinterfragen, ob die oben genannten Einwände der Wahrheit entsprechen. Eine aktuelle Hilfe bietet das Internet; es erleichtert Nachforschungen in vielerlei Hinsicht und liefert vielfältige Informationen. Eine durchgeführte Recherche zeigt, dass der in- und auch ausländische Fach-, Online- und Auktionshandel eine Vielzahl unterschiedlicher Rasiermesser anbietet, Neuware, NOS-Ware, restaurierte und gebrauchte Rasiermesser. Neue Rasiermesser werden aktuell (Stand November 2013) von einigen europäischen und fernöstlichen Herstellern produziert (z.B. Dovo, Aust, Wacker, Thiers Issard, Revisor, Rasiermesser aus China und Pakistan, u.a). Daneben gibt es noch diverse Manufakturbetriebe, die für ihre Kunden außergewöhnliche und individuelle Rasiermesser anfertigen (z.B. Buddel. Koraat, Hartsteel, Saddi, Max Sprecher, Robert Williams, Mastro Livi, Phillip Dobson, u.v.a.). Diese kurze Marktanalyse zeigt, dass es aktuell ein vielfältiges Angebot an Rasiermessern gibt, die einer realen Käuferschaft angeboten und von dieser auch erworben werden.

In den in- und ausländischen Rasiererforen (hier nachzuschauen: Linkliste) rasieren sich viele Mitglieder regelmäßig mit einem Rasiermesser, einem Kamisori oder mit einem Rasiermesser mit Wechselklinge. Wer diese Foren regelmäßiger besucht, wird schnell entdecken, dass die Anzahl der Rasiermesseranhänger zunimmt. Unabhängig hiervon gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine gewisse Grauzone von nicht näher bekannten Anhängern der Rasiermesserrasur, die keinem dieser Rasiererforen angehören aber eine Rasur mit einem Rasiermesser durchaus schätzen und von daher auch regelmäßig praktizieren.

Einige Herren suchen heute wieder einen Barbier auf - nicht selten ist dies ein türkischer Barbier -, um sich von ihm gepflegt rasieren zu lassen. In diesen Friseur- oder Barbiersalons wird aus hygienischen Gründen nur noch mit einem Rasiermesser mit Wechselklinge rasiert. Für einen großen Teil der türkisch sprechenden Bevölkerung in Deutschland ist ein regelmäßiger Barbierbesuch vollkommen normal. Für manche andere Kunden reicht auch schon der gelegentliche Besuch beim Barbier aus.

Diese kurze Übersicht zeigt, dass die Rasur mit dem Rasiermesser kein Relikt aus der Vergangenheit ist und neben anderen Rasurmethoden (z.B. der Elektrorasur) eine aktuelle und immer noch zeitgemäße Rasurmethode darstellt, die von vielen Herren geschätzt wird und für die sich immer noch beziehungsweise immer mehr Anhänger finden.

Ist eine Rasiermesserrasur tatsächlich gefährlich? Und könnte - im direkten Vergleich dazu - auch die Rasur mit einem Sicherheitshobel oder einem Systemrasierer als potentiell gefährlich eingestuft werden? Denn alle Rasurgeräte entfernen mit einer oder mit mehreren scharfen Einzelklingen vorhandene Bartstoppeln. Diese Klingen könnten bei einem unachtsamen Umgang genauso gut in einen Finger oder in die Gesichtshaut schneiden, wenn man dazu den Klingenkörper wie ein Küchenmesser in Schneidenrichtung bewegt. Aber freiwillig wird dies wohl niemand tun. Ein Hautschnitt erfolgt eher unbeabsichtigt. Natürlich kann ein Rasiermesser eine Schnittverletzung hervorrufen, wenn man während der Rasur von der Herzallerliebsten oder von den Kindern unbeabsichtigt angestoßen wird. Nicht selten entsteht dann leicht ein Schnitt in der Oberhaut, aus dem Blut austritt. Selbst der Versuch, ein unbeabsichtigt aus der Hand gerutschtes Rasiermesser aufzufangen, könnte eine Schnittverletzung nach sich ziehen. Glücklicherweise sind diese Fälle recht selten - aber sie sind nun einmal denkbar und können deshalb vorkommen. Deshalb sei der Hinweis gestattet, dass der Umgang mit einem Rasiermesser im Vergleich mit einem Sicherheitshobel oder einem Systemrasierer schon ein bisschen mehr Umsicht erfordert.
Auch ein Systemrasierer ist nicht ganz ungefährlich. Bei ihm täuscht das umhüllende Kunststoffgehäuse des Rasiererkopfes eine scheinbar größere Sicherheit vor. Eine Schnittverletzung kann aber auch durch ihn entstehen.
Bei sehr genauem Hinsehen zeigt sich also, dass alle Rasurgeräte bei unachtsamem Umgang zu einem gewissen Grad auch als gefährlich eingestuft werden können. Aber dies trifft genauso auf ein normales Küchenmesser zu. Durch den unachtsamen Umgang damit oder bei fehlender Schärfe sind mit diesem Messer schon viele Fingerkuppen gemeuchelt worden.

Eine Rasiermesserrasur ist im Vergleich zu einer Rasur mit einem Sicherheitshobel oder einem Systemrasierer nicht zwangsläufig als gefährlicher einzustufen, auch wenn der freistehende größere und längere Klingenkörper des Rasiermessers dies scheinbar suggerieren mag. Es ist daher sinnvoll, jedem Rasurgerät einen gewissen Respekt entgegen zu bringen, denn es arbeitet nun einmal mit einer sehr scharfen und rasurbereiten Schneide. Aber Angst davor muss man nicht haben, denn Angst wirkt demotivierend und wirkt sich lähmend auf die praktische Ausübung der Rasur aus.

Es ist wie überall im Leben: Wenn man weiß, was man will, erleichtert dies die Entscheidungsfindung und die nachfolgenden Handlungen. Was man im Gegensatz dazu noch nicht kennt, kann man kennen- und schätzen lernen, sofern man das auch möchte. Wenn man sich also für eine gewisse Rasurart entschieden hat - hier für die Rasiermesserrasur - spielt der Zeitaufwand dafür eine eher untergeordnete Rolle. Rasurabläufe sind anfangs zeitaufwendig und müssen solange eingeübt werden, bis es reibungslos klappt. Bei vielen Vorgängen im täglichen Alltag ist es nicht anders. Man entwickelt sich mit der Zeit vom Anfänger über den Kenner zu einem Könner. Der tatsächliche Zeitaufwand für eine Rasur mit dem Rasiermesser liegt irgendwo zwischen sieben und dreißig Minuten, was aber vom Leser nicht überbewertet werden soll.

Wer bisher für sich eine Rasur mit dem Rasiermesser mangels Wissen oder Erfahrung oder aufgrund von Vorurteilen abgelehnt hat, kann diese bestehenden Lücken durch Lesen des weiteren Textes dieser Rasuranleitung schließen. Man muss sich nur dafür entscheiden, es auch tun zu wollen.

3. Einführung in das Thema der gepflegten Rasiermesserrasur
Die Rasur mit einem Rasiermesser wird schon über viele Jahrhunderte ausgeführt und hat sich über diesen langen Zeitraum fortwährend und ausdauernd bewährt. Sie tritt somit in gewissem Sinne für die Begriffe Einfachheit, Ursprünglichkeit, Zeitlosigkeit und inzwischen auch Nachhaltigkeit ein. Damit stellt sie neben der konventionellen Hobelrasur mit DE-Klingen eine weiterhin aktuelle Gegenbewegung zur heute üblichen Wegwerfkultur dar, die sich überwiegend der in Supermärkten und Warenhausketten erhältlichen farbenfreudigen Rasurgerätschaften aus Kunststoff (Systemrasierer) bedient oder aber mit elektrischer Energie betriebene Rasurgeräte benutzt.

Die Faszination, die eine traditionelle und stilvolle Nassrasur mit einem Rasiermesser ausübt und die Gründlichkeit, mit der Bartstoppeln hierdurch täglich beseitigt werden können, ist nicht vergleichbar mit der Nüchternheit einer Rasur, die ein Systemrasierer mit aufgetragenem Dosenschaum oder ein Elektrorasierer vermittelt. Auch die mit diesen Gerätschaften erzeugte Rasurgründlichkeit lässt sehr oft Wünsche offen, worauf die Werbung im eigenen Interesse nicht weiter eingeht. Und Fragen zu bisweilen auftretenden Hautunverträglichkeiten werden sehr oft erst in diesem Rasiererforum geäußert.

System- und Elektrorasierer stehen als typische Vertreter für die Vorstellung ein, dass eine Rasur möglichst schnell und einfach erledigt werden soll, denn die dafür aufzuwendende Zeit ist ein zu knappes Gut für diese belanglose Tätigkeit. Dass eine Nassrasur aber auch Genuss, Freude und Zufriedenheit bereiten kann, wird verschleiert oder kann oder will von vielen Anwendern der scheinbar moderneren Rasurprodukte nicht nachempfunden werden.  

Wer sich trotz aller unterschiedlichen Argumente dazu entschließt, sich mit einem Rasiermesser rasieren zu wollen, trifft diese Entscheidung heute im Regelfall eigenständig und ohne greifbare Vorbilder. In der heutigen Zeit fehlen diejenigen Menschen (z.B. Vater, Großvater und Onkel), denen man bereits im Kindes- und Jugendalter bei der Messerrasur zuschauen und Fragen zum Ablauf stellen konnte. Diese Menschen waren Vorbilder und konnten so früh dazu beitragen, dass Fehler vermieden wurden. Als Folge musste und muss man sich die Fertigkeiten für die Rasiermesserrasur sehr oft alleine aneignen. Schließlich gelangt man dann auch mit der Zeit an das Ziel einer gekonnten Beherrschung des Rasiermessers. Aber der Weg bis dorthin war steinig und wurde von vielen Niederlagen begleitet.

Deshalb möchte dieses Rasiererforum zu diesem Thema eine Hilfestellung anbieten und so mit dazu beitragen, jedem Interessenten die Thematik der Rasur mit einem Rasiermesser verständlich zu erläutern. Die Rasur mit dem Rasiermesser ist entgegen vieler Meinungen weder schwer noch gefährlich, zumindest nicht gefährlicher als das Autofahren. Die Rasiermesserrasur wird von ihren Anhängern sehr oft als stilvolles Ritual mit meditativem Charakter empfunden, welches alltäglich am Morgen oder am Abend ausgeübt wird. Dem Messerrasierer vermittelt dieses Ritual zudem Wohlgefühl und Zufriedenheit vor dem Rasierspiegel und stimmt ihn so bereits am Abend oder am Morgen auf den bevorstehenden Tag ein. Ein Zeitgenosse formulierte es einmal so:
    „Die Zeit für die Rasur gehört ganz allein Dir und Du bestimmst den Ablauf Deines Rasurrituals. Du lässt Dich nicht stören
     und siehst nur Dich im Spiegel. Deine Gedanken beschäftigen sich nur mit dem Rasurablauf.
     Alle anderen Gedanken sind zweitrangig ….“


4. Die Rasurausrüstung
Zu einer ganz normalen Rasurausrüstung gehören die auf dem nachfolgenden Bild gezeigten Gegenstände:



Die Rasurausrüstung besteht aus
     - einem Rasiermesser,
         - ein normales Rasiermesser oder ein Kamisori-Rasiermesser (hier mit blauem Gummigriff) oder ein Wechselklingenmesser
     - einem Lederriemen zum Abzug des Rasiermessers,
     - einem Rasierpinsel,
     - einer Rasierschale für die Rasierschaumerzeugung (Mug, Müslischüssel, o.ä.),
     - einer Rasierseife oder einer Rasiercreme,
     - einem flachen Schwamm zum Abwischen des Rasiermessers.

5. Die Wahl des geeigneten Rasiermessers
Für viele Messerrasierer ist das erste angeschaffte Rasiermesser das Rasiermesser, an das man sich später mit Abstand am häufigsten erinnern wird. Es ist so ähnlich wie bei der ersten Liebe, dem ersten Auto oder dem ersten Motorrad. Mit diesem Rasiermesser werden die ersten prägenden Erfahrungen gemacht. Und weil dies so ist, sollte man sich gleich am Anfang schon positiv auf die bevorstehende Rasiermesserrasur einstimmen lassen und sich nur ein Rasiermesser anschaffen, das einem auch gefällt und das man gerne in die Hand nimmt. Falls dieses erste Rasiermesser in der Anschaffung etwas teurer sein sollte, muss dies kein Grund für einen Verzicht sein. Es lohnt sich in jedem Fall, für dieses Rasiermesser zu sparen oder es sich zu einer besonderen Gelegenheit - zum Geburtstag oder zu Weihnachten - schenken zu lassen. Dieses Rasiermesser ist es in jedem Fall wert.
Jedes Rasiermesser trägt die in der nachfolgenden Abbildung genannten Bezeichnungen:
 


Ein normales Rasiermesser besteht nur aus wenigen und durch Nieten oder Schrauben verbundenen Einzelteilen; es sind dies die Messerklinge und die beiden Griff- oder Heftschalen, die zum Schutz der Klingenschneide im eingeklappten Zustand dienen. Ein Niet oder eine Schraube bildet gleichzeitig die Drehachse für die Klinge, wenn das Rasiermesser auf- oder eingeklappt wird. Der Klingenkörper besteht bei den meisten Rasiermessern aus nicht rostfreiem Kohlenstoffstahl oder aus einem rostträgeren Stahl (Edelstahl). Es ist sehr oft hohl geschliffen. Rasiermesser ohne Hohlschliff gelten als derb und werden auch als Wedge-Messer bezeichnet. Für die Heftschalen werden unterschiedliche Materialien verwendet, zum Beispiel Kunststoff, Edelholz, Horn, Knochen und Edelstahl.
Kamisori-Rasiermesser tragen diesen Namen, da sie früher ausschließlich in Japan gefertigt wurden. Diese Art von Rasiermesser hat im Vergleich zu konventionellen Rasiermessern eine kürzere Klinge und wird ohne Heftschalen ausgeliefert. Sie sind bisweilen einseitig hohl geschliffen.
Bei einem Wechselklingen-Rasiermesser kann die schneidende Klinge - wie der Name dieses Rasiermessers schon sagt - im Unterschied zu einem normalen Rasiermesser bei nachlassender Schärfe ausgetauscht werden.
 
Regelmäßig wird in diesem Forum die Frage gestellt, welches Rasiermesser man sich denn anschaffen soll. Darauf kann keine alle individuelle Interessen befriedigende Pauschalantwort gegeben werden. Bewährt haben sich in der Rasurpraxis aber folgende Lösungen:
=> Für Rasiermesseranfänger und für Herren mit normalen oder dünneren Bartstoppeln empfiehlt sich die Anschaffung eines
     5/8- oder 11/16-Rasiermessers mit runder Kopfform.
=> Bei dickeren und kupferdrahtähnlichen Bartstoppeln - wie sie in der nachfolgenden Abbildung zu sehen sind - sowie bei starkem
     Bartwuchs empfiehlt sich der Einsatz eines größeren und damit auch schwereren Rasiermessers.
Hierfür könnte zum Beispiel ein 6/8-Messer infrage kommen, ebenfalls mit einem Rundkopf ausgestattet. Allerdings können auch kleinere Messergrößen ausreichen (5/8 oder 11/16), wenn die Klinge nur einen geringen Hohlschliff aufweist oder sogar schon derb ausfällt. In solch einem Fall sollte man aber vorher testen, ob einem ein Rasiermesser mit einer derberen Klinge liegen könnte. In Frankreich haben früher viele Rasiermesserhersteller spezielle Rasiermesser angeboten, die - unabhängig von der eigentlichen Klingengröße - auf der linken Klingenseite folgende Kennzeichnung trugen: „Spézial Barbe dure“ oder “Spézial pour Barbe dure“. In der Übersetzung heißt dies „besonders für den harten Bart geeignet“.



=> Wer die Rasiermesserrasur beherrscht, kann sich für jedes Rasiermesser seiner Wahl entscheiden. Größe und Kopfform
      unterliegen hierbei nur noch individuellen Fähigkeiten und Vorstellungen.
=> Anstelle eines normalen Rasiermessers kann man sich auch für ein Wechselklingen-Rasiermesser entscheiden. Die Anschaffung
      eines zusätzlichen Lederriemens entfällt, da die eingesetzte Klinge nicht abgezogen wird.

Hier noch eine letzte Empfehlung: Wer sich ein besonders führiges Rasiermesser wünscht oder von der Natur aus mit größeren oder dickeren Fingern ausgestattet ist, sollte darauf achten, dass "sein" Rasiermesser eine Angel von mindestens 22 mm Länge aufweist. Dazu klappt man das Rasiermesser im rechten Winkel auf und misst die Länge der freistehenden Angel zwischen dem Heftschalenrand und dem Angelende.

Weitere Informationen über die verschiedenen Messergrößen und Kopfformen eines Rasiermessers sind hier zu finden: Die verschiedenen Messerarten und Rasiermesser.

Alle vorgenannten unterschiedlichen Rasiermesser sind über den Fach- und Onlinehandel oder im Mitgliederhandel dieses Rasiererforums zu beziehen. An dieser Stelle soll aber gleichzeitig auf einen wichtigen Umstand hingewiesen werden, dass nahezu alle im Fach- oder Onlinehandel erwerbbaren Rasiermesser zwar in einem scharfen aber in den wenigsten Fällen auch rasurbereiten Zustand ausgeliefert werden. Diese Rasiermesser sind also nur so scharf, dass man mit ihnen im übertragenen Sinn gerade mal ein Stück Fleischwurst oder ein Schnitzel schneiden kann. Zu mehr taugen diese Rasiermesser am Anfang nicht. Erst ein rasurbereites Messer ist in der Lage, vorhandene Bartstoppeln gründlich und sanft zu entfernen. Und rasurbereit wird ein Rasiermesser erst nach einer entsprechenden Vorbereitung. Hierzu wird die Klinge auf Steinen und auf einem Lederriemen abgezogen. Vertiefende Informationen zu diesem Thema sind hier zu finden: Schärfanleitung  und  Schärfdienst.

Die Schärfe und damit die Rasurbereitschaft eines Rasiermessers lässt sich sehr oft durch einen Haartest einfach überprüfen. Informationen dazu, was man darunter zu verstehen hat, sind unter Der Haartest nachzulesen. Sollte der Haartest nicht klappen, kann man die vorhandene Rasurschärfe auch noch auf eine andere Weise überprüfen. Hierzu setzt man die Rasiermesserklinge vorsichtig auf den linken Unterarm und schiebt sie unter einem Winkel von etwa 30o weitestgehend ohne Druck über die Haut. Das Rasiermesser ist scharf, wenn hierbei die Haare auf dem Unterarm nahezu widerstandslos und sehr sanft entfernt werden.

Das richtige Ledern eines Rasiermessers will auch eingeübt werden. Wie das geht, beschreibt unter anderem die bereits erwähnte Schärfanleitung. Darüber hinaus kann man sich auch im Nachbarforum (NassRasur.com-Forum) anhand einer sehr präzisen Anleitung des Forenmitgliedes Bartisto weiterbilden, nachzulesen unter: Das Ledern.
In diesem Forum bieten einige erfahrene Forenmitglieder einen Schärfdienst an, über den man sein nicht rasurbereites Rasiermesser vollständig abziehen und nachschärfen lassen kann. Dieser Schärfdienst wurde bereits genannt.

6. Die richtige Haltung des Rasiermessers
Bevor wir uns damit auseinandersetzen, wie man ein Rasiermesser in der Hand hält, müssen wir wissen, wie ein Rasiermesser überhaupt rasiert. Das Rasurprinzip eines Rasiermessers, eines Rasierhobels oder eines Systemrasierers ist bei allen Rasurgeräten gleich. Eine scharfe Klinge wird rechtwinklig zur Klingenschneide über die Haut geschoben oder gezogen. Hierbei kappt, schabt oder schält die Klinge vorhandene Bartstoppeln unmittelbar über der Haut ab. Um Schnittverletzungen zu vermeiden, darf die Klinge niemals in Klingenrichtung bewegt werden! Vom Arbeitsprinzip her ähnelt die Nassrasur mit einer Klinge einem Klingenschaber, der zur Reinigung eines Cerankochfeldes darüber geschabt wird oder einem Holzhobel, der einen Holzspan abträgt oder einem Küchenmesser beim Apfel- oder Kartoffelschälen.
Damit dieses Abkappen überhaupt und dann noch ohne Verletzungen und ohne Erzeugung von Hautirritationen ausgeführt werden kann, muss das Messer während der Rasur richtig in der rechten oder in der linken Hand gehalten werden. Beim Rasurvorgang wird das Rasiermesser in gewisser Weise aus dem Handgelenk heraus um geradflächige und gekrümmte Gesichtspartien an Oberlippe, Unterlippe, Kinn, Wangen, Kehle und Halsregionen herum und auch daran entlang geführt. Eine entspannte Körperhaltung vor dem Rasierspiegel ist hierbei im Gegensatz zu einer verkrampften Haltung immer vorteilhafter. Das folgende Bild zeigt, wie man ein Rasiermesser richtig in der Hand hält.


Auf der linken Seite der Abbildung wird ein 11/16-Rasiermesser in der Hand gehalten. Der Zeige- und Mittelfinger ruhen auf dem Erl, der Daumen stützt das Rasiermesser an der meist geriffelten Unterseite des Erls ab. Der Ringfinger liegt auf der Angel. Während der Rasur wird diese starre und stabile Haltung beibehalten, denn alle Bewegungen des Messers erfolgen aus dem Handgelenk heraus. Ein japanisches Kamisori wird genauso gehalten.
Der rechte Teil der Abbildung zeigt ein größeres 15/16-Rasiermesser. Je nach Größe der eigenen Hand und der Länge der Finger kann es genauso wie das linke Rasiermesser gehalten werden. Man kann es allerdings auch noch anders halten, so, wie es rechts im Bild gezeigt wird. Diese Messerhaltung erlaubt eine sehr feinfühlige Führung der größeren Klinge. Sie galt als Standarthaltung eines Barbiers. Man kann ein großes Rasiermesser allerdings noch anders mit den Fingern halten. Neben dem Zeige- und Mittelfinger wird auch noch der Ringfinger auf den Erl gelegt. Der kleine Finger ruht auf der Angel. Der Daumen stützt das Messer wieder von unten ab. Die dreifingerige Haltung auf dem Erl erleichtert die Rasur von harten und sehr dichten Bartstoppeln, denn das große Messer lässt sich so gefühlvoller um gekrümmte Gesichtszonen bewegen. Jeder Messerrasierer muss durch Üben ganz individuell für sich selber herausfinden, welche Rasiermesserhaltung ihm am ehesten zusagt.

Vor jedem Rasurvorgang wird das Rasiermesser vorsichtig an die zu rasierende Gesichtsregion geführt und dort unter einem Neigungswinkel von etwa 30o angesetzt. Würde die Klinge des Rasiermessers rechtwinklig auf die Haut aufsetzen - der Ansatzwinkel beträgt dann 90o - könnte man mit ein wenig Andruck schon eine leichte Schnittverletzung mit der rasurbereiten Facette hervorrufen. Sobald die Messerklinge richtig angesetzt ist, wird mit ihr nur rechtwinklig oder quer zur Klingenschneide über die Haut geschabt. Bei diesem Bewegungsvorgang erfasst die Schneide der Klinge die Bartstoppeln dicht über der Haut und kappt sie ab. Sollte dieser 30o-Schabwinkel unterschritten werden und abflachen, wird das Entfernen der Bartstoppeln sehr oft als ein unangenehmes Reißen oder Rupfen empfunden.  

Für einen Anfänger gibt es zwei Möglichkeiten, die korrekte Haltung eines Rasiermessers vor der ersten richtigen Rasur einzuüben.
Bei der ersten Möglichkeit werden die Rasurabläufe schon einmal an einem Objekt, hier einem eingeseiften Luftballon, eingeübt. Größe und Form des Luftballons sind der menschlichen Kopfform sehr ähnlich. Diese Testrasur gehörte in der Vergangenheit zum Pflichtprogramm von Auszubildenden des Friseurhandwerkes, bevor sie danach zunächst sich selbst und im Anschluss daran die Testkundschaft rasieren durften. Für diese Testrasuren wurden rasurbereite Rasiermesser eingesetzt. Nach einer erfolgreichen Testrasur durfte kein Schaum auf den gekrümmten Flächen des Luftballons zurückbleiben. Bei einem Misserfolg platzte der Luftballon und bekleckerte den Auszubildenden und die Umgebung mit Schaumresten.
Bei der zweiten Übungsmöglichkeit stellt man sich selber als Testkandidat zur Verfügung und simuliert eine richtige Rasur im eigenen Gesicht mit einem stumpfen Rasiermesser oder mit einem Wechselklingenmesser ohne eingelegte Rasierklinge. Diese simulierte Rasur verläuft in jedem Fall verletzungsfrei.

7. Die Rasur mit dem Rasiermesser
Bevor die eigentliche Rasur mit dem Rasiermesser ausgeführt wird, wird das Messer zuerst noch auf dem Lederriemen abgezogen. Die Rasur selbst läuft nach dem folgenden vielfach bewährten Ablaufschema ab:
     - Einweichen der zu rasierenden Gesichtsregionen mit warmem Wasser,
     - Einschäumen mit Rasierschaum in sahniger Konsistenz,  
     - Rasieren mit einem Klingenwinkel von etwa 30 - 40o  zur Haut,
     - Entfernen der Schaumreste mit warmem und mit kaltem Wasser,
     - Trocknen der Haut,
     - Desinfizieren der Haut,
     - Hautpflege,
     - Rasiermesser- und Pinselpflege.

8. Das Einweichen der Bartstoppeln
Alle zu rasierenden Gesichtsregionen (Oberlippe, Kinn, Wangen, Hals und Kehle) werden mit warmem Wasser angefeuchtet. Warmes Wasser deshalb, um die Bartstoppeln bereits vor dem Einschäumen einzuweichen. Außerdem sollen die zu rasierenden Hautpartien frei von öligen oder fettigen Substanzen sein (z.B. Gesichtscreme), da diese Fettsubstanzen den Einweichprozess behindern. Im Zweifelsfall das Gesicht zuvor mit Seife, einer Waschemulsion oder einem Haarshampoo waschen. Auch diese Aktion weicht die Bartstoppeln vorab ein. Das Einweichen kann aber auch mit einem heißen nassen Tuch erfolgen, welches auf die Rasurzone gelegt wird (bewährte Barbiermethode). Wenn sich die Haut hierbei leicht rötet, ist das ganz normal und nicht besorgniserregend. Wärme entspannt die Muskeln des Haarkanals, so dass das Haar weiter heraustreten kann. Allerdings sollte die Temperatur so gewählt werden, dass sie stets als angenehm empfunden wird.

9. Das Einschäumen
Durch den Rasierschaum quellen die Barthaare auf. Da normaler Rasierschaum alkalisch ist, werden die Haare hierdurch weicher; sie lassen sich danach leichter und vor allem schonender wegrasieren. Außerdem hält der Schaum die Stoppeln während der Rasur schön feucht und warm und verringert die beim Rasurvorgang vorhandene Kontaktreibung zwischen der Rasiermesserschneide und der Haut.

Das optimale Aufquellen der Bartstoppeln und angenehme Gleiten der Klinge über die Haut funktioniert nur mit selbst hergestelltem Rasierschaum. Dosenschaum oder Dosengel kann die Haare nur eingeschränkt einweichen; das Aufquellen erfolgt - wenn überhaupt - in viel geringerem Maße. Im Vergleich dazu wäre Kernseife oder normale Handwaschseife dagegen noch eine bessere Alternative, allerdings reicht auch ihre Einweichwirkung nicht an die einer richtigen Rasiercreme bzw. Rasierseife heran.

10. Schaumaufschlagen in einer Rasierschale
In einer Rasierschale oder Schaumschüssel (Mug, Müslischüssel, große Tasse oder ein ähnliches Gefäß) wird ein rund drei Zentimeter langer Rasiercremestrang hinein gegeben. Dazu kommen zwei bis drei Teelöffel warmes Wasser (nach Augenmaß); das Wasser darf allerdings nicht zu heiß sein, da dies zu einer schnelleren Trocknung des Rasierschaums führen würde. In der Schüssel wird warmer Schaum durch Drehbewegungen mit dem zuvor trockenen Rasierpinsel erzeugt. Dieser Vorgang kann durchaus eine Minute andauern. Ist der Schaum noch zu steif, kann er mit etwas Wasser verdünnt werden. Allerdings verflüssigt zuviel Feuchtigkeit den Schaum, wodurch die erwünschte sahneartige Konsistenz verloren geht.
 

Voilà, es ist angerichtet! So soll ein einsatzbereiter sahneartiger Rasierschaum aussehen.

Für diejenigen, die dieses Thema vertiefen möchten, werden unter den folgenden Links weitere Informationen angeboten: Schaum aus Rasierseife und Schaum aus Rasiercreme.

11. Schaumaufschlagen direkt im Gesicht
Rasierschaum kann natürlich auch direkt im Gesicht aufgeschlagen werden. Auch für diesen Fall kommt als Seifenträger Rasiercreme, Rasierseife oder ein Rasierstick zur Anwendung.
Bei der Rasiercreme wird ein rund drei Zentimeter langer Rasiercremestrang auf die nasse Gesichtshaut aufgetragen und mit den Fingern leicht verrieben. Diese Rasiercreme wird dann mit dem mit warmem Wasser angefeuchteten Rasierpinsel durch leichte drehende Bewegungen zum Aufschäumen gebracht.
Bei der Verwendung von Rasierseife nimmt der feuchte Rasierpinsel während der Drehbewegungen in der Seifenschale Schaum auf, die dann im Gesicht durch weitere Drehbewegungen zum Aufschäumen gebracht wird.
Der Rasierschaum ist ideal aufgeschäumt, wenn seine Konsistenz sahneartig ist. Der Einschäumvorgang mit der Seife eines Rasiersticks ist unter dem folgenden Link näher beschrieben: Schaum aus dem Rasierstick.

Den genauen Ablauf für die Rasierschaumherstellung kann man sich auch als Video hier ansehen: Schaumerzeugung usw..

Das Forum unterhält auch eine Auflistung weiterer Videos zu diesem Thema: Videosammlung.

12. Die eigentliche Rasur
Ist der Rasierschaum in der Rasierschale fertig aufgeschlagen und hat eine sahneartige Konsistenz angenommen, wird er mit dem Rasierpinsel danach direkt auf die Haut aufgetragen. Beim Schaumaufschlagen im Gesicht wird auf die Rasierschale verzichtet. Im Gesicht soll und muss der Rasierschaum anschließend rund drei Minuten lang auf die Bartstoppeln einwirken; sie werden so eingeweicht und können in diesem Zustand von der Klinge einfacher gekappt werden. Bei sehr harten Bartstoppeln sollte man den Rasierschaum durchaus auch noch länger einwirken lassen. Die stoppelbezogene ideale Einwirkungszeit muss hier jeder für sich selbst herausfinden.

Während dieser Schaumeinwirkungs- oder Einweichzeit wird das Rasiermesser geledert. Das richtige Ledern ist sehr wichtig für den späteren Rasurerfolg. Es ist fast noch wichtiger als die korrekte Einhaltung eines Neigungswinkels von 30 - 40o beim richtigen Ansetzten des Rasiermessers auf der Haut!

Bevor nun mit der eigentlichen Rasur begonnen wird, ist zuvor noch eine wichtige Frage zu klären: „In welche Richtung wachsen meine Bartstoppeln/Barthaare überhaupt?“ Denn die ersten Züge des Rasiermessers sollen mit der Bartwuchsrichtung - also mit dem Strich - geführt werden. In der Regel kennt jeder Hobel- oder Rasiermesserrasierer seine persönliche Bartwuchsrichtung oder besser gesagt die verschiedenen Wuchsrichtungen, denn die Stoppeln wachsen im gesamten Gesicht nie einheitlich in nur eine Richtung. Wer seine Bartstoppeln weniger kennt, muss diese Bartwuchsrichtung also erst noch erfühlen. Wie stellt man nun seine eigene Bartwuchsrichtung fest? Es ist ganz einfach. Man fährt zur Prüfung dieser Bartwuchsrichtung langsam mit dem Handrücken über die Gesichtsflächen und stellt in verschiedenen Richtungen unterschiedliche Stoppelwiderstände oder einfach ausgedrückt ein unterschiedliches Kratzen fest. Das ist das ganze Geheimnis.

Beim Ohr wird zum Beispiel begonnen. Von dort streicht der Handrücken nach unten in Richtung Hals, von dort aus zurück und zusätzlich einmal rechtwinklig oder quer dazu.
Auf einem dieser Wege wird der Stoppelwiderstand sehr gering ausfallen, das ist dann diejenige Richtung, in die die Barthaare wachsen. Diese Richtung wird als mit dem Strich bezeichnet. In der Gegenrichtung wird der Stoppelwiderstand dann als sehr groß empfunden und es kratzt regelrecht. Diese Richtung heißt gegen den Strich.
Bei der dritten Richtung - sie wird als quer zum Strich bezeichnet - liegt der Stoppelwiderstand irgendwie dazwischen. An vielen Stellen im gesamten Gesicht variieren die tatsächlichen Bartwuchsrichtungen, so dass man bei der späteren Rasur die zuvor beschriebenen Rasurrichtungen (m/q/g) beibehält.

Mit dem Rasiermesser wird beim ersten Rasurdurchgang mit dem Strich rasiert, da die Bartstoppeln in dieser Richtung der Messerschneide den geringsten Rasurwiderstand bieten. Ein Teil der Bartstoppeln (rund 50 %) wird so beseitigt. Beim zweiten Rasurdurchgang wird das Rasiermesser quer zum Strich geführt, wodurch die immer noch hervor sprießenden Bartstoppeln um ein weiteres Stückchen eingekürzt werden (ca. 30 %). Beim letzten Rasurdurchgang - gegen den Strich - werden die noch verbliebenen Stoppelreste entfernt.
Die Messerschneide kürzt also bei jedem Rasurdurchgang die hervor sprießenden Bartstoppeln jeweils nur ein bisschen und in Summe soweit, dass sich eine gewisse Hautglätte einstellt. Dazwischen muss die Haut immer gespannt werden, damit die Stoppeln besser aus dem Haarkanal heraustreten können.

Nun beginnt der eigentliche Rasurvorgang, bei dem das Rasiermesser quer zur Klingenrichtung über die Haut geschabt wird. Die Bartstoppeln werden von der Messerschneide abgeschnitten, sobald die Schneide unter einem Winkel von etwa 30 - 40o  über die Haut geführt wird. Dieser Winkel stellt sich nach einigen Probierübungen aus dem Handgelenk heraus recht schnell von selbst ein.
Mit der anderen Hand wird die zu rasierende Haut immer vorgespannt, das heißt, die Haut wird entgegen der Schabrichtung des Rasiermessers gezogen. Durch diesen Vorgang richten sich die Bartstoppeln von selbst auf und die Messerklinge schneidet sie dann besser unmittelbar über der Haut ab. Die mit den Stoppel- und Schaumresten benetzte Messerklinge wird zwischendurch mit Wasser abgewaschen oder aber die Schaumreste auf einem feuchten Schwamm abgewischt. Die Verwendung eines Schwammes empfiehlt sich, um so zu verhindern, dass die empfindliche Schneide der Messerklinge beim Abwaschvorgang an den Wasserhahn stößt und so beschädigt wird.

Und nun folgen erläuternde Bilder, denn ein Bild spricht eine deutlichere Sprache als ein nur beschreibender Text. Für die Rasur hat sich unser Testkandidat bereits entsprechend vorbereitet.
 

An dieser Stelle sei der nochmalige Hinweis gestattet, dass die zu rasierenden Flächen ausreichend eingeschäumt sein müssen und man dem Schaum auch Zeit zum Einweichen der Bartstoppeln gewährt, bevor mit der eigentlichen Rasur begonnen wird. Ohne diese Vorbereitungen fällt die Rasur nicht nur unangenehm aus sondern hinterlässt auch sehr unangenehmen Rasurbrand.

Das Rasiermesser wird nun leicht geneigt unter einem Winkel von rund 30 - 40o oberhalb der aufgeblasenen Wange vorsichtig angesetzt. Durch dieses Aufblasen wird die Haut im Wangenbereich gestrafft. Durch ein Grimassenschneiden strafft sich die Haut auch. Das wirkt enorm begünstigend auf den Rasurablauf. Lachen sollte man dagegen weniger, denn die Rasiermesserklinge könnte an den Lachfalten hängen bleiben. Sonstige Störungen wirken sich jetzt auch nicht unbedingt förderlich auf die Rasur aus.
 

Im Anschluss daran wird das Messer mit einem langsamen Zug oder aber in kleineren ein- bis zweizentimeterlangen Einzelzügen weiter - mit dem Strich - nach unten geschabt. Die Haut wird hierbei mit der linken Hand unterhalb des rechten Auges gestrafft. Also: Immer schön schaben und niemals schneiden! Hier hilft die Gedankenstütze mit dem Apfelschälen.
 

Die Rasur schreitet voran und zum Straffen der Haut muss jetzt nachgefasst werden.
 

Der kritische Kurvenbereich am Unterkiefer wurde erfolgreich umfahren und es geht nun im Kehlbereich weiter abwärts. An allen Stellen wurde der 30 - 40o-Winkel der Rasiermesserklinge nahezu unverändert beibehalten. Mit ein bisschen Übung kann das jeder schaffen.
Bei vielen Männern verläuft die Bartwuchsrichtung an Hals und Kehle in Richtung Unterkiefer. In solchen Fällen kann mit dem Rasiermesser auch von unten nach oben rasiert werden.


Nun ist der erste Zug fast schon fertig. Das sieht schwieriger aus als es in Wirklichkeit ist und kann daher jedem zur eigenen Nachahmung empfohlen werden.
 

Fertig.
 

Das an der Rasiermesserklinge befindliche Schaum-/Stoppelgemisch wird an einem feuchten Schwamm abgewischt. Dies schont die empfindliche Schneide, denn beim Abspülen unter fließendem Wasser besteht immer ein gewisses Restrisiko, dass man mit der Schneide an den Wasserhahn stößt, wenn man nicht genau darauf achtet.
 

Jetzt wird unterhalb der Unterlippe mit dem zweiten Zug fortgefahren. Das Rasiermesser wird erneut angesetzt und dann geht es zügig los in Richtung zur Kinnspitze. Hier knistert es schon richtig, wenn die Messerklinge die Stoppeln kappt.
 

Die Haut soll auch hier immer schön vorgespannt sein. An dieser besonderen Stelle hilft der Einsatz der Zunge. Sie drückt von innen gegen den Unterlippenbereich. Äußerlich bildet sich so eine vorgespannte Hautfläche, auf und an der hervorragend geschabt werden kann.
 

Die sensible Kinnspitze wird gerade umfahren. Es ist tatsächlich viel leichter als es auf den ersten Blick im Spiegel erscheint. Das Messer wird von der Hand um diesen Kurvenbereich herum geführt.
 

Und danach schabt die Klinge weiter nach unten in Richtung auf den Adamsapfel zu. Je nach Ausprägung dieser knorpeligen und oft auch äußerst sensiblen Stelle wird auch sie analog zur Kinnspitze vorsichtig umfahren. Wem das zu gefährlich oder einfach nur unangenehm ist, sollte an dieser besonderen Stelle einen Rasierhobel einsetzen.
 

Ziel erreicht. Das klappte doch für den Anfang schon ganz gut. Also weiter dann.
 

Nach jedem vollständigen Rasurvorgang heißt es dann wieder: Schön einschäumen, denn ein sattes Einschäumen erleichtert das anschließende Wegräumen.
 

Dann geht es bei den hinteren Wangenflächen in Richtung zum Ohr weiter. Das Rasiermesser wird wiederum flach angesetzt. Danach wird mit kurzen Zügen mit dem Strich - oder in Wuchsrichtung der Bartstoppeln - nach unten rasiert.
 


Die Haut soll immer schön stramm gehalten werden. Das erleichtert die Arbeit der Klinge auf der Haut und schützt so vor sonst möglichen kleineren Hautirritationen (Mikroschnitte in der Oberhaut). Zwischendurch darf auch ruhig weiter nachgefasst werden, um die Haut zu straffen.
 

Am Ohr sollte man schon ein wenig mehr aufpassen, da man anfangs im Badezimmerspiegel die Abstände zwischen dem Klingenkopf und der Ohrmuschel noch nicht so gut einschätzen kann. Man sieht ja nur sein eigenes Spiegelbild. Nach ein paar Rasuren gibt es damit aber keine Probleme mehr.
 

Das Ohrläppchen bitte auch beachten, sonst könnte sich der Schaum an dieser besonders intensiv durchbluteten Stelle schnell etwas rötlich verfärben.
 

Der erste Rasurdurchgang ist beendet. Nach erneutem Einschäumen erfolgt nun die Rasur quer zum Strich. Die Rasurrichtung ändert sich um etwa 90o und es wird bei unserem Testkandidaten vom Ohr aus in Richtung Kinnspitze rasiert. Stattdessen könnte man aber auch genauso gut beim Kinn beginnen. Das bleibt jedem selbst überlassen. Das Rasiermesser wird wieder flach angesetzt, so, wie es das nachfolgende Bild zeigt; dazu wird das Ohr am Ohrläppchen nach hinten gezogen und so die Haut vorgespannt.
 

Dann wird entschlossen in Richtung zur Kinnspitze geschabt.
 

An der Kinnspitze sprießen die Stoppeln besonders gut sichtbar hervor. Einer scharfen Messerklinge können sie allerdings keinen Widerstand entgegensetzen. Kurz drüberschaben und der Fall ist erledigt.
 

Auch die noch eingeschäumten Restflächen wollen rasiert werden. Den weiteren Rasurablauf zeigen die nachfolgenden Bilder.
 

Aufgeblasene Wangen erleichtern ein Darüberschaben.
 

Na bitte, das hat so doch schon einmal prima geklappt.
 

Beim dritten Rasurdurchgang - gegen den Strich – werden die Hals- und Kehlbereiche rasiert. Dazu kann man das Rasiermesser so fassen, wie es die weiteren Bilder zeigen. Wichtig ist, dass das Rasiermesser aus dem Handgelenk heraus geführt wird. Es soll nur schaben. Ein Andruck ist weder erforderlich noch förderlich. Der Bewegungsablauf hier entspricht in etwa den Bewegungen des Handgelenkes, wenn mit einem Bleistift auf einem Blatt Papier flächig schraffiert werden soll.
Alle weiteren Rasurzüge auf den übrigen Gesichtsflächen laufen im Grunde nicht viel anders ab als bisher schon vorgestellt. Jeder Messerschwinger wird mit der Zeit sein eigenes Rasurschema entwickeln. Eine weitere Erläuterung erübrigt sich von daher.
 


Man kann das Rasiermesser natürlich auch noch etwas flacher ansetzen als es hier gezeigt wird. Es ist alles eben eine Frage der Übung und des Könnens. Und üben muss man schon für spätere flüssige Rasurabläufe.
 


Bei der Entfernung stark behaarter Flächen und Bärte ist das Rasiermesser allen übrigen Rasurgeräten gegenüber weit überlegen. Denn die Rasiermesserklinge kann sich nicht mit abgeschnittenen Haaren zusetzen; außerdem wird kein Haar den Bewegungsablauf behindern. Systemrasierer und normale Elektrorasierer versagen hier völlig. Selbst mit einem Sicherheitshobel - zum Beispiel dem Mühle R89 oder dem Merkur 23c - kommt man ganz schnell an Grenzen, da sich auch hier die Zwischenräume zwischen der Rasierklinge und dem Hobelkopf mit Haarresten zusetzen werden, die man aber mit geringerem Aufwand auswaschen kann.
Am Beispiel der Entfernung eines Oberlippenbärtchens soll nun gezeigt werden, wie unkompliziert und schnell das Rasiermesser diese Aufgabe löst.

Diese etwas längeren Bartstoppeln sollen entfernt werden:
 

Die Rasurvorbereitungen sind bereits getroffen.
 

Das Rasiermesser wird - wie früher schon mehrfach erwähnt - wieder relativ flach angesetzt.
 

Dann wird es mit einem zügigen kurzen Zug nach unten bewegt. Und schon sind alle langen Stoppeln weg.
 

Und weiter. Das Gesicht lang machen (Stichwort stramme Haut!), Messer ansetzen, zügig ziehen und wieder sind alle Stoppeln weg.
 


Das Teilergebnis sieht schon recht überzeugend aus.
 

Und dann geht es gleich auf der anderen Seite der Oberlippe weiter. War ja bisher auch gar nicht so schwer.
 

Messer ansetzen, ziehen und erneut schlägt die Klinge zu … keine Überlebenschancen für die Barthaare.
 

Das war es auch schon. Vierzig Sekunden Arbeit. Was sagt die Physik dazu? Leistung = Arbeit / Zeit. Diese Leistung ist schon einmal vorzeigbar.
 

Zur weiteren Vertiefung kann der Ablauf einer Rasiermesserrasur auch über diesen Filmausschnitt verfolgt werden:  Die Nassrasur.

13. Entfernung der Schaumreste und Abtrocknung der Haut
Nach beendeter Rasur werden die rasierten Hautzonen mit warmem und mit kaltem Wasser abgespült und verbliebene Rasierschaumreste entfernt. Zum Abtrocknen wird ein sauberes trockenes Handtuch verwendet, um keine Keime auf die ungeschützte Haut zu übertragen, die wiederum Entzündungen auf der nach der Rasur empfindlichen Haut hervorrufen könnten. Beim Abtrocknen wird eher abgetupft und nicht feste gerieben.

14. Desinfizieren
Nach dem Abtrocknen des Gesichtes wird Alaun, ein Aftershave oder ein Aftershave-Balsam zur Desinfektion aufgetragen. Beim Auftrag ist es normal, wenn man kurzzeitig ein leichtes Brennen verspürt. Sollte dieses Brennen dagegen länger andauern, sollte an dieser Stelle beim nächsten Mal vorsichtiger rasiert und dabei das Rasiermesser behutsamer und mit weniger Andruck über die zu rasierende Haut geschabt werden.
Rote Haut, die über längere Zeit nach der Rasur noch spannt und brennt, ist ein typisches Kennzeichen für den so genannten Rasurbrand; hier wurde die Haut zu stark beansprucht. Dieses Gefühl mindert den Rasurspaß ganz enorm.

15. Hautpflege
Nach dem Eintrocknen des Aftershaves kann jeder, der gesteigerten Wert darauf legt, seine Haut mit einer normalen Hautcreme, einem Pflegeöl oder einer Pflegemilch eincremen. Es hängt vom jeweiligen Hauttyp ab, welche Pflegesubstanzen am besten vertragen werden. Durch die Verwendung einer falschen Creme oder eines falschen Pflegemittels kann gegebenenfalls ein dem Rasurbrand ähnlicher Zustand hervorgerufen werden. Dieses Hautgefühl ist sehr unangenehm, vor allem, wenn es mehrere Stunden anhält. Bei von Natur aus fettiger Haut ist eine nachträgliche Pflege nicht erforderlich.
Wer rein biologische Pflegeprodukte ohne sonstige Zusatzstoffe liebt, kann für seine Hautpflege auch ein sehr feines und qualitativ hochwertiges Olivenöl verwenden. Ein solches Öl kann man sogar trinken; es schmeckt und hat keinen bitteren Beigeschmack. Dieses Öl pflegt ausgezeichnet, riecht nicht (Stichwort Salat) und wird seit vielen Jahrhunderten auf der Insel Mallorca von der älteren einheimischen Bevölkerung zur Haut- und Körperpflege eingesetzt, um der Faltenbildung nach starker Sonneneinstrahlung entgegenzuwirken.

16. Rasiermesser- und Pinselpflege
Nach abgeschlossener Rasur wird die Rasiermesserklinge unter warmem Wasser abgespült, um so verbliebene Schaum- und Bartstoppelreste zu entfernen. Verbliebene Wassertropfen und sonstige  Restfeuchtigkeit an der Klinge und auf den Heftinnenseiten (!) lassen sich sehr gut mit weichem Toilettenpapier oder einem Mikrofasertuch entfernen. Hierbei darf die empfindliche Klingenschneide nicht berührt werden, da sie hierdurch punktuell stumpf werden könnte. Die Schneide kann aber zur Entfernung von Feuchtigkeitsresten ebenfalls kurz auf dem Mikrofasertuch, auf dem Handballen oder auf dem Lederriemen abgezogen werden. Hier reichen pro Seite zwei Züge aus. Das Messer wird danach im leicht geöffneten Zustand auf einer trockenen Unterlage abgelegt.
Wird das Rasiermesser für einen längeren Zeitraum abgelegt und nicht benutzt, wird der gesamte Klingenkörper zur Vorbeugung von Korrosion mit einem ölbenetzten Läppchen abgewischt.
An dieser Stelle sei auch noch ein kurzer Hinweis gestattet, dass Rasiermesser so aufbewahrt werden sollten, dass sie für Kinderhände und sonstige unerfahrene Personen nicht zugänglich sind.
 
Der Rasierpinsel wird ausgespült und danach vorsichtig ausgedrückt. Verbliebene Wasserreste können am einfachsten durch Ausschlagen über der Badewanne/Duschtasse entfernt werden. Anschließend kann der Pinsel zum Trocknen entweder aufgehängt oder abgestellt werden.

17. Durch Übung wird man zum Meister – ein guter Messerrasierer fällt nicht einfach vom Himmel
Wer die Rasur mit dem Rasiermesser meisterhaft beherrschen und damit ein Könner werden möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Meister eben nicht so einfach vom Himmel fallen. Hier heißt es üben, üben und nochmals üben, denn vor der Kür kommt bekanntlich erst der Schweiß. Durch regelmäßiges Üben werden die Bewegungsabläufe flüssiger oder geschmeidiger aber auf jeden Fall vertrauter. Schulanfänger können in der Regel auch noch nicht sofort lesen; diese Fähigkeit erlernen die Kinder mit der Zeit über ein regelmäßiges Lesetraining. Und wie Lesen die Dummheit gefährdet, so gefährdet der richtige Umgang mit dem Rasiermesser eine ungezügelte Bartstoppelneubildung.

Anfänger sollten zur Einübung der richtigen Rasiermesserhaltung auf der Gesichtshaut die ersten zwanzig oder besser noch dreißig Tage nur einen Rasurdurchgang mit der Bartwuchsrichtung rasieren, hier also nur mit dem Strich, von der Oberlippe oder vom Ohr aus an Kehle und Hals entlang nach unten zum Halsansatz oder zur Brust. Mit dieser Rasur werden etwa 50 % der seit dem Vortag nachgewachsenen Bartstoppeln entfernt. Die restlichen Stoppeln können dann noch - wenn sie als zu störend empfunden werden - mit einem Rasierhobel entfernt werden. Diese Vorgehensweise schont die Gesichtshaut am meisten und sorgt für einen zunehmend vertrauten Umgang mit dem Rasiermesser. Wer dazu bereit ist, geduldig weiter zu üben, kann die Hobelrasur zwischenzeitlich auch ganz weglassen. Von Tag zu Tag wird sich der allmählich zunehmende Rasurerfolg mit den Fingern immer besser erfühlen lassen.

Während der ersten zwanzig oder dreißig Tage stellen sich dann zunehmende Rasurerfolge ein. Wen die jetzt noch vorhandenen kurzen Bartstoppeln allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch zu sehr stören sollten, könnte durch eine falsche Erwartungshaltung oder aus einer gewissen inneren Ungeduld heraus versucht werden, viel zu früh schon einen weiteren Rasurdurchgang an den ersten Durchgang anzuschließen. Als Folge dieser Ungeduld wird die bis dahin bereits angeeignete Fertigkeit all zu leicht überschätzt und dann munter weiter rasiert. Es klappt ja auch schon ganz gut, aber durch den verfrühten und von der Selbstüberschätzung ausgelösten zweiten Rasurdurchgang können dann in direkter Folge sehr leicht kleinere Hautirritationen und unangenehmer Rasurbrand entstehen. Die Gesichtshaut wurde verfrüht einfach zu stark beansprucht. Die falsche Erwartungshaltung und die Ungeduld waren also keine guten Lehrmeister. Sich in Geduld zu üben ist dagegen die bessere Lösung, auch wenn es anfangs sehr schwer fällt.

Wem mit zunehmender Anzahl von Messerrasuren die Handhabung des Rasiermessers vertrauter geworden ist, kann seine Rasur dann nach erneutem Einschäumen mit dem zweiten Rasurdurchgang quer zum Strich oder quer zur Bartwuchsrichtung fortsetzen. Dies sollte bevorzugt an im Badezimmerspiegel gut sichtbaren und vor allem gut zugänglichen Stellen eingeübt werden. Wenn auch diese Abfolge keine Schwierigkeit mehr bereitet, kann man sich an einen eventuell noch erforderlich scheinenden dritten Rasurdurchgang gegen den Strich oder gegen die Bartwuchsrichtung heranwagen. Die jeweilige Abfolge wird später von jedem Messerrasierer nach seinen ganz individuellen Bedürfnissen festgelegt werden.

Zur Steigerung des bisherigen Rasurablaufes kann man jetzt auch damit beginnen, besonders kurvenreiche Gesichtstellen nur mit den letzten zwei Zentimetern der Rasiermesserklinge zu rasieren. Aufgrund des kürzeren Abstandes zu den Haltefingern kann man hier sein Rasiermesser besonders feinfühlig und ausgewogen um das empfindliche Kinn oder die Lippenzonen herum führen. Diese Messerführigkeit wird durch den kurzen Hebelarm begünstigt. Wer das nicht nachempfinden kann, möge diese Stellen einmal zum Vergleich nur mit der Messerspitze rasieren. Aufgrund des längeren Hebelarmes fällt so die Sensibilität geringer aus. Kleine Hautirritationen können hier dann eher auftreten.

Wer sich dazu bereit erklären möchte, bei der Nassrasur mit dem Rasiermesser auch noch einen Schritt weiter gehen zu wollen, kann sich dafür entscheiden, neben der gewohnten rechtshändigen Rasiermesserführung auch noch die linkshändige Rasiermesserführung einzuüben. Dies ist nur als Empfehlung zu verstehen. Niemand soll sich an dieser Stelle gegen seine innere Meinung überredet fühlen. Mit der linken Hand kann man sich im Vergleich zur rein rechtshändigen Rasur an bestimmten Stellen im Gesicht einfach besser rasieren. Die Handhabung des Rasiermessers nur mit der rechten Hand ist an diesen Stellen einfach umständlicher und der Bewegungsablauf nimmt hier fast schon akrobatische Züge an. Mit der rechten Hand stößt man während der Rasur an gewisse Grenzen. Während man als Rechtshänder die rechte Gesichtshälfte noch ganz gut rasieren kann, wird die Rasur der linken Gesichtshälfte schon zu einer schwierigeren Angelegenheit. Da ist das linke Ohr irgendwie im Weg, wenn man von oben nach unten rasieren möchte. Das Messerheft bleibt schon einmal an der Ohrmuschel hängen, Schnittverletzungen könnten hier bei einem Anfänger eher entstehen. Ein Wechsel des Rasiermessers von der rechten in die linke Hand kann hier für eine Abhilfe sorgen.

In der nachfolgenden Abbildung zeigt sich dieser spezielle Umstand für das linke Ohr. Die Haltung des Rasiermessers in der rechten Hand sieht hier irgendwie verkrampft aus, während die linke Hand die Ohrmuschel an den Kopf drückt. Im Spiegel sieht dieser Zustand erst recht umständlich und unbeholfen aus. Wer dies nicht recht nachvollziehen kann, möge diese Situation einmal selber vor dem Spiegel ausprobieren.
 

Das für den bisher nur einhändig rasierenden Messerschwinger bestehende scheinbare Problem lässt sich ganz einfach durch einen Handwechsel des Rasiermessers von der rechten in die linke Hand lösen. Danach kann man die Rasur wesentlich entspannter fortsetzen.
 

Ganz allgemein ist es bei der Rasur mit dem Strich recht hilfreich, wenn zum Beispiel die rechte Hand nur für die rechte Gesichtshälfte zuständig ist und die linke Gesichtshälfte ausschließlich von der linken Hand rasiert wird. Bei der Rasur gegen den Strich - beispielsweise von unten nach oben - ist dann die rechte Hand für die linke Halsregion und die linke Hand für die rechte Seite zuständig. Das könnte jeder einmal für sich selber ausprobieren. Auch hier heißt es dann wieder üben, üben und nochmals üben. Nach gut zwei Wochen hat man dann auch die Rasur mit der linken Hand soweit eingeübt, dass die Rasur fließend abläuft. Im Übrigen ist dieser Handwechsel auch ein sehr gutes Training sowohl für unsere Hand- und Armmotorik als auch für unsere beiden Hirnhälften.

An dieser Stelle erlauben wir uns, das möglicherweise bei vielen Messerschwingern vorhandene Anspruchsdenken an ein gutes Rasurergebnis auch einmal kritisch hinterfragen zu wollen. Dieses Anspruchsdenken könnte mit der aufgestellten Behauptung begründet werden, dass das Rasurergebnis der Rasiermesserrasur im Vergleich zur Hobelrasur immer gründlicher ausfällt. Diese Behauptung mag aus unserer Sicht in vielen Fällen zutreffen, aber es gibt genauso viele Fälle, wo sich dieses Rasurergebnis trotz aller Sorgfalt nicht einstellen will. Niemand sollte deshalb an seinen Rasurfähigkeiten zweifeln, falls sich die Gesichtshaut nach einer vollzogenen Rasur nicht überall so glatt anfühlt, wie man es sich erhofft hat oder wie man es von der Hobelrasur her gewohnt ist. Eine Rasiermesserrasur liefert nicht immer die besseren Rasurergebnisse. Das individuelle Anspruchsdenken und die reale Wirklichkeit können manchmal ziemlich weit auseinander liegen. Ein Gesicht darf also noch Reststoppeln aufweisen und muss nicht immer babypopoglatt sein. Äußerlich sieht man diesen Unterschied sowieso nicht, nur die Beste aller Frauen wird den Unterschied erfühlen können. Aber würden dadurch irgendwelche Nachteile entstehen? Nein.

18. Der zeitliche Aufwand für eine Rasiermesserrasur
Der zeitliche Aufwand für eine Rasiermesserrasur hängt von verschiedenen und teilweise beeinflussbaren Faktoren ab. Hier sind zu nennen:
     - die vorhandene Erfahrung des jeweiligen Messerrasierers,
     - eine umsichtige Rasurvorbereitung,
          => Schaumzubereitung und Schaumauftrag
          => die Länge der Schaumeinwirkungszeit (mindestens 3 Minuten)
          => die Zeit für das Ledern des Rasiermessers
     - die vorhandene Rasurbereitschaft des Rasiermessers vor und während der Rasur,
          => ein wenig rasurbereites Rasiermesser behindert den Rasurablauf und verlangt eine höhere Aufmerksamkeit
     - die jeweilige Härte, Dichte und Länge der vorhandenen Bartstoppeln,
          => dünnere Stoppeln können von der Klinge einfacher weggeschabt werden
     - der Aufwand für die Rasiermesserpflege nach der Rasur,
          => Abwaschen der Schaumreste
          => Abtrocknen des Messers
          => Ledern und eventuelles zusätzliches Einölen des Rasiermessers
     - die Rasurnachbereitung,
          => Auftragen von Alaun für den Fall einer Blutstillung
          => Auftragen und Einmassieren von Aftershave, Balm und sonstiger rückfettender Substanzen
          => Auswaschen der Schaumschüssel (Mug, o.ä.)
          => Pinselpflege
     - die persönliche Erwartungshaltung jedes Messerrasierers,
          => reicht die einfache Hautglätte aus oder muss eine Babypopoglätte erzielt werden?

Der tatsächlich benötigte tägliche Zeitaufwand für die Rasur ist eine Größe, die allein von der individuellen Erfahrung, von der Disziplin und von der Erwartungshaltung des jeweiligen Messerrasierers abhängt. Wer nur einen Durchgang rasiert, wird hierfür rund sieben Minuten benötigen. Wer höheren Ansprüchen genügen möchte, kann schnell bis zu dreißig Minuten vor dem Badezimmerspiegel verbringen. Allerdings wird ein Gang zum Barbier und die von diesem ausgeführte Rasiermesserrasur auch nicht viel weniger Zeit erfordern.

Der Zeitaufwand für die Rasiermesserrasur von den Anfängen bis hin zur meisterhaften Beherrschung des Rasiermessers beträgt gut ein Jahr. Aber diese Lern- oder Lehrzeit ist keine vergeudete Zeit. Denn jeder Messerschwinger wird an jedem Rasurtag wieder aufs Neue mit einem schönen Rasurritual und einem gepflegten Aussehen beglückt. Wie sagte ein Zeitgenosse an früherer Stelle schon einmal?
    „Die Zeit für die Rasur gehört ganz allein Dir und Du bestimmst den Ablauf Deines Rasurrituals. Du lässt Dich nicht stören
  
« Letzte Änderung: 27. M?rz 2016, 13:06:59 von Standlinie » Gespeichert

Mit freundlichem Gruß von Standlinie.

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
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