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Autor Thema: Lebensdauer / Standzeit von Rasierklingen – Testberichte  (Gelesen 29673 mal)
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Nassrasur? Nein danke? Ja bitte!


« am: 12. Januar 2013, 01:29:00 »

Vorwort

Die Qualität einer erfolgreichen Nassrasur hängt von vielen Individualfaktoren ab, unter anderem auch von der verwendeten Rasierklinge. Vom Einzelhandel und im Onlinehandel wird eine Vielzahl unterschiedlicher Rasierklingenmarken angeboten.

In unserem Forum wurde im Zeitraum Ende 2012 / Anfang 2013 eine Umfrage durchgeführt, um zu ermitteln, welche Rasierklingenmarke von den einzelnen Forumsmitgliedern bevorzugt verwendet wird. Als Ergebnis dieser Umfrage hat sich eine gewisse Reihenfolge in der Rasierklingenbeliebtheit ergeben, die nachfolgend genannt wird. Zur Steigerung der Übersichtlichkeit habe ich die Nachkommastellen der Einzelergebnisse leicht auf- bzw. leicht abgerundet.

Astra Superior Platinum:                  27 %
Feather:                                       16 %
Personna rot:                                11 %
Derby:                                           8 %
Rotbart Extra Dünn:                         7 %
Shark:                                           4 %
Voskhod:                                        3 %
Gillette Bleue Extra:                          3 %
jede übrige Rasierklingenmarke:        < 3 %

Die hier dargestellte Beliebtheitsabfolge zeigt, dass viele Forumsmitglieder mit einer bestimmten Marke besonders gut zurechtkommen. Als Gründe dafür können das allgemeine Handling bei der Rasur, die Schneidfähigkeit und die Schnitthaltigkeit der jeweils verwendeten Rasierklinge genannt werden. In den wenigsten Fällen – wenn überhaupt – wird die Standzeit oder Lebensdauer einer bestimmten Rasierklinge eine einflussnehmende Rolle gespielt haben. In diesem Themenstrang soll deshalb der noch nicht näher betrachteten Standzeit oder Lebensdauer einer bestimmten Rasierklinge nachgegangen und Berichte dazu in lockerer Folge vorgestellt werden.

Da jeder Hobelrasierer in unserem Rasiererforum vom Grundsatz her einen Individualtester für jede seiner von ihm verwendeten Rasierklingen darstellt, wäre es für uns alle wünschenswert, wenn sich einige Hobelrasierer der Herausforderung stellen würden, für sich selbst und damit auch für uns alle ihre favorisierte Rasierklingenmarke auf ihre Standzeit oder Lebensdauer hin zu testen. Wie so ein Rasierklingentest aussehen könnte und welche Hilfsmittel man dafür verwenden kann, habe ich in folgendem Themenstrang als Beispiel beschrieben: http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,22744.0.html . Bilder von den getesteten Rasierklingen, Angaben zu den während der Testphase verwendeten Rasierseifenprodukten und Hobeln sowie sonstige während des Testes gewonnenen Erkenntnisse würden einen Testbericht nicht nur sinnvoll ergänzen sondern beim Leser auch die Spannung erhöhen. Wir freuen uns über jeden Beitrag. 
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Mit freundlichem Gruß von Standlinie.

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
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« Antworten #1 am: 12. Januar 2013, 01:31:54 »

CADEAVERA-Men-Rasierklinge der Drogeriemarktkette Dr. Müller

Lebensdauer / Standzeit dieser Rasierklinge: 22 Rasuren

Diese Rasierklingenmarke habe ich anlässlich eines Urlaubes auf Mallorca im Frühjahr 2007 in einem Drogeriemarkt von Dr. Müller in Andraitx für 1,87 € gekauft. Die Rasierklingen sind chrom- und teflonbeschichtet und wurden in einem Klingenspender mit 10 Klingen abgegeben. Angaben zum Hersteller dieser Rasierklinge fehlen.

Zwischen Oktober und November 2012 habe ich diese Rasierklinge in verschiedenen Rasiererhobeln zum Einsatz gebracht. Insgesamt konnte ich mich damit 22mal rasieren. Um diese Standzeit zu schaffen, wurde die Rasierklinge nach jeder erfolgten Rasur mit warmem Wasser abgespült und auf meinem Handballen fünfmal abgezogen. Die Schnitthaltigkeit prüfte ich ab der zehnten Rasur nach jeder danach ausgeführten Rasur mit dem Haartest. Die von mir eingehaltenen Testbedingungen können hier nachgelesen werden: http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,22744.0.html.



So sieht die CADEAVERA-Rasierklinge aus. Ganz links die Originalverpackung, rechts oben daneben der Klingenbehälter mit den darin liegenden verpackten Rasierklingen, darunter eine ausgepackte Klinge. Die Klingen sind selbst nicht weiter gekennzeichnet. Und darunter habe ich die Testklinge gelegt. Zur Unterscheidung der einzelnen Klingenseiten sind beide Seiten mit einem abriebfesten Filzstift gekennzeichnet (1-1 und 2-2), denn die Klinge wurde von mir nach jeder erfolgten Rasur gedreht. Nach 22 Rasuren hatte sich auch die Klingenschneidengeometrie verändert. Die Schneide weist jetzt eine neue Schneidkante auf. Sie sieht in etwa so aus, wie ich es auf der Skizze unterhalb der gebrauchten Rasierklinge dargestellt habe. Ein Mikroskop für eine genaue Darstellung stand mir nicht zur Verfügung.

Für die Schaumerzeugung habe ich Rasiercremeprodukte von LEA, La Toja, Omega und Speick verwendet.

Für meine Rasuren verwende ich generell viele verschiedene Hobel. Beim Klingentest habe ich folgende Hobelwerkzeuge eingesetzt: Best, Ikon OC, Merkur 33c, Pils, Weberrazor, Merkur 37c und meine ERNivette.


« Letzte Änderung: 12. Januar 2013, 01:37:36 von Standlinie » Gespeichert

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« Antworten #2 am: 27. August 2013, 12:01:45 »

ISANA-Rasierklinge der Drogeriemarktkette ROSSMANN

Lebensdauer / Standzeit dieser Rasierklinge: 27 Rasuren

Die Drogeriemarktkette ROSSMANN unterhält in Deutschland ein vielfältiges Filialnetz, in denen neben anderen Rasurartikeln auch eine DE-Rasierklinge der Marke ISANA für 1,87 € angeboten wird. Wie diese Rasierklinge vertrieben wird, zeigt die nachfolgende Abbildung. Daneben liegt die eingesetzte Testklinge.




Die ISANA-Rasierklinge wurde von mir in gewohnter Weise in verschiedenen Rasiererhobeln und unter Verwendung diverser Rasierseifenprodukte getestet. Der Zeitraum dafür erstreckte sich über drei Monate vom 30.12.2012 bis zum 18.03.2013. Folgende Testbedingungen habe ich zugrunde gelegt:
-   mindestens einen Tag Rasurpause für die Klinge nach jeder erfolgten Rasur,
-   ein guter sahneartiger Rasierschaum, der überwiegend im Gesicht aufgeschäumt wurde,
-   eine dreiminütige Schaumeinwirkungszeit,
-   drei Rasurdurchgänge (m,q,g),
-   einen sporadischen fünfmaligen Klingenabzug auf dem Handballen, erst nach der 10. Rasur.

Für die Rasierschaumerzeugung kamen folgende Rasierseifenprodukte zur Anwendung:
Rasierseife:    Jabonmann Lavanda, Monsavon, Proraso, Valobra
Rasiercreme:  Nivea, La Toja, Williams
Rasierstick:    Chicman

Für die Rasuren setzte ich nach Lust und Laune verschiedene Hobel ein (siehe die nachfolgende Abbildung):
Hobel mit gerader Schaumkante: Concord (RiMei), Merkur 33c, Myatt-Minox, Merkur Progress 500 und Swing
Hybridhobel:                            Emir
Zahnkammhobel:                      Gardette, Goodfella, Ikon OC, Leresche, Rotbart (Old Type) und Tradere




Insgesamt waren mit der ISANA-Rasierklinge 27 Rasuren möglich, wobei die letzte Rasur im Vergleich zu den vorangegangenen 26 Rasuren sehr deutlich abfiel und ein gerade noch befriedigendes Rasurergebnis erst mit einem vierten Rasurdurchgang erzielt werden konnte. Normal sind für mich drei Rasurdurchgänge. Die Rasierklinge harmonierte mit allen eingesetzten Rasiererhobeln. Die Beschriftung der Klinge verblasste ein wenig über den Testzeitraum, ist aber heute immer noch deutlich lesbar.
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« Antworten #3 am: 27. August 2013, 18:36:35 »

Personna-Platinum-Rasierklinge

Lebensdauer / Standzeit dieser Rasierklinge: 29 Rasuren

Rasierklingen der Marke Personna werden überwiegend in Israel hergestellt und erfreuen sich in den Rasiererforen eines hervorragenden Rufes im Hinblick auf die Qualität und die Schnittleistung. Nicht umsonst wird die Personna Rot von 11 % unserer Forumsmitglieder regelmäßig zur Rasur verwendet (siehe Umfrage 2012/2013).
Die hier getestete Klinge – die Personna Platinum – stammt aus US-amerikanischer Produktion. Sie wurde im Onlinehandel bei Shaving.ie erworben, wobei das einzelne 10er Päckchen immerhin mit 2,95 € nicht unbedingt zu den preiswerten Klingenmarken zählt.

Die folgende Abbildung zeigt auf der linken Seite den originalen Klingenspender und rechts oben die zum Schutz in Papier eingepackte Rasierklinge. Darunter liegt eine ausgepackte Klinge und zuletzt ganz unten die getestete Rasierklinge, wie sie nach 29 Rasuren heute aussieht.
Die Beschriftung, die am Ende einer Rasierklingenproduktion maschinell aufgetragen wurde, hinterlässt schon bei einer unbenutzten Rasierklinge auf den ersten Blick einen blassen Eindruck. Der blasse Auftrag erwies sich während des Standzeitentests auch als nicht abnutzungsbeständig; die Beschriftung war am Ende nahezu vollständig abgelöst.
 



Die Personnaklinge wurde, wie in den vorangegangenen Rasierklingentestberichten bereits beschrieben, in verschiedenen Rasiererhobeln eingesetzt und musste in Zusammenarbeit mit verschiedenen Rasierseifenprodukten ihre Leistungsfähigkeit zeigen. Der Zeitraum für diesen Klingenstandzeitentest dauerte auch wieder drei Monate (19.03. bis 16.06.2013).

Die Rahmenbedingungen für den Standzeitentest wurden beibehalten. Beachtet wurde
-   eine mindestens einen Tag dauernde Rasurpause für die Klinge nach jeder Rasur,
-   ein sahneartiger Rasierschaum,
-   eine dreiminütige Schaumeinwirkungszeit,
-   maximal drei Rasurdurchgänge (m,q,g),
-   ein fünfmaliger Klingenabzug auf dem Handballen, aber nur sporadisch und auch erst nach der 10. Rasur,
-   der Einsatz folgender Rasierseifenprodukte
             - Rasierseife:    Fortis, Monsavon
             - Rasiercreme:  Arko, LEA, Speick, Nivea, La Toja, Williams
             - Rasierstick:    La Toja, BEA, Palmolive
-   der Einsatz unterschiedlichster Rasiererhobel, wie
             - Hobel mit gerader Schaumkante: Gibbs (Ref. No. 13), Konsul, Merkur Progress 500, Personna und Tech
             - Torsionshobel:                         Merkur 36, Merkur 37
             - Hybridhobel:                            Emir
             - Zahnkammhobel:                      Gardette, Ikon OC, Le Coq und Mühle R41




Nach 29 Testrasuren war dann der Standzeitentest für diese Rasierklinge beendet, wobei anzumerken ist, dass alle Hobel mit der Personna Platinum zurecht kamen. Die letzten vier Rasuren fanden mit dem Mühle R 41 statt. Das Ergebnis der letzten und 29. Rasur zitiere ich hierzu wörtlich aus meinem Rasurtagebuch:

  „Personna Platinum, 29. Rasurtag. Heute kommt die Personna zum 29sten Male zum Einsatz. Erstaunlich, was gerade diese Rasierklinge so kann.
   Trotzdem scheint es, als käme der Standzeitentest jetzt und heute zum Abschluss für diese Rasierklinge, da der Haartest nach dem fünfmaligen
   Abzug auf dem Handballen bei einer Klingenseite noch tadellos funktionierte; bei der anderen Schneide klappte dies nicht mehr auf der gesamten
   Klingenlänge. Nur gut, dass der R 41 darauf wenig Rücksicht nimmt und erbarmungslos zur Sache geht. Immerhin scheint es so, dass gerade
   dieser Hobel noch die letzten Reserven der Personna mobilisieren kann. Denn die letzten vier Rasuren erfolgten mit dem R 41.
   Die heutige Rasur war grenzwertig. Die eine Hobelseite rasierte noch zufriedenstellend, die andere Klingenseite rupfte bereits deutlich spürbar.
   Der Haartest hatte das bevorstehende „Aus“ für diese Klinge also richtig angedeutet.“
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« Antworten #4 am: 11. Dezember 2013, 16:29:23 »

Derby-Rasierklinge

Lebensdauer / Standzeit dieser Rasierklinge: 24 Rasuren

Dieser Testbericht aus dem letzten Jahr hätte eigentlich schon viel früher erscheinen sollen. Wegen der Vielzahl der in diesem Jahr erstellten sonstigen Texte und der inzwischen abgeschlossenen Testreihen, unter anderem auch mit Rasiermessern, habe ich allerdings eine gewisse Übersicht verloren, so dass dieser Bericht erst jetzt erscheint.

Ich habe diese aus türkischer Produktion stammende und bei einem türkischen Händler auf einem  Moerser Wochenmarkt gekaufte Derby-Rasierklinge zwischen dem 03. und 29.12.2012  für meine täglichen Rasuren verwendet und hierbei zur gleichen Zeit getestet.

Der Auslieferungszustand der Derby-Rasierklinge ist in der nachfolgenden Abbildung links zu sehen. Der Klingenspender enthält fünf zum Schutz in Papier eingepackte Rasierklingen. Rechts daneben liegen eine ein- und ausgepackte Rasierklinge und darunter die Testklinge in dem Zustand, wie er nach 24 Rasuren eingetreten ist.



Abbildung 1:     Neue Derby-Rasierklingen oben und unten die Testklinge


Die Klingenbeschriftung, die am Ende einer Rasierklingenproduktion maschinell aufgetragen wurde, hinterlässt schon bei einer unbenutzten Derby-Klinge auf den ersten Blick einen im Vergleich zu anderen Rasierklingen (z.B. Astra, Lada) etwas blassen Eindruck. Der blasse Auftrag erwies sich dann während des Standzeitentests auch als nicht abnutzungsbeständig; die Beschriftung war - wie es die obige Abbildung deutlich wiedergibt - am Ende nahezu vollständig abgelöst.

In unserem Forum zählt die Derby-Rasierklinge zu einer sehr umstrittenen Rasierklinge, vielfach geliebt und gleichzeitig auch vielfach abgelehnt. Viele Aussagen und Meinungen dazu scheinen sich zu widersprechen, deshalb gehe ich diesen Aussagen einfach einmal nach.

Die Derby-Rasierklinge wird von vielen Mitgliedern geliebt, weil sie von der Handhabung  unkompliziert erscheint und eine gute Schnittleistung liefert. Deshalb erreichte diese Klinge auf der Ende des letzten Jahres durchgeführten Beliebtheitsumfrage immerhin einen wohl auch verdienten vierten Platz. Ebenso lehnen viele Mitglieder unseres Forums die „Derby“ ab, weil sie rupft und ihre Schnittleistung als nicht ausreichend empfunden wird. Ein zugegebenermaßen widersprüchliches Bild, das mit hoher Wahrscheinlichkeit dadurch entstanden ist, weil Derby-Klingen bei ihrer Herstellung teilweise recht starken Qualitätsschwankungen ausgesetzt waren und dieser Zustand auch aktuell immer noch vereinzelt auftreten kann. Derartige Qualitätsunterschiede zeigten sich sehr oft besonders bei den ersten zwei Rasuren als gefühltes Rupfen; die Klinge gleitet dann nicht seidenweich und damit angenehm über die Gesichtspartien, sondern hoppelt bei der Rasur. Da es aber wenig angenehm ist, eine Rasierklinge „einrasieren“ zu müssen bevor sie mit angenehmen Rasurresultaten überzeugen kann, haben kluge Köpfe für sich das so genannte „Korken“ entdeckt, um so eventuell (noch) vorhandene Produktionsrückstände - das sind vorhandene Grate an der Klingenschneide - zu beseitigen.
Für dieses „Korken“ verwendet man den aus Naturkork bestehenden Verschlusskorken einer Weinflasche. Über diesen Korken wird dann die Schneide der Rasierklinge ohne Andruck gezogen, wobei die Produktionsrückstände abgestreift werden. Eine sicherlich sinnvolle und auch praxisgerechte Methode. Es reicht aber auch schon ein einfacher Handballenabzug aus, der dem Abzug einer Rasiermesserklinge auf dem Lederriemen ähnelt.
Vor der ersten Rasur habe ich meine Derby-Klinge also auch erst einmal auf dem Handballen abgezogen; danach gab es bei den anschließenden Rasuren kein Rupfen.

Nun zur Rasur selbst. Ich habe die Derby-Klinge für meine Rasuren in verschiedene Rasiererhobel eingesetzt. Der Vollständigkeit halber möchte ich die von mir eingehaltenen Voraussetzungen für diesen Testbericht nennen, auch wenn sie bereits in vorhergehenden Testberichten erwähnt wurden:

- der Rasierschaum war von sahneartiger Konsistenz,
- der Schaum musste wegen meiner kupferdrahtartigen harten Bartstoppeln drei Minuten lang einwirken,
- jede Rasur bestand aus drei Rasurdurchgängen (m, q, g),
- den Handballenabzug der Klinge habe ich alle fünf Rasuren vorgenommen, ebenso habe ich mit dem Haartest verfahren,
- nach erfolgter Rasur wurden Klinge und Hobel abgespült und abgetrocknet, danach durfte die Rasierklinge bis zum nächsten Tag ausruhen.

Für die Erzeugung des Rasierschaums wurden Seifenprodukte von La Toja, Speick, Proraso und Monsavon eingesetzt. Alle Seifen und Cremes sind im Forum für ihre gute Verwendungsfähigkeit hinreichend bekannt.

Folgende Hobel „durften“ mit der Derbyklinge arbeiten, siehe hierzu auch die nachfolgende Abbildung.
 


Abbildung 2:     Testhobelgalerie für getätigte Derbyrasuren


Obere Reihe:     Hobel mit gerader Schaumkante: Emir, Merkur Progress 500, Mühle R87, Weber, Zwilling
Mittlere Reihe:   Zahnkammhobel:                      Fatip Grande, Joris, Mühle R41
Darunter links:   Torsionshobel:                         Apollo, Punktal
Rechte Seite:    Schrägschnitthobel:                  Mulcuto
                      Hybridhobel:                            Ikon OSS

Die letzten beiden Rasuren der insgesamt 24 Rasuren verliefen etwas ruppiger, da beide Rasierklingenschneiden hierbei mehr oder weniger gerupft haben. Diese Empfindungen habe ich dann für mich als deutliche Anzeichen dafür gesehen, dass die Standzeit für die Derby-Klinge nun erreicht war und der Test von mir beendet wurde.
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« Antworten #5 am: 12. Dezember 2013, 22:57:44 »

Ladas-Super-Stainless-Rasierklinge

Lebensdauer / Standzeit dieser Rasierklinge: 23 Rasuren

Die Testklinge habe ich über das Internet bei shaving.ie eingekauft. Ich wollte diese in Moskau hergestellte russische Rasierklinge einmal selber kennenlernen und hierzu nicht nur auf die Berichte der Forumskollegenschaft zurückgreifen. Die Ladas-Rasierklinge kam im Testzeitraum 16.06. – 14.08.2013 zum Einsatz.

Auf der folgenden Abbildung 1 wird die Ladas-Rasierklinge in ihrem Auslieferungszustand gezeigt. In einer Umhüllung aus bedruckter Pappe befinden sich fünf zusätzlich in stabilem Papier eingepackte Rasierklingen. Rechts unten liegt die Testklinge. Sie sieht fast neuwertig aus, hat aber schon 23 Rasuren ausgehalten. Unter dieser Beanspruchung hat der Klingenaufdruck überhaupt nicht gelitten. Er zeigt sich ohne irgendwelche Abstriche in seinem ursprünglichen Zustand und unterstreicht das Bemühen des Herstellers, dem Kunden ein Qualitätsprodukt zu liefern, was ich dem Hersteller nach dieser Testreihe auch testieren kann.



Abbildung 1: Klingenspender aus Pappe, eingepackte Rasierklinge und die Testklinge


Für meine Testrasuren habe ich die folgenden Hobel benutzt:
     - Hobel mit gerader Schaumkante: Emir, Lux, Personna, Velvet, Weber (links oben),
     - Torsionshobel:                         Fasan, Krect, Lumina (Mitte rechts),
     - Zahnkammhobel:                      Gillette New 1946, Goodfella, Ikon Deluxe OC, Valencia, Wuttig (untere Reihe)



Abbildung 2: Gesamtansicht aller verwendeten Rasiererhobel


Für die Rasierschaumerzeugung verwendete ich die folgenden Rasierseifenprodukte:
     - Rasierseife von Castle Forbes, Jabonmann Terra Humida, Taylor of Bond Street und Valobra;
     - Rasiercreme der Marken La Toja, Lea, Nivea, Speick und Williams.

Zur Erzeugung halbwegs objektiver Testergebnisse habe ich mich auch im Fall dieses Ladas-Testes in gleicher Weise wie bei den zuvor beschriebenen Rasierklingenstandzeitentests an gewisse Vorgaben gehalten:

     - der Rasierschaum war von sahneartiger Konsistenz,
     - der Schaum musste wegen meiner kupferdrahtartigen harten Bartstoppeln drei Minuten lang einwirken,
     - jede Rasur bestand aus drei Rasurdurchgängen (m, q, g),
     - den Handballenabzug der Klinge und den anschließenden Haartest habe ich nur noch sporadisch vorgenommen,
     - nach jeder erfolgten Rasur wurden Klinge und Hobel abgespült und abgetrocknet, danach durfte die Rasierklinge mindestens bis zum nächsten
       Tag ruhen.

Wie kann ich einem Außenstehenden halbwegs realistisch beschreiben, wie ich die Rasuren mit der Ladas-Klinge auf meiner Gesichtshaut empfunden habe? Am besten ganz ehrlich. Im Vergleich zu allen übrigen Testkandidatinnen (Astra, Cadeavera, Derby, Gillette, Isana, Personna und Rotbart) hat mich die Ladas-Klinge irgendwie unsanfter rasiert. Sie hat mich rasiert, daran gibt es keinen Zweifel. Aber diese Rasuren habe ich nicht immer so genießen können, wie ich es normalerweise gewohnt bin. Manch einer mag mich da vielleicht als Warmduscher bezeichnen, aber ich lege nun einmal Wert auf eine mich zufriedenstellende sanfte Rasur. Die Ladas-Klinge empfand ich auf meiner Haut und besonders an der Kehle als weniger sanft. Die Rasuren waren für mein Empfinden eher rau und ungehobelt. Die Russin entwickelte hierbei einen Charme, der mich irgendwie an einen russischen T 34 Panzer erinnerte, grobschlächtig, unverwüstlich und effektiv. Es stellten sich sehr effektive Rasurergebnisse ein, die Babypopoglätte wurde immer hergestellt. Die Stoppeln hatten trotz vielfacher Versuche, sich in ihren „Schützengräben“ zu verstecken, keine Überlebenschance. Die Gesichtshaut war nach drei Rasurdurchgängen durchweg glatt, und selbst am nächsten Tag noch konnte ich mich von einer gewissen Nachhaltigkeit der am Vortag erfolgten Rasur überzeugen. Hier zieht die Ladas mit Rasierklingen von Astra und Rotbart gleich. Mir fiel auch auf, dass die Ladas-Klinge mehr mit den Hobeln mit gerader Schaumkante harmonierte. Die Rasuren in den Zahnkammhobeln waren „gefühlt“ weniger angenehm.

Ich habe die Ladas-Rasierklinge als Resümee dieses Standzeitentestes recht gut kennenlernen können, wobei wir aber keine Freunde geworden sind. Die Rasierklinge eignet sich aus meiner Sicht aber durchaus effektiv für die Zweitagebartrasur.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2013, 23:01:14 von Standlinie » Gespeichert

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« Antworten #6 am: 02. Januar 2014, 01:13:34 »

Rotbart-Extra-Dünn-Rasierklinge

Lebensdauer / Standzeit dieser Rasierklinge: 36 Rasuren

Testzeitraum: 20.08. – 23.12.2013

Ursprünglich hatte ich die Rotbart-Extra-Dünn überhaupt nicht für einen Standzeitentest vorgesehen. Es ist einem Zufall zu verdanken, dass es doch noch zu einem Test kam, denn bei einem ganz normalen Rasierklingenwechsel wählte ich zufälligerweise diese Rotbart-Rasierklinge aus einem Kunststoffbehältnis, welches beim Kauf eines Rasierhobels in der französischen Bucht diesem Hobel beigelegen hatte. Die darin ohne einen Papierschutz liegenden Rasierklingen – zufälligerweise alles Rotbart-Extra-Dünn-Rasierklingen – schienen schon etwas älter gewesen zu sein, das genaue Alter kenne ich nicht. Jedenfalls verwendete ich eine dieser Rotbartklingen und stellte schon nach mehreren Rasuren fest, dass sie in meinen Hobeln gut lief. Was also lag näher, als zu testen, was diese wohl schon ältere Rasierklinge noch leisten könnte. Das zum Hintergrund für diesen Standzeitentest.

Hier möchte ich die unscheinbare Klingenbox aus Kunststoff zeigen, der ich meine Testklinge entnommen habe (Abbildung 1). Rechts neben der Klingenbox liegt die Testklinge, der man die lange Zeitdauer ihrer regelmäßigen Nutzung nicht ansieht. Die Verarbeitung der Rasierklinge ist über jeden Zweifel erhaben und hat auch unter dem Test nicht gelitten. Der Namensaufdruck und sonstige Beschriftungsmerkmale haben sich über den Testzeitraum (siehe oben) als äußerst abriebsresistent erwiesen. Die Rotbartklinge zählt zudem zu den wenigen Rasierklingenmarken, die ihre beiden Klingenseiten mit den Zahlen 1-2 und 3-4 unterscheidet.   
 

Abbildung 1: Klingenbehälter aus Kunststoff mit Originalklingen und der rechts davon liegenden Testklinge


Da ich ein Gewohnheitstier bin, habe ich auch für diesen Rasierklingentest ganz normale und nicht ausgefallene Rasierseifenprodukte eingesetzt. Hier sind zu nennen:
- Rasiercreme von: Arko, La Toja, Lea, Nivea, Speick und Weleda
- Rasierseife von:   Taylor of Bond Street und Valobra
- Rasiersticks von:  Chicman, Lea, Palmolive und Wilkinson

Alle Rasierseifenprodukte ließen sich von mir gut aufschäumen und erzeugten sahneartigen Schaum, der meine dicken und harten Bartstoppeln zufriedenstellend eingeweicht hat. Den Rasierschaum habe ich wie bei den anderen Tests auch vor jeder Rasur drei Minuten lang einweichen lassen. Die genaue Einhaltung dieses Zeitintervalls wurde von mir mit einer Stoppuhr gemessen. Nach jeder Rasur habe ich die Rotbartklinge unter fließendem Wasser abgewaschen und anschließend vorsichtig abgetrocknet. Ein Handballenabzug erfolgte nur sporadisch, ebenso der Haartest. Danach wurde der Rasierklinge eine in der Regel eintägige Ruhepause gegönnt. Vereinzelt waren aber auch Ruhephasen von drei Tagen bis zu einer Woche dabei. Diese Ruhephasen scheinen einen positiven Einfluss auf die Gesamtlebensdauer dieser schon etwas älteren Rotbartklinge gehabt zu haben.

Bei meinen Rasuren liebe ich die Abwechselung. Deshalb habe ich auch für den Test der Rotbartklinge wieder verschiedene Hobel eingesetzt. Die folgende Abbildung 2 zeigt die verwendeten Hobel. Hier kann jetzt jeder einmal für sich selber testen, ob er die abgebildeten Hobel zuordnen kann.
 
Abbildung 2: Gesamtansicht aller verwendeten Rasierhobel


Hier folgt die „Feinauflistung“ der eingesetzten Hobel:

- Hobel mit gerader Schaumkante:  Merkur 23c, RiMei, Velvet, Weber
- Torsionshobel:                          Apollo, Lumina, Merkur 37c, Mulcuto (mit Nadelspitzen), ,
- Schrägschnitthobel:                   Apollo
- Hybridhobel:                             Emir, Saviar
- Zahnkammhobel:                       Gardette, Ikon OC, Le Coq, Souplex, Spadson
- Hobel mit Verstellvorrichtung:      Erfa Rasant (Stufe 2), Merkur Futur (Stufe 4)

Bei meinen Rasuren fiel mir auf, dass die Rotbartklinge besonders mit den Hobeln mit gerader Schaumkante harmoniert hat, hier speziell mit dem Merkur 23c, dem Weber und dem Merkur Futur. Das mag zwar ein sehr subjektiver Eindruck sein, aber einer, der mir aufgefallen ist. Die Rasuren mit dem Futur auf der Stufe 4 waren naturgemäß schon etwas direkter, aber ich habe sie nicht als für mich unangenehm empfinden können. Die Rasurresultate dieses verstellbaren Hobels waren unter dem Strich gesehen sogar die nachhaltigsten, die ich während dieser Testreihe überhaupt erzielen konnte.
Die letzten beiden Rasuren mit der Rotbartklinge waren im Vergleich zu den vorangegangenen Rasuren auffällig. Ich hatte hierfür die Hobel 23c und den Futur eingesetzt. Die Rasuren fielen mit diesen Hobeln rau aus und erzeugten bei mir an Hals und Kehle für zunehmenden Rasurbrand, was ich als deutliche Anzeichen für ein Standzeitenende gewertet habe. Ich stellte daraufhin den Test ein.
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« Antworten #7 am: 09. Januar 2014, 13:34:07 »

Astra-Superior-Platinum-Rasierklinge

Lebensdauer / Standzeit dieser Rasierklinge: 38 Rasuren

Testzeitraum: 05.06. –  25.12.2013

Diesen vorerst letzten Standzeitentestbericht hat Rockabillyhelge mit gestaltet. Von ihm kamen dazu zwei Anregungen. Ich sollte für diesen wohl letzten Rasurtest nur ein einziges Rasierseifenprodukt verwenden. Zusätzlich schlug Rockabillyhelge vor, auch auf den gewohnten Einsatz unterschiedlicher Rasierhobel zu verzichten und stattdessen nur einen einzigen Hobel einzusetzen. Ich habe diese Anregungen für meinen Rasierklingentest aufgegriffen, da diese Ausführungen den Rasurbedingungen der sehr wahrscheinlich meisten Nassrasur-Liebhaber entsprechen würden.

Für mein morgendliches Rasurritual entschied ich mich für die auf der nachfolgenden ersten Abbildung dargestellte Rasurausrüstung:
     - eine spanische Rasiercreme der Marke LEA;
     - einen Dachshaarpinsel, z.B. von Frank-Shaving oder Mühle;
     - einen verstellbaren Hobel, hier den Merkur Futur, den ich auf die Stufe 4 einstellte;
     - eine Stoppuhr, um eine gleichbleibende Schaumeinwirkungszeit über den ganzen Testzeitraum zu garantieren;
     - und natürlich die Astra-Testklinge.
 

Abbildung 1:  Rasurausrüstung für den Standzeitentest der abgebildeten Astra-Rasierklinge


Hier folgen nun einige Angaben zur Astra-Rasierklinge.
Astra-Rasierklingen können sehr preiswert über den Onlinehandel bezogen werden. Sie werden meist im 100er Paket abgegeben. Über die Qualität dieser in St. Petersburg, Russland, hergestellten Rasierklingen muss man sich keine weiteren Gedanken machen. Kaufen, auspacken, eine Klinge in den Hobel einsetzen und dann losrasieren. Falsch machen kann man so eigentlich nichts. Wirklich nichts? Doch, man kann einen ganz entscheidenden Fehler begehen, der darin besteht, dass man(n) aus Bequemlichkeit oder aus Zeitmangel die bevorstehende Rasur nur oberflächlich vorbereitet. Zu wässriger Schaum, eine zu geringe Einwirkungszeit, eine oberflächliche Schnellrasur und schon wird man auch mit dieser Rasierklinge allenfalls ein durchschnittliches Rasurergebnis erzielen können. Das ist schon oft vorgekommen. Es sei demjenigen gegönnt, dem dies ausreichen mag. Meine Ansprüche liegen jedoch höher.

So sehen Astra-Rasierklingen aus. In der nachfolgenden Abbildung 2 ist auf der linken Seite die Pappschachtel mit fünf darin befindlichen Rasierklingen zu sehen. Rechts oben liegt eine zum Schutz doppelt ! verpackte Klinge und darunter die von mir getestete Rasierklinge, wie sie nach 38 vollzogenen Rasuren heute aussieht. Der Hersteller hat die Klinge mit einer abriebsresistenten Beschriftung versehen. Beide Klingenseiten sind zur Unterscheidung mit den Ziffern 1/2 und 3/4 gekennzeichnet.


Abbildung 2:  Astra-Rasierklingen, in der Verpackung links und ausgepackt rechts zu sehen


Die LEA-Rasiercreme habe ich während eines Spanienurlaubes kennengelernt. Sie wird wie die Marke La Toja in Spanien hergestellt, unterscheidet sich aber von dieser und auch von anderen südländischen Rasierseifenprodukten durch einen weniger intensiven Geruch. Mir kam das für diesen Test sehr entgegen. Die Rasiercreme ließ sich von mir sehr schnell im Gesicht aufschäumen. Meine morgendliche Rasur dauerte insgesamt rund 12 Minuten, wobei die Schaumeinwirkungszeit in dieser Zeitspanne mit enthalten ist.

Als Rasierhobel habe ich mich für den Merkur Futur entschieden, da er in meiner Hobelsammlung den Referenzhobel darstellt. An seinen Rasurergebnissen müssen sich bei mir die Rasurergebnisse aller übrigen Hobel messen, damit ich unterscheiden und vergleichen kann, welcher Hobel sonst noch vergleichbar nachhaltige Rasurergebnisse liefert. Für mich ist eine Nassrasur gründlich und damit nachhaltig, wenn die über die nächsten 24 Stunden nachgewachsenen Bartstoppeln nur eine sehr geringe und gleichmäßige Neubildungsrate aufweisen. Als Maßstab dafür verwende ich meinen Handrücken, den ich über die Bartstoppeln streichen lasse. Es darf hierbei nur oberflächlich (also kaum) kratzen. Dieser Maßstab ist natürlich sehr subjektiv, es kratzt also „gefühlt“ wenig. Ich habe allerdings (noch) keinen Vergleichsmaßstab, um die Aussage „gefühlt wenig“ für andere nachvollziehbarer präzisieren zu können. Möglicherweise könnten unterschiedliche Körnungen von Schmirgelpapier so einen Vergleichsmaßstab bilden, aber das wäre dann ein neues Thema, das an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden soll.

Den Merkur Futur habe ich auf die Stufe 4 eingestellt, um die Astra-Rasierklinge durch ein größeres Rasierklingenspiel mehr zu fordern. Ich wollte es ihr und mir bei diesem Standzeitentest nicht allzu einfach machen. Die Astraklinge sollte schließlich zeigen, was in ihr steckt.
Mit dieser Einstellung sind wir beide sehr gut klargekommen, ich als das zu rasierende Objekt und die Astraklinge als ausführendes Schabwerkzeug. Und ganz nebenbei bemerkt, die von mir mit dieser Rasierklinge erzielten Rasurergebnisse waren die anzahlmäßig nachhaltigsten, die ich im Quervergleich mit allen übrigen bisher getesteten Rasierklingen erzielen konnte.
 
Die Rahmenbedingungen für diesen letzten Astra-Standzeitentest entsprechen - von zwei Ausnahmen abgesehen - den vorangegangenen Standzeitentests, um untereinander eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
     - für die Schaumerzeugung wurde warmes Wasser verwendet,
     - der Rasierschaum (sahneartig) wurde ausschließlich im Gesicht erzeugt,
     - die Schaumeinwirkungszeit betrug bei jeder Rasur 3 Minuten,
     - drei Rasurdurchgänge (m/q/g) reichten zur Entfernung der vorhandenen Bartstoppeln aus,
     - bei diesem Test wurde auf den Handballenabzug verzichtet; ein Abzug erfolgte lediglich nach Rasur 37 und 38 für den Haartest,
     - nach jeder Rasur wurden Hobel und Rasierklinge mit warmem Wasser abgewaschen, abgetupft und zum Trocknen abgelegt,
     - nach jeder Rasur erfolgte eine mindestens zweitägige Rasurpause; im Testzeitraum betrug die Ruhepause auch schon einmal eine Woche
       und noch mehr Tage.

Die Astra-Rasierklinge genießt in unserem Gut-rasiert-Forum einen hervorragenden Ruf. Viele Nutzer haben ihre Vorzüge im dazugehörigen Themenstrang „Auf zu den Sternen – Astra-Klingen“ auf inzwischen 47 Seiten beschrieben (Stand 01/2014). Ich kann dies nun nach immerhin 38 Rasuren mit ein und derselben Rasierklinge viel besser nachempfinden, da die erreichte Standzeit dieser Rasierklinge einen neuen Rekord aufstellt.

Wenn man mehr als zehn Rasuren mit ein und derselben Rasierklinge erreicht hat, freut man sich darüber sehr. Wenn man - wie ich - schon zwanzig Rasuren mit ebendieser Rasierklinge erzielt hat, fängt der Jubel an, solch ein außergewöhnliches Ergebnis überhaupt einmal erzielt zu haben. Dieser Jubel hält sich bei mir aber inzwischen in Grenzen, denn diesen Zahlenwert habe ich wiederholt erreichen können; trotzdem hält diese Freude immer noch an.

Nachdem die Astraklinge ihre 30. Rasur ohne Anzeichen einer nachlassenden Schärfe erreichte und sogar überschritt, habe ich mich ernsthaft gefragt, was denn der Grund dafür sein könnte. Anfangs vermutete ich noch, dass der Merkur-Futur zusammen mit der Astraklinge eine Idealbesetzung bilden würde und dies die eigentliche Ursache für diese bisher unerreichte Standzeit sei. Da ich fast gleichzeitig aber auch noch eine Rotbart-Rasierklinge auf ihre Standzeit testete und sich hier eine vergleichbar hohe Rasuranzahl einstellte, hier aber unterschiedliche Hobel zum Einsatz kamen, musste der Grund für mehr als 30 Rasuren ein anderer sein.
Die eigentlichen Rahmenbedingungen für alle acht von mir getesteten Rasierklingen waren weitestgehend gleich geblieben, so dass sie als mögliche Ursachen ebenfalls ausschieden.
Da für die Herstellung der Rotbart- und Astraklingen auch keine mir näher bekannten außergewöhnlichen Werkstoffkomponenten verwendet wurden oder werden, schied auch die Werkstoffzusammensetzung als Grund für die überaus lange Standzeit aus.
Allerdings gab es dann doch noch ein für beide Rasierklingen gemeinsam geltendes Vergleichsmerkmal, dass dann nur noch als einziger Grund infrage kommen konnte: Die Länge der Rasurruhepausen. Für die Astraklinge betrugen die Ruhepausen immer mindestens zwei Tage, oft auch mehr als eine Woche, da ich mich in dieser Zeit auch schon öfters mit dem Rasiermesser rasiert habe. Die ersten fünfzehn Rasuren mit der Rotbartklinge erfolgten nahezu täglich, die Rasurpause betrug dazwischen einen Tag. Danach nahmen aber auch bei dieser Rasierklinge die Rasurpausen auf mindestens zwei Tage zu, da ich mich an den anderen Tagen mit dem Rasiermesser, mit einer Shavette oder dem Merkur-Futur mit der Astraklinge rasiert habe. Somit kann nur noch die zwischen zwei Rasuren mehr als zwei Tage dauernde Rasurpause den eigentlichen Grund für die überaus hohe Standzeit der Astra-Rasierklinge bilden. Eine für mich sehr wichtige Feststellung.

Bei der 37. und 38. Rasur zeigten sich dann auch bei der Astraklinge typische und mir von anderen Rasierklingentests her bekannte Ausfallerscheinungen, die die bevorstehende Grenze der Rasierklingenstandzeit anzeigten. Bei diesen Rasuren rupften beide Rasierklingenseiten deutlich spürbar und damit grenzwertig. Sie glitten nicht mehr elegant über meine Gesichtshaut und entfernten dabei im Wege stehende Bartstoppeln, sondern sie hoppelten darüber, wobei nicht mehr alle Stoppeln zufriedenstellend abgeschabt wurden. An meinem Hals führte dies an mehreren Stellen zum Rasurbrand. Daraufhin stellte ich auch diesen Test endgültig ein.

Mit den Erkenntnissen aus dem Standzeitentest für die Astra-Rasierklinge ergeben sich nun für mich zwei zentralen Aussagen zur Standzeit oder Lebensdauer einer Rasierklinge:
1.) Für eine bestimmte Rasierklinge lässt sich eine über sieben Rasuren hinaus gehende Standzeit erreichen, wenn man für seine Rasur
     eine entsprechend sorgfältige Rasurvorbereitung einhält.
 
2.) Die tatsächliche Grenze der Standzeit mag für verschiedene Rasierklingen unterschiedlich ausfallen. Tatsächlich lässt sie sich neben
     einer sorgfältigen Rasurvorbereitung auch noch durch mehr als zweitägige Rasurpausen im positiven Sinn beeinflussen. Dies belegen
     in besonderer Weise die Standzeitentests der Rotbart- und der Astra-Rasierklinge.


« Letzte Änderung: 09. Januar 2014, 13:40:37 von Standlinie » Gespeichert

Mit freundlichem Gruß von Standlinie.

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
Rori
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« Antworten #8 am: 09. Januar 2014, 13:40:46 »

Unglaublich! Chapeau, Standlinie für die erneute Versuchsreihe und die detaillierte Dokumentation Daumen hoch.
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“Why the hell not?”

Viele Grüße

Florian
Standlinie
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Nassrasur? Nein danke? Ja bitte!


« Antworten #9 am: 09. Januar 2014, 14:01:36 »

Nachem ich nun acht verschiedene Rasierklingen auf ihre mögliche Standzeit getestet habe, steht nur noch ein Abschlußbericht aus: Die Auswertung aller einzelnen Tests und die sich darüber ableitbaren Erkenntnisse und Schlußfolgerungen.

Diesen Abschlußbericht werde ich erst in den nächsten Tagen einstellen können, da sich die Ergebnisse nicht einfach aus dem Ärmel schütteln lassen sondern noch etwas Denkarbeit erfordern und verständlich formuliert werden wollen. Allerdings möchte ich an dieser Stelle verraten, dass das Erreichen höherer Standzeiten keine Hexerei und keine Täuscherei ist. Eigentlich kann jeder andere Nassrasur-Liebhaber diese Standzeiten in ähnlicher Weise auch erreichen, wenn ...., ja wenn .... Die Antwort dazu steht am Ende des Astra-Standzeitentestes.
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Burlador
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« Antworten #10 am: 09. Januar 2014, 14:38:10 »

Ich fühle mich fast erschlagen von soviel rasurwissenschaftlicher Akribie, meinen Respekt, Standlinie, hast du! Wenn du in einem anderen Strang von deinen
Zitat
kupferdrahtähnlichen Bartstoppeln
schreibst, dann können wir davon ausgehen, dass die Klingen einer harten Belastung ausgesetzt waren. Jeder Nassrasierer mit Barthaar von Flaum bis nicht ganz Kupferdrahtqualität könnte nun ja beruhigt mutmaßen, dass seine Klingen noch ein paar Rasuren länger durchhalten. Kommt davor nicht irgendwann  der Rost ins Spiel? Ich hatte mal Billigklingen, die früh zu rosten begannen. Am schlimmsten war es bei einem Hornhauthobel, immerhin mit Klingen aus Solingen. In diesem Fall war wohl auch die sehr lange Ruhezeit zwischen den Anwendungen schuld am Rost.
Als Testszenario in Sachen Rostfreudigkeit könnte ich mir eine Art K.O.-Modus vorstellen: zwei gleiche Rasierer mit je einer anderen Klinge bestückt, kommen immer nur auf einer Gesichtshälfte zum Einsatz. Beide Klingen werden mit der exakt gleichen Badezimmerfeuchtigkeit konfrontiert. Wer zuerst rostet, hat verloren...Wenn jemand das ausprobieren will - mich würden die Ergebnisse interessieren.
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"Er läuft ja wie ein offenes Rasiermesser durch die Welt..." (Büchner, Woyzeck)
Standlinie
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Nassrasur? Nein danke? Ja bitte!


« Antworten #11 am: 11. Januar 2014, 20:55:17 »

...
Ich hatte mal Billigklingen, die früh zu rosten begannen. Am schlimmsten war es bei einem Hornhauthobel, immerhin mit Klingen aus Solingen. In diesem Fall war wohl auch die sehr lange Ruhezeit zwischen den Anwendungen schuld am Rost.
Als Testszenario in Sachen Rostfreudigkeit könnte ich mir eine Art K.O.-Modus vorstellen: zwei gleiche Rasierer mit je einer anderen Klinge bestückt, kommen immer nur auf einer Gesichtshälfte zum Einsatz. Beide Klingen werden mit der exakt gleichen Badezimmerfeuchtigkeit konfrontiert. Wer zuerst rostet, hat verloren...Wenn jemand das ausprobieren will - mich würden die Ergebnisse interessieren.

Lieber Burlador,

festgestellter Rost an einer Rasierklinge oder im Hobel selbst kann schon einmal vorkommen. Regelmäßig habe ich diese Anzeichen an gebrauchten alten und auch neuen Hobeln erkennen können, die ich über Online-Auktionen und auf Trödelmärkten erworben habe. Bei manchem Hobel konnte man schon einmal den Eindruck gewinnen, da ist jemand in der Altentagesstätte verstorben und das Personal sammelt die übrig gebliebenen Rasurutensilien ein und wirft sie weg. In diesen Hobeln steckte sehr oft noch eine alte Rasierklinge, vom Vorbesitzer oder Letztrasierer waren auch noch vertrocknete Schaum- und Stoppelreste übrig. Der Anblick war nicht unbedingt das, was Freude aufkommen läßt.

Beim Öffnen dieser alten Hobel war die Kontaktkorrosion sehr deutlich zu erkennen. Überall da, wo Teile der Rasierklinge die Wandungen der Grund- und Kopfplatte berührten, fand ein gewisser Korrosionsprozess statt, der durch den Werkstoff des Hobelkopfes (Zinkdruckguss, Messing, Aluminium und auch Edelstahl), durch anhaltende Feuchtigkeit und den pH-Wert des Wasser/Schaumgemisches beeinflusst wurde. Auch wenn unsere heutigen modernen Rasierklingen alle aus beschichtetem Edelstahl bestehen, können auch sie Korrosionsansätze bilden, wenn entsprechende Voraussetzungen dafür vorliegen. Ein aktuelles Beispiel dazu wird vom Forumsmitglied Oberloser in dem Themenstrang zum Weber-Edelstahlhobel gezeigt. Die von ihm erstellten Bilder belegen deutlich, dass es diese Berührungsstellen gibt und wie diese aussehen.

Es gibt eine relativ einfache Möglichkeit, Kontaktkorrosion und Klingenrost auszuschließen. Dazu sollte man "eigentlich" keine Rasierklinge in einem noch rasurfeuchten Hobel belassen, mit dem man sich gerade rasiert hatte. Die Vorstellung, sein Rasurutensil regelmäßig (täglich) nachzubehandeln (Aufschrauben des Hobels, Abwaschen der einzelnen Komponenten, Abtrocknen), mag vielleicht für viele befremdlich erscheinen, trägt aber ganz entscheidend zum Erhaltungsprozess eines Hobels und auch einer Rasierklinge bei.

Die Klingen eines Hornhauthobels werden heute sicherlich auch aus Edelstahl gefertigt sein. Aber selbst wenn es sich nur um einen einfachen und wenig bis nicht rostresistenten Kohlenstoffstahl handeln sollte, kann man die braune Pest mit einfachen Mitteln minimieren, wenn nicht sogar ausschließen. Vermeidung von Feuchtzonen. Das handhabt die Rasiermesserfraktion hier im Forum regelmäßig. Das findet auch in der Küche statt oder auch in einem Badezimmer. Ein Rasiermesser, ein Küchenmesser, sonstige Messer, Rasierklingen, hochwertiges Werkzeug, Waffen und sonstige rostgefährdete Gegenstände werden einfach nur an trockenen Orten oder Umgebungen abgelegt. Manchmal sind zusätzliche Vorbehandlungen wie Einölen oder Einwachsen auch schon Hilfsmittel, um Oberflächen vor dem Feuchtigkeitsangriff zu schützen.

Wenn Du die Entwicklung typischer Korrosionserscheinungen an einer Rasierklinge und an den Kopfkomponenten eines Rasierhobels testen möchtest, lege Dir zwei gleiche Hobel zu (preiswerte Hobel reichen aus, z.B. der RiMei), lege in beide eine Rasierklinge derselben Marke wegen der Vergleichbarkeit ein, tauche einen der beiden Hobel in ein Wasserschaumgemisch ein und lege beide Hobel in unmittelbarer Nähe zur Duschkabine Deines Badezimmers ab. Den "eingeschäumten" Hobel schäumst Du täglich ein, der andere bleibt die ganze Zeit über trocken stehen. Dann wartest Du einfach eine Woche ab, öffnest beide Hobel und erstellst Fotos vom Inneren der Hobel. Du kannst auch zwei Wochen warten oder einen Monat. Irgendwann erkennst Du den Rost, sehr wahrscheinlich sogar in beiden Hobeln. Zur Steigerung könntest Du aber auch gleich drei Hobel nehmen. Die Testbedingungen bleiben bestehen. Nur bei dem dritten trockenen Hobel öffnest Du diesen alle zwei bis drei Tage und wischt die Rasierklinge und alle Hobelflächen mit einem trockenen Tuch ab. Zu welchem Ergebnis wird dieser "Dreihobeltest" sehr wahrscheinlich führen? Zwei Hobel mit Korrosionserscheinungen. Der nasse Hobel sieht im Inneren total gammelig aus. Die Klinge zeigt an vielen Stellen deutliche Rostansätze. Beim zweiten trockenen und nicht geöffneten Hobel wird die Rasierklinge möglicherweise leichte Rostansätze zeigen. Vielleicht aber auch nicht. Und bei dem dritten von Dir gepflegten Hobel ist alles in bester Ordnung. Der Aufwand für diesen Test ist überschaubar und bringt Dir die meisten Erkenntnisse. Du mußt Dich noch nicht einmal mit den Testklingen rasieren. Aus eigener Erfahrung bei meinen Testreihen weiß ich, dass ich sehr oft keine Lust dazu hatte und dann zum Rasiermesser gegriffen habe. Nun ja, wir leben hier ja alle irgendwie in einer sehr abwechselungsreichen Anstalt.  Zwinkernd
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Mit freundlichem Gruß von Standlinie.

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
Peter
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« Antworten #12 am: 12. Januar 2014, 03:16:48 »

Lieber Peter/standlinie,

vielen Dank für diese bemerkenswerte Testreihe! Wie alle Deine Berichte liest sich auch dieser sehr angenehm und vor allem informativ.

Die Reichweiten, die Du erzielt hast, werden viele Leser überraschen, auch mich verblüfften sie. Ich gehe davon aus, dass in einem Rasurforum fast alle Hobelnutzer einen guten bis sehr guten Schaum einsetzen. Die deutliche Abweichung zum häufig angegebenen Klingenwechsel nach 5 oder 6 Rasuren könnte in der Nachbereitung begründet sein, die Du beschreibst.

In meinen inzwischen seltenen Hobelrasuren widme ich der Klinge nach der Rasur wenig Aufmerksamkeit, ich spüle und trockne nur den Hobel ab, und drehe dann den Kopf etwas auf, um eine Lufttrocknung der Klinge zu ermöglichen. Das Aufdrehen praktiziere ich allerdings auch erst seit Fällen von Kontaktkorrosion, vorher habe ich den Hobelkopf geschlossen gelassen.

Bei meinen häufigen Messerrasuren ist es hingegen für mich selbstverständlich, der Klingentrocknung sehr viel mehr Beachtung zu schenken. In einem mehrstufigen Verfahren trockene ich hier nach dem Abspülen per Handtuch, Mikrofasertuch, Handballenabzug und danach ca. 24 Stunden an der Luft bei geöffnetem Messer. Und natürlich erfolgt vor jeder Rasur ein Abzug auf dem Riemen.

Diese Mechanismen teils auf eine Hobelklinge zu übertragen ist konsequent, und führt, wie Deine Analyse zeigt, zu beachtlichen Ergebnissen.

Spannend fände ich, zu welchen Erkenntnissen Du mit einer Polsilverklinge kommen würdest. Ein Freund berichtet, dass Männer im Herkunftsland dieser hochwertigen Klinge bis zu einem Jahr mit einem Päckchen auskommen. Falls Dir keine zur Verfügung steht und Du sie testen möchtest, sende mir gerne eine Nachricht.

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Standlinie
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Nassrasur? Nein danke? Ja bitte!


« Antworten #13 am: 26. M?rz 2014, 20:48:53 »

Feather-Rasierklinge

Lebensdauer / Standzeit dieser Rasierklinge: 23 Rasuren

Testzeitraum: 28.12. 2013 – 11.03.2014

Die deutsche Übersetzung für den englischen Begriff „Feather“ ist „Feder“. Und mit dem Begriff „Feder“ werden sofort gewisse Assoziationen verknüpft: Ein Naturprodukt, es fühlt sich weich und flauschig an, es entsteht Wärme, ein angenehmes Gefühl, Wohlbefinden. Die Feather-Rasierklinge wird in Japan hergestellt, ein Land, wo Produktionsabläufe sehr hohen Qualitätsansprüchen unterliegen und wo entsprechend sorgfältig und hochwertig gefertigt und verarbeitet wird. Und die den Featherklingen nachgesagte Schärfe spricht für sich selbst.

Ich habe diese wohlklingenden einführenden Worte gewählt, um zu beschreiben, welche Gedanken mich beschäftigten, als ich eine Featherklinge auspackte und meinen Hobel damit bestückte. Hierbei war ich anfangs noch ganz entspannt, denn die Rasierklingentesterei hatte ja ein Ende gefunden und ich konnte mich wieder entspannt rasieren. Nur noch schnell einen Abschlussbericht schreiben, diesen im Forum einstellen und dann wollte ich mich in Ruhe meinen Rasiermessern widmen. So dachte ich zunächst. Aber ich unterlag einem Trugschluss, denn wen das Fieber des Erforschens unbekannten oder nur wenig bekannten Terrains einmal gepackt hat, der kommt so schnell nicht mehr davon los. Und weil mir die danach vollzogenen Rasuren mit der Featherklinge sehr unterschiedliche Rasurergebnisse lieferten, musste ich meine während des oben genannten Testzeitraums gewonnenen Empfindungen einfach zu diesem Bericht zusammenfassen.  

Die nachfolgende Abbildung 1 zeigt die Featherklinge, wie sie ausgeliefert wird. Der Klingenbehälter besteht aus weißem Kunststoff, sämtliche darin liegenden Rasierklingen aus Edelstahl sind zusätzlich in Papier verpackt. Der Klingenaufdruck sieht auf den ersten Blick ein wenig blass aus, der Aufdruck erwies sich aber über den gesamten Testzeitraum als abriebsresistent. Würde man die gebrauchte Klinge etwas reinigen, könnte sie unter die anderen ungebrauchten Klingen gemischt werden, ohne dass sich von der Optik her eine sofortige Unterscheidung ergeben würde. Allerdings fehlen bei der Featherklinge Bezeichnungen zur jeweiligen Klingenseite; ich habe diese deshalb mit einem wasserresistenten Filzstift nachgetragen, um so Verwechselungen bei der Rasur zu vermeiden. Denn ich habe vor jeder Rasur die Klingeseite gewechselt. Auf diese Weise wurde die Facette gleichmäßiger beansprucht.



Abbildung 1: Klingenbehälter aus Kunststoff, in Papier verpackte Originalklingen und die rechts darunter gelegte Testklinge


Für meine Rasuren verwendete ich folgende Rasierseifenprodukte:
   - Rasiercreme:   Arko und Lea
   - Rasierseife:   Jabonman (Rosas, Ylang-Ylang, Bergamotta), Proraso und Valobra

Die Rahmenbedingungen für meine Rasuren mit der Featherklinge entsprechen denjenigen Bedingungen, die ich bei den vorhergehenden Rasierklingenstandzeitentests eingehalten habe. Damit bleibt die Vergleichbarkeit auch für diese Rasierklinge gewahrt. Der Vollständigkeit halber möchte ich die von mir eingehaltenen Rasurbedingungen kurz auflisten:
- für die Schaumerzeugung wurde nur warmes Wasser verwendet,
- der Rasierschaum habe ich nur im Gesicht aufgeschäumt; die Konsistenz war sahneartig),
- der Rasierschaum hat meine Bartstoppeln 3 Minuten lang eingeweicht,
- mit dieser Rasierklinge habe ich 2 oder 3 Rasurdurchgänge (m/q/g) rasiert,
- es erfolgte kein Handballenabzug, weder zur Vor- noch zur Nachbereitung,
- nach jeder Rasur wurden Hobel und Rasierklinge mit warmem Wasser abgewaschen, abgetupft und zum Trocknen abgelegt,
- nach jeder Rasur erfolgte auch bei dieser Klinge eine mindestens zweitägige Rasurpause.

Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt die für diesen Standzeitentest eingesetzten unterschiedlichen Hobel. Dem Leser wird jetzt bestimmt die von mir gewählte eigenartige Anordnung der verschiedenen Hobel auffallen. Diese Anordnung habe ich bewusst gewählt. Die im oberen Teil der Abbildung in fast einem Halbkreis angeordneten Hobel lieferten mit der Featherklinge die nachhaltigsten Rasurergebnisse. Und für mich ist ein Rasurergebnis nachhaltig, wenn die über die nächsten 24 Stunden nachgewachsenen Bartstoppeln sich sehr gering und gleichmäßig neu gebildet haben. Meinen Handrücken verwende ich dazu als Maßstab. Ich streiche ihn sanft über die neugebildeten Bartstoppelflächen. Fühle ich hierbei, dass es nur etwas stärker als bei gröberem Flaum „kratzt“, wenn man hier überhaupt von einem „kratzen“ sprechen kann, werte ich die Rasur vom Vortag als nachhaltig. Es ist gar nicht so einfach, den Begriff „nachhaltige Rasur“ anschaulich zu erklären. Jedenfalls ist an der Hautoberfläche nur ein sehr geringer Widerstand  zu spüren. Dieser Maßstab ist natürlich sehr subjektiv, es kratzt also „gefühlt“ wenig. Mir reicht das zum Vergleich aber aus, denn bei einem nur oberflächlichen Rasurergebnis sind meine sehr harten und kupferdrahtartigen Bartstoppeln absolut deutlich zu spüren. Hier „kratzt“ es dann im wahrsten Sinne des Wortes.

Die sieben in der Mitte der Abbildung liegenden Hobel sorgten für akzeptable Rasurergebnisse. Die Rasurergebnisse der unteren vier Hobel waren dagegen nur morgens als akzeptabel zu bezeichnen. Aber schon am gleichen Nachmittag hätte ich mich aufgrund der bis zu diesem Zeitpunkt nachgewachsenen Bartstoppeln erneut rasieren können, um so eine über den ganzen Tag verteilte gleichmäßige Hautglätte vorweisen zu können. Die mit den unteren vier Hobeln erzielten Rasurergebnisse waren also allenfalls mittelmäßig.

Die Featherklinge ist außerdem eine für mein Empfinden sehr widersprüchliche Rasierklinge. Mit dem richtigen Hobel rasierte sie mich angenehm und sehr gründlich. Mit einigen anderen Hobeln konnte ich aber auch eine gegenteilige Rasur erleben, die ich nicht als angenehm empfunden habe. Vom Gefühl her kam es mir so vor, als würde die Klinge auf meiner Haut rupfen; ein sanfteres Gleiten war das schon nicht mehr. Außerdem war die Haut nach solchen Rasuren immer gereizt und das dann aufgetragene Aftershave brannte nachhaltig. Mir fiel dann noch ein weiterer und von mir als negativ empfundener Umstand auf. Wenn ich mich am nächsten Tag mit dem Rasiermesser rasieren wollte, schabte die Klinge die neu gebildeten Stoppeln nicht mehr so souverän weg. Es kam mir so vor, als würden die neugebildeten Stoppeln ein härteres Stoppelende aufweisen, welches von der Klinge nur mit Mühe und nicht immer sorgfältig entfernt wurde. Solche Rasuren hatte ich bis dato so noch nicht erlebt. Eine weitere und einen Tag später ausgeführte Rasiermesserrasur war dann schon wieder etwas angenehmer. Erst die dritte Messerrasur verlief wieder vollkommen normal.  Dieses Phänomen kann ich nur so interpretieren, dass die Rasur mit der Featherklinge bei mir zu einer ungewohnt starken Hautreizung geführt hat und die Haut danach drei Tage benötigte, um sich von der zu starken Einwirkung zu erholen. Falls diese Annahme zutreffen sollte, wäre das ein Indiz dafür, dass ein Rasiermesser im direkten Vergleich zu einer Rasur mit einer Featherklinge sanfter rasiert. Von den für die Rasur eingesetzten Rasierhobeln schienen mir die Hobel von Gillette besonders gut mit der Featherklinge klar zu kommen. Und überraschenderweise war es ein erst im letzten Jahr am Markt vertriebener Hobel, der Giesen & Forsthoff OC, der im Vergleich mit allen übrigen Hobeln mit der Featherklinge am besten harmonierte. Es spricht für diesen Hobel, dass ich im Vergleich zu allen anderen Hobeln mit ihm die nachhaltigsten Rasurergebnisse erzielt habe.

 

Abbildung 2: Abstufung der verwendeten Rasierhobel in Bezug auf die Nachhaltigkeit des erzielten Rasurergebnisses


Meine während der Rasur empfundenen Eindrücke und die mit dem jeweiligen Hobel erzielten Rasurergebnisse habe ich in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst. Die Abfolge der aufgeführten Hobel entspricht der Reihenfolge ihres Einsatzes, z.T. wurden diese Hobel auch mehrfach eingesetzt.

 

Tabelle 1: Zusammenfassung der mit der Featherklinge erzielten Rasurergebnisse und der während der jeweiligen Rasur empfundenen Eindrücke


Bei der letzten und mit einem Gillette New Deluxe OC vollzogenen Rasur rupfte die Featherklinge besonders auffällig am Hals und verursachte danach einen sehr unangenehmen Rasurbrand. Auffällig deshalb, da die Klinge bisher mit allen verwendeten Gillettehobeln sehr gut harmoniert hatte und ein Rupfen beim New Deluxe deshalb nicht vorauszusehen war. Ich habe diese Tatsache dann als ein deutliches Anzeichen für das Ende dieses Standzeitentests gewertet und die Featherklinge in den Ruhestand versetzt.

Der Test dieser Featherklinge zeigte mir deutlich, dass es neben vielen anderen Rasierklingenmarken am Markt auch Rasierklingen gibt, die nicht für jeden Nassrasierer geeignet sind. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein, es steht aber für mich fest, dass ich diese Rasierklinge bei meinen Hobelrasuren nicht mehr einsetzen werde. Auf Grund der durch diesen Test gewonnenen Erfahrungen rate ich auch Anfängern davon ab, eine Featherklinge für ihre tägliche Hobelrasur einzusetzen. Sie können dabei nur schlechte Erfahrungen sammeln. Beim Durchstöbern der verschiedenen Berichte zu dieser japanischen Rasierklinge kann man ähnliche Hinweise erhalten.
« Letzte Änderung: 27. M?rz 2014, 22:21:09 von Rockabillyhelge » Gespeichert

Mit freundlichem Gruß von Standlinie.

Die Nachhaltigkeit einer gründlichen Nassrasur zeigt sich am nächsten Morgen an nur gering und gleichmäßig neugebildeten Bartstoppeln.
Schwabenpeter
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« Antworten #14 am: 26. M?rz 2014, 21:23:32 »

Toller Test. Vielen Dank!
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Liebe Grüße

Peter
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