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Autor Thema: Anleitung zur Naßrasur  (Gelesen 13452 mal)
Onkel Hannes
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« am: 02. Februar 2012, 22:40:49 »

Anleitung zur Naßrasur


Die folgende Anleitung soll dem Einsteiger eine erprobte Verfahrensweise darstellen, um die ersten Naßrasuren mit Erfolg durchzuführen.

Sie geht davon aus, daß die erforderlichen Utensilien, nämlich

  • ein Naßrasierer, in der Regel ein Rasierhobel oder ein Systemrasierer mit jeweils passenden Klingen
  • ein Rasierpinsel
  • eine Rasiercreme oder eine Rasierseife
  • ein Gefäß zur Schaumerzeugung (Mug)
  • ein Aftershave oder ein Aftershave-Balsam

bereit liegen.

Tun sie nicht? --> Ab in die Orientierungshilfe: Die Naßrasur - dort findet man weiterführende Hinweise zur Anschaffung der Erstausrüstung.

Liegt alles bereit, kann es losgehen. Insbesondere für die ersten Naßrasuren mit neuen Gerätschaften sollte man sich Zeit nehmen, und ohne Hektik vorgehen. Das Wochenende bietet sich geradezu an.

0. Vorwort
1. Vorbereitung
2. Schaumherstellung
3. Einseifen
4. Rasur, erster Durchgang
5. Einseifen
6. Rasur, zweiter Durchgang
7. Nachbehandlung
8. Reinigung der Gerätschaften
9. Zu guter Letzt

Einige weitere Tipps zum Rasurerfolg


Ergänzungen, Änderungs- und Verbesserungsvorschläge, Kritik? --> Diskussionsstrang
« Letzte Änderung: 28. Oktober 2012, 01:28:16 von hpstr » Gespeichert

Onkel Hannes
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Beiträge: 2.814



« Antworten #1 am: 02. Februar 2012, 22:49:12 »

Anleitung zur Naßrasur


0. Vorwort

Zwei wichtige Grundsätze:

  • Gründliches und diszipliniertes Durchführen der Prozedur, nichts überstürzen! Auch wenn anfangs das Ergebnis nicht optimal sein sollte, mit der Zeit und viel Übung bessert sich das garantiert.
  • Die nachfolgenden Schritte sind unbedingt in der Reihenfolge einzuhalten, um ein optimales Rasurergebnis zu erzielen. Das Auslassen eines Schrittes kann die Gründlichkeit der Rasur beeinflussen.

Werden diese Grundsätze strikt eingehalten, wird die Rasur nach einer gewissen Eingewöhnungszeit von der Last zur Lust. Hat man sein eigenes kleines tägliches Ritual einmal verinnerlicht, führt das mit Sicherheit zu einer Steigerung des Wohlbefindens.



1. Vorbereitung

Das Gesicht wird heiß und mit Seife gewaschen, um Schmutz und Fett zu entfernen. Dadurch quillt auch die Haut auf, die Barthaare treten etwas aus den Haarkanälen hervor und werden eingeweicht. Man kann das während des Duschens erledigen, oder am Waschbecken.

Bereits während des Waschvorganges den Rasierpinsel und evtl. den Rasiermug in heißes Wasser legen. Der Pinsel kann sich mit Wasser vollsaugen, und der Schaum wird angenehm warm.

Nach dem Waschen kann man das Gesicht noch mit einem heißen Handtuch umwickeln, das verstärkt den Einweichvorgang der Haare noch.

Aber Vorsicht: zu viel und zu heiß ist kontraproduktiv, denn zuviel Hitze schadet der Haut; sie kann sich entzünden, die Rasur wird unangenehm.



2. Schaumherstellung

Den Schaum kann man in einem Mug herstellen, manche benutzen auch einfach die Handfläche, oder man schlägt direkt im Gesicht auf.


a) Rasiercreme

Einen Strang von 2-3cm Länge in den Mug drücken, den vorgeweichten Pinsel mit den Borsten nach unten halten, bis kein Wasser mehr herausläuft. Dann mit kleinen aber kräftigen Kreisbewegungen (Richtung ist egal) die Creme zu einem Schaum mit möglichst sahniger Konsistenz verarbeiten. Dieser Vorgang dauert in der Regel 30-60 Sekunden.

Bild-Anleitung: Schaum aus Rasiercreme

Wichtig: Zuviele Luftbläßchen bedeuten zuviel Wasser, der Schaum ist instabil und läuft weg. Hier fügt man entweder noch ein wenig Creme dazu oder man rührt einfach weiter, bis die Konsistenz fester wird. Zu dicker Schaum enthält zu wenig Wasser, dies vermindert die Gleitfähigkeit der Klinge. Hier kann man einfach ein paar Tropfen heißes Wasser hinzufügen.
Dies ist einer der Gründe, warum man Rasiercremes für die ersten Versuche bevorzugen sollte: es ist viel einfacher, einem zu wäßrig geratenen Schaum nochmals Rasiercreme hinzuzufügen, als Rasierseife.


b) Rasierseife

Der vorgeweichte Pinsel wird in Kreisbewegungen über die Rasierseife geführt, damit er Seife aufnehmen kann. Die Häufigkeit der Kreisbewegungen resultiert aus der Konsistenz der Seife. Im Normalfall genügen 5-10. Die Seife wird dann im Mug oder im Gesicht zu Schaum verarbeitet.

Bild-Anleitungen: Schaum aus Rasierseife und Rasierseife aufschlagen


c) Rasierseifen-Stick

Eine Rasierseife in Zylinderform kann man geraspelt oder in Scheiben geschnitten entweder in eine Dose, ein Schälchen oder ähnliches hineindrücken, um sie wie eine normale Rasierseife (siehe oben) zu verwenden, oder man trägt die Rasierseife direkt vom Stick in kreisenden Bewegungen auf das angefeuchtete Gesicht auf, und schäumt dann mit dem Pinsel weiter.

Bild-Anleitung: RS-Stick Anwendung



3. Einseifen

Der fertige Schaum wird mit kreisenden Pinselbewegungen auf die nasse Haut aufgetragen. Hierbei wird der Schaum in die Barthaare einmassiert. Bei der Gelegenheit werden auch gleich feine und alte Hautreste entfernt, man hat quasi ein pflegendes Peeling inklusive.

Dem Schaum wird nun ca. 3 Minuten Zeit gelassen, auf die Haare einzuwirken und diese noch mehr zu erweichen. Diese Zeit kann man nutzen, um z.B. eine frische Klinge einzulegen, das Messer auf dem Lederriemen abzuziehen oder mit der Ehefrau zu diskutieren, wieso man schon wieder so lange das Bad besetzt hält.

Wichtig: Ist der Schaum zu trocken, wird die Gleitfähigkeit der Klinge beeinträchtigt, das Rasurergebnis wird suboptimal. Man nimmt mit der Pinselspitze noch etwas heißes Wasser auf und kreist damit über den Schaum, bis die Konsistenz wieder annähernd Schlagsahne entspricht.



4. Rasur, erster Durchgang

Vor jedem Zug wird die Haut mit der freien Hand gestrafft. Das mag anfangs lächerlich erscheinen, ist aber ein ganz essentieller Bestandteil der Rasur, denn durch das Spannen treten die Haare noch weiter heraus, evtl. vorhandene Falten werden geglättet.

Es wird in geraden und kurzen Zügen (niemals seitwärts!) rasiert. Niemals mehrfach hintereinander über dieselbe Stelle rasieren. Das kann zur Hautschädigung führen. Nach jedem Zug wird die Klinge in heißem Wasser gereinigt, das sich im Waschbecken oder einer Schale befindet. Denn sonst verstopft die Klinge mit Haut- und Haarresten, die sich dann im Gesicht verteilen. Dies kann zu Rasurbrand führen.

Die Verwendung eines moderen Systemrasierers ist kinderleicht, denn durch die Bauart paßt sich der Rasierapparat immer den Gegebenheiten des Gesichts an.
Die Benutzung eines Rasurhobels oder eines Rasiermessers muß man sorgfältig üben, denn durch die starre Haltung der Klinge muß man den richtigen Winkel zur Haut (im Optimalfall 30 Grad) durch das Handgelenk herstellen. Ein zu spitzer und ein zu stumpfer Winkel kann zu Verletzungen der Haut führen.

Ebenfalls muß man beachten, daß keinesfalls Druck auf das Rasiergerät ausgeübt werden darf. Das Eigengewicht des Rasierers oder des Messers genügt in der Regel, um die Haare zu kappen. Zuviel Druck führt zu Verletzungen der Haut bis hin zu blutigen Schnitten.

Wichtig: Es wird nicht immer von oben nach unten rasiert. Der erste Durchgang immer mit dem Strich, d.h. mit der Wuchsrichtung des Haares. Rasiert man gleich gegen den Strich, also gegen die Wuchsrichtung, kann das zu eingewachsenen Haaren und Rasurbrand führen. Wenn die Wuchsrichtung nicht bekannt ist, die Rasur nach Möglichkeit 2-3 Tage auslassen (Urlaub oder Wochenende) und dann vor dem Spiegel genau beobachten, in welche Richtung sich die Haare krümmen.



5. Einseifen

Zum zweiten Durchgang wird das Gesicht erneut eingeschäumt. Hier wird zur Hautschonung empfohlen, gerade Pinselstriche durchzuführen, etwa wie beim Anstreichen einer Wand. Die Einweichzeit vom ersten Durchgang entfällt, man kann gleich mit dem nächsten Rasurdurchgang beginnen, denn die Haare sind genug eingeweicht und die Haut ist in der Regel noch genügend feucht, um die Klinge sauber gleiten zu lassen.



6. Rasur, zweiter Durchgang

Der 2. Durchgang kann erneut mit dem Strich durchgeführt werden. Alternativ und je nach Können ist es auch möglich, quer oder gleich gegen den Strich zu rasieren. Auch hier gilt wieder striktes Einhalten der Disziplin: Nie mehrfach über dieselbe Stelle, keinen Druck auf das Rasiergerät ausüben und vor jedem Zug die Haut mit der freien Hand straffen.



7. Nachbehandlung

Nach der Rasur werden die Schaumreste mit lauwarmem Wasser abgewaschen. Dann gründlich mit möglichst kaltem Wasser das Gesicht abspülen, so daß sich die Poren wieder schließen und die verbliebenen Bartreste sich in ihre Kanäle zurückziehen. Zugleich verschließt das kalte Wasser auch kleinere Wunden. Nach dem Abspülen kann man das Wasser mit einem frischen Handtuch abtupfen (nicht abreiben!) oder einfach lufttrocknen lassen.

Blutende Wunden werden mit dem Alaunstein/Alaunstift behandelt. Dieser wird leicht mit Wasser benetzt und auf die Wunde gehalten. Zuviel Alaun erzeugt einen weißen Rand um die Wunde, kann mit etwas warmen Wasser abgewaschen werden.

Anschließend sollte je nach Hauttyp noch ein Aftershave oder Aftershavebalsam aufgetragen werden. Das Auftragen erfolgt mit leichten und kreisenden Bewegungen, möglichst ohne Druck. Die Pflegemittel sollen aufgetragen und nicht eingerieben werden! Ein Balsam ist schonender zu Haut als ein Aftershave mit Alkohol, denn es trocknet die Haut nicht so aus. Bei empfindlicher Haut ist ein Balsam zu empfehlen.

Wichtig: Die Haut ist ein sehr empfindliches Organ. Nach einer gründlichen Rasur besteht Infektionsgefahr, beispielsweise durch Schmutz an den Fingern. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, nach der Rasur für mindestens eine Stunde lang nicht mit den Fingern im Gesicht herumtasten, um die Gründlichkeit der Rasur zu erfühlen. Bakterien lauern überall und sind unsichtbar - schnell hat man sich eine Infektion zugezogen.



8. Reinigung der Gerätschaften

Abschließend wird der Pinsel unter fließend warm bis heißem Wasser ausgespült, bis keine Seifenreste mehr enthalten sind. Dann wird er mit kräftigen Bewegungen ausgeschüttelt, um das enthaltene Wasser möglichst gründlich herauszuschleudern. Je sorgfältiger der Pinsel ausgeschlagen wird, umso geringer ist die Gefahr, daß sich Wasser ansammelt, das zu Schimmel-/Pilzbildung führen kann.
Ob der Pinsel dann stehend oder hängend aufgehoben wird, ist eine Glaubensfrage. Wichtig jedoch ist, daß er nicht in einem Schrank steht, denn das verzögert das Austrocken.

Messer werden ebenfalls mit fließend heißem Wasser abgespült. Das Messer kann mit einem weichen Tuch oder einem Stück Toilettenpapier abgerieben werden, ohne die Schneide zu berühren. Wird das Messer nicht oft benutzt, ist es mit einem Tropfen Öl einzureiben, um Rost zu verhindern.

Hobel und Systemrasierer werden ebenfalls unter fließend heißem Wasser abgespült. Jedoch ist es zu vermeiden, mit einem Tuch oder sonstigen Gegenständen die Klinge zu berühren, da dies zu Beschädigungen führen kann.

Wichtig: Ist man mit der Klinge irgendwo aus Versehen dagegen gestoßen, so ist diese beschädigt, auch wenn man es nicht mit bloßem Auge sieht. Dann muß die Klinge ausgewechselt werden, sonst kann sie bei der nächsten Rasur Verletzungen hervorrufen.



9. Zu guter Letzt

Nach einer Rasur ist aus mehreren Gründen eine Pause von mindestens 24 Stunden bis zur nächsten Rasur einzuhalten:

  • die Haut braucht diese Zeit, um sich zu erholen
  • der Pinsel muß gut durchtrocknen, andernfalls kann er anfangen zu faulen. Am besten läßt man ihn einmal pro Woche für zwei Tage pausieren, oder man benutzt einen zweiten Pinsel im Wechsel.
  • auch Rasierklingen können und müssen sich regenerieren, so lachhaft das auch scheinen mag. Das männliche Barthaar hat die Konsistenz von Kupferdraht, das beschädigt eine Klinge enorm. In 24 Stunden kann sich diese aber wieder teilweise aufrichten, so daß weitere Rasuren damit durchgeführt werden können. Auch hier könnte ein Zweitgerät von Nutzen sein.



Text: Matjes
Links, Gliederung, geringfügige Änderungen und inhaltliche Ergänzungen: hpstr

« Letzte Änderung: 03. Februar 2012, 17:56:19 von hpstr » Gespeichert

Onkel Hannes
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« Antworten #2 am: 02. Februar 2012, 22:50:31 »

Einige weitere Tipps zum Rasurerfolg:

  • Insbesondere nach ausführlicher Forumslektüre neigt man dazu, sich gleich mehrere Alternativen an Zubehör, wie Rasiercremes, -seifen, Klingen, Rasierer oder gar Pinsel zu besorgen.
    Man sollte dann aber davon Abstand nehmen, gleich am Anfang alles durcheinander zu probieren, sondern so lange üben, bis man mit einer Kombination zufriedenstellende Ergebnisse erzielt. Ohne eine gewisse Routine wird man ansonsten sehr lange brauchen, um herauszufinden, ob eine mißratene Rasur nun dem Rasierer, der Klinge, der Kombination von beiden, schlechten Schaum oder der noch verbesserungswürdigen eigenen Rasurtechnik zu verdanken ist.
  • Anfangs sollte man über ein paar nach der Rasur vereinzelt verbliebene Stoppeln oder rauhe Stellen hinwegsehen und nicht nachrasieren, da sich die Haut erst an die neue Form der Rasur gewöhnen muß.
  • Später kann man Stellen, die noch der Verbesserung bedürfen, sehr gut im bereits eingeschäumten Gesicht erfühlen, z.B. vor dem dritten Durchgang. Auch die Wuchsrichtung der Barthaare ist mit dieser Methode sehr gut fühlbar.

« Letzte Änderung: 02. Februar 2012, 22:55:15 von hpstr » Gespeichert

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