6.) Der Abschlussjetzt kommt der Bruch mit der Tradition und dem, was alle Schärfprofis immer predigen. Auf Chromoxid müsse ein 2. Schneidenwinkel erzeugt werden, heißt es immer (und ja, auch ich bin ein Verfechter dieser Technik, wenn gröbere Steine zum Einsatz kommen).
Nach dem Tanz auf diesen drei Steinen ist die Facette allerdings hochglanzpoliert, es fehlen jegliche Mikrozähnchen, selbst bei Mikroskopbetrachtung. Der feinste Stein ist zudem so fein, dass Chromoxid fast gröber erscheint unter der Lupe.
Also, back to the roots, zurück zu Zeiten, in denen es nur Steine und Leder gab: 50-100 Züge auf dem feinen Juchtenriemen. Bei einem guten Messer ist der Haartest danach auf über 1cm möglich.
Der Ansatz bei der Rasur ist butterweich, das Messer fährt durch die Stoppeln wie das Messer durch warme Butter, eine grandiose Rasur ist das Ergebnis. Mit den Messern, die ich auf diesen Steinen schärfte, hatte ich in den letzten Tagen die besten und gründlichsten Rasuren seit ich mich mit dem Messer rasiere. Ich habe sogar zwei Messer, die sich mit anderen Methoden nicht zufriedenstellend schärfen ließen, perfekt rasurfertig gebracht und auch in den US-Foren berichten die wenigen Besitzer dieser Steine von ähnlichen Erlebnissen, dass Messer, die richtig zickig waren, erst richtig gut wurden.
7.) FazitMit dieser Methode werden zwei Dinge grundlegend anders gemacht als beim "normalen" Schärfen:
- es wird in extreme Feinheitsregionen der Steine vorgedrungen
- auf Pasten zum Erzeugen der Endschärfe wird verzichtet
Manche mögen dies belächeln, ich aber sage: Für mich sprechen die Ergebnisse Bände. Außerdem: es macht unheimlichen Spaß, auf diesen Steinen zu schärfen. Die Steine geben sofort Feedback, wann ein Messer fertig ist. Am Anfang spürt man einen Widerstand, sobald das Messer fertig ist gleitet es nur so über die Steine, als hätte man diese eingeölt.
Nun denn, das ist also mein Weg zur "ultimativen Schärfe". Anregungen, Kommentare, Fragen sind ausdrücklich erwünscht
