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Autor Thema: FAQ: Der Hobel  (Gelesen 47202 mal)
henning
Gast
« am: 09. Oktober 2007, 12:41:46 »

In ein gutes Forum gehören FAQs (Frequently Asked Questions). Damit sind vorsorglich beantwortete Fragen gemeint, die immer wieder gestellt werden. Dies möchte ich nun bezüglich Hobeln tun.
Ob ich das kann? Eine gute Frage. Ich hatte etliche Hobel in den Händen. Sammelte die, welche es mir wert waren, habe nachgelesen und recherchiert. Ob ich ein Experte bin? Mit Sicherheit nicht. Ich habe aber wohl ein gewisses Grundwissen, das ich gerne teile und vermittle. Ich kann daher aber auch nicht alle Fragen beantworten und bitte um Nachsicht.
Allen Interessierten, möchte ich die Hobel-Kategorie und besonders meinen Thread "Zeigt her Eure Hobel" ans Herz legen. Man erfährt Neues, Interessantes, frischt vielleicht Altes auf und hat manches Aha-Erlebnis. Mancher hat einen Vater, Großvater oder Onkel, der sich mit solchem Gerät verschönerte. Mit Glück wandern die irgendwo verwahrten Teile dann in jüngere Hände und man hat gleich einen versierten Anwender und Berater zur Seite.
Ob Hobeln Geld spart? Das liegt an Dir! Wenn Du Dich auf ein oder zwei Modelle beschränkst, bei ein paar Rasiercremes oder Rasierseifen bleibst und Dich mit 1 - 2 Pinseln und einer Klingensorte begnügst, kannst Du tatsächlich jede Menge Geld sparen, denn die Hardware hält eigentlich ewig und ist ja selbst dann noch verwendbar wenn sich Beschichtungen ablösen. Die Systemklingen sind unvergleichlich teurer und auch die Systemrasierer selber wechseln ja öfter. Aber wetten würde ich nicht darauf, denn die meisten Hobler werden von einer gewissen Leidenschaft gepackt und geben letztlich doch mehr Geld aus als vorher. Das allerdings für eine, so meine ich jedenfalls, viel kultiviertere Art der Rasur. So kann man das dann eigentlich auch nicht vergleichen.
Ich hoffe ich kann Neu- oder Wiedereinsteigern den Weg ein wenig ebnen und die wichtigsten Fragen beantworten. Wenn es geht, werde ich Fotos einstellen, die dem Neuling illustrieren was ich meine. Und ich bin natürlich offen für Fragen!

Gern verweisen wir auch auf http://de.wikipedia.org/wiki/Rasierhobel


« Letzte Änderung: 28. Oktober 2012, 01:29:36 von hpstr » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #1 am: 09. Oktober 2007, 12:42:17 »

01. Warum einen Hobel?

Da gibt es viele Antworten. Falls man die Chemie im Gleitstreifen der Systemrasierer nicht verträgt oder nicht mag, falls einem die Klingenkosten über den Kopf wachsen oder einfach der Haptik der Kunsstoffgriffe überdrüssig geworden ist. Wenn man präzise Konturen schneiden will, auf Handarbeit Wert legt oder einfach ein Faible für klassische Handhabung hat, dann ist man beim Hobel richtig. Wer auf den Hobel umsteigt wird vielleicht etwas Neues oder eine Verbesserung des Rasurergebnisses oder des Hautbildserwarten.
Wer mit dem Hobel beginnt, macht das eventuell aus Stil- oder Traditionsgründen. Alle können begeistert oder aber auch enttäuscht werden. Denn viele Faktoren spielen beim Hobel und dessen Verwendung eine Rolle. Unbestreitbar ist allerdings, daß man sich mit einem Hobel stilvoller rasiert, als mit den modernen Kunststoff- oder Materialmix-Systemrasierern. Man rasiert sich traditionell, nach alter Väter Sitte, was wohl nur noch durch den Gebrauch des Messers getoppt werden kann.
« Letzte Änderung: 23. M?rz 2009, 13:07:45 von henning » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #2 am: 09. Oktober 2007, 12:52:26 »

02. Welcher Hobel ist für mich geeignet?

Das ist genau so schwierig zu beantworten. Alte Gillette, oder Solinger Produkte, über Ebay bezogen, können genau so gut oder schlecht zu Dir passen wie ein brandneuer Merkur, Mühle, Joris , Jagger oder was auch immer.
Abraten möchte ich aus meiner Sicht vom Wilkinson Classic als Einstiegshobel. Der ist durch sein geringes Gewicht wohl zu speziell und hat manchen eher wieder von der Hobelei weg gebracht. Auch billigste Neuware vom Flohmarkt taugt in der Regel nichts und verleidet einem gleich schon den Einstieg.
Entscheidend beim Hobel ist zuallererst die Kopfgeometrie. Das Verhältnis vom Radius der gebogenen Klinge, dem Seifenspalt und einem bestimmten Winkel / Linie zwischen Schaumkante, Schneide und auch Kopfoberteil, ist entscheidend und bestimmt nicht nur über Aggressivität, Sanftheit und Gründlichkeit. Es bestimmt auch, ob man überhaupt mit dem Gerät zurecht kommt.
Ein nicht zu sanfter, aber auch nicht zu aggressiver Hobel passt am besten für den Anfang. Ein so "neutral" designter Hobel, was die Kopfgeometrie betrifft, wie der 34c oder 23c von Dovo/Merkur, bietet die größte Chance erste Erfolge zu bekommen, wenn es denn ein neuer Hobel sein soll. Zwischen den beiden ist der einzige rasurrelevante Unterschied die Grifflänge und Griffdicke. Für langfingrige oder feingliedrige Typen möchte ich eher den lang- und dünnstieligen 23c empfehlen, eventuell auch Systemumsteigern. Den anderen den knuffigen und schwereren 34c, weil er deren Physiognomie eher entgegenkommt. Auf den Fotos siehst Du oben den 23c und unten einen älteren, noch versilberten 34.






Ein weiterer Unterschied, aber nicht Rasurrelevant: Der 23c ist ein Dreiteiler. Man dreht den kompletten Griff in einem Teil ab und hat so, zusammen mit Kopf-Ober- und Unterteil, drei Teile.
Der 34 ist ein Zweiteiler, an dem man nur unten am Drehknopf dreht. Das Kopfunterteil ist fest mit dem Griff vernietet, so daß man dann nur das Kopfoberteil und den kompletten Rest in der Hand hat.


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« Letzte Änderung: 22. Januar 2012, 20:00:06 von hpstr » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #3 am: 09. Oktober 2007, 12:55:19 »

03. Was brauche ich sonst noch?

Empfehlen möchte ich für den Anfang eine gute, aber günstige Rasiercreme, wie die Nivea, Florena oder Cerrus. Rasiercremes sind am Anfang besser aufzuschäumen und garantieren in der Regel sehr gute Gleiteigenschaften für den Hobel auf der Haut. Rasierseife kann später verwendet werden, denn bei mancher muß man sich etwas abmühen um ordentlichen Schaum zu bekommen, während wieder andere sehr gut aufschäumen.
Eine überwiegende Mehrheit der Hobler lehnt Instantprodukte aus Dosen ab, da aufgrund der pH-Neutralität das Einweichen der Barthaare im Vergleich Zu RC/RS stark vermindert ist. Auch wird bei Schaum aus der Dose oftmals eine verminderte Gleitfähigkeit der Klinge festgestellt, da dieser Schaum sehr dicht ist. Dies kann aber durch eine Zugabe von Wasser verbessert werden.
Es gibt aber auch Hobler die sehr gut mit Instantprodukten zurecht kommen. Unbestritten ist jedoch, dass der Dosenschaumrasur die Aura und der Stil einer Pinselrasur fehlen. Der Schaum ist kalt und wirkt synthetisch. Gerade in Verbindung mit einem Hobel wird es von vielen als Stilbruch empfunden. In etwa so als würde man zum Smoking Turnschuhe tragen.
Für Rasiercreme oder -seife wird ein Rasierpinsel benötigt der zumindest aus einfachem Dachshaar bestehen sollte. Von Cerrus und Balea werden da z. B. für den Anfang völlig ausreichende Pinsel angeboten, die sehr wenig Geld kosten. Siehe auch die Pinsel-FAQ.



Wichtiger noch sind natürlich gute Klingen. Hier ist weniger nicht mehr, sondern Mist. Zumindest am Anfang. Schlechte bis mittelmäßige Klingen können einem auch den Spaß verderben, weil sie nicht nur ungründlich, sondern auch unsanft sein können und teils blutige Rasuren liefern. Cadea, Cerrus, Wilkinson oder Gillette, alle aus Super- oder Drogeriemärkten, haben bestenfalls Mainstream-Qualität.
Im Forum wirst Du auf die absonderlichsten Namen treffen. Meist sind sie nicht einfach zu besorgen. Mit die Besten, einfach zu beschaffenden Klingen, sind die Derby die man beim türkischen Händler um die Ecke erfragen kann. Sie sind in den Eigenschaften aber nicht jedem genehm. Oder die Merkur, die jeder gute Stahlwarenladen eigentlich führen sollte. Sie stehen in der gehobenen Mittelklasse, sind aber nicht ganz billig.
Mit die besten Klingen überhaupt bekommt man leider in der Regel nur über das Internet und dann auch teils nur im Ausland. Da sind die roten Personna Klingen, Astra Klingen, Lord Klingen oder Super+ Platinum aus Israel. Dann etwas exotischeres , wie verschiedene Supermax, Treet, BlueBird, Rapira aus Russland und viele mehr...
Im Forum gibt es verschiedene hilfreiche Threads im Klingenabteil. Es empfiehlt sich auch, Mitglieder gezielt nach Probeklingen zu fragen, denn lieber einmal Porto für 5 Klingen bezahlt, als 100 bestellen, die dann nicht passen.


Ein Aftershave oder Aftershave Balm versteht sich wohl von selbst, weshalb man sonst nun nichts mehr braucht und loslegen kann.


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« Letzte Änderung: 22. Januar 2012, 20:18:20 von hpstr » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #4 am: 09. Oktober 2007, 12:58:41 »

04. Wie verwende ich den Hobel?

In der Regel muß man den ganzen Griff abdrehen (z.B. 23c) oder den Knopf am Griff drehen (z.B. 34c). Dann fällt der Hobel quasi auseinander. Man legt, in der Regel, in das obere Kopfteil locker eine frische Klinge ein, baut den Hobel wieder zusammen und dreht den Griff/Knopf handfest zu. Dadurch wird die Klinge im Hobel über die Längsachse, zu den Schneiden hin, gebogen und somit versteifend innen gegen den Kopf gedrückt. Niemals mit kaum angezogenen Griffen/Knöpfen rasieren, denn dann stimmt die ganze Mimik nicht mehr.
Systemrasierer sind nun etwas vorbelastet und haben es vielleicht entsprechend einfacher. Sie müssen sich nur abgewöhnen den Rasierer aufzudrücken und eventuell eine etwas andere Haltung des Hobels erlernen.

Hier gehört nun eigentlich eine ausführliche Rasuranleitung hin. Diese schreibe ich aber nicht, sondern umreiße nur grob. Die ganze Rasurprozedur verdient es in einem extra FAQ behandelt zu werden: Anleitung zur Naßrasur

Ich gehe davon aus, daß Du Dein Gesicht gewaschen/Dich geduscht und Dich eingeschäumt hast. Nicht schlecht ist es übrigens vor dem ganzen mal die Wuchsrichtungen des Bartes zu betrachten, denn der erste Durchgang geht mit dieser Wuchsrichtung, dem "Strich". Das heißt, daß Du den Hobel in die Richtung ziehst, in die die Barthaare wachsen. Fang oben an der Schläfe an und lege den Hobel quasi auf die Haut, so daß der Griff senkrecht nach unten zeigt. Nun hebe den Griff ca. 30° an. Das hört sich genau so theoretisch an wie es ist. Du hast Recht. Also ziehe nun den Hobel in langen Zügen nach unten und versuche möglichst dabei nicht aufzudrücken. Aber verkrampfe nicht. Die "richtige" Haltung hast Du, wenn der Bart entfernt wird und Du das auch merkst oder sogar hörst. Da ist etwas Übung angesagt. Man kann auch andersherum anfangen. Man drückt die Oberseite des Hobels an die Wange, so daß der Griff zur Seite absteht und kippt dann nach und nach den Griff nach unten bis man merkt daß da was abgeht. Probiere was Dir mehr liegt. So rasiert man im ersten Durchgang die Stoppeln mit der Wuchsrichtung. Nie den Kopf des Hobels seitlich verschieben, die Schneide würde Dir schnell die Haut metzeln.

Danach feuchte Dein Gesicht erneut an. Du merkst dabei bestimmt, daß da noch Stoppeln sind. Schäume wieder ein und nun geht es gegen die Wuchsrichtung weiter. Also quasi von unten nach oben. Das ist gewöhnungsbedürftig, weil es sich ungleich brutaler und kratziger anfühlt als mit dem Strich. Wenn Du diese Hürde genommen hast, bist Du im besten Fall schon fertig mit der Rasur. Im Normalfall aber, wirst Du hier und da immer noch Stoppeln fühlen, wieder einschäumen und drüberhobeln. Das kannst Du ruhig machen. Halte aber immer feucht oder seifig und übertreibe nicht. Spanne die Haut an den Problemstellen leicht an.
Da sich Haut und Haar erstmal an die Hobelei gewöhnen müßen, wirst Du zuerst bestimmt nur durchwachsene Ergebnisse erzielen.
Macht nichts, das geht fast jedem so. Und beim Messer ist es meist sogar noch schlimmer. Also nur Mut und keinen Zwang.


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« Letzte Änderung: 02. Februar 2012, 23:21:58 von hpstr » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #5 am: 09. Oktober 2007, 13:13:33 »

05.1 Wofür gibt es verstellbare Hobel?

Die verschiedenen Adjustable von Gillette und der Progress von Merkur, sind wohl die prominentesten verstellbaren Hobel. Die Adjustable gibt es nur über Ebay, Flohmarkt oder spezielle Händler. Der Progress wird noch produziert und sollte im Stahlwarenhandel erwerbbar oder bestellbar sein.
Beiden ist gemein, dass man den Spalt zwischen Klingenschneide und Gleitkante des Hobels verstellen kann. Diese Verstellung ist nur marginal aber sehr sehr effektiv. Man bewirkt damit eine sanftere oder aggressivere Rasur mit ein und dem selben Hobel. So kann man den Hobel auf seine Bedürfnisse einstellen, für Körper-, Kopf- oder Intimrasur einstellen oder auf die Bartstärke abstimmen. Mancher verstellt um mit/gegen den Strich verschieden stark zu rasieren.
Die Merkur Futur und Vision werden auch noch hergestellt, sind aber für den Anfang sehr teuer und/oder schwer zu händeln.


Hier ein Gillette-Fat Boy Adjustable der 60'er Jahre, ein moderner Merkur Progress und ein Merkur Futur:





Diese Anleitung für einen ERFA - Hobel gilt bzgl. Effekt der Verstellung und teils von der Mechanik noch für heutige Modelle, wie den Progress:


05.2 Was sind das für Hobel mit diesen Flügeln am Kopf?

Das sind  Hobel wie jeder andere auch. Gillette erfand um 1934 einen neuen Öffnungsmechanismus, um sich durch den einfacheren Klingenwechsel weiter von der Konkurrenz abzusetzen. Dieser wird eigentlich TTO (Twist To Open / Drehe zum öffnen) genannt. Im Volksmund hießen diese Hobel aber, wegen der Ähnlichkeit zu Schmetterlingen Butterfly-Hobel:




Und einer der ersten Butterfly, der Gillette Sheraton von 1937:





Am reichhaltigsten an Modellen war eindeutig Gillette. Heute gibt es noch mehr oder weniger gelungene Kopien oder Anlehnungen an die verschiedenen Gillette-Modelle.
In Deutschland wird der Merkur Vision hergestellt. Ein schweres und teures Ungetüm, das man als Anfänger eher nicht benutzen sollte.


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« Letzte Änderung: 22. Januar 2012, 23:31:54 von hpstr » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #6 am: 09. Oktober 2007, 13:17:24 »

06. Wofür sind diese „schrägen“ Hobel?

Aktuell wird wohl nur noch der Merkur 37 so produziert. Früher waren Schrägschnitt oder Torsionshobel gang und gäbe. Die sollte man nicht verwechseln. Beim Schrägschnitthobel ist der Kopf schräg gestellt, oder der Griff weggekippt, je nachdem wie man es betrachtet. Während beim Torsionshobel der ganze Kopf über die Längsachse in sich verdreht wird, weshalb die Klinge extrem verbogen wird und die Schneiden dann verschränkt zueinander stehen. Beide Arten des Hobels haben ein Ziel: Die Stoppeln sollen „geschnitten“ werden, da sie sonst bei normalen Hobeln eher „abgehackt“ werden, worauf die Bezeichnung Hobel ja schon hindeutet. Tatsächlich scheinen besonders Menschen mit sehr starkem Bartwuchs damit besser zurecht zu kommen. Andere berichten aber eher von schlechten und aggressiven Rasuren. Daher rate ich für den Anfang unbedingt von solchen Modellen ab.
Hier siehst Du als Torsionshobel einen Ibsen und Merkur 37g (g für Gold), sowie unten einen Mulcuto Schrägschnitt.





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« Letzte Änderung: 22. Januar 2012, 23:33:13 von hpstr » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #7 am: 09. Oktober 2007, 13:28:54 »

07. Was muß/soll/darf ein neuer Hobel kosten?

Wieder so eine schwere Frage. Die genannten Merkur 23c/34c gibt es für um 25,- - 45,- Euro und sind auch daher ein sehr guter Einstieg. Billiger geht es meist über Ebay in Form gebrauchter Hobel oder billiger Kopien. Da gilt aber das allgemeine Ebay-Risiko: Man kann für einen Euro glücklich werden oder für ein vielfaches Mist kaufen. Die weiter oben erwähnten Gillette Adjustable kranken manchmal an ihrem Verstellmechanismus. Deshalb sollte man sie zunächst in einem Ebay-Shop mit Rückgaberecht erwerben. Wo man dann so 25,- - 50,- Euro bezahlen muß. Je nach Zustand, Alter, Seltenheit oder Zubehör.

Weitere Alternativen sind die indischen Hobel die auch von Solinger Verkäufern angeboten werden. Die Qualität ist dem Preis von ab 20,- Euro angemessen und man hat so einen nagelneuen Butterfly-Hobel.
Es werden auch chinesische Hobel angeboten, die als Butterfly allerdings sehr sehr sanft und damit vielen Anwendern zu ungründlich sind. Einfachere Modelle haben dann teilweise sehr bescheidene Qualität, weshalb ich eher abrate.

Das andere Extrem sind die Hobel von Jagger, Joris oder teils auch Mühle, die einen den Merkur ähnlichen Kopf besitzen und deshalb auch sehr gute Rasureigenschaften haben. Man zahlt hier letztlich aber viel Geld für einen schönen Griff, weil die Köpfe teils eben absolut gleich sind. Ob das nötig ist muß jeder selbst entscheiden.


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« Letzte Änderung: 22. Januar 2012, 20:35:45 von hpstr » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #8 am: 09. Oktober 2007, 13:34:31 »

08. Warum haben manche Hobel Zähne/Zinken und manche nicht?

Sicherheitsrasierer heißen so, weil sie die Haut vor der Schneide schützen. Der richtige Abstand wird durch einen Abstandshalter gewahrt, der Gleitkante am unteren Kopfteil. Diese Kante ist meist geschlossen oder aber auch wie ein Kamm mit Zinken versehen. Dann spricht man von einem Bartkamm- oder Zahnkamm-Hobel.
Der Ur-Sicherheitsrasierer für zweischneidige austauschbare Klingen aus Bandstahl wurde fast zeitgleich von King Camp Gillette und dem Romi-Werk in Deutschland herausgebracht. Durchgesetzt hat sich der Gillette. Er hatte einen Kopf mit Zinken. Das lag einfach am zeitgenössischen Geschmack. Man muß bedenken, dass es sich dabei um eine Weiterentwicklung von vorher produzierten Hobeln/Sicherheitsrasierern handelte. Diese hatten rasiermesserartige Klingen eingelegt, die ständig geschärft und abgezogen werden mußten. Vor den Schneiden schützte man sich mit Zinken, die den Abstand zur Haut wahrten. „Den“ Sicherheitsrasierer hat Gillette also nicht erfunden, sondern nur den für austauschbare, zweischneidige Klingen aus Bandstahl. Und die Zinken gibt es heute noch, weil manche Menschen diese mögen und daher solche Hobel kaufen. Mancher sieht darin eine Verbesserung. Ich denke es ist eine reine Geschmackssache.
Angeboten werden sie neu z. B. noch von Merkur,Roedter oder Mühle. Auf Flohmärkten oder im Internetauktionshaus findet man aber sehr viele günstige, teils uralte Zahnkammhobel, so daß man für einen Test nur sehr wenig Geld ausgeben muß.


Drei Fotos von einem Henckels Zwillingswerk - Rapide, mit gewaltigen Zinken und der breiten Keilklinge.






Hier sind einige Zahnkamm - Hobel abgebildet:









« Letzte Änderung: 17. Februar 2010, 10:59:52 von henning » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #9 am: 09. Oktober 2007, 13:36:08 »

09. Was ist mit diesen Hobeln mit einschneidiger Klinge?

Salopp gesagt, fast gar nichts mehr! Hier handelt es sich mehrheitlich um letztlich gescheiterte Systeme.
Sogar Gillette versuchte sich an einem Hobel mit Bandklinge, dem Techmatic. Andere Hersteller waren GEM, Star oder Everready mit den Single-Edge-Klingen. Oder GEM, PAL, Eversharp und andere mit Injektor-Klingen, die es Teils aber bis heute gibt. In den USA gibt es sogar einen recht großen Injector - Hobel, in den man Shavetten - Klingen von Feather oder Kai einschiebt, die als sehr sehr scharf gelten. Der Hobel ist entsprechend teuer.

Daneben gab es, vor allem als Gillette noch die Patentrechte hatte, Unmengen von anderen Systemen oder Klingenformen. Halbkreisförmige, runde, dreieckige Klingen wurden erfunden. Auch elektrisch oder mechanisch vibrierende Hobel. Was sich letztlich weltweit durchsetzte ist ja klar. Der Hobel mit den zweischneidigen Klingen.
Selbst er aber begann ab den 70‘er Jahren zu schwächeln. Als der Zeitgeist nach neuem, modernem Equipment lechzte und in der Folge die Systemrasierer erfunden wurden.
Gilette verkaufte so in den 90‘er Jahren die letzten Hobel, um dann ganz auf Systemrasierer umzuschwenken. Wilkinson verkauft bis heute den Classic-Hobel aus Kunststoff, den man in fast jedem Supermarkt antrifft. Merkur hatte wegen den Systemen seine Krise und konnte wohl nur durch den Zusammenschluß mit der Dovo-Gruppe überleben.

Das gilt allerdings nur für Westeuropa, oder die USA und einige andere Staaten. Denn wie man an Firmen wie Parker (Jagdish), Weishi, Lord, Treet, Kai, Feather und anderen sieht, gab und gibt es im nahen Osten, Asien und Afrika, immer noch Kundschaft. Dort sind die "modernen" Mehrfachklingensysteme einfach unerschwinglich, selbst als Kopien. Deshalb schwört man dort vielfach immer noch auf die Double - Edge - Klinge. Dort verkauft selbst z. B. Gillette noch Hobel, wenn auch aus Kunststoff.


Hier ein Gillette Techmatic (mit einer Klinge, die aus einem Stahlband in einer Kassette besteht), ein EverReady Single Edge und ein GEM Single Edge.






Und drei Injector - Hobel, bei denen die Klinge aus einem Spender seitlich in den Kopf geschoben wird (Injection). Das Prinzip wurde von der Firma Schick (Eversharp) erfunden. Diese Hobel können noch verwendet werden, da man dazu Klingen bekommt. Für die Single Edge Hobel von GEM und EverReady ebenfalls.






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« Letzte Änderung: 22. Januar 2012, 23:36:26 von hpstr » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #10 am: 09. Oktober 2007, 13:45:06 »

10. Was muß ich beim Erwerb gebrauchter Hobel beachten?

Zunächst zählt die Optik. Auf dem Flohmarkt oder beim Trödelhändler, kann man die Dinge in die Hand nehmen und Fehler besser erkennen. Nimm den Hobel auseinander, das muß schon mal leicht vonstatten gehen. Achte nicht auf Dreck, wie Seifenreste oder dergleichen, das kann man abwaschen und drückt höchstens den Preis etwas. Wichtig ist, daß alles massiv und gangbar erscheint. Die Oberflächen sollten frei von groben Chrom- Nickelabplatzern sein. Leichter Abrieb ist eher normal. Ebenso Grünspan an Messing oder Weisrost an Zinkdruckguß. Das ist echte Patina und leicht zu entfernen. Rotrost sollte nicht vorhanden sein. Risse oder abgebrochene Teile sollten nicht toleriert werden, außer leichte Risse in den Griffen von alten Gillettes. Denn das scheint bei denen fast normal zusein. Frage nach Schachteln oder Boxen und sonstigem Zubehör, das oft unter dem Tisch liegt. Schaue, ob es ein Hobel ist, für den man noch Klingen bekommt, oder ob es ein Hobel für Spezialklingen ist. Dann taugt er höchstens zum sammeln.
Auktionen sind hier mit Vorsicht zu genießen. Kein Bieten auf Auktionen ohne Fotos. Vorsicht bei Lots, umfangreichen Keller- oder Speicherfunden. Da versuchen oft professionelle Verkäufer ihren Ramsch auf einen Schlag zu entsorgen. Immer nach mehr und besseren Fotos fragen, wenn die Zeit bis zum Auktionsende reicht. Einwandfreie Funktion per Mail bestätigen lassen. Das gilt besonders für alle verstellbaren Hobel, wobei der Adjustable mit seiner anfälligen Mechanik stärker hinterfragt werden sollte. Sowie der sehr oft defekte Apollo Mikron. Bezahle, wenn möglich, per Paypal. Das bietet für Käufer nur Vorteile und zusätzlichen Schutz wenn etwas schief gehen sollte. Dies gilt insbesondere für Auslandskäufe. In Frankreich ist Paypal z. B. schon viel verbreiteter und wird in fast jeder Auktion als Option geboten. Hobel ohne Markungen oder Bezeichnungen müßen nicht schlechter sein als Markenware. Und selbst die ist nicht immer benannt. Die guten massiven EMIR-Hobel heißen da nicht immer so. Auch Rotbartmodelle liegen oft ohne Markenname da. Da muß man schauen ob er taugt und kann dann aber auch zugreifen.
Auf dem Flohmarkt schiele nicht nach "neuen" Hobeln von wer weiß woher. Der günstigste Preis ist bei der meist miesen Qualität noch zu teuer.




Du siehst, daß die Vielfalt sehr groß ist. Ich verweise hier auch ausdrücklich auf Verkäufe von Mitgliedern in diesem und anderen Foren.

« Letzte Änderung: 23. M?rz 2009, 13:35:38 von henning » Gespeichert
henning
Gast
« Antworten #11 am: 09. Oktober 2007, 13:46:10 »

11. Was muß ich noch beachten?

Der Hobel sollte nach jeder Verwendung ausgespült werden. Dann kann man ihn abtrocknen oder abpusten, ohne die Schneiden zu berühren und trocken lagern. Es empfiehlt sich die Verwendung von zwei Hobeln, damit einer immer durchtrocknen kann. Manche Klingen rosten, was dadurch auch vermindert werden kann.
Verstellbare Hobel sollten ab und an geschmiert werden. Was man dafür hernimmt ist fast Glaubensfrage. Von Vaseline über Silikonöl, WD40 oder Ballistol ist alles möglich und verwendbar. Balistol bindet wohl Wasser und sollte daher eher nicht verwendet werden.
Der Hobel wird mit der Zeit, je nach Wasserhärte auch sofort, eine weißliche Schicht aus Kalk, Seife, Hautfett und anderem ansetzen. Es genügt in der Regel, den Hobel, wie Essbesteck, mit mildem Spülwasser und weicher, langborstiger Bürste zu spülen. In hartnäckigen Fällen, rate ich zu Badreiniger. Solche leicht ätzenden Reiniger, auch Zitronensäure/-saft oder Essig, sollten aber nicht lange auf den Hobeln verbleiben. Sie können Chrom oder Nickel nachhaltig zerstören. Also grundsätzlich nach eine Reinigung gründlichst ausspülen. Wer seinem Hobel den Geschirrspüler zumutet, tut das auf eigene Gefahr. Grundsätzlich abraten möchte ich da nicht, aber bei Plastikteilen am Hobel sollte man Vorsicht walten lassen. Die handelsüblichen Ultraschallreiniger leisten gerade bei den Innereien verstellberer Hobel gute Dienste.
« Letzte Änderung: 17. Februar 2010, 11:08:50 von henning » Gespeichert
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