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Autor Thema: Wie alt ist mein Bengall?  (Gelesen 3387 mal)
Martin L
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« am: 05. Februar 2011, 18:26:32 »

Moin Moin,

habe in der Bucht ein Bengall geschossen und nachdem ich es nun vom Rost befreit habe strahlt es wieder wunderbar.
Jetzt hätte ich natürlich gerne weitere Informationen und hoffe, dass mir jemand helfen kann.

Das Messer kam im wunderschönen alten Etui was irgendwie halb nach Pappe halb nach Leder aussieht. Leider vorne an der Kappe kaputt.

Die Schalen scheinen mir aus Horn zu sein, hab mal ne heiße Nadel rangehalten und es hat nicht irgendwie auffällig gerochen. Auf keinen Fall nach verkohltem Plastik. Gibt es einen bestimmten Geruch den es haben sollte?

Gestempelt ist einfach nur "Bengall Cast Steel" auf der anderen Seite steht nichts. Ich hab im Internet schon mal geguckt und gefunden, dass es auch welche gibt wo noch Cadman mit drauf steht als Familienname.

Kann jemand grob schätzen wie alt es sein dürfte?



Gruß
Martin
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Iltis
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« Antworten #1 am: 05. Februar 2011, 19:17:50 »

Hallo Martin L,
Da hast du ein Messer erworben, das ein ziemlich bewegtes Leben gehabt hat. Der Stempel "Cast Steel" kann man interpretieren grob als "vor ca. 1830"  - in die 1820er Jahre erfand Michael Faraday sogenannter Silberstahl (es kann, muss aber nicht Silber enthalten), und weil "Silver Steel" als "besser" als "Cast Steel" gesehen wurde, hatte es schnell kein Sinn mehr gegeben, mit diese Logo zu werben. Allerdings, der Stahl ist alles was von der Originalproduktion übrig geblieben ist - der Hohlschliff ist später dann gemacht worden. Wieviel später ist schwer zu sagen - der Hohlschliff entwickelte sich kontinuierlich von die 1820er Jahre bis ca. 1870. Sehr viele Messer die in die 1850-60er Jahre datieren haben eine Aufschrift wie "New Hollow Ground", "Full Hollow Ground" oder ähnliches (sie sind, aber alles anderes als was man heute unter Vollhohl versteht - 1/2 Hohl, wenn es hoch kommt). Ich habe das Gefühl (das ich nicht belegen kann) das viele "reground" Messer ihre Behandlung in diese Zeitraum erlitten. Was 20 Jahre früher als technisch schwierig galt, wurde durch industrialisierung auf einmal leicht zu realisieren, und deswegen serienmässig gemacht. Es spricht aber für die Qualität des Messers, das man eine neue Hohlschliff für sich lohnend sah.
Ich glaube nicht, das die Schalen original sind - sie datieren sicherlich zu die "Hohlschliffzeit". Die Nieten finde ich interessant - Stahlköpfe mit Messingstifte habe ich sonst nur einmal gesehen, an ein amerikanischen Messer der ca. 1840-1850 einzuordnen war.
Ich hoffe, das hilft etwas.
Gruß
Iltis
« Letzte Änderung: 08. Februar 2011, 09:29:48 von Iltis » Gespeichert

de gustibus, aut bene aut nihil
Martin L
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« Antworten #2 am: 05. Februar 2011, 19:57:20 »

Hey, das hilft doch schon sehr. Interessant, das zu lesen.

Der Hohlschliff ist auch nicht sehr hohl, also nicht mehr ganz Keil aber auch noch nicht Halbhohl. Würd ich sagen.
Die Nieten haben mich auch überrascht, die waren erst total verrostet aber als ich dann mit Politur drüber gegangen bin, kam unter dem Rost das glänzende Messing zum Vorschein und nach deutlich mehr Politurarbeit kam dann der Stahl.

Ist immer schön, so etwas in den Händen zu halten was schon so viel hinter sich hat. Deutschland gabs da noch nich mal in der Form hehe vielleicht hat Napoleon noch mit seinen Franzosen Deutschland besetzt ;-) (falls es vor 1815 war)

Gruß
Martin
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Lord Vader
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Dunkle Seite der Macht


« Antworten #3 am: 06. Februar 2011, 03:07:22 »

dem geschriebenem von iltis ist nichts mehr hinzuzufügen. das heft ist meines erachtens ebenfalls nicht original, da es von den proportionen her für mein dafürhalten etwas zu groß geraten ist. allerdings sollte das heft auch schon locker mehr als 100 jahre lang den weg der klinge teilen. der hohlschliff scheint mir ebenfalls nachträglich gemacht worden zu sein. wenn es ein cast steel messer ist (kann den stempel an meinem monitor nicht erkennen), dann ist es wirklich alt und der hohlschliff ist auf jedenfall nachträglich gemacht worden...

ich selbst habe zwei bengall cast steel messer in meiner sammlung. eines davon hat einen hohlschliff, das andere ist ein wedge. es war wohl nicht ungewöhnlich, dass einige messer nachträglich gehohlt wurden.
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Martin L
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« Antworten #4 am: 07. Februar 2011, 00:35:22 »

So, heute sind mir beim Schärfen noch ein paar Dinge aufgefallen bzw. wieder aufgefallen. Auf der Schale sind Dinge eingeritzt. Auf der einen Seite leider zu schwach scheint ein Name zu stehen. Was mit R und inn oder im oder m oder was auch immer ;-). Auf der anderen Seite hinten am Keil ne Menge Zahlen 3, 4, 4, 5, 3, 5, 3, 3, 4

Aber da gibts ja diverse Spekulationen wofür die stehen können. Hat sich da mitlerweile was durchgesetzt? Ich bin irgendwie ein wenig aus allen Themen raus seit ich studiere und hier nciht mehr so mitlese. Ich hab nur was im Kopf von Kundennummern beim Barbier.

Gruß
Martin

PS: es hat den Haartest schon sehr nah am Haltepunkt nach dem 3000er geschafft und schafft ihn jetzt spielend :-) also ich freu mich auf morgen ;-)
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UbuRoy
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« Antworten #5 am: 08. Februar 2011, 08:41:09 »

Die Zahlen werden oft von Trödlern/Antiquitätenhändlern eingeritzt. Aber auch bei Barbieren war das früher üblich. Und auch Besitzer haben häufiger Ihre Initialen eingeritzt.

Ich schließe mich der Zeit um 1850 herum für den ersten Nachschliff mit leichter Hohlung an.
Wobei die Vernietung eigentlich nicht soo selten ist.

Aus der Zeit habe ich mehrere Messer mit aus bemaltem Horn, die genau so vernietet sind. Da das Messer ein Nachschliff ist, wäre es m.M. nach auch durchaus möglich, das die Schalen Original sind, da die Klinge älter als 1850 ist und vor dem nachschleifen eine ganze Ecke breiter gewesen sein dürfte, würden die Proportionen zur ursprünglichen Klingenform wieder passen. Die Hornschalen können durchaus aus 1820 oder später datieren.
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strawinski
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« Antworten #6 am: 27. M?rz 2011, 18:52:31 »

meines wissens gabs ne menge bengals
BENGAL (<1932): Voos & Essers KG, Solingen.
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Das Licht kam in die Finsternis. Doch die Finsternis begriff es nicht.
Iltis
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« Antworten #7 am: 28. M?rz 2011, 11:42:59 »

Hallo Strawinski,Eine Quellenangabe von deine Text wäre hilfreich. "Bengal" war eigentlich der eingetragene Markenzeichen von die Sheffielder Firma Cadman & Sons. Ich nehme an, das "<" als "nach" zu interpretieren ist. Man betrachte der angegebene Zeit, und bedenke, das zu diese Zeit im Deutschen Raum einiges  an Gesetzmässigkiet missachtet wurde. Ausser von Cadman habe ich keinen Bengal in der Hand bekommen, und denke, diesen "Raubkopien" dürfen relativ bis sehr selten sein. "Normale" Bengals gibt es dagegen sehr viele, sie wurden zum Beispiel für den britischen Armee wärend beide Weltkriege produziert, zu hunderttausende.
Gruß
Iltis
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Martin L
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« Antworten #8 am: 28. M?rz 2011, 11:54:24 »

Also ich interpretiere das Zeichen eher als vor.

Herstellungsdatum KLEINER (< ) 1932

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Iltis
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« Antworten #9 am: 28. M?rz 2011, 12:19:43 »

So, jetzt habe ich ein Bisschen weiter geforscht: Hier kann man lesen, das Voos & Essers KG in der "Rasierklingen-Code" von 1932 gelistet wurde, und Rasierklingen der Marke "Bengal" hestellte. Also nix mit "ne Menge Bengals"
Gruß
Iltis
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UbuRoy
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« Antworten #10 am: 28. M?rz 2011, 13:01:15 »

Bengall <> Bengal

Dat sind unterschiedliche Hersteller. Haben wohl eher nix miteinander zu tun, es sei denn vielleicht Lizenznehmer. Kann ich aber nicht recht glauben.
« Letzte Änderung: 28. M?rz 2011, 13:06:35 von UbuRoy » Gespeichert
strawinski
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« Antworten #11 am: 29. M?rz 2011, 07:04:21 »

ich muß dazu sagen, das mein katalog nur von 1920 bis in die 30er jahre die messerhersteller angibt...wer interesse hat, dem kann ihn zumailen..sind alle deutschen messerzeichen mit herstellern meist aus solingen drin...(Fast alle) zur bewertung der namen etc. sehr gut
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strawinski
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« Antworten #12 am: 29. M?rz 2011, 09:44:46 »

so, ich habe mal eine datei erstellt, wo einige pdfs drin sind, die schon ne menge infos haben.
also
http://www.vermögensschadenhaftpflicht.biz/1/media/dokumente/Gesamtlisten.rar
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strawinski
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« Antworten #13 am: 16. April 2011, 12:48:30 »

eigentlich TR Cadmann...ich glaub ich hab auch eines....muß mal kramen
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Lord Vader
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Dunkle Seite der Macht


« Antworten #14 am: 16. April 2011, 15:22:39 »

"Normale" Bengals gibt es dagegen sehr viele, sie wurden zum Beispiel für den britischen Armee wärend beide Weltkriege produziert, zu hunderttausende.
Gruß
Iltis

das war mir bisher auch neu. kann jedoch nur sagen, dass die bengallen zwar zumeist sehr schlichte, aber gleichzeitig auch sehr gute messer sind. ich verwende meine jedenfalls sehr gerne.
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