gut-rasiert
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News: Achtung: Rasiermesser Sammlung gestohlen


 
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Autor Thema: Info: Diamantspray / Diamantpasten  (Gelesen 28204 mal)
lesslemming
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« am: 02. September 2010, 12:36:03 »



Zuerst möchte ich Klaus ganz herzlich in unserem Forum begrüßen.

Ich habe schon vorher oft mit Klaus über seine Diamantpasten und Sprays gefachsimpelt und habe diese ja auch schon öfter empfohlen.
Hier möchte ich nochmal konzentriert meinen Senf abgeben und einige kleine Basteltipps für diejenigen die es noch nicht mitbekommen haben, hinterlassen.


Die Diamantpasten von Klaus gibt es in zwei (für uns relevante) unterschiedlichen Formen:

Als echte Paste, oder als Spray.

Die Körnungen die dabei für uns von größtem Interesse sind, sind 28.000 (ca 1µm), 60.000 (ca 0.5µ) und für die Verrückten die 100.000.
Der Grund liegt darin, dass diese Körnungen für das Finish eines Rasiermessers geeignet sind.
Wer sich auch mit anderen Messern beschäftigt, wie z.B. Kochmesser, der sollte sich unbedingt auch bei den etwas gröberen Körnungen,
wie z.B. etwas um die 3µm, umsehen.





Aber ich will nichts vorwegnehmen. Fangen wir vorne an: Was macht man mit den Diamantpasten?


Die Diamantpasten und Sprays enthalten feine Diamantpartikel, welche eine hauchfeine, abtragende Wirkung haben.
Dabei hinterlassen die drei o.g. Körnungen aber keine Kratzer mehr, sondern eine mikroskopfeine Spiegelpolitur.
Die Diamantpartikel haben eine extrem hohe Lebensdauer und müssen nicht in festgelegten Abständen erneuert werden.
Meine Faustregel lautet: Wenn der Riemen schon richtig schön schwarz vom Abtrag ist, sollte man ihn erneuern.






Ich habe mir bei den Amerikanern eine Abziehvariante abgeschaut, die super einfach herzustellen und echt kostengünstig ist.
Man nehme:






  • 1x handliches Vierkant aus billigem Holz, in 3-4 handliche Stücke geschnitten ergeben 3-4 Riemen. Kosten ca 4€/~1€ pro Riemen
  • 1x handelsübliches Filz, oder Bastelfilz aus dem Baumarkt oder Bastelladen. Kosten ca. 1€ pro Blatt (= mehrere Riemen)
  • 1x doppelseitiges Klebeband
  • 1x diamantpaste oder spray der Wahl



Die Zutaten kaufe ich, abgesehen vom Diamantspray Zwinkernd, allesamt im örtlichen Baumarkt. Das lange vierkant lasse ich vor Ort in kleinere Stücke sägen.
Zu Hause schmirgele ich die Seiten und die Kanten des Holzes mit 400er Sandpapier glatt um ein besseres Handgefühl zu erzeugen.
Das ist aber reine Fleißarbeit und kein Muss. Hier eröffnen sich tolle Designmöglichkeiten aus teuren Hölzern oder Beizmethoden, für denjenigen der will.

Auf das fertige Holz klebe ich einen Streifen doppelseitiges Klebeband und lege das Filz darauf. Im Prinzip ist der Streichriemen damit fertig und kann behandelt werden.
Hier müsst ihr nun je nach der Wahl des Trägermediums für die Diamantpartikel unterschiedlich vorgehen:

Habt ihr eine Paste gewählt tragt winzige Tropfen auf das Filz auf und reibt diese mit den Fingern sanft ein. Wer will kann dabei Latexhandschuhe anziehen.
Ich persönlich finde dass bei den Pasten die Dosierung am schwierigsten ist. Zieht ein Kochmesser ordentlich auf dem Filz ab, um die Pastenreste gut zu verteilen.

Habt ihr ein Spray gewählt, schüttelt dieses Exzessiv vor dem Gebrauch. Ihr wollt dass alle Partikel gleichmäßig verteilt sind.
Schätzt den Sprühwinkel ein und drückt ab. Ein bis maximal zwei Spritzer pro Stelle sollten ausreichen.
Für den oben gezeigten, größeren, weißen Riemen habe ich insgesamt vielleicht 4 oder 5 Spritzer gebraucht.
Zur Erinnerung: Die Diamantpasten und Sprays sind wirklich effektiv. Ihr könnt es euch leisten sparsam damit zu sein!
Wartet bis der Alkohol verflogen ist und zieht ein Kochmesser oä auf dem Riemen ab um ihn einzuarbeiten.

Euer behandelter Pastenriemen ist jetzt fertig.





Zur Wahl der richtigen Körnung




Eine Auswahl an 3 verschiedenen Diamantriemen, v.l.n.r: 3µm auf Leder, 1µm auf weißem Filz, 0.5µm auf grauem Filz

Nach meiner Erfahrung eignen sich für das Finish eines Rasiermessers die Körnungen ~1µm und ~0.5µm ganz hervorragend.
Die (konkret) #28.000 ist ein echtes Arbeitstier. Ich habe meine extra auf ein weißes Filz aufgetragen, um den Abtrag deutlich sehen zu können.
Der Riemen ist seit einigen Monaten in Gebraucht.


man sieht schon ordentlichen Abrieb

Die 1µm Diamantpaste wird im Verhoeven als hervorragende Abziehpaste/Körnung bezeichnet (Verhoeven, John: Experiments on Knife Sharpening, Ames 2004),
da sie effektiv genug ist um kleine Fehler zu korrigieren.  Unter dem Mikroskop erkennt man tatsächlich eine starke Redunktion von
mikro-ausbrüchen und zähnchen groberer Steine. Im Klartext heißt das: war die Technik beim Schärfen auf den Steinen nur "gut",
kann man mit dieser Paste kleine Fehler kaschieren. Meine Theorie ist, dass das Filz beim Kontakt mit dem Messer stark nachgiebt.
Die Partikel haften auf keinem festen Untergrund, sondern auf flexiblen Fasern.
Dadurch wird ein sehr feiner Bogenradius auf der Schneide erzeugt (Apfelsamenförmige Schneide).
Etwaiger Grat oder Zähnchen werden dabei weitgehend entfernt und die resultierende Schneide ist unter dem Mikroskop glatt.
Die Politur ist (bei entsprechender Vorpolitur) makellos!

Die Rasur von einer 1µm Diamantpaste ist tadellos.

Man sollte es allerdings nicht übertreiben mit der Anzahl an Zügen auf dieser Paste,
da sie wie erwähnt extrem effektiv ist.


Die 0,5µm Diapaste (hier #60.000) erbringt ein kaum sichtbar besseres Ergebnis.
Hier gelange ich definitiv an die Grenzen meines Mikroskops. Auch diese Paste ist noch sehr effektiv,
ähnlich schnell wie ein hochkonzentriertes Chromiumoxid. Wenige Züge müssen ausreichen, sonst ist die Schneide murks gewesen.
Der Haartest wird bombastisch und die Rasur "as good as it gets".



Der richtige Untergrund



Es ist natürlich keine Pflicht die Diamantpasten auf Filz aufzutragen. Sie eignen sich auch für Leder.
Allerdings habe ich den subjektiven Eindruck, dass für das Finish Filz besser geeignet ist.

Hier habe ich (für meine Kochmesser) eine 3µm Diamantpaste auf Leder aufgetragen.
Funktioniert blendend und der Abrieb ist nach wenigen Monaten deutlich erkennbar


Eine Leinenrückseite eines Hängeriemens eignet sich genausogut.



Im Allgemeinen erzeugen diese Diamantpasten mit der Filzmethode eine extrem sanfte Rasur.
Die Pasten sind schnell, effektiv und einfach zu applizieren.
Viel einfacher und schneller, als Acrylfarben mit Chromoxid und ewiger Trocknungszeit


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kretzsche
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« Antworten #1 am: 02. September 2010, 12:53:22 »

Danke für Deine gute Anleitung, Ist das Diamant-Spray mit irgendwelchem Haftmittel (Kleber) versehen, oder bleiben nach dem Abtrocknen reiner Diamantstaub auf dem Filz zurück?

cu Uwe
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lesslemming
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« Antworten #2 am: 02. September 2010, 12:59:01 »

Hallo Uwe, das ist eine gute Frage! Genau werde ich sie dir nicht beantworten können,
aber ich bin mir sicher dass neben leichtflüchtigen Lösungsmitteln keine Haftvermittler oä vorhanden sind.
Ich gehe davon aus, dass die Diamantpartikel von sich aus genug Haftvermögen (Adhäsion) aufweisen.
Immerhin reden wir von mikrofeinen Partikeln mit einem kaum bezifferbaren Eigengewicht.
So ähnlich wie Staub (der deutlich gröber und schwerer ist) an einer Oberfläche haften bleibt, bleiben diese Partikel auch an Oberflächen haften

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harrykoeln
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Können diese Augen lügen?


« Antworten #3 am: 02. September 2010, 13:55:56 »

Hallo Uwe, das ist eine gute Frage! Genau werde ich sie dir nicht beantworten können,
aber ich bin mir sicher dass neben leichtflüchtigen Lösungsmitteln keine Haftvermittler oä vorhanden sind.
Ich gehe davon aus, dass die Diamantpartikel von sich aus genug Haftvermögen (Adhäsion) aufweisen.
Immerhin reden wir von mikrofeinen Partikeln mit einem kaum bezifferbaren Eigengewicht.
So ähnlich wie Staub (der deutlich gröber und schwerer ist) an einer Oberfläche haften bleibt, bleiben diese Partikel auch an Oberflächen haften

Genau so sehe ich das auch. Genau wie Staub sich im Laufe der Zeit zu diesen Wollmäusen zusammenballt, so verhaken sich die Diamantsplitter in der Filzstruktur oder den anderen Oberflächen.
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« Antworten #4 am: 02. September 2010, 14:21:28 »

Erstmal vielen Dank zu dem freundlichen Empfang  Zwinkernd

Diamanten und Kohäsionskräfte (bzw Kleber): Ein Kleberzusatz ist überhaupt nicht notwendig, da, je kleiner die Diamanten sind, umso größer ihre Kohäsionskraft wird und damit auch die Adhäsion.  Das ist auch der Grund, warum die Herstellung von Sprays ab 0,5 µ gar nicht so einfach ist. Es reicht nicht, bloß Diamanten und Alkohol (in dem Fall Isopropanol) zusammenzuschütten, dadurch zerfallen die angelieferten Diamantkonglomerate, die mit freiem Auge sichtbar sind, sicher nicht. Der Diamantpulvererzeuger rät, einen Ultraschallrührer zu verwenden, den habe ich nicht, bekomm sie aber mit einem Trick doch auseinander.

Für meine Zwecke verwende ich eine Plastikscheibe, auf die Leinen aufgezogen wird, welches mit Moosgummi unterlegt ist, dadurch bekomme ich die nötige "Weichheit", die ich für die Edelsteinpoliererei brauche.  Allerdings sprühe ich nicht nur ein paar Pumpstöße aus dem Spray aufs Leinen, sondern dieses wird richtiggehend mit der Diamantsuspension imprägniert, bis es wirklich durch und durch nass ist. Dann trockne ich mit einem Föhn und wiederhole den Vorgang bei Bedarf, auch öfter. Dadurch bekommt man de fakto eine diamantimprägnierte Leinenscheibe.

Die Pasten hingegen werden tatsächlich mit einer Flüssigkeit versetzt, die ein wenig klebt. Hier stellte sich das Problem, Pasten zu entwickeln, die für den Dremel geeignet sind und nicht sofort abhauen, wenn sich der, zB Filzpolierer in Bewegung setzt. Ich glaube zwar, dass auch in diesem Fall der Einsatz des Sprays besser wäre, aber Edelsteinpolierer sind etwas rückständig  Zunge.   
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kriklkrakl
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« Antworten #5 am: 02. September 2010, 14:28:27 »

Anstatt Filz müssten doch auch Moosgummiplatten funktionieren?

Im Messerforum wetzen die damit ihre Microfasen auf die Schneide,
das Moosgummi hat ne gute Elastizität und ist plan.
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« Antworten #6 am: 02. September 2010, 14:31:24 »

Hast Du eine Bezugsquelle für Moosgummi?
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kretzsche
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« Antworten #7 am: 02. September 2010, 14:33:42 »

Jeder Handarbeitsladen hat das Zeug in verschiedenen Dicken und Farben.
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lesslemming
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« Antworten #8 am: 02. September 2010, 14:34:54 »

Moosgummi habe ich auch schon erfolgreich verwendet!
Es eignet sich die Rückseite eines Mousepad, oder eben Moosgummi aus dem Bastelladen oder dem gut sortierten Baumarkt mit Baselecke
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« Antworten #9 am: 02. September 2010, 14:35:01 »

ja, im Bastelmärkten liegt das Zeug stapelweise rum,
Format A3 /etwa 3mm Dicke für 2,60€
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« Antworten #10 am: 02. September 2010, 15:08:04 »

Vielen Dank!
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Iltis
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« Antworten #11 am: 02. September 2010, 18:04:40 »

Auf jeden Fall interessant - was ist der Vorteil von Diamantpaste über die üblichen Pasten? ich persönlich bevorziehe Eisenoxid (Polierrot) über Chromoxid (Durasol grün), weil es weniger aggressiv ist, und ich mehr Gefühl habe.
Andere Frage: nach welchen System sind die Kornungen angegeben? Nach meine Kentnisse müssten Körnungen in die -zigtausendordnungen viel feiner sein, egal ob jis oder FEPA.
Gruß
Iltis
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« Antworten #12 am: 02. September 2010, 18:19:58 »

Ich glaube ich muss morgen mal zum Baumarkt
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kriklkrakl
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« Antworten #13 am: 02. September 2010, 18:26:34 »

.. und vergiss nicht die Ventil-polierpaste aus der Autowerkstatt, die soll auch gut sein zum abtragen.
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lesslemming
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« Antworten #14 am: 02. September 2010, 18:28:02 »

Hallo Iltis,

die Körnungsangaben (das hatten wir doch schon oft) sind wirr und unglaublig vielfältig. Es gibt weit mehr als JIS und FEPA.
Diamantschleifkörper werden meist in MESH angegeben. Mesh ist eigentlich eine Angabe darauf, wieviele "löcher" das Sieb haben müsste, um Partikel so fein wie z.B. Mesh 60.000 zu sieben.
So habe ich das zumindest mal gelesen. Ich habe Klaus extra gebeten die korrekten Mikrometer-Bereiche mit anzugeben, damit die Sache für uns vergleichbar wird.
Ich versuche mich einfach gar nicht von den Mesh/Grit angaben irritieren zu lassen.

Ein Vergleich von Pasten ist nicht einfach. Ich finde dass die Sprays praktischer sind, als alles andere was ich bisher benutzt habe.
Keine Trocknungszeiten und kein Anschleifen, wie bei Akrylfarbe etc.
Natürlich benutze ich nebenher noch Chromoxid (als Pigment in Öl gelöst) und Eisenoxid, sowie Dovo Grün.
(Auto und Chrompolituren kommen bei mir nicht ans Messer. Da habe ich weder kontrolle über die Art, noch die Feinheit des Kornes.)
Je nach Lust und Laune. Für mich ist das ein bisschen so wie ultra teure Finisher. Ich habe nie genug davon.
Nur das Pasten deutlich günstiger sind  Afro
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