Meine neuste Errungenschaft ist KAI, ein Hobel ohne Seifenspalt, ein Rasierer mit System, also ein Systemrasierer? Die Klingenauswahl ist beschränkt, die Klingen nicht ganz günstig. Eigentlich alles Kriterien, die mich vor Jahren dazu bewogen haben auf Hobel umzusteigen.
Doch im Gegensatz zum Klingenwettrüsten der Konzerne, führt der KAI nur eine (SE) Klinge und die, ein weiterer Unterschied zu seinen System-Kollegen, ist so richtig scharf. Entweder mild und scharf wie eine Personna (blau) oder oder scharf und aggressiv wie eine Feather (Farbcode rot, vermutlich wie Blut). Das macht ihn ungemein sympathisch. Er ist gut verarbeitet und liegt satt in der Hand. Das Handling ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber und das ist das schlagende, alles überragende Argument, KAI macht Spass!
Bei der ersten Rasur fällt auf, dass der Zugang der Klinge zur Haut im Vergleich zum klappbaren Rasiermesser etwas eingeschränkt ist. Die Klinge wird zwischen Daumen und Zeigefinger geführt, die restlichen Finger liegen am Griff an. Bezogen auf den Anstellwinkel ist das System etwas kippelig, denn es entfällt die Abstützung über das Heft wie beim Messer. Bei manchen Positionen streift man mit den Fingern den Schaum. Trotzdem steht nach den ersten 5 Rasuren fest, KAI bringt sich in meiner Gunst ganz vorne. Selbst die "mild"e Klinge ist bei weitem schärfer als das schärfste Messer im Stall. Harte Stoppeln haben kaum Widerstand entgegenzusetzen. Die Devise keinen Druck auszuüben, vom Hobel her noch wohl bekannt, bei den Messerrasuren eigentlich wieder vergessen, gilt wieder! Das Ding ist rattenscharf, aber nur so lange blutrünstig, bis die Motorik angepasst ist. Danach sorgt KAI für Entspannung, denn es gibt keine kitzligen Stellen mehr, kein Verhaken. Die Zuggeschwindigkeit kann deutlich gesenkt werden, die Züge selbst werden bewusster und dadurch exakter geführt.
Mann rasiert sich einfach relaxter, weil der Rasierer alles mit spielerischer Leichtigkeit schafft. Gegen den Strich sorgt für Superglätte und spürbare Nachhaltigkeit, die allerdings durch einen leichten Rasurbrand erkauft wird. Mit keiner anderen Klinge wird einem der Zusammenhang zwischen der (bewusst in Kauf genommenen) Tiefe der Hautverletzung, der Nachhaltigkeit der Rasur und dem Grad des Rasurbrandes so offensichtlich.
Klar ist eine blanke Klinge "schöner". KAI macht Spass, weil er das Gefühl eines Präzisionsinstruments vermittelt.

P.S.: Er ist natürlich kein Systemrasierer, weil er keinen Systemkopf sondern nur eine Klinge besitzt.