Drei Steine zum Schärf Nirwa(h)na
Hier einfach als Nr. 1, 2 und drei bezeichnet. Zum Vergleich jeweils oben mein Awaseto.
Um diesen Beitrag besser zu verstehen, sollte man vielleicht erst in folgendem Thread lesen, wo sich auch noch bessere Bilder von den Steinen finden.
http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,1759.0.htmlSeit etwa Mitte 2008 weiß ich, dass ich mich nur mit stumpfen Messern rasiere, und dass auch die Kollegen viel Wohlwollen aufbringen müssen, wenn Sie Ihre Gesichtshaut mit von mir erworbenen bzw. gestumpften Messern malträtieren. Mir fehlten einfach die richtigen Schärfsteine.
Das sollte jetzt anders werden. Denn just die fehlenden Wahnsinnssteine, die so lange für diesen unerträglichen Zustand verantwortlich waren, standen kürzlich zum Erwerb. Schnell, bevor es ein Anderer tun konnte, meldete ich meinen Kaufwillen an, bat noch kurz um eine Erklärung, warum denn die Steine, die einzig den Weg zur ultimnativen Schärfe darstellen, nun verkauft werden sollten. Die Antwort wollte ich vermutlich gar nicht verstehen, denn die Gier nach diesen Steinen war einfach zu groß. Jedenfalls hätten alle Alarmglocken läuten müssen, da als Erklärung eine, für derart scharfe Messer, viel zu empfindliche Haut genannt wurde. Auch war mir der Text in der ursprünglichen Beschreibung nicht mehr so geläufig, denn sonst wäre mir sicherlich eine gewisse Diskrepanz zwischen
"Der Ansatz bei der Rasur ist butterweich, das Messer fährt durch die Stoppeln wie das Messer durch warme Butter, eine grandiose Rasur ist das Ergebnis. , und der vorgenannten Aussage aufgefallen.
Wie dem auch sei, ich ging davon aus, dass sich nun endlich die Tür zum absoluten Schärfe Nirwana auftun würde, und so begann ich voller Hoffnung, einige meiner Messer zu schärfen.
Es waren zunächst ein 5/8 Puma Silber, welches ich schon seit geraumer Zeit benutze und wie all meine Messer eben stumpf war, und das an anderer Stelle beschrieben Korff & Hornsberg, welches sowieso noch abgezogen werden mußte. Zur Beobachtung meiner Tätigkeit diente mir eine 20 fach vergrößernde Lupe.
Da beide Messer keinerlei Macken an der Schneide hatten, begann ich zunächst mit dem Puma auf dem GBB. Schnell war die ehemals spiegelblanke Schneide mit den Schärfriefen des GBB überzogen. Daraufhin hatte ich die Mitte der Klinge mit einem Filzschreiber markiert und dann die vordere Hälfte mit dem Stein Nr. 1 geschliffen. Eigentlich heißt er „Narutaki“ aber wer weiß das schon? Es ist jedenfalls ein richtiger Brocken von ca 3 cm Stärke und auch üppiger Breite und Länge. Würde man täglich 8 Stunden lang Rasiermesser schärfen, so dürfte dieser Stein für etwa 10 Generationen reichen.
Der Stein fühlt sich sehr gut an. Er ist vergleichsweise weich, irgendwo zwischen meinem geliebten AOTO und dem GBB. Er arbeitet auch sehr gut, was ich zu diesem Zeitpunkt aber erst mal nur nach Gefühl beurteilen konnte, denn die Feinheit unterscheidet sich nur marginal vom GBB, so dass sich kaum optische Unterschiede auf der Facette zeigten. Ich würde sagen, der Japaner ist einen Tick feiner.
Nun schliff ich die Klinge durchgehend, bis ich ein einheitliches Schliffbild erzeugt hatte, markierte wiederum die Mitte der Klinge und verfuhr mit dem Stein Nr. 2, in Fachkreisen auch „Narutaki Honyama“ genannt, genau wie vor.
Dieser Stein ist minimal kleiner als die Nr. 1. insbesondere die Nutzschicht ist nur knapp 2 cm dick, was dann wohl nur für 6 Generationen reichen wird. Nachdem ich die Sohle des Steins, die aus einer anderen Gesteinsschicht besteht und derart zerklüftet war, dass ein sauberer, wackelfreier Stand nicht möglich war , abgesehen davon, dass der Stein auch derart schief stand, dass Wasser oder Schleifschlamm sofort von der Oberfläche weglaufen wollte. Der Stein sollte ja eine Körnung von 15.000 haben und so stellte ich mich auf eine lange Scheifperiode ein. Angerieben mit meinem schwarzen Nagura begann ich die Prozedur. Der Stein ist wesentlich härter als sein Vorgänger, trifft in dieser Beziehung also nicht so sehr meine Vorlieben, was aber nichts heißen soll. Nach etwa 10 minütigem Schärfen (mein Rhythmus ist etwa 2 Schübe pro Sekunde, also hin und her , änderte sich eigentlich nichts nenneswertes auf der Facette. Ich dachte, dass der Sprung von ca. 5000 auf 15.000 ja auch etwas happig sei, und legte zwei Zwischenschritte mit meinem Awaseto und dann noch mit meinem normalen Finisher, einem schnöden Naniwa 10.000er aus der ordinären Super Stone Serie. Ratz fatz war eine spiegelblanke Schneide erzeugt, und der Haartest funktionierte auch einwandfrei, sowohl mit als auch gegen den Strich. Alles Lug und Trug natürlich, in Wirklichkeit war das Messer stumpf. Die wahre Schärfe war ja jetzt erst vorbereitet.
Also wieder auf die Nr, 2 und bereits nach etwa 5 Minuten zeigte sich ein eindeutiges Ergebnis. Die Schneide wies wieder Schleifriefen auf, und zwar solche, wie ich glaubte, die denen der Nr. 1 sehr ähnlich waren. Auch ein Haartest war nun nur noch an wenigen Stellen unmittelbar am Haltepunkt mit sägender Bewegung möglich.

Nachdem ich die Mitte der Klinge wieder markiert hatte, ging es nochmal zurück auf die Nr. 1 und ich stellte fest, dass die Nr. 2 um geschätzte 1000 bis 2000 Körnchen feiner ist als die Nr.1, nach einem weiteren Kontrollgang mit dem Awaseto also ca 7- 8.000.
Nun denn, es ging ja sowieso nicht um diese beiden Steine, sondern um den Überschärfewahnsinshypermystischen „Nakayama Maruichi Maruka mit Nihon Kamisori-Stempel sowie Nashiji-Aussehen“. Die Körnung soll 40.000 betragen, wenn auch der Verkäufer diese Aussage letztlich revidiert hatte. Aber selbst wenn der Stein nur halb so fein ist, wäre er immer noch doppelt so fein wie mein Naniwa.
Mit Letzterem schuf ich zunächst wieder eine durchgehend spiegelblanke Facette mit allen Eigenschaften einer stumpfen Klinge wie Haartest in jeder Lebenslage etc. um mich dann mit aller Demut dem „Nakyama Mari.......“ hinzugeben. Da ich aus der ursprünglichen Beschreibung wußte, dass man viele bis sehr viele Schübe braucht, bis sich die erhoffte Wirkung einstellt, habe ich lange darauf verzichtet mit der Lupe nachzuschauen oder irgendwelche anderen Tests durchzuführen. Lediglich, als mir der Verschleiß des Tapes am Rücken (ich klebe ja immer den Rücken ab) zu groß wurde, Habe ich dieses einmal erneuert. Grit 40.000 und Verschleiß des Tapes? Seltsam, aber was solls?.
Nach geraumer Zeit habe ich dann doch mal nachgeschaut, ob sich da irgendwas geändert hätte. Vielleicht noch spiegelglatterer oder spiegelgattestens oder so.
Aber ach, oh weh. Was war denn das? Plötzlich hatte ich wieder Schleifriefen auf der Facette. Wo kamen die denn her? Und noch dazu so deutliche. Egal, die paar Riefen sind bestimmt im Preis mit drin gewesen, und außerdem geht es doch um Schärfe und nicht um Riefen. Also zum Haartest. Jetzt würden die Haare bestimmt nur so fliegen. Leider funktionierte dieser Test auch nicht. Nicht ein klitzekleines Bischen und an keiner Stelle der Klinge.
Bestimmt hatte ich irgendwas falsch gemacht und deshalb begann ich die ganze Prozedur noch einmal mit dem Korff & Hornsberg. Um es kurz zu machen: Das Ergebnis war das gleiche.
Ich war nun erst einmal bedient und zog mich enttäuscht aus meiner Schärfgruft zurück, ja in meiner Verzweiflung stellte ich die Steine sogleich wieder in den Mitgliederhandel. Gleichwohl überlegte ich, was ich wohl falsch gemacht hatte. Mir fiel nichts Konkretes dazu ein, aber ich wollte einen neuen Versuch unternehmen, mir viel Zeit lassen, vorher meditieren und auch den heiligen Fujijama Karate um Fengh Shui bitten. Der Ostermontag schien mir für dieses Vorhaben ideal und so verbrachte ich an diesem Nachmittag fast 3 Stunden mit diesen Steinen und diesmal mit einem „Gilbert Bros.“ aus Sheffield. Es war ein Frameback Style, also eine eher derbe Klinge. Ich wollte vermeiden durch evtl. zuviel Druck beim Schärfen und damit verbundener Durchbiegung bei vollhohlen Klingen das Resultat zu vermasseln. Diese Klinge schließt so etwas aus, wenngleich ich mir normalerweise einbilde, auch die allerhohlsten Klingen vernünftig führen zu können. Egal, ich wollte auf Nr. Sicher gehen.
Es war eine herrliche alte Klinge, sehr gut erhalten, vermutlich noch nie auf dem Stein, und somit konnte ich gleich mit dem 2000er AOTO beginnen, eine brauchbare Facette aufzubauen. Wie gehabt, kein Problem. Danach nahm ich anstelle des sonst üblichen GBB den Stein NR. 1 und Dieser verrichtete seine Arbeit auch ausgezeichnet und ich dachte noch, dass der sein Geld allemal wert ist, schon allein, weil er mindestens dreimal soviel Nutzdicke bietet, als mein großer GBB Bankstein, der ja immerhin auch über 160,- €
kostet.
Danach folgte Stein Nr. 2. Diesmal schob ich wirklich extrem lange, und zwar so lange, dass ich 3Mal neu getaped hatte. Wahnsinn! Normalerweise brauche ich bei Steinen jenseits des AOTO maximal 1 Tape wenn die Klinge in Ordnung ist. Aber ich wollte diesmal sicher gehen, dass sich auf der Facette auch keine Riefen von Nr. 1 wiederfinden. Ich machte danach sogar noch einen Kontrollgang mit meinem Awaseto um auch die Feinheit der von mir vermuteten Körnung zu überprüfen. Ich fand meine Meinung bestätigt. Die Körnung der Nr. 2 liegt in etwa gleich mit dem Asaweto. Nun war ein schleppender Haartest möglich, was mich aber normalerweise hier noch gar nicht interessiert. Ich machte einen weiteren Durchgang auf meinem Naniwa SS 10.000 und bekam schnell eine wunderschöne Facette, und ich konnte mich auch an einem Haartest erfreuen wie ich es von derben Klingen gewohnt war, nämlich noch ein wenig besser als bei hohlgeschliffenen Klingen.
Und jetzt die Kür. Zwar bin ich hier von der reinen Lehre abgewichen, indem ich einen synthetischen Stein zwischen der Nr. 2 und dem Wunderstein geschoben habe, aber es kann ja wohl kein Fehler sein, einen defintiv feineren Stein als die Nr. 2 als vorletztes zu bvenutzen. Nach ausgiebigem Hin und her Schaukeln der Klinge, lächelnde Klingen muß ja in einer Art Schaukelbewegung über die Steine führen, und mehrmaligem optischen Überprüfen usw usw, was soll ich sagen, das Ergebnis war nicht viel besser als bei den ersten Versuchen. Also das Messer wieder über den Naniwa geschoben, fertig geledert, mich sehr ordentlich damit Rasiert und mich dann ebenso ordentlich über die fehlende Affenbarung geärgert. Dann habe ich die Steine wieder aus dem MH entfernt, denn um mich dort nicht in längeren Beschreibungen zu ergehen, hatte ich einfach die ursprüngliche Beschreibung des Vorbesitzers verlinkt. Damit hatte ich aber diese Produktbeschreibung zu meiner eigenen gemacht, und das wäre dann aus meiner Sicht nicht vertretbar gewesen.
Aber einen eigenen Testbericht zu diesen Steinen wollte ich schon noch schreiben.
Und während ich diesen Beitrag zu etwa ¾ fertig hatte, kam mir der Gedanke, dass das doch teilweise recht starker Tobak ist, zumal der Vorbesitzer doch ein recht angesehenes Forumsmitglied ist, und ich beschloß noch einen weiteren letzten Versuch zu starten. Ich wählte sogar ein Messer, welches ich seit Jahren junfräulich und originalverpackt bei meinen Sammelmessern gelagert hatte, ein wunderschönes Wacker „Jahrgangs Messer 2008“ mit Knochenheft. Hier wußte ich zumindest, was mich materialmäßig erwarten würde und was erfahrungsgemäß zu erreichen wäre, nämlich ein Rasiermesser, welches über jeden Zweifel erhaben ist.
Als erstes habe ich das Messer nur mal kurz geledert und fand das bestätigt, was ich bei den Wacker Messern auch gewohnt bin, nämlich, dass es eigentlich gar nicht geschärft werden müßte. Es kostete mich auch reichlich Überwindung trotzdem eine Schärfprozedur mit dieser Klinge zu beginnen.
Ich wollte jetzt auch alle Fehlermöglichkeiten ausschließen und hatte den Stein Nr. 2 mit meinem 8.000er Naniwa abgerichtet und den Wunderstein mit dem 10.000er.
Ich begann die Klinge mit abgeklebtem Rücken gleich über die Nr. 2 zu schieben. Diemal kam mir der Stein auch nicht mehr ganz so hart vor, wie bei den ersten Versuchen. Bei der optischen Kontrolle ergab sich aber, dass die Facette doch neu gebildet werden mußte, weil sich ja durch das Abkleben ein etwas stumpferer Winkel ergab, und somit ging ich noch einen Schritt zurück auf die Nr. 1
In der Folge lernte ich diese beiden Steine noch mehr schätzen, und mein Groll legte sich etwas. Auch hatte ich die Schlagzahl meiner Schübe reduziert um mir meines Tuns auch immer schön bewußt zu sein. Das Ergebnis war auch nicht schlecht, ja sogar einen Tick besser als bei den vorhergehenden Versuchen. Sollte etwa....? Also weiter auf die Nr. 3
Jetzt schob ich noch etwas langsamer, jeden Schub fast genießend. Nach etwa 10 Minuten dann die erste optische Kontrolle. Die Facette war zwar nicht spiegelblank, aber sie sah doch sehr vielversprechend aus. Ich zog ein weiteres Haar aus der Haarbürste meiner Frau und konnte auch tatsächlich einen recht zufriedenstellenden Haartest durchführen. Natürlich hatte das noch immer nichts mit der prophezeiten Wunderschärfe zu tun, aber es ließ hoffen. Ich gönnte der Klinge noch 20 (zwanzig) weitere meditative Minuten auf dem „Nakayama Maruichi Maruka mit Nihon Kamisori-Stempel sowie Nashiji-Aussehen“, um festzstellen, dass sich optisch nichts an der Schneide verändert hatte. Ich zog ein weiteres Haar aus der Bürste, denn das Letzte hatte ich vor lauter Begeisterung in kleinste Teile zerlegt, und erwartete nun den heiß ersehnten Haartest. Tja, schade eigentlich, denn der funktionierte nämlich eigentlich überhaupt nicht mehr.?!? Nun ja, diesmal hatte ich auch ein ausgesprochen dünnes Haar erwischt, und um ehrlich zu sein klappte es schon kurz hinter dem Haltepunkt, bei Haarwurzel außen.
Frustriert und müde, es war mittlerweile 0.30 Uhr schob ich das Messer dann wie gewohnt über den 10.000er Naniwa, lederte es ausgiebig, schnitt das zuletzt versuchte Haar in tausend Stücke und ging zu Bett. Alles in Allem hatte ich ein Messer entjungfert, es mindestens eine Stunde über die Steine geschoben, nur um es in einen Zustand zu versetzen, in dem es auch vorher schon war.
Fazit:
Ich werde die Steine wieder verkaufen. Die Nr. 1 u.2 etwas schweren Herzens, denn die Beiden sind wirklich hervorragende Steine. Dummerweise spielen die aber in der Güteklasse, in der ich mehr als ausreichend bestückt bin, und es macht nun wirklich keinen Sinn, sich da noch mehr Steine zuzulegen.
Die Nr. 3 ...... keine Ahnung wozu der gut ist. Wenn es gut läuft, kann man Ihn durchaus als Finisher benutzen. Vor allem, wenn man das Thema von der meditativen Seite aus angehen möchte. Ich selbst bin da eher praktisch veranlagt und bevorzuge die Mittel, die mir kalkulierbare und reproduzierbare Ergebnisse mit überschaubarem Zeitaufwand liefern.
Was ich übrigens noch nicht versucht habe ist, während des Schleifens ein Räucherstäbchen anzuzünden.
Und nun das Wichtigste:
Egal wer hier künftig über was auch immer über einzig wahre Wahnsinns-Steine oder Messer usw. von sich gibt, es wird mich kalt lassen. Eiskalt! Ich bleibe bei meinen stumpfen Klingen und erfreue mich weiterhin des Wahns, der mir vorgaukelt, mich blut – und- schmerzfrei mit von mir geschärften Rasiermessern sanft und gründlich rasieren zu können. Dadurch werde ich in Zukunft sehr viel Geld sparen und von daher sollte ich für diese Erfahrung sogar dankbar sein.
Also: Danke Movie
Gruß Senser