Verzeiht mir bitte die Frage. Wahrscheinlich ist sie dilettantisch und ich habe etwas überlesen, aber:
Ist ein optimales (Küchen/Jagd-) -Messerstahl nicht für ein Rasiermesser auch optimal?
Beide versuchen das Kompromiss zwischen maximale Härte und Zähigkeit bei leichtere "Schärfbarkeit" zu erreichen?
Die Einsatzgebiete sich einfach zu verschieden. Schon zwischen den verschiedenen Messern selbst. Wenn man links und rechts die Extreme beschreiben müsste, dann hat man auf der einen Seite das Rasiermesser und auf der anderen das Fleischerbeil. Dazwischen ist je nach Einsatzgebiet viel Platz um den bevorzugten Eigenschaften mittels Stahl, Wärmebehandlung und Geometrie nahe zu kommen.
Japanische Sushimesser würde man auch nie zum hacken oder rumgefummel an Knochen oder gefrorenen Lebensmitteln verwenden. Die kommen daher von der Schärfe nahe an RM heran. Mit einem Fleischerbeil würde man nicht versuchen zu filetieren oder einen Apfel zu schälen, daher kommt es dort mehr auf Zähigkeit an und der Winkel der Schneide ist viel stumpfer bricht aber wirklich nicht aus.
Auch Jagdmesser werden beim aufbrechen des Wildes sehr viel stärker belastet als ein Rasiermesser. Man kann so ein Messer natürlich auch aus Silberstahl machen und auf RM-Schärfe bringen. Allerdings würde es die Schärfe nicht sehr lange halten und müsste sehr schnell nachgeschärft werden. Daher würde ein Jäger hier ein Messer bevorzugen, dass nicht nur die ersten 2 Minuten super scharf ist und dann schnell nachlässt, sondern eines dass vielleicht nur 85% dieser Schärfe bringt, diese aber dann konstant über 10-15 Wildschweine hält

Rasiermesser aus einem Rostfreien Stahl, der von seinen Eigenschaften her, nicht schlechter wäre als eins aus Carbonstahl, wurde uns allen gut gefallen denke ich!
Messer im Bad aufbewahren können, keine Angst um Rost, kein nachpolieren.....
Den gibt es. Hab gerade vor kurzem RM mit einer Schneidlage aus AEB-L gemacht:
http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,17321.0.htmlDieser Stahl erfüllt all diese Anforderungen. Ich bin sehr positiv überrascht.
Für Rasiermesser ergibt das aber keinen Sinn, da die eigentliche Schneide bei selbigen ja nur hauchdünn ist und Kohlestoffstahl zwar sauscharf, aber auch sehr spröde und brüchig wäre. Die Rasur wäre doch sehr direkt. Zuviel ich weiss ist aber eine Flexibilät der Schneide doch erwünscht oder gar unerlässlich? (Habe kein Rasiermesser, daher die Frage) Normaler Messerstahl ist daher glaub ich nicht gleich brauchbarer Stahl für Rasiermesser, schon die Stärke der Klinge macht unterschiedliche Stahlsorten vonnöten. Oder täusche ich mich?
Ja, du täuschst dich

Gerade beim Rasiermesser kann man bezüglich der Härte vers. Flexibilität in den Grenzbereich zu Gunsten einer hohen Härte gehen. Das macht Kohlenstoffstahl zur bevorzugten Mittel der Wahl.
Hebeln, schlagen oder hacken sind ja gerade nicht die gewollten Einsatzgebiete. Und auch die immer wieder mantrisch angesprochene "Flexibilität" der Rasiermesserklingen sind meiner Meinung nach, nichts als Marketing.
Der jenige der der Meinung ist, sein Barthaar oder gar seine Wangen wären so hart, dass sie den Stahl für die Rasur flexibel bewegen und anpassen würde, der möge sich gern bei mir melden

Mit so viel Druck sollte man nicht rasieren

Außerdem funktionieren ja auch derbe oder halbhole RM sehr gut, bei denen es diesen Effekt nicht gibt. Vollhohle Klingen sind einfach viel leichte nachschärfbar, das hat schon damals, als man seine Messer zum schärfen weggegeben hat, die Produktivität erhöht

Das Anlassen von RM macht aber trotzdem Sinn, da der Stahl auf Ansprunghärte belassen wirklich sehr, sehr spröde ist und auch noch Verspannungen vorhanden sind, die bei einem unachtsamen Anstoß an das Waschbecken schon zu einem zerspringen der Klinge führen können. Die 2-3 HRC die man beim Anlassen einbüßt, tun niemanden weh und erhöhen die potentielle Lebensdauer des Messers nachhaltig.
Ich kenne mich selber mit dem Thema nicht aus aber vielleicht liegt es am schmieden selbst das der Unterschied so enorm zu Heute ist

Ich glaube zu denn Zeiten wurden die Rohlinge noch mit dem Hammer geschmiedet wohingegen heute alles mit Maschine gemacht wird.
Schmieden erzeugt, richtig ausgeführt, eine feinere Struktur im Stahl. Wichtig ist dabei, dass eine genügend große Umformung stattfindet und nicht ewig und mit vielen Hitzen an dem Werkstück rumgekloppt wird, ohne das wirklich was damit passiert. Hier unterscheiden sich Schmiedeanfänger und Profis. Letzterer weiß was er tut und hat so viel "Zug" auf dem Hammer, dass er ein RM in 3-4 Hitzen fertigen schmieden kann. Der Anfänger muss den Rohling immer wieder neu erhitzen, weil er "ewig" braucht die gewünschte Form ins Material zu schlagen. Im ungünstigsten Fall tritt dabei sogar ein Kornwachstum im Stahl auf.
Beim Gesenkschmieden, wie heute üblich, besteht dieses Risiko eigentlich nicht. Die Umformkräfte sind gewaltig und der Schmiedevorgang ist schon mit einer Hitze abgeschlossen. Das ist also sicherlich nicht der Grund für die Unterschiede.