Von Zitrusfrüchten & HesperidenEs war einmal vor langer Zeit, in einer Welt alter Titanen und moderner, olympischer Götter, daß ein Riese das Himmelsgewölbe zu tragen hatte; Atlas, stark und dumm, trug zur Strafe die schwere Last. Genau an jener Stelle, wo Himmel und Erde sich berühren, wo die Welt des griechischen Denkens im
Westen ihr Ende hatte. Doch eines schönen Tages kam ein junger Mann vorbei und bat den Riesen um ein Nachtlager. Perseus, so hieß unser Held, hatte gerade mal wieder eine blutige Spur des Grauens auf Mutter-Erde hinterlassen und gedachte nun sich etwas auszuruhen - von seinem Tun; was Atlas jedoch, den man vor einem Dieb gewarnt hatte, rundweg ablehnte - ein schwerer Fehler. Perseus, der es so gar nicht gewohnt war lange für etwas zu bitten und zu dessen Tugenden die Geduld nicht gehörte, nahm sein Gepäck von den Schultern, holte den abgeschlagenen Kopf der Medusa daraus hervor und hielt diesen Atlas vors Gesicht. Die Folgen sind bekannt. Der Titan erstarrte zu Stein (das ist griechische Geologie) und wir sollten uns immer daran erinnern, ungebetene Gäste erst zu fragen was sie im Sack haben, bevor wir sie wieder wegschicken.
Und so steckt im Wort Hesperius schon die erste Beschreibung -
westlich gelegen - genau dort, wo Perseus gelandet war.
Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende, denn ein anderer großer und starker Held war damit beauftragt, die Goldenen Äpfel aus dem Garten der Hesperiden zu stehlen. Die Goldenen Äpfel -
Zitrusfrüchte? Es ist nicht ganz klar ist, ob die Griechen der Antike Zitrusfrüchte überhaupt kannten. Vermutlich handelte es sich um Quitten. Aber nun weiter im Text. Herakles (der Recke, der im Wahn seine Kinder erschlagen hatte) war im Auftrage seines Königs unterwegs um die Äpfel aus dem Garten der Hesperiden zu stehlen. Man muß vielleicht dazusagen, daß der gute König einfach Angst hatte und seinen Diener deshalb lieber auf Reisen wußte als im eigenen Haus. Wer will schon einen Kindermörder zum Butler?
Hesperiden? Von Nymphen, den Abendlichen/ Hesperiden. Zur geographischen Beschreibung kommt somit eine Zeitliche hinzu - im Westen, dort wo die Sonne untergeht - am Abend. Und weil unser starker Titan Atlas der Vater der Hesperiden war, betrachtete er den Garten seiner Töchter - und alles was darin wuchs - als seinen eigenen Besitz. Zum besseren Schutze hatte Hera (dieser gehörte der Baum nämlich in Wirklichkeit) sogar noch einen weiteren Hüter für ihre Äpfel engagiert - Ladon, den hundertköpfigen Drachen. Doch am Ende half das alles nichts. Atlas pflückte die Äpfel sogar selber und wurde zu guter letzt wieder übers Ohr gehauen. So kam es, daß Herakles die Goldenen Äpfel aus dem Garten der Hesperiden in die Welt (zu uns) brachte.
Und noch einige weitere Erklärungen für den Begriff:
Die Hesperis (Nachtviolen) sind eine Gattung in der Familie der Kreuzblütengewächse. Hespera (altgr. der Abend), beschreibt die Zeit, zu der diese Blumen besonders stark duften. Und dann gibt es noch die Hesperides/ Hesperidien; Beerenfrüchte mit ledriger Schale, wie sie den Citrusfrüchten eigen ist und wie sich Carl von Linné die Früchte am Baum im Garten der Hesperiden vorstellte.
Zudem gibt es einen Stern, der am Morgen und noch besser am Abend besonders gut zu sehen ist - die Venus, Hesperos (Hesperus). Auf ihrer Bahn kommt sie der Erde sehr nah und weil die Venus zugleich auch die Göttin der Liebe ist, symbolisiert ihr Zeichen mit dem stilisierten Handspiegel bis heute die Weiblichkeit.
So, daß war ein kleiner Ausflug in die Geschichte eines Begriffs, den die Parfumerie sehr häufig für sich reklamiert - die
Zitrusdüfte, die Agrumen - die Hesperiden.
Und hier der ganze Text:
http://www.aromatisches-blog.de/2008/11/15/hesperiden-von-aepfeln-nymphen-mythen/